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der Nationalsozialisten Vremens
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Nr. Z49 / 10. Jahrgang
Dienstag, 10. Dezember 1940
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Neuer vernilytunosschioa gegen London
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Berlin, S. Dezember.
Das Oberkommando der ÄZehrmacht gibt bekannt: „Als Vergeltung für die englischen Luftangriffe auf westdeutsche Städte führte die deutsche Luftwaffe in der Nacht zum S. Dezember einen Großangriff auf London mit sehr starken Kräften und in rollendem Einsatz von Einbruch der Dämmerung bis zum Morgen durch. Bei guter Beleuchtung warfen Kampfflugzeuge Bomben auch der schwersten Kaliber auf die Stadt und besonders auf lebenswichtige Versorgungsanlagen. An vielen Stellen entstanden gewaltige Brände, die sich im Laufe der Nacht an mehreren Punkten zu einem großen lodernden Feuermeer vereinigten. Gasbehälter flogen mit hoher Stichflamme in die Luft, Erdöllager gerieten unter starken Raucherscheinungen in Brand."
Eine böse Ueberraschung entlud sich über Südengland in der Nacht zum Montag. Die Engländer erlebten einen Angriff der deutschen Luftwaffe von heftigen Ausmaßen. Die ersten englischen Berichte vom Montagmorgen mutzten bereits in immer neuen Wendungen zugeben, wie schwer und heftig diese Aktionen gewesen seien. Spätere Mitteilungen vertieften diesen Eindruck.
Ausgerechnet nachdem das englische Luftfahrtministerium am Sonntag kühn behauptet hatte, daß eigentlich seit zwei Nächten keine Bombe mehr über den Londoner Bereich gefallen sei, siel ein neuer furchtbarer Schlag. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit näherten sich schon die ersten Angreifer der Themsegegend. /
Die englischen Berichte können nicht verhehlen, daß es den deutschen Fliegern gelang, trotz des Sperrgürtels der Abwehr den Luftraum über diesem zentralen englischen Gebiet zu überwinden. Die englischen Schilderungen, so spärlich sie sonst sind, müssen ausdrücklich die Parallele zu den schweren September-Großangriffen auf London ziehen. „Heftig unp weit ausgedehnt" war dieser Angriff nach der englischen Terminologie. Er begann mit der Dunkelheit und dauerte viele Stunden. Die Engländer^ verzeichnen eine Fortsetzung der „gewöhnlichen Taktik" der deutschen Luftwaffe: zunächst einmal Beleuchtung des Zieles durch zahllose Leuchtfackeln, dann, also nach genügender Klärung der Zielverhältpisse, Brand- und schließlich.Sprengbomben in großer Fülle.
> Der Korrespondent der „New Dork Times" berichtet, die deutschen Flugzeuge seien noch fast vor Sonnenuntergang über London erschienen und Stunden hindurch sei ein ständiges Motorenbröhnen über der englischen Hauptstadt zu hören gewesen. An vielen Stellen seien Bomben abgeworfen worden. Wenn der schaden auch erst inorgens übersehbar fei, so sagt der Korrespondent, der offenbar in der Lage war, feinen Bericht zu geben, noch während der Angriff jm Gange war. so sei doch sicher, daß er weitverbreitet und sehr
Der wehrmachtsbirriüit vom 9. Sezember
Berlin, 8. Dezember.
Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Als Vergeltung für die englischen Luftangriffe auf westdeutsche Städte führte die deutsche Luftwaffe in der Nacht zum 9. Dezember einen Großangriff auf London mit sehr starken Kräften und in rollendem Einsatz von Einbruch der Dämmerung bis zum Morgen durch. Bei guter Beleuchtung warfen Kampfflugzeuge Bomben auch der schwersten Kaliber auf die Stadt und befonders auf lebenswichtige Berforgungsanlagen. An vielen Stellen entstanden gewaltige Brände, die sich im Laufe der Nacht an mehreren Punkten zu einem großen lodernden Feuermeer vereinigten. Gasbehälter flogen mit hoher Stichflamme in die Luft. Erdöllager gerieten unter starken Ngucherscheinungen m Brand.
