Ausgabe 
(12.11.1940) 312. (Nr.312)
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Scenier Zeltuiw

parteiamtliche Tageszeitung

Das Amtsblatt des legierenden Bürgermeisters der Zreien Hansestadt Bremen

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der Nationalsozialisten Vremens

flmtliches verkündungsblatt des Neichsstattstaiters in Oldenburg und Bremen

Nr. Z12 / 10. Jahrgang

Dienstag, 12. November 1940

Einzelpreis 15 Npf.

Z/ooovNI.üurch Stukmerbiinde versenkt

0 feindliche Handelsschiffe aus den Meeresgrund geschickt, 5 weitere schwer beschädigt

wieder englischer Seleihug zerschlagen

Außerdem in heftigen kuftkämpfen geben britische Maschinen abgeschossen

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^ Berlin, 11. November.

Im Seegebiet südostwärts Harwich überraschten am Montag deutsche Sturzkampffliegerver­bände einen stark gesicherten Geleitzug und griffen ihn im Sturzflug an. Trotz starker Flak- und Jägerabwehr des Gegners gelang es» insgesamt 37 000 BRT. feindlichen Handelsschisf^raumes zu versenken.

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Hierzu erfahren wir folgende Einzelheiten: Die

Tätigkeit der deutschen Luftwaffe war auch am Montag von beträchtlichen Erfolgen begleitet. In den Morgen­stunden griffen leichte Kampfflugzeuge London und an­dere kriegswichtige Ziel in Südostengland an «nd be­legten sie mit Bomben.

Sm Atlantik» etwa 400 Kilometer westlich von Ir­land» warf ein deutscher Fernaufklärer Bomben auf einen britischen Frachter von 259V BRT. und brachte ihn zum Sinken. Deutsche Sturzkampffliegerverbände überraschten im Seegebiet südostwärts Harwich einen stark gesicherten Eeleitzug und griffen ihn im Sturz­flug an. Dabei gelang es trotz starker feindlicher Flak- und Jagdabwehr, einen Frachtdampfer von 10 000 VRT.» zwei von je 8000 VRT.» einen von 6000 BRT. und einen von 5000 BRT. zu versenken, so daß der Gegner mit Sicherheit 37 000 BRT. an Handelsschiffstonnage verloren hat. Drei weitere Schiffe wurden so schwer be­schädigt, das; mit ihrem teilweise« oder ganzen Verlust zu rechnen ist.

Im Laufe dieser Angriffe kam es zu heftigen Luft­kämpfen, in denen unsere Jäger sieben gegnerische Flug­zeuge vom Vaumuster Spitfire und Hurrikane abschössen. Vier eigene Flugzeuge gingen verloren.

Die Zertrümmerung eines Geleitzuges durch deutsche Stukas vor der Themsemündung ist sür die Londoner Admiralität eine neue bittere Erfahrung. Mit ernsten Sorgen mußte die englische Presse in den letzten Wochen nicht nur ein starkes Ansteigen der deutschen U-Booterfolge ver­zeichnen. sie mutzte auch feststellen, daß die Wirkung der U-Boote, die nach wie vor den Löwenanteil der Versenkungen sür sich buchen, durch andere Massen ebenfalls besonders krastvoll ergänz: werden. Dazu gehörte u. a. die Versenkung eines Geleitzuges von 86 000 BNT. durch deutsche Ueberwasser- streitkräste weit draußen auf dem Novdatlantik, ebenso wie die gesteigerte Aktivität deutscher Flugzeuge gegen die britischen Zusuhrschisse.

Der neueste Fall ist jetzt die Bombardierung des Schnell­dampfers „Empretz of Japan", der derselben kanadischen Reederei angehört, wie die kürzlich im Zusammenwirken von Flugzeug und U-Booten vernichtete „Empretz of Britain". Die Art und Weise, in der die britische Admiralität um diesen Eriolg eines deutschen Fernbombers herumredet, zeigt besonders deutlich, wie unangenehm ihr die Fluazeugtätig- keit im Allantik. ist.

Die deutsche Luftwaffe trifft aber auch unmittelbar bor den britischen Häfen den feindlichen Seeverkehr durch harte Schläge. Bei dem Angriff im Seeraum Harwich haben die Stukas eine Reihe von Dampfern mit insgesamt 37 000 BNT. und weite­ren erheblichen Schiffsraum beschädigt. Damit haben die Er­folge unserer Stukas, die bereits in den letzten Tagen gegen englische Handelsschiffe zu verzeichnen waren, eine neue Stei­gerung erfahren Die Wirkung der deutschen See- und Luft­kriegführung im Dienste der totalen Blockade vereinigt sich in ^ solch ersolgreicher Weise, daß englische Zeitungen wie der „Manchester Guardian" bereits schreiben, „die deutsche Gegen- blöckade gegen England sei schön fühlbarer als im Weltkriege". Aber sie wird nocl^weit fühlbarer werden, darauf kann Chur­chill sich verlassen.

Vor Wehrmachlsbericht vom 11. November

Berlin, 11. November

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Die Vergeltungsflüge auf London wurden am 10. November und in der Nacht zum 11. November ohne

Unterbrechung fortgesetzt. Außerdem wurden in Süd- und Ostengland am Tage zahlreiche Angriffe auf kriegs­wichtige Ziele durchgeführt. In den Häfen von Vexhill, Hastings, Dover, Clacton on Sea und Great Harmouth gelang es Lagerhäuser und Verkehrs­anlagen, inEastbourne, Marggte» sowie an mehreren Stellen der Bahnstrecke Jpswich —Nor- wich Gleisanlagen und in Chatham ein Industrie- werk zu treffen. In den Truppenlagern von West- Lutworth und Dungeiletz zerstörten Bomben­treffer mehrere Baracken und Truppenunterkünfte. Wäh­rend der Nacht wurden Birmingham und Liver­

pool, sowie ein Rüstungswerk bei Eranham mit guter Wirkung bombardiert. Im Seegebiet ostwärts Middlesborough versenkte ein Kampfflugzeug ein Han­delsschiff von 8000 VRT.

Feindliche Flugzeuge warfen in der Nacht zum 11. No­vember im Reichsgebiet an verschiedenen Orten Bom­ben, wobei an einer Stelle ein Holzlager in Brand ge­setzt, an zwei anderen Stellen Hochspannungsleitungen beschädigt wurden. Weiter beschädigten feindliche Bom­ben zwei Bauernhöfe und ein Wohnhaus. Es sind ins­gesamt ein Toter, ein Schwerverletzter und neun Leicht­verletzte zu beklagen. In den Luftkämpfen des gestrigen Tages wurden vier feindliche Flugzeuge abgeschossen. Fünf eigene Flugzeuge werden vermißt."

Einige britische Flugzeuge versuchten in der Nacht vom 10. zum 11. November die Reichshauptstadt anzugreifen. Die energische Abwehr zwang sie jedoch zur Umkehr, ehe sie ihre Bomben abweisen konnten.

Molotow auf deutschem Bediel

eintreffen Menstag vormittag in Berlin — empfang durch von Mbbentrop

Berlin, 11. November.

Der Vorsitzende des Rats der Volkskommissare der lldSSR. und Volkskommissar für Aus­wärtige Angelegenheiten W. M. Molotow, der am Sonntagabend Moskau verlassen hat, um sich auf Einladung der Reichsregierung nach Berlin zu begeben, wird am Dienstagvormittag in der Reichshauptstadt