Ausgabe 
(19.7.1940) Nr. 196
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parteiamtliche Tageszeitung

Las Amtsblatt des Negierenden Nurgermeisters der Freien Hansestadt Vremen

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der Nationalsozialisten Vremens

flmiliches verkündungsblatt des Neichsstattkalters in oldenburg und Vremen

Nr. 196 / 10. Jahrgang

Freitag, 19. Juli 1940

kinzelpreis 15 Npf.

Parade des Sieges in verlin

dank an bewährte Soldaten

Ver Vefelilshaber des krsatrheeres, Veneral fromm, und Vr. 6oel bels als l-auleiter entbieten die l-rüße der Heimat / kndlaser Jubel um die richmgekrönten Verlin >r und Vrandenburger Truppen

Berlin, 18. Juli.

Unter dem festlichen Geläut aller Glocken zog am Donnerstagnachmittag die erste Division Berliner und Vrandenburger Truppen mit dem frischen Lorbeer ihrer glorreichen Liege in Polen und Frank­reich durch das Brandenburger Tor in die Reichshauptstadt ein. Aus dem prachtvoll geschmückten Pariser Platz hieß sie der Gauleiter von Verlin, Reichsminister Dr. Goebbels, im Namen des Führers, der Reichsregierung und der Berliner Bevölkerung, der Befehlshaber des Ersatzheeres, General der Artillerie Fromm, im Namen der deutschen Wehrmacht willkommen.

Tann schloß Berlin in einem unbeschreiblichen Jubel seine tapserrri Söhne ins Herz. die nach zehnmonatiger Abwesenheit blumeniiberschiittct volle zwei Stunden lang mit klingendem Spiel, über die historische Feststraße der Reichshauptstädt, die Straße Unter den Linden, in die Vaterstadt heimkehrten. Zum 6. Male sind damit deutsche Truppen durch das Bran­denburger Tor eingezogen, niemals aber ist ihnen ei» groß­artigerer Empfang bereitet worden.

Ganz Berlin halte sich an der Ost-West-Achse, am, Pariser Platz und Unter den Linden eingefunden. um seinen tapse- ren Bätern und Söhnen. Brudern und Freunden einen Emp­fang zu bereiten, der ihrem heldenmütigen Kamps und sieg Würdig war. Von allen Dächern und aus allen Fenstern lohten die Hakenkreuzsahnen. Die Einmarschstratzen selbst hatten unzählige fleißige Hände in einen einzigen gewaltigen Triumphbogen verwandelt. Vor allem die Jugend hatte sich rechtzeitig gut« Aussichtspunkte in den Bäumen des Tiergar­tens, auf den Laternenmasten und sogar am den Haus­gesimsen erobert, und aus der freudigen Begrüßung klangen Ihre hellen Stimmen heraus. Mittelpunkt dieses historischen Tages war der Pariser Platz, der in wenigen Stunden zu einer Anzigartigen Feststütte verwandelt worden war. Be­herrscht wird er durch die herrlichen Proportionen des Bran­denburger Tores. Zu beiden Seiten des Pariser Platzes sind große Tribünen errichtet. Sie sind iür die Vertreter von Staat, Wehrmacht und Partei, die Angehörigen der Berliner Gefallenen und Berwundeten und Berliner Nüstungsarbeiter reserviert. Zuvor haben Verwundete mit ihren Kranken­schwestern einen Ehrenplatz erhalten.

Sie kommen, sie kommen!

Kurz vor 18 Uhr trifft, mit tosenden Hcilrufen und Fähn- chenschwenken empfangen, der Berliner Gauleiter Dr. Goeb­bels auf dem Pariser Platz ein. Dann klingen auch schon

kin stohes krgebms

Ueber 37 Mill. RM. bei der vierten Haussammlung für das Deutsche Rote Kreuz

Verlin .18. Juli

Nach den bisher vorliegenden Meldungen erbrachte die am K. und 7. Juli 1940 durchgeführte Haussammlung für -das Deutsche Rote Kreuz das Ergebnis von RM. 37 112 354,03. Im Vergleich zum vierten Opfersonntag des Kriegswinterhilfswerkes 1939/40 hat sich das Er­gebnis um RM. 23 733 990,58, das sind rund 178 Pro­zent, erhöht.

