Ausgabe 
(4.10.1940) Nr. 273
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vienimeilm»

parteiamtliche Tageszeitung

vas flmtsblott des Negierenden vürgermeisters der Zreien fjonsestadt Vremen

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Die I kam hohe und 22 oaw breite Zelle im Anzeigenteil 13 ^4 Die 78 ww breite und 1 nun hohe Zeile im Teiltest 75 Ermäßigte Grundpreise (für Klein- u. Farnilien- anzeiaen u. a.) sowie sonstige Be­dingungen Preisliste d Nachlaß- stassel O. Für Anzeigen durch den Fernsprecher keine Gewähr. An- nahmeschiuß 1k Uhr. Geschäfts­stellen: In Bremen: Am Geeren Nr. 6/8. Fernspr. 5 41 21. Nachtruf und sonntags: Fernsprecher 5 1115) Obernstraße 86, Fernspr. §4121. In Svke: Mühlendamm Nr. 2

der Nationalsozialisten Vremens

flmtliches verkündungsblalt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Vremen

Nr. 2?Z / 10. Zakrgang

Lreitag, 4. Oktober 1940

kinzeipreis 13 Npf.

Steigender Unmut in kngtand

Londoner vldtter geben der wachsenden Unzusriedenbett der Massen flusdruck

Hilflose vebörden - wildes durcheinander

London gibt zu: Wirksamkett deutscher U-Voote verdreifacht

m. Berlin, 3. Oktober.

Wenngleich die britischen Regierungsvertreter auch weiterhin noch ihre Beruhigungskampagne fortsetzen und sich nach außen hin den machtvoll sich steigernden deutschen Luftangriffen gegenüber wie der Vogel Strautz gebärden und somit auch wieder die Nacht zum Donnerstag alsziemlich ruhig" bezeichnen, mehren sich dennoch in den Zeitungen Stimmen der wachsenden Entrüstung und Verzweiflung.

Es ist klar zu erkennen, daß sich die Behörden, vor allem aber die eingesetzten Kommissare, als vollkommen hilslos er­weisen. Ueber hunderttausend Obdachlose zählt zugegebener­maßen bisher allein London. Diese haben die Möglichkeit, bis zu zehn Kilometer von Behörde zu Behörde zu wandern, er­halten hier, wenn sie Glück haben, eine Auskunft, aber ge­holfen wird nicht. So stößt derDaily Herold" in den V«r° zweislungsrus aus:Die Unzufriedenheit der Volksmassen ist ein Funke, der das Feuer eines Aufruhrs entfachen kann!"

Nachdem der Verkehrsminister, Kapitän Wallace, der im Juni dieses Jahres zum Kommissar für London ernannt wor­den war, nur Halbheiten vollbrachte, wurden ihm jetzt be­kanntlich drei weitere Kommissare zur Seite gestellt, die jedoch alle miteinander keinerlei diktatorische Machtfülle besitzen; im Gegenteil müssen sie Hunderte von Behörden um Rat und Erlaubnis fragen, davon allein sechs Ministerien, fünf ,Grasschaftsräte, 28 Bezirksämter und 101 kommunale Be- .hörden. So erscheint eS vollkommen begreiflich, daß man in London von dermonumentalen Schlappheit der britischen Behörden ganz offen spricht. Auch in politischen Kreisen Londons wächst die Unzufriedenheit von Tag zu Tag. Alle diese Symptome der gärenden Unruhe als Folge der gewissenlosen Kriegserklärung an Deutschland beweisen die bisher stets abgeleugnete, aber in Wahrheit sich immer stärker bemerkbar machende Wucht der deutschen Angrifse.

Die krampfhaften ^Versuche, mit allen Mitteln den schon recht/,«mitgenommenen Widerstandswillen der Engländer zu stärken, nehmen immer groteskere Formen an. Besonders mit phantastischen Zahlen, wenn sie auch noch so unwahr­scheinlich sind, sucht man den Optimismus künstlich zu nähren. Kennzeichnend dafür ist eine Meldung des Rund­funks, die am Donnerstag unter Zitat des militärischen Mitarbeiters derYorksire Post" erklärte, daß die deutsche Luftwaffe in einem Jahre 16 000 Flugzeuge und 40 000 Flie­ger einbüßen werde, wenn ihre Verluste seit Beginn der verschärften Luftangriffe auf Großbritannien im bisherigen Tempo andauerten.

