Ausgabe 
(18.10.1940) Nr. 287
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der Nationalsozialisten Vremens

flmlliches verkündungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und vremen

Nr. 28 ? / 10 . Jahrgang

Zreitag, 18 . Oktober 1 S 48

kinzeipreis 13 Npf.

Kummer um den lrafalgar Sguare

das durch lhurchill heraufbeschworene Vernichtungswerk nimmt seinen Fortgang

Zwischen vluff und Zynismus

Ne §chreckensnacht in London / Nachrichtensperre für unbequeme Nugenzeugen

m.

.erlitt, 17. Oktober.

Das durch Churchill leichtfertig heraufbeschworene Vernichtungswerk an der britischen Haupt­stadt wurde auch in der Nacht vom Donnerstag durch die deutsche Luftwaffe fortgesetzt. Die unermeßlichen Schade« veranlassen die britische Regierung, wieder einmal zu der sattsam be. kannten Beschönigungsaktion überzugehen.

" früheren Berheitzungen, daß die deutschen Angriffe gelahmt werden können, sind zusammengebrochen. Die Lon­doner erleben die fürchterlichsten Tage und Rächte, die iibrr- dvutz», menschlich« Phantasie sich auszudenken vermag. Die amtliche englische Berichterstattung schwankt mehr denn je zwischen Bluff und Zynismus, aber sie verrät die zunehmende Desorganisation, so bah immerhin zwischendurch Einzelheiten zugegeben werden, die Rückschlüsse auf die Verheerungen im ganzen Bereich der Riesenstadt zulassen.

Wenn auch im Augenblick nicht mehr die Rede ist von der unüberwindlichen Feuersperre", so heißt es doch in den Berichten, daß trotz der Heftigkeit der deutschen Angriffe „,m großen und ganzen" alles in der Riesenstadt weiter, «m Gang geblieben sei. Sicherlich will England damir sagen, daß auch weiterhin Aufräumungsarbeiten an die Stelle der früheren gigantischen Handels- und Industrie- tätigkeit der Millionenstadt gerückt sind. Reuter gibt an­gesichts der zerstampfenden Massen der Docks und Speicher­gebäude immerhin einige Teilschäden zu. Man hab« in vielen der abseits liegenden Bezirke der Stadt alte und neue Bombenschäden „in gewisser Ausdehnung" bemerken können.

Trotzdem beispielsweise dem schwedischen Journalisten die Durchgabe von wahrheitsgetreuen Berichten gänzlich un­möglich gemacht worden ist, so bleiben dennoch genügend andere Pressestimmen, aus deren Einzelheiten man die zu­nehmende Desorganisation Englands einigermaßen er­kennen kann. Angesichts der Tatsache, daß die deutschen Flieger ihre Bomben nicht wahllos ü.ber Wohnviertel von Arbeitern oder kleinen Villenvororten ausschütten, sondern sich auf die wirklich wichtigen Kriegswirtschafts-, Derkehrs- und Energiezentren der Stadt beschränken, ist naturgemäß infolge der Anhäufung größter und wichtigster Gebäude die Zerstörung gewisser Viertel besonders weit fortgeschritten. So weiß „Svenska Dagbladet" zu bestätigen, daß es in der Umgebung der Ministerien und des Londoner Verwaltungs­zentrums fürchterlich aussieht.

Besonders wird wieder der Trafalgar Square erwähnt, der ja nicht nur als einer der wichtigsten Straßcnknotenpunkte, sondern auch als Kreuzung wichtigster Verkehrslinien, als Drehscheibe zwischen Regierungs- und Gcschiiftsviertel eine be­sondere Bedeutung hat. Der Londoner Vertreter des „Svenska Dagbladet" sagt, hier sei das Vernichtungswerk besonders groß. Ganze Bürogebäude, — die dort stehenden Gebäude sind von besonderem Umfang, sehr modern und von wichtigen Behörden besetzt, zahlreichen Kriegsorganisationen, den Ver­tretern der Dominions usw. — seien einfach vom Erdboden rasiert. Alle Fenster in den umliegenden großen Geschäften und Kinos seien zerstört. Noch zwölf Stunden nach dem An­griff sei es nicht möglich gewesen, auch nur einigermaßen der Masse von Glasschutt Herr zu werden.

