Erscheint? n^al wöchentlich
Monatsbezug FUl 2,30 einschl. Zustellgebühr; Postbezugspreis monatl. '2,30 MC (einschl. 30,l ^ Postzeitungsgebühr) zuzügl. 42^ Bestellgeld. Bezugspreis ist im voraus zahlbar. Postscheck: Hamburg l?272. Eine Behinderung der Lieferung rechtfertigt keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises. Verlag: NS.-Gauverlag Weser- Ems GmbH., Bremen, Geeren E8. Fernsprecher 219 31, Nachlruf und sonntags 247 65. Sprechzeiten: Verlag: werktäglich 12 bis 13 Uhr? Schriftleitung: 12>/r bis 13)4 Uhr.
vmilll ZkitlW
parteiamtliche Tageszeitung
Das flmtsblatt des Negierenden viirgermeisters der Lreien fjansestadt vrcmen
An zilgrn - Grtind'preksr:
Sie I mw hohe und 22 ww breite Zeile im Anzeigenteil 13 Die 78 mw breite und 1 mw hohe Zeile im Tertteil 75 -H/. Ermaß. Grundpr. (für Klein- u. Familienanzeig. u. a.) sowie sonstige Beding. Preisliste 9 Nachlaßstaffel 0. Geschäftsstellen: Bremen: Geeren 6^8, Nuf 219 31; Nachlauf und sonntags 2 4765; Obernstr. 86, Nuf 219 31; Silke: Mühlendamm 2; Vr.-Hemellngen: Bahnhofstr. 6, Ecke Poststr., Nuf 4 34 58; Br.-Vegesack. Nohrstr. 24, Nuf 4 u. 8; Vr.-Blumenthal: Kpt.- Dallmann-Str. 41^43, Nuf 88 u. 89
der Nationalsozialisten Vremens
flmtliches verkündungsblalk des Neichsstattifalters in Oldenburg und Vremen
Nr. 115,12. Jahrgang
Montag, 2?. flpril 1942
kmzelpreis 15 Nps.
-Wolf lzltters gewaltiger
Nechenschaftsberlcht im Nelchstag
MAN
Scharfe Abrechnung mit tburchM - In grenzenlosem Vertrauen volle Macht dem sichrer
Vas Schicksal gemeistert!
Denkwürdiger Appell im Zeichen weltweiter geschichtlicher Entscheidungen
Drahtbericht unserer Berliner Schriftlcitung
x. b. Berlin, 26. April. Seit der Ankündigung der Reichstagssitzung lag über der Reichshauptstadt die Spannung und Erwartung, die die Menschen erfüllt, wenn sie einer Sitzung des nationalsozialistischen Reichstages entgegensehen, die sie nun einmal als bedeutsame historische Etappe und Meilenstein im Schicksalskampf des Volkes kennen. Die Anfahrtsstraßen zur Krolloper wiesen schon vor Mittag auf das bevorstehende Ereignis hin. Bon der Reichskanzlei ab nahmen die ersten Volksgenossen ihre Plätze ein, während die Männer der nationalsozialistischen Kampfformationen zur Spalierbildung aufmarschierten. So bot der Anfahrtsweg das gleiche traditionelle Bild wie die Krolloper selbst, die den feierlichen Rahmen abgibt für Reden des Führers von historischer Bedeutung, die immer wieder an einer bedeutsamen Zäsur des Krieges gehalten wurden. Mierien und Gespräche der in den Straßen Harrenden, die dort dem Führer ihre Liebe und Treue versichern wollten, wären erfüllt von einer Stimmung der gläubigen Erwartung, einer harten und festen Bereitschaft eines Gesolgschafts- willens, der in dem Hinweis aus den Appell des Führers zum Kriegshilfswerk des Deutschen Roten Kreuzes in diesen Gesprächen ihren symbolischen Ausdruck erfuhr.
