Ausgabe 
(6.10.1942) Nr. 275
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Erscheint 7 tnal wöchentlich

Monatsb-zug 2M RM -Inschi Zustellgebühr; Postbezugspret» monatlich 2,30 RM (etnfchl, 38,1 Rot Poft,-ttungsgebühr> ,u,ügl 12 Rvs. Bestellgeld Bezugspreis ist im »orau» zahl­bar Postlcheck; Hamburg 17 272. Ein, Be­hinderung der Lieferung rechtfertigt keinen Anspruch auf Rückzahlung «es Bezugspreise». B-rlag; NS-Gauoerlag Weser-Em» EmbH., Bremen. Teeren 8/8. stsernruf 21831. Nachtruf and sonntags 21788. Eprechzeiten: Berlagwerk- tägl. 12—13 Uhr. Schriftleitg. 12 38-13.38 Uhr.

vremllWumi

Anzeigen-Grunvpreise;

klnzetg-nprets« und Sufnadmededtngongrn laut Preisliste Aufnahmetermin- ohn« verbindlich» leit. T-IchSftsstellen: Bremen: Teeren 8/H. Ruf 2 18 31: Nachtrut und ionntag, 217 88: Ob-rnstrast- 88. Ruf 2 18 31: Elke: Mühlen- »amm 2; Bremen-Hemelingen: Bahnhofstr 8, Tcke Poststrab« Ruf 13188: Bremen-Deg-Iack; Rohrstroste 21 Ruf 1 u 8: Bremen-Blumen- thal: Kavt -Dallmann-Str 11/13. Ruf 88 » 88.

pLvteiarntKclie Layeszettung

vag flmisblatk Ves Negierenden vürgermeisiers der Zielen szonscstadt vremen

M

der Narionaisozial.ii'rLn. vremens

flmtliriirs vcrkündungsbiatt des Ncichsstattlialkcrs in Mdcnburg And vremen

Nr. 2?5 , 12. Jahrgang

Dienstag, ö. Oktober 1942

Linzeipreis 13 Npf.

die NeSe des keichsmarschalls

ftm veginn einer neuen Phase See deutschen Kriegsstrategie Sie fruchte unserer mit Schwert und pstug erkämpften Siege

Kraftquelle der Volksgemeinschaft

Berlin, 8. Oktober.

In seiner großen Rede zum Erntedankfest führte Reichsmarschal'l Hermann Eöring am Sonntag im Sport­palast aus:

„Meine deutschen Volksgenossen und Volksgenossinnen! Deutsches Landvolk.! 2m Beginn des vierten Kriegs­jahres begehen wir heute das deutsche Erntedankfest. Wir können heute die Feste der Nation nicht in dem Ausmaß und in der Art feiern, wie wir es sonst ge­wohnt waren. Nicht wie sonst kann das deutsche Land­volk in breiten , Massen durch seine Abordnungen vor dem Führer erscheinen, um ihm Erntekranz und Früchte der alten Ernte darzubringen. Denn wir stehen im Kriege, im schwersten Kriege des deutschen Volkes. Und in diesem Kriege gibt es nur eines: Arbeit und wiederum Arbeit!

Kämpfen und arbeiten bis zum Endsieg!

Wir können daher den diesjährigen Erntedanktag heute nur dadurch begehen, daß wir vor dem deutschen Volk offen darlegen, was sein Landvolk auch in diesem Jahre in harter Arbeit geschaffen hat und wie die Er- niihrnngslage des deutschen Volkes im kommen­den Jahr sein wird. Bevor ich hierüber nähere Aus­führungen mache, ist es mir ein inneres Bedürfnis, in diesem Augenblick dem Allmächtigen dort oben zu dan­ken, daß er uns in diesem Jahre über alles Erwarten so gesegnet hat, gesegnet in einer Ernte auf dem Schlachtfeld, gesegnet in einer Ernte auf den Feldern und gesegnet in einer Ernte in unseren Kindern.