Einzelne britische Flugzeuge warfen in der Nacht in Westdeutschland wieder an mehreren Stellen Bomben. In Düsseldorf, M -Eladbach und einigen anderen Orten wurden Wohnviertel getroffen, einige Häuser in Brand gesetzt und dabei neun Zivilpersonen getötet, 17 schwer und 24 leicht verletzt. Sämtliche getöteten oder verletzten Personen befänden sich außerhalb der Luftschutz- räume. Militärischer oder wehrwirtschaftlicher Schaden ist an keiner Stelle entstanden. Zwei englische Flugzeuge wurden durch Flakartillerie abgeschossen. Ein eigenes Flugzeug wird vermißt."
schwer sei. Dieser Luftangriff scheint die Ruhe der letzten Tage ausgeglichen (I) zu haben.
Explosionen, wankende Mauern, splitterndes Glas und Feuersbriinste seien die üblichen Begleiterscheinungen gewesen. Der blutrote Schein von Bränden war über die ganze Stadt verbreitet. Man habe den Eindruck gehabt, als wollten die Angreifer die Coventrh-Taktik wiederholen. Hochexplosive und Brandbomben hätten „eine Reihe" von Feuern ausgelöst. Welle um Welle der deutschen Flugzeuge habe verhältnismäßig niedrig die Stadt überflogen.
United Preß nennt den Luftangriff „vielleicht den schwersten der letzten Monate". Die Wucht des Angriffs werd«
dadurch bewiesen, datz in einem Bezirk gleichzeitig 40 Bomben gefallen seien. Der heftige Angriff habe bis in die Morgenstunden angedauert. Zeitweilig sei das Erdröhne der Flugmotoren und das Krachen der schweren Bomben und der Geschosse der Flakartillerie ohne Unterbrechung gewesen.
„New Hork Herold Tribune" berichtet, datz große Gebäude durch die Bombenexplosionen in ihren Grundfesten erschüttert worden seien. Kein größeres Gebiet von London sei dem Angriff entgangen.
Aus den Schilderungen des englischen Rundfunks ergibt sich, daß im Mittelpunkt des nächtlichen deutschen Luftangriffs die wichtigen Hafendocks, die Speicher und Industrieanlagen längs der Themse gestanden haben.
Die Engländer sprechen von einem „Regen" von Bomben. Der Angriff sei gegen viele Bezirke des Grotzlondoner Bereichs gerichtet Worden. Der deutsche Angriff auf das Themsegebiet bildet nur einen Ausschnitt aus den sonstigen Aktionen der Montagnacht, die eine schneidende Antwort auf die englischen Kombinationen über ein „Ermatten" der deutschen Luftangriffe erteilt. Der Luftkriegsmitarbeiter des Reuterbüros hat
(Fortsetzung auf Seite S)
Der Vergeltungsschlag aus London
flntwor» auf lliurchills Illuflonksmus — Vor oertiängnisoolle lrugfchlufl
<xk. Berlin. ». Dezember.
Nach der plötzlichen Schwenkung der gesamten britischen Agitation von der Pessimismusseite zum Illusionismus zurück hatten die Sonntagsblätter in London das Tempo des Illusionismus ein wenig überhastet. Sie servierten den Londonern Spekulationen über die Gründe der nachlassenden Lustaktivität der Teutschen am Wochenende. Wir erinnern uns auch eines fast lyrischen Ergusses über das „ruhige London", durch dessen Zeilen zwar ein wenig der Charakter der Friedhossryhe hindurchschimmerte, der aber zugleich doch auch geradezu von Mondscheinpromenaden der Londoner saselte. Neben dieser Lyrik des Augenblicks aber stand dann die Illusion über die „erschöpfte deutsche Luftwaffe" nach vier Monaten Angriffen. Nun, die Lyrik war ebenso verfrüht und falsch wie die Spekulationen aus die Stärke oder die Erschöpfung der deutschen Luftwaffe und die verlogenen Be
hauptungen über eigene Erfolge.
