Srs chelnt 7mal wbchentli ch
Monatsbezua E 2H0 einschl. Zu- stellgebühr. PostbezugsprelS monatl. 2,30 E (einschl. 27,3 Post-
zeikungsgebühr) zuzügl. 42 Bestellgeld. Bezugspreis ist im voraus zahlbar. Postscheck: Hamburg 17272. Eine Behinderung der Lieferung rechtfertigt keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises. Verlag: NS.-Eauverlag Weser- Ems GmbH., Bremen, Seeren k/8. Fernspr. 54121, Nachtr. u. Sonnig. 51115. Sprech z.: Verlag: werktl. 12—13 Uhr? Schriftleitung: Dienstag und Freitag 12'/r—13'/, Uhr.
vlkMr leillW
parteiamtliche Lageszeitung
vas flmlsblott des Negierenden Vürgermeisters der Zreien Hansestadt Vremen
«neei aen Grundpreise':
Die 1 mw hohe und 22 nun breit« Zeile lw Anzeigenteil 13 Die 78 rruv breite und 1 mw hohe Zeile im Teiltest 75 H,/. Srmüß Grundpr. (für Klein- u. Famttienanz. u. a.- sowie sonstige Beding. Preisliste S Nachlaßstaffel 0. Geschäftsstellen: Bremen: Teeren k/8. Ruf 5 41 21? Nachtruf Und sonntags 51115? Obernstr. 8K, Ruf 5 4121? Stzke: Mühlendamm 2? Br.-Hemelingen: Bahnhosstr. k, Ecke Poststr., Ruf 4 34 58? Br.-DeZesack: Nohrstr. 24, Nlif 4 u. 8? Br.-Blumenthal: Kpt.- Dallmann-Etr. 41/43, Ruf 88 o. 89
der Nationalsozialisten Vremens
flmtliches verkündungsblatt des Neichsstattstaiters in Oldenburg und Vremen
Nr. 2?2 / l l.Zastrgang
Mittwoch, 1. Oktober 1941
Einzelpreis 19 Npf.
wirksame Luftangriffe gegen vaftnanlagen im Hinterland der volschewiften
vritisches Kriegsschiff versenkt
Aus dem Führerhauptquartier, 3li. September. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Bei der Durchführung der Operationen ostwärts des Dnjepr haben italienische Truppen stärkere Kräfte des Feindes aufgerieben und dabei mehrere Tausend Gefangene gemacht. Im nördlichen Abschnitt der Ostfront führte eine Infanteriedivision am 28. und 29. September einen erfolgreichen Angriff auf eine zäh verteidigte Stellung durch. Sie erstürmte hierbei 21V feindliche Bunker. Verbände der Luftwaffe bekämpften wirksam Bahntransporte im Raum um Charkow und setzten die Zerstörung des Bahnnetzes ostwärts von Leningrad sowie von Anlagen -er
^ 4
--
Kuck ckor Kekluekt bei K i e >v. listn« 8tvaüe, nnk cker ckie 6üektsnck«n Kolonnen im ^»sammeiovirlren mit 8tusta-Veibüncken unä l'gn/ei'n Zertrümmert vorüen sinck. (?K.-Otto/3estsrI.)
Murmansk-Bahn fort. Im Kampf gegen Großbritannien vernichtete die Luftwaffe in der vergangenen Nacht ostwärts Great Parmvuth einen Frachter von 8VVK VRT. und versenkte im gleichen Seegebiet aus einem größeren Zerstörungsverband heraus eines der Kriegsschiffe durch Bombentreffer. Weitere Angriffe richteten sich gegen Hafengebiete an der schottischen Ostküste und im Südosten der Insel. In Nordafrika bombardierten Sturzkampsverbände Verladeeinrichtun- gen und Munitionslager in Tobruk. Kampfflugzeuge
beschädigten im Mittelmeer ei« Handelsschiff anschössen einen britischen Bomber ab. Der Feind flog in der letzten Nacht in das norddeutsche Küstengebiet ein und drang mit einzelnen Flugzeugen bis in die weitere Umgebung der Reichshauptstadt vor. Durch Bombenwürfe auf Wohnviertel, vorwiegend in Hamburg, hatte die Zivilbevölkerung Verluste an Toten und Verletzten. Die britische Luftwaffe verlor gestern und im Verlaus dieser Nacht insgesamt elf Bombenflugzeuge."