Die Berliner mußten diese Nacht eine volle Stunde in den Schutzräumen zubringen", das ist der mehr als magere Trost, mit dem die Londoner am Donnerstag für einen zehnstündigen Kellerausenthalt entschädigt werden sollten. Dabei hatten sie am Vortage allein acht Alarme. Die deutschen Maschinen, die aus dem Südwester, und Nordostcn kamen, grisjen die Vor­städte Londons an, um dann gemeinsam im Tiefslug aus den Wolken einen Vorstoß gegen die City zu unternehmen. Wieder loderten besonders über Südlondon die nächtlichen Brand­fackeln. Aus den Berichten der englischen Zeitungen muß trotz aller Abschwiichungsversuche entnommen werden, daß sich am gesamten Mittwoch pausenlose deutsche Angriffe auf Lon­don abspielten.

Allen Zensurmatznahmen zum Trotze sickern teils offen teils versteckt Nachrichten über die Erfolge der deutschen Luftwaffe durch, daß die wirkliche Lage in London ganz anders aus­sieht, als die englische Jllusionspropaganda den Engländern und der Welt vormachen will. Ein anschauliches Bild gibt der Londoner Berichterstatter der ZeitungABC", der zu dem

stgypten im Spiel der Sroßmachte!

Der tägliche italienische Wehrmachtsbericht zeigt uns. daß Englands Stellung in Aegypten und im Sudan aufs schwerste gefährdet ist. Die Frage nach der Bedeutung Aegyptens für das britische Weltreich hat durch die jüngsten Ereignisse leb­haftes Interesse ausgelöst. Sie findet durch den Artikel im Innern der heutigen Ausgabe ihre Be­antwortung. Wer die Bremer Zeitung liest, erhält mehr als nur Berichte von den verschieden­sten Vorgängen. Er weiß, daß seine Zeitung alle Fragen wirklich eingehend behandelt, die im Brennpunkt des Interesses liegen. Wer die Bre­mer Zeitung liest, ist stets gut unterrichtet.

Schluß kommt, daß London, wenn man sich an konkrete Tat­sachen hält, niemals wieder den Glanz und die Freude von früher zurückgewinnen werde. Die Lustalarme am Tage wür­den immer häufiger. Von Sonnenaufgang bis Sonnenunter­gang erscheinen die deutschen Bomber in kurzen Abständen am Himmel Londons, und Nacht für Nacht fallen Bomben aus alle Teile Londons. Die Lustabwehr ändert nichts an der Tatsache, daß jeden Tag neue Treffer in die Straßen Löcher reißen, und täglich viele Häuser zusammengeworfen werden.

Ein Bericht der United Preß zeigt, daß die Hafengegend von Eastend besonders gelitten hat. Die meisten Dockanlagen, die sich über 15 Kilometer hinziehen, wurden durch Bomben ge­troffen. Die Lagerhäuser und die hinter den Dockanlagen ge­legenen Straßenreihen haben sch>ver gelitten. Der Bericht gibt auch zu, daß Telephonverbindungen, Gas- und Elektrizitäts- leitungen sowie Kanalisationsanlagen zerstört worden sind. Der Verkehr ist durch riesige Krater an wichtigen Straßen­kreuzungen empfindlich gehemmt. Die Schäden in der City

müssen ebenfalls sehr schwer sein; den er werden zahlreiche Ge­bäude als zerstört oder beschädigt angegeben. Darunter befin­den sich Warenhäuser und weltbekannte Gebäude. Gewisse Straßen bieten infolge der dort liegenden Trümmerhausen einen trostlosen Anblick.