In der Krolloper hatten in der ersten Ministerbanl Reichsaußenminister von Ribbentrop. Großadmiral Raeder. Generalfeldmarschall Keitel, die Reichsminister Frick, Dr. Goebbels und v. Schwerin-Krosigk Platz genommen. Auf der zweiten Ministerbank saßen die Reichsminister Darre, Rüst, Seldte, Frank, Dorpmüller, Ohne- sorge, Seyß-Inquart, Rosenberg und Speer. Den ersten Rang füllten wie immer die Vertreter der Wehrmacht und Diplomaten. Ein ganzer Block war den Ritterkreuzträgern und den Frauen gefallener Soldaten eingeräumt.
Als dann der Führer nach den kurzen Eröffnungsworten des Reichsmarschalls und der stillen Totenehrung des Reichstags, in der der Reichsmarschall der seit der letzten Sitzung gefallenen und verstorbenen Reichstagsabgeorbneten. vornehmlich auch des im Dienst von Führer und VolI verunglückten engsten Mitarbeiters des Führers, Reichsministers Todt, und des Reichsministers Kerrl gedachte, mit seiner Rede begann, deuteten schon die ersten Sätze auf die einmalige geschichtliche Bedeutung des Kampfes im Osten hin, der in feinem erfolgreichen Abschluß über Sein oder Nichtsein unseres Kontinents und der sonstigen europäischen Kultur entscheiden wird. In drei großen Etappen seiner Rede umriß der Führer den Sinn des europäischen Kampfes gegen England, das gigantische Ringen im Osten gegen den letzten Festlandsdegen des britischen Weltreiches, die Völschewisten, und im dritten Abschnitt die klaren, offenen Lehren und Konsequenzen für die erfolgreiche Fortführung dieses Kampfes durch das unter nationalsozialistischer Führung zielklar geeinte und siegesgewisse deutsche Volk.
England erschien in der Rede des Führers als der schlaue und geschickte Nutznießer eines historischen Zerfalls der geistigen und politischen europäischen Einheit, der aber im Laufe des letzten Jahrhunderts übersah, daß seine Weltmachtstellung seit der Entstehung des russischen Kolosses im Osten auf die Dauer nicht mehr gegen Europa, sondern nur mit ihm erhalten werden könnte. Es konnte mit dem verblendeten Festhalten an dem alten Grundsatz des Balance of Power schließlich nur noch den Pyrrhussieg des Weltkriegs heimtragen, der aber schon den Keim zum Verfall seiner Macht in sich trug. Alls- Friedenserhaltungsangebote vor 1939, alle Friedensangebote nach Vollendung siegreicher Etappen dieses Krieges hat Englands politische Führung mit.einem zynischen Nein beantwortet, auf der Fortführung des Kampfes bestanden und damit sein Weltreich unabänderlich dem Untergang geweiht. Es erfüllt damit die Forderungen und Folgen des Hasses, die das Weltjudentum ihm und dem Kriegshetzer Roosevelt diktiert. Seinem Schicksal wird Britannien nicht entgehen, auch nicht durch die Hoffnung auf den bolschewistischen Verbündeten, gegen den im vergangenen Winter, so stellte der Führer grundsätzlich fest, ein Weltkampf entschieden worden ist. Vor dieser Feststellung fertigte der Führer den Bramarbas Churchill ab, der aus allen Niederlagen Englands immer wieder nur verlogene „Ermutigungen" erfindet, während das deutsche Volk auf wirNiche Ermutigungen in diesem kriege in der glanzvollen Reihe der siegreichen Feldzüge zurückblicken kann. Wenn Churchill dabei den Luftkrieg, offenbar auch zur „Ermutigung" des britischen Volkes, gegen die deutsche Zivilbevölkerung in der jetzigen Form weiterzuführen gedenkt, so wird er damit nur harte und entschiedene Vergeltungsangriffe heraufbeschwören, wie sie die alte Stadt Exeter und das britische Modebad Bath jetzt haben hinnehmen müssen. Schlag um Schlag wird die Antwort folgen.