Weiterhin weiß der schwedische Beobachter von einem schweren Speicherbrand zu berichten. Die ganze Millionen­stadt sei von Bränden übersät gewesen. Als Kom­mentar zu der Wirksamkeit der deutschen Angriffe kann ein in der schwedischen Presse veröffentlichtes Bild gelten, welches das Innere des Londoner Stadthauses mit dem Be- gleittext zeigt: „Deutsche Bomben richteten große Verwü­stungen an, als sie während eines Nachtangriffs das Lon­doner Stadthaus trafen." Man sieht buchstäblich nur noch einen einzigen wüsten Hansen von Trümmern. „Dagcns Nhhtter" nennt die in London . angerichteten Schäden a st r o n o m i s ch. „Nha Daglight Allchanda" unter­streicht die Intensität der deutschen Angriffe und betont, daß große Mengen Brand- und Erplosivbomben abgeworfen wur­den. Es seien mehrere große Feucrsbrünste entstanden.

Stuka vernichtet feindliches U-Voot

Berlin, 17. Oktober.

Ein deutscher Nahaufklürer. der in geringer Höhe die Kanalküste zu sichern hatte, sichtete Donnerstag nach­mittag ein feindliches U-Voot und meldete dies sofort an seinen Eeschwaderstab. Daraufhin startete mne Kette deutscher Sturzkampfflugzeuge zum Angriff. Ein Flugzeug traf das Boot. das dicht unter Wasser fuhr, unmittelbar. Es erfolgte eine große Explosion unter Wasser, durch die Wrackteile hoch über Wasser geschleu­dert wurden. Danach war von dem Boot nichts mehr zu sehen. Es bildete sich jedoch ein großer Oelfleck aus der Oberfläche.

„Göteborgs Handels- und Schisfahrtszeitung' Zerstörung.eines Sägewerks sowie die einer !

meldet u. a. die

Hnes Sägewerks sowie die einer Konfektionssabrik.

Am DonnrrStagnachmittag hatte, wie „Associated Expreß" meldet, London bereits den fünften Lustalarm des Tages. Um die Bevölkerung zu beruhigen, hat die Regierung bekanntge­geben, daß sie trotz der letzten schweren Bombardierungen (I) nicht die Absicht habe, die Hauptstadt zu verlassen.

Daß die gegenwärtigen Angriffe nur der Anfang des Straf­gerichtes über England sind, hat auch Gesundheitsminister MacDonald gemerkt. Vor dem Unterhaus erklärte der Minister nämlich, daß zurzeit „NM" 5500 Betten in den Krankenhäu­sern vone.Opfern der Luftangriffe belegt seien. „Es würde eine Dummheit sein," so sagte MacDonald, „sich einzubilden, daß wir nicht schlimmeres als dies erleiden werden. Wir müs­sen", so meint er kaltschnäuzig, „noch Betten frei hat ten, um eine weit größere Zahl von Opfern aufnehmen zu können."

Wie verheerend die Wirkung der deutschen Bomben in Lon­don sein muß, geht aus der Tatsache hervor, daß das britisch« Jnsormationsministerium jetzt ein Verbot für die Absendung von Pressetelegrammen über die deutschen Lnstangriss« ins Ausland erlassen hat.

Die Heimlichtuerei des englischen Lustsahrtministeriums ist selbst der „Times" zuviel. Das Blatt wendet sich erneut gegen die verkehrte Agitationspraxis. Es sei nicht angängig, nach schwersten Bombenangrissen zu schreiben, daß die Bom­bardierung „von etwas geringerem Umsang als in der vor­hergehenden Nacht" gewesen sei, wenn die Londoner am Morgen aus dem Keller kommen und die neuen verheerenden Schäden sehen. Die „Times" enthüllt weiter, daß die Ge­rüchte in der Londoner Provinz über die Bombenschäden in London sicherlich schlimmer seien als man ahne. Selbst in einem Londoner Bezirk wisse man nicht, was sich eigentlich in einem anderen abgespielt habe.