Und nun gilt im Namen des Führers mein erster Dank all den Volksgenossen, die in harter und un­ermüdlicher Arbeit und allen Witterungsunbildcn zum Trotz dazu beigetragen haben, eine Ernte in die Scheu­ern zu bringen, die jedenfalls weit, weit besser ist, als wir es damals, als uns zum dritten Male ein eisiger Winter überfiel, hoffen konnten. Diesen Dank und diese Anerkennung für das deutsche Landvolk hat der Führer danrch zum Ausdruck gebracht, daß heute di« besten unter ibnen mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht worden sind und daß für das gesamte Landvolk soeben zwei seiner hervorragendsten Vertreter das Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz als höchste Auszeichnung empfangen haben. (Langanhaltender Beifall.)

Meine deutschen Volksgenossen und Volksgenossinnen! Ich möchte nun als erstes meine Aufgabe darin sehen, Ihnen eine ganz klare Darstellung der Verhältnisse und der

Lage auf dem Ernährungsgebiet

zu geben. Wie die gesamte Führerschaft unserer Nation habe ich stets meinen Stolz darin gesetzt, dem deutschen Volk immer in klarer Offenheit die volle Wahrheit zu sagen, damit das deutsche Volk immer weiß, woran es ist. (Tosender Beifall.) Die vergangenen drei Ernte­jahre waren, besonders was die beiden ersten Kriegs­jahre anbelangt, keineswegs glücklich. Ganz überraschen­derweise brachen drei unendlich starke und strenge Win­ter herein und vernichteten vieles, was an Arbeit vor­her in die Erde gesenkt worden war. Und trotzdem konnte die Ernährung des Volkes vollauf gesichert werden.

Als ich bei der Ernennung zum Beauftragten für den Vierjahresplan in diesem selben Saal zum deutschen Volke sprach, habe ich — wie sich noch mancher Volks­genosse erinnern wird — gerade auf den Begriff und das Wort „f e i nd l i ch e V l o ck ad e" besonders starken

Nachdruck gelegt; überhaupt habe ich damals den ganzen Vierjahresplan eigentlich nur unter diesem einen Ge­sichtspunkt gesehen und ihn auch so durchgeführt. Zu furchtbar waren für mich noch die Erinnerungen an die feindliche Blockade des letzten Weltkrieges.

Die Nachwirkungen dieser Blockade erleben wir heute noch. Wenn ich jeden Tag die traurige, Pflicht erfülle, die Todesanzeigen in den Zeitungen durchzusehen, dann lese ich oft dos schmerzliche und grauenhafte Wort „unser einziges Kind". Und warum „unser einziges Kind"? Wei! ein unerbittlicher Feind nicht nur den Krieg gegen die Wehrmacht führte, sondern gegen das ganze deutsche Volk und Kraft seiner Kriegsmittel da­mals über dieses Volk die Hungerblockade verhängen konnte. Und dies nicht nur während des Krieges, son­dern jahrelang noch nach dem Kriege. So hat der Feind das deutsche Volk unerbittlich ausgepreßt, ausgemergelt und dem Hunger entgegengetrieben, daß für die edelste Ernte, die wir kennen — die Zukunftsernte eines Vol­kes: die Kinder — kein Raum war!

dieses Schreckgespenst hat mir immer vor Augen gestanden

Und aus diesem Grunde haben wir damals eine Vor­ratswirtschaft betrieben, nicht nur auf allen not-

