Ausgabe 
(28.3.1942) Nr. 87
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parteiamtliche Tageszeitung

Das Amtsblatt des legierenden Dürgermeisters der Freien fjansestadl Dremen

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der Nationalsozialisten Vremens

flmtliches verkündungsblalt des Neichsstatttjallers in Oldenburg und Dremen

Nr. 8? , 12. Zatzrgang

Sonnabend. 28 Mär; 1942

kinzelpreis 15 Npf.

offener vrief Sandra böses an tripps

Indiens einziger seind - der britische Imperialismus

«via sokPvar-v äer SklsvSrsi LsS vorüksr"

' Berlin, 27. März. Der in letzter Zeit durch mehr­fache Erklärungen hervorgetretene indische Nationalisten­führer Subhas Chandra Böse hat sich mit einem Offenen Brief an den gegenwärtig in Indien weilenden Unterhändler des englischen Kriegskabinetts, Cripps, gewandt. In dem Bries, der gestern über einen un­genannten Sender veröffentlicht wurde, heißt es u. a.:

„Der Welt ist mitgeteilt worden, daß Sie im Auf­trag des britischen Premierministers und Kriegskabi­netts die Aufgabe übernommen haben, nach Indien zu fahren, um zu versuchen, Indien für das britische Em­pire zu retten. Vom Standpunkt des heutigen Premier­ministers und Kriegska'binetts ist es allerdings ver­ständlich, Latz man Sie für diesen Zweck ansetzen will. Unverständlich bleibt aber, Latz Sie eine solche Auf­gabe übernehmen. Sie kennen sehr wohl die re­aktionäre Einstellung des heutigen englischen Kabinetts. Die Teilnahme von Abgeordneten der Labour Party ändert diesen seinen wahren Charakter keineswegs. Sie sind vor einigen Jahren gezwungen worden, sich von der Labour Party zu trennen, so Latz Sie vielleicht besser als irgend jemand anders wissen, wie wenig fortschrittlich jene Partei ist, insbesondere im Zusammen­hang mit dem Problem Indien und anderen unter­drückten Nationen des Empires. Als Sie für Ihre eigenen Grundsätze und Ueberzeugung gegen die bri­tische Labour-Party kämpften, hatten Sie die Bewun­derung vieler hinter sich. einschließlich der meinigen. Diese' Ihre grundsätzliche Einstellung hat sich so radikal geändert, Lag Sie ein Regierungsämt unter Mr. Win- ston Churchill angenommen haben, Es ist schwierig, einen Engländer zu finden, der indienfeindlicher ist als er. Wer auch immer Sie persönlich kennt und Ihren Lebenslauf mit Interesse verfolgt hat, mutz also sehr erstaunt fein über Ihre augenblickliche politische Stel­lung.

Wir haben mit der Labour-Party in den Jahren 1824 und 1828—1831 schlechte Erfahrungen gemacht. In beiden Zeitabschpitten mutzten wir unsere Zeit in bri­tischen Gefängnissen verbringen, manchmal sogar ohne irgendwelches gerichtliches Verfahren. Indien wird nie­mals vergessen, datz eine Labour-Regierung dafür ver­antwortlich war, datz ungefähr 18ÜÜ80 Männer und Frauen in die Gefängnisse wanderten, datz im ganzen Lande »»bewaffnete Männer und Frauen mit Gummi­knüppeln usw. mißhandelt wurden, datz, wie in Pes- hawer, auf unbewafsnete Menschenmengen geschossen,

Neue Mtterkreuzteiigec

Berlin, 27. März. Der Führer verlieh das Ritter­kreuz des Eisernen Kreuzes an: Generalmajor Wilhelm Vehrens, Kommandeur eines Infanterie-Regiments; Major Otto Lindner, Vataillonsführer in einem Infanterie-Regiment; Oberleutnant Hermann Mark, Kompanieführer in einem Infanterie-Regiment; Ober­feldwebel Mink und Oberfeldwebel Tange, beide Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader.

datz Häuser verbrannt und Frauen vergewaltigt wurden, wie in den Dörfern von Bengalen. Sie waren seiner­zeit iinmer der schärfste Kritiker der Labour-Party, als ich Sie im Januar 1838 in London traf und das Vergnügen hatte, Sie kennenzulernen. Heute aber schei­nen Sie ein vollkommen anderer Mann zu sein.

Sie möchten vielleicht einwenden, datz Sie England und Indien miteinander aussöhnen wollten. Die Re­gierung aber, der Sie angehören, hat keinen Zweifel darüber gelassen, datz das Angebot an Indien nicht ein Angebot der Unabhängigkeit, vielmehr des Dominion­status ist, der nicht einmal sofort, sondern erst am Ende des Krieges anerkannt werden soll. Sie haben schon in Delhi erklärt, Sie dächten über Indien genau so wie Mr. Churchill. Für diese Offenheit sind wir Ihnen dankbar.

Wissen Sie nicht, was das indische Volk von briti­schen Versprechungen hält? Wissen Sie nicht ebenso gut, datz die Geschichte» der englischen Herrschaft in In­dien nur eine Kette von gebrochenen Verträgen und nicht erfüllten Versprechungen ist? Da Sie wissen, datz (Fortsetzung auf Seite 2)

L»n LrUkel von koivksininisrer Dr. (Zoskksls

Unter der Ueberschrift „Offene Aussprache" veröffent­licht die Wochenzeitschrift „Das Reich" folgenden Ar­tikel aus der Feder von Reichsminifter Dr. Goebbels:

Die neue Kürzung der Lebensmittelrationen, die am 6. April in Kraft treten wird, greift tief in den Kriegs­chaushalt jedes einzelnen Staatsbürgers ein. Es wäre deshalb auch ganz unsinnig und abwegig, sie etwa be­schönigen oder' bagatellisieren zu wollen. Die zuständi­gen Stellen haben lange überlegt, ob sie in dieser Höhe, zu diesem Zeitpunkt oder auch überhaupt durch­geführt werden müsse. Sie sind einhellig zu der Ueber­zeugung gekommen, datz sie jetzt und in dem mitgeteil­ten Umfange notwendig sei, und haben sich dann auch zu diesem schweren Schritt entschlossen. Hätten sie das nicht getan, so wären unter Umständen iznd wahr­scheinlich in etwa sechs bis acht Monaten noch größere Ernährungsschwierigkeiten über uns gekommen, die dann allerdings zu viel entscheidenderen Weiterungen geführt hätten, als sie diesmal unabweisbar waren.

Die deutsche Ernährungspolitik ist seit Anfang des Krieges im Gegensatz zum Weltkrieg bemüht, die Le­bensmittel. die' vorhanden sind, gerecht zu verteilen.

16 britische Vomber abgeschossen

SlSrkere SowielkLöjke nordostwSrts latzanrosi, auj ihre flusgangssteUungen zurückgeworfen

Aus dem Führerhauptquartier, 27. März. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Aus der Halbinsel Kertsch schlugen deutsche und rumänische Truppen in mehreren Wellen vorgetragene Angriffe des Feindes ab und vernichteten dabei 12 Panzer. Nordostwärts Taganrog wurden starke Kräfte der Sowjets im Gegenangriff unter schweren Verlusten auf ihre Ausgangsstellung zurückgeworfen. An mehreren Stellen des mittleren und nördlichen Front­abschnittes hatte der Feind bei der Wiederholung sei­ner erfolglosen Angriffe hohe Verluste. Eigene örtliche Angriffe führten zu weiteren Ersolaen. Die Lustwasse zerschlug Paikzeransammlungen des Feindes auf der Halbinsel Kertsch und zerstörte allein im mittleren Frontabschnitt 18 Transportzüge der Sowjets. Die rheinisch-westfälische 2S3. Infanterie-Division hat in wochenlangen härtesten Abwehrkämpfen 12V zum Teil von Panzern untcrstiitzte Angriffe des Feindes zurück­geschlagen und die Masse mehrerer sowjetischer Divisio­nen vernichtet.

In Nordafrika wurde bei Luftangrissen auf den Hafen von Tobruk ein Handelsschiff mittlerer Größe beschädigt. Die Wiistenbahn in Nord-Aegypten wurde in der vergangenen Nacht durch Bombenvolltreffer an mehreren Stellen unterbrochen und hierbei ein briti­scher Transportzug vernichtet. Aus Malta setzten deutsche Kampsfliegerkräste die Angriffe aus seindjiche Schiffe im Hafen von La Valetta sowie in der Marsa- Scirocco-Vucht mit besonderem Erfolg fort. Bomben

schweren Kalibers trafen einen Kreuzer und fünf große Handelsschiffe, von denen vier xin Brand gerieten. Weitere Bombentreffer wurden in Oeltanklagern, Docks, Kasernen und Flakstellungen erzielt. Im Mittel­meer verfolgte ein deutsches Unterseeboot den britischen Geleitzug, aus dem — wie im gestrigen Wehrmachts­bericht gemeldet — bereits ein Zerstörer und ein Damp­fer herausgeschossen wurden, und versenkte durch Tor- pedotresser einen Tanker von 4VVV BRT.

Im Kampf gegen die britische Insel belegte die Luft­waffe in der letzten Nacht militärische Anlagen des wichtigen Schifssbanplatzes Sunderland und einen Hasen an der Humbermündung erfolgreich mit Bomben. Ostwärts von Island grisf ein Unterseeboot ein feind­liches Handelsschiff von 1808 BRT. an, das von einem Bewacher und zwei Untersecbootjägern gesichert war, und versenkte alle vier Fahrzeuge. Bei Angriffen schwä­cherer Kräfte der britischen Lustwasse in der letzten Nacht aus Westdeutschland erlitt der Feind Hohe Verluste. Nachtjäger und Flakartillerie schössen 18 der angreisenden Bomber ab. vier weitere britische Flug­zeuge wurden bei Tage an der französischen Westküste zum Absturz gebracht. Oberfeldwebel Eildner er­rang seinen 36. bis 28. und Oberleutnant zu Lippe- Weitzenfeld seinen 18. bis 21. Nachtjagdsieg. Ein Nachtjagdverband unter der Führung von Generalleut­nant Kammhuber erzielte damit in der letzten Nacht seinen 588. Abschuß."

britische bffensivstimmung auf dem Nullpunkt

Der pesj mismus -rettet sich aus — Maiskps Mahnung wird überhört — Die Niederlage des thurchili-kandidaten

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung

K. Berlin, 27. März. Die britische Situation im gegenwärtigen Augenblick ist gekennzeichnet durch ein Höchstmaß von Pessimismus und Enttäuschung. Die durch Maisky vorgetragene Forderung Moskaus, das Pochen Stalins auf seinen Schein, wird überhört, die Osfensiv- tz'ffnungen sind erschüttert, die Zukunftsaussichten in einem Gemälde festgehalten, das nur graue Farben aus­weist. „Wir spielen eine Rolle, die nur einer zweit­klassigen Macht würdig ist" klagt die „Picture Post", und Rundfunkkommentatoren, Zeitungsbericht«!, Red­ner, sie alle sprechen zu dem eine» Thema, das Kapitän Cyrill Falls in einem Artikel für die „Times" das „unvermeidliche Thema" nennt: Die gescheiterten Sie- geshofsnungen an der Themse.

„Wenn Churchill Logik gehabt hätte,", so kabelt der Londoner Korrespondent der Madrider Zeitung „ABC", „dann hätte er seine Rede mit dem Satz beendet: Die Fortführung des Kampfes ist für uns unmöglich!" Chur­chill konnte diese Worte nicht sprechen in einem Augen­blick, wo sein Kandidat bei Ersatzwahlen im Wahlkreis Gra-ntham Loncolnshire von einem unabhängigen Kan- ditaten mit dreihundertsiebenundsechzig Stimmen über­flügelt wurde und selbst der Londoner Korrespondent von „Stockholm Tidningen" feststellen mutz, datz dieses Wahl- ergebnis kennzeichnend für den allgemeinen Umbruch der öffentlichen Meinung in England sei, die durch den Ein­tritt von Cripps in die Regierung ihr Gepräge erhielt. Was der britische Premier jedoch nicht aussprach^ das bildet den Tenor der Londoner Presseveröffentlichungen. England muß sich nach einem Bericht des ,,„Pa"-Korre- spondenten eingestehen, daß die deutschen Siegesaus­sichten nicht gering sind, die britischen dagegen nur noch von einem Wunder abhängig. Ueber Rußland gäbe ma-n sich trotz aller Berichte von der Stärke der Sowjet­armee keine Illusionen mehr hin. Da es den Bolsche- wisten während des Winters nicht gelungen sei, die deutschen Truppen in ihren Grundstellungen niederzu­werfen, könnten sie ihr Schicksal nicht mehr abwenden. Die deutsche Kriegsmaschine im Osten, so unterstreicht

auch die „Times", verfüge nicht nur übet bedeutend gröbere Kräfte, sondern sei auch mit dem modernsten Kriegsmaterial der Welt ausgerüstet.

Die deutsche Heimat habe in diesem Winter Unge­heuerliches geleistet, gibt der „Daily Expreß" als Grund der deutschen Ausrüstung an. „Achtzig Millionen Männer und Frauen haben Tag und Nacht gearbeitet, wie die Geschichte es noch nicht" erlebt hat. Diese Men- schenmassen werden von einer einzigen Hand geleitet und einem einzigen Ziel zugeführt. Unter solchen Um­ständen darf man sich nicht mehr falschen Hoffnungen hingeben."

Leningrad, Wjasma, Orel, Charkow und die Krim würden im kommenden Verlauf des Krieges im Osten noch eine bedeutende Rolle spielen, die Sowjets hätten sie vergebens angegriffen, die Deutschen aber könnten sie als Ausgangsstellung benutzen, meint die „Times", die ebenfalls in der Furcht lebt, daß die deutschen und japanischen Truppen sich' im Mittleren Orient, die Hand reichen könnten.. Die -Hilfeleistungen für die Sowjet­union sind, wie man in England zugeben mutz, schlecht ausgefallen. „Wir haben alle unsere Versprechungen Rußland gegenüber erfüllt und den letzten Tank und das letzte Flugzeug angeliefert", schreibt der „Daily Ex­preß". „Amerika jedoch verhält sich den Sowjets gegen­über, als habe es nie Versprechungen gemacht." Diese mangelnde Hilfeleistung für die Sowjetunion von seiten Amerikas wird durch einen aufschlußreichen Bericht der „New Park Times" unterstrichen, nach dem Roosevelt einen energischen Brief an mehrere hohe Beamte, dar­unter den Kriegs- und Marineminister geschickt hat, in dem er zu einer Beschleunigung und Intensivierung der Lieferungen an die Bolschewisten mahnt. Die Mel­dung fügt hinzu, datz die augenblicklichen Lieferungen nach der Sowjetunion dem vorgeschriebenen Zeitplan nicht entsprechen.

Cyrill Falls zieht in einem neuen Artikel in der „Times" den Schlußstrich unter diese Fülle von Ent­täuschungen: „Die Alliierten sind nicht in der Lage, ihre Kräfte zu einem Großangriff auf einem Kriegs­schauplatz zu sammeln, da sonst die anderen Gebiete

ungeschützt wären." Cyrill Falls sieht sehr klar: „Indien und Australien müssen gleichzeitig geschützt werden. Als natürliche Folge der strategischen Lage fällt daher In­dien den Engländern als verantwortlich zu, während Australien konsequent seine Hilfe von Amerika erhalten muß. Glauben wir nicht, daß der Einsatz der Ameri­kaner für Australien lediglich auf ihre Großzügigkeit zurückzuführen ist. sondern Amerika betrachtet Austra­lien ganz klar als einen amerikanischen Vorposten. Wir Engländer können nichts dagegen machen, wir müssen sehen, wie wir durchkommen, ohne die Möglichkeiten dieses Durchkommens zu kennen. Wir müssen vielleicht noch Gebiete aufgeben, um auf jeden Fall an einem Punkt stark zu sein: im Mittleren Osten." Das ist die kurze Formel des gesamten Artikels von Cyrill Falls. „Eine erstrangige Macht stürmt in Ostasien los. Da­gegen haben die Engländer und Amerikaner lediglich leichte Streitkräfte dort zur Verfügung. Indien ist nicht auf vollen Kriegseinsatz vorbereitet. Australien ist ein großes Gebiet mit einer kleinen Bevölkerungs­zahl. China ist ein altes Land, dessen Industrie nicht entwickelt ist. Dagegen haben die Japaner noch den Vorteil, daß ihre Streitkräfte sich ganz aus einem Volk zusammensetzen. Sie haben einen, und nur einen Gene­ralstab, das ist die Situation!"

Wie anders klingen diese Worte als jene Triumph- gesänge, die noch vor wenigen Wochen den Verlust Singapurs und Hongkongs überschreien sollten. Ein gro­ßes Erwachen ist gekommen, eine Ernüchterung, die sich zum Katzenjammer ausweitet. Früher habe man immer behauptet, japanische Flieger wie die Hasen abgeschossen zu haben, meldet der np-Korrespondent aus Schanghai. „Heute haben die alliierten Flieger die höchste Achtung vor der japanischen Luftwaffe. Sie haben für die frü­here Behauptung, datz die Japaner armselige Flieger sind. nur ein höhnisches Gelächter. Die alliierten Flieger müssen die enorme japanische Luftüberlegenheit zu­geben. sie setzen die japanische Stärke in dem Verhältnis fünf zu eins gegenüber ihrer eigenen Stärke an."

Ernüchterung an der Ostfront, Ernüchterung auf dem Atlantik, Ernüchterung im Mittelmeer und in Ost­asien — wahrlich «ine niederschmetternde Bilanz!

Daß der Vorrat nicht reicht, um alle Wünsche zu be­friedigen, das liegt am Kriege selbst und vor allem an feiner längeren Dauer. Niemand aber wird es der Re­gierung übelnehmen, datz sie nicht heute das verzehren läßt, was wir morgen unbedingt zur Aufrechterhaltung unseres nationalen Lebens notwendig haben. Wir müssen eine Vorratswirtschaft auf lange Eicht betreiben, die es uns gestattet, den Krieg unter allen Umständen bis zum siegreichen Ende durchzuhal- ten. Daß Einschränkungen in der Ernährung die fühl­barsten sind, die die Gesamtheit des Volkes überhaupt treffen können, das weiß niemand besser als die Regie­rung. Wenn sie sie verlangt und dekretiert, so darf ledermann davon überzeugt sein. datz sie nicht mehr zu umgehen sind.

Die Gründe, die zu dieser Maßnahme geführt haben, sind bekannt. Sie wurden in Presse und Rundfunk eingehend dargelegt und brauchen deshalb hier nicht noch einmal erörtert zu werden. Die weitaus höhere Kopfzahl unserer Wehrmacht, die Vermehrung unserer Schwer- und Schwerstarbeiter sowie der Lang- und Nachtarbeiter, die 2,5 Millionen Arbeitskräfte aus dem Ausland, die zum größten Teil im deutschen Rüstungsprozeß tätig sind, mehrere Millionen Ge­fangene, die zwar für uns arbeiten, aber auch von uns ernährt werden müssen, Zuschüsse an die besetzten Ge­biete, die für unsere Wehrwirtschaft tätig sind, Aus­hilfen auch an das uns verbündete heldenhaft kämpfends Finnland, dazu die in den zwei vergangenen Jahren ganz abnormen Witterungsverhältnisse, die alle Berech­nungen über den Haufen warfen und zu gerade nur durchschnittlichen Ernten führten, der chronische Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft, dies alles zu­sammengenommen war zu viel, um uns zu erlauben, die alten Sätze aufrechtzuerhalten.

Wir wissen selbstverständlich auch, datz der gewählte Zeitpunkt der Kürzung der Rationen nicht gerade gün­stig ist: Die Kartoffeln sind knapp. Sie konnten infolge des lang anhaltenden Frostes noch nicht aus den Mieten geholt werden. Sie werden in größeren Mengen auf dem Markt erscheinen, wenn der Frühling endgültig da ist; aber immerhin hat uns der abnorm lange Winter einen dicken Strich durch manche Rech­nung gemacht, die auf dem Papier schön und glatt auf­ging, Gemüse fehlt, vor allem in den großen Städten, kurz und gut, uns wäre auch wohler gewesen, wenn wir die harte Maßnahme noch um ein paar Monate hätten hinausschieben können. Aber es ging nicht. Wir treiben in der Versorgung unseres Volkes im Kriege keine Politik der Popularität, sondern eine solche der nüchternen Wirklichkeit und manch­mal gewiß unangenehmen Notwendigkeit. Sie wird, wenn auch unter schmerzhaften Eingriffen, bis zum sieg­reichen Ende des Krieges durchgehalten werden können. Vor allem aber ist es entscheidend, daß wir die kom­mende Ernte und ihre Einbringung nicht voraussehen können und unbedingt den Anschluß an sie sicherstellen müssen. Je nach ihrem Ausfall wird man unter Um­ständen später Verbesserungen in der Zuteilung in Er­wägung ziehen können.

Daß wir den Krieg gewinnen müssen, darüber gibt es im deutschen Volke gar keine Debatte mehr. Was wir Heute freiwillig und in nationaler Disziplin auf uns nehmen, ist ein Kinderspiel demgegenüber, was unser wartete, wenn wir ihn verlören. Eine solche Mög­lichkeit fassen wir überhaupt nicht ins Auge. Die Re­gierung aber will nicht nur den Sieg. sie arbeitet und kämpft dafür und ist schließlich auch dafür verantwort­lich. ' Sie hat die Pflicht, das zu tun. was die Lage gebietet.

^ Darüber hinaus aber kann das Volk mit Recht von ihr verlangen, daß die Lasten, die der Krieg uns aufbürdet, gerecht verteilt werden. 'Niemand darf sich bei uns von den Opfern, die die Nation in ihrer Gesamtheit' für den Sieg bringen muß, ausneh- men. Wer unsere Kriegführung stört oder gar bedroht, verdient härteste Strafe, unter Umständen den Tod. An der Front stehen so viele brave Soldaten und Offi-

Der Hafen von La Valetta wurde erneut von deut­schen Bombern heimgesucht. , ^

Nordostwärts Taganrog wurden stärkere Sowjet­kräfte auf ihre Ausgangsstellungen zurückgeworfen. Die Inder durchschauen den Vetrugsversuch des Volschewistenknechtes Cripps.

Böse richtete an Cripps einen offenen Vrief, der an Klarheit und Schärfe nichts zu wünschen übrig läßt.

Subhas Chandra Böse wurde Oberster Chef der Inder Ostasiens.

In London mehren sich die pessimistischen Stimmen zur Lage der Alliierten.

Oberbefehlsleiter Hilgenfeldt sprach auf Einladung der Wehrmacht in Wilhelmshaven.

Bremer Kriminalpolizei klärte die im Kreis Verden von einem polnischen Arbeiter begangene Bluttat an einem Mädchen aus.

In der Hauptversammlung des Bankvereins für Nordwestdentschland wurde mitgeteilt, datz das In­stitut keine Fusionsabsichten habe.

Auch die Deutsche Bank konnte 1841 eine erhebliche Geschäftsausweitung verzeichnen.