Ausgabe 
(20.8.1941) Nr. 230
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flmtliches verkündungsblatt ües Neichsstatltfalrers in vloenburg und meinen

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> lli5. l°lprech z.: Verlag: wcrktl. IZ13 Uhr? Schrifileitung: Dlens- ,«g und Freitag 12>/r13'/- Uhr.

par^LiamiUck>e Tageszeitung

Hos Amtsblatt des Negierenden vürgermeisters der Zielen Hansestadt vremcn

ilr. 259 / l l.Zalirgang

Mittwoch, 20. flugust 1941

Linzelpreis 15 Npf.

Vestukrame m unserer ftand

17 V. "

Kriegsschiffe und Iransporler mit 45000 VM. erledigt

krneut 77750 gefangene und umfangreiches Kriegsmaterial eingebracht / Angriff auf Vdeffa

vorbildliche Waffenbrüderschaft

der deutschen Lustwaffe am Montag im Hafen von Odessa einen schweren sowjetischen Kreuzer, zwei Tor- pedoboste und neun Truppentransporter mit zusammen etwa 48 666 BRT, Durch diese Schiffsverluste, die die Sowjets bei den deutschen Bombenangriffen erlitten, ist der Abtransport der in Odessa eingeschlossenen .bolschewistischen Truppenmassen kaum Noch möglich.

In der Zeit vom 11. 8. bis 18. 8. versenkte die deutsche Luftwaffe im Schwarzmeer-Eebiet allein 8 sowjetische Truppentransporter mit zusammen 36 600 BRT. und beschädigte 24 Handelsschiffe mit zusammen 126 800 BRT. schwer. Bei den Versuchen der Volschewisten, den deutschen Umklammerungen und Vorstößen zu entgehen, wurden zahlreiche Flußschiffe und Fähren zerstört.

In drei Nächten 40 Veiten abgeschossen

Berlin, 19. August. Die starke deutsche Jagd- und Flakabwehr zerschlug am 16. und 17. August die ver­geblichen britischen Versuche, abermals die Kanalküste und das besetzte Gebiet anzugreifen. Die Briten büßten über dem Kanal sowie bei ihren militärisch wirkungs­losen Angrissen aus West- und Norddeutschland in den drei Nächten zum 17., 18. und 19. August allein 46 Flug­zeuge ein, während die deutsche Luftwaffe keine Ver­luste hatte.

Starke deutsche Kampfkräfte griffen dagegen gleich­zeitig Rüstungswerke in Nordsch'ottland, die Flugplätze und Hafenplätze der britischen Insel, den Versorgungs­

hafen Hüll und das britische Schiffsbauzentrum Sunder- land mit einer großen Anzahl Bomben aller Kaliber wirksam an. Sie erzielten Volltreffer in Lagerhallen und wehrwirtschastlichen Anlagen, wo mehrere Brände ausbrachen. Der Londoner Nachrichtendienst muß die Erfolge der Angriffe auf Hüll zugeben. Vor der eng­lischen Ostküste wurden zwei Handelsschiffe von 5000 BRT. und an der schottischen Ostküste ein Frachter von 4000 BRT. vernichtet. Fernkampfflieger versenkten im Atlantik aus einem stark gesicherten Eeleitzug zwei feindliche Handelsschiffe mit zusammen 20 000 BÄT., so daß die deutsche Luftwaffe, in drei Tagen insgesamt 29 000 BRT. britischen Schiffsraumes zerstörte. Wäh­rend die deutsche Luftwaffe diese Erfolge gegen die Bri­ten errang, belegte sie in zwei Nächten hintereinander Moskau mit starkem Bombenhagel, erzielte hier ver­nichtende Wirkungen in militärischen Anlagen und auf wichtigen Eisenbahnlinien und griff überall die zurück­gehenden Sowjetruppen in der Ukraine und Truppen- ansammlungen an der übrigen Ostfront mit gutem Er­folg an. Sie machte Leim Angriff auf den Hafen von Odessa, das sowjetische Diinkirchen, am 18. August neun große Truppentransporter durch schwere Bombentreffer unbrauchbar und^beschädigte drei Kriegsschiffe, darunter einen schweren Kreuzer. In Nordafrika erzielte sie zu­sammen mit italienischen Sturzkampffliegern Bomben­treffer in den Materiallagern und Ausladeplätzen des Hafens von Tobruk und beschädigte ein britisches Schiff schwer.

