Ausgabe 
(24.2.1942) Nr. 55
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Bremer Zeitung

Dienstag. Sei, 24. Februar 1942

1. Beilage zu Nr. 55

Auszeichnung eines bremischen Künstlers

Bremen, 24. Februar

Der Reichskommissar für die Gestaltung des Ostens hatt« vor einiger Zeit 25 namhafte Bildhauer aus allen deutschen Gauen aufgefordert, Entwürfe für einen Brunnen, der in den Musterdörfern des Ostens aufge­stellt werden soll, einzusenden. Das Preisgericht, das aus den Professoren Breeker, Klinisch, Kolbe und Scheibe bestand, hat vor einigen Tagen beschlossen, zwei gleiche Preise für die Einsendungen zu verteilen. Den einen dieser Preise erhielt ein Sohn unserer Stadt, der Professor an der Nordischen Kunsthochschule Ernst Gorsemann. Pros. Eorsemann hat ferner auch vom Reichsfinanzminister den Auftrag bekommen, Entwürfe für die neuen Fünf- und Zweimarkstücke anzufertigen.

Verbotswidriges Schießen

Der Polizeipräsident teilt mit: In letzter Zeit mehren sich Anzeigen über verursachte Personen- und Sachschä­den durch leichtfertiges Schiehen an bewohnten und von Menschen besuchten Orten. Mit Geldstrafe bis zu 150 RM. oder mit Hast wird bestraft, wer an genann­ten Orten ohne polizeiliche Erlaubnis schießt, Selbstgeschosse, Schlageisen oder Fußangeln legt. Neben der Strafe besteht in den meisten Fällen eine Verpflich­tung zum Schadenersatz. Auch Eltern und Erziehungs­berechtigte haften in vollem Umfange für eventuelle Schäden und werden strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. Es ist ihre Pflicht, Jugendliche von solchem Treiben abzuhalten und sie auf die oftmals recht üblen Folgen hinzuweisen. In Zukunft wird unnachsichtlich Bestrafung erfolgen.

z. Zusahkleiderkarte für jugendliche

Die Jugendlichen, die am 1. September 1941 min­destens 13 und höchstens 17 Jahre alt waren, werden auch in diesem Jahre auf Antrag wieder eine Zu­satzkleiderkarte erhalten. Die Zusatzkleiderkarte enthält für Knaben 30 Bezugsabschnitte und. für Mädchen 20 Bezugsabschnitte, sowie zwei Vezugsnachweise für je 1 Paar Strümpfe oder Socken. Alle Bezugsabschnitte und Bezugsnachweise können sofort benutzt werden. Die Aus­gabe erfolgt ebenso wie im Vorjahre voraussichtlich in der zweiten Märzhälfte. Der Zeitpunkt, von dem an die Anträge bei den Wirtschaftsämtern (Kartenstellen) gestellt werden können, wird rechtzeitig bekanntgegeben. Vorherige Anträge sind zwecklos und können keines­falls berücksichtigt werden.

Sammelergebnis am Tag der Deutschen Polizei ru Bremen noch erhöht. Ein bremisches Reserve- Polizei-Bataillon, das besonders in den letzten Wochen an der Ostfront in schwerem Abwehr- kampf gestanden hat, 'hat seiner hiesigen Heimat- dienststelle als persönliche Sonderspende noch 6782,25 Reichsmark, das sind auf den Kopf über 19 RM., über­wiesen. In Verbindung mit sonstigen nachträglichen Ein­zahlungen hat sich hiermit das Sammelergebnis am Tag der Deutschen Polizei in Bremen noch über 1 1 000 RM., und zwar von 180048 RM. auf 191 606,78 RM. erhöht.

Vorbereitung auf die Meisterprüfung durch das Be­rufserziehungswerk. Da der Reichswirtschaftsminister be­stimmt hat, daß das Berufserziehungswerk für das deutsche Handwerk alle freiwilligen Verufsförderungs- maßnahmen für Gesellen und Meister durchzuführen hat, so hat Reichshandwerksmeister Schramm als Leiter dieses Berufserziehungswerks nunmehr angeordnet, daß die Lehrgänge zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung, die bisher die Handwerkskammern und andere Stellen durchgeführt haben, von den Zweigstellen für das Deutsche Berufserziehungswerk übernommen werden.

