Ausgabe 
(15.10.1940) Nr. 284
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parteiamtliche Tageszeitung

. Pos pmisdian des Negierenden viirgermeifters der jreien ganiestadl vremen

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der Nationalsozialisten Vremens

flmtliches verkünüungsblati des Neichsstatt»ialters in Oldenburg und vremen

.Nr. 284 / 10. Jahrgang

Dienstag, 13. Oktober 1S48

Einzelpreis 13 Npf.

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^wader dezimiert

deutsche vomber unbeirrt / VrMsche Abwehr wirkungslos / wieder schwere Nachtangriffe

Verlegung -es fluswäriigen flmles 1

Ven diplomatischen Vertretungen wird der Voden zu lzeih

m. Berlin, 14. Oktober

Bomben fielen in nicht weniger als 38 Bezirke Londons"Wohn- und Handelshäuser sowie Industrieanlagen haben Volltreffer erhalten"Beträchtlicher Schaden im Gebiet des Mersey man sollte es kaum für möglich halten, es find Aeußerungen, die der britische Nach­richtendienst über die deutschen Angriffe in der Nacht zum Montag von sich gab. Die täglich gegen die britische Hauptstadt rollenden deutschen Bergeltungsangriffe haben also doch so große Ver­heerungen in London verursacht, daß man wenigstens gewisse Einzelheiten zugeben muh, auch wenn sie noch so schlecht in Einklang zu bringen sind mit der von Churchill befohlenen Jllusions- kampagne.

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Trotz der gegenteiligen Versicherung amtlicher Stellen in London stelltTokio Asahi Schimbun" erneut fest, »atz die Wirkung der ununterbrochenen deutschen Bombenangriffe immer verheerendere Ausmaße annehme.

Bei dem rollenden Einsatz deutscher Flugzeugwellen, die täglich neuen Schaden anrichteten, sei es selbst durch die Tausende sogenannter Hilfspioniere, die mit Kraftwagen­kränen versuchten, die Trümmerfelder zu beseitigen, nicht möglich, das verstümmelte Stadtbild zu verbessern. Pro­fessoren und Architekten, so berichtet das Tokioter Blatt, entwürfen darum bereits Pläne für einen vollständigen Neuaufbau eines bis Kriegsende eventuell völlig in Schutt und Asche gelegten Londons.

Da bei den dauernden Bombardements eine geregelte Ab­wicklung ihrer Geschäfte nicht mehr möglich ist, haben die diplomatischen Vertreter der britischen Regierung wiederholt nahegelegt, wenigstens das AuswärtigeAmtvon Lon­don wegzuderlegen, damit auch die auswärtigen Missionen ihren Aufenthaltsort wechseln könnten. Schon jetzt, so melden neutrale Berichterstatter, sähen sich verschiedene diplomatische Vertreter gezwungen, ihre Abende und Nächte in der Umge­bung Londons zu verbringen und die Hauptstadt nur zur Abwicklung der notwendigsten Geschäfte zu betreten.

Große Sorge macht der englischen Regierung nach einem in Newyork vorliegenden neutralen Bericht aus London die wachsende Ausdehung der Brände. Zwar wurden in der letzten Zeit sämtliche Feuerwehrleute auf dringendes Verlangen des Ministeriums für innere Sicherheit von der Wehrmacht freigestellt und in London eingesetzt. Aber ihre Zahl reichte in der vergangenen Woche nicht mehr aus, um die Brände auch nur einigermaßen auf ihren Herd zu be­schränken, obwohl die Feuerwehrleute mit letzter Einsatzkrast arbeiteten. Ganze Straßenzüge, so heißt es in dem Bericht, sind in der englischen Hauptstadt dem Feuer zum Opfer gefallen. Diese Brände hätten mindestens ebenso viel cchäden angerich­tet wie die deutschen Bombenabwürfe selbst.

Daß es kriegswichtige Anlagen sind, die von den deut­schen Bombern zum Ziel ausgesucht werden, wird jetzt wie­der einmal auch amtucherseits zugegeben. Aus einem Früh­stück der Handelskammer in Lincoln entschlüpfte nämlich

Ver siikrer empfing Mccardi

Berlin, 14. Oktober.