ffas eroberte Sowjet-Schlachtschiff

Me Hoffnungen See volschewislen auf lzerrschalt im Schwarzen Meer ins Wasser gefallen

Aus dem Führerhauptquartier, 19. August. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Wie bereits durch Sondermeldung bekanntgegeben, ha­ben die Versolgungskämpfe in der Südukraine, bei de- nm deutsche, rumänische, ungarische und italienische Ver­bände in vorbildlicher Waffenbrüderschaft zusammen­wirkten und hervorragende Kampf- und Marschleistun­gen vollbrachten, das ganze Gebiet westlich des Dnjepr in unsere Hand gebracht. Gegen die Stadt Odessa und einzelne kleine Brückenköpfe am Unterlauf des Dnjepr, in denen sich noch sowjetische Kräfte befinden, ist der Angriff eingeleitet. Im Verlauf dieser Kämpfe hat der Feind schwerste blutige Verluste erlitten. Ueber die in der Schlacht von Uman gemeldeten Zahlen hinaus sind rund 660666 Gefangene eingebracht sowie 84 Panzer- kampfwagen, 836 Geschütze und umsangreiches anderes Kriegsmaterial erbeutet worden. Im Kriegshafen Ni- kolajew sielen folgende aus Stapel liegende Kriegs­schiffe in unsere Hand: Ein Schlachtschiff von 38 666 Tonnen, ein Kreuzer von 16 666 Tonnen, vier Zerstörer und zwei Unterseeboote. Ferner wurde ein Kanonenboot versenkt, ein weiteres schwer beschädigt sowie ein mit Lokomotiven vollbeladencs Schwimmdock erbeutet. Beim Angriff aus den Hafen von Odessa hat die Lustwasfe neun große Truppentransporter durch schwere Bomben­treffer unbrauchbar gemacht, drei Kriegsschiffe, darunter einen Schweren Kreuzer, beschädigt. Auch die Kämpfe im Raum von Kiew und Korosten haben der Sowjet­wehrmacht schwere Verluste gebracht. Seit dem 8. Au­gust wurden hier 17 756 Gefangene eingebracht, 142 Panzerkampswagen, 123 Geschütz«, ein Pänzerzug und zahlreiches anderes Kriegsmaterial erbeutet.

Fernkampfflugzeuge versenkten im Atlaniik aus einem stark gesicherten Eeleitzug zwei feindliche Handelsschiffe mit zusammen 26 666 VRT. In der letzten Nacht richte­ten sich Angriffe stärkerer Verbände der Luftwaffe mit sichtbarem Erfolg gegen das englische Schisfsbanzentrum von Sunderland. Ändere Kampsflugzenge bombardier­ten verschiedene Flugplätze aus der Insel. In Nordafrika griffen deutsche und italienische Sturzkampfflugzeuge die Hafenanlagen von Tobruk an. Sie erzielten Bom- bentrcsser in Materiallager und Ausladeplätzen. Ein seindlichcs Schiff wurde schwer beschädigt.

Britische Bombenflugzeuge warfen in der letzten Nacht au einigen Stellen Westdeutschlands Bomben. Die Zi­vilbevölkerung hatte geringe Verluste. Militärischer »der wehrwirtschaftlicher Schaden entstand nicht. Nacht­jäger Kampfflugzeuge und Flakartillerie schössen 12 Kitische Bomber ab.' Einzelne Sowjetische Flugzeuge, >ie nach Nordostdeutschland einslogen, wurden zum Ab­drehen gezwungen.

vis falls von Oclssso rugs.eclilcigsn!

In fortgesetzten Wellen griffen am 18. August deutsche Kampfflugzeuge die im Hafen von Odessa von den Sowjets zusammengezogenen Schisse an. Diese sowjetischen Handelsschiffe sollten zum Abtransport der von den Deutschen eingeschlossenen sowjetischen Truppen und ihres Kriegsmaterials über See dienen. Außer den bereits als schwer beschädigt gemeldeten schissen wurden noch drei Handelsschiffe von 15 060^ «6 und 1666 BRT. und ein Torpedoboot durch Vombentresser in Brand gesetzt.oder so schwer ge­troffen, daß sie mcht mehr auslaufen können, insge­samt beschädigten Kampf- und Sturzkampfflugzeuge