Eine musikalische Feierstunde veranstaltete am Sonn­tag die NS.-Frauenschaft, Ortsgruppe Hohwisch, im Eemeinschaftshaus. Hierzu waren auch der Ortsgrup­penleiter und seine Mitarbeiter erschienen. Nach den einleitenden Worten der Ortsfrauenschaftsleiterin Pgn. Eerking folgte ein ausgewähltes künstlerisches Pro­gramm, das von den Künstlerinnen Magdalene R i e k e, Gesang, Anni Rieke. Violine. Erste Binkert, Kla­vier, und dem Chor des VDM.-Werkes „Glaube und Schönheit" bestritten wurde. Die Programmgestaltung sowie die Leitung des Chors.lag in den Handen von Magdalene Rieke.

Es wird verdunkelt: von Dienstag 1g Uhr, bis Mittwoch 8 Uhr

„Hüntec Akie-skoU

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(6. Fortsetzung)

Um acht Uhr ließ er eine kleine Pause eintreten, die dazu dienen mußte, in einem Gasthof eine Mahlzeit ein­zunehmen, und gegen neun Uhr saß er bereits wieder über seiner Arbeit, die bis nach Mitternacht ohne Un­terbrechung fortging. Diese Uebung setzte er geschlagene zwölf Tage hindurch fort und konnte dann den letzten Band, den von 1937, befriedigt wieder in das Regal stellen.

Die kommende Woche war der Auswertung seiner Notizen vorbehalten. Er gruppierte die Ergebnisse des Exportgeschäftes nach verschiedenen Gesichtspunkten mid schrieb schließlich das Ganze auf der Schreibmaschine ins Reine, wobei er nicht verfehlte, der Statistik ein Ex­pose folgen zu lassen, das auf fünf Seiten ein Fazit der vorliegenden Arbeit und die daraus zu ziehenden Schlüsse enthielt.

Es war ein Mittwoch, als er mit seinem Unternehmen fertig war. Mit einem leisen Seufzer und einem dazu wenig passenden grimmigen Blick schloß er die Mappe und verfügte sich i«:«s Bett, in seineni Herzen wilde Ent­schlüsse wälzend.

Donnerstag früh machte er besonders, sorgfältige Toi­lette, rasierte sich auch gegen den Strich, zog einen schmucken Anzug an, der sonst fürs Büro viel zu schade war, packte liebevoll seine Mappe mit den Papieren ein und ging in den Dienst.

Generaldirektor Bevern, der Gewaltige des Agri- Konzerns, pflegte gegen neun.Uhr seine.Arbeitsstätte aufzusuchen und blieb meist bis fünf oder sechs Uhr nachmittags, oft auch bis spät in die Nacht hinein un­unterbrochen tätig. Er war aus ziemlich kleinen Ver­hältnissen heraufgekommen, einfacher Ingenieur gewe­sen, der nicht etwa eine Hochschule, sondern nur ein Tech­nikum besucht halte, fiel seinen Vorgesetzten wegen seines fanatischen Arbeitseifers und seiner unleugbar großen kaufmännischen Talente auf, die seine technischen bei weitem überstiegen.

Allgemach rückte er fo von Stufe zu Stufe, bis er über den Prokuristen und Abteilungsleiter zum zweiten Di-

Vremer Oberin leitet VS.-Veichsbund Deutscher Schwestern

NS.-Schwesternschast und Velchsbund der §reien Schwestern e. v. zum VS.-Neichsbund Deutscher Schwestern zusammengelegt

Wie das Gaupresseamt Weser-Ems mitteilt» wurden die NS.-Schwesternschaft und der Reichsbund der Freien Schwestern e. V. zu dem NS.-Reichsbund Deutscher Schwestern zusammenge­legt. Als kommissarische Leiterin wurde Frau Oberin Maser aus. dem Gau Weser-Ems eingesetzt, die bislang in den Städtischen Krankenanstalten in Bremen gewirkt hat. Frau Oberin Maser hat ihre Tätigkeit in Berlin schon ausgenommen. Der NS.-Gaudienst Weser-Ems sprach mit der Oberin bei ihrem letzten Aufenthalt im Nordseegau.