Während Churchill seinen Kriegslagebericht vor dem Unterhaus in einer Geheimsitzung abstattete, hat der Führer den Rechenschaftsbericht über die Kriegscntwick- lung des vergangenen Winters, der die schwerste Etappe
dieses Krieges darstellt, vor dem deutschen Reichstag, dem dmitschen Volk und der ganzen Welt vorgetragen. Ergreifend war die Schilderung des Heldenkampfes des deutschen Soldaten im Osten, der unter Adolf Hitlers Führung alle drohenden Gefahren niederkämpfte und mit dem sich auch das deutsche Volk dankbar in Siegesgewißheit geeint fühlt. Der Führer schilderte unter atemloser Spannung des Hauses, wie aus dem Drohen einer Katastrophe durch die Treue, die Tapferkeit und die Leidensbereitschaft des deutschen Soldaten jetzig bereits ein Weltkampf in diesem Winter entschieden worden ist. Klarheit, völlige Offenheit über die Härte der Kampfbedingungen und Kainpfgefahren dieses hinter uns liegenden Abschnittes waren vereint in dieser Schilderung mit der unbedingten Siegesgewiß- heit, daß am Ende die Niederkämpfung des Bolschewismus stehen wird, an dessen Niederringung heute bereits ganz Europa beteiligt ist.
Aus diesem Rechenschaftsbericht erwuchs dann die Darstellung der Lehren, die der Führer aus ihm zog, Lehren, die in der einen Feststellung gipfeln, daß es ,im ganzen Volk wie in der ganzen deutschen Wehrmacht nur einen Gedanken gibt, der Sieg heißt! Kriegführung aber erfordert größte Beweglichkeit, ^entschlösse-
Ver Wortlaut i
Die Rede des Führers vor dem Deutschen Reichstag hatte folgenden Wortlaut:
„Abgeordnete! Männer des Deutschen Reichstages! Am 11. Dezember 1941, als ich zuletzt zu Ihnen sprechen konnte, war es mir vergönnt, einen Rechenschaftsbericht vorzulegen, über den Ablauf der Ereignisse des vergangenen Jahres. Sie sind in ihrer geschichtlichen Größe und fortwirkenden politischen Bedeutung von einem Ausmaß, das vielleicht erst Jahrhunderte später in seinem ganzen Umfang erkannt werden wird. Nach der Niederschlagung der von England und Moskau gemeinsam angezettelten Revolte in Belgrad wurde sich schon wenige Wochen später Europa zum ersten Mal seit vielleicht Jahrhunderten der gemeinsamen Bedrohung aus dem Osten bewußt, von deren erfolgreicher Abwehr das Sein oder Nichtsein unseres Kontinents schon so oft abhing.
Für viele Menschen schienen nunmehr
die Ursachen des blutigen Krieges
der uns seit dem September 1939 ausgezwungen worden war, deutlicher zu werden. Denn dieser Krieg trug nicht mehr die Merkmale der von früher her gewohnten innereuropäischen Auseinandersetzungen in sich. In zunehmendem Maße begann sich der Eindruck zu vertiefen, daß man diesem geschichtlichen Ringen überhaupt nicht mit den Gründen der üblichen oder auch nur vernünftig gesehenen Interessen der einzelnen Länder gerecht wird, sondern daß es sich dabei um eine jener elementaren Auseinandersetzungen handelt, die, indem sie die Welt oft in Jahrtausenden einmal erschüttern, das Jahrtausend eines neuen Zeitabschnittes einleiten. Viele der dabei auftretenden geschichtlichen Erscheinungen sind
nes Durchgreifen und klare Konsequenzen. Ihrer Durchführung soll der Beschluß des Reichstages dienen, der dem Führer alle hierfür erforderlichen Vollmachten ausdrücklich bestätigt.
Der Reichsmarschall wurde zum Sprecher des ganzen Volkes, als er dem Führer für die Lösung der unendlich schwierigen gefahrvollen Aufgaben des Winterkrieges im Osten dankte: denn nur er habe immer wieder aus sich heraus den Kraftquell der Initiative und des harten zielbewußten Handelns und des nie versagenden Vertrauens übertragen auf jeden seiner Soldaten.
