Ausgabe 
(26.6.1942) Nr. 173
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der Nationalsozialisten Bremens

flmtliches verkündungsblait des Neichsstatttfalkecs in Oldenburg und Vremen

Nr. 175 , 12. Jahrgang

Lreitag, 26. Juni 1942

Linzetpreis 15 Npf.

Nom mel bricht nach fiWplen durch

tapuzzo, Sollum, kalfaga und Sidi el Voran« genommen!

Vie vrtten scharf verfolgt

Hohe Verluste des zurückflutenden Feindes

Berlin, 25. Juni. Wie das Oberkommando der Wehrmacht zu den weiteren Erfolge der Achfentruppen in Nordasrika mitteilt» blieben die deutschen und ita­lienischen Truppen in scharfer Verfolgung dem zurück­weichenden Feind auf den Fersen. Vergeblich versuchten die Briten, sich in vorbereiteten Stellungen an der libysch-ägyptischen Grenze noch einmal zum Kamps zu stellen. Der Widerstand der sich hier verblutenden in­dischen Truppenteile wurde gebrochen und in unaufhalt­samem Vordringen die Grenze überschritten. In rascher Folge fielen das Fort Capuzzo, Halsaya mit sei­nem durch die heldischen Kämpfe deutscher Truppen im Vorjahre berühmt gewordenen Pag, und der ägyptische Küstenort Sollum. Der Weg der vorwärtsstürmen- den Achsentruppen führte an zahllosen Triimmerseldern, brennenden Panzern und vernichteten Kolonnen vorbei. Die Materialverluste des flüchtenden Feindes sind außerordentlich hoch.

Nach der Einnahme von Sollum, die für die Briten wegen der dprtigen Hafenanlagen einen empfindlichen Verlust bedeutet, stießen die Achsentruppen in den Raum von Haggag es el Aqaba südostwärts Sollum vor und warfen die stark angeschlagenen feindlichen Verbände über Baqbuq und Bir Serawii wei­ter zurück. Als Folge dieser Operationen würd. der wichtige britische Versorgungshafen Sidi Bar ant von den Achsentruppen genommen, die mit ihren Spitzen bereits südostwärts dieser Stadt weiter vordringen. Auch im Laufe der Nacht setzten die deutschen Kampf­flugzeuge in mehreren Wellen ihre Angriffe auf die nach Osten zurückflutenden britischen Truppen im Raum west­lich von Marsa Matruk fort. Zahlreiche Feldlager wur­den durch Bombentreffer zerstört und in Tiefangriffen den feindlichen Kolonnen, die aus der Küstenstraßr nach Osten zu entkommen versuchten, schwere Verluste zuge­fügt. Kurz nach 21 Uhr erschienen deutsche Kampf­flugzeuge vom Muster 88 über mehreren feindlichen Flugplätzen in dem Gebiet zwischen Marsa Matruk und El Daba. Bomben schweren Kalibers richteten in Un­terkünften und abgestellten Flugzeugen nachhaltige Zer­störungen an. Nach einem dieser Angriffe entstanden in dem Material- und Sprengstofflager eines feindlichen Feldflugplatzes heftige, von großen Bränden begleitete Explosionen. Auch die feindlichen Bewegungen auf der Küstenstraße und der Eisenbahnstrecke zwischen Marsa Matruk und El Daba wurden durch deutsche Kampf­flugzeuge überwacht: in wiederholten nächtlichen An­griffen wurden zahlreiche Kolonnen zersprengt und mehrere mit Munition und Truppen beladene Eisen­bahnzüge in Brand geworfen. — Durch diese heftigen, bei Tag und Nacht geflogenen Angriffe haben die deut­schen Luftwafsenverbände zu dem schnellen und erfolg­reichen Vorstoß der deutschen und italienischen Truppen bis zu dem Raum von Sidi el Barani wirkungsvoll beigetragen.