Der „Daily Herold bestätigt dies in vollem Umsang. Das Labourblatt sagt: „Aus der einen Seite hören und lesen die Leute in den englischen Landstädten die offiziellen Nachrichten über die London-Bombardements, und auf der anderen Seite hören sie die Schilderungen der Evakuierten, woraus sie den Eindruck gewinnen müssen, daß die Schäden in Wirklichkeit viel größer sind" — was ja auch hinreichend zutressen dürste. Es ist durchaus einleuchtend, daß die Zweifel an der amt­lichen Berichterstattung nicht zuletzt durch die zahllosen Be­richte von Augenzeugen über ganz England verbreitet werden, die In der Tat besser wissen, wie es in London aussieht, als es den Herren Duss Cooper oder Churchill lieb ist.

Neutrale schwedische Beobachter in London gehen über die zahme Kritik der „Times" und des „Daily Herold" noch hinaus. Der Londoner Vertreter der Stockholmer „Nya Dagligt Allehanda" versieht sein Telegramm mit der Ueber- schrift „Geriichtesicber herrscht unter den Engländern nnd

(Fortsetzung aus Seite S)

VersellimgsangrW größeren Umfanges

feindliche Kriegsfakrieuge an der Iranzösischen Küste rum stbdreken serwungen

U-Voot versenkte 21 00S VM.

Berlin, 17. Oktober.

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

„Die Luftwaffe setzte trotz ungünstiger Wetterlage ihre Angriffe aus London und andere kriegswichtige Ziele Mittel- und Südenglands fort. Besonderen Er­folg hatte der Bombenwurf auf einen Flugplatz süd­lich Liverpool. In einem Rüstungswerk Mittelenglands gelang es, mehrere Hallen und Werkstätten durch schwere Bomben in Brand zu sehen. /

Mit einbrechender Dunkelheit nahmen die Vergel- tungsangrisfe auf die englische Hauptstadt wieder größeren Umsang an. Bomben aller Kaliber wurden bis zum Tagesanbruch auf kriegswichtige Ziele zu bei­den Seiten der Themse geworfen. Die entstehenden Brände ließen die über London liegende Wolkendecke auf weite Entfernung hell aufleuchten. Weitere An­griffe richteten sich gegen Städte Mittel- und Süd­englands, wie Liverpool und Birmingham An zahlreichen Stellen vorder britischen Küste legten Flug­zeuge Minen. Am Westausgang des Kanals wurden wiederum einige feindliche Kriegsfahrzeuge, die sich der Küste zu nähern versuchten, durch das Feuer un­serer Marineartillerie zum Abdrehen gezwungen.

Ein U-Boot versenkte aus einem Geleitzug drei be­waffnete Dampser von zusammen 21 üvü VRT.» dar­unter einen Tanker von Ill vvü BRT.

Britische Flugzeuge warfen in der Nacht zum 17. Ok­tober im Reichsgebiet Bomben, ohne militärischen Scha­den anzurichten. Dagegen wurden erneut in verschie­denen Städten Wohnviertel getroffen, wobei u. a. in Kiel eine Anzahl Häuser beschädigt wurde.

Ein britisches Flugzeug wurde in der letzten Nacht schon vor Erreichen der Reichsgrenze durch die Abwehr zum Absturz gebracht, ein weiteres Flugzeug im Luft­kampf abgeschossen. Marineartillerie schoß ein drittes feindliches Flugzeug ab. Zwei eigene Flugzeuge werden vermißt."