Aus dem Führerhauptquartier, 8. Okt. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Im Nordwestteil des Kaukasus und südlich des Terek warfen deutsche Truppen, unterstützt durch Verbände der Luft­waffe, den Feind aus Bunker- und Waldstellungen. Nord- ostwärts Mosdok wurde die Masse eines sowjetischen Kavallerie-Regiments zerschlagen. Mehrere hundert Ge­fangene wurden eingebracht. Im Hafen Tuapse be­schädigten Kampfslugzeuge einen Sowjettanker von 7000 BRT. Im Kamps um Stalingrad nahmen In­fanterie- und Panzerverbände in engem Zusammen­wirken mit Nahkampffliegerkräften in hartnäckigen Häuserkämpfen weitere, Teile des nördlichen Stadtge­bietes. Die Sowjets erlitten hohe blutige Verluste, neun Panzer wurden abgeschossen. Nächtliche Bombenangriffe richteten sich gegen sowjetische Flugplätze, Artillerie­stellungen und Bahnstrecken ostwärts der Wolga. Bei vergeblichen Angriffen gegen den Brückenkopf Woro­ll esch verlor der Feind in den letzten beiden Tagen 21 Panzer. Die eigenen Angriffe südostwärts des Jl- mensees machten auch gestern gute Fortschritte. Ort­schaften wurden gestürmt und eingeschlossene feindliche Kräfte vernichtet. An der Front zwischen oberer Wolga und Ladogasee zerstörten eigene Stoßtrupps eine größere Anzabl feindlicher Bunker und Kampfstände. Auch die Luftwaffe setzte ihre Angriffe gegen feindliche Bunker, Panzer und Truppcnansammlungcn fort. Im Finnischen Meerbusen wurde ein Räumboot durch Bom­bentreffer beschädigt.

Im Kampf gegen die Sowjetunion hat die deutsche Kriegsmarine im September im Schwarzen Meer durch Schnellboote 2t Schiffe mit zusammen 12 000 BRT., in der Ostsee ein Unterseeboot und ein Minensuchboot versenkt. Im gleichen Zeitraum versenkte die Luftwaffe im Schwarzen Meer, auf der Wolga und auf dem La­dogasee elf Handelsschiffe und beschädigte 28 Schisse sowie ein Schwimmdock. An Kriegsfahrzeugen wurden ein Kanonenboot, ein Torpedoboot, ein Räumboot und

wendigen Rohstoffgebieten, sondern auch besonders reich­lich auf dem Gebiete der Ernährung. Diese Vorräte ge­statteten nun bei den schwachen Ernten der ersten beiden Kriegsjahre, das deutsche Volk schlecht und recht zu er­nähren. Die Ernährung aber nahm dann an Schwierig­keiten zu. Es galt ja nicht nur das deutsche Volk in der Heimat zu ernähren, es galt auch unsere Wehrmacht zu versorgen, und zwar so, daß sie kämpfen konnte und daß sie bei Kraft blieb, d. h. also, daß eine zusätzliche Ernährung bereitgestellt werden mußte. Aber auch un­endlich viele fremde Menschen strömten nun in das deutsche Land histein, fremde Arbeiter zu Hunderttau­senden, dann zu Millionen. Als die gewaltige unge­heuerliche Rüstung begann, als überall die Hummer dröhnten, und das ganze deutsche Volk, Mann wie Frau, an die Arbeit ging, da war es notwendig, auch hier mehr und mehr an Ernährungsgütern auszugeben. D a schmolzen die Vorräte zusammen und wurden kleiner und kleiner.

So tauchte in dem vergangenen Jahr nach der unge­heuerlichen Auswinterung, wie wir sie vorher nie erlebt hatten, vorübergehend die Gefahr auf, daß wir den An­schluß an die neue Ernte nicht finden würden, wenn die Erträgnisse aus dem abgelaufenen Erntejahr wieder so

(Fortsetzung auf Seite 2)

ein Bewacher versenkt, zwei Minensuchboote, drei Ka­nonenboote und vier Bewacher beschädigt. Vor der nie­derländischen Küste hatten Minensuchboote in der Nacht zum 1. Oktober ein Seegefecht mit britischen Schnell­booten, die durch wirksames Artilleriefeuer vertrieben wurden.

