Ausgabe 
(14.10.1942) Nr. 283
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parteiamtkclie Layeszettung

vos flmlsblalt des Negierenden vürgermeistcrs der Zielen Hansestadt vremen

der Narionalldzialästen, vremens

flmtliriies verkündungsblatt des Ncichsstattlsalters in Oldenburg und vremen

Nr. 28Z , 12. Jahrgang

Mittwoch. 14. Oktober 1942

kin^eipreis 15 Npf.

Division v,ies kolsekevnstisclken ^ngri^l surüclc

Sowietische KrDegruppe im Kaukasus vernichtet

VersorgungsslLitzpunkle und rransporlbewegungen bewersekts der Wolga bombardiert

Aus dem Führerhauptquartier, 13. Okto­ber. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Im Nordwestteil des Kaukasus wurde in schwieri­gen Waldlämpfen abermals eine feindliche Kriifte- grnppe eingeschlossen und vernichtet. Angrisfsvorbe- reitungen der Sowjets wurden an anderer Stelle durch wirksames Artilleriefeuer zerschlagen. Südlich des Te- rel blieben von Panzern unterstützte feindliche Gegen­angriffe erfolglos. Deutsche und rumänische Kamps- fliegerlräfte belegten feindliche Versorgungsstützpunkte und Transportbewegungen beiderseits der Wolga mit Bomben aller Kaliber. Die in dem kaukasischen Erdöl­zentrum Grosny entstandenen Brände wurden durch nächtliche Luftangriffe erweitert. Im Raume von Sta - lingrad und an der Donfront wurden örtliche An- grifssversuche des Feindes durch deutsche bzw. unga­rische Truppen im Keime erstickt. IM mittleren und nördlichen Abschnitt der Ostfront bei zunehmender Wetterverschlechterung nur Artillerie- und Spähtrupp- tätigkeit, wobei die spanische Blaue Division angrei­fende Russen im Gegenstoß zurückwarf und ihnen schwere blutige Verluste zufügte. Die Luftwaffe bekämpfte den feindlichen Nachschubverkehr auf wichtigen Eisenbahn­strecken im Waldai-Eebiet und erzielte Volltreffer in Ausladestationen.

Aus Malta Lombardierten bei Tag und Nacht deutsche und italienische Kampsfliegerverbände britische Flugplätze mit starker Wirkung. In heftigen Lust­kämpfen verlor der Feind 15 Flugzeuge bei zehn deut­schen Verlusten. Britische Bomber führten in der letzten Nacht Störflüge über der Nord- und Ostsee durch, wobei einzelne Spreng- und Brandbomben ohne Wir­kung abgeworfen wurden. Zwei feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen. — Leichte deutsche Kampfflugzeuge griffen gestern im Tiefflug Industrieanlagen einer Stadt an der englischen Südküste an."

*

Leichte deutsche Kampfflugzeuge griffen am 12. Okto­ber trotz Flakabwehr ein Eisenbahnausbesserungswerk in der Nähe der Stadt Vrighton an der Südküste Großbritanniens im Tiefflug an. Mehrere Bomben trafen eine große Werkhalle. Sie stürzte unter starker

Neue Mtterkreuztröger

Berlin, 13. Oktober. Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an: Generalmajor Carl Rodenburg, Kommandeur einer Infanterie- Division; Oberst der Schutzpolizei ^-Standartenführer Otto Gieseke, Kommandeur eines //-Pol.-Schützen- Regiments; Major der Schutzpolizei ^/-Sturmbann­führer Karl Schnur er s, Bataillonskommandeur in einem //-Pol.-Schiitzen-Regiment; Hanptmann Willi Riedel, Bataillonskommandeur in einem Infanterie- Regiment; Hauptmann Kindler, Staffelkapitän in einem Kampfgeschwader; Oberfeldwebel Albrecht Schnitzer, Zugführer in einem Infanterie-Regi­ment; //-Unterscharführer August Zingel. Gruppen­führer in einem Infanterie-Regiment der Waffen-//.

^-öruppenküfirer von Massow gestorben

Berlin, 13. Oktober. Nach kurzer, schwerer Krank­heit starb //-Gruppenführer Generalleutnant a. D. Dr. h. c. Ewald von Massow. — //-Gruppenführer von Massow war Inhaber der beiden Eisernen Kreuze und anderer Orden aus dem Weltkriege sowie hoher und höchster Auszeichnungen des 2n- und Auslandes.