*

Wie bereits im LKW.-Bericht gemeldet, hat die britische Luftwaffe in der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober wiederum nichtmilitärische Ziele ihres früheren französischen Bundes­genossen angegriffen. Auch Holland hatte unter den Bom­benangriffen der britischen Flieger zu leiden. Bei den Bom­benüberfällen, die sich in der Woche vom 28. September bis 5. Oktober hauptsächlich gegen die Stadt Hartem richteten, sind insgesamt 36 niederländische Zivilpersonen getötet nnd 72 verletzt worden, davon 26 schwer. Durch die Angriffe, die sich wie üblich aus nichtmilitärische Ziele richteten, wur­den 25 Häuser zerstört und 156 Wohngebände mehr oder weniger schwer beschädigt. Außerdem sielen zehn Stück Vieh den Bomben zum Opfer.

seiger Ueberfall britischer Zerstörer

Berlin, 17. Oktober.

Vor der norwegischen Küste haben englische Zerstörer ein kleines Hilsssahrzeug der Kriegsmarine mit überlegenen Kräften angegriffen. Das deutsche Schiff ist nach tapferer Gegenwehr mit wehender Fahne untergegangen. Die eng­lischen Zerstörer haben mit Artillerie und mit Maschinen­gewehren auf die im Wasser schwimmende Besatzung weiter- geschossen. Sie haben damit einen neuen Beweis für ihre verbrecherische Kriegssührung gegen Schiffbrüchige geliefert.

Genau wie die Engländer bei Narvik aus die schiffbrüchige Mannschaft eines deutschen Zerstörers feuerten, genau wie bei dem Ucbersall auf die „Altmark", wo sie die sich über das Eis rettenden Seeleute beschossen, so haben sie auch in diesem Falle allen Gesetzen der Humanität und der internationalen Vereinbarung zum Trotz hilslose Schissbrüchige beschossen.

Diese britische Methode ist nun schon so ost angewendet wor­den, daß in ihr System liegen muß. Daß die eingetretenen Verluste nur gering waren, ist lediglich daraus zurückzusüh- ren, daß die britischen Zerstörer sich nach ihrer Heldentat schleunigst zurückzogen. Die lleberlebcnden konnten von den deutschen Fahrzeugen gerettet werden.

Neuer englischer Mebstakl

Newyork. 17. Oktober

Es wurde berichtet, daß Großbritannien zwei norwegische Dampfer übernommen hat, die sich zur Zeit im Hasen von Newhork befinden. Es handelt sich um den Dampfer „Oslo- sjord", 18 673 BRT-, Norwegens größtes und luxuriösestes Schiff, das erst vor kurzer Zeit in Dienst gestellt würde, und das Schiff „Bergensjord" (II015 BRT.). Die „Oslosjord" wurde seinerzeit in Bremen gebaut.

Numöniens krdöl - kngland entzogen

wlrtschaftsneuordnung in Numömen — MaWnenlieferanr Deutschland — knglands „Nache"

INÜ. Bukarest, 17. Oktober.

Die dolitiicken Veränderungen in Rumänien sind natürlich nichi ohne tiZehlnden Einfluß aus die Wirtschaftsstruktur des Landes geblieben, und in erster Linie ,st davon die rumä­nische Erdölindustrie betroffen worden. Die neue Regierung des national-legionären Staates ist, w,e man an zuständiger Stelle versichert, entschlossen den gesamtcn FragenkomPlex. der die rumänische Erdölindustrie schon seit längerer Zeit be­lastet. binnen kurzem zu lösen.

Schon die Einsetzung von Staatskommissaren bei den aus­ländischen Gesellschaften hat erste befriedigende Erfolge geze - tigt. Der künstliche Produktionsrückgang, der von d„, engli­schen und amerikanischen Gesellschaften aus politckchen Grün­den durchgeführt wurde und bereits bedrohliche '^men m - genommen hatte. ,st seit der Einsetzung der Komm. sar m rk- lich abgestoppt worden. Einschneidend für die Ncual,sr,ch ,'g der rumänischen Erdölindustrie ist natürlich die Ausschaltung

des englischen, amerikanischen und französischen Einflusses

^Die durch den Kriegseintritt Italiens hervorgerufene Mittel­meersperre hatte zur Folge, daß England gleichzeitig als Lieserant von Bohrgeräten und als Erdölabnehmer aus­geschaltet wurde. Die rumänische Erdölindustrie mußte sich stach einem neuen Lieferanten sür die maschinellen Einrich­tungen umsehen, den sie in der deutschen Industrie iand. Andererseits ist natürlich Deutschland der geeignete Abnehmer des Ueberschusses an rumänischem Erdöl, wobei die rumäni- sck)en Erportenre den Vorteil haben, aus dem Weg des Ver­rechnungsverkehrs sofortige Bezahlung sür ihre Lieferungen zu erhalten.