(Von nnssrsin lllO.-Lloi-insmltaiboitsi')

I'ch Berlin, 10. August. Der seltene Fall, daß ein ganzes Schlachtschiff von 35 000 Tonnen erbeutet wird, ist jetzt am Schwarzen Meer eingetreten. In dem Sowjet­kriegshafen Nikolajew an der Mündung des Bug, den die sowjetische Heeresgruppe Vudjenny vor dem deut­schen Ansturm fluchtartig räumen mußte, ist die große Kriegswerft der Sowjetunion für die Schwarzmeer- Flotte in deutsche Hand gefallen. Dort befanden sich das erwähnte Schlachtschiff von 35 000 Tonnen im Bau, dazu noch ein Kreuzer von 10 060 Tonnen, vier Zerstörer und zwei Unterseeboote. Diese Neubauten der Sowjetkriegs­flotte zeigen, mit welchem großen Aufwand die Bolfche- rvisten ihre Rüstungen zur See betrieben haben. Dabei wurden offensichtlich Pläne verfolgt, die weit über das Schwarze Meer hinausgehen. Dort war es für die Sowjets nicht nötig, ein derartig großes Schlachtschiff zu bauen. Vielmehr zielt dieser Bau über die türkischen Meerengen hinaus in das Mittelmeer. Er verdeutlicht damit die Absichten der Sowjetunion auf den Bosporus und die Dardanellen, die im Dezember 1940 vom Außenkommissar Molotow bei seinem Berliner Besuch so klar zum Ausdruck gebracht worden sind.

Auch im Schwarzen Meer war die Verstärkung der Sowjetkriegsflotte schon sehr weit gediehen, als der deutsche Eegenschlag gegen die bolschewistische Gefahr erfolgte. Die Sowjetflotte befaß dort ein modernisiertes älteres Schlachtschiff, einen Schweren Kreuzer, drei

Leichte Kreuzer und etwa 15 Zerstörer aus der Zaren­flotte. Ferner waren außer 40 oder mehr Untersee­booten noch ein Flugzeugträger, Mehrere Torpedokreuzer und eine Reihe von Zerstörern ncugebaut worden. Dazu kamen die im Bau befindlichen weiteren Schiffe, zu denen die jetzt in Nikolajew erbeuteten gehören. Die Sowjotkriegsflotte im Schwarzen Meer war also in die­sem Secgebiet die weitaus stärkste, denn weder die Tür­kei noch Rumänien oder gar Bulgarien waren der Sowjetflotte auch nur annähernd gewachsen. Trotzdem hat die sowjetische Schwarzmeerflotte in den jetzigen Kämpfen keine bedeutende Rolle spielen können. Ihre Angriffsvcrfnche auf rumänische Häfen, die nur mit leichten Seestreitkräften unternommen wurden, sind an der Abwehr der deutschen und rumänischen Kriegs­marine unter Verlusten gescheitert. Der sowjetische Hauptschiffbauplatz Nikolajew hat trotz der starken Sowjetkriegsflotte nicht gehalten werden können. In Odessa aber kann die Sowjetflotte ebenfalls das Schick­sal der eingeschlossenen Truppen nicht wenden. Davon zeugen nicht nur die erheblichen Traiisportcrverluste durch deutsche Fliegerbomben, sondern auch die Beschä­digung eines Schweren Kreuzers und mehrerer anderer Kriegsschiffe, die zur Deckung der Transporte nach Odessa eingelaufen waren. Während sich in Odessa ein neues Diinkirchen vollzieht, ist der Kiistenbereich der Sowjets erheblich eingeschränkt worden. Die Sowjet­kriegsflotte ist jetzt im wesentlichen auf Sewastopol als Stützpunkt und Ausrüstungsplatz angewiesen.

Sie Vermchtungsschlacht von podwuffokoje

kbitterte kämpfe Milkt, von Kiew , Leistungen unserer Soldaten während der sechstägigen Schlacht über alles Lob erhaben

Von Kiisgsdsricbter Karl V o 11 Ir s r cl t

Und.. 19. August. Die große Vernichtungs-

ichlacht in der Ukraine ist beendet. Nach fechstagigem ubittcrtcn Ringen und nach Kämpfen, wie pe in der ncignisreichen Geschichte deutscher Eebirgstruppen ein­malig sind, wurde der in einem riesigen Waldkessel ein­geschlossene Gegner aufgerieben und vernichtet, -on vor- üidlichcr Zusammenarbeit legten Panzer, -oiifa»ter«e and Gebirgsjäger in einem großangelegten Umfassungs- Maiiöver einen riesige» Ring um die feindlichen Ver­bände.