Bei den Kämpfen an der Donfront fand der Kom­mandierende General eines Panzerkorps, General der Panzertruppe Freiherr von Langermann und Erlencamp, Träger des Eichenlaubs zum Ritter­kreuz des Eisernen Kreuzes, am 3. Oktober in vorderster Linie den Heldentod. Äite an Seite mit ihm fiel der Kommandeur einer ungarischen Division, Oberst Nagy, im Kamps um die Freiheit Europas."

*

Der von deutschen Truppen im Sturm genommene Ort Elchotowo liegt an der wichtigen Eisenbahnlinie Rostow— 'Baku. Unmittelbar hinter dem Bahnhof durchschneidet die Strecke die vom Terek in das Kabardiner-Gebirge geschnittene Tatartubskoje-Schlucht, deren steile Fels­wände den Bahndamm um 380 Meter überragen. Außer­dem ist Elchotowo der Ausgangspunkt der 293 Kilo- meter langen Ossetinischen Heerstraße, die von hier aus über Alagir, durch das Tal des Ardon und über den Mamison-Paß nach Kultais führt und neben der Gru­sinischen Heerstraße die einzig brauchbare Uebergangs- möglichkeit über die gewaltige Eismauer des'Zentral- Kaukasus ist. Alle übrigen Pässe liegen durchweg über 3000 Meter, sind verschneit und vergletschert und in den Schluchten vom Verteidiger leicht zu sperren. Elcho­towo ist Rayon-Zentrum, was etwa dem deutschen Be­griff einer Kreisstadt gleichkommt. Die vorhandenen kleinen Industriebetriebe haben nur örtliche Bedeutung. Eine Ausnahme bilden mehrere Konservenfabriken, in' denen die reichen Erzeugnisse des in der Umgebung betriebenen Obst- und Gemüseanbaus verarbeitet werden.

Schwere Schlüge gegen Sie Sowjeischifftchrr

Handelsschiffe im September durch Kriegsmarine und Luftwaffe versenkt

Slalingrad ein endloses Irümmerfeld

Sie Stadt, die den Namen des bolschewistischen Mklators tragt, ist ;u einem endlosen rriimmerseld geworden

(Von Xriegsberiektsr llackolk Lörtner)

rS. Stalingrad, im Oktober, lNK.) Gewehrschüsse peitschen durch die Straßen des Nordteils von Stalin­grad, Feuerstöße von Maschinengewehren prasseln in die zäh verteidigten bolschewistischen Widerstandsnester. Brände wüten, blaugrancr Qalm zieht durch die Dör­fer, Stukasircnen heulen, Flakwölkchen stehen slauschig am Himmel. Bon jenseits der Wolga, aus den dunklen, grünen Wäldern heraus, die gleich hinter dem hellen Sanduser beginnen, schießt feindliche Artillerie. In der Nähe des großen Getreidesilos, hinter dessen Beton- mauern eine Handvoll von Sowjetarmisien noch Wider­stand leistet, kracht es ununterbrochen. Dann und wann pfeifen Kugeln durch die Lust. Gelten sie uns? Oder den Infanteristen drüben, die auf einem Panjewagen Essen vorschaffcn? Niemand weiß es, niemand weiß auch, woher sie kommen.

Aber es zittert auch in den längst genommenen und gesäuberten Stadtvierteln noch überall die erregte Spannung des furchtbaren Kampfes nach, der hier tobte und noch immer nicht erloschen ist. Trotzdem ist ein anderer Eindruck stärker. Eine unfaßbare, leidgesättigte -tarre hat diese Stadt befallen, eine dumpfe, dunkle Grabesruhe lastet auf ihren Straßen, ein« Stille, die nicht von dieser Welt ist, lauert zwischen ihren Häusern. Straßen? Doch wir sehen keine Straßen. Häuser? Wir sehen auch keine Häuser mehr! Wir sehen nur ein riesenhaftes, endloses Trümmerfeld, und wir müssen es glauben, wenn man uns sagt, daß dies einmal die Stadt des „großen Stalin" war, sinnlos geopfert, kalten Herzens dem Verderben preisgegeben.