Auf eine Haushaltung entfällt im Durchschnitt der Betrag von RM. 1,02. Das Ergebnis der zweiten bzw. dritten HaussammluiP ist damit um rund 2 Mill. RM. gesteigert worden.

Marschmusik und Heilrufe vom Tiergarten herüber. Freudige Rufe lösen die Spannung, die über den Mass?n gelagert hat, zu einem tosenden Willkommensgruß, der von den Häuser­fronten widerschallt. In langsamer Fahrt fährt der Komman­deur der Division im feldgrauen, blu-menübersäten Wagen durch den Mittelbogen und dankt grüßend für den Sturm der Begeisterung und Freude, der ihm seinen tapferen Män­nern cntgcgcnschallt. Dann folgen, blitzsauber und schneidig, unsere Soldaten in drei großen Marschsäulen. Wuchtig dröhnen die Stiesel aus dem Asphalt, als sie von einem Orkan des Jubels empfangen und blumengeschmückt in schneidiger Wen­dung vor der . Ehrentribüne ausmarschierten, um das erste Willkommen der Heimat zu hören.

Im Namen der Wehrmacht heißt der Befehlshaber des Er- satzhccres, General der Artillerie, Fromm, die Truppen will­kommen.

Verlin, 18. Juli

Das Oberkockmando der Wehrmacht gibt bekannt: In überseeischen Gewässern operierende deutsche Kriegs­schiffe haben weitere 30 090 VRT. feindlichen Handels- schisfsraumes versenkt.

Auf Fahrzeugen dev» Kriegsmarine landeten deutsche Truppen aus der Insel d'Ouessant, die der Bretagne vorgelagert ist. Deutsche Kampfflugzeuge griffen den Truppenübungsplatz Aldershot sowie Flugplätze, Jndu- striewcrke und Hasenanlage» in Süd- und Mitteleng­land an. Aus dem Flughafen Tunbridge Wells, im Jn- dustriewerk Eastborne und in den Hafenanlagen in Portland wurden hpsonders starke Brände beobachtet; ein großes Rüstungswerk in Greenock erhielt mehrere Volltreffer. Bei Angriffen gegen Schisse im Kanal ge­lang es, ein Handelsschiff in Brand zu werfen, ein wei­teres Handelsschiff und ein Vorpostenboot durch Bom­ben so schwer zu beschädigen, daß die Besatzungen die Schisse verlassen mußten. In der Nacht in das Rhein- Ruhr-Eebict einflicgcnde feindliche Flugzeuge wurden durch Flakabwehr vertrieben oder am gezielten Bom­benabwurf gehindert. Einzelne planlos abgeworfene Bomben richteten weder Personen- noch Sachschaden an. Ein feindliches Flugzeug vom Muster Vristol-Blenheim

General Fromm ssthrte aus:

Herr General!

Ich danke Ihnen für ihre Meldung und begrüße Sie mit ihrer tapferen Division im Namen des Herrn Oberbefehls­habers des Heeres und für mich selbst als Befehlshaber'des Ersatzheeres, in dessen Bereich Ihr« Division jetzt vorüber­gehend eingetreten ist!

Soldaten!

Eure stolze Division hat, als eine der ersten Reservedivi- sionen ausgestellt, den alten Satz erneut bestätigt, daß die alten Reservisten der jungen aktiven Mannschaft in vollem Umfang gleichwertig geblieben und zu achten sind und habt damit gezeigt, daß unser Oberster Befehlshaber der Führer, zu jeder Zeit Soldaten haben kann, soviel er will.

Zwei Schlachten von kriegerischer Bedeutung ragen heraus über euer reiches kriegerisches Erleben: Der Kampf in der Tucheler Heide, mit dem ihr deutsches Land zurückerobert habt. und der Üebergäng über den Oberrhein und die Kämpfe im Oberelsaß, die euch wiederum in altes deutsches Land geführt haben. Ihr könnt stolz sein aus eure Leistung, sollt glücklich sein, daß ihr die große Zeit des Vaterlandes als Kämpfer an der Front erleben durftet. Sollt dieses Glück in der Erinne­rung ewig halten, es euren Kindern übermitteln, damit sie einst wie ihr als tapfere Soldaten ihren Mann zu stehen bereit sind. Die ältesten von denen unter, euch, die einst vier (Fortsetzung auf Seite 2)

wurde im Lustkampf nördlich Cherbourg abgeschossen. Ein eigenes Flugzeug ist über dem Kanal abgestürzt."