Der Vergeltuygsschlag für Angriffe auf westdeutsche Städte hat eine klare und unmißverständliche Antwort an London gegeben. Die kleine Atempause war ebenso dahin, wie die große Illusion. Dieser rollende Großangrisf der Nacht zum Montag wird von den ausländischen Korrespondenten, insbesondere von den amerikanischen, a^ der wohl „bisher
schwerste und gigantischste Angriff au? die Hauptstadt der
britisckien Insel" bezeichnet, gigantisch in der Ausdehnung und furchtbar in der Auswirkung. Sprengbomben schwersten Kalibers haben ganze Gebäudeblocks in Trümmerfelder verwandelt. „Das Werk der Vernichtung, das völlig überraschend einsetzte, begann im Stil von Coventrh." Explosionen auf Explosionen folgten, während sich die Flammen wie ge- »räßige Ungeheuer durch die Distrikt« wälzten. Diese Sätze stammen aus Berichten amerikanischer Büros. Die „New Park Times" spricht von einem wahren Orkan von Leuchtbomben, Brandbomben und Sprengbomben aller Kaliber, so daß nach dieser Bombardierung die Achtmillionenstadt neueste schwere Wunden zeigte. Ein anderer Bericht spricht von ganzen Herden angreifender Flugzeuge, deren Bombenregen London schwerstens traf. Zusammenfassend geht aus allen Berichten hervor, daß nach Auffassung der USA.-Korrespon- denten London seit Beginn der deutschen Luftofsensive noch > nie so schrecklich verwüstet worden sei wie in der vergangenen Nacht.
Die Engländer haben Pech, immer, wenn sie es wagen, den Mund recht voll zu nehmen, stellt sich postwendend heraus, daß ihre Ruhmredigkeit totaler Unkenntnis entsprang. Erinnern wir uns an den Ausspruch Chamberlains, „Hitler habe den Omnibus verpaßt", aber anderntags lag der englische Premierminister unter dem Omnibus. Erinnern wir nutz. an den redseligen General Jronside, der deutsche 'Generale als Schwächlinge und Zauderer verhöhnte, um schnell
stens zu erfahren, wie die deutsche Wehrmacht handelte, während er - schwatzte. Am letzten Sonntag wollte Reuter seinen Vorbildern nacheifern: „Freitag erlahmte die Tätigkeit der deutschen Luftwaffe am Sonnabend war si« sehr gering und der Sonntag verlief still", — so ließ sich Reuters Luftkriegskorrespondent vernehmen. Er orakelte etwas von „merkwürdiger - Abschwächung" der deutschen Angriffe. Am Sonntag habe man überhaupt bloß ein einziges deutsches Flugzeug entdecken können und dies fei natürlich abgeschossen worden, Durch vier Monate fortgesetzter Luftaktionen sei Deutschland ziemlich erschöpft. In dieser Art ging dann ^as etwas' quallige Geschreibsel mit viel „wenn" und „aber" weiter. Der Sachverständige von Reuter tappte im Dunkeln, doch wollte er irgendwie den ersten Zipfel eines deutschen Rückzuges zur Luft erfassen und gleichzeitig den „größten Erfolg der Royal Air Force seit Kriegsbeginn" zusammendichten. Der Traum war schön, aber kurz.
