Ausgabe 
(24.6.1942) Nr. 171
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parteiamtliche ^geszeitung

Dos Amtsblatt des legierenden Vürgermeisters der Lreien fjonsestadt Vremen

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der Nationalsozialisten Vremens

flmtiiches verkündungsblatt des leichsstatchalters in Oldenburg und vremen

Nr. 1?1 , 12. Jahrgang

Mittwoch, 24. Juni 1S42

kinzeipreis 15 Nps.

wie tliurcliill kmova an Stalin verriet

dokumentarische kntküllungen einer schwedischen Zeitung über die Londoner öekeimklausel

„fluskieferung"

unseres krdteils an den Kreml

Stockholm, 23. Juni. Die schwedische Zeitung «Göteborgs Morgenpost" veröffentlicht Dienstag früh in sensationeller Aufmachung die ungeheuerlichen Ein­zelheiten des Eeheimvertrages, den, Churchill und Mo­lotow in London geschlossen habend In dem Vertrag, der das teuflische Programm bolschewistischer Machtgier und englischer Gemeinheit und Dummheit ist, wird ganz Europa den bolschewistischen Horden ausgeliefert. Er enthält folgende Abmachungen:

-„1. Die Ansprüche der Sowjetunion auf Sicherheit und strategische Grenzen gegenüber Finnland, dem Bal­tikum» Polen und Rumänien werden grundsätzlich an­erkannt. Bezüglich Irans ist ein ganz besonderes Ab­kommen getroffen worden.

2. Die meisten Gebiete, die an den Grenzen der Sowjetunion oder in der Nähe der Sowjetunion liegen, darunter Finnland, gewisse Teile von Nordskandina­vien, die Tschecho-Slowakei» Rumänien, Bulgarien und Jugoslawien, werden als sowjetische Interessensphären anerkannt.

3. Als Schutz gegen zukünftige Angriffe der Achsen­mächte wird der Sowjetunion das Recht zuerkannt, Stützpunkte zu erwerben und Garnisonen durch „Pacht­verträge" zu errichten. Der Sowjetunion wird weiter­hin freie Durchfahrt von der Ostsee zur Nordsee und vom Schwarzen Meer zum Mittelmeer garantiert.

4. In einem Zusatz zu Artikel 3K in dem veröffent­lichten Pakt, der die Alliierten nach Beendigung des Krieges berechtigt, besondere Sicherheitsmaßnahmen gegen einen neuen Angriff zu ergreifen, wird der Sowjetunion das Recht zuerkannt, im Einverständnis mit Großbritannien eine militärische und politische Kontrolle über Finnland, Deutschland, Ungarn, Ru­mänien und Bulgarien auszuüben.

5. Beide vertragschließenden Teile verpflichten sich, für die endgültige Beseitigung des nationalsozialistischen und faschistischen Regimes und ähnlicher Regierungs­systeme in ganz Europa Sorge zu tragen."

Außer dem oben genannten Zusatzprotokvll wurde in

Her Neichsmarschall an Vberleulnant Marseille

Berlin, 23. Juni. Reichsmarschall Göring hat den erfolgreichsten deutschen Jagdflieger in Nordafrika, Ober­leutnant Hans-Joachim Marseille, anläßlich der Ver­leihung des Eichenlaubes mit Schwertern zum Ritter­kreuz des Eisernen Kreuzes folgendes Anerkennungs­schreiben zukommen lassen: „Lieber Marseille! Sie haben in einem Siegeslauf ohnegleichen 101 britische Jäger in Lustkämpsen bezwungen und tragest nun als Jüngster in den Reihen meiner kühnen Jagdflieger die hohe Tapferkeitsauszcichnung. Ich beglückwünsche Sie zu Ihren überragenden Kampfleistungen und spreche Ihnen stolz und dankbar meine besondere Anerkennung aus. Möge Ihnen das Soldatenglück in alle Zukunft treu bleiben, gez.: Göring, Reichsmarschall des Eroßdeutschen Reiches und Oberbefehlshaber der Luftwaffe."

Oberleutnant M a r s e i l le ist der Sohn des General­majors M., der bis zum Frühjahr 1942 Bezirkskomman- deur im Wehrbezirkskommando Bremen 1 gewesen ist.

Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Korvettenkapitän Karl-Friedrich Merten und an Feldwebel Rudolf Müller, Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader. » .

London ferner ein Geheimabkommen über die militäri­schen Maßnahmen getroffen, die zur Errichtung einer „Zweiten Front" notwendig sind. Einzelheiten dieses Protokolls, das infolge seines rein militärischen Cha­rakters absolut geheim ist, sind außerhalb des engsten Kreises nicht bekannt

In einem Kommentar schreibt „Göteborgs Morgen­post": „Die geheime Zusatzklausel - zu dem englisch­sowjetischen Pakt wird mit größter Gewißheit ein ge­waltiges Aufsehen erwecken. Wir dürfen jedoch darauf hinweisen, daß die diplomatische Quelle, von der wir diese Nachricht erhalten haben, — sie ist weder deutsch, noch finnisch! — sich bei wiederholten früheren Gelegen­heiten, bei denen wir in der Lage waren, die Angaben zu kontrollieren, als zuverlässig erwiesen hat. Wir haben deshalb nicht gezögert, das Telegramm zu veröffent­lichen, auch wenn wir uns voll bewußt sind, daß es auch außerhalb.der Grenzen unseres Landes diskutiert wird."

H

Hierzu wird uns von unserer Berliner Schriftleitung gedrahtet: Nun muß auch der letzte Zweifler in Europa erkennen, in welchem Ausmaß England bereit ist, die Alte Welt dem sowjetischen Nihilismus, der sadistischen Vernichtungswut der innerasiatischen Steppe, auszu­liefern und zu verraten, wenn es dadurch noch eine letzte schwache Chance erhält, diesen von seiner Kriegspartei so frevlerisch heraufbeschworenen Krieg zu überleben. Jetzt ist die Maske von dem heuchlerischen Antlitz der Leute gänzlich heruntergerissen, die mit den Phrasen der Atlantikurkunde und mit der Beruhigungspille in dem für. die Oeffentlichkeit bestimmten britisch-sowjeti­schen Vertrag die Welt noch einmal dumm machen woll­ten. Nun muß sich der letzte Europäer darüber klar sein, daß der Kampf, den. Deutschland führt, ein Kreuzzug für die Erhaltung und Sicherung der Freiheit und Kul­tur des ganzen Abendlandes ist, daß die verbündeten Heere und die FreiwilligeN-Legionen eine Drohung aus

dem Osten beschworen haben, deren Medusenhaftes Ant­litz in dem jetzt veröffentlichten Geheimvertrag mit seinen ungeheuerlichen Einzelheiten in seiner ganzen Scheußlichkeit in Erscheinung tritt.

Schon im Anschluß an den Abschluß des englisch- bolschevistischen Vertrages vom 12. Juli 1941 und an den Besuch Edens in Moskau veröffentlichte die „Ti­mes" jene sensationellen Aufsätze, aus denen sich mit vollkommener Eindeutigkeit die Bereitschaft Englands ergab, den europäischen Kontinent und die abendlän­dische Kultur für den Fall eines gemeinsamen Sieges zu verraten und den Sowjets freie Hand zur Bolsche- wisierung Europas zu lassen. Die Bereitschaft, für die bolschewistische Vunoesgenossenfchaft und für die letzte schwache Möglichkeit eines Sieges über das verhaßte Reich den Bolschewiken jeden Preis zu zahlen, kam noch deutlicher zum Ausdruck, als Cripps aus Moskau zurückkehrte. . Dieses Sprachrohr Stalins verstieg sich schließlich zu der Erklärung, daß die Bolschewisten das moralische Recht hätten, ganz Deutschland zu erobern und zu besetzen, um an dem deutschen Volke ein Straf­gericht zu vollziehen. Wie weit die bolschewistischen Aspirationen gehen, das wissen wir in Deutschland am besten, weil ja Herr Molotow bei seinem Besuch in Berlin die Forderungen Stalins mit brutaler Osfen- heit vorgetragen hat. Nicht nur Deutschland, Ungarn, Rumänien, Bulgarien sollten nach den ungeheuerlichen Einzelheiten des Geheimvertrages in die Zone der sowjetischen Interessen einbezogen werden, die Sowjets wollen noch weitergehen und durch Stützpunkte und Garnisonen auf Grund von Pachtverträgen sich den Weg zur Nordsee und zum Mittelmeer sichern, das heißt, sich in Kopenhagen und in Istanbul festzusetzen. Finnland, Nordskandinavien, die „Tschechoslowakei"! und „Jugo­slawien" sollen selbstverständlich auch „autonome So- wjetrepublikep's werden. — Das scharfe Schwert der Achse ist der Garant dafür, daß jene Pläne nie ver­wirklicht werden können.

wettere Verteidigungsanlagen ...