Mit Rommels neuem Sprung nach vorwärts, der zur Miteinnahme des beinahe 90lcm von der libysch-ägypti­schen Grenze gelegenen Sidi el Barani' geführt hat, steht die Panzerarmee Afrika an dem Punkt, der das Ende der Septemberoffensive Grazianis im Jahre 1940 und den Beginn der großen Wavell-Ofsensive im darauf­folgenden Winter bezeichnet. Die seinerzeitige italienische Nordafrika-Armee, die bauptsächlich aus Infanterieabtei- lungcn ohne Schwere Panzer bestand, erreichte Sidi el

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Barani am 17. September 1940. In den darauf folgen­den zehn Wochen kam es zu mehreren lokalen Gefechten im östlichen Vorfeld des Ortes, bis Wavell am 19. De­zember 1940 mit den Panzerbrigaden seiner „Nilarmee" den Gegenstoß führte. — Damals kam dem Engländer eine geradezu erdrückende Materialüberlegenheit zugute.

Fort Eapuzzö, eine von der nächsten Wasserstelle einen Kilometer entfernte befestigte Truppenunterkunft, der Halfaya-Paß und Sollum bilden zusammen ein strate­gisches System, das den Kllstenweg von und nach Aegyp- ten beherrscht. Das Steppengebiet dieses Küstenstreifens wird, wenn man von Westen kommt, immer felsiger und füllt jenseits Halfaya zur sogenannten Augenbraue von Sollum ab, die sich zur Verteidigung vorzüglich eignet. Dorf und Hafen Sollum, in deren armseligen, längst evakuierten Häusern in normalen Zeiten etwa 300 Ara­ber lebten, liegt an der einzigen natürlichen Bucht, die die westägyptifche Küste ausweist. Sollum war offenbar ein britischer U-Boot-Stützpunkt. Von hier aus wurden auch die Oasen Siva und Djarabub versorgt, deren Lage jetzt schwierig geworden ist.

Der Vormarsch von Sollum nach dem Osten spielt sich in einer Wüstentafellandschast a!b, die Höhen bis zu 200 Meter und tieseingeschntttene Täler ausweist. Nach Süden fällt das GKünde leicht ab und geht in die

eigentliche ägyptische Marmarica über, die eine der menschenleersten Gebiete der Erde darstellt. ISO Kilo- meter von Marsa Matruk und etwa 400 Kilometer von Alexandrien entfernt, besitzt Sidi et Barani Bedeutung als Ausgangspunkt der asphaltierten Autostraße nach Marsa Matruk als Schlüsselstellung der zweiten (mitt­leren) englischen Befestigungslinie zur Verteidigung Aeqyptens und endlich als Wasserstelle für das Steppen- und WUstengebiet. Von den Engländern wurden aus militärischen Gründen die antiken römischen Wasser- zisternen wieder ausgebaut und neue Brunnen gebohrt. — Wie in Sollum befanden sich auch in Sidi el Barani große englische Vorratslager, Munitionsdepots und Treibstosftanks. Im Frieden zählte Sidi el Barani gleich Sollum wenige Dutzend Araberfamilien als Ein­wohner. Durch den Krieg hat das Dorf als wichtiger Etappenpunkt einen ungeahnten Aufschwung erlebt.

Die Engländer haben jetzt die Taktik eingeschlagen, sich auf das Zentrum ihres Verteidigungssystems in der „westlichen Wüste", Marsa Matruk, zurückzuziehen. Dieser von der Luftwaffe der Achse in den letzten Tagen heftig bombardierte Ort bildet den End- und Schwer­punkt eines Verteidigungsgürtels, der sich in südwest­licher Richtung etwa 30 Kilometer weit bis zu den (Fortsetzung auf Seite 2)