Die Städtische Krankenanstalt in Bremen, M der im Kriege auch ein Rchervelazarett gehört, ist eine der größ­ten Krankenanstalten des Gaues Weser-Ems. Da bedeutet es schon etwas, wenn die für die vielen Schwestern und auch für den Schwesternnachwuchs dieses Krankenhauses verantwortliche Oberin zwei Aemter bekleidet, von de­nen jedes allein schon den ganzen Menschen fordert. Frau Oberin Maser jedoch hat sich ihre beiden umfang­reichen Aufgabengebiete so sinnvoll aufgegliedert, daß ein Amt das andere ergänzt. Wenn sie in Berlin für alle Schwestern in den Reihen der NS.-Volkswohlfahrt im weiten deutschen Reich plant und arbeitet, mit den zuständigen Behörden und Parteidienststellen verhan­delt oder schwerwiegende organisatorische Maßnahmen innerhalb des neuen Reichsbundes durchführt, fo kann sie selbst an bestimmten Tagen des Monats in „ihrem eigenen" Krankenhaus alles in der Praxis erproben. Die Möglichkeit, keinen Entschluß vom grünen Tisch aus

fassen zu brauchen, wiegt für die Oberin die unend­liche Mehrarbeit, wie sie uns erklärte, vollkommen auf.

Scinvester sein, beiüt etvas leisten

Es war eine Lust, zu hören, wie sie sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit dafür einzusetzen bereit ist, daß der Schwesternberuf, zu dem sich gerade heute oft auch allerlei Unberufene drängen, nicht herabgezerrt wird zu einem Verlegenheitsberuf oder zu einem Beruf jener jungen Mädchen, die meinen, auf diesem Wege bequem und wohlbelohnt weniger arbeiten zu müssen, als sonst irgendwo in Deutschland. Schwester sein, heißt bei ihr etwas leisten. Auch weiß sie, daß die nationalsozialisti­sche Schwester etwas können muß in ihrem Beruf, daß es mit einer wackeren Gesinnung allein nicht ge­tan ist, sondern daß der Schwesternnachwuchs ebenso viel sachliches Wissen sein eigen nennen muß, wie er in weltanschaulicher Hinsicht ohne Tadel zu sein hat, Es fiel in der Unterhaltung das Wort, daß die

junge Schwester weniger von ihren Rechten als viel­mehr von ihren Pflichten sprechen müsse, denn diese Pflichten sind es. die ihre Aufgabe ausmachen und die ihren schönen Beruf vor vielen anderen Frauenberufen über den Alltag hinausheben.

äms cker Praxis, kür ckle Praxis

An der Spitze des neuen NS.-Reichsbundes Deutscher Schwestern steht nun eine Frau der Praxis, die an vie­len Krankenhäusern ihren Beruf von Anfang an er­lernt hat und durch all die Aufbaujahre der Schwestern- arbeit in der NS.-Volkswohlfahrt hindurchgegangen ist. Es kann uns im Nordseegau mit Stolz und Freude erfüllen, daß es gerade eine Oberin aus unserer NSV^- Arbeit ist, die Oberbefehlsleiter Hilgenfeldt nach Berlin berief. Neben ihrer umfangreichen Berliner Aufgabe soll di« Städtische Krankenanstalt in Bremer, stehen, zu der sie wieder zurückkehrt, um mit den Jung» schwestern und den vielen Schwestern dieses gewaltigen Krankenhauses Kameradschaft zu halten. So ist damit der Nordseegau zu einem besonderen Arbeitsfeld zener Frau geworden, die numehr den NS.-Reichsbund Deut­scher Schwestern leitet und den echt nationalsozialisti­schen Frauenberuf der Schwester aus leidenschaftlicher Liebe zur Sache gestaltet.

