Ausgabe 
(27.4.1942) Nr. 115
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vmilll ZkitlW

parteiamtliche Tageszeitung

Das flmtsblatt des Negierenden viirgermeisters der Lreien fjansestadt vrcmen

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der Nationalsozialisten Vremens

flmtliches verkündungsblalk des Neichsstattifalters in Oldenburg und Vremen

Nr. 115,12. Jahrgang

Montag, 2?. flpril 1942

kmzelpreis 15 Nps.

-Wolf lzltters gewaltiger

Nechenschaftsberlcht im Nelchstag

MAN

Scharfe Abrechnung mit tburchM - In grenzenlosem Vertrauen volle Macht dem sichrer

Vas Schicksal gemeistert!

Denkwürdiger Appell im Zeichen weltweiter geschichtlicher Entscheidungen

Drahtbericht unserer Berliner Schriftlcitung

x. b. Berlin, 26. April. Seit der Ankündigung der Reichstagssitzung lag über der Reichshauptstadt die Spannung und Erwartung, die die Menschen erfüllt, wenn sie einer Sitzung des nationalsozialistischen Reichs­tages entgegensehen, die sie nun einmal als bedeutsame historische Etappe und Meilenstein im Schicksalskampf des Volkes kennen. Die Anfahrtsstraßen zur Krolloper wiesen schon vor Mittag auf das bevorstehende Ereignis hin. Bon der Reichskanzlei ab nahmen die ersten Volks­genossen ihre Plätze ein, während die Männer der natio­nalsozialistischen Kampfformationen zur Spalierbildung aufmarschierten. So bot der Anfahrtsweg das gleiche traditionelle Bild wie die Krolloper selbst, die den feier­lichen Rahmen abgibt für Reden des Führers von histo­rischer Bedeutung, die immer wieder an einer bedeut­samen Zäsur des Krieges gehalten wurden. Mierien und Gespräche der in den Straßen Harrenden, die dort dem Führer ihre Liebe und Treue versichern wollten, wären erfüllt von einer Stimmung der gläubigen Erwartung, einer harten und festen Bereitschaft eines Gesolgschafts- willens, der in dem Hinweis aus den Appell des Führers zum Kriegshilfswerk des Deutschen Roten Kreuzes in diesen Gesprächen ihren symbolischen Ausdruck erfuhr.

In der Krolloper hatten in der ersten Ministerbanl Reichsaußenminister von Ribbentrop. Großadmiral Raeder. Generalfeldmarschall Keitel, die Reichsminister Frick, Dr. Goebbels und v. Schwerin-Krosigk Platz ge­nommen. Auf der zweiten Ministerbank saßen die Reichs­minister Darre, Rüst, Seldte, Frank, Dorpmüller, Ohne- sorge, Seyß-Inquart, Rosenberg und Speer. Den ersten Rang füllten wie immer die Vertreter der Wehrmacht und Diplomaten. Ein ganzer Block war den Ritter­kreuzträgern und den Frauen gefallener Soldaten ein­geräumt.

Als dann der Führer nach den kurzen Eröffnungs­worten des Reichsmarschalls und der stillen Totenehrung des Reichstags, in der der Reichs­marschall der seit der letzten Sitzung gefallenen und verstorbenen Reichstagsabgeorbneten. vornehmlich auch des im Dienst von Führer und VolI verunglückten engsten Mitarbeiters des Führers, Reichsministers Todt, und des Reichsministers Kerrl gedachte, mit seiner Rede begann, deuteten schon die ersten Sätze auf die einmalige geschichtliche Bedeutung des Kampfes im Osten hin, der in feinem erfolg­reichen Abschluß über Sein oder Nichtsein unseres Kon­tinents und der sonstigen europäischen Kultur entschei­den wird. In drei großen Etappen seiner Rede umriß der Führer den Sinn des europäischen Kampfes gegen England, das gigantische Ringen im Osten gegen den letzten Festlandsdegen des britischen Weltreiches, die Völschewisten, und im dritten Abschnitt die klaren, offenen Lehren und Konsequenzen für die erfolgreiche Fortführung dieses Kampfes durch das unter national­sozialistischer Führung zielklar geeinte und siegesgewisse deutsche Volk.