Am rechten Flügel zweier bolschewistischer Armeen vorbei stießen deutsche Kampfwagen südlich von Kiew "ach Osten vor. Kurz vor dem Dnjepr. schwenkten sie "ach Suden ab und schoben hier einen eisernen Riegel °°r die feindlichen Kolonnen, denen der Rückzug über Dnjepr damit abgeschnitten war. Zur gleichen Mt trieben deutsche Truppen, die frontal die Stalm- Linie durchstoßen und durch stetiges Nachdrängen ein festsetzen des Gegners verhindert hatten, von Weiten "nd Süden kommend die Volschewisten langsam zurück. 2m weiten ukrainischen Raum, zwischen Kiew, Odessa und dem Dnjepr waren zwei bolschewistische Armeen, 6. und die 12. Armee, eingekreist. Von Tag zu Tag wurde der Ring enger. Schließlich saßen die einge- iastostenen Verbände im Waldqehiet westlich von Pod- mmjvkoje fest. Mit einer Verbissenheit, däe ihresgleichen sucht, rannten die Volschewisten gegen die deutsche Um­klammerung an. Keiner dieser verzweifelten Ent- MNingsciichriffe führte jedoch zu einem Erfolg. Unter schwersten Vlutopfern für den Feind wurden sämtliche ^urchbruchsversnche abgeschlagen oder im Keime erstickt. ^-" eherne deutsche Ring um den eingeschlossenen Feind ^"cb geschlossen. Nun sind die harten Kämpfe beendet, ^"hellen Scharen kommen die Volschewisten aus ihren ^oaungslöchern und aus den Wäldern. Bis zum letzten

genblick wehrten sie sich, bevor sie unter dem uner- ilichen Zwang der deutschen Massen in die Gefangen- zt wanderten.

)ie großartigen Erfolge gegen einen zahlenmäßig rlegenen Gegner können nur dann richtig bewertet tden, wenn man die außergewöhnlichen, beinahe üücr- rschlichen Leistungen der deutschen Soldaten verück- ügt. Gegenüber diesen Leistungen müssen Worte des >es- schal und banal werden. Nachdem sie in lange,, irschen mehr als 1666 Kilometer aus schlechtesten aßen zurückgelegt hatten, kämpften unsere Kebirgs- er acht Tage lang mit einem Gegner, der sich auf talste, oftmals hinterhältige Weise verteidigt« und h nicht einen Meter zu weichen gewillt war. Nach Feldzügen in Polen, Norwegen und Serbien haben Eebirgstruppen nun im Kamps gegen den Bolsche- iinus aufs neue ihre Bewährungsprobe abgelegt. Sie en in beispielloser Einsatzbereitschaft und Tapfer- zwei starke, gut ausgerüstete Verbände des Gegners Elitetrnppen der Sowjets vollständig vernichtet, keinem Augenblick, auch nicht bei den erbitterten sbruchsversuihen des Gegners oder in Kämpfen, in -en es oftmals Mann gegen Mann ging, haben ere Soldaten »der ihre Führung die Nerven ver- en. Der deutsche Soldat war jederzeit Herr der Lage > seinem Gegner überlegen.

Vir kennen seit langem die jture Verbrssewhert. mir der Gegner kämpft.' Sie ist bereits sprichwörtlich ge­rben. Der bolschewistische Soldat ist der hartnäckigste mer den unsere in vielen Feldzügen kampferprobten ldaten bisher kennengelernt haben. Ein hoher dcut- r Offizier erklärte uns. daß er während seiner lan- Krieaserfahrungen noch nie so hartnäckige und ifelte' Durchbruchsversuche des Gegners erlebt habe, ' gerade jetzt in der großen Vcrnichtringsschlacht in Ukraine. Als der Feind längst erkannt hatte, daß er

die eiserne Umklammerung nicht mehr durchbrechen konnte, als jeder Widerstand und jeder neue Angriff längst sinnlos geworden war, weil dem Feinde die Mu­nition für die schweren Waffen ausgegangen war, hetz­ten die bolschewistischen Kommissare immer neue In­fanterie Bataillone in das Feuer der deutschen Ma­schinengewehre. In der Nähe einer von deutschen Trup­pen besetzten Straßenkreuzung lagen Hunderte von Lei­chen bolschewistischer Soldaten. Zwei Tage lang ließ der Gegner bei Tag und Nacht seine Soldaten gegen die deutschen Stellungen anrennen.