Unsere Zink — einmal ganz anders

Seit Jahr und Tag versehen die zum Schutze Bremens eingesetzten Flakformationen ihren gewiß nicht leichten Dienst. Immer bereit, einem angreifenden Gegner ein gebieterisches Halt zu bieten oder ihn zumindest an seinem Vorhaben, Verderben bringende Last über der Stadt und den Arbeitsstätten abzuwerfen, wirksam zu hindern.

Der Bevölkerung ist im Laufe der Monate der Um­gang mit unseren Soldaten — wir bezeichnen sie mit Recht als unsere Flaksoldaten — vertraut gewor­den, und so hat sich vielfach ein geradezu herzliches Verhältnis herausgebildet. So ist es auch zu verstehen, daß Bremer Familien an die Batterien herantraten und baten, alleinstehende Soldaten zu den Feiertagen in die Familien zu beurlauben. Die anfangs lose ge­knüpften Bande verstärkten sich mit der Zeit immer mehr und wurden zu einer ständigen Einrichtung. Die Ortsgruppen der Partei, der VDM. und die HJ. un­terstützten dieses Vorhaben in jeder Hinsicht, so daß es zu verstehen ist, wenn nun in diesen Tagen einzelne Formationen der Flak sich mii Plänen tragen, um die von der Bremer Bevölkerung erwiesenen Aufmerksam­keiten in einem äußeren Dank abzustatten.

Das waren auch die Gedanken einer Eroßbatte- rie, die irgendwo an der Stadtgrenze ihre Stellungen bezogen hatte. In langen Winterabenden nach dem allgemeinen Dienst diente die Freizeit der Gestaltung eines Programms für einen „Bunten Nachmit­tag". Unermüdlich wurde gearbeitet, gedichtet und komponiert, und bald stand der äußere Rahmen. Probe auf Probe folgte, Verbesserungen wurden durchgeführt und für weibliche Rollen wurden einige Bremer Mädel gewonnen. Auch für die Bühnenausstattung wurde ge­bastelt. Endlich, nach Ueberwindung der letzten Hinder­nisse, konnte der Tag der Aufführung festgesetzt wer­den und geschmackvolle künstlerische Einladungen mit einer vielversprechenden Vortragsfolge wurden durch Feldpost den Bremer Familien zugestellt.

In einer Vorortgaststätte empfing uns am Saalein­gang „der Spieß", der uns ebenso wie seine Soldaten in seiner Eigenschaft als Kompaniemutter betreute und in den Saal führte. An langen weißgedeckten Tischen saßen in bunter Reihe Soldaten und Zivilisten. Ganze Familien waren mit Kind und Kegel erschienen und harrten mit Spannung der Dinge, die da kommen soll­ten. Unter den Gästen bemerkte man neben dem Orts­

gruppenleiter des zuständigen Hoheitsgebietes, Ober­gemeinschaftsleiter Mock, auch Offiziere weiterer Batte­rien. Nach einem schwungvollen Marsch der Unterhal­tungskapelle, sprach der Batterieführer und führte aus, daß der „Bunte Nachmittag" ein Dank der Soldaten an die Bremer Bevölkerung darstelle. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß so überaus viele Gäste der Einladung ge­folgt seien. Durch diesen Nachmittag solle das enge Band der Verbundenheit, wie es durch den Familien- verkehr und durch die sogenannten „Bratkartoffelver­hältnisse" bereits eingeleitet sei, sich noch vertiefen.