Der Führer empfing am Montagmittag in der Neuen Reichskanzlei den Königlich-Italienischen Autzenhandelsmin,- ster Rasfaello Riccardi in Gegenwart des Reichswirtschasts-, ministers Funk. Eine Abteilung der ii-Leibstandarte erwies bei der An- und Abfahrt die militärischen Ehrenbezeigungen.

Der Königlich-Italienische Handelsminister Riccardi war am Sonntagmittag mit den Herren seiner Begleitung Gast des Reichswirtschaftsministers Funk in seinem Haus am Wann- see. Gleichfalls anwesend waren die Gattin des zur Zeit erkrankten italienischen Botschafters Exzellenz Alsieri, der italienische Geschäftsträger Zamboni. der italienische General­konsul Renzetti, Handelsattache Notarangeli, und von deut­scher Seite Reichsorganisationsleiter Dr. Leh, Reichsminister Dr. Lammers, Staatsminister Dr. Meißner, die Staats­sekretäre von Weizsäcker und Dr. Landfried, Gesandter Clo- dius, Dr. Friedrich Flick und Dr. Otto Chr. Fischer mit ihren Damen. Am Abend nahmen, die italienischen Gäste an einer festlichen Ausführung im Teutschen Opernhaus teil.

Sir Cecil Weir, dem Mitglied des Exportrates des Handels­amtes, das bezeichnende Geständnis, daß er bei einer Rund­fahrt durch die britische Hauptstadt verschiedene zerstörte Fabriken besichtigte, von denen einige nicht weniger als achtmal von Bomben verschiedenster Stärke getroffen worden seien.

Zwar versucht Churchill krampfhaft entgegen der eigenen besseren Einsicht die Bevölkerung mit derwachsenden Stärke" der englischen Luftwaffe über die täglichen Zer­störungen zu trösten und ihr Mut zu machen, weiter« Schläge auszuhalten. In Wirklichkeit wird die Abwehr­kraft englischer Jagdgeschwader von Tag zu Tag schwä­cher. So berichtet die schwedische ZeitungAstonbladet" in einem Eigenbericht aus London, daß bei den heftigen Angriffen am Sonntag nur ein einzelner englischer Spit-

sire-JSgerwie ein einsamer silberner kleiner Vogel" den deutschen Geschwadern, die in immer neuen Wellen über London erschienen, entgegcngeslogen sei.

Ein Londoner Eigenbericht des StockholmerAstonbladet" besagt, daß in der Nacht zum Montag das Abwehrfeuer be­sonders heftig gewesen sei. Das ist das einzige, was der neutrale Beobachter über die Vorgänge bei diesen schweren Nachtangrifsen sagen darf. Der schwedische Journalist schil­dert aber sehr anschaulich LusMmpse und eine deutsche Bom- beuaktion, die sich am Sonntag über der englischen Haupt­stadt abspielten, wohlgemevkt, ohne daß die deutschen Bom­ber an der Durchführung ihrer Absichten behindert werden konnten:

Der Alarm wurde diesmal ungewöhnlich spät, erst nach dem Auftauchen feindlicher Flugzeuge gegeben. Plötzlich hörte man Abwehrfeuer mitten in Londoner Bezirken. Als das Dröhnen explodierender Bomben in der Ferne vernehmbar wurde, warf sich dieser oder jener auf den Erdboden. Die Frauen drängte man in die Schutzräume. Danach konnte man lange weiße Rauchwolken im Osten der Stadt beobach­ten, Abgase der . deutschen Bombenflugzeuge, die mit großer Geschwindigkeit auf dem Weg nach dem Zentrum der Stadt waren. Ein einsamer Spitsire-Jäger stüzte sich mitten unter die deutschen Flugzeuge. Diese setzten ihren Auslug unbeirrt und mit erhöhter Geschwindigkeit fort. Als die Jagd auf- (Fortsetzung auf Seite 2>

rag und Nacht Im rollenden einsah

Mesenbriinve in -en LonSoner dockanlagen Schwere krprofionen in Liverpool sein-liches Handelsschiff bei LaSi; von deutschem serndom ber zerstört

Berlin, 14. Oktober.