London wM nicht als ISffig selten
Vas Wetter soll der Scund für die Verminderung lausender Luftangriffe sein
s. Berlin, 3V. September. (BZ.-Eigenbericht.) Der englische Nachrichtendienst eifert zur Zeit sehr, dem sowjetischen Verbündeten zu beweisen, daß man in London nicht lässig ist in der aktiven Hilfe mittelst Fliegerüberfällen auf die deutsche Zivilbevölkerung für die Volschewiften. Wenn diese Ueberfiille in den letzten Tagen nicht so zahlreich unternommen worden sind wie es die Sowjets zu ihrer Entlastung erwartet haben, so habe dies seine besonderen Gründe. Wenn man aus den sowjetischen Berichten ?k London erfahre, so lesen wir in der britischen Presse, daß es in der Sowjetunion schneie und ein furchtbarer Schmutz sei, so müßten die Sowjets bedenken, daß auch in England Wit- terungsverhältnisse die Kriegführung behindern könnten. So seien die Angriffe der englischen Luftwaffe auf deutsche Gebiete in der vergangenen Woche durch ungünstiges Wetter aufgehalten worden. Die Bolschewiken mußten verstehen, daß das Wetter der größte Einzelfaktor für Luftangriffe sei. Das Wetter bestimme das Ziel der Angriffe, die Zeit der Angriffe und die Zahl der Angriffe.
Die Wahl dLr Ziele hänge besonders bei Nachtangriffen vom Wetter ab. Man müsse berücksichtigen, daß, wenn Bombenflugzeuge auch bei stärkstem Hagelwetter und bei strömendem Regen operieren könnten, dies ihnen doch nicht leicht gemacht würde bei nebligem Wetter. Gewiß, man könne mit Peilung fliegen, wenn es wolkig sei. aber wenn es neblig sei. würden die Schwierigkeiten ungeheuer. Dem Bericht sind, um keine Zahlen zu verraten, die Verhältnisse des Flughafens
von Chicago zugrundegelegt, und es wird gesagt, daß bei schlechtem Wetter und Blindfliegen der Piloten nur fünf Flugzeuge in der Stunde landen könnten.
Es könne diese Zahl etwas verbessert werden durch sogenannte Flugzeugschichtung, und man hoffe, die Zwischenpausen noch weiter zu verkürzen; aber es sei zu bedenken, daß die Flugplätze nicht so hell erleuchtet seien wie in Friedenszeiten, und daß es außerdem vorkäme, daß ein beschädigtes Flugzeug, das noch nicht sicher gelandet sei, bei der Landung zusammenbreche und den Platz für weitere Landungen längere' Zeit sperre. Die übrigen Flugzeuge müßten dann zum Teil umgeleitet werden auf andere Flugplätze, wobei es nicht immer möglich sei, solche zu finden. Im übrigen sei es beim Blindfliegen weit schwerer, kleine Ziele bei schlechtem Wetter zu treffen als bei sichtigem Wetter. Das seien, so schließt der Bericht, die Gründe, warum die englische Luftwaffe keine Angriffe auf Deutschland unternommen chabe; denn man betrachte es in Großbritannien als Verschwendung, aufs Geratewohl in den Nebel zu fliegen. Was für die Bomber gelte, gelte auch für Jagdflugzeuge. Das größte Problem sei, bei schlechtem Wetter den Flugplatz wiederzufinden und dort sicher zu landen.