In bunter Folge wickelte sich ein Programm ab, das einen tiefen Einblick in die Freizeitgestaltung unserer Soldaten vermittelte und erkennen ließ, was mit den verschiedenen Talenten, die eine Batterie auszuweisen hat, für ein Erfolg errungen werden kann, wenn diese richtig angesetzt werden. Ein Wachtmeister begeisterte mit dem Akkordion, auf dem er eigene Kompositionen zum Vortrag brachte. Gespielte Witze, in Anregung und Gestaltung dem täglichen Leben entnommen, waren von durchschlagendem Erfolg. Die vier Sänger mit neuen Schlagern, für deren Text H. Schleicher und deren Musik F. Hellmann verantwortlich zeichneten, erhielten für ihre Darbietungen stürmischen Beifall. Als besondere Zugnummer erwies sich Ben Tari mit seinem Assistenten, dem mit einer Peitsche die Zigarette zunächst aus der Hand und dann aus dem Mund geknallt wurde. Er­staunenswertes leistete Ben Tari im Schießen auf Glas­kugeln und brennende Kerzen, die im direkten Schuß oder indirekt unter Zuhilfenahme eines Spiegels zer­stört oder ausgelöscht wurden. Beachtenswert auch die Ausstattung dieser Nummer, die einer Kleinkunstbühne zur Ehre gereicht hätte. Das Heimatlied von Nicol Dostal, von I. Neumann zum Vortrag gebracht, beendete den ersten Teil.

In der zweiten Hälfte der Vortragsfolge errang der von Herbert Schleicher verfaßte und von Fritz Hellmann vertonte Schwank „Gnädige Frau, das geht doch nicht!" einen beispiellosen Erfolg. Die aus dem täglichen Leben genommene Handlung wurde von den Soldaten und den beiden Bremerinnen unbefangen zur Darstellung ge­bracht. Zwei weitere Gesangstücke bildeten den Ausklang. Sämtliche Mitwirkenden waren Batterieangehörige, von denen dem Mann im Frack, Herbert Schleicher, als An­sager und der Unterhaltungskapelle ein besonderes Lob gebührt.

Dfferchaltungspflicht der Handwerksbetriebe

Nach der Regelung des Ladenschlusses im Einzel­handel hatte der Reichswirtschaftsminister kürzlich diese Fragen auch für die Handwerksbetriebe durch Bestim­mungen über deren Offenhaltungspflicht geordnet. Die Einzelregelung wurde Nachgeordneten Stellen übertra­gen. Es sind dabei jedoch Richtlinien des Ministers zu beachten, die davon ausgehen, daß in jedem Falle die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen ist. Die höheren Verwaltungsbehörden sind ermächtigt die Zei­ten festzusetzen, in denen Handwerksbetriebe ihren Be­trieb offenhalten müssen. Ausnahmen 'in dieser Offen­haltungspflicht bedürfen der behördlichen Genehmigung. Anträge sind bei der zuständigen Kreishandwerkerschaft einzuröichen. Die Richtlinien verlangen u. a., daß bei Einführung einer Mittagspause Zeit und Dauer für größere Bezirke einheitlich geregelt werden Sofern

rektor und schließlich leitenden Mann des Dortmunder Werkes gestiegen war, um bei dem Zusammenschluß der sieben Fabriken für landwirtschaftliche Maschinen im Agri-Konzern das Generaldirektorium zu übernehmen. Niemand, auch seine Neider nicht, hatten Zweifel', daß er neben einer Dosis Glück auch eine ungeheure Energie, Weitblick, Rückgrat und beinahe etwas wie Genialität besaß.

Nur eines nahmen ihm alle Angestellten und Arbeiter des Konzerns übel: Der Mann thronte himmelhoch über ihnen, ließ sich fast nie persönlich sprechen und beschränkte seinen Verkehr mit den Untergebenen auf seine ziemlich vertrocknete alte Sekretärin, die Direktoren, leitenden Ingenieure und einige Abteilungsleiter. Von allen übrigen Mitarbeitern konnte sich kaum einer rühmen, jemals von Bevern bemerkt oder gar ins-Gespräch ge­zogen worden zu sein.

Und diesen grimmigen Halbgott, vor dem alle Welt zitterte und dessen scharfen Verstand und spitze Zunge jedermann fürchtete, wollte Günter Uhlenhoff unange­meldet in seiner Höhle aufsuchen.