Die begeisterten Kundgebungen der etwa tausend Abgeordneten des Reichstags waren dem Führer immer wieder dann entgegengcschlagen, wenn er von der unbedingten Entschlossenheit des deutschen Siegeswillens in dem so harten Entscheidungskampf gesprochen hatte. Der Beifall am Schluß der Ausführungen des Reichsmarschalls waren Bekundungen der inneren Verbundenheit des ganzen Volkes mit seinem Führer, von dem es weiß, daß er es einen sicheren Weg zum Siege führen wird, das aber auch weiß, daß der Führer jede letzte Anforderung an es stellen darf, weil es bereit ist, in gläubigem Vertrauen ihm zu folgen.
>er fülzrerrede
sich des tiefsten Auftrages und Sinnes ihres Handelns so wenig bewußt, wie es der kleine Soldat zu sein vermag im Rahmen einer großen militärischen Operation. Auch sind die Zeiträume solcher eruptiver Epochen so groß, daß das einzelne menschliche Leben nur zu leicht den Zusammenhang oder gar die Bedeutung seines Einsatzes im Verhältnis zum Ablauf des Gesamten verkennt., Aber trotzen, sind auch da, wo scheinbar der Sinn und Nutzen eines solchen, die Völker oder gar Kontinente erschütternden Prozesses nicht zu sehen ist, Nutznießer vorhanden. Viele glaubten deshalb zu treiben und sind selbst nur die Getriebenen, und andere wollen schlagen und sind am Ende die Geschlagenen.
Als am 3. September 1939 nach endlosen deutschen Friedensbemühungen, dem neuen Reiche die Kriegserklärungen Frankreichs und Englands überreicht worden waren, nachdem diese Staaten durch die Ausstellung einer Blankovollmacht zunächst Polen als auslösende Kraft vorgestoßen hatten, mußte man wohl an der vernünftigen Denkungsart einer Welt verzweifeln, die scheinbar ohn« jeden Grund statt das Unglück eines solchen wahnsinnigen Krieges zu meiden, die Katastrophe förmlich Herbeizwang.
Nun wissen wir alle, daß seit der inneren staatlichen Desorganisation des europäischen Kontinents sich
kngland einer politischen voktrin verschworen
hatte, die in der Zersplitterung des Festlandes die erste Voraussetzung für das Gedeihen und die Vermehrung des britischen Weltreiches zu erkennen meinte. Zweifellos hatte dieser die Tätigkeit der englischen Politik beherrschende Gedanke sehr viel Bestechendes an
Vergeltungsangriffe auf englische Stadt
Sowjets verloren oom ll. bis 25. slpril Zl2 slugjeuae — sluaplah am Sueikanal bombardiert
Aus dem Führerhauptquartier. 26. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „An der Ostfront wurden eigene örtliche Angriffe und Stoß- truppunternehmungen mit Erfolg durchgeführt. Vereinzelte feindliche Angriffe scheiterten. Kampfflugzeuge bombardierte» tagsüber kriegswichtige Anlagen in Leningrad und Noworossijsk sowie an der Kau- kasuskiiste. In Läppland wehrten deutsche und finnische Truppen stärkere feindliche Angriffe unter hohen Verlusten für den Gegner ab. In der Zeit vom 11. bis 25. April verloren die Sowjets 312 Flugzeuge; davon wurden 214 in Luftkämpsen und 35 durch Flakartillerie abgeschossen, der Rest am Boden zerstört. Während der gleichen Zeit gingen an der Ostfront 38 eigene Flugzeuge verloren. In Nordafrika warfen deutsch-italienische Truppen britische Aufklärungskräfte zurück. Die Hafenanlagen von Tobruk wurden mit guter Wirkung bombardiert. Begleitende deutsche Jäger schössen acht britische Flugzeuge ab. Deutsche Kampfflugzeuge griffen in der letzten Nacht einen britischen Flugplatz am Suez-Kanal an. Rollende Lustangriffe wurden während des ganzen Tages mit starker Wirkung gegen Kasernen und Barackenlager der Insel Malta geführt.