Immer wieder brachen die bolschewistischen Angriffe im deutschen Abwehrfeuer zusammen. Als später ein deutscher Spähtrupp vorgehen wollte, mußte er i»i freien Gelände förmlich über die Leichen der Sowjet- soldaten hinwegkletterir. Die Toten lagen hier so dicht, daß der Spähtrupp keinen Platz mehr fand, um sich cin- zugrabcn.

Im Morgengrauen unternahm der Gegner -noch ein­mal einen großangelegten Versuch, durch die deutsche Umklammerung durchzubrechen. Unter dem Schuhe von 29 schweren Panzerkampfwagen und zahlreicher Flak- und Pakgeschütze stieß eine kilometerlange Kraftwagen­kolonne aus ihren Waldstellungen hervor. In breiter Front durchbrachen die Panzer die vordersten deutschen Linien und überrannten eine Batterie deutscher Ge­schütze. Dann geriet der Durchbruchsversnch bereits ins Stocken. Im Feuer unserer Pakgcschütze blieben fünf Panzer brennend liegen. Die übrigen 15 Panzerwagen fuhren in wilder Flucht in verschiedenen Richtungen davon und überließen die Transportkolonne ihrem Schicksal. Unter den Gefangenen befand sich der Ober­befehlshaber der 6. sowjetischen Armee. Der bolschewi­stische General hatte im letzten Augenblick den Versuch gemacht, in einem Panzerkampfwagcn zu fliehen. Auch (Fortsetzung auf Seite S)

Hiobsbotschaften am laufenden Band

rck. Berlin, 19. August

Ein iiberfüllter Schreibtisch erwartete Winston Chur­chill, als er am Dienstag vom mißglückten Fischzug auf dem Atlantik nach London zurückkehrte. Mit mürrischem Gesicht, das die Enttäuschung über unerfüllte Erwartun­gen widerspiegelte, suchte sich der englische Premier in der Atmosphäre seines Arbeitszimmers zurechtzufinden. Als er noch immer gereizt und unwirsch ob der klein­lauten Zeitnngskommentare, die er bereits unterwegs im Sonderzug gesehen und wütend zerknüllt hatte nach den Nachrichten und Berichten griff, die man für ihn angehäuft hatte, da fand er nichts als neue Nahrung für seine schlechte Laune. Als erstes hielt er die neuesten Meldungen vom östlichen Kriegsschauplatz in der Hand. Eine klang immer bedrohlicher und unangenehmer als die vorhergehende: Zusamnrenbruch der Sowjetfront in der Siidukrarne, schwerwiegende Verluste der Volsche­wisten an Menschen und Material und dazu noch der ver­wünschte Bissen, den die Deutschen im Kriegshafen Nikolajew geschnappt hatten.