Me fliehenden kngländer bel Modale versprenst

Rom» 18. Juli

Der italienische Heeresbericht vom Donnerstag hat folgenden Wortlaut:Das Hauptquartier der Wehr­macht gibt bekannt: In Nordasrika ist das Erbiet von Mars« Matruk erneut wirksam mit Bomben belegt wor­den. Alle Flugzeuge sind zurückgekehrt. In Ostafrika ist der Feind, der sich von Moyale zurückgezogen hat, in der Richtung von Buna von den Landstreitkrästen und von der Luftwaffe verfolgt worden» die die fliehenden Kraftwagenkolonnen mit Maschinengewehrfeuer be­schossen und zersprengten. Waffen, Munition und Kraft; wagen wurden erbeutet. Unsere Flugzeuge haben den Flughafen von Waijr mit deutlich beobachteten Erfolgen bombardiert. Der Feind hat den Flughafen von Agordat mit Bomben belegt, ohne Schaden anzurichten. Ein eng­lisches Flugzeug ist von unseren Jägern abgeschossen worden."

Zlwoo fln überseeischen öewäsfern versenkt

Lrößere vrände bei deutschen Luftangriffen in 6iid- und Mittelengland deutsche Iruppen

auf der Insel d'Yueffanl gelandet

London zwischen furcht und Hoffnung

Zunekdende Kritik an tkurchillNationaler Vertag" eingerichtet Zweiset an der militärischen verichterstattung

boe. Kopenhagen, 18. Juli

Die inncrpolitische Spannung in London, die trotz fieber­hafter Ausglcichsbcmühungcn Churchills mit jedem Tag wächst, der England der unausweichlichen Generalabrechnung näher­bringt, hat jetzt auch den Regierungschef selbst in ihren Stru­del gerissen. Die Urteile neutraler Beobachter stimmen darin Lbercin, daß Churchills Stellung infolge des Flottcnübcrsalls Von Oran unsicher geworden ist. Dabei ist es bemerkenswert, daß seine Gegner ihm nicht den infamen Angriffsbefehl selbst übelgenommen haben, sondern Churchill für die unerfreulichen Konsequenzen verantwortlich machen. Es zeigt sich nämlich selbst in britischen Augen immer mehr, daß Oran ein politi­scher Schnitzer allergrößten Ausmaßes gewesen ist. Churchills Kritiker, die hauptsächlich im Oberhaus, in den Finanzkrciscn der City und in der Person des Königs zu suchen sein sollen, während die Labourpartci und der Edcnslügel der Konser­vativen ihm noch die Stange halten, machen ihm die england- feindlichcn Ausschreitungen in Kanada zum Vorwurs und weisen gleichfalls aus die Sturmzeichen aus Südafrika hin. Die Demonstrationen in Kanada haben besonders in Montreal recht ernste Formen angenommen. Kanadier französischer Ab­stammung halten nach wie vor Protestkundgebungen ab, an deren Schluß die Marseillaise steht, die den Engländern recht unangenehm in den Ohren klingt.

Trotz eines Ricsenmiswands aller zur Berfügung stehenden Propagandainittcl belasten diese Vorgänge ebenso > wie das innerpolitische Durcheinander die englischen Nerven in zu­nehmenden Maße. Eines der' Kardinalprobleme, das heute im Mittelpunkt aller Besorgnisse steht, ist die Frage, wann und wo werden die Deutschen angreifen? Dieses Hangen und Bangen wurde selbst vomDaily Herald" dieser Tage als einschwanken zwischen Furcht und Hoffnung" bezeichnet. Alle maßgebenden Kreise sind der Ansicht, daß die letzten vier Wochen die Ruhe vor dem Sturm darstellten, und daß die deutsche Wehrmacht die Vorbereitungen mit ihrer bekannten Gründlichkeit und Präzision treffe.