Ein düsteres Bild von den fürchterlichen Zuständen, unter denen die Mehrheit der Londoner Bevölkerung ihre Nächte verbringt, geben Newhorker Zeitungen. Darin heißt es, die sich in den Katakomben der U-Bahnen bietenden Szenen sind einfach unglaublich. Während noch Büroangestellte nach Hause eilen, drängen sich schon die Schutzsuchenden, ihr mitgebrach­tes Essen verzehrend, aus den Treppen. Jeder Meter Wand­raum aus Dutzenden von Bahnsteigen ist beseht. Mütter näh­ren ihre Kinder, während alte Männer Karten spielen. Kin­der spielen wenige Meter von den vorbeirasenden Zügen ent­fernt. Alle Decken und Mantel sind auf dem dreckigen Ze­mentboden ausgebreitet, auf denen Schläfer liegen. Die Körperausdünstüngen der Tausende verdichten sich zu einem nicht auszuhaltenden Gestank,- denn das schon zu normalen Zeiten nicht gute Bentilationssystem ist jetzt vollkommen un­genügend. Die sanitären Einrichtungen sind dem Massenbesuch nicht gewachsen, und die Möglichkeit der Verbreitung von Epidemien ist groß. Da kann man es verstehen, daß ein nach

(Fortsetzung auf Seite 2)

Manchester unter deutschem Vombenstagel

erhebliche Nückwirkungen auf die Verforgungsm z !ichkei»en der englischen Niislungswirtschast

Berlin, 3. Oktober.

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Angrifse der Luftwaffe richteten sich gestern wieder gegen London und zahlreiche kriegswichtige Ziele in Süd- und Mittelengland. In London fügten Bom­benwürfe bei Tage Bahnanlagen im Zentrum der Stadt sowie Docks und Hafenanlagen im Themsebogen großen Schaden zu. In mehreren Flughäfen Süd- und Mittel­englands gelang es, durch Volltreffer Hallen und Unter­künfte zu zerstören und eine Reihe von Flugzeugen zu vernichten. In einigen füdenglifchen Häfen, z. B. Swansea, Newquay und Weymouth riefen Treffer schweren Kalibers in Fabrikanlagen, Speichern und Oellagern starke Vrandwirkung hervor.

Vor der Südwestspitze Irlands griff ein Kampfflug­zeug ein britisches Frachtschiff an, das mit Volltreffer in der Mafchinenanlage und brennender Decksladung liegenblieb.

Ein Unterseeboot unter Führung des Oberleutnants z. S. Ionisch hat auf einer Unternehmung insgesamt 8 bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit 42 844 BRT. versenkt. Damit hat Oberleutnant z. S. Lenifch allein auf zwei Feindfahrten 82K44 VRT. feindlichen Han- delsfchifssraums vernichtet. Ein anderes Unterseeboot versenkte das 14172 BRT. große bewaffnete britische HandelsschiffHighland Patriot".

Einige feindliche Flugzeuge flogen in das nördliche und westliche Grenzgebiet des Reiches sowie in die be­setzten Gebiete ein und warfen Bomben, ohne militäri­schen oder wehrwirtschastlichen Schaden anzurichten. An einer Stelle wurde eine stillgelegte Fabrikanlage ge­troffen. Einige auf Berlin anfliegende Flugzeuge wur­den durch das Feuer der Flakartillerie von ihrer ur­sprüngliche» Angrisfsrichtung abgedrängt. Nördlich der Reichshauptstadt schoß die Flakartillerie ein britisches Bombenflugzeug ab, das brennen- abstürzte.

Die gestrigen Gesamtverluste des Gegners betragen sechs Flugzeuge. Sieben eigene Flugzeuge werden ver­mißt.

Eine Gruppe eines Kampfgeschwaders unter Verfüh­rung von Major Petersen, die sich schon im Mor- wegenfeldzug besonders auszeichnete, hat in den letzten sechs Wochen auf langen, bei jeder Witterung durchge­

führten Feindflügen, die oft bis weit in den Atlantik hinein führten, rund 38 IM VRT. feindlichen Handels- schisfsraumes versenkt und über 48 888 BRT. schwer beschädigt, oft im Tiefangriff auf stark gesicherte Eeleit- ziige."