Man sieht, die Briten möchte« aus diesen Ausführungen den Schluß gezogen haben, daß nicht etwa Mangel an Flugzeugen, sondern das Wetter daran die Schuld trägt, wenn die von den Sowjets gewünschte lleberfall- serie auf die deutsche Zivilbevölkerung nicht am laufenden Band stattfinden kann. Auch wir nehmen die» zur Kenntnis.
krsle konterenMung der öMeiterten in Moskau
England kann nicht so, wie es will — Stalins letzte Karten stechen nicht
ckvv. Berlin, 3V. September (BZ.-Eigenbericht).
Die Moskauer Konferenz hat nun wirklich am Montag ihre Eröffnungssitzung abgehalten, bei der die englische und die USA.-Abor-nung von Molotow überschwenglich begrüßt wurden. Es war viel die Rede von den „hohen Ideen", die durch Roosevelt und Churchill vertreten, der Sowjetunion eine rasche Hilfe in dieser kostbaren Zeit gewährleisten. Daß Lord Beaverbrook bei dem Dank, den er für die herzliche Begrüßung aussprach, es gleich für nötig hielt, sich hinter die USA.-Leute zu stecken, indem er betonte, daß England gar nicht so könne, wie es wolle, und daß sein gan?er Widerstand erst durch das Einspringen der (ISA. möglich sei, mag den Sowjets gleich im Anfang dieser Konferenz zu denken gegeben haben. Ob ihnen dafür die Beteuerung des Vertreters Roosevelts, Harriman, daß es sich hier um ein historisches Ereignis handele, weil ja die USA. eine Delegation entsandt hätten, obwohl die Vereinigten Staaten immer noch nicht kriegführend seien, als ein Trost erschien, muß um so mehr als eine unbeantwortbare Frage betrachtet werden, als Harriman wiederum die Verantwortung für den Gesamtausgang des Krieges den Sowjets zuschob, indem er ihnen auf den Kopf zusagte» ihr Erfolg bedeute alles» auch für das Volk von USA.
Um der Dringlichkeit und Eile, mit der die Süwjet- hilfe in Gang gesetzt werden soll, Rechnung zu tragen, werden sogleich sechs Komitees bestimmt, die „Tag und Nacht" arbeiten wollen, um ihre Beratungen bis Freitagmorgen abzuschließen. Die Arbeitsgebiete wurden eingeteilt in Armee, Flotte, Luftwaffe, Transport, Rohstoffe und Arzneimittel. Am schwierigsten erschien das Finden der Mittel und Wege für die notwendigen Kriegsliefestungen. Aber auch einer weiteren direkten Hilfe, die ja ohnehin schon durch den Einsatz britischer Flugzeuge bei den Operationen um Leningrad begonnen habe, sah man ins Auge. Ueber die Frage der Lieferungen von Waffen und Material nach der Sowjetunion und die Transportwege ist man sich noch am allerwenigsten im klaren. Aber wenn die Konferenz, wie Reuterbüro es triumphierend vorausverkünden will, von Erfolg gekrönt sein soll, ist es gerade diese Frage, die eindeutig gelöst werden müßte.