Vodengewlnn >m Kaum von Sewastopol

6leiäi;eirig Vernichtungsangriff ostwärts llzarkow

Aus dem Führerhauptquartier, 25. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Im Festungsgebiet von Sewastopol gewann der Angriff der deutsch-rumänischen Truppen in erbitterten Wald- und Häuserkämpsen weiter an Boden. Schwere und wirkungsvolle Angriffe von Luftwassenverbändeu richteten sich vor allem gegen die Stellungen an der Siidbucht, bei Jnkermann und gegen die Verteidigungs­zone um Nikolajewka. Südostwärts Charkow ist seit dem 22. Juni ein Angriff zur Vernichtung feindlicher Kräftegruppen im Gange. An der übrigen Ostfront bis auf harte erfolgreiche Kämpfe mit dem am Wol- chow eingeschlossenen Feind keine wesentlichen Kampf­handlungen. Aufklärungsflugzeuge vernichteten im Finnischen Meerbusen ein sowjetisches Räumboot. An der Eismeerfront versenkte die Luftwaffe in der Kola- Bucht zwei Handelsschiffe mit zusammen 11 000 BRT. und beschädigte ein weiteres großes Frachtschiff durch Bombentreffer. Die Sowjets verloren am gestrigen Tage 71 Flugzeuge. Sieben eigene Flugzeuge werden vermißt. —In Nordafrika brachen die deutsch-italieni­

schen Truppen den Widerstand des Feindes an der libysch-ägyptischen Grenze und nahmen die Festung Capuzzo, Sollum und Halsaya. In scharfer Verfolgung der geschlagenen Briten wurde Sidi el V a r a n i und das Gebiet südöstlich davon erreicht. — Im Kampf gegen Großbritannien belegte die Luftwaffe in der vergangenen Nacht das Industriegebiet von Birmingham sowie kriegswichtige Ziele in Süd­ostengland mit Spreng- und Brandbomben. — Der Träger des Eichenlaubes zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, Oberfeldwebel Stein batz, Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader, ist nach seinem 99. Lustsieg vom Flug gegen den Feind nicht zurückgekehrt. Mit ihm verliert die Luftwaffe einen ihrer erfolgreichsten Jagd­flieger. Der Führer hat den heldenmütigen Einsatz des Oberfeldwebels Stcinbatz durch nachträgliche Verleihung des Eichenlaubes mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes gewürdigt. Bei den im gestrigen Wehrmachtsbericht gemeldeten Erfolgen im Atlantik hat sich das Unterseeboot unter Führung des Kapitänleut­nants Rost in besonders ausgezeichnet."

Söring an den Vater Vberseldwebels Steinbay

Berlin, 25. Juni. Wie im Bericht des Oberkom­mandos der Wehrmacht gemeldet, hat der Führer dem von einem Flug gegen den Feind nicht zurückgekehrten Oberfeldwebel Steinbatz als 14. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritter­kreuz des Eiserne» Kreuzes verliehen. Reichsmarschall Eöring richtete an den Vater des Oberfeldwebels Stein­batz folgendes Schreiben: „Lieber Herr Steinbatz! Der Führer hat Ihren todesmutigen Sohn durch die Ver­leihung des Eichenlaubes mit Schwertern zum Ritter­kreuz des Eisernen Kreuzes geehrt. Stolz und bewegt bringe ich Ihnen das mit der Versicherung zur Kennt­nis, daß meine Luftwaffe den jungen Helden, der in den Reihen unserer kühnsten Jagdflieger 99 Lustsiege er­rungen hat, niemals vergessen wird. gez. Göring, Rcichs- marschall des Eroßdeutschen Reiches und Oberbefehls­haber der Luftwaffe."

Oberseldweüek Leopold Steinbatz, der noch- vor wenigen Monaten in der Öffentlichkeit kaum bekannt war, ist während seines Einsatzes gegen die Sowjet­union in ganz kurzer Zeit in die Reihe der erfolgreich­sten Jagdflieger aufgerückt. Er wurde am 25. Oktober 1918 in Wien geboren. Schon in jungen Jahren betätigte sich Leopold Steinbatz als Segelflieger und trat nach dem Besuch der Volks- und Mittelschule am 1. Oktober 1937 in ein Fliegerregiment des ehemaligen österreichi­schen Bundesheeres ein. Seine Ausbildung als Flug­zeugführer erhielt er ab August 1939 in der deutschen Wehrmacht. Während des Bälkanseldzuges bewährte er sich als Jagdflieger besonders bei den Kämpfen um Kreta. Anläßlich seines 42. Luftsieges war ihm am 14. Februar 1942 das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz

verliehen worden. In den ersten Maitagen diesesJahres begann er seine stolze Erfolgsserie, bei der er innerhalb von nicht ganz vier Wochen seine Luftsiege auf 83 er­höhte. Der 23jährige Oberfeldwebel zeichnete sich auch in den folgenden Wochen durch ungestümes Draufgänger­tum und unermüdliche Einsatzbereitschaft aus, die er auch bei erfolgreichen Tiefangriffen gegen bolschewistische Panzerkampfwagen und Kolonnen bewies. Am 2 . Juni 1942 wurde ihm anläßlich des 88 . bis 91. Luftsieges als 96. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes vom Führer ver­liehen. Während der heftigen Kämpfe im südlichen Ab­schnitt der Ostfront in den ersten Junitagen konnte Oberfeldwebel Steinbatz die Zahl seiner Luftsiege bis zum 11 . Juni auf 96 erhöhen. Am 15. Juni startete er zu seinem letzten Kamps mit bolschewistischen Jagdflug­zeugen. An diesem Tage brachte Steinbatz, wie seine Staffelkamevadvn beobachteten, drei weitere Gegner zum Absturz. Er aber kehrte nach dem 99. Luftsieg nicht mehr zu seinem Einsatzhafen zurück. Das Heldentum des Her­vorragenden Jagdfliegers hat der Führer durch die Verleihung der Schwerter zum Eichenlaub gewürdigt.

Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Hauptmann Kroseberg, Staffelkapitän einer Notstafsel. — Hauptmann Heinz Kroseberg, am 23. Februar 1899 zu Berlin geboren, hat bei der Ber­gung in der Wüste notgelandeter oder über See abge­schossener Besatzungen ungewöhnliche Leistungen voll­bracht. Von seinen hohen Ausgaben der Bergung in Not geratener Kameraden zutiefst erfüllt, hat er, in stillem Heldentum sich selbst aufopfernd, zahlreichen deutschen Soldaten das Leben gerettet, bis er von einem Ber- gungsslug weit über See nicht zurückkehrte.

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„Vas englische Unterhaus verliert das Vertrauen"

Labour-Partei verlangt rribunal — „Line 0er schwärzesten britischen Krisen dieses Krieges"

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Stockholm, 25. Juni. Das britische Unterhaus erlebt^ nach dem Fall von Tobruk und dem weiteren siegreichen Vormarsch der Achsenmächte eine außerordentlich stür­mische Sitzung. Mit intensiver Spannung und tiefstem Ernst lauschten die Unterhausmitglieder in Abwesenheit Churchills dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Att- lee, der den Bericht des britischen Oberkommandierenden im mittleren Osten, General Auchinlek, über die Kata­strophe Großbritanniens in der Wüste verlas. Bittere Lachersolge konnten Lady Astor und der Labourabge- ordnete Capg Dugdal, nach Meldung des Londoner Korrespondenten des „Swenska Dagbladet", verbuchen. Letzterer richtete die ironische Frage an Attlee, ob er sich nicht einmal überlegen wolle, den besten sowjetischen General, den man auftreibcn könne, baldmöglichst nach Kairo zu schicken. Hier sie) Lord Winterton mit den Worten ein: „Schickt den sowjetischen General doch ins Unterhaus, das würde noch besser sein." England erlebt,

so stellt der Londoner Korrespondent von „Socialdemo­kraten" fest, jetzt zweifellos eine der schwärzesten Krisen dieses Krieges, und Churchill und seine Regierung gehen einer der ernstesten Debatten entgegen. Die Stimmung im Unterhaus faßt die englische Zeitung „The Star" in der Ueberschrift „Die Panik der Unterhausmitglieder" zusammen. „News Lhronicle" trifft die Feststellung, daß die Atmosphäre jetzt einen Spannungsgrad erreicht habe, wie nicht mehr seit den Tagen des Rückzuges aus Nor­wegen. Der politische Korrespondent des „Evening Standard" brachte am Mittwoch die interessante Mel­dung, daß die Labourpartei die Einsetzung eines „Tribu­nals" verlangen werde, das die Ursachen der britischen Katastrophe in Libyen untersuchen solle.