Vrandentwicklung ein. Mit Bordwaffen beschossen die Kampfflieger Eebäudekomplexe und Speicher sowie Kraftfahrzeugansammlungen. Andere leichte Kampf­flugzeuge griffen bei überraschenden Vorstößen gegen die britische Küste Vorpostenboote im Kanal an und kehrten ohne Verluste zu ihren Absprunghäfen zurück.

Unsere Knaben und

Nr. Soebbels empfing Zl besonders tapfere

Berlin, 13. Oltober. Reichsminister Dr. Goebbels empfing am Dienstag im Beisein des Reichsjugend- sührers Axmann in den Räumen feines Ministeriums 31 Hitler-Jungen aus den luftbedrohten deutschen Gauen, die sich bei feindlichen Fliegerangriffen durch besonders tapfere Haltung und Unerschrockenheit hervorgetan haben. Dr. Goebbels begrüßte die Jungen, von denen zwei mit dem Eisernen Kreuz und die anderen mit dem Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern ausgezeichnet wor­den sind, einzeln mit Handschlag und ließ sich von ihnen eingehend über ihre Erlebnisse während der Alarm­nächte berichten. In ihren Schilderungen kamen die Um­sicht und der Mut zum Ausdruck, mit welchem diese jun­gen Menschen in den gefährlichsten Situationen gehan­delt haben.

In 'einer herzlichen Ansprache an die Hitler-Jungen führte der Minister aus, dies sei einer der schönstem Besuche, die er je in seinem Ministerium empfangen hübe. Er sei auf das tiefste bewegt durch die Tatsache, Knaben vor sich zu haben, die das Eiserne Kreuz trügen. Daß hier 15jährige Jungen, fast möchte man sagen noch Kinder, mit diesen ehrenvollen Auszeichnungen vor ihn träten, das sei für ihn eine besondere Freude.

Es habe sich beim Luftkrieg insgesamt «ine Haltung des deutschen Volkes gezeigt, die zu einem beachtlichen

Am Nachmittag des 12. Oktober stellten deutsche Kampf­flugzeuge bei bewaffneter Aufklärung westlich der fran- zMchen Küste einen britischen Bomber vom Muster „Whitley" zum Kampf. Der Brite erhielt so schwere Treffer, daß das Rumpfende abbrach und die „Whitley" steil ins Meer stürzte.

MSdchen als Kelben

fiitlerjungen aus den luftgesäfirbelen Sauen

Teil auf die nationalsozialistische Erziehungsarbeit zu­rückzuführen sei. Daß Männer sich bei Luftangrifsn tap­fer benähmen, das halte man stir selbstverständlich. Bon den Frauen pflege man oft zu sagen, sie seien das schwache Geschlecht. Sie haben bei den Luftangriffen die­ses Wort Lügen gestraft, denn unsere Frauen hätten sich in den Alarmnächten in aufopferungsvollster und tapfer­ster Weise gezeigt. Daß aber unsere Knaben und unsere Mädchen sich bei den Luftangriffen als Helden beweisen würden, das hätten wir alle in dem Umfang« nicht für möglich gehalten. Und er müsse sagen, fuhr der Mi­nister zart, daß er beim Anblick dieser jungen Menschen, die all« mit dem Eisernen Kreuz oder dem Krisgsver- dienstkreuz geschmückt seien, nur den einen Wunsch habe, daß in diesem Augenblick das ganze deutsche Volk Zuschauer sein möge, vor allem die deutsche Bevölkerung in den Gebieten, in denen es bisher noch keine Luft­angriffe gegeben habe, damit alle deutschen Männer und Frauen vor dieser Jugend ihren Stolz und ihr« Freude bekunden und vor allem, daß die ganze deutsche Jugend sich an diesen Jungen ein Beispiel nehmen könnte. Nachdem Dr. Goebbels noch einmal seiner herzlichen Freude über den Besuch der Hitler-Jungen Ausdruck gegeben hatte, lud er sie über den regulär für sie vorgesehenen Besuch ein, für zwei Tage seine Gäste in der Relchshauptstadt zu sein.