In ihrer Angst, daß das deutsche Schwert bald niedersausen Wird, werden die ncrvcngcschwächten Engländer noch durch bedeutungsvolle Ankündigungen bestärkt, die Churchill am Donnerstag im Unterhaus machte. Zur gleichen Stunde, als elne siegreiche deutsche Division durch das Brandenburger Tor marschierte, kündigte er nämlich an, daß angesichts der überaus ernsten Stunden in den nächsten Tagen ein natio­

naler Bettag (!!) in ganz England durchgeführt werde. Gleich­zeitig gab er bekannt, daß in Zukunft die Verluste, die die deutsche Luftwaffe auf englischem Boden an Material und Menschen verursachte, nicht mehr in der Presse veröffentlicht werden würden. Es würden lediglich in den jeweiligen Di­strikten Bekanntmachungen in den Aushängckiisten der Rat­häuser vorgenommen.

Zu dieser geradezu grotesken Massenangst kommt hinzu das Chaos in allen V c r w a l tu n g s z w e i g e n, die durch sich so vst widersprechende. Anordnungen entstandene Ver­wirrung, die soziale'Unruhe und Vermach s e n d e.M ä ngel an Lebensmittcln und wichtigen Rohstoffen. Alle diese Dinge nähren im englischen Volk eine Stimmung, die der Kritik, ja dem Mißtrauen gegen die Regierung oder gegen gewisse Maßnahmen Vorschub leistet. Daher die scharse Opposition gegen das Gesetz über die Sondergcrichte, daher die Beschwer­den über die falsche Behandlung d§Z Nachrichtenhungers der Oeffcntlichkeit. wie sie soeben derDaily Herald" wieder in sehr präziser Form vorbrachte. Die Zeitung fordert die Regie­rung auf, Tatsachen zu liefern an Stelle von sinnlosen Ko- mentaren und lächerlicher Propaganda. Daher auch die neu auftauchenden Kombinationen über eine NegicrnngSändernng. angefangen von Chamberlains Ausschiffung bis zu den Kom­binationen um eine neue Rolle Lloyd Georges.

Neben den außenpolitischen Mißerfolgen, die niemand über­sehen kann. selbst das englische Volk nicht, so schlecht es auch unterrichtet wird, bildet der Feldzuq gegen den Defaitismus vielleicht das aufschlußreichste Anzeichen des jetzigen Zwischcn- ,Zustandes in England. Wenn das ganze Land so sicher, wie Churchill das hinstellen möchte, vom Glauben an den Sieg überzeugt wäre. brauchten nicht Plakate überall z» verkün­den:Rede nicht", oder:Wenn du sprichst, so sprich vom Sieg".

Diese Schweigepropaganda wird ». a. auch von der römi­schen Presse unter die kritisch Sonde genommen. In einem Leitaufsatz, der sich mit den verzweifelten Maßnahmen ver Londoner Regierung besaßt, schreibtRegime Fascista", jeder, der nicht an den unbedingten Sieg Englands glaube und irgendwelche Zweifel äußere, laufe Gefahr, erschossen zu wer­den. So weit seien die Dinge unter Churchill gekommen, den das Watt als den zynischsten der Verbrecher und den Verranntesten der Verrückten bezeichnet. Die Erklärung Chur­chills. daß jede englische Stadt ein Schützengraben sei und daß London in eine ungeheure Festung verwandelt würd«.

sei sehr wertvoll. Jetzt hätten die Gegner das Recht, diese Städte wie Festungen zu beschießen..Regime Fascista" er­innert in diesem Zusammenhang an das Schicksal Warschaus und Rotterdams.

England, so schreibtPopolo V'Jtalia", habe niemals so viel geredet wie jetzt. Seine Minister redeten ohne Unter­laß. Die Angst löse verschieden« Wirkungen aus: In England wirke sie ossensichtlich als eine Dysenterie von Worten, die schon epidemische Formen angenommen habe.