LanSungsoersutk am flsowschen Meer abgewiesen — Sowjets verloren am Montag l00 slugreuge

Aus dem Führer Hauptquartier, 23. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Im nördlichen Festungsgebiet von Sewastopol sind auf der äußersten Landzunge nördlich der Sewernaja-Bucht noch haltende Reste des Feindes eingeschlossen. An der übrigen Festungssront wurden in schweren Einzelkämp­fen unter schwierigsten Geländeverhältnissen zahlreiche Bunker niedergekämpft und weitere Verteidigungs­anlagen genommen. Starke Kampffliegerkräfte unter­stützten die Angriffe und bombardierten feindliche Re­serven und Munitionslager. An der Nordkiiste des Asowschen Meeres wurde ein örtlicher Landungsversuch der Sowjets abgewiesen. Die im Waldgebiet nordost- wärts Charkow noch befindlichen Reste der zerschla­genen sowjetischen Divisionen, wurden vernichtet. 660 Tote wurden gezählt. 048 Gefangene und 20 Geschütze eingebracht. Im mittleren Abschnitt der Ostfront ge­ringe Kampftätigkeit. An der Wolchow-Front hatte der Feind in erbitterten wechselvollen Waldkämpfen schwere Verluste. Die Sowjetlustwaffe verlor am gestrigen Tage 100 Flugzeuge. Fünf eigene Flugzeuge werden vermißt. — In Nordafrika haben die vordersten Teile deutscher und. italienischer Divisionen die libysch-ägyptische

Grenze erreicht; bei der Einnahme des Hafens von Tobruk versenkten Verbände des Heeres ein Ka­nonenboot und sechs kleinere Transportdampfer' mit zu­sammen 5700 VRT., die mit britischen Truppen zu flie­hen versuchten. Die an Bord befindlichen Soldaten wur­den gefangengenommen. Aus Malta bekämpften deutsche und italienische Kampsflugzeuge die Anlagen des Flugplatzes Luca mit Bomben schweren Kalibers. — Die Stadt Emdcn wurde in der letzten Nacht erneut von britischen Bombern angegriffen. Die Zivilbevölke­rung hatte geringe Verluste. Zahlreiche Gebäude in Wohnvierteln wurden getroffen. Bier der angreifenden Flugzeuge wurden abgeschossen. — In den schweren Winterschlachten an der Ostfront haben Luftwaffen- bataillone im Erdkampf Flugplätze und auch besonders bedrohte Frontabschnitte tapfer verteidigt. Mit Verbän­den des Heeres sind diese Einheiten jetzt an anderen Operationen hervorragend beteiligt. In diesen Kämp­fen in unwegsamem Gelände zeichnete sich die Division Meindl besonders aus. Leutnant Leykauf, Flug­zeugführer in einem Jagdgeschwader/hat an der Ost­front in einer Nacht sechs feindliche Transportflugzeuge abgeschossen."^^.-..___....

Nommel bereits an der ägyptischen l-renze

kngland zittert in fingst — „wann folgt der nächste Schlagt" — Sie Politur des Optimismus abgekratzt

ckr. V. sck. Berlin, 23. Juni. Ganz England zittert heute, in Angst vor dem, was Rommel nach der Ein­nahme von Tobruk und nach dem Vormarsch an die ägyptische Grenze unternehmen könnte. Man hat zwar keine Ahnung, wie die weiteren Pläne unseres Wllsten- marschalls aussehen und ob er sich aus diesem oder jenem Grunde weitere oder engere Ziele gesteckt hat, aber daran scheint nach den bisherigen Erfahrungen kein Brite mehr zu zweifeln, daß, wenn Rommel ein Unter­nehmen in Angriff nimmst der Erfolg von vornherein als verbürgt gelten kann. Darum orakelt man mit höch­ster Nervosität darüber, ob Rommel nach den letzten Kämpfen zunächst einmal seinen Verbänden Ruhe gön­nen und sie neu zusammenfassen müsse, ob auch seine Operationsfähigkeit durch Panzerllerluste geschwächt sei oder ob er in seiner gewohnten Manier den errungenen Vorteil im Blitzkrieg ausnutzen werde. Die Mehrzahl der Beurteiler neigt in der tiefen Niedergeschlagenheit nach den letzten schweren Schlägen zu der Auffassung, daß der Angriff des Afrikakorps auf die Sollumsront stündlich erwartet werden müßte.