Der Sprecher des Unterhauses, Sir Stafford Cripps, gab am Donnerstag bekannt, „man hoffe, daß Churchill rechtzeitig zurückkehren werde, um an der bevorstehenden Libyen-Debatte teilzunehmen." Der Konservative Sir John Ward Mille brachte am Dounerstag einen Antrag

ein, und Cripps gab bekannt, daß der Debatte dieser An­trag zugrunde gelegt werden soll. 20 weitere Abge­ordnete des Unterhauses haben den Antrag unterzeichnet. In ihm heißt es, daß „das Unterhaus das Heldentum und die Ausdauer der Wehrmacht der Krone unter be­sonders schwierigen Verhältnissen lobt, aber kein Ver­trauen zu der zentralen Kriegführung hat." U. a. haben diesen Antrag unterzeichnet Sir Roger Kcyes, Major Robert Bower, und fünf andeke Konservative, Höre Velisha und säns weitere Liberale, der Unabhängige Frederik Belinger und sechs Labour-Abgeordnete.

Der Reuter-Kommentator Wickham Steed faselt: Die britische 8. Armee befindet sich zur Zeit in befestigten Stellungen, die stärker als diejenigen sind, aus denen sie im vergangenen November hervormarschierten. Für Deutschland steht jetzt jedenfalls alles auf dem Spiel (!). Es hat kraftvolle Schläge zu erwarten. Es ist allerdings möglich, daß die Ereignisse sich in diesem Kriege nicht so schnell abrollen werden.

Zwei Monate gegen einen Tag

ckr. v. sck. Berlin, 25. Juni. Marschall Rommel hat mit den verbündeten deutsch-italienischen Truppen den Durchbruch nach Aegypten noch schneller und tiefer grei­fend erzwungen, als es die Briten und Amerikaner in ihLen schlimmsten Ahnungen nach dem Fall von Tobruk befürchtet hatten. Er hat dem Gegner nicht die geringste Atempause gelassen, hat vielmehr mit kühnem und un­erbittlichem Schwung nachgestoßen, um die bisherigen großen Erfolge seiner Vernichtungsstrategie im Dreieck Bir Hacheim—Gazala—Tobruk zur vollkommenen und entscheidenden Auswirkung zy bringen. Noch am Mitt­woch orakelte man in England allgemein in offensicht­licher Nervosität über die vermutlichen weiteren Pläne Rommels. Man wußte nicht, ob man seinen Haupt­angriff bei Fort Capuzzo oder mit einem Umfassungs­angriff südlich an den britischen Stellungen vorbei rech­nen sollte. Nun brauchen die Briten sich nicht weiter im Rätselraten zu üben. Die Festungen Capuzzo, Sollum und Halfaya sind im ersten Ansturm der Achsenstreitkräste gefallen, die in drei Tagen über zweihundert Kilometer zurückgelegt haben und bereits hundert Kilometer tief in Aegypten eingedrungen sind. Namen tauchen auf, mit denen schon legendär gewordene Heldenkämpfe unserer tapferen Afrikaner verbunden sind. Südöstlich von Sol­lum liegt der Halfaya-Paß, wo die Männer unseres Afrikakorps im vergangenen Winter sich zwei Monate lang eingeschlossen hielten und den Nachschub des Geg­ners so empfindlich und langdauernd stören konnten, daß dadurch die Wendung zur Gegenoffensive Rommels im Januar dieses Jahres ganz wesentlich erleichtert wurde. Wo unsere Afrikakämpfer zwei Monate aus­gehalten haben, da mußten die Briten jetzt nach dem deutsch-italienischen Ansturm eines einzigen Tages weichen.