Seltsamerweise befindet sich unter den Ausschüssen kein Ernährungsausschuß, da die Sowjets hoffen, bei der Anspruchslosigkeit ihrer Bevölkerung und bei deren bisheriger notdürftiger Lebensweise auch weiterhin den Krieg ohne Nahrungsmittelzufuhr voll außen her führen zu können. Sollte diese Anspruchslosigkeit etwa durch den Büfettlunch absichtlich unterstrichen worden sein, der, wie eine Reutermeldung besonders hervorhebt, „nichts mit einem lange sich hinziehenden Bankett" zu tun hatte, obwohl der Tisch zwar beladen, aber doch der Lunch immerhin nur ein Vüfett war. Außer Molotow waren folgende Sowjet-Persönlichkeiten zugegen: Woroschilow, Kuz- netzow, Miykoyan, Malyschew, Schakurin, Pakowlew, Litwinow, Bolikow und Ulmansky. Auch Cripps und Steinhardt waren während der ganzen Sitzung anwesend. Woroschilow, der aus Leningrad gekommen war, gab sich den Anschein, als ob dort alles aufs beste stünde, während man andererseits doch die Briten und USA.- Leute wissen ließ, daß die sowjetische Rüstungsindustrie nur noch teilweise in den Händen.der Bolschewiken sei
und nicht mehr umfangreich genug ist, um den Bedarf des Heeres auf die Dauer zu decken. Die Differenz müsse von England und USA. ausgeglichen werdet?, denn es stehe dabei nicht mehr und nicht weniger auf dem Spiel als das Ausharren des Widerstandes gegen die deutschen Armeen und ihre Verbündeten. Andererseits wurde dann aber wiederum der Gedanke in die Erörterung geworfen, daß die USA.-Riistungsproduktion noch nicht so weit sei, gleichzeitig die USA.-Ärmee auszustaffieren und das. Arsenal für die Feinde der „Diktatoren" zu bilden.
Dies mag wohl besser stimmen als den Sowjets lieb ist, die aus einem dieser Tage in „New Park World Telegram" erschienenen Artikel des fachmännischen Mitarbeiters Walter Leckronc erfahren konnten, daß nach 18 Monaten fieberhafter Ausrüstung in NSA. dort immer noch wenr- ger moderne Flugzeuge produziert würden, als zu einer Woche Kriegführung erforderlich seien. Es stünden zwar in und vor den Fabriken sogenannte Flugzeuge zu Hunderten herum, sie seien aber weder armiert, noch besäßen sie Propeller. Eine Anzahl der nach England transportierten Maschinen sei wegen lleberalterung noch nicht einmal ausgepackt worden. Es stimmt übrigens dies auch ganz mit dem Lberein, was wir aus Churchills jüngster Rede entnehmen konnten, daß in USA. zwar gewaltige und einfach phantastische Werke zur Instandsetzung der USA.-Rüstungsindustrie geplant seien, daß sie aber eben bloß als geplant bewertet werden können.
Mit.weiteren schwungvollen Tiraden wie „Kampf dem gemeinsamen Feind!" wurden aber dann in Moskau doch wieder alle aufwachenden Sorgen rechtzeitig unterdrückt und in die Ausschüsse verwiesen, die ja, wie schon gesagt, dazu bestimmt sein sollen, die Patentlösungen dafür zu finden, daß zuletzt doch noch der sowjetische Widerstand weiter aufrechterhalten werden kann. Es wurde außerhalb der Konferenz in der USA.-Presse der Vorschlag gemacht, daß die gesamte USA.-Produktion der nächsten drei Monate vollständig an England und die Sowietunion gehen solle, und wie „Newyörk Herald Tribune^' wissen will, sogar allein an die Sowjets. Diejenigen, die solche Gedanken in die Welt setzen, wissen nicht, wie sehr sie sich im Gegensatz zu den natürlichen Gegebenheiten befinden, und wie man insbesondere gerade in der IlSÄ.-Delegation bei solchen Vorschlägen nur den Kopf schütteln kann. Was immer „Manchester Guardian" zu der Notwendigkeit radikaler Hilfsmaßnahmen für die Sowjets in alle Welt schreien mag, und wie auch Churchill selbst sich jetzt erst wieder dafür einsetzt, die einmal nicht zu lösende Aufgabe wird auch die Konferenz nicht bewältigen. Es mag in den Ohren der Sowjets gut klingen, wenn das Blatt schreibt: „Wenn, wie wir alle hoffen, alle dazu bereit sind, den Sowjets selbst unter großer Gefahr und Hintansetzung unserer eigenen Pläne im Westen zu helfen, so müssen wir dies durch äußerste Beschleunigung im Einsatz unserer Hilfsmittel wieder gutmachen." Aber andere, weniger der sowjetischen Rüstungsaktion verschworene Stimmen lassen sich anders vernehmen.