Jnteressanterweise beginnt jetzt auch die englische Oppo- sitionschres.se gegen die englischen Kriegs- kom m u-n i q ue s Sturm zu lausen.- Die. Blätter erklären, daß dies« Kommuniques immer weniger''Tatsachen» und By-- mer mehr' Propaganda und Verschönerungen enthielten. Vor. allem wirst man den sür die Mitteilungen verantwortlichen Wehrministerien vor. daß es der britischen Oeffentlichkeit jetzt nicht mehr möglich sei, sich ein Bild über den Stand der Kämpfe zu mache».

Seit einiger Zeit macht man sich vor allem Sorge über die Kämpfe in Afrika. In London wächst ossensichtlich die Erkenntnis, daß die britische Armee auch in den afrika­nischen Besitzungen eine Niederlage nach der anderen er­leidet. Für die britische Oessentlichkeit sind die bisherigen Niederlagen der Engländer aus dem afrikanischen Kriegs­schauplatz um so überraschender gekommen, als man fest da­von überzeugt war, daß die Engländer als alte Kolonial­macht den Italienern überlegen wären. Auch die Kämpfe im Mittel meer sieht der Engländer allmählich mit einem völlig anderen Auge als bisher. Besonders die italieni­schen Flugzengangrisse aus Malta und die Bomben unbe­kannter Herkunft auf Gibraltar scheinen sich auszuwirken. Es klingt wie der Ansang eines Grabgeläutes, wenn der englische Nachrichtendienst am Mittwoch plötzlich erklärte, falls Gibraltar und Malta ausgegeben werden sollten, werde Chpcrn der Hauptstiitzpunkt Englands im Mittelmeer wer­den." Der Amtsanzeiger von Gibraltar veröffentlicht eine Verordnung über die Evakuiernng aller Personen unter 17 Jahren, aller Frauen, mit Ausnahme der Mitglieder des Kontrollausschusses, sowie aller Männer bis 43 Jahren, die nicht irgendwelchen Diensten zugeteilt sind. Nach Bekannt­werden des neuen Evakuierungsbesehls rottete sich die Be­völkerung aus den Straßen zusammen. Bor der Residenz kam es zu stürmischen Protestkundgebungen.

rck. Berlin, 18. Juli.

Leider kann man nicht sagen, daß Frankreich ganz aufgewacht ist aus der demokratischen Lethargie und der politischen Betäubung, denn trotz Petain und vie­ler ehrlicher Mitarbeiter lebt das Land noch immer in den Fesseln der Vergangenheit." Das schrieb vor einigen Tagen ein spanisches Blatt. Es scheint tatsäch­lich das Schicksal des 117. Ministeriums der französi­schen Republik zu sein, in Halbheiten zu leben. So läuft neben der in Zeitungen und Reden abrollenden nationalen Revolution" der Troß der Alten her. Daß Frankreich ohne sie nicht leben kann, steht für sie eben­so fest, wie die Tatsache, daß sie nicht ohne die probate Atmosphäre dessen existieren können, was einst das politische Frankreich ausmachte.

Ebenso wie auf innerpolitischem Gebiet zeigt sich die Doppelgleisigkeit der außenpolitischen Bemühungen. Es hat nicht an Anklagen gegen die britischen Politik ge­fehlt, die nach den Worten Marcel Deals die französi­sche Kriegserklärung gegen das Reich in den ersten Septembertagenergaunert" hat. Andererseits haben die letzten Tage erwiesen, daß doch England für viele nicht so gänzlich abgeschrieben ist, wie es nach der starken Sprache der Blätter vielleicht scheinen konnte. Wenn eine Zeitung fordert, Frankreichs Haltung Eng­lang gegenüber müsse jetzt klar und unwiderruflich er­scheinen, so stimmt das wieder kaum überein mit der Tatsache, daß Frankreich den Abbruch der diplomati­schen Beziehungen in London notifizieren ließ, nicht aber gleichzeitig seine Botschafter zurückzog. Daß Churchill daraufhin prompt die Strippe anzog, an denen Herr de Gaulle hängt und dessen plötzlich nurrein technischen".Ausschuß etwas hinter die Kulissen zu­rückzog, spricht die gleiche Sprache, wie sie Lord Halifax anschlug, als er eine wohlwollende Prüfung der Scha­denersatzansprüche von Oran ankündigte. Andererseits sprach Außenminister Baudoin in einem Interview wieder von demzerschnittenen Band" zwischen den beiden einst verbündeten Staaten.