Als im Spätherbst des Jahres 1940 die Italiener unter dem Marschall Graziani bei Sidi el Barani stan­den, da befanden sich nach dem Zeugnis Wavells die Briten in größter Sorge vor dem Problem der Ver­teidigung Äegyptens. Heute aber ist die Lage für den Gegner viel viel schlimmer. Heute stehen die Engländer auf der Linie von Sidi el Barani den sehr viel stärkeren verbündeten Truppen unter ihrem Wllstenmarschall Vor­wärts nicht im Stellungskampf gegenüber, sie befinden sich vielmehr auf der Flucht vor einem in breiter Front scharf verfolgenden Gegner, nachdem in den voraus­gegangenen Kämpfen der Kern der Verbände des Gene­rals Ritchie mitsamt der Masse des Kriegsmaterials vernichtet werden konnte. Die gegnerische Agitation wollte in den ersten Tagen nach dem Beginn dieser neuen Afrikaschlacht frohlocken, daß diesmal Rommel in sei­nem Willen zum Blitzkrieg gescheitert sei. Im vergange­nen Jahre, so glaubte man argumentieren zu dürfen, habe er für den Weg von Agedabia bis Sollum nur zwei Wochen gebraucht, während er sich diesmal in den Minenfeldern von Gazala festgefahren und in eine ver­zweifelte Lage gebracht habe. Die törichten Leute, die immer wieder falsche Parallelen zu früheren Ereignissen ziehen wollen, konnten es nicht begreifen, daß Märschall Rommel seinen Plan jetzt anders angelegt hatte, daß er nicht auf den stürmischen Vormarsch in den ersten Tagen, sondern auf eine vorausgehende Vernichtungs­schlacht ausging, um diesmal ganze Arbeit zu vollbrin­gen, um die geschlagenen feindlichen Kräfte nach den schwersten Aderlässen und vor allem nach der Beseitigung des Dornes in der Flanke um so erfolgssicherer vor sich Herjagen zu können. Im vergangenen Jahre war das unbezwungene Tobruk für Rommel der Grund, auf der Sollum-Halfaya-Linie Halt zu machen, diesmal konnte er im ersten Anlauf diese Linie überrennen und den An­griff in großer Tiefe und bis zu dem Punkt in Aegypten vortragen, an dem nach Wavells Eingeständnis die äußerste Existenzsorge der Briten im Hinblick auf ihre gesamten nahöstlichen Machtpositionen beginnt.

Die Ausbrüche des Zornes und die Symptome der beginnenden Panik in der englischen Oeffentl ich keil sind sthon nach dem Fall von Tobruk so stark und eindeutig geworden, daß man sich ungefähr ein Bild davon machen kann, wie die neuen Hiobsnachrichten im feindlichen La­ger wirken müssen. Allerdings hatten einige Zeitungen ihre Leser vorsichtig vorbereitet, so der „Daily Expreß" mit der Feststellung, daß die Position Rommels-an der ägyptischen Grenze besser sei als im vorigen Jahre daß seine Kräfte mindestens doppelt so stark seien, da er über neueste Waffen verfüge und sich das Nachschubproblem

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Rommel ist mit seinen Truppen bereits in breiter thront bis zur zweiten britischen Verteidigungslinie nach Aegypten durchgestoßen.

Im Raume von Sewastopol gewinnt der deutsche Angriff weiter an Boden.

London bemüht sich vergeblich, die Enthüllungen über den britisch-sowjetischen Geheimvertrag durch fadenscheiniges Dementi abzuschwächen.

2m Zusammenhang mit dem Ankara-Prozeß unter­nahm Washington einen dreisten Einschüchterungs- vcrsuch gegenüber der Türkei.

Im englischen Unterhaus lief ein Antrag ein, der das Mißtrauen zur zentralen Kriegführung aus- spricht.

Der Führer verlieh das Eichenlaub mit Schwer­tern zum Ritterkreuz an den vom Feindslug nicht zurückgekehrten Oberfeldwebel Stcinbatz.

Die Frauen des Gaues Weser-Ems leisteten vom 31 . Mai 948 377 Stunden freiwillige Hrlssdrenstarbeit. >.