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Leichte und schwere Kampffliegerverbände setzten am Tage und in der Nacht ihre Vergeltungsangriffe auf London und ihre Angriffe auf andere kriegswichtige Ziele in Süd- und Mittelengland mit großer Wirkung fort. In rollendem Einsatz flogen Staffeln, bei Tage durch Jagdverbände geschützt, in dichter Folge, so daß zwischen den einzelnen Angriffen nur kurze Pausen ein­traten.

In London entstanden vor allem nördlich der Themse in Höhe der Victoria- und Jndiadocks durch Bombentreffer mittleren und schweren Kalibers Grotz- brände, die während der Nacht bereits von der Themse­mündung und der britischen Küste aus zu sehen waren. Nach dem Angriff auf ein Kraftwerk konnten große Stichflammen und starke Rauchentwicklung beobachtet werden.

Ein zweiter stärkerer Angriff galt den Hasenanlagen und Rüstungsbetrieben von Liverpool. Der Bom bcnwurf «ief auch hier schwere Explosionen mit nach folgenden Bränden hervor. Beim Angriff auf verschie dcne kriegswichtige Ziele in Mittel- und Siidengland wurden u. a. in zwei Truppenlagern die Unterkünfte

zerstört. In der Themsemündung führte die Besatzung eines Kampfflugzeuges einen besonders kühnen Tief­angriff aus einen stark gesicherten Eeleitzug von 18 be­waffneten Handelsschiffen durch. Da das Flugzeug leine Bomben mehr an Vord hatte, griff es mit Maschinen­gewehrfeuer an und fetzte dadurch ein Schiff am Heck in Brand.

Obwohl der Gegner mehrfach der Eesechtsberührung mit unseren Jagdfliegern auswich, lam es zu verschie­denen, für uns sehr erfolgreichen Luftkämpfen.

Im Seegebiet westlich Cadiz zerstörte ein deutscher Fernbomber ein bewaffnetes feindliches Handelsschiff von 3800 bis 4090 VNT. durch zwei Bombentreffer.

Bei Tage griff der Gegner das Reichsgebiet und die besetzten Gebiete nicht an. Zwei einzelne Aufklärungs­flugzeuge wurden schon an der französischen Küste durch Flakartillerie vertrieben. In der Nacht flog der Feind »ach Nord und Westdeutschland ein. Planlos geworfene Bomben richteten nur geringen Hiiuserfchaden an, trafen jedoch keine militärischen oder wehrwirtfchaftlichen Ziele.

Der Gegner verlor gestern insgesamt 13 Flugzeuge, davon 12 in Luftkämpsen, eines durch Flakartillerie. Ein deutsches Jagdflugzeug ist nicht zurückgekehrt."

1S. Wiederkehr -es Marsches aus lobueg

ol. München, 14. Oktober.

Bor 18 Jahren entrollte Adolf Hitler zum erstenmal außer­halb Münchens das Hakenkreuzbanner und marschierte, den roten Terror brechend, durch die Straßen Coburgs. Aus diesem Anlaß veranstaltete die SA. eine Erinnerungsseier im historischen Festsaal der Hosbräu-Gaststätten, in dem am 15. Oktober 1922 der Führer Coburgs Bevölkerung zum

Kampf für ein neues Deutschland ausgerufen hatte. Im Mit­telpunkt der Feier stand eine Ansprache von Gauleiter Wücht- ler, der den Zug des Führers hineinstellte in das welt­geschichtliche Erleben unserer Tage. Kreisleiter Oberbürger­meister Greim dankte anschließend dein Gauleiter für den Entschluß, die Coburger Erinnerungsseier sortan als gau- wichtigc Angelegenheft herauszustellen. Ein Vorbeimarsch vor dem Gauleiter aus dem Schloßplatz ließ die 18. Wiederkehr des Marsches aus Coburg machtvoll ausklingen.

-as -rutsche Volk -ankt seinen Sauern

Neichsminister 0r. Soebbels und Harre empfingen Sie kfirenabordnung des deutschen vauerntums

Berlin, 14. Oktober.