Das war ein Wagnis, und Günter empfand es selbst als ein solches Er hatte dem leisen Herzklopfen, das sich beim besten Willen nicht unterdrücken ließ, zwei Ge­sichtspunkte entgegenzustellen: Einmal hoffte er inbrün­stig darauf, daß Bevern mit sich reden lassen würde, wenn er merkte, daß Günters Anliegen Hand und Fuß hatte und schließlich war das Schlimmste ein Hinaus­wurf, der keine akuten Gefahren in sich barg, weil man ja jederzeit eine neue Stellung finden konnte.

Also verließ Günter Punkt zehn Uhr sein eigenes Büro, wanderte duxch lange Korridore und stieg eine Treppe hinauf. Hier war der Gang mit einem'dicken Läufer belegt, weil hinter den Türen rechts und links die hohen Herren Direktoren arbeiteten. Eine der Türen trug die Äusichrift „Bevern, Generaldirektor. Anmel­dung Zimmer 161".

In Zimmer 161 saß Fräulein Koch, vielleicht Ende der Vierzig, groß, hager, mit klugen grauen Augen, aber einem verkniffenen Mund, der unangenehme Aussprllche schneller vom Stapel ließ, als es bei einer Frau sonst der Fall zu sein pflegt. Dieses Fräulein Koch. allmäch­tige Sekretärin des allmächtigen Generaldirektors, haßte Günter wie alle anderen Angestellten des Konzerns. Er fürchtete sich sogar beinahe vor ihr und war fest ent­schlossen, seine Anmeldung bei ihr nicht vorzubringen.

Er schritt also an Zimmer 161 vorüber'und blieb vor Zimmer 160 stehen. Wenn er Glück hatte, war die Türe nicht verschlossen. In diesem Falle würde er unmittelbar vor Bevern stehen, ohne zuerst an Fräulein Koch vor-

periodisch wiederkehrende halb- und ganztägige Ve- triebsschließungen genehmigt werden, ist möglichst zu vermeiden, daß in einem Bezirk am gleichen Tage alle Betriebe dieses Handwerkszweiges geschlossen sind. Um in Handwerkszweigen, die vornehmlich Reparatur­arbeiten machen, z. V. Schuhmacher und Uhrmacher, die Erledigung der Reparaturen zu erleichtern und zu be­schleunigen, kann genehmigt werden, daß Werkstatt­betriebe, z. B Schuhmacherbetriebe, ihre Werkstatt nur an einigen Tagen der Woche zur Annahme und Abgabe der Reparaturen offenhalten.

40jähriges Arbeitsjubiläum. Der Altmeister Fried­rich Meyer, Bremen-Hemelingen, Neustadtstr. 7, be­geht heute, das 40jährige Arbeitsjubiläum bei der Firma Fischer L Bülle, Eisengießerei, bei voller Ge­sundheit und Rüstigkeit. Der Jubilar ist seit der Grün­dung des Werkes bei der Firma tätig und hat in den letzten Jahren die Lehrlings-Abteilung zu leiten.

über zu müssen. Er drückte vorsichtig auf die Klinke, die Tür gab nach und bewegte sich lautlos in den Angeln. Dann sah er die Jnnentüre, bei der die letzte Entschei­dung lag.

Wieder faßte er vorsichtig zu, drückte die Klinke nieder und hätte beinahe einen Jauchzer ausgestoßen. als er feststellte, daß auch diese Türe nicht verschlossen war.

Jetzt setzte er zum Start an Mit einem festen Druck zog er die äußere Tür hinter sich zu, stieß die innere weit auf und schlug sie wieder ins Schloß, bevor der aufblickende Bevern Gelegenheit hatte, den Vorgang richtig zu registrieren.

Fünf Schritte treniaen Günter von dem Schreibtisch des Generaldirektors Noch niemals war er bisher in diesem Raum gewesen, obwohl er fast sieben Jahre im Harri« war. Diese fünf Schritte galten aber nur für einen trainierten Sportler von guten Körpermaßen. Günter schaffte sie spielend.