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Wie der Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht vom 2. Oktober mitteilte, wurden die Hafen- und Industrieanla­gen von Manchester durch deutsche Kampsslicgerverbände er­folgreich angegriffen,

Manchester ist eine der wichtigsten englischen Industrie­städte, die besonders als Zentrum der englischen Baumwoll­industrie bekannt und ein wichtiger Stapelplatz für die ver­schiedensten Güter ist. Der Seehasen von Manchester, der über Kaianlagen in !> Kilometer Länge verfügt, ist für die Ver­sorgung der Stadt und des Industriegebiets in der Umge­bung von Manchester von größter Bedeutung. Ueber den Hasen von Manchester werden rund ein Drittel des englischen Gesamtimports an Baumwolle sowie rund 3V Prozent des Gesamtimports an Erdöl und Erdölerzeugnissen eingeführt. Darüber hinaus ist Manchester ein bedeutender Einfuhrhafen sür kriegswichtige Rohstoffe. So kommen über Manchester in normalen Zeiten 40 Prozent der englischen Schwcfeleinsuhr, rund >0 Prozent der Schweselkieseinsuhr, 10 Prozent der Manganeinsuhr, 12 Prozent der Kupsercinsuhr und rund 10 Prozent der Bleieinsuhr nach England.

Der erfolgreiche Angriff der deutschen Luftwaffe aus die Hasenanlagen von Manchester dürste daher erhebliche Rück­wirkungen aus die Versorgungsmöglichkeiten der englischen Rüstungswirtschast zeitigen.

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Hungerrevolten in llberäggpten

Vevölkerung stUrmte rebensmittelspelcher Vrückende Not der evakuierten Warenhäuser geplündert

Dr. v. I,. Rom. 3. Oktober. In der oberägyptischen Provinz Keneh, 50 Kilometer von ?or eytfernt. kam es zu schweren Hungerrevolten der aus n ägyptischen Städten zwangsevakuierten Bevölkerung, arenhäuser und Lebensmittelspeicher wurden von der enge gestürmt und geplündert. Eine Abordnung der Ne­uerung begab sich zur Provinzialverwaltung und erhob denschastlichen Protest dagegen, daß große Teile der Ne­uerung aus Veranlassung des englischen Oberkommandos ce Heimat verlassen mutzten und jetzt Not leiden, weil den oberägyptischen Provinzen die wirtschaftliche Lage folge der italienischen Blockade hoffnungslos sei.

Hunderte von ägyptischen Familien, die von den Englän- rn aus den gefährdeten Zonen über Nacht entfernt wur- n. leiden Hunger, ohne daß die Regierung in Kairo etwas gegen unternommen hätte. Die Abordnung in Keneh ver- ngte kategorisch, daß man entweder den zwangsevakuierten -mitten Arbeit beschaffe oder aber sie ,n ihre Heimat zu- ckkehren lasse, wo sie bisher ihren Unterhalt fanden.

In Italien beobachtet man diese Vorgänge mit wacher Auf­merksamkeit und sieht in ihnen ein Symptom dafür, daß in den breiten Massen die Unzusriedenheit gegen die englische Gewaltherrschaft bereits einen bedrohlichen Grad erreicht hat.

Der frühere italienische Botschafter Cantalupo in Kairo richtete an den Rektor der Islam-Universität El Azhar, den in allen mohammedanischen Ländern verehrten Scheik el Maraghi, einen Offenen Bries, in dem er daraus hinweist, daß es England sei, das immer wieder die erstrebte Einheit der Islam-Länder durchkreuzt habe.

Die Engländer im Nahen Osten wüßten genau, daß es sür sie bequemer sei, wenn dex Islam ohne einen allgemein an­erkannten Führer bleibe. Allerdings leiste der Islam selbst diesem englischen Manöver Vorschub, indem er Trägheit an die Stelle der kämpferischen Idee des Mohammedanismns von einst gesetzt habe.