Leichte deutsche Kampfflugzeuge versenkten am gestrigen Tage vor der Insel Wight drei britische Handelsschiffe mit zusammen 1ÜVÜÜ VRT. Britische Bomber, die im Laufe des gestrigen Tages unter starkem Jagdschutz die Küste der besetzten Gebiete anflogen, wurden von deutschen Jägern gestellt. In heftigen Luftkämpsen und im Abwehrfeuer der Flakartillerie verlor der Feind 19 Flugzeuge. Zur weiteren Vergeltung für die britischen Lustangriffe auf Wohnviertel deutscher Städte griffen starke Kampffliegerverbände in der letzten Nacht zum Teil aus niedrigen Höhen die südenglische
Stadt Bath mit vernichtender Wirkung an. Ein weiterer Nachtangriff richtete sich gegen militärische Anlage» an der schottischen Ostküste. Britische Bomber griffen in der Nacht zum 26. April erneut die Stadt Rostock an. Die Bombenwürse erfolgten säst ausschließlich aus Wohnviertel der Altstadt. Die Zivilbevölkerung hatte zahlreiche Verluste. Wertvolle Kulturdenkmäler und Wohlfahrtseinrichtungen wurden vernichtet. Störslüge britischer Flugzeuge führten nach Süddeutschland und in das Protektorat. Nachtjäger schössen neun der angreifenden Bomber ab. Oberleutnant Geiß- hardt errang gestern an der Ostfront seinen 61. bis 67. Luftsieg."
Zu den gemeldeten neuen Erfolgen deutscher Jäger am Kanal teilt das Oberkommando der Wehrmacht ergänzend mit: Der Gesamtverluft der britischen Luftwaffe hat sich nach bisherigen Feststellungen auf 19 erhöht. Bei dem Eroßeinflug britischer Jagdflugzeuge im nordwestsranzösischen Küstengebiet, die eine kleinere Zahl britischer Bomber begleiteten, wurden am späten Nachmittag insgesamt 15 britische Jagdflugzeuge abgeschossen. Innerhalb von knapp 40 Minuten schlugen die deutschen Jäger die britischen Jagdflugzeuge zurück und brachten eines nach dem anderen zum Absturz. Wiederholt gingen zu gleicher Zeit zwei oder drei Spitfire mit langen Rauchfahnen im steilen Absturz in das Wasser. Dabei errang Hauptmann Muncheberg, Träger des Eichenlaubs zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, mit je zwei nacheinanderfolgenden Abschüssen seinen 68., und 69. Luftsieg, während Hauptmann Priller seinen 66. Luftsieg errang. Gegen 17 Uhr war die große Luftschlacht mit einem überlegenen Sieg unserer deutschen Jagdflieger beendet. Zwei eigene Flugzeuge kehrten aus diesen harten Kämpfen nicht zu ihren Feldflugplätzen zurück.
sich. Während Europa in zahllosen inneren Kriegen verblutete, gelang es Großbritannien mit einem Minimum an Bluteinsatz, ein weltweites Gebäude zu errichten. Der ihm verliehene Titel eines „Imperiums" war seinem Charakter nach aber mit dem imperialen Rom genau so wenig zu vergleichen wie ein internationaler Handelskonzern mit einem werteschasfenden Weltunternehmen.
Dabei ist es eine Ueberschätzung der britischen staats- männischen Kunst sowohl als des simplen politischen und militärischen Könnens der Engländer, annehmen zu wollen, daß etwa in ihrem Wirken die Ursache des destruktiven Zerfalls Europas gelegen sei. Hier wird die Entstehung eines Zustandes mit seiner Ausnutzung verwechselt. Denn Europa ist zerfallen teils aus der natürlichen Ueberalterung der nach dem Zusammenbruch des römischen Weltreiches führenden kontinentalen Macht, teils infolge der Unterspülung der Elemente, die diesem damaligen Zentrum des Abendlandes die volkliche und staatliche Grundlage gegeben hatten. Im Zwiespalt der antiken römischen Staatsidee einerseits und der nicht minder imperiale Ansprüche erhebenden römischen Kirche andererseits wurden die Fundamente der zentralen Staatsbildung Europas allmählich zerstört. Dazu kommt noch der tiefe Ernst, mit dem sich die damalige Welt in Fragen versenkte, die geeignet waren, Europa in endlose religiöse innere Kämpfe zu verwickeln, während die gleichen Probleme heute als staatlich vollkommen belanglos anerkannt sind und demgemäß bewertet werden. So ist der Zusammenbruch des alten Deutschen Reiches und damit des in dieser Zeit vorherrschenden Mittelpunktes einer inneren europäischen Organisation genau so wenig von den Engländern herbeigeführt als der Zusammenbruch Roms einst von den Germanen.