Vor 20 Jahren: Tag von Coburg

Von

w. tt. vsmmsnn

„Wenn die Deutschen es wagen sollten, Krieg gegen Polen zu führen, dann werden sie sich der ungeahnten Macht des gesamten britischen Weltreiches gegenüber sehen!" So, wenigstens dem Sinn« nach, drohte ein eng­lischer Rundfunksprecher einige Tage vor dem 1. Sep­tember 1939 und versuchte auf diese Weise mit echt englischem Bluff, das deutsche Volk wankelmütig zu machen in der Wahrung seiner heiligsten Rechte, näm­lich dem Schutze deutschen Volkstums und alten Reichs­bodens, während gleichzeitig durch solche großmäulige Schaumschlägerei der polnische Größenwahn zu viehi­schen Haßorgien aufgestachelt wurde.

Selbstverständlich hatten die Eton-Voys-Senioren fein säuberlich zusammenaddiert, was es auf dem irdi­schen Globus an verblendeten, willfährigen oder ab­hängigen und versklavten Völkern gab, die vorausbe- stimmt waren, die englische Drohung gegen Deutsch­land, gegen dieses wogen seines Rechtsdenkens ebenso wie wegen seines unerhörten Fleißes lästigen und zu­tiefst gehaßten Volkes, in die Tat umzusetzen. Was wollten schließlich auch diese kleingeistigen Deutschen, die sich ja selber — wie man es doch täglich von den be- vauernswerten emigrierten Opfern des Rassismus be­teuert hörte — unzufrieden unter dem Raziregime wanden, auf die Dauer gegen das Empire ausrichten. Gewiß, sie würden wahricheinlich mit ihrer brutalen Militärgewalt einige Erfolge zu Lande erringen, — aber dann würde ihnen mit dem Zuziehen der englischen Blockadeschlinge schon hübsch langsam der Atem aus­gehen. Sie mußten sich dann, wie weiland 1914/18, den Maulwürfen gleich in die Erde vergraben, um nie­mals wieder die Kraft zu einem entscheidenden Schlag zu finden, bis sie eines Tages auch die Schlupflöcher des Stellungskrieges unter der sieghaften Material­walze der englischen Helotenwelt räumen und um das Recht bitten würden, für England arbeiten und — wie alle anderen beschützten Völker des Empire — kämpfen zu dürfen.

So, und keineswegs anders, würde sich der Ablauf der Dinge gestalten. So mußte es kommen, denn zu Lande garantierte Frankreich diesen Plan, und zur See ... — du liebe Zeit, hatte nicht Lord Palmerston schon den Deutschen geraten, „den Boden zu pflügen, mit den Wolken zu segeln oder Luftschlösser zu bauen, niemals aber sich einfallen zu lassen, die hohe See oder auch nur Küstengewässer zu durchführen!" Das würde im Ernstfälle die in altem Ruhme Nelsons blinkende Royal Navy schon währ werden lassen.

Aber dann störten sich plötzlich diese Deutschen gar nicht an solche schaurigen Eespenstervorstellungen, schlugen vielmehr in achtzehn Tagen ein 36-Millionen-VoIk wie einen Hottentottenstamm zusammen, faszinierten mit ihrem Westwall die Franzosen, saßen über Nacht an Norwegens Küsten und überrannten wenige Wochen spä­ter das ganze westliche Verteidigungssystem getreuer Va­sallen so schnell und gründlich, daß alle Englishmen nur mit bedenklich feuchten Hintern den rettenden Strand von Old England erreichen konnten. Damned! Nie wie­der Dünkirchen! — Tja, wer hätte das gedacht!

Wie brachten diese Deutschen so etwas nur fertig? Sie hatten Waffen, sie verhungerten nicht, sie besaßen sogar Elan, — trotzdem und wenn schon, alle solchen unange­nehmen lleberraschungen wandelten sich mit der Zeit, zu­mal in deren Schoße noch gewaltige Chancen verborgen lagen: Aus dem Balkan regte man sich schon und die Sowjets warteten nur auf den richtigen Moment, nach ihnen aber würde schließlich Bruder Roosevelt dafür sor­gen, daß das bolschewistische Unkraut nicht etwa den Garten Eden überwuchere . . .