Die englische Ankündigung, die Handelsbeziehungen zu Rumänien abzubrechen, ist in Bukarest mit völliger Ruhe aufgenommen worden. Man erklärt in den rumänischen poli­tischen Kreisen, daß es sich um eine Geste ohne jede Bedeu­tung handelt, denn man wisse nicht, auf welchem Wege die

Briten gegenwärtig überhaupt noch, selbst wenn sie es woll­ten, Handel treiben könnten. Man gibt daher der Ansicht Ausdruck, daß, wenn London dergleichen Maßnahmen als Drohung ausgedacht hat, diese Drohung reichlich albern ist. Im Besitz der deutsch-italienischen Garantie und der Freund­schaft der Achsenmächte kann Rumänien jedenfalls, so erklärt man in Bukarest, aus die angebliche englische Freundschaft ohne weiteres verzichten, und man tut dies um so leichteren Herzens, — als man mit dieser englischen „Freundschaft" in der letzten Zeit die übelsten Erfahrungen gemacht hat.

Das gleiche gilt auch von der englischen Drohung, mög­licherweise die diplomatischen Beziehungen zu Rumänien ab­zubrechen. Bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge sind das leere Phrasen, und falls die Engländer doch etwa die Absicht haben sollten, irgendwelche feindseligen Handlungen gegen­über Rumänien zu begehen, so suhlt man sich hier im Schutz der deutsch-italienischen Garantie sicher genug, um auch einer solchen Herausforderung kaltblütig entgegenzusehen.

W rlse Lütie

Rck. Berlin, 17. Oktober

Seit der Nacht zum Mittwoch sind die Schläge der deutschen Luftwaffe gegen die britische Hauptstadt schnel­ler und heftiger geworden. Niemals waren die Lon­doner Zensnrstellen gezwungen, mit dieser Schärfe die Nachrichten zu unterdrücken, die die Vertreter neutraler Zeitungen täglich in die Welt kabeln. Denn in dieser Nacht waren die Verheerungen überall von derartigen Ausmaßen, daß man es sich einfach nicht mehr leisten kann, die ganze Wahrheit oder doch nur den bisher noch zugelassenen Bruchteil von Wahrheiten passieren zu lassen. Nicht umsonst hat man maßgebenden schwedischen Korrespondenten einfach den Mund verboten.

Während hier an der zentralen Front des Empire die Lage zusehends kritischer wird, melden auch die übrigen Defensivpositionen Englands in der Welt einen ver­schärften Druck der gegnerischen Streitkräfte. So war es nötig, den Kriegsminister Anthony Eden eilends nach Aegypten zu schicken, um dort im britischen Hauptquar­tier die Situation zu besprechen. Schon als Eden das letzte Mal nach Kairo geflogen war, hatte sich nachher herausgestellt, daß die innere Entwicklung Aegyptens eine solche Reise notwendig gemacht hatte. Auch heute wird der Grund kein anderer sein, wenn man auch viel­leicht in der Verstärkung der in Aegypten stationierten Streitkräfte durch Truppen aus dem Empire einen An­laß vortäuschen wird. Tatsächlich hat das Geheimabkom­men zwischen König Faruk und dem Beherrscher Ara­biens, Jbn Sand, Perspektiven eröffnet, die bedrohlich genug erscheinen. Bis nach Syrien und Jerusalem, bis in den Irak und den deinen strahlt die panarabische Gä­rung, die in Jbn Sand ihr Energiezentrum hat. Deut­lich genug sprechen auch die Unruhen in Tel Aviv und Jaffa und die Ausweisung englischer Firmen aus Dschidda sür die wachsende Bedrohung der britischen Position im Nahen Osten.