Wie aus Kairo gemeldet wird, steht zwischen Aegypten und Großbritannien wieder einmal der Abschluß eines Handels­vertrages bevor. Diesmal will England die gesamte Leinen­produktion Aegyptens kaufen und außerdem sür neue An­bauflächen Sorge tragen. Wie es mit solchen Abschlüssen in Wirklichkeit bestellt ist, zeigt das Schicksal der ägyptischen Baumwolle, die in den Lagern AlexandrtenS verfault, weil

man sich in Kairo aus die Versprechungen der Londoner City verlassen hatte. Neuerdings wird von englischer Seite ver­sucht, die ägyptische Regierung zu veranlassen, sie möge die Banmwollaussuhr nach Japan verbieten.

VrMfche Umtriebe in velgisch kongo

o. sck. Bern, 3. Oktober.

Für die Niederlage von Dakar sucht sich jetzt die britische Regierung, die eifrigst darum bemüht ist, der englischen Oesfentlichkeitetwas zu bieten", im Gebiet des beigischen Kongo schadlos zu halten. Die entsprechenden Aktionen gehen von Kcnha und Tanganjika aus.Exchange" meldet, daß sich augenblicklich eine britische Militärkommission in Leopold- ville aufhält, und daß Lord Hailey, ein bekannter englischer Kolonialsachmann, ebenfalls im belgischen Kongo eingetrossen sei. Der englischen Oesfentlichkeit dürfte es dabei nicht ent­gehen. daß diese wenig heldenhaften britischen Manöver, die sich außerhalb der strategischen Schnittlinien abspielen, aus den Gang der Dinge ohne jeden Einfluß bleiben müssen. Aber sie verschossen Churchill die Möglichkeit, seinem eigenen Volk Sand in die Augen zu streuen und so zu tun, als ob er noch zu besonderen Aktionen sLhtg sei.

Dee ALÜKe« 4 DK»

Von VVolkäister von llnnZen, llorn

Zur selben Stunde eines heißen Oktobertages, da zwi­schen den steinigen Abhängen von Jefren in den Aus­läufern der Libyschen Wüste italienische Stoßtrupps starke Abteilungen der Senussi-Rebellen erreichten, stell­ten und zerschlugen, zogen 1200 Kilometer nördlich die Heeressäulen des Faschismus am 28. Oktober in Rom ein. Der Einmarsch in Rom war ein geschichtliches Er­eignis, das Gefecht von Jefren ein Geschehnis am Rande der Peripherie der Geschichte. Der Befehlshaber des Marsches auf Rom war Benito Mussolini, der Sieger von Jefren ein unbekannter italienischer Oberst. Daß der Duce des Faschismus und der Sieger in einem un­bedeutenden Wüstengefecht zusammenkommen sollten, war damals höchstens eine Prophezeiung; daß der Oberst aber 18 Jahre später der Feldherr des Duce werden sollte, glich einem Wunder.

Ein Wunder? Wenn in der Geschichte Wunder ohne Taten geschehen, wäre die Geschichte müßig. Der Kom­mandeur in dem Gefecht von Jefren hat nie an Wunder geglaubt. Als er ein Kind war, bestimmte man ihn zum Advokaten; als er Student der Rechtswissenschaft war, studierte er Kriegsgeschichte und Strategie; als er ein Mann wurde, war er Soldat. Er tauschte die Robe mit dem schmalen goldenen Streifen des Unterleutnants auf der Uniform. Er traute seinem Stern, und der Stern verriet ihn. Als der Weltkrieg ausbrach, war er mit nicht weniger als 32 Jahren noch immer Leutnant. Aber zwei Jahre später war er bereits Oberstleutnant, und wieder 20 Jahre später Marschall von Italien. Das Wunder seines Lebens war die Tat. Wie muß doch ein Mensch im Innersten von den ewigen Gesetzen des Sol- datentums, von der Leidenschaft des militärischen Führertums beherrscht sein, wenn er alle Widrigkeiten kalt, schweigend und zäh überwindet, um nur Soldat, um soldatischer Führer zu sein, wie es der jetzige Mar- schall Italiens, der Feldherr des Faschismus, ist: Ro- dolfo Eraziani!