Da — damned noch einmal! — fegten diese Deutschen Jugoslawien weg, besetzten Kreta und sprangen danach den roten Koloß sogar selber an. Schlag auf Schlag zer­bröckelte nun seine doch wirklich gewaltige Macht. „Die Sowjetunion muß mit allen erdenklichen Waffen, Trup­pen, Hilfsmitteln und strategischen Einfällen unterstützt werden. Wenn die UdSSR. stirbt, ist alles verloren", zeterte schon Ende September 1941 der „Daily Herald". Es mutzte also, wenn das so weiterging, rechtzeitig etwas geschehen, mußte die letzte Reserve USA. die Kräfte ver­zetteln helfen. Allerdings machte sich auch da ein unan­genehmer Beigeschmack bemerkbar. Schrieb doch das „Journal of the American Medical Association" am 21. August 1941: „Amerika ist dazu bestimmt, die Aufgäbe zu vollenden, die es vor zwanzig Jahren hätte durchfüh­ren sollen und zu der es geeignet und fähig ist: der be­herrschende Leiter der Völker der Welt zu werden."

Warum ging nun alles so ganz und gar schies? Im­merhin, 1914/18 hatte das Glück auch nur an einem seide­nen Fäden gehangen, und er war nicht gerissen. Es hatte sogar ein recht kräftiger Versailler Strick daraus gedreht werden können, nur leider noch nicht fest genug . . .

Dennoch — der russische Winter, die sowjetische Un- erschöpslichkeit und brutale Verachtung aller Lebens­werte würde die große Wende als Frühjahrsgeschenk 1942 bringen. Dem Sturm, der dann nach des Winters Grauen den Deutschen entgegenbrausen würde, konnten sie niemals standhalten. Das zeigte sich ja schon in Nord­afrika: Der Siegesbann war gebrochen, in Kürze würde nun die Moral von Truppe und Heimat versickern und bald nichts anderes übrigbleiben, als die Sehnsucht nach einem — gerechten Frieden. Und den, selbstverständlich, den sollten sie haben, so gerecht, daß selbst Versailles dagegen beschämt verblassen mußte.

vainnsck sink to Kali! Der Winter war vorbei, und die Deutschen standen noch immer am alten Platz. Dazu

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Im Nordwestkaukasus wurde abermals eine sowje­tische Krästegruppe eingeschlossen und vernichtet. Bolschewistische Eegenangrisse südlich des Terek blie­ben erfolglos.

Zur Niederlage auf den Salomon-Juseln hat das USA.-Marineminifterium ein Teilgeständnis ab­gelegt.

Ein amerikanischer Rundfunkkommentator äußerte den Wunsch, das deutsche Volk genau so wie einst mit dem Wilson-Schwindel auf den Leim zu locken. Dr. Goebbels empsing die in den luftgefährdeten Gebieten ausgezeichneten Angehörigen der HJ.

Heute mittag wird wieder das Bremer Rathaus­konzert gesendet.

Zur Beschränkung des Arbeitsplatzwechsels ergeht eine Durchführungsverordnung.

Kriegsauflageprogramm für Konfumgüter

Vevor/ugle Velieserung von Sombengeschiidiglen — SiaatssekrelUr Vr. tanSfried sprach

Luxemburg, 13. Oktober. Anläßlich eines Besuches, den der Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium Dr. Landfriöd dem Gebiet Luxemburg abstattete, sprach die­ser anläßlich einer Wirtschaftstagung über das Kriegs- wirtschastsprogvamm, für dessen Ziele auch die mitt­leren und kleinen Betriebe, die das Rück­grat der Wirtschaft bilden, mitarbeiten sollen. Wenn die Erzeugung von Konfnmgütern gezwungenermaßen eingeschränkt worden sei, so sei es falsch zu glauben, daß diese Einschränkung nach dem Kriege anhalten würde und daß wir in Deutschland einen sogenannten Primitivitätskult betreiben wollten. Es sei das Ziel, nach Abschluß des Krieges möglichst schwell die Güter wieder bereitzustellen, die zum Leben des europäischen Kulturmenschen gehören.

Auch heute müsse ein Minimum von Gütern für das Volk und insbesondere für die Volksgenossen, die unter den Luftangriffen zu leiden hätten, erzeugt werden; deshalb solle in einem sogenannten Kriegsauslagepro­gramm bestimmt werden daß die wichtigsten Eebrauchs- gtiter in einem unter den Kriegsverhältnissen aus­reichenden Maße unter Zurückstellung alles dessen, was nicht unbedingt lebensnotwendig sei, gefertigt werden. Betriebe, die also bestimmte typenmäßig begrenzte Kon­sumgüter herstellen, sollten im Hinblick aus die Rohstoff­zuteilung und die Bereitstellung von Arbeitskräften denselben Schutz genießen wie Betriebe der Riistnngs- wirtschaft. Diese Maßnahme gelte in erster Linie der

ausreichenden Versorgung der durch Flieger geschädig­ten Bevölkerung.

