Ausgabe 
(27.10.1940) Nr. 296
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H- Vellage zu Nr. 296

Bremer Zeimng

Sonntag, den 27. Oktober 1940

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1940-41

fjeute Pfundspenden-flblölung

Bremen, 27. Oktober

Zum zweiten Male im Kriegs- Winterhilsswerk 1940/41 wer- > den heute die Sammler an die Bremer Hausfrauen her- antveten und den Gegenwert für die in den Vorjahren in so vorbildlicher Einsatzbereit­schaft für die Hilfsbedürftigen des WHW. gegebene Psund- spende abholen. Als Quittung erhalten die Spender wieder das Tütenabzeichen, das den Sinn dieser Spende in hüb­scher Form darstellt. Bekannt­lich wird der Erlös der zweiten Pfundspondenablösung auch dazu dienen, dem Bre­mer Kriegs - Winterhilfswerk eine zusätzliche Betten- __ aktion durchführen zu hel­

fen. So wird die heutige Spende unserer Hausfrauen dazu beitragen, vielen Bremer Kindern im kommenden Winter Gesundheit und Wärme zu schenken.

t im OWoba 1940

Tos Gesetzblatt der Freien Hansestadt Bremen, äutzgegeben am 26. Oktober 1940, enthält eine Verordnung über die Ver­nichtung frostgeschädigter Banmschulbestände, eine Bekannt­machung über die Bürgersteuer 1941 in der Stadt Bremen und die Dritte Pvtizeiverordnung zur Regelung des Verhal­tens der im Lande Bremen eingesetzten Zivilavbeiter und -arbeiterinnen polnischen BMstums.

Die amtlichen Bekanntmachungen der heutigen Ausgabe ent­halten u. a. eine vNitteilung über Genehmigung von H au s- schlachtungen, über die Ocfsnungszeiten der bremischen Volksbüchereien und über die.Facharbeiterprü- s u n g Ostern 1941. -

Tagung der kreiswirtschaftsberater

Große richtungweisende Nede unseres Gauleiters Carl Növer vor den kreiswirtschastsderatern des Gaues weser-kms in Oldenburg

Gestern nachmittag fand in Oldenburg eine Arbeits­tagung der Kreiswirtschaftsberater sowie ihrer engsten Mit­arbeiter statt, die ihre besondere Bedeutung durch richtung­weisende Ausführungen des Gauleiters Carl Röver erhielt, der der Tagung mit Gauorganisationsleiter PgW al­le n h o r st beiwohnte. Tie Rede unseres Gauleiters bedeutete in ihrem Kernpunkt eine Zusammenfassung der national­sozialistischen Grundaussassung in allen wirtschastspolitischen Fragen. Gleichzeitig waren die Ausführungen als Richtlinien für die zukünftige wirtschastspolitische Arbeit im Gau Weser- Ems gedacht, und in diesem Sinne gaben sie den Männern des wirtschastspolitischen Apparates der Partei für ihre zu­künftige schwere Arbeit aus wirtschastspolitischem Gebiet neuen Austrieb.

Ter Gauleiter hob besonders stark hervor, daß die n a - tionalfozialiftifchen Gedankengänge mehr und mehr in die Betriebe hineingetragen worden feien. Es gebe nach seinem Dafürhalten im Gau Weser-Ems keinen Betriebssichrer und kein Gesolgschastsmit- glied mehr, bas sich nicht nach den Grundsätzen der national­sozialistischen Wirtschaft zu richten gewillt sei. Die zukünftigen großen Ausgaben, die Deutschland im Frieden erfüllen muß, machen es erforderlich, daß die politische Arbeit auf wirt­schastspolitischem Gebiete mehr und mehr noch verstärkt würde, damit die Ausgaben der Wirtschastsführer, die nach dem Kriege ungeheuerlich anwachsen würden, restlos gelöst werden könn­ten. Nur der Glaube an den Führer gebe der deut­schen Nation die Kraft, alle künftigen großen politischen und wirtschastlichen Ausgaben, vor die Deutschland gestellt werde, zu lösen.