Daß man in der Welt, wo man »die Augen noch nicht verbunden hat, um den unaufhaltsamen Siegeslauf der deutschen Waffen gegen den kulturfeindlichen Bolschewismus nicht zu sehen, von dieser Konferenz nicht viel hält, mag aus einer Aeußerung des Verlegers Hearst in einem Artikel des „Nowyovk Journal American" ent
nommen werden, der zu Ende der Woche besagte, es habe keinen Sinn, den Sowjets Waffen zu liefern, da ihr Zusammenbruch doch nicht aufgehalten werden könne. Die Sowjets hätten Waffen und Werkzeuge im Ueber- fluß gehabt, und zudem die stärkste Armee der Welt besessen. Es sei aber ein großer Teil davon bereits verloren, weil ihnen etwas fehle, nämlich die inspirierende Idee. Die USA. seien zwar reich genug, um Lieferungen durchführen zu können, aber dabei würde das Geld der USÄ.-Staatsbllrger verpulvert wie bei betrunkenen Seeleuten. Ein japanisches Blatt „Nomiuri Schimbun" schreibt: Um weiter die Sowjetunion und Großbritannien im Kriege zu halten, müssen die USA. fortgesetzt große Kriegsvorräte in diese Länder transportieren und besonders die Sowjets beliefern. Geographische Schwierigkeiten aber lassen das nicht zu. „Das Fehlschlagen der Moskauer Konferenz ist im voraus zu erkennen", meint „Bin-g Pao" und belächelt die Behauptung, daß Großbritannien den Sowjets helfen wolle, wo es sich selbst nicht helfen könne. Die Absicht der USA. auf der Moskauer Konferenz sei überhaupt nur die, festzustellen, welches die Aussichten eines weiteren Sowjetwiderstandes seien, und ob eine größere Hilfe überhaupt noch angebracht erscheine.
Stephan Lausanne aber schreibt in einem Offenen Brief an Stalin im „Matin", es sei schlecht um ihn, der sich als den großen Lokomotivführer der Weltlokomotive habe feiern lassen, bestellt, nachdem heute diese Weltlokomotive bereits entgleist sei und ihm, Stalin, nur noch drei Karten zur Verfügung ständen, auf die er setzen könne: der Segen des Erzbischoss von Canter- bury, das Geld Roosevelts und die Unterstützung durch den britischen Rundfunk. Der Erzbischof von Canter- bury habe den sogenannten „bösen Blick", und sein Segen könne nichts wert sein. Mit den Dollars aber sei es so, daß Roosevelt sie zwar rasch verleihen wolle, sie aber noch rascher wieder zurückfordere. Die Hilfe des englischen Rundfunks bestehe darin, die Verluste der von deutschen Truppen geschlagenen sowjetischen Armeen zu verschweigen bzw. in Erfolge umzulügen. Nachdem also der Plan der Sowjets. Europa zu vergewaltigen, fehlgeschlagen sei, könne man Stalin nur raten, ein Flugzeug zu besteigen, nach China zu flüchten und der Dritten Internationale zu überlassen, sich aus dein Schlamassel herauszuziehen.