England erschien in der Rede des Führers als der schlaue und geschickte Nutznießer eines historischen Zer­falls der geistigen und politischen europäischen Einheit, der aber im Laufe des letzten Jahrhunderts übersah, daß seine Weltmachtstellung seit der Entstehung des russischen Kolosses im Osten auf die Dauer nicht mehr gegen Europa, sondern nur mit ihm erhalten werden könnte. Es konnte mit dem verblendeten Festhalten an dem alten Grundsatz des Balance of Power schließlich nur noch den Pyrrhussieg des Weltkriegs heimtragen, der aber schon den Keim zum Verfall seiner Macht in sich trug. Alls- Friedenserhaltungsangebote vor 1939, alle Friedensangebote nach Vollendung siegreicher Etap­pen dieses Krieges hat Englands politische Führung mit.einem zynischen Nein beantwortet, auf der Fort­führung des Kampfes bestanden und damit sein Welt­reich unabänderlich dem Untergang geweiht. Es erfüllt damit die Forderungen und Folgen des Hasses, die das Weltjudentum ihm und dem Kriegshetzer Roosevelt dik­tiert. Seinem Schicksal wird Britannien nicht entgehen, auch nicht durch die Hoffnung auf den bolschewistischen Verbündeten, gegen den im vergangenen Winter, so stellte der Führer grundsätzlich fest, ein Weltkampf ent­schieden worden ist. Vor dieser Feststellung fertigte der Führer den Bramarbas Churchill ab, der aus allen Niederlagen Englands immer wieder nur verlogene Ermutigungen" erfindet, während das deutsche Volk auf wirNiche Ermutigungen in diesem kriege in der glanzvollen Reihe der siegreichen Feldzüge zurückblicken kann. Wenn Churchill dabei den Luftkrieg, offenbar auch zurErmutigung" des britischen Volkes, gegen die deutsche Zivilbevölkerung in der jetzigen Form weiter­zuführen gedenkt, so wird er damit nur harte und ent­schiedene Vergeltungsangriffe heraufbeschwören, wie sie die alte Stadt Exeter und das britische Modebad Bath jetzt haben hinnehmen müssen. Schlag um Schlag wird die Antwort folgen.

Während Churchill seinen Kriegslagebericht vor dem Unterhaus in einer Geheimsitzung abstattete, hat der Führer den Rechenschaftsbericht über die Kriegscntwick- lung des vergangenen Winters, der die schwerste Etappe

dieses Krieges darstellt, vor dem deutschen Reichstag, dem dmitschen Volk und der ganzen Welt vorgetragen. Ergreifend war die Schilderung des Heldenkampfes des deutschen Soldaten im Osten, der unter Adolf Hit­lers Führung alle drohenden Gefahren niederkämpfte und mit dem sich auch das deutsche Volk dankbar in Siegesgewißheit geeint fühlt. Der Führer schilderte unter atemloser Spannung des Hauses, wie aus dem Drohen einer Katastrophe durch die Treue, die Tapfer­keit und die Leidensbereitschaft des deutschen Soldaten jetzig bereits ein Weltkampf in diesem Winter entschie­den worden ist. Klarheit, völlige Offenheit über die Härte der Kampfbedingungen und Kainpfgefahren die­ses hinter uns liegenden Abschnittes waren vereint in dieser Schilderung mit der unbedingten Siegesgewiß- heit, daß am Ende die Niederkämpfung des Bolsche­wismus stehen wird, an dessen Niederringung heute bereits ganz Europa beteiligt ist.