Ihm wurde ein Ende bereitet durch die Bomben, die zu Beginn der Dämmerung des Sonntagnachmittag über London niedergingen. Die kleine Atempause, die London mit blindem Optimismus in einen militärischen Erfolg nmstcmpeln wollte, wurde von einem Stnrm abgelöst, wie ihn die Hauptstadt des britischen Weltreiches selbst in den Septembertagen nicht erlebt hatte, als die Dockanlagen brannten, die ersten Jndu- striewerke zusammenstürzten und kostend sich in einen „Vorort der Hölle" verwandelte. Die Sinnverwirrung in den Londoner Köpfen ist eine arge. Lustmarschall Sir Philipp Joubert und der Völkerbundsstratege Lord Robert Cecil hielten es nach den Angriffen aus Coventry, Birmingham, Southampton. Portsmouth und Bristol für weise, den Luftkrieg als unerträglich zu deklarieren, in Zukunft dürfe es überhaupt keinen Luftkrieg dieser Art mehr geben, aber als sit ein kleines Intervall zwischen den deutschen Angriffen als Schwäche auslegen zu können glaubten, da empfahlen sie ihrer eigenen Luftwaffe schärfste Angriffe auf die Wohnviertel der deutschen Städte und organisierten Rache-Kundgebungen. Welche mitz- .tönende Taste werden sie morgen aus ihrem Agitationsklavier anstimmen, wenn sich die Rauchwolken über London ein wenig verzogen haben und der ganze Schaden dieser Bombenlracht zum Montag sichtbar wird? Ein rollender Großangriff mit sehr starken Krästen. — so Meldet das Oberkommando. Bomben schwersten Kalibers hatten unsere Flieger über den Kanal mitgenommen und über den Wasser-, Gas- und Elektrizitiits- wcrken abgeworfen. Wir wissen, datz der Ernährungsminister Lord Woolton die Zerstörung der Versorgungsanlagen als die schlimmste Wirkung der Angriffe bezeichnete, — diese schlimmste Wirkung ist nun auch in London da —, just in dem Augenblick, in dem Reuter dem englischen Volk ein Ermatten der deutschen Luftwaffe einzureden versuchte.
fleutscher Hilfskreuzer schoß ausgezeichnet
Klarer Erfolg beim Seegefecht im Südatlantik — Ver deutsche kandelsstörer unbeschädigt
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Berlin, 9. Dezember. ^
Zu dem Gefecht im Südatlantik zwischen dem britischen und deutschen Hilfskreuzer wird ergänzend mitgeteilt, daß die Neutermeldung, wonach der deutsche -andelsstörer ernsthaft beschädigt wurde, nicht zutrifft. Obwohl das britische Schiff an Größe, Bewaffnung und Geschwindigkeit ganz erheblich gegenüber dem deutschen im Vorteil war, war es dem ausgezeichneten Schießen des deutschen Schiffes zu verdanken, daß es selbst unbeschädigt blieb, während der „Carnavon Castle" zur völligen Wiederherstellung mehrere Monate in die Werft gehen muß.
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Britischerseits wird jetzt der Mißerfolg gegenüber dem deutschen Schiff darauf zurückgeführt, daß es sich bei dem deutschen Schiff gar nicht um einen Hilfskreuzer, sondern um ein Westentaschenschlachtschist der „Deutschland"-Klässe handelt Dies ist absolut unzutreffend, DaS deutsche Schiff ist ein Handelsschiff das zum Hilfskreuzer umgebaut wurde. Durch diese Tatsache wird der deutsche Erfolg in diesem Seegefecht deutlich.
Nach am rikanischen Meldungen" aus Montevideo sind dort augenblicklich 50 Arbeiter Tag und Nacht damit- beschäftigt, die schweren Schäden an dem großen ^englischen Hilsskreüzer „Carnavon Castle" auszubessern. Ein Kanonier des englischen Hilfskreuzers erklärte einem Vertreter einer amerikanischen Agentur, daß die Artillerie deS deutschen Schisses, das die „Carnavon Castlsk angegriffen habe ganz hervorragend gezielt habe. Selten seien die Geschosse mehr als 20 Meter von d^n britischen- Schiff entfernt detoniert. Das deutsche Schift sei sehr lang und tief gebaut, so daß es sür den britischen Hilfskreuzer schwierig gewesen sei, Treffer zu erzielen.
Die englische Regierung hat in Uruguay für den Hilfskreuzer „Carnavon Castle" eine verlängerte Ausenthaltssrist von 72 Stunden nachgesucht. Die Arbeiten an den starken Beschädigungen, die das englische Schiff im Kampf mit einem deutschen Kriegsschiff erhielt, sind nicht so rasch fortgeschritten, wie das die Engländer zunächst gedacht hätten. Das Schiff liegt weiterhin im Hasen von Montevideo fest und es ist nach neuen Meldungen noch nicht einmal sicher, ob die Ausbesserungen der Schäden in der neuen, verlängerten Zeit gelingen Die „Carnavon Castle" hat, wie selbst englische Berichte zugeben müssen, 22 Treffer erhalten. Die meisten Schäden sind an der St'euerbordseite zu erkennen. Ein Brand brach aus, der sich durch zwei Decks hindurchfraß, aber schließlich gelöscht werden konnte; ein Teil der Oberbauten wurde zerstört.