Ein schmaler, preußisch zu nennender Mund. harte, kalte Augen, ein Kinn der Energie und eine Stirn des Trotzes, das ist das Gesicht des Feldherrn. Gegenüber Moltke scheint er ein Rebell, verglichen mit Scipio, dem einzigen großen Römer in Afrika vor ihm. scheint er ein Landsknecht, gemessen an allen anderen großen Feldherren in afrikanischen Wüsten und Steppen ist er der Typus des ewigen Soldaten, der sich nie verrät, hinter dem wie eine sengende Flamme die große Lei­denschaft, die geradezugrazianische" Berufung steht: Soldatentum in Afrika. Mehr als die Hälfte seines Lebens verbrachte er in Afrika. Die Sehnsucht nach den Büschen und Steppen, dem kärglichen Leben in Wasser­rosen Durstgebieten wie das Wissen um die Macht Afrikas, wo der Mann Herrscher ist, wenn er nur wirklich Mann ist, verließen ihn nie. Wenn dieser wahrhaft große Marschall Italiens einst die Augen über den Gesechtskarten schließt, so lebt er weiter in der Elite der italienischen Kolonialoffiziere. dieser klar äsi kiori", der Auserwählte der Allerbesten des italienischen Offizierkorps, in denen das Herrschertum zum Besten ihrer Soldaten gesetzt ist und in deren Augen unvergleichlich die afrikanische Weite leuchtet.

Wer nach Rom kommt, sucht den Römer, jenen Men­schentyp der soldatischen Lebensauffassung, der Härte des Organisators, des Weitblicks des antiken Staatsmannes Der Sieger in zahllosen afrikanischen Schlachten ist Romer vom besten Schlage. Im Quellgebiet des Aniene m der kleinen Landgemeinde Affile gebürtig, dort, wo seit Jahrhunderten Römer siedelten und sich rein erhiel­ten, vereint er das Soldatentum eines Cäsar mit der Staatskunst eines Augustus. Wenn er gegenüber Scipio Africanus als Landsknecht scheint, dann nur deshalb, weil Scipio Mittel zum Zweck war, was Graziana In­halt des Lebens ist: Afrika und Soldatentum.

Mit römischer Härte hat er die Kämpfe in Libyen bestanden, die einen geradezu ehernen Willen bean- Wruchten, an denen sich acht Jahre lang die italienische Nation erprobte, die sie dennoch nicht siegreich bestehen konnte, bis der Oberst vor Jefren und Mussolini vor Rom erschienen. Im Kampf hat er nie die Güte ge- Vernichtung in seinen Plänen für die Schlachten immer für sich selbst ebenso eingesetzt wie für den Gegner. Er hat ihn schonungslos vernichtet, da es dem Gegner nicht gelang, Eraziani zu vernichten. Afrika ist hart und eben«o hart ist Eraziani. Nach dem Siea gewann er durch seine Persönlichkeit den besiegten Geg­ner. Den Söhnen der libyschen Rebellen, die gegen Era-

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Mit der Ausbootung Chamberlains aus dem britischen 5?bm-tt vermochte Churchill noch einmal seine eigcne Unsahigkeit zu verschleiern. ^

Das englische Riistungszentrum Manchester wurde auss schwerste bombardiert.

Englische Flugzeuge bombardierten hellerleuchtete schwe­dische Städte.

In Oberägypten brachen schwere Hungerrevolten aus. Staatsminister Farinacei reiste von Berlin wieder ab. heimO *"^Eödcutsche Aussiedler kehren aus Bessarabien

Großadmiral Raeder stiftete ein neues Kricgsabzeichen. Stabschef Lutzc wird am Sonntag in Bremen sprechen. Die Kreissachabtcilungswaltung Van der DAF. richtete in Vremen Lager sür die Bunkerbauarbeiter ein.

Bremer Feldgraue erlebten in Flandern eine gelungene Uebcrraschung. ^