Für diesen Fall sieht man in England für die eigenen Truppen schwarz. Es werden Vergleiche zwischen der Eazala-Linie und der Sollum-Linie gezogen, wobei die Befürchtung ausgesprochen wird, daß auch die neue Ver­teidigungsstellung nicht lang genug sein könnte, um ein Umgehungsmanöver wip bei Bir Hacheim auszuschlie­ßen. Das Schlimmste für die Briten ist die Erkenntnis, daß im Fall eines schnellen neuen Angriffs von Rom­mel die Kräfteverhältnisse für die Briten nach dem Verlust von Tobruk so ungünstig wie noch nie liegen.

Der in der Nähe von Fort Capuzzo weilende Sonder­korrespondent des „Daily Telegraph" schildert die Lage in den dunkelsten Farben und mit der ernstesten Sorge, wenn, so schreibt er, die deutschen Gefangenen- und Beutezahlen stimmten — und daran zweifelt dieser Korrespondent ganz offenbar selbst auch nicht — dann gebe es für den Fall Tobruk keinerlei Entschuldigung, denn solche Kräfteeinbußen seien so katastrophal, daß sie die militärische Stärke der britischen 8. Armee ernst­haft in Frage stellten. Rommel habe dann nicht »ar

sein unmittelbar militärisches Ziel erreicht, sonderst es sei ihm auch noch gelungen, einen großen Teil der Aegypten verteidigenden Streitkräfte zu vernichten oder mindestens schachmatt zu setzen. Noch knapper und bru­taler sagt es Reuter: „Ein bedeutender Teil der 8. Armee ging verloren, und dAs ,bedeutet, daß uns bittere Kämpfe bevorstehen, bevor die Lage Wieder stabi­lisiert ist." Darum kommt schließlich auch „News Chro- nicle" zu der Folgerung: „Es ist eine Tatsache, daß im Mittelmeerraum eine Lage eingetreten ist, die ernster ist als jede andere, die sich im bisherigen Verlaus des Krieges offenbart hat."

Darüber besteht jedenfalls in der ganzen englischen Presse Uebereinstimmung, daß Rommel sich gegebenen­falls die denkbar beste Basis für einen Angriff gegen die Sollum—Halfaya-Front geschaffen hat, nachdem seine Truppen nun auch bereits alle Luftstützpunkte östlich von Tobruk bis zum Endpunkt der Eisenbahn von Marsa Matruk an die libysche Grenze in ihren Besitz gebracht haben. Die bange Frage danach, wann Rommels nächster Schlag fallen werde, wird auch weiterhin in der eng­lischen Presse von aufgeregten und zornigen Betrachtun­gen über die Ursachen der Katastrophe begleitet. Der Militärschriftsteller Liddel Hart kommt in der „Daily Mail" zu der Feststellung, daß die letzten Ereignisse die „dicke Politur" von den optimistischen Nachrichten ge­hörig abgekratzt hätten. Was habe man nicht alles der Oeffentlichkeit Großbritanniens vormachen wollen. Es habe geheißen, die völlige Ueberlegenheit der Engländer in Nordafrika sei sichergestellt. Jedesmal, wenn sich die Lage zuungunsten der Engländer wieder geändert habe, habe man nichts anderes gewußt, als das alte opti­mistische Gerede zu wiederholen. Der allzu bekannte Euphemismus vom strategischen Rückzug auf vorbereitete Stellungen sei wieder aufgelebt und sogar durch eine neueMoch viel dunklere Phrase ersetzt worden, daß man sich nämlich vor dem Gegner zurückziehe, um Vorkehrun­gen für neue Entwicklungen zu treffen." Diese Vor­kehrungen hätten dann darin bestanden, daß die 8. britische Armee unter feindlichem Flanken-Druck einen überstürzten Rückzug teil» zur ägyptischen Grenz«, und

zum anderen Teil in das inzwischen gefallene Tobruk angetreten habe.