Nimmt man hinzu, daß auch im Fernen Osten die Entwicklung ihren zwangsläufigen Gang nimmt, ohne daß die Wiedereröffnung der Burma-Route, deren Be­deutung ja durch die Ablehnung der neuen, für Tschiang- kaischek vorgesehenen Kredite durch das Londoner Schatz­amt und die Aufbringung zweier amerikanischer Waffen- transport-Dampfer noch gemindert wird — etwas daran ändern kann, so wird klar, daß überall dort, wo bri­tische Bajonette die Positionen des Empire zu schützen haben, Englands Aussichten bedenklich schrumpfen.

Aber diese Verschlechterung beschränkt sich keineswegs auf das Gebiet des Militärischen, sondern hat längst auf das diplomatische, das innenpolitische, das finanzpoli­tische Feld übergegriffen. So konnte auch die Sitzung des Unterhauses, in der Schatzkanzler Sir Kingsley Wood den knapp 80 anwesenden Abgeordneten die For­derung nach einer weiteren Milliarde Pfund Sterling vorlegte, nur zu einem Gradmesser der britischen Misere werden.

Wenn das englische Volk heute Tag für Tag neun Millionen Pfund aufbringen muß, um den.Krieg zu finanzieren, so ist mit dieser Belastung noch keinesfalls das Höchstmaß erreicht. Schon jetzt hat das Schatzamt angekündigt, daß die neue Milliarde keinesfalls bis zum 31. März, dem Ende des Finanzjahres, ausreichen wird und daß man das Parlament schon im Februar oder März um neue Bewilligungen werde bitten müssen. Nur so ist es möglich — und noch nicht einmal wahr­scheinlich, wie Kingsley Wood sagte — eine Inflation, wenn nicht zu vermeiden, so doch hinauszuschieben.

Während diese neuen Steuern den von den Schrecken des Luftkrieges betroffenen Einwohnern Londons auf­geknackt werden, gehen die Preise für die Wicderbeschaf- fung verlorener Möbel und Einrichtungsgegenstände in­folge der neuen Umsatzsteuer in die Höhe, noch ehe die Obdachlosen Gelegenheit haben, ihre Verluste einiger­maßen zu ersetzen. Aber diese katastrophale Lage ist nicht auf das Schatzamt und sein Sachgebiet beschränkt. Auch der britische Ernährungsminister, Lord Woolton, konnte nicht umhin — im Laufe einer Frllhstücksrede — zu be­tonen, daß die britische Versorgungslage keinesfalls der­art sei, daß man sich einem leichtfertigen Optimismus hingeben könne. Daran ändert auch nichts der köstliche

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Unser LasesspLoFsL

Aus kriegswichtige Ziele in London, Mittel- und Süd­england wurden wieder Vcrgeltungsangrisse größeren Umfanges mit Bomben aller Kaliber unternommen. Ein englischer Kurzwellensender wurde von einer deut­schen Fliegerbombe zerstört, während ein Stuka ein feind­liches U-Boot vernichtete.

Die italienische Luftwaffe bombardierte mit großem Er­folg feindliche Flugplätze in Nord- und Ostasrita, elf englische Flugzeuge wurden am Boden zerstört.

Minister Farinacci forderte sür Italien ein Nassengrnnd- gesctz.

Scrrano Snner wurde zum spanischen Außenminister ernannt.

Aus Gibraltar wurden wieder Bomben geworfen.

König Faruk empfing den englischen Kriegsminister Eden.

England beabsichtigt, neben der Wiedereröffnung der Burma-Straße auch die Hongkong-Straße wieder zu eröffnen.

Der Reichsjugendsiihrcr erließ einen Tagesbefehl zur Be­rufserklärung der vor der Schulentlassung stehenden Jugend.

Die Wiedercrstattungsmaßnahmen bei Fliegerschäden wurden erweitert.

Mit dem Ausbau der großen Beuteausstcllung zur 2. Reichsstratzcnsammlung des Kricgs-WHW. wurde begonnen.