Indessen scheint man sich darüber klar geworden zu sein, welche Probleme für Frankreich vordringlicher sind als Verwaltungsreform und Verfassungsfragen. Mit Recht, wies schon derTemps" daraus hin, daß Frankreich zur Zeit von seinen Reserven lebt und har­ten Zeiten entgegengeht. Das ist ein Zustand, der aus der totalen Niederlage resultiert, und wir können usts nicht entsinnen, daß Frankreich in dem Stadium des Waffenstillstandes von 1918 einen Finger rührte, dem Elend des deutschen Volkes in irgendeiner Weise zu steuern. Wenn damals die Fortführung der Hunger­blockade bis zum Juni 1919 Tausenden deutscher Kinder das Leben kostete, wenn damals in der höchsten Not auf Tributkonto Milchkühe und landwirtschaftliche Pro­duktionsmittel ausgeliefert werden mußten, so sind das Vorgänge gewesen, die unseren Sinn für Sentimentali- t.äten in dieser Hinsicht stark beeinträchtigt haben.

In keiner Weise angebracht ist indessen, daß der Temps" zu der RotwendiAkeit, eisten Teil Frankreichs zu halten, meint, es könne doch nicht sein, daßder nationale Boden durch eine chinesische Mauer getrennt würde". Wir glauben nicht, daß derTemps" ähnliche Bedenken gehabt hat, als die schwarzen Truppen des Generals Dägoutte am Rhein und an der Ruhr standen und auf Deutschlands nationalem Boden Barrieren er­richteten, die nicht nur schwere wirtschaftliche Schädi­gungen bezweckten. Vielleicht erinnern sich die Herren vomTemps". wer die französischen Flüchtlinge davor bewahrt hat, in Straßengräben ein entsetzliches Ende zu finden, nachdem die Behörden auf und davon waren! Hier scheint man ebenso wie an den Mikrophonen des -rums-Senders, wie in den Redaktionen desJournal", desOeuvre" und desPetit Journal", wie in den Kreisen um Herrn Fernand Laurant noch in keiner Weise zu der nötigen Klarheit vorgedrungen zu sein!

om 15. Juli schreibt beispielsweise der Kriegshetzer Fernand Laurent imJour-Echo de ' Seit 1932 habe eine neue Masorität in ihrer Demagogie Deutschland wieder gleiche Rechte" ein­gesetzt, seine Wiederaufrüstung erlaubt, und das in einem Zeitpunkt, da es für Frankreich möglich erschien, auf Hru,nd des. Friedens von 1918 für Generationen iM rFri'eden zu leben/ Am.17. MUz L936 sei das. Rheinland von dem deutschen Militär ohne » : --

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Die deutsche Kriegsmarine vernichtete in überseeischen Gewässern weitere 3» «wo BRT.; Lustangrisfe auf Süd- und Mittelengland richteten starke Brände an. Italienische Infanterie und Luststr^itkräste zersprengten die Kolonnen der fliehenden Engländer bei Moyale.

In Frankreich befürchtet man einen britischen Uebersall aus den Kriegshasen Toulon.

In England nimmt die Kritik an Churchill zu.

Unter unendlichem Jubel der Reichshauptstadt rückte eine Berliner Division, von General Fromm und Dr. Goeb­bels begrüßt, in Berlin ein.

Bei der vierten Haussammlung sür das Deutsche Rote Kreuz wurden über 37 Millionen RM. gesammelt.

Die kommende Lebensmittelzuteilungsperiode bringt im wesentlichen wieder unveränderte Rationen.

Der Reichshandwerksmeister kündigte wesentliche organi­satorische Vereinfachungen und Verbesserungen innerhalb der Handwerkspolitik nach dem Kriege an.

Die Innere Mission wurde als Bestandteil der deutschen evangelischen Kirche unmittelbar unter Staatsaufsicht gestellt.