2a, nicht einmal die Erde verdient hier ihren Namen mehr. Von Panzern wie von Mammutherden zerstampft, von Granaten .zerwllklk, von Bomben zerrissen, liegt sie tot — ein Urwaldbiei, der plötzlich im Austande höchster Erregung, gefror — unter Scherben, Fetzen, Splittern.

Ein chaotisches Durcheinander ringsum! Dort ein toter Hund, hier eine Nähmaschine, dort ein Tisch, ein Samo­war daneben, und in einem Stukakrater eine „T 34", vom Schlund der aufgerissenen Erde fast verschlungen, gestürzt« Panzerwagen, das eiserne Gestänge eines Git­ters, die rauchgeschwärzten Grundmauern eines nieder­gebrannten Hauses, zu gordischen Knäueln verknotete Drähte, zersplitterte Dachsparren, dazwischen noch ein­zelne Kamine wie Termitenhügel in einer seltsamen, bizarr geformten Landschaft. Ein apokalyptischer Wirr­warr, die Vernichtung schlechthin! Kein Wert gilt mehr in dieser Welt, Kein Sinn, keine menschliche Ordnung waltet mehr zwischen den Dingen, die das Inferno über­standen, — einsam und beziehungslos, ihrer Funktionen beraubt, liegen sie da, Strandgüter eines Kampfes, der wie ein Taifun über diese Stadt raste.

Und doch ist das Leben auch hier nicht restlos gestorben. Mit mattem und dennoch spürbarem Schlag pulst es unter der verkrusteten Erde weiter, — in Löchern, die sich die Uebriggebliebenen in das Trümmer­feld hineingegraben haben. Dort unten Hausen sie, dort schlafen sie, dort liegen sie wärmesuchend zwischen alten Lumpen, wenn die Küble des Abends wie ein Eiseshauch von den Wassern der Wolga aufsteigt. Tagsüber kriechen sie aus ihren Höhlen hervor, wie Faltertiere, die das Licht suchen. Seht: ein alter Eraubart, eine Lammfell­mütze über dem verlausten Schädel gestülpt, starrt dort mit wässerigem, toten Blick aus der Erde — ein Trüm­mer zwischen lauter Trümmern, Mit großen Augen, die von nichts wissen und doch alles ahnen lassen, / sitzen Kinder auf zerhauenen Bänken, sich wärmend in den letzten Strahlen der täglich blasser werdenden Sep- tembcrsonne. Frauen schleichen mit matten Schritten wie huschende Schatten umher, die ausdruckslosen Gesichter zur Hälfte unter grauen Kopftüchern verborgen. Unter einem Dach von lose zusammengestellten Brettern liegt auf einer zerschlissenen Matratze ein junges Mädchen,

einen schmutzigen Verband um den Kopf. An einer mehrfach geknüpften Leine hängt eine junge Frau zwi­schen verkohlten Baumstümpfen Wäsche zum Trocknen auf. Auf einer alten Kommode dreht eine andere einen pappigen Weizenbrei durch eine Fleischmaschine, — vom Weizen leben sie alle in dieser Stadt, die den Hagel der Stukabomben und Granaten überlebten, sie kochen ihn auf oder rösten ihn, manchmal schlucken sie ihn auch roh herunter. So fordert das Leben wieder seine Ver­richtung.