Mit berechtigtem Stolz kann das deutsche Landvolk auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Dieser Erfolg ist ihm nicht in 'den Schoß gefallen, sondern mußte schwer erkämpft werden Der Lohn für die außerordentliche Krastanstrengung war, daß das deutsche Landvolk nicht eine absinkende Kreegs- ernte, sondern eine normale, gesunde Fricdcnsernte zu ver­zeichnen hat. Das zeugt von der gesunden Kraft deutschen Bauerntums und von der Folgerichtigkeit der von Reichs­minister Darrö geführten Agrarpolitik. Das deutsche Volk weiß seinen Bauern Dank dafür, daß sie mit dieser Ernte die von England über uns verhängte Blockade illusorisch gemacht haben. Die Erzcugungsschlachten in der Vorkriegs­zeit viel bespöttelt und kritisiert von unseren Feinden, haben ehre Früchte getragen. Aber alle Maßnahmen und Be­mühungen des Staates allein hätten das nicht erreicht, wenn nicht der deutsche Bauer und die Bäuerin und das Heer der deutschen Landarbeiter mit so großem Verständnis, m,t solcher Arbeitskraft das große Wer« angepackt hatten.

Dafür dankt ihnen heute die ganze Nation, Diesen Dank entgegenzunehmen, ist eine aus fast 399 Frontbauern, Bauern und Bäuerinnen und Landarbeltern bestehende Ehrenabord- nunq des deutschen Bauerntums aus allen Gauen des Rei­ches in Berlin anwesend. Wir sehen Frontbauern aus der Saarpfalz, aus Baden, dem Rheinland, mrs dem Warthegau, Danzig, Westpreußen. Ostpreußen und schlesien, die zwischen den Bunkern des Westwalles, im Feuerbereich der französischen Artillerie oder unter dem Polenterror ihre Pflicht als Bauern taten Frontbauer ist ein neuer Begriff, den der Krieg gebo­ren hat. Der Soldat, der mit der Waste gegen den Fernd zog der die zerstörten deutschen Bauernhöfe im Osten sah, der nut dabei sein durste, wie der Bauer im Westen zwischen Beton und Stacheldraht daS Feld bebaute, der weiß. daß er Wesen

Namen zu Recht trägt. Mit den Bauern und den Landarbei­tern nehmen die kinderreichen Bäuerinnen, die mit starker HMid Haus, Hos und Acker verwalten, während der Bauer draußen an der Front mit der Waffe in der Hand als Soldat die deutsche Scholle verteidigt, an dem Empfang teil.

Nach Besichtigung der Berliner Sehenswürdigkeiten und nach einem anschließenden Rundgang durch das Reichssport- seld wurde die Banernabordnung in den Reichssportfeld-Tcr- rassen von Reichsminister DarrS empfangen. Er begrüßte jeden einzelnen der Gäste durch Handschlag und sprach dann zu seinen Bauern.

Der Minister betonte, er wünschte, jeder einzelne im deut­schen Landvolk könne hören, mit welcher Anerkennung und mit welcher Hochachtung man im Auslande von den Lei­stungen des deutschen Bauern spreche. Man frage sich dort immer wieder, loic das Wunder geschossen wurde, daß Deutsch­land nach einem Jahre Krieg eine so mustergültige Ernäh- rungswirtschast führen könne.Ich danke euch von ganzem» Herzen" so sagte Reichsminister Darr«,für das, was ihr im vergangenen Jahr an aufopferungsvoller Arbeit geleistet habt."

Reichsminister Dr. Goebbels und Reichsminister Darr« empfingen am Montagnachmittag in den Räumen des Reichspropaganda Ministeriums die Ehrenab- ordnungen des deutschen Bauerntums. Dr. Goebbels be­grüßte in den Fcsträumen seines Ministeriums, die zum ersten Male seit Beginn des Krieges ihre Tore össneten, die Männer und Frauen der Abordnungen. In einer Ansprache hieß er als Gauleiter von Berlin und im Namen der Reichs­regierung seine Gäste herzlich willkommen. Er führte u. a. aus:

Wenn man sich die vier Jahre Weltkrieg noch einmal in die

Erinnerung zurückruft und kamst di« Jett diese« Kriege« ver­

gleicht, so weiß man, was ihr deutsche Bauern und Bäuerinnen, unter der Führung eures Reichsbaucrnsührers in den vergan­genen acht Jahren geleistet habt. Ihr habt durch eine verant­wortungsvolle, fleißige, entsagungsvolle und anspruchslose, aber darum um so wertvollere Arbeit dafür gesorgt, daß nicht nur der Soldat draußen an der Front, sondern auch der Arbeiter in der Heimat alles das an Nahrungsmitteln erhält, was er zu seinem Leben und zur Fortführung von Kampf und Arbeit notwendig hat,

Ihr seid mit dem Boden und mit der heimatlichen Scholle verwachsen. Sie ist ein Stück aus euch selbst, so wie ihr ein Stück aus der heimatlichen Scholle seid. Ihr seid der boden- verwurzclten Stamm unseres und überhaupt eines Volkes. Der Boden ist euer Eigentum. Er bringt euch und uns den Segen der Arbeiten. Denn: Boden sür di« Frucht zu bereiten, das ist eure höchste Ehre vor euch selbst, vor eurer Familie, vor euxem Dorf, aber auch vor eurer Nation und vor eurem Führer. Auch in Kricgszeiten wollen wir den Tag des Erntedankes nicht vorübergehen lassen, ohne eine Brücke zu schlagen von der Führung des Volkes zum Bauern selbst. Und deshalb seid ihr als die Vorhut des gesamten deutschen Bauerntumes für zwei Tage nach Berlin eingeladen worden. Wir möchten euch bei dieser Gelegenheit im Namen unseres Volkes danken. Wir möchten euch und über euch hinaus alle den vielen unbekannten Bauern und Bäuerinnen dan­ken. die zwölf Monate lang in harter Kriegszeit die Scholle bearbeiteten und dasür sorgten, daß unsere Soldaten, unsere Arbeiter und unsere geistig Schassenden sich um das täg­liche Brot kaum Sorge zu machen brauchten.

Nehmt den Dank des ganzen Volkes, den Dank des Führers sür die harte, schwere und entsagungsvolle Arbeit, di« ihr

in dirs« Kriegszeit geleistet habt, entgegen!

Andre Maurois plaudert aus

o. seil. Bern, 14. Oktober.

Der halbjüdische französische Literat Andre Maurois, der als französischer Verbindungsoffizier bei den briti­schen Truppen im Weltkriege und im jetzigen Kriege einen gründlichen Einblick in das englisch-französische Kulissenspiel tun konnte, sucht sich anscheinend Bar­mittel zu verschaffen und plaudert zu diesem Zweck aus seinen Erfahrungen aus. Eine in Amerika erschienene Artikelserie über die französische Politik nach München und bis zum Zusammenbruch macht jetzt auch ihre Runde durch europäische Zeitungen.

Nach den Münchener Besprechungen", so sagt Mau- rois,war in England die Friedenspolitik nicht mehr populär. Die englische Oeffentlichkeit hatte sich mit München abfinden müssen, weil die Armee und die Luftwaffe nicht genügend vorbereitet waren. Sie empfand dies als eine bittere Medizin". Die von Chamberlain den Polen leichtfertig gegebene Garantie war eine völlige Üeberraschung für Maurois, obwohl er doch zu den Vertrauensleuten des damaligen jüdi­schen Kriegsministers Höre Belisha gehörte: '.Ich war in jenem Augenblick in Amerika. Es wurde mir sofort klar, daß dies den Krieg bedeutet".

Beim Anblick der großen Truppenschau vom 14. Juli 1939 rn Pariswir hatten zur Parade alles ver- sammelt, was den Ruhm Frankreichs ausmachte, die Alpenjäger, die Zuaven, die Marineinfanterie, die Fremdenlegion und die reguläre Armee" Habs gestrahlt:Gott sei gedankt für die franzö- ?Ä'°e!". Am gleichen Nachmittag habe ihn. be- ruhtet Maurois, der englische Kriegsminister in seiner ^Löhnung beucht und die Schwierigkeiten beim Aufbau britischen Volksarmee geschildert. Die Wehr- PUscht wurde von ihm mehr als eine Formel, denn als Wirklichkeit bezeichnet.Wir haben nicht genug Waisen, um alle Wehrpflichtigen auszurüsten, und nicht genug Offiziere, um sie auszubilden", erklärte Höre Belisha offenherzig seinem französischen Freund.