Während Churchill bereits die ersten Zweifel auf­stiegen, ob er nicht an Bord desPrince of Wales" die Lage im Osten allzu optimistisch empfunden und dar­gestellt hatte, waren ihm schon ein paar Zeitungsaus­schnitte allerjüngsten Datums'in die Hände geraten, die der neue Lehrling im Jnformationsministerium Bracken für ihn angestrichen hatte. W. C. ließ den zerkauten Zi­garrenstummel aus einem Mundwinkel nach dem an­deren wandern und blickte mit kleinen bösen Augen auf die Blätter; das erste enthielt den täglichen Frontbericht desExchange-Telegraf" aus Moskau, der doch wochen­lang so erfrischend und optimistisch geklungen hatte. Doch welcher Kontrast dazu die heutige Meldung:In der sowjetischen Heeresleitung werden die nächsten sechs bis acht Wochen als die Phase schwerster und entscheiden­der Kämpfe bezeichnet. Die Armeen Timoschenkows und Vudjennys haben in den Kämpfen um Smolensk und in der Südukraine beträchtliche Verluste an Truppen und Material erlitten". Das Blatt flog in eine Ecke. Das nächste enthielt eine Betrachtung derTimes":Die Sowjetarmee gibt dem verstärkten Druck nach und zieht sich in das Innere des Landes zurück. Wenn der Rückzug sie Rebergabe des wertvollen Jndustriebezirks von Kryvoj Rog mit sich brachte, so ist das ein Beweis für die unbe­denkliche Bereitschaft der Sowjets, die Verlängerung der feindlichen Verbindungslinien durch ihren Rückzug teuer zu bezahlen". Auch von dem Elobereuter-Bericht seines Sonderkorrespondenten Alexander Werth und derDailp Mail" genügten Churchill ein paar Sätze:Der Verlust von Nikolajew und Kryvoj Rog bedeutet zwei wichtige Rückschläge für die Sowjets" undDie Schlachten um die drei ersten großen natürlichen Verteidigungslinien am Prnth, Dnjestr und Bug sind von den Sowjets ver­loren worden. Hinter dem Dnjepr liegt das für die Sowjets so wichtige Donez-Jndustriegebiet. Bisher ist es den Deutschen gelungen, die Hälfte des für die Sowjets so wichtigen Landes zu erobern. Das bedeutet immerhin einen eindrucksvollen militärischen Sieg". Die Falte um den Mund des Premierministers wurde tiefer.

Eingerahmt von verstreuten Zeitungsblättern voller Hiobsbotschaften stand Churchill und' hielt nun eine Mappe mit der AufschriftSchlacht auf dem Atlantik" in den Händen. Das Blatt wog schwer. Wieder standen unter dem Datum jedes einzelnen Tages mehrere Ver­luste aufgereiht. Dort hatten deutsche Fernkampfflug­zeuge einen Tanker geschnappt und da aus einem Konvoi heraus ein paar Schiffe mit Kriegsmaterial versenkt. Tag um Tag, unerbittlich. Er überschlug im Kopf die Gesamtzahl der versenkten Tonnen. Es wurde eine quälende Ziffer. Auch das nächste Blatt brachte keine Beruhigung. Es enthielt die amtliche Mitteilung, daß sich die neue Ausgabe von Lloyds-Schiffsrcgister um drei Monate verzögert.Verdammt, daß sich diese klare Bestätigung der schweren Verluste unserer Versorgungs­schisfahrt nicht vermeiden ließ! Jeder weiß doch gleich Bescheid, wenn er das liest!" Und dazu als nächstes Blatt in dieser verteufelten Mappe die Ankündigung über die Aufhebung der Handelsschiffabrtsakte. Es war ja wirklich notwendig, daß die noch vorhandenen Schiffe über die gesetzlich bestimmten Lademarken hinaus Lasten an Bord nehmen mußten und ihren Laderaum auf Kosten der eigenen Sicherheit bis zu dem letzten Win­kel ausnützten. Aber muß die Welt nicht daran die

...

Unser DayessnrsysL

Das gesamte Gebiet westlich des Dnjepr ist in deut­scher Hand; 77 756 Gefangene und gewaltige Kriegs­beute konnten erneut eingebracht werden.

Im Kriegshaftn Nikolajew wurden mehrere Kriegs­schiffe, darunter ein 38 666-Tonnen-Schlachtichiff und ein 16 666-Tonnen-Krciizer, erbeutet. Außerdem wur­den Truppentransporter am laufenden Band ver­nichtet.

DieTimes" enthüllen die wahren Ziele der von Churchill und Roosevelt verkündetenFreiheit des Welthandels".

Auf der Atlantikkonscrenz wurde auch ein Sowjct- manover gegen Japan beschlossen.

Im Hasen von Newyork ereignete sich eine Ricsen- erplosion.

Der Reichswirtschaftsminister hat durch Rundcrlaß eine Vedarfsbescheinigung für den Bezug von Mö­beln eingeführt. ' .

Im Nahmen der Eauschulungswochc in Bremen spra­chen gestern im großen Klock'cnsaal Gauleiter Növcr, ff-Standartenführer Schnocckcl und Dr. Ebcling zur Kolonialfrage, Gesandter Dr. Schmidt vom Aus­wärtigen Amt überWeltpolitik und die Stellung des neuen Europa in der Welt".