In beiden Fällen ergaben sich aber aus inneren Schwächemomenten heraus Situationen, die das Eingreifen außenstehender Kräfte ermöglichten und damit der Weltgeschichte für viele Jahrhunderte einen neuen Lauf aufzwangen. So hat England selbst nicht primär den Kontinent zu zersplittern vermocht — denn dazu war es als staatliches Gebilde damals viel zu unbedeutend — wohl aber gelang es ihm, aus der entstehenden europäischen Zersplitterung insofern einen Nutzen zu ziehen, als es dank seiner insularen Lage nur noch ein Minimum an Kraft bei allerdings einem Maximum an Schlauheit benötigte, um die europäische Ohnmacht weiter aufrechtzuhalten und mit der ihm selbst fast restlos verbliebenen eigenen Stärke eine teils unerforschte oder zumindest kulturell und wehrmäßig unterlegene, teils in ewigen inneren Kämpfen sich selbst erschöpfende andere Welt zu erobern.
Nur ein Törichter kann dabei übersehen oder bestrei- ten, daß — wie jeder politische Ordnungsprozeß — auch dieser seinen Nutzen für die Menschheit gehabt hat. Aber ebenso töricht war es anzunehmen, daß das britische Imperium
das sogenannte öleichgewicht der kriifte in kuropa
für ewig würde aufrechterhalten können. Die zur Einigung strebende blutmäßig oder gedanklich gleich orientierten rassischen Bestandteile dieses Kontinents konnten an ihrem Zusammenschluß auf die Dauer weder verhindert werden, wie es darüber hinaus überhaupt unsinnig war anzunehmen, daß im Falle des Auftretens einer die Existenz aller Völker Europas gleichmäßig bedrohenden Gefahr eine Vereinigung der Betroffenen dagegen verhindert werden könnte.
Alle die Kriege, hie England seit Jahrhunderten in ununterbrochener Folge gegen den Kontinent führte, konnten im wesentlichen »nur so lange erfolgreich verlaufen. als es sich um die Bekämpfung rein staatlicher Gebilde dynastischen Charakters durch andere ähnliche Erscheinungen handelte.
Im Moment, in dem aber über dynastische Interessen hinaus die Völker zu erwachen begannen, mußten die Mittel der bisherigen britischen Europa-Politik scheitern. Trotz zahlreicher Kriege war es England auf die Dauer nicht möglich, den französischen Nationalstaat zu vernichten, trotz aller Versuche gelang es ihm nicht, den Zusammenschluß der Italiener zu verhindern, und trotz aller Eingriffe ist das Deutsche Reich aus seinen einstigen Trümmern durch den Wille» der deutschen Stämme und dank dem Wirken großer Heroen in dem Augenblick entstanden, da es in dem überlegenen Genius «eines Bismarck nicht nur die Reife der Zeit. sondern den zur Vollendung bestimmten Mann erhalten hatte.
Je staatlich gefestigter und vom eigenen Wert« durchdrungener die europäischen Völker wurden, um so schwieriger mußte die Aufrechterhaltung einer europäischen Situation werben, die als sogenanntes Gleichgewicht der Kräfte den wahren Verhältnissen der Kraft nicht mehr entsprach. Sich einzubilden, auf die Dauer mit den Mätzchen schwatzhafter Argumente die europäischen Nationen in sich zu zersplittern oder gegeneinander verhetzen zu können, mußte deshalb immer scheitern. und damit war England gezwungen, vom bequemen Nutznießer eines gegebenen Zustandes zu seinem Verteidiger oder gar zum dauernden Erhalter zu werden.
damit aber körte die Kunst des Fntrigierens auf,
und an ihre Stelle trat der Zwang zum eigenen Kampf und nicht nur der Wille zu ihm, sondern auch das Können. Das Können aber unter Berücksichtigung der unter?
s