Unter diesen Aussichten und unter dieser Beurteilung eines unvoreingenommenen Teiles der Welt steht die Moskauer Konferenz, die in der Tat mehr als man glaubt Stalin in einer Lage zeigt, die stark an die Zeit erinnert, wo nach der Ermordung des Zaren und seiner Familie die Zarenstürzer sich an die Hilfe Frankreichs, Englands und der USA. verzweifelt klammerten und dann, weil sie diese Hilfe nicht erhalten konnten, dennoch zum Sturze kamen. Nicht umsonst zeigt sich Reuter um den Ausgang dieser Konferenz so besorgt, indem er schreibt, ein befriedigendes Ergebnis der Konferenz se ein Faktor von wesentlicher Bedeutung für die Widerstandskraft der Sowjets. Diese Widerstandskraft aufzupulvern ist auch lediglich der Sinn der Konferenz. Sie wahrhaft zu stärken durch tatsächliche hinreichende Lieferungen an Kriegsmaterial dürfte ihr kaum beschieden fein.
7S72 HeAe
Von
Oberst O. O. 8 ederkk
Jeder Vergleich hinkt. Und doch ist ohne Vergleich kein Gedankenaustausch möglich. Am Gewesenen versucht der denkende Mensch das Geschehnis von heute zu verstehen. Im Rückblick auf das Geschehene findet «r dre Möglichkeit, sich das Dunkel der Zukunft vorzustellen. Im geschichtlichen Vergleich sucht er schließlich dre Gesetzmäßigkeiten des Lebens und schöpft aus ihrer Erkenntnis die Kraft, die Erfordernisse dieses Lebens zu bewältigen. Der Vorstoß in das Dunkel des russischen Raumes und seiner Machthaber, den der Führer im Interesse seines Volkes und darüber hinaus des ganzen europäischen Kontinents gewagt hat, ruft dieses innere Bedürfnis naturgemäß auf den Plan. Es kommt ihm entgegen, daß Napoleons Feldzug nach Moskau im Jahre 1812 sich als Beispiel förmlich anbietet. Freund und Feind haben sich seiner bemächtigt, um — je nach Zweck und Standpunkt — bejahende oder verneinende Seiten daran herauszuarbeiten und propagandistisch auszuwerten.
Nun sind die politischen Grundlagen des Feldzuges 1812 mit denen von 1941 in keiner Weise vergleichbar: Damals ein Eroberer mit phantastischen Plänen ohne innere Notwendigkeit; heute der unvermeidbare Kampf zweier Welten, für die es auf die Dauer kein Nebeneinander gibt. Durch nichts wird dieser Unterschied deutlicher als durch die Tatsache, daß die bolschewistische Führung darauf verzichtet hat, von der Tiefe ihres Raumes Gebrauch zu machen, die 1812 der stärkste Faktor im Kampf gegen Napoleon gewesen ist. Die Gründe zu diesem Entschluß mögen verschiedener Art sein. In jedem Falle zeigen sie, daß unser heutiger Kampf im Osten zwangsläufig anderen Gesetzen folgt als der Feld- zug Napoleons. Unter diesen Umständen muß jeder Vergleich der milttärischen Lage auf äußere Symptome beschränkt bleiben. Immerhin läßt sich auch aus ihnen manches herleiten, was wert ist, in weiter« Kreise getragen zu werden.
Schon ein Blick auf die Karte zeigt den gewaltigen Gegensatz von einst und heute. Zwar marschierte die „große Armee" Napoleons und seiner Verbündeten zunächst, in breiter Front zwischen Lublin und Königsberg auf, doch mußte sie aus den Gegebenheiten der damaligen Kriegführung allmählich auf schmalen Raum zusammengeführt werden, um zur Schlacht zu kommen. Von Smolensk ab läßt sich das Bild der Vormarschbewegung nur noch mit einem einzigen Pfeilstrich zeichnen, der entlang der Marschstraße führt. Auf dieser Straße gelangten schließlich knapp 190 000 Mann nach Moskau. Obwohl ihre Nachschubeinheiten in einer für die damalige Zeit einzigartigen Weise organisiert waren, bestand schließlich ein krasses Mißverhältnis zwischen der Breite der Operationsbasis und der Länge des Etappenweges. Nicht am Brand von Moskau und nicht am russischen Winter ist Napoleon gescheitert, sondern an der llnhaltbarkeit der rückwärtigen Verbindungen gegenüber den frei operierenden Kräften seines Gegners.