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen wies der Staatssekretär darauf hin, daß es verständlich sei, wenn es manchen Botriebsführern schwer falle, sich von der liberalen Wirtschaftsform zu lösen und sich in eine g e - lenkte Wirtschaft einzufügen; aber nicht nur in Deutschland, sondern in allen Völkern Europas habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, daß nur eine durchgreifend« Aenderung der wirtschaftlichen Struktur und eine Ab­kehr von der liberwlistischen Wirtschaftswuffassuug den Aufbau einer europäischen K o n t i n e n t a l w i r t- schuft ermögliche. Es gelte heute für alle Völker Euro­pas zusammenzustöhen und den Krieg für Europa gegen den Bolschewismus gewinnen zu helfen, der Versuch Englands, Europa zu blockieren, habe das kontinentale Zusammengehörigkeitsgefühl verstärkt, mmd die zahl­reichen handelspolitischen Vereinbarungen, die Deutsch­land während des Krieges getroffen habe, seien ein überzeugender Ausdruck für die werdende europäische Schicksalsgsmeinschaft. Die auf dem Prinzip der natio­nalen Ergänzung und auf der Basis der Gleichberechti­gung aufgebaute eng« Zusammenarbeit werde auch künf­tig ein wichtiges Aufbwuelsment bilden. Bereits heute zeige sich, daß Europa unabhängig von den über­seeischen Zufuhren sei. und daß die Blockade sich heute gegen E-ngland selbst wende!

See wahnsinnige „thes-Kommandeur" am Kamin

Eine Probe der NooleoeltMen Strategie , keine astronomischen Ziflern mehr , Von den wesentlichen Problemen kein Wort

DraStbcricht unserer Berliner Schriftlcitung

6r. v. scti. Berlin, 13. Oktober. „Lassen Sie sich von niemand etwas anderes erzählen!" so beschwor in der vergangenen Nacht der USA.-Präsident sein Publi­kum vor den Lautsprechern, als er ihm seine neueste Plauderei am Kamin vortrug und pathetisch verkün­dete, daß die Amerikaner und ihre Verbündeten den Krieg gewinnen würden. Das läßt ohne weiteres die Schlußfolgerung zu, daß auch Roosevelt die Existenz vieler nachdenklicher Leute in den Vereinigten Staaten nicht unbekannt geblieben ist, die bei nüchternem Ab­wägen aller Chancen nicht mehr recht an die Möglich­keit des Sieges glauben können.

Mit einer Arroganz und Leichtfertigkeit ohnegleichen setzt sich Roosevelt über solche Bedenken ernsthafter Rech­ner hinweg. Er behauptet dreist, daß die Achsenmächte das Maximum ihrer Kraft bereits erreicht und über­schritten hätten, während die (astronomischen) Produk- tionszisfern der Vereinigten Staaten mit zunehmender Wirkung in Erscheinung treten würden. So blöde ist nicht einmal der 'britische Botschafter in Washington, Lord Halifax, der weiß Gott kein Kirchenlicht ist, aber doch kürzlich in einer Rede in Pittsburg seinen Zu­hörern die Erkenntnis nicht verschweigen konnte, daß der Verlauf des Krieges zu einer gewaltigen Verschie­bung des Kriegspotentials zugunsten der Dreierpakt­mächte geführt habe, die beispielsweise jetzt über das Siebenfache der Eisenerzvorräte verfügten, die sie bei Beginn des Krieges gehabt hätten, ferner heute zwei Drittel des Weltbaurits. über drei Viertel des Zinn­erzes und über neunzig Vrozent der aesamten Gummi- erzeugung der Welt in ibrer Hand hätten. Die Bedeu­tung der gewonnenen Ostaebiete im Hinblick auf die Verbesserung der Lebensmittelversorgung war in dieser Darstellung noib ebenso wenig berücksichtigt wie die Tat­sache. daß den D-eiervaktmächien beute für die RMunas- vroduktion wesentlich mehr Menschen und Fabriken zur Verfügung stehen als den Briten, den Amerikanern

und den Sowjets zusammen. Wir vermögen mit der Zeit das uns heute an die Hand gegebene Rüstungs­potential so zu steigern und aus ihm Leistungen in einer Höhe herauszuholen, die für die Gegner absolut unerreichbar bleiben muß. Das ist eine Wahrheit, die sich jeder vernünftige Mensch an den fünf Fingern er­rechnen kann, nur Roosevelt kommt zu einem entgegen­gesetzten Ergebnis. Er scheint selbst das Gefühl zu haben, daß er bei ernsthaften Menschen wenig glaub­würdig zu wirken vermag. Darum: „Lassen Sie sich von niemanden etwas anderes erzählen!"