Aus diesem Rechenschaftsbericht erwuchs dann die Darstellung der Lehren, die der Führer aus ihm zog, Lehren, die in der einen Feststellung gipfeln, daß es ,im ganzen Volk wie in der ganzen deutschen Wehr­macht nur einen Gedanken gibt, der Sieg heißt! Krieg­führung aber erfordert größte Beweglichkeit, ^entschlösse-

Ver Wortlaut i

Die Rede des Führers vor dem Deutschen Reichstag hatte folgenden Wortlaut:

Abgeordnete! Männer des Deutschen Reichstages! Am 11. Dezember 1941, als ich zuletzt zu Ihnen sprechen konnte, war es mir vergönnt, einen Rechenschaftsbericht vorzulegen, über den Ablauf der Ereignisse des vergange­nen Jahres. Sie sind in ihrer geschichtlichen Größe und fortwirkenden politischen Bedeutung von einem Aus­maß, das vielleicht erst Jahrhunderte später in seinem ganzen Umfang erkannt werden wird. Nach der Nieder­schlagung der von England und Moskau gemeinsam an­gezettelten Revolte in Belgrad wurde sich schon wenige Wochen später Europa zum ersten Mal seit vielleicht Jahrhunderten der gemeinsamen Bedrohung aus dem Osten bewußt, von deren erfolgreicher Abwehr das Sein oder Nichtsein unseres Kontinents schon so oft abhing.

Für viele Menschen schienen nunmehr

die Ursachen des blutigen Krieges

der uns seit dem September 1939 ausgezwungen worden war, deutlicher zu werden. Denn dieser Krieg trug nicht mehr die Merkmale der von früher her gewohnten inner­europäischen Auseinandersetzungen in sich. In zunehmen­dem Maße begann sich der Eindruck zu vertiefen, daß man diesem geschichtlichen Ringen überhaupt nicht mit den Gründen der üblichen oder auch nur vernünftig ge­sehenen Interessen der einzelnen Länder gerecht wird, sondern daß es sich dabei um eine jener elementaren Auseinandersetzungen handelt, die, indem sie die Welt oft in Jahrtausenden einmal erschüttern, das Jahr­tausend eines neuen Zeitabschnittes einleiten. Viele der dabei auftretenden geschichtlichen Erscheinungen sind

nes Durchgreifen und klare Konsequenzen. Ihrer Durch­führung soll der Beschluß des Reichstages dienen, der dem Führer alle hierfür erforderlichen Vollmachten ausdrücklich bestätigt.

Der Reichsmarschall wurde zum Sprecher des ganzen Volkes, als er dem Führer für die Lösung der unend­lich schwierigen gefahrvollen Aufgaben des Winter­krieges im Osten dankte: denn nur er habe immer wieder aus sich heraus den Kraftquell der Initiative und des harten zielbewußten Handelns und des nie versagenden Vertrauens übertragen auf jeden seiner Soldaten.

Die begeisterten Kundgebungen der etwa tausend Ab­geordneten des Reichstags waren dem Führer immer wieder dann entgegengcschlagen, wenn er von der un­bedingten Entschlossenheit des deutschen Siegeswillens in dem so harten Entscheidungskampf gesprochen hatte. Der Beifall am Schluß der Ausführungen des Reichs­marschalls waren Bekundungen der inneren Verbunden­heit des ganzen Volkes mit seinem Führer, von dem es weiß, daß er es einen sicheren Weg zum Siege füh­ren wird, das aber auch weiß, daß der Führer jede letzte Anforderung an es stellen darf, weil es bereit ist, in gläubigem Vertrauen ihm zu folgen.