Diesem Bild gegenüber mutet unser heutiger Vormarsch vom Schwarzen Meer bis zum Ladogasee wie eine ungeheure Flugwelle an. Lückenlos und ohne sich um offene Flanken sorgen zu müssen, ist die Millionen- wehrmacht des deutschen Volkes und seiner Verbündeten angetreten. Stück um Stück wurde aus der feindlichen Front gebrochen. Wo unsere Frontlinie verläuft, ist sie von einer breiten Nachschuborganisation untermauert, die durch den Partisanenkrieg da und dort zwar gestört, aber nie unterbunden werden kann. Eisenbahn, Kraft- wagen und Flugzeug, organisatorisch und technisch in der Vollendung beherrscht, sorgen dafür, daß die Schnelligkeit des Vormarsches nicht durch Nachschubschwierig- keiten gehemmt wird. Luftaufklärung verhindert, daß der Feind zu irreführenden Manövern greift, wie das 1812 der Fall gewesen ist. Fliegerkampfkräfte zerschlagen die Eisenbahnen des Gegners und beschränken seine Operationsfreiheit. Ein dichtes Netz von Nachrichtenverbindungen aller Art schafft schließlich die Grundlage, um einen so gewaltigen Organismus führungsmäßig zu beherrschen und nicht der Schwerfälligkeit der Masse zum Opfer fallen zu lassen.
So läßt sich kein einziger Schwächemoment finden, der von unseren Feinden ausgenützt werden könnte, um den Gang der Entwicklung zu wenden, selbst dann nicht, wenn die Sowjetmacht weniger geschlagen wäre, als dies der Fall ist. Alles in allem nicht nur ein Sieg der Strategie und Taktik, sondern auch ein Sieg der Technik und der Organisation. Das ganze aber beflügelt und gesteuert vom Genie unseres Führers und der Kraft seiner Idee.
Wie aber soll dies alles werden, wenn der Winter kommt, der berüchtigte russische Winter? Wie wird sich die deutsche Wehrmacht damit abfinden, und was soll dann im kommenden Frühjahr geschehen? So gern möchten unsere Feinde in ihrem Mangel an Vorstellungsvermögen darin die große Gefahr für uns erkennen.
Daß der Winter eines Tages unseren Operationen Half gebieten wird, steht außer Zweifel. Lagen wir aber nicht auch im Weltkrieg 1914/18 mit unserer Ostfront mehrere Winter lang in Rußland, ohne daß die Truppe Not gelitten hätte? Zwar wird unsere Front diesmal um ein Beträchtliches weiter im Osten stehen. Dafür haben wir aber auch keinen Zweifrontenkrieg und können der Truppe alle Mittel zukommen lassen, die sie braucht, um den Winter körperlich und seelisch unangefochten zu überstehen. Ein Volk, das wie das unsrige die Organisationsfähigkeit für ein Netz von
I»I»»I»I»I»IMII»I»I»IIIII»»II»I»MIIII»»II»I»»III»II»I»I»»»»I»»»I»III»N
Ilnsor ?ayS88V»v«Sl
Italienische Truppen rieben stärkere sowjetische Kräfte auf.
Wirksame Luftangriffe richteten sich gegen Bahnanlagen im sowjetischen Hinterland.
Die Kreuzer „Leipzig" und „Emden" beschossen Sowjetstellungen.
Die Moskauer Konferenz stand schon am Eröffnungstage im Zeichen ihrer völligen Aussichtslosigkeit.
Churchill nahm wieder einmal zu Schwätzereien Zuflucht.
Die USA.-Kriegshetze läuft auf vollen Touren.
Zur steuerlichen Behandlung der Hausgehilfinnen gibt der Oberfinanzpräsident Weser-Ems die für Bremen verbindlichen Richtlinien.
-