Eine Unitcd-Pretz-Meldung aus Montevideo besagt, datz die Arbeiten zur Wiederherstellung der „Carnavon Castle" während der ganzen Nacht bei Scheinwerferlicht vorangetrieben
worden seien. Eine große Menge Panzerplatten sei zum Hafen transportiert worden, um bei den Reparaturarbeiten Verwendung zu finden. Man wartet mit Spannung, ob das Schiff wirklich innerhalb der bewilligten Reparaturfrist fertig wird.
Wie eine Reutermeldnng bekanntgibt, haben amerikanische Funkstationen erneut mehrere SOS.-Rufe von Schiffen im Atlantik aufgefangen. Das englische Handelsschiff „Empire Jaguar" und ein norwegisches Tankschiff, dessen Name als „Middelssjord" angegeben wird, melden von der afrikanischen Küste, daß sie angegriffen oder torpediert worden seien. Das Stockholmer „Astonbladet" bemerkt zu diesen Angaben, daß es sich bei dem Angreifer vermutlich um ein weiteres aus dem Atlantik operierendes Kriegsschiff handeln müsse, denn die Entfernung von Montevideo fei zu groß. als daß das gleiche deutsche Kriegsschiffe in Frage kommen könnte, das den Kanal mit der „Carnavon Castle" ausfocht.
Nach einer in Newyork veröffentlichten Nachricht soll der deutsche Hilfskreuzer, der am 5. Dezember den britischen Hilfskreuzer „Carnavon Castle" im Gefecht schwer beschädigt hat, von einem englischen Kreuzer gestellt sein und sich mit ihm im Kamps befinden,
Hierzu wird amtlich mitgeteilt, datz irgendwelche Meldungen über ein derartiges Gefecht nicht vorliegen. Die auS Newyork verbreitete Nachricht vielmehr als frei erfunden betrachtet wird.
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Italiens geschichtlicher Auftrag
Von Dr. Oiovnnni ^nss-läo
Der bekannte italienische Journalist Commendatore Dr. Ansaldo, Direktor des „Telegraso" hielt im Aus- lands-Presse-Club, Berlin, einen Vortag über den „italienischen Krieg gegen England". Wir entnehmen diesem mit großem Temperament gehaltenen Bortrag nachstehend die wichtigsten Abschnitte im Wortlaut.
Wir schreiben das Jahr 1655. England hat seine politische und ideologische Revolution beendet: der Puri» tanismus, die imperialistische Religion der Engländer, hat triumphiert. Und Cromwell, der in Wahrheit in
Her führer sprich»
Berlitt, 10. Dezember Der Führer spricht heute mittag 12 Uhr in einem Rüstungsbetrieb zu den Arbeitern. Die Rede wird über alle Sender übertragen.
Whitehall regiert, fühlt, daß er — um an der Macht zu bleiben — der feurigen Energie der Sekten Richtung und Ziel geben muß, und so schickt er seine Schisse aus die Meere, damit sie die spanischen Galeonen entern und die Welt erobetn. Zwei große Flotten lichten die Anker: die eine, unter dem Kommando Penns, fährt nach Ostindien, die andere, unter dem Kommando Bla- kes, ins Mittelmeer.