Mit einem unbegreiflichen, echt östlichen Fatalismus tragen die Bewohner ber Stadt das Schicksal, dem sie vom Bolschewismus ausgeliefert wurden. Oder hat die Natur sie wie in einem gnädigen Trancezustand das Grauen nur halb erleben lassen? Wir wissen es nicht. 2n einem unglaublichen Stumpfsinn vegetieren sie da­hin. Nur, wenn Flugzeuge am Himmel erscheinen, sind sie plötzlich verschwunden, wenn Gewehrkugeln pfeifen, fahren sie erschreckt zusammen, wenn Granaten in der Nähe einschlagen, werfen sie sich nieder. Wortlos, gleich­sam uninteressiert und einem Instinkte folgend, wie Tiere, die sich gehetzt wissen. In solchen Augenblicken, wenn sie, flach am Boden liegend, das Ende oder den Fortgang aller Dinge erwarten, mag ihnen wohl ein Flugblatt in die Hände geraten, das überall noch umherliegt. Es trägt das Bildnis Stalins. Die Maske eines Biedermannes hat man ihm darauf gegeben, wohlwollend^— energisch schaut er aus, ein Mann mit gutem Gewissen, Ob sie den Hohn spüren, der in solcher Begegnung liegt? Ob sie die blutige Ironie des Schick­sals empfinden, wenn sie, zwischen ihren Ruinen nach etwas Eßbarem suchend, vielleicht auch nach verschütteten Angehörigen immer wieder dieses Bild vor Augen haben? Den Mann, der sie gleichgültig opierte, sie alle, die Bürger der Stadt, die seinen Namen führte? Wir wissen auch das nicht, Noch ist es auch unsere Sache nicht. Noch sprechen die Kanonen.

Oi» tiee Lftye

clr, V, scb. Der englische Nachrichtendienst will zu einer neuen Erkenntnis gelangt sein. Die große Kund­gebung des Führers und ihre Umrahmung durch die Reden des Reichsaußenministers, des Reichsministers Dr. Goebbels und schließlich des Reichsmaischalls Göring habe, so heißt es da^ ;,eine neue Phase der deutschen Kriegsstrategie eingeleitet". Das ist durchaus nicht falsch gesehen. Der Führer und seine engsten Mitarbeiter haben im Gegensatz zu den gernegroßen Dilettanten im Feindlager geschwiegen, solange das große Ringen die­ses Jahres die Aufzeichnung der gewaltigen Erfolge und ihrer entscheidenden Bedeutung noch nicht gestattete. Heute ist es aber soweit. Der schwere Kampf um Sta­lingrad, dessen siegreicher Abschluß nach des Führers Ankündigung weder für uns noch für die ganze Welt­öffentlichkeit zweifelhaft ist, wird nicht mehr um den strategischen Erfolg der zurückliegenden Operationen, sondern um , dessen Konsolidierung und Sicherung ge­führt. Nachdem die Beleuchtung des Siegesweges und der Siegesbedeutung in der hinreißenden Rede des Führers ihre höchst denkbare Steigerung erfahren hat, konnte der Reichsmarschall dem deutschen Volks sagen, wie es diese von Schwert und Pflug erkämpften und bis zum Ende verbürgten Siege schon jetzt und mit der Zeit immer stärker am eigenen Leibe spüren wird.