Bevern, eine große, massige Figur, die einen völlig kahlen, leicht rötlichen Schädel trug, hatte Günter ein sprachloses Gesicht zugewandt. Dieser junge Angestellte war somit der einzige von den zwanzigtansend Kefolg- schaflsmitgliedern des Konzerns, der den Herrn Gene­raldirektor sprachlos gesehen hatte, und darin lag schon der erste Triumph.

Immerhin mußt« er sich aber gewaltig zusammen­nehmen. Dieses Gesicht da vor ihm, breit, flächig von Speck- und Hautfalten durchzogen, von einer kantigen Stirn, einer ungeheuren Nase, einem raubtierhaften Kinn, zwei riesigen Ohren und zwei klaren, eiskalten, durchdringenden Augen geschmückt, sah furchtcrweckend genua aus selbst für einen so mutigen jungen Mann wie Günter Uhlenhoff.

Der ganze Vorgang hatte bis dahin kaum eine Se­kunde in Anspruch genommen. Bevern öffnete seine gewaltigen Kinnladen bereits zu einem wütenden Aus- fall, der sicherlich wie Donnerrollen sein mußte, aber Günter sprang mutig mitten in den Kampf, ließ seine schmetternd« und doch baßbehäbige Stimme hören die Bevern erneut zu einer kleinen Sprachlosigkeit vor Ueberraschung verhalf

„Verzeihung, Herr Generaldirektor. Mein Name ist Uhlenhoff Ich bin erster Korrespondent für spanisch und portugiesisch in des Exportabteilung und habe Ihnen ein« außerordentlich wichtige Mitteilung zu machen, die ich leider nicht auf dem normalen Wege anbringen konnte."

Bevern überlegte blitzschnell. Er war gewohnt, alles zu benutzen, was ihm in die Finger käm, und hatte dabei auch keine moralischen Bedenken vor Enthül-

Mittterdienst im Deutschen Zrauenwerk

Erwarten Sie ein Kind? So raten wir Ihnen, sich zu einem Mütterschulungslehrgang Säuglingspflege, der in ben Vormittagsstunden von 9.3V—11.30 Uhr taufen wird, anzumelden. Hier werden Sie beraten, wie man ein Kind badet kleidet und richtig ernährt. Au dem am 25. Fe­bruar, 18.30 Uhr, beginnenden Lehrgang Säuglingspflege werden noch einige Anmeldungen entgegengenommen. — Auch in dem Lehrgang Nähen, der am Donnerstag, d. S, März um 1S Uhr, in der Mütterschute beginnt, sind noch einige Plätze -frei. — Für Hausfrauen wirb in der nächsten Zeit ein Kochkurs am Vormittag eingerichtet werden; wir bitten schon jetzt um Anmeldungen dafür, — Jeder Lehr­gang umsetzt 12 Doppelstunden und kostet 3.80 RM, Anmel­dung und Auskunft in der Mütterschute im Carin-Göring- Haus, Contrescarpe 102, Telefon 8 32 34.

93 Jahre alt

Gestern konnte Hermann Kasten, Fanlenstraße 12, in guter Frische seinen 93. Geburtstag feiern.

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Unter dem Hoheilsadler

NSDAP.

Ortsgruppe Fehrfeld. Heute, 19.30 Uhr, Sitzung für Po­litische Leiter und Stäbe der Gliederungen bei Grotheer.

Ortsgruppe Weidedamm. Ausgabe der Beitragsmarken- bücher in den Geschäftsstunden.

NS.-Frauenschaft

Kasscnwalterinncn. Einige Ortsgruppen müssen noch ab­rechnen.

Kindergruppe. Verschiedene Ortsgruppen müssen noch die monatliche Bestandsmeldung in der Kartei ablieiern. Bitte umgehend nachholen.

Ortsgruppe Borgseld. Heute von 15—18 Uhr Nähnachmittag für alle Mitglieder im Gemeindehaus. Trennmesser und Schere sind mitzubringen.