Äuch in anderen Zeitungen werden ähnliche Klage­rufe ausgestoßen, so im „News Chronicle": „Man hat uns so viel glauben lassen, und wir haben so wenig zu sehen bekommen." Man verspricht sich auch im Zu­sammenhang mit der Reise Churchills MckftWaihington keinen Trost mehr „Welch gute Nachrichten", so heißt es in einem politischen Zeitungskommentar, „Churchill auch aus Washington mitbringen mag, so sind die Par­lamentsmitglieder doch nicht bereit, die beunruhigenden Nachrichten aus Libyen davon überschatten zu lassen." Es muß allerdings immer ein paar Leute geben, die den Verrückten spielen. Dazu gehört ein Sprecher des Lon­doner Rundfunks, der mit'furchterregender Miene eine Gegenoffensive Ritchies ankündigt und hinzufügt: „Den -Willen hierzu hat er schon bekundet." Auch ein „Times"- Korrespondent aus Libyen orakelt frech-fröhlich, daß das Pendel, wenn es- wieder in Bewegung gerate, ent­schieden zugunsten der Alliierten ausschlagen werde. Da scheint uns doch Liddel Hart bei seinem Versuch, die Lage nüchtern und realistisch zu sehen, besser be­raten. Er erklärt alle Zukunftsbercchnungen darum für sinnlos, weil bisher sämtliche Kalkulationen, insbeson­dere auch diejenigen der für die Operation verantwort­lichen Männer, vom Gegner durchkreuzt wurden und sich endgültig als falsch herausgestellt hätten. Die Deut­schen seien schon Meister in der Offensive.

Auch in Moskau sind die übereinstimmenden Fest­stellungen in der englischen und amerikanischen Presse nicht unbekannt geblieben, nach denen, wie es die „New Yorker Post" formuliert, das Unglück in Libyen alle Hoffnungen für eine „zweite Front" im Jahre 1942 zu­nichte machen kann." Der Sowjetbotschafter in den Ver­einigten Staaten Litwinow ist darum in einer Versamm­lung in Madison Square Gardens sehr deutlich ge­worden. Er führte bittere Klage darüber, daß eine zweite Front nicht aufgestellt worden sei, als die Sowjetarmeen noch im Angriff gestanden hätten. Auch sei, so sagte er,, die materielle Hilfe aus den Vereinigten ' (Fortsetzung auf Seit« L)

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„Zwischenerklärung" Roosevelts und Churchills

är. v. sck. Berlin, 23. Juni. Als sich Churchill in kopf­loser Ueberstürzung auf die Reise nach Washington be­gab, da mochte er gehofft haben, der Oeffentlichkeit überraschend ein neues politisches Thema liefern und mit ihm die Aufmerksamkeit von dem schon sengerich riechenden libyschen Braten ablenken zu können. In­zwischen ist dieser Braten völlig angebrannt und der Ge­stank ist so schlimm geworden, daß man in England und in den Vereinigten Staaten nur noch von der „Tragö­die von Tobruk" spricht und die beiden Kriegs­bankrotteure fast völlig vergessen hatte, die da irgend­wo an einem geheimnisvollen Ort die rauchenden Köpfe zusammenstecken. Das war nun auch wieder für die Eitel­keit der Roosevelt und Churchill unerträglich, und die beiden empfanden wohl das Bedürfnis, darauf aufmerk­sam zu machen, daß sie auch noch da seien. Darum schickte Roosevelt seinen Sekretär Early in die Pressekonferenz. Der mußte dort eine gemeinsame Erklärung der beiden „Staatsmänner" verlesen, die der flau ' gewordenen Stimmung wieder auf die Beine helfen soll und folgen­den Wortlaut hat:

„Der Präsident und der Premierminister setzen mit Unterstützung von hohen Militär-, Marine- und Luft­behörden in Washington eine Reihe von Verhandlun­gen und Besprechungen fort, die am Freitag begannen. Das ihnen dabei vorschwebende Ziel ist die Höchst- konzentrierung der verbündeten Kriegsmacht gegen den Feind zum frühesten Termin und die Ungleichung und' — soweit notwendig —' weitere Abstimmustg aller Maßnahmen, die seit einiger Zeit getroffen wurden, um die Kriegsanstrengungen der vereinigten Nationen weiter zu entwickeln und aufrechtzuerhalten. Es ist natürlich unmöglich, irgendeinen Bericht über den Verlauf der Verhandlungen zu geb-m, und jede dies­bezüglichen nichtamtlichen Erklärungen können nur auf Annahmen begründet sein. Zwischen allen Beteiligten herrscht völliges Einverständnis und größte Harmonie Lei der Behandlung der umfangreichen und schweren Aufgaben, die vor uns liegen. Eine Anzahl besonders hervortretender Einzelheiten, die nur schwer auf brief­lichem Wege beizulegen sind, sind von den entsprechen­den technischen Beamten nach Konsultationen mit dem Präsidenten und dem Premierminister geregelt worden."

Viel verwaschener und unklarer konnte diese Erklä­rung nun wirklich nicht sein. Aus ihr spricht die voll­kommene Hilflosigkeit zweier Bankrotteure, die keinen Ausweg mehr sehen. „Blitzentscheidungen" hatte man angekündigt, und man wollte den Anschein erwecken, daß der ganzen Welt der Atem stocken werde, wenn Roosevelt und Churchill ihre Beschlüsse kundtun wür­den. Nun erfahren wir, daß den beiden Männern die Höchstkonzentrierung der alliierten Kriegsmacht gegen den Feind zum frühesten Termin „als Ziel vorschwebt". Was soll das heißen: Zum frühesten Termin? Offen­sichtlich soll mit dieser unklaren Formulierung die an­gekündigte zweite Front endgültig begraben werden. Noch törichter erscheint die Formel von der „Aufrecht­erhaltung der Kriegsanstrengungen". Wir hatten schon gedacht, daß es eine Konferenz sein sollte, auf der Roose­velt und Churchill den „Sieg" beschließen würden. Diese Männer „beschließen" kommende Dinge, sie reden von „ihnen vorschwebenden Zielen", während die tatsäch­lichen Kriegsentscheidungen von den Soldaten der Ach­senmächte und von Männern wie vom Marschall Rom­mel auf den Schlachtfeldern herbeigeführt werdet:.

Die Weltöffentlichkeit mit Einschluß selbst des eng­lischen Volkes und der Vereinigten Staaten hat jeden­falls längst durchschaut, daß die Phrasen, die um die erste Bekanntgabe des Churchill-Besuchs in Washington gemacht wurden, Gipfelleistungen der Verdrehungskunst darstellen. Eine schwedische Zeitung spricht diese Erkennt­nis so aus, daß es eine falsche Auslegung der Reise Churchills gewesen fei, wenn man behauptet habe, daß die Frage der „zweiten Front" jetzt vor einer unmittel­baren und positiven Entscheidung stehe. Amerikanische Zeitungen stellen fest, daß die beiden Kriegsherren Amerikas und Englands genug zu tun hätten, um den Riesenplänen der Achse begegnen zu können. Inzwischen

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An der Festungsfront von Sewastopol wurden wei­tere Verteidigungsanlagen genommen.

Ein sowjetischer Landungsoersuch am Asowschen Meer scheiterte.

Die Bolschewisten verloren am Montag 100 Flug­zeuge.

Die Truppen Rommels haben die libysch-ägyptische Grenze erreicht.

In einer albernen gemeinsamen Erklärung begraben Roosevelt und Churchill die „Zweite Front".

Eine schwedische Zeitung bringt dokumentarische Enthüllungen über die Londoner geheimen Ab­machungen zwischen Churchill und Molotow.

Der französische Ministerpräsident Laval stellte in emer Rede Frankreichs europäische Aufgabe heraus. Der Führer ernannte den bisherigen NSKK.-Ober- aruppenfiihrer Erwin Kraus als Nachfolger Hühn- leins zum Korpsführer des NSKK.

angriff obdachlos Gewordene, sich bei ihrer zustiim digen Sammelstclle melden müssen.

Im Rahmen des Vierjahresplans wurde ein« Zentralstelle für Generatoren eingerichtet.

Eine a. o. H. V. der Hapag ergänzte den Auf­sichtsrat durch Neuwahlen.