Selbst wenn es so wäre, wie die Gegner zunächst mit Hohn feststellen, dann aber in plötzlich dämmernder Erkenntnis als ein furchtbares Schreckgespenst erkennen wollten, daß sich nämlich die deutsche Kriegführung von jetzt ab vor allem auf die Erhaltung des Erworbenen beschränken werde, so würde schon das allein das durch­aus. berechtigte Bekenntnis zum Sättigungsgrad eines gewaltigen Sieges und gleichzeitig die absolute Ge­wißheit einschließen, daß wir aus der Enge heraus einen Raum gewinnen konnten, wie es in der Kriegsgeschichte noch niemals der Fall war und daß dieser Lebensraum mit seinem riesigen Rüstungspotential und Menschen­reservoir uns von keiner Macht der Welt mehr ent­rissen werden kann. Wir haben die englischen und amerikanischen Stimmen verzeichnet, in denen mit tief­ster Bestürzung die Erkenntnis gespiegelt wurde, daß tatsächlich, wie es der Reichsmarschall am Sonntag noch einmal formulierte, die Generale Zeit und Raum zu uns übergegangen sind. Es ist auf einmal ein ganz neuer Ton in der britischen Agitation festzustellen, der nach der Rede des Reichsmarschalls noch eine bemerkenswerte Steigerung und ganz eigenartige Nuancierung gefunden hat. Nachdem die Leute drüben angefangen haben, zu begreifen, was eigentlich los ist, sehen sie sich vollkommen hilflos vor eine tatsächlich ganz neue Lage gestellt. Bis­her meinten sie, sich einem Ausstand der Habenichtse gegenüberzusehen, und es rührte sie selbstverständlich in der Arroganz,eines überalterten Herrenvolkes nicht im mindesten, wenn diese Habenichtse ihnen mit der mora­lisch fest untermauerten Forderung nach einer gerechten Verteilung der Güter dieser Erde entgegentraten. Nun konnte der Reichsmarschall die Spekulationen des Fein­des auf den Sieg durch den Hunger und auf die Ent- zweiung zwischen Führung und Volk in Deutschland stolz lächelnd mit einer Handbewegung und mit dem Hinweis aus die gewonnenen gewaltigen Reichtümer der Natur abtun, die wir organisatorisch zweifellos immer starker so zu erfassen vermögen, daß die Schluß­folgerung überhaupt nicht mehr abgewiesen werden kann. Bei uns geht es von nun ab ständig aufwärts, wahrend es beim Gegner langsam aber sicher abwärts

was oisyer von uns zu Ulme hinuberdrang. Das aber bringt sie offenbar restlos durck einander, daß der Reichsmarschall Görmg stolz ai die-m unserem Machtbereich befindlichen Reichtümer un die (ich aus ihnen ergebende Aufwärtsbewegunq ve: weisen, daß er, wie sie es grollend ausdrücken .sich de Beptzes rühmen kann". Die Deutschen als „Haves" nick ^ «ls »Savenots", als Besitzende und nicht mehr °I arme Schlucker, das geht denn doch über den Horizor des typischer, Briten, denn dann hätte ja überhaupt de nrieg zur ihn den sinn verloren. Das ist der Augenblic wo sie drüben überhaupt nicht mehr zu argumentiere vermögen, sondern nur noch in ohnmächtiger Wut lo- ^ d"dei erst recht zu ocrgaloppn ren. „Eoring hielt, so tobte schon am Sonntagaben

Rede über di

deutsche Ernahvungslwge. Es ist bekannt, daß die Den schen immer die ersten sind, wenn es sich ums Esse handelt ,.->etzt sieht man also in London di« gester noch bespöttelten Hungerleider als Vielfraße Die G, sragigkeit der Deutschen" so heiß, es dann weiter, „i der surchtbarsten Dinge, die in Europa und in de ganzen Welt -rragodien hervorgerufen haben." Gemack es kommt noch toller: „Während die anderen lanasai Hungers sterben, setzt das Herrenvolk sich ein« weiter «^eckfalte an den Hals. Es ist oft genug gesagt morde, dag wir uns m diesem Kriege der Verantwortung fü ganz Europa bewußt sind. Daß wir selbst, als Träge w die größten Blutopser gebrach haben, die Frucht« des Sieges in erster Linie in Au sprach nehmen, ist eine Selbstverständlichkeit. Das ha der Reichsmarschall eindeutig unterstrichen. Aber da die Briten aus Rand und Band geraten weil sie , sehen glauben, daß uns demnächst vor Gefräßigkeit de Kragen platzen wird, das ist ein untrügliches Symptor dafür, wie man ,m Grunde Sinn und Bedentuna de neuen Kriegsphase einschätzt,'von der man jetzt nac

i ^ Führer und seiner Mitarbeite

spricht.

ä. ^ "'e Neve des Führers ih:

strahlenden Höhepunkt fand, und in denen nacheinan!