Für Herrn Blak« ist da» Mittelmeer nur eine Artz von Kolonialmeer, dessen Ufer von halbbarbarischen Völkern bewohnt werden, wie den Beduinen, oder von barbari- sierten Völkern, wie den Spaniern und Italienern. Und im Grunde genommen besteht für ihn kein großer Unterschied zwischen Livorno und Tripolis, zwischen dem Eroßherzog von Toskanien und dem Bey von Tunis, zwischen dem Papst und dem Sultan, die unmittelbare Folge dieser Betrachtungsweise ist. daß Blake sich -in unserem Meer, vor unseren Häfen genau so benimmt wie in einem Kolonialmeer. E^ erbeutet toskanische und Malteser Schiffe, er droht mit Bombardierungen unbefestigter Städte und er läßt sich Schadenersatz für nicht bestehende Schädigungen zahlen.
Die Italiener verstehen von dieser ersten Berührung mit dem imperialistischen England an so gut, mit wem sie es zu tun haben, daß sie dem puritanischen Admiral gegenüber Vorsichtsmaßregeln anwenden, die sie vorher nicht einmal gegen die rohen Seeräuber angewandt haben: so verfügt der Papst den Transport des Kirchen- schatzes ins Innere des Landes nach Loretto. Diese eine Berührung hat genügt, um die Wesensart der neuen Gäste erkennen zu lassen die leider auch die neuen Herren des Mittelmeeres sind. Merken Sie sich gut: in dieser ersten unmittelbaren Berührung des angelsächsischen Imperialismus mit der Mittelmeerkultur ist im Kern alles enthalten, was dann folgte, sogar das Geheimnis dessen, von dem wir feit Jahren Zeugen sind, nämlich den Kampf zwischen Italien und England. — Die Unfähigkeit Italiens war die notwendige Voraussetzung, damit die Engländer in Ruhe die privilegierte Stellung genießen konnten, die sie sich im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts gesichert hatten. Und noch anders ausgedrückt: es war notwendig, damit das Mittelmeer politisch englisch blieb, daß das einzige große Mittelmeervolk, das einzig wirklich europäische Volk des großen Binnenmeeres, der Weltpolitik fernblieb und in der Machtlosigkeit verharrte, in der es sich um die Mitte des 17. Jahrhunderts befand, als der Puritaner Blake sich zum erstenmal den Küsten des italienischen Landes näherte.
Stattdessen vollzieht sich im 19. Jahrhundert das historische und soziale Wunder des italienischen Risor- gimento. Die Gründung eines einigen Italiens ist von Anfang an gleichbedeutend mit einer völligen Verneinung der englischen Vorherrschaft im Mittelmeer. Dieser Gegensatz, der uns heute mit Hilfe einer weiten historischen Perspektive deutlich und unvermeidlich erscheint war in den ersten Jahrzehnten nach der Einigung Italiens zwischen 1870 und 1914 noch nicht so klar erkenntlich. Aber der Abgrund war da und tat sich immer mehr auf, je mehr Italien das Wesen, den Willen und das Bewußtsein einer Großmacht zeigte.
Die große Krise von 1936 deckte den Abgrund vor aller Augen in einer denkwürdigen dramatischen Form auf. Der unvermeidliche Gegensatz zwischen Italien und England, solange durch Wortgeplänkel verdeckt, wurde vor der ganzen Welt offenbar. In der Tat konnte England im Mittelmeer keine Nation dulden, die einen eigenen Willen besaß, keine wirkliche Großmacht. — Die
Die englische Hauptstadt war erneut stärksten deutschen Angriffen ausgesetzt.
Englands Schissbauprogramm in USA. stößt auf groß« Schwierigkeiten, da die USA.-Werften weitgehend sür den eigenen Bedarf beansprucht sind.
Aus dem erfolgreichen Seegefecht im Südatlantik ging der deutsche Hilfskreuzer völlig unbeschädigt hervor.
In Palästina flammt der Araberausstand wieder aus; englische Feldbefestigungen wurden überfallen.
Der japanisch« Außenminister Matsuola beantwortete Fragen der japanischen Außenpolitik.
Vizeadmiral von Mantey ist gestorben.
Die Führerschaft der Rordsee-Hitler-Jugend kam in Bremen zu einer Arbeitstagung zusammen.
Pros-sior Enthalt erhielt zum 70. Geburtstag die Bronze- Plakette der Hansestadt Bremen sür Kunst ulld Wissenschaft.