Der in seinem maßlosen Ehrgeiz und in seiner über­spannten Eitelkeit nur noch psychopathisch zu bewertende Mann im Weißen Haus wirkt geradezu jämmerlich ko­misch, wenn er sich immer wieder in seiner Eigenschaft als Chef-Kommandeur, als der Oberbefehlshaber in den Vereinigten Staaten, aufbläht. An einer Stelle seiner „Plauderei" wettert er selbst gegen die Schreibtischstrate­gen, die zwar voll prächtiger Ideen sein könnten, aber nicht im Besitz genügender Informationen wären unh die Probleme der militärischen Unternehmungen nicht kenn­ten. Der Chef-Kommandeur am Kamin spottet seiner selbst und weiß nicht wie. Hier eine Kostprobe seiner jämmerlichen strategischen Weisheit. Seine Gegner, so er­zählt er, behaupteten die Unmöglichkeit der Zweiten Front, aber gleichzeitig brächten sie in verzweifelter Eile Truppen an alle Fronten und legten Stächeldrahtver- haue von den Küsten Finnlands und Norwegens bis zu den Inseln des östlichen Mittelmeeres an. So vollkom­men verwechselt dieser kranke Mann und aufgeblähte Oberbefehlshaber in einem entscheidenden militärischen Zusammenhang Ursache und Wirkung. Gerade darum halten wir die Errichtung einer wirksamen Zweiten Front durch unsere Gegner für unmöglich, weil wir unüberwindliche Verteidigungswerke und ausreichende Truppen überall zur Abwehr bereit haben, wo es die Briten und Amerikaner versuchen könnten, den Weg nach Europa zurückzufinden.

Viel interessanter wäre es der ganzen britischen und amerikanischen Oeffentlichkeit gewesen, wenn Roosevelt sich zu dem Thema geäußert hätte, das durch den SOS- Ruf Stalins, durch dessen Verlangen nach Einlösung der gegebenen Versprechen und aus der anderen Seite durch den Offenen Brief des „Life" an die britische Adresse gestellt wurde und zum beherrschenden Tagesgespräch in England und den Vereinigten Staaten geworden ist. Hierzu, wie zu der Frage nach einer „einheitlichen Welt­strategie" wußte der Chef-Kommandeur am Kamin eben­sowenig wie Churchill in Edinburgh auch nur ein ein­ziges Wort zu sagen. Was heute wesentlich und entschei­dend ist, das wagen diese Ritter von der traurigen Ge­stalt überhaupt nicht anzurühren, oder sie streifen es, wie Roosevelt, nur mit der nichtssagenden Phrase, daß unter den „Alliierten" „völlige Uebereinstimmung" be­stehe. Warum dann in allen Hauptstädten der „Alliier­ten" das laute Gezänk? Warum mutz dann Garvin im „Sunday Expreß" die Devise verkünden: „Vereinigte Nationen, vereinigt euch!"? Garvin stellt ferner fest, daß noch nicht einmal zwischen Washington und London ein Uebereinkommen über gemeinsame Strategie bestehe, ge­schweige denn zwischen den angelsächsischen Mächten und Moskau. Aber Roosevelt phantasiert von „völliger Einigkeit".

Der eigentliche Zweck der Kaminplauderei Roosevelts war es, das amerikanische Volk für seine Pläne zur Lösung der Probleme des Arbeitseinsatzes zu gewinnen. In diesem Zusammenhang kommt Roosevelt auch um einige Zugeständnisse nicht herum, die im auffälligen Gegensatz zu seinen früheren Prahlereien stehen. Er vermeidet jetzt sorgfältig jede Einzelangabe, zumal er feststellen muß, daß das von ihm angestrebte Niveau der vollen Produktion nicht erreicht werden konnte. Die Gründe dafür sind in der amerikanischen Oeffentlichkeit in aller Breite erörtert worden und leiten sich vor allem von dem Rohstoffmangel und von dem völligen organisatorischen Durcheinander in der amerikanischen (Fortsetzung auf Seite 2)