>er fülzrerrede

sich des tiefsten Auftrages und Sinnes ihres Handelns so wenig bewußt, wie es der kleine Soldat zu sein ver­mag im Rahmen einer großen militärischen Operation. Auch sind die Zeiträume solcher eruptiver Epochen so groß, daß das einzelne menschliche Leben nur zu leicht den Zusammenhang oder gar die Bedeutung seines Ein­satzes im Verhältnis zum Ablauf des Gesamten ver­kennt., Aber trotzen, sind auch da, wo scheinbar der Sinn und Nutzen eines solchen, die Völker oder gar Kontinente erschütternden Prozesses nicht zu sehen ist, Nutznießer vorhanden. Viele glaubten deshalb zu treiben und sind selbst nur die Getriebenen, und andere wollen schlagen und sind am Ende die Geschlagenen.

Als am 3. September 1939 nach endlosen deutschen Friedensbemühungen, dem neuen Reiche die Kriegs­erklärungen Frankreichs und Englands überreicht wor­den waren, nachdem diese Staaten durch die Ausstel­lung einer Blankovollmacht zunächst Polen als aus­lösende Kraft vorgestoßen hatten, mußte man wohl an der vernünftigen Denkungsart einer Welt verzweifeln, die scheinbar ohn« jeden Grund statt das Unglück eines solchen wahnsinnigen Krieges zu meiden, die Kata­strophe förmlich Herbeizwang.

Nun wissen wir alle, daß seit der inneren staatlichen Desorganisation des europäischen Kontinents sich

kngland einer politischen voktrin verschworen

hatte, die in der Zersplitterung des Festlandes die erste Voraussetzung für das Gedeihen und die Ver­mehrung des britischen Weltreiches zu erkennen meinte. Zweifellos hatte dieser die Tätigkeit der englischen Politik beherrschende Gedanke sehr viel Bestechendes an

Vergeltungsangriffe auf englische Stadt

Sowjets verloren oom ll. bis 25. slpril Zl2 slugjeuae sluaplah am Sueikanal bombardiert

Aus dem Führerhauptquartier. 26. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:An der Ostfront wurden eigene örtliche Angriffe und Stoß- truppunternehmungen mit Erfolg durchgeführt. Verein­zelte feindliche Angriffe scheiterten. Kampfflugzeuge bombardierte» tagsüber kriegswichtige Anlagen in Le­ningrad und Noworossijsk sowie an der Kau- kasuskiiste. In Läppland wehrten deutsche und fin­nische Truppen stärkere feindliche Angriffe unter hohen Verlusten für den Gegner ab. In der Zeit vom 11. bis 25. April verloren die Sowjets 312 Flugzeuge; da­von wurden 214 in Luftkämpsen und 35 durch Flak­artillerie abgeschossen, der Rest am Boden zerstört. Während der gleichen Zeit gingen an der Ostfront 38 eigene Flugzeuge verloren. In Nordafrika warfen deutsch-italienische Truppen britische Aufklärungskräfte zurück. Die Hafenanlagen von Tobruk wurden mit guter Wirkung bombardiert. Begleitende deutsche Jä­ger schössen acht britische Flugzeuge ab. Deutsche Kampf­flugzeuge griffen in der letzten Nacht einen britischen Flugplatz am Suez-Kanal an. Rollende Lustan­griffe wurden während des ganzen Tages mit starker Wirkung gegen Kasernen und Barackenlager der Insel Malta geführt.

Leichte deutsche Kampfflugzeuge versenkten am gestri­gen Tage vor der Insel Wight drei britische Handels­schiffe mit zusammen 1ÜVÜÜ VRT. Britische Bomber, die im Laufe des gestrigen Tages unter starkem Jagd­schutz die Küste der besetzten Gebiete anflogen, wurden von deutschen Jägern gestellt. In heftigen Luftkämpsen und im Abwehrfeuer der Flakartillerie verlor der Feind 19 Flugzeuge. Zur weiteren Vergeltung für die britischen Lustangriffe auf Wohnviertel deutscher Städte griffen starke Kampffliegerverbände in der letzten Nacht zum Teil aus niedrigen Höhen die südenglische