Kurz vor Kriegsausbruch äußerte der damalige fran­zösische Außenminister Bonnet Bedenken, ob der Zeit­punkt richtig gewählt sei:Vielleicht liegt es in un­serem Interesse, den Ausbruch des Krieges zu ver­zögern. um sechs Monate oder ein Jahr für eine ge­waltige Aufrüstungskampagne zu gewinnen." Wenn Bonnet damals solche Regungen zeigte, war es nicht, um den Krreg für Frankreich zu vermeiden, sondern um Frankreich eine weitere Frist zu besserer Aufrüstung zu verschaffen. Seine angebliche Friedensneigung war nur die Angst, noch nicht stark genug bewaffnet zu sein.

bre.Lage an der nordfranzösischen Front wäh- ^nd der Wintermonate schreibt er, daß zum lebhaften Bedauern der englischen Kriegskorrespondenten, die zum größten ^.eil am Weltkrieg teilgenommen hätten, eine strenge Zensur jede wahrheitsgetreue Berichterstattung verhindere. Wie hochaktuell klingt dieses Geständnis! L danach ausmalen, wieviel strenger die

^ ^ute geworden ist, da das britische

Weltreich in allen Fugen zittert. Im übrigen vertraute man m seltener Eintracht auf dieunüberwindliche" Maginot-Linie. ^>n der nordfranzösischen Armee habe man damals vielfach ein Buch des Generals Chau- vlneau, Professor an der Kriegsschule, gelesen, der über- zeugt gewesen sei, daß Zementbunker eine Invasion völlig unmöglich machen.Die meisten Sachverständi- gen meinten die Lage sei überaus günstig, weil die Zeit für dre Alliierten arbeite. Das konnte man damals m jeder Offiziersmesse an der Front hören." Nur der General einer nordafrikanischen Division habe ihm ge­genüber einmal eingeräumt, daß er auf einen Ver­handlungsfrieden hoffe.Die Deutschen", so führte er aus,sind weit zahlreicher als wir und unvergleichlich besser ausgerüstet." ^

Im Februar 1940 suchte Lord Gort, der Chef des spä­ter bei Dunkirchen aufgeriebenen britischen Expcditions- korps der als einer der ersten diesiegreiche Flucht" über den Kanal angetreten hatte, sich und seinen Zu- horern in prophetischer Weise" Mut einzureden. Mau- 7 7 ^- der Propagandist der damaligen englisch-franzö­sischen Kriegstreiberkoalition, berichtet darüber' Als ich im Februar 1940 nach Arras zurückkehrte, hielt'uns der Stabschef General Gort einen glänzenden Vortrag. Nach seiner Meinung hätten wir im Laufe des Winters einen entscheidenden Sieg davongetragen. Man brauche

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In ununterbrochenen Angriffen der deutschen Luftwaffe wurden wieder schwere Brände in Londoner Docks und Explosionen in Liverpool erzielt.

Angreifende englische Tankgcschwader wurden bei Sidi el Baran, erfolgreich abgewiesen.

Von der Seeschlacht vor Malta wurden fetzt näkere Einzelheiten bekannt.

Die deutsche Militärmission in Bukarest unter General Hansen wurde würdig empfangen.

Der Führer empfing den italienischen Außenhandels- minister Rassaclo Riccardi.

Dem bulgarischen Landwirtschaftsminister Bagrianoss wurde das Großkreuz des Ordens vom Deutschen Adler verliehen.

Reichsminister Dr. Goebbels und Darre empfingen die Ehrenabordnungcn des deutschen Bauerntums.

Der Führer beförderte SA.-Kruppensührcr Böhmcker zum SA.-Obergruppensührcr.

Die Abgabe von Kindernährmitteln wurde neu acrcaclt und vereinfacht.