Das zeitgemäße Nezepr

Kräftige Pilztunke zu Pell- oder Quetschkartoffeln

Man rechnet aus I Ltr. Tunke 20—30 Gr getrocknete Pilze, wäscht diese gut und weicht sie mindestens 12 Stunden in etwas kaltem Wasser ein. dann kocht man sie gar, Nimmt sie aus der Flüssigkeit und hackt sie sein Unter­dessen macht man von etwas fettem Speck oder Schmalz und 70—80 Gramm Mehl eine dunkle Schwitze, gibt etwas sein zerkleinerte Zwiebel oder etwas Porree zum An­dünsten hinein, desgleichen die gehackten Pilze und gibt nach einer Weile 1 Liter Pilzbrühe und, wenn nötig, Wasser dazu. Die Tunke mutz etwa 30—40 Minuten kochen. Man macht sie durch etwas Hefeextrakt iDer son­stigen Zusatz kräftiger und schmeckt sie mit Salz, Zucker und Basilikum ab. Die Kartoffeln werden wie üblich am Abend vorher eingewässert, vor dem Auffetzen gründlich gebürstet und dann gegart. Wenn man die Kartoffeln sofort nach dem Garwerden pellt und stampst, kann man sie mit etwas Salz durchgemischt austragen.

Die Güte eines Staates kann nicht bewertet wer­den nach der kulturellen Höhe oder der Machtbedeu­tung dieses Staates im Rahmen der übrigen Welt» sondern ausschließlich nach dem Grade der Güte die­ser Einrichtung für das jeweils in Frage kommende Volkstum.

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lungen, die nicht immer gerade sauberen Motiven ent­sprangen, Dieser junge Mann sah ausgezeichnet aus, jedenfalls nicht wie ein Attentäter. Vielleicht brachte er wichtiges Material gegen einen der Direktoren oder Abteilungsleiter.

Trotzdem schimpfte er. „Unverschämtheit! Einfach hier hereinzukommen Ich werde Ihnen schon . . ."

Und da brachte Günter es fertig, Bevern einfach zu unterbrechen ihm mitten in den Satz zu fallen und diese Frechheit auch noch mit einem anmutigen Lächeln zu unterstreichen.

„Sie haben zweifellos recht, Herr Generaldirektor, aber wenn man nicht etwas Unverschämtheit besitzt, hat man keine Gelegenheit zu einer Rücksprache mit Ihnen. Schimpfen können Sie immer noch, wenn Sie wissen, was ich will und es Ihnen blödsinnig vorkommt."

Bevern schnappte nach Luft. So hatte weiß Gott seit zwanzig Jahren kein Mensch mehr mit ihm zu sprechen gewagt. Er erinnerte sich seiner eigenen Jugend und grinste leise bei dem Gedanken, wie grob er sich auch Vorgesetzten gegenüber benommen hatte, bis er endlich auf diesen Platz gekommen war. Jedenfalls gefiel ihm eine gehörige Portion Dreistigkeit und Selbstbewußtsein entschieden besser als Kriecherei. Weiß Gott, er würde nicht gegen all diese scharwenzelnden Gestalten um ihn herum so saugrob sein, wenn die Kerle mehr Rückgrat zeigten.

„Das sage ich Ihnen aber. Wenn Sie meine Zeit mit Quatsch ausfüllen, fliegen Sie achtkantig." Er grunzte Günter das entgegen und schnitt eine dräuende Grimasse, als wolle er nußknackerartig zubeißen. „Was ist denn überhaupt los?"

Günter atmete auf. Ein Stein fiel ihm vom Herzen. Er spürte daß er wenigstens das erste Geplänkel siegreich beendet hatte.

„In der Exportabteilung ist eine Riesenschlamperei Herr Generaldirektor."

„Weiß ich selbst. Der Umsatz ist auf dreiundzwanzig Prozent des früheren Umsatzes zurückgegangen Wenn Sie sonst nichts wissen, scheren Sie sich raus'" (Fortsetzung folgt.)