Stadt Bath mit vernichtender Wirkung an. Ein wei­terer Nachtangriff richtete sich gegen militärische An­lage» an der schottischen Ostküste. Britische Bomber griffen in der Nacht zum 26. April erneut die Stadt Rostock an. Die Bombenwürse erfolgten säst aus­schließlich aus Wohnviertel der Altstadt. Die Zivilbevöl­kerung hatte zahlreiche Verluste. Wertvolle Kulturdenk­mäler und Wohlfahrtseinrichtungen wurden vernichtet. Störslüge britischer Flugzeuge führten nach Süddeutsch­land und in das Protektorat. Nachtjäger schössen neun der angreifenden Bomber ab. Oberleutnant Geiß- hardt errang gestern an der Ostfront seinen 61. bis 67. Luftsieg."

Zu den gemeldeten neuen Erfolgen deutscher Jäger am Kanal teilt das Oberkommando der Wehrmacht er­gänzend mit: Der Gesamtverluft der britischen Luft­waffe hat sich nach bisherigen Feststellungen auf 19 er­höht. Bei dem Eroßeinflug britischer Jagdflugzeuge im nordwestsranzösischen Küstengebiet, die eine kleinere Zahl britischer Bomber begleiteten, wurden am späten Nachmittag insgesamt 15 britische Jagdflugzeuge abge­schossen. Innerhalb von knapp 40 Minuten schlugen die deutschen Jäger die britischen Jagdflugzeuge zurück und brachten eines nach dem anderen zum Absturz. Wieder­holt gingen zu gleicher Zeit zwei oder drei Spitfire mit langen Rauchfahnen im steilen Absturz in das Wasser. Dabei errang Hauptmann Muncheberg, Träger des Eichenlaubs zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, mit je zwei nacheinanderfolgenden Abschüssen seinen 68., und 69. Luftsieg, während Hauptmann Priller seinen 66. Luftsieg errang. Gegen 17 Uhr war die große Luft­schlacht mit einem überlegenen Sieg unserer deutschen Jagdflieger beendet. Zwei eigene Flugzeuge kehrten aus diesen harten Kämpfen nicht zu ihren Feldflugplätzen zurück.

sich. Während Europa in zahllosen inneren Kriegen verblutete, gelang es Großbritannien mit einem Mini­mum an Bluteinsatz, ein weltweites Gebäude zu er­richten. Der ihm verliehene Titel einesImperiums" war seinem Charakter nach aber mit dem imperialen Rom genau so wenig zu vergleichen wie ein inter­nationaler Handelskonzern mit einem werteschasfenden Weltunternehmen.

Dabei ist es eine Ueberschätzung der britischen staats- männischen Kunst sowohl als des simplen politischen und militärischen Könnens der Engländer, annehmen zu wollen, daß etwa in ihrem Wirken die Ursache des de­struktiven Zerfalls Europas gelegen sei. Hier wird die Entstehung eines Zustandes mit seiner Ausnutzung ver­wechselt. Denn Europa ist zerfallen teils aus der natür­lichen Ueberalterung der nach dem Zusammenbruch des römischen Weltreiches führenden kontinentalen Macht, teils infolge der Unterspülung der Elemente, die die­sem damaligen Zentrum des Abendlandes die volkliche und staatliche Grundlage gegeben hatten. Im Zwiespalt der antiken römischen Staatsidee einerseits und der nicht minder imperiale Ansprüche erhebenden römischen Kirche andererseits wurden die Fundamente der zentra­len Staatsbildung Europas allmählich zerstört. Dazu kommt noch der tiefe Ernst, mit dem sich die damalige Welt in Fragen versenkte, die geeignet waren, Europa in endlose religiöse innere Kämpfe zu verwickeln, wäh­rend die gleichen Probleme heute als staatlich vollkom­men belanglos anerkannt sind und demgemäß bewertet werden. So ist der Zusammenbruch des alten Deutschen Reiches und damit des in dieser Zeit vorherrschenden Mittelpunktes einer inneren europäischen Organisation genau so wenig von den Engländern herbeigeführt als der Zusammenbruch Roms einst von den Germanen.

In beiden Fällen ergaben sich aber aus inneren Schwächemomenten heraus Situationen, die das Ein­greifen außenstehender Kräfte ermöglichten und damit der Weltgeschichte für viele Jahrhunderte einen neuen Lauf aufzwangen. So hat England selbst nicht primär den Kontinent zu zersplittern vermocht denn dazu war es als staatliches Gebilde damals viel zu unbe­deutend wohl aber gelang es ihm, aus der ent­stehenden europäischen Zersplitterung insofern einen Nutzen zu ziehen, als es dank seiner insularen Lage nur noch ein Minimum an Kraft bei allerdings einem Maximum an Schlauheit benötigte, um die europäische Ohnmacht weiter aufrechtzuhalten und mit der ihm selbst fast restlos verbliebenen eigenen Stärke eine teils unerforschte oder zumindest kulturell und wehrmäßig unterlegene, teils in ewigen inneren Kämpfen sich selbst erschöpfende andere Welt zu erobern.

Nur ein Törichter kann dabei übersehen oder bestrei- ten, daß wie jeder politische Ordnungsprozeß auch dieser seinen Nutzen für die Menschheit gehabt hat. Aber ebenso töricht war es anzunehmen, daß das bri­tische Imperium

das sogenannte öleichgewicht der kriifte in kuropa

für ewig würde aufrechterhalten können. Die zur Eini­gung strebende blutmäßig oder gedanklich gleich orien­tierten rassischen Bestandteile dieses Kontinents konn­ten an ihrem Zusammenschluß auf die Dauer weder ver­hindert werden, wie es darüber hinaus überhaupt unsinnig war anzunehmen, daß im Falle des Auftretens einer die Existenz aller Völker Europas gleichmäßig bedrohenden Gefahr eine Vereinigung der Betroffenen dagegen verhindert werden könnte.

Alle die Kriege, hie England seit Jahrhunderten in ununterbrochener Folge gegen den Kontinent führte, konnten im wesentlichen »nur so lange erfolgreich ver­laufen. als es sich um die Bekämpfung rein staatlicher Gebilde dynastischen Charakters durch andere ähnliche Erscheinungen handelte.

Im Moment, in dem aber über dynastische Interessen hinaus die Völker zu erwachen begannen, mußten die Mittel der bisherigen britischen Europa-Politik schei­tern. Trotz zahlreicher Kriege war es England auf die Dauer nicht möglich, den französischen Nationalstaat zu vernichten, trotz aller Versuche gelang es ihm nicht, den Zusammenschluß der Italiener zu verhindern, und trotz aller Eingriffe ist das Deutsche Reich aus seinen ein­stigen Trümmern durch den Wille» der deutschen Stämme und dank dem Wirken großer Heroen in dem Augen­blick entstanden, da es in dem überlegenen Genius «eines Bismarck nicht nur die Reife der Zeit. sondern den zur Vollendung bestimmten Mann erhalten hatte.

Je staatlich gefestigter und vom eigenen Wert« durch­drungener die europäischen Völker wurden, um so schwieriger mußte die Aufrechterhaltung einer europäi­schen Situation werben, die als sogenanntes Gleichge­wicht der Kräfte den wahren Verhältnissen der Kraft nicht mehr entsprach. Sich einzubilden, auf die Dauer mit den Mätzchen schwatzhafter Argumente die euro­päischen Nationen in sich zu zersplittern oder gegenein­ander verhetzen zu können, mußte deshalb immer schei­tern. und damit war England gezwungen, vom be­quemen Nutznießer eines gegebenen Zustandes zu seinem Verteidiger oder gar zum dauernden Erhalter zu werden.

damit aber körte die Kunst des Fntrigierens auf,

und an ihre Stelle trat der Zwang zum eigenen Kampf und nicht nur der Wille zu ihm, sondern auch das Kön­nen. Das Können aber unter Berücksichtigung der unter?

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