Ter Gauleiter ermahnte die Mitarbeiter auf wirtschasts­politischem Gebiet, die Erfolge ihrer Arbeit mehr und mehr z»m Nutzen des gesamten deutschen Volkes zu verbessern und verpslichtete die Anwesenden am Schluß seiner Ausführungen unter großem Beisall in diesem Sinne. Anschließend dankte der Gauwirts chastsberater dem Gauleiter 7ür sein Erscheinen und versprach, nach den neu gegebenen Richtlinien seine Arbeit und die Arbeit seiner Mitarbeiter burchzusühren zum Wähle der Nation und damit des deutschen Volkes.

Danach ergriff der Eauwirtschäftsiberater Parteigenosse F r oin m das Wort und machte interessante Ausführungen über kriegswirtschaftliche Fragen. Er betonte dabei, daß der Krieg nicht kieir den KreiswirtschastSberater vor neue Aufgaben stellt, sondern bereits während des Krieges müßten die Voraussetzungen

und Grundlagen für di« neu« Friedens­wirtschaft geschaffen werden. Mit Kriegsende werden die Aufgaben, die von der Wirtschaft zu lösen sind einen nie geahnten Umfang erreichen. Die Aufgabe heißt daher, die in der Wirtschaft Schassenden inner- lich für die gewaltigen großen Ausgaben reif zu machen und gleichzeitig die materiellen Planungen vorzube­reiten für die bedeutendste und größte Zukunstsaufgabe, die Deutschland je gestellt wurde. Weiter machte Parteigenosse Fromm Ausführungen organisatorischer Art sowie über die Arbeit des Gauwirtschastsberaters und seiner Aiitavbeiter. Zukünftig werden wieder der Wivtschaftsberater und seine Mitarbeiter, mehr als es zuvor der Fall gewe­sen ist, in die Ausgaben der zu lei st enden wirtschaftspolitischen Fragen eiugeschail- te t werden. Es sei daher erforderlich, den Mitarbeitern durch die Schaffung eines geeigneten Mitarbeiter- sta be s die Möglichkeiten zu einer »vergehenden Mitarbeit an den zeitlichen Fragen der nationalsozialistischen Wirtschafts­politik zu geben.

Der Gauwirtschastsbrrater richtete an seine Kreiswirtschafts­berater die Mahnung, diejenige Truppe zu sein, die im Glau­ben an die Größe der Zeit und in unbeirrbarer Gewißheit aus den baldigen Endsieg der deutschen Massen, alle Kräfte des Volkes für die wirtschastlichen Ausgaben der Zukunft mobilisiert.

Anschließend referierte Pg. Dr. Plambeck aus dem Stabe des Stellvertreters des Führers über wirtschaftspolitische Gegenwartsfragen.

Pg. Dr. Plambeck Wird zukünftig als Hauptgeschäftssührer der Industrie- und Handelskammer in Emden und als, Geschäftsführer des Gauwirtschaftsberaters für die Gau­inspektion I Ostfriesland wieder in unserem Gau tätig sein. Pg. Dr. Plambeck ging in seinen Ausführungen aus von dem Begriss der Menschenwürde. Der Nationalsozialismus setzt im Gegensatz zu der Parole:Die Wirtschaft ist unser Schicksal" den Menschen jn sein altes naturgegebenes Herr­schaftsverhältnis gegenüber den materiellen Dingen dieses Le­bens wieder ein und richtet damit einen neuen Begriss von der Würde des Menschen auf. Der Redner kam dann auf praktische Fragen der inneren W i r t - schaftspolitik zu sprechen und machte u. a. zu dwsem Punkt interessante Ausführungen über die Zukunstsausgaben aus dem Gebiete der Bevölkerungspolitik und des

Wohnungsbaues. An der zukünftigen Organisation der von Deutschland betriebenen internationalen. Sozwlpolrtck bewies der Redner, daß selbst aus diesem Gebiet alle Matz nahmen nur nach dem einen Gedanken ausgercchtet sem müssen, wie kann man den LebenSraum deS deutschen Volkes vergrößere und die Lebensbedingungen verbessern.

Deutschland mutz, wenn es seine geschichtliche Ausgabe «füllen soll, nicht nur eine nationalistische Sozialpolitik für den Be­reich des unmittelbar von ihm beherrschten Raumes betreiben, sondern zur Sicherung seiner Lebensrechte auch elne inter- nationale Sozialpolitik, durch die am besten d,e auch nach dem Kriege noch nicht überall beseitigten Gegenströmungen gegen den Nationalsozialismus ausgeschaltet werden können.

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Hast du deine Buchspende bereit?

Der Blockleiter holt sie heute ab

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auf dem Prinzip der Arbeitsteilung aufbauen kann, weil dieses Prinzip letzten Endes England die Möglichkeiten seiner Welt­herrschaft eröffnet habe. Der Gedanke des Freihandels und mit ihm der Gedanke der internationalen Arbeitsteilung geht von falschen Voraussetzungen aus, nämlich daß d,e Wirtschaft isoliert und ohne Zusammenhang mit den übrigen Bereichen der Völker stehe-. Die Verfechter des Gedankens der Arbeitsteilung im internationalen Wirtschaftsverkehr ver­kennen, daß der größtmögliche Ertrag bei Anwendung des Prinzips der Arbeitsteilung nur erzielt werden kann aus Kosten anderer Belange des Volkes, wie z. B. auf Kosten ge­sunder Bevölkerungsverteilung und nicht zuletzt aus Kosten der Wehrhaftigkeit und Sicherheit. Deutschlands Ziel im Außenhandel ist die Schaffung eines Welthandels zwischen ausgeglichenen und in ihrem Lebensbestand gesicherten Volks­wirtschaften. Nur eine solche Organisation des Handels bietet Gewähr für Beständigkeit und größtmögliches Ausmaß der zwischenstaatlich wirtschastlichen Beziehungen.

Bremens 6oIoniaI-Buchausste»ung

Heute kröffnung der Sonderausstellung zur Woche des deutschen Vuches in Vremen

Aus Anlaß der Herbstveranstaltungen des Deutschen SchrifttumsBuch und Schwert ein Sinnbild unserer Zeit" zur Woche des Deutschen Buches 1940 führt die Kreispropagandaleitung in Verbindung mit der Rcichsschrifttumskammer in Bremen die von uns bereits angckündigte SonderbuchausstellungKoloniales Schrifttum" vom 27. Oktober bis 3. November im großen Saal des Museums am Domshof durch.

Die von dem Ortsvbmann der Abteilung Buchhandel in der Reichsschristtumskammer, Dr. K. R o s e l i u s, zNsam- mengestellte Kolonialliteratur hat in der Mitte des Saales aus langen To sein eine übersichtliche Anordnung gesunden. Sie umfaßt Werke über Deutsch-Ostafrika, Doutsch-Südwest, Kamerun, weiter politisches, wirtschastliches, allgemeines und für die Jugend geeignetes koloniales Schrifttum, Damit wird ein. Ucberblick über die uns heute zur Verfügung stehende Kolonialliteratur gegeben, der zivar keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, in dieser Auswahl jedoch ebenso interessant wie lehrreich wirkt.

Umrahmt werden diese Auslagen von einer Reche w e r t - doller Leihgaben unserer. Museen und Ar­chive: des Kolonial- und Ueberseemuseums, des Gerhard-Rohlfs-MuseumS, der Staats­bibliothek und des Staatsarchivs in Bremen bzw. Bremen-Vegesack, Sie sind an den beiden Längswänden des Saales in Vitrinen nntergebracht und zeigen eine große An­zahl kostbarer Dokumente, Erstausgaben, Handschriften und anderer Zeugnisse unserer Kolonialpioniere und ihrer Werke. So sieht man die Erstausgaben der Reisebücher von R v h l s s und ihre Uebersetzungen in fremde Sprachen, auch die e r st e Flugschrift über Deutsch-Süd- w e st a s r i k a aus dem Jahr des Erwerbes 1884, ebenso die Erstausgaben der Reiscwerke von Peters und W i ß m a n n.

Es wird heute verdunkelt: von Sonnenuntergang (Sonntag) .... 18.86 Uhr bis Sonnenaufgang (Montag) ...... 8.13 Uhr

1.

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Ebenso interessant ist eine Zusammenstellung des wissen­schaftlichen Kolonialschrifttums der Vorkriegszeit, Darunter das erste Hest des 1. Jahrgangs vomDeutschen Kolo- n i a l b l a t t". Jn den Vitrinen an der Fenstcrwand sind Schriftstücke und Briefe von Wißmann, Nachtigal, Peters und Lüderitz, darunter auch das Schulzeugnis des letzteren, zur Verfügung gestellt von der jetzigen Lüderitz-Schulc, enthalten.

Beachtenswert ist in dieser Auslagereihc die früheste Urkunde über deutschen Kolonialcrwerb. und zwar das Einführungs­schreiben des Senats von Bremen an den Jman von Mascate vom 16. 12. 1846 mit der arabisch geschriebenen Originalant­wort des Würdenträgers.

Welchen Widerhall das Aufkeimen des kolonialen Gedankens in Deutschland bei der gesamten Geistcswelt fand, bezeugen die in einem Sondcrfach ausgelegten Fotokopier» von Wid­mungen und Zuschriften berühmter Zeitgenossen an Rohlss, unter ihnen Graf Moltke, Feldmarschall Wrangel.

Virchow, Geibel, Schliemann/Haeckel, d'Al- bert, Allmers, Schefsel und andere.

An der Stirnwand des Saales hat der R e i ch s k o l o n i a l- b u n d seinen Auslagetisch mit kostbaren Atlanten und Bild­werken sowie einer inkeressanten Fotobildreihe, die RKB.-Gan- verbandsleiter Rendemann von seiner Reise durch Teutsch- Ostasrika heimbrachte.

Tie Auslage- von Standardlverken des nationalsozialistischen weltanschaulichen Schrifttums am Eingang des Saales weist Len Besucher in eindrucksvoller Weise darauf hin. daß der Nationalsozialismus und die tatwirkende Kraft seiner Idee die Voraussetzungen zur Wiedererweckung und ungeheuren Stärkung des kolonialen Gedankens im deutschen Volk geschahen hat. von der diese Ausstellung in der Stadt der großen kolonialen Tradition, unserer Hansestadt Bremen, ein würdiges und eindrucksvolles Zeugnis ablegt. Sie wird heute vormittag von Kreisleiter Blanke eröjsnet.

Aufn.: Fritz Meyer

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Vorzeitige vienstentpflichtung

Dienstverpflichtungen dienen dgzu, um die Arbeitskräfte für besonders bedeutsame und unaufschiebbare Ausgaben der Rcichsverteidigung zu stellen. Nach einem Erlaß des Reichs­arbeitsministers haben deshalb die Arbeitsämter bei zeitlich begrenzter Dienstleistung die Arbeitskräfte vorzeitig zu ent- pslichten, sobald ihnen bekannt wird, daß Dienstverpflichtete nicht mehr für solche Ausgaben in den zugewiesenen Betrie­ben eingesetzt werden, insbesondere dann, wenn durch Aende- rung der vordringlichen Fertigungsvorhaben die Dienstver­pflichteten für ihren bisherigen Einsatz entbehrlich werden. Jn diesen Fällen ist auch Anträgen auf Zustimmung zur vorzeitigen Lösung des Dienstverhältnisses grundsätzlich zu entsprechen.

Nucksichtnahme, die sich rachen kann

Kinder auf jeden Fall mit in den Schutzraum nehmen!

Eine Mutter wandte sich mit einer Anfrage an das Prä­sidium des Reich-Austschutzbundes, die für alle Eltern von wesentlicher Bedeutung ist. Sie erklärte, sie bringe es nicht übers Herz, nachts beiFliegeralarm" ihre beiden kleinen Kinder aus dem Schlaf zu reißen, um sie in den Lustschutz- ranm zu nehmen. Die fügte hinzu, sie denke: daß der Schutz­engel der Kleinen sie schon vor Schäden -bewahren werde. Die Antwort des Präsidiums des RLB., die in derSirene" be­kanntgemacht wird, versichert mit aller Entschiedenheit, daß man sich keinesfalls nur aus den Schutzengel verlassen dürfe. Als Beispiel führt die Antwort folgenden Fall an: In einer westdeutschen Stadt ließ eines Nachts ein Vater sein zehn­jähriges Kind während eines Luftangriffs im Bett liegen und begab sich selbst in den Lustschutzraum. Ein einziger Splitter einer in der Nähe einschlageni^n Bombe drang in das Schlafzimmer und tötete das' Kind aut der Stelle. Gewiß, so wird hinzugesügt, sei es für eine Mutter nicht leicht, ihr Kind nachts aus dem Schlaf zu reißen. Noch schwe­rer aber sei die Verantwortung zu tragen, wenn das Kind zu Tode kommen sollte, weil man es aus RücksichtnakMe nicht in den Luftschutzraum nehmen wollte. Wo es irgend geht, solle man den Kindern im Luftschutzraum auf einer "Ma­tratze, einem Liegestuhl oder einem Strohsack eine Lager- statt bereiten. Kinder pflegten nieist, auch wenn ihr Schlaf unterbrochen worden ist, schnell und tief weiter zu schlafen.

Die Sorge um einen möglichst ungestörten Schlaf der Kin­der ist ja auch, wie dieser Antwort des Präsidiums hinzuzu- fügen ist, der Hauptgrund für die über die NSV. so erfolg­reich eingeleitete erweiterte Kinderlanbverschickung.

Altbewährt bei

Erkältung, Husten, Heiserkeit

Lee Madie

^TiTTmTünTiunNiMMHMTTnTmiiüinmMiiiHnMniMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii

30) Roman von Alfred Heller

Der alte Thomasl hockt dort auf einem Schemel.I waß net i moan net", sagt er und steht umständlich aus.Sie entschuldigen schon. Herr aber weil S' halt grad mit ihm g'redt ham, mit'n Herrn Stielig. I moan halt a so: s Ster­ben kommt jeden hart an, weil er's net besser weiß. Aber 'ob's Totsein a so hart is, dös is a andere Frag'. Für den be­stimmt net denn der hat kaner Fliege was tan . . . Ja, sehn S' Herr: So a Fliagn saust a paar Täg umeinand in dcr Sonn"bis daß s' hin is; und so a Schermaus arbeit' a paar Johrln unter der Erd' und plagt si und stacht nie an Himmel net und a Wolken, bis daß s' amal in dcr Fallen hängt. Könna sagn, wer besser dran g'west is: die Fliagi, oder die Schermaus? Na also!"

Und damit schlurst er hinaus.- Es war die längste Nede. die er je gehalten hat,der ungläubige Thomasl.

*

Spät abends waren Stieligs Verwandte gekommen, ein Schwager und irgendein Onkel. Sie hatten zehn Minuten an seinem Totenbett gestanden, dann sich mit allem einverstanden erklärt und den langatmigen Erzählungen des alten Barons mit höflicher Geduld'zugehört.

Um sechs Uhr srüh kam der Leichenwagen aus Schladming. mit dem schweren Metallsarg, und eine halbe Stunde später setzte er sich wieder in Bewegung. An feisten beiden Flanken hing ein halbes Dutzend behelssmäßiger Kränze. Den aus Latschenzweigen mit einigen halb erblühten Alpenrosen hatte Pcrlinger noch in der Nacht selbst von der Hirzegeralm hcrab- geholt. E4 stand mit den beiden Herren aus Wien und vem alten Baron dabei, als der Sarg hineingeschoben wurde; auch das gesamte Dienstpersonal war anwesend. Der junge Baron kam drei Minuten zu spät. Die übrigen fehlten überhaupt; vermutlich wußten sie gar nichts davon. Und dann ging Per- linger reihum, gab jedem die Hand und sagte sein Abschieds­sprüchlein dankte dem alten Baron und sagte dem jungen ein paar Glückwunschworte, die mit einem undeutlichen Murmeln erwidert wurden. Und dann war auch das überstanden, und jetzt konnte er wirklich gehen endlich gehen . . .

Aber als er'eine Viertelstunde später, gerüstet und bepackt, die Treppe herabkam, stand da Meunier, frisch gebadet und rasiert, und streckte ihm die Hand entgegen.Aber, verehrter Herr Doktor was sind das sür Anstalten? So leicht kommen Sie nicht fort. Nein, im Ernst: Ich habe dringend mit Ihnen zu sprechen. Eine halbe Stunde müssen Sie mir schon opfern!"

Perlinger biß sich auf die Lippen. Das war ja wie verhext! Kam er denn aus dieser verdammten Bude überhaupt nicht mehr hinaus?

BitteI" knurrte er und knallte seinen Koffer auf den Fußboden.Obwohl diese Unterredung bestimmt gänzlich zwecklos ist, wie ich Ihnen im voraus versichern kann."

Erfolglos möglicherweise ja, zwecklos bestimmt nicht", lächelte Meunier verbindlich zurück.Vielleicht nehmen wir das Frühstückszimmer? Zu dieser Zeit sind wir dort am unge­störtesten."

Die Annahme erwies sich als richtig.

Die beiden Herren saßen sich gegenüber.

Bitte!" sagte Perlinger..Ich möchte nur, um die Sache abzukürzen und zu vereinfachen, im voraus betonen, daß mein Standpunkt-"

-sich nicht geändert hat? Das ist mir bekannt, ver­

ehrter Herr Doktor! Ihnen aber dürste vielleicht unbekannt sein, daß inzwischen einige Umstände einige sehr wesentliche Umstände eine grundlegende Aenderung erfahren haben."

Pcrlinger hob den Blick von seinen feuchten Genagelten; der Ton siel ihm auf.Was sür Umstände?" fragte er kurz.

Sie werden sich vielleicht erinnern, daß ich Ihnen zum Schluß unserer letzten Unterredung den Borhalt machte, daß Ihr Bcrsahren keineswegs als gesichert gelten könne, da dafür noch keinerlei patentrechtliä)e Garantien bestünden? Worauf Sie mir erwiderten, es werde Ihre nächste Sorge sein, dieses äh dieses Versäumnis nachznholen . . ."

Sehr richtig! Ich bin eben im Begriff und habe deshalb auch ziemliche Eile."

Ateunicr knipste die Asche-von seiner Zigarette.Sc-Hr ver­nünftig! Aber ich fürchte, Sic werden trotz aller Eile zu spät komiuen. Ich denke. Sie können sich die Mühe ersparen."

Verflucht, das war stark! Perlinger fühlte, wie ihm ein würgender Krampf der Erbitterung plötzlich die Kehle zusam­menschnürte. Diese Kerle wagten es also, ihm -offen ins Ge­sicht -? Aber nein, den Gcsallcn tat er ihnen nichtl Er

schob die Sturmlocke zurück.

Bitte! Ich sehe Ihren Eröffnungen mit dem gebührenden Interesse entgegen."

Herr Meunier verbeugte sich in eisiger Höflichkeit.Sehr liebenswürdig! Der eine Umstand ist, daß uns die Patent­schrift Ihrer Erfindung -vor einigen Tagen von dritter Seite zum Kauf angeboten wurde. Ich nehme übrigens an, daß der Vorfall bereits zu Ihrer Kenntnis gelangte, und cs dürste sich daher auch erübrigen, darübet zu spreclien, welche Person uns dieses Angebot gestellt hat. Wir haben es selbstverständ­lich abgelehnt . . . Wir hatten es auch abgelehnt, wenn uns nicht bereits der andere viel Ivcsentlichere Tatbestand Vor­gelegen hätte, nämlich der , daß soeben die wichtigsten euro­päischen Patente sür ein Vcrsahren zur Herstellung eines ähn­lichen Werkstoffs zur Anmeldung gebrächt worden sind: sür ein Verfahren, das nach unseren Feststellungen dem Ihren durchaus analog und gleichwertig ist wenigstens, was die Ergebnisse anbclangt. Daß man uns diese Patente bereits an­geboten hat, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Ich finde darin wieder einmal einen drastisckien Beweis der cntsclzeiden- den Macht des Zufalls; wobei es allerdings überaus bedauer­lich sein mag, daß Seine Majestät der Zufall sich diesmal Ihren Belangen so feindselig zeigte."

Perlinger zwang den Blick wieder auf die Genagelten. Was war das? Log der Kerl so unverschämt? Oder war das wirk­lich wahr? Wenn er log, dann hatte sich die Lage ja in nichts verändert, und er konnte ruhig in seinen Stollen gehen. War es aber wahr, dann hatte er hier erst recht nichts mehr zu suchen. Es" war wirklich gleichgültig, und cS blieb dabei: Schluß! Fort!Besten Dank sür Ihre bedeutsamen Mit­teilungen! Sie haben durchaus recht damit, daß sich die Lage sür Sie geändert überaus günstig geändert hat. Meine Glückwünsche! Für mich ist sie die gleiche geblieben. Und ich meine, mit dieser Feststellung könnten wir unsere Unter­redung beenden?"

Keinesfalls, Herr Doktor Perlinger! Keinesfalls! Sie be­ginnt erst damit. Die Situation ist sür uns einfach die, daß wir zwischen zwei Möglichkeiten zu wählen haben. Ich möchte der ersteren nämlich der Lösung Perlinger aus ver­schiedenen Gründen, nicht nur aus solchen der Priorität, den Borzug geben. Und bei ruhiger Nebcrlcgung werden Sie zu­geben müssen, daß es auch von Ihrem Standpunkt aus das einzige Vernünftige wäre, diese loyal gereichte Hand nicht aus- zuschlagen. Denn schließlich und endlich haben Sie nichts zu gewinnen und alles zu verlieren. Ich darf wohl annehmen, daß ein Mann wie Sie in der Lage ist, sich von allen Senti­ments und Ressentiments frei zu machen und das zu tun, was logisch und vernünftig erscheint, wenn er sein Lcbenswerk in Frage gestellt sieht?"

Perlinger erhob sich langsam.Herr Direktor: Ich will mich nicht näher auf die Frage einlassen, ob Sie mit ossenen Kar­ten spielen oder Spiegelfechterei betreiben. Ich habe in solchen geschäftlichen Dingen zu wenig Erfahrung, um zu wissen, wie weit man darin ehrenhaft sein kann oder muß. Aber ich will glauben und glaube es beinahe, daß Sie die Wahrheit gesprochen haben. Aus jeden Fall, ich sage sie Ihnen: Ich will mit Ihnen nichts zu tun haben ich gehe in meinen Stollen! Btan wird ja sehen. Wer das Bessere hat, wird sich durchsetzen. Wenn es der andere ist, dann werde ich die Flagge streichen. Früher nicht."'

Meunier stieß die Zigarette in die Aschcnschale.

Wie Sie- wollen ... Da Sie mich in eine Zwangslage versetzen, werden Sie allerdings nicht berechtigt sein, mir' später Vorwürfe zu machen."

Perlinger stand schon an der Tür.Der einzige Vorwurf, den ich erhebe, ist, daß Sie mich eine Viertelstunde lang aus­gehalten haben. Empfehlen Sie mich, bitte, noch Fräcilein Eve- line und Herrn Tenhuhsen! Ich habe mich bereits schriftlich von ihnen verabschiedet. Guten Morgen!"

Der alte Baron Riedel kommt aus der Haustür, 'rollt sich vergnüglich lääzelnd über den Hof und pfeift das schöne Lstd Almrausch und Edelweiß". Schließlich: Es ist ja noch alles gut abgelausen, trotz des traurigen Zwisäzenfalls mit diesem armen Teufel von Stielig. Jn Zukunst ist daS alles nicht mehr nötig; die vermaledeite Pension kann sich auflösen. Der Sepp hat seine Automatenbüfettprinzessin, blitzsauber ist sie auch noch dazu, und der Hof und die Montasoner Kühe und alles andere sind gerettet. Und wenn-

Teufel, Teufel: Da ist ja die Weber,

Anthoni der Klinkenputzer

Herr Eden reist durchs Morgenland, den Geldsack in der rechten Hand, die Knute in der Linken, um nach Bedarf zu winken.

Da hält er nun als Diplomat und kleiner Casanova Staat , und macht im Oriente sehr smarte Komplimente. v

Man merkt, wie's um den Briten steht, wenn Anthon höflich bitten geht Drum wird er ohne Nutzen da unten Klinken putzen.

Vermutlich sitzt der Mann am Schluß dann doch im falschen Omnibus, verstört und sozusagen im Frack und ohne Kragen.

Jupp Flederwisch

......

Um die Ecke der Toreinfahrt kommt sie eben herum, steuert chn sofort an.Guten Morgen, Herr Baron! Hoffentlich sind L-,e mir nicht böse, daß ich mich vor acht Tagen nur schriftlich be-u-rbaubl habe und'so plötzlich verschwand? Es waren - wivk- Uch sehr triftige, unaufschiebbare Gründe, und ich wollte un­bedingt noch den Abendzug erreichen; sonst hätte ich einen ganzen Tag verloren ..."

.»Aber. Webcrl, Lotterl, Hausgeister ich bin nicht bös! Etwas hm ungewöhnlich warija die Sache aber Sie wlsien za: Bei mir haben Sie einen Stein im Brett. Ich bin "'cht bos o nein! Es ist nur die Frage, ob mein Sohn? Es hat sich hier nämlich einiges verändert, Kinderl!"

Ob Ihr Sohn-?"

..3: Der ist jetzt hier Herr sozusagen Herr ... Ich Hab' chm die ganze Pastete übergeben. Er hat sich nämlich mit dem Fraulein Prenck verlobt, der Sepp. In sechs Wochen ist die Hochzeit."

Herzlichste Glückwünsche! Also endlich doch? Ich freue mich sehr hauptsächlich für Sie, Herr Baron!"

Na, ob gerade Sie besondere Ursache zur Freude haben?"

Oh, ich habe allerhand Gründe, vergnügt zu sein . .

Um so besser! Wir haben nämlich hier leider auch etwas recht Trauriges zu verzeichnen. Der Herr Stielig ist gestor­ben. Wenn Sw ein Stündchen ftüher gekommen wären, hätten Sie den Leichenwagen noch sehen können. Er wird nach Wien ubergeführt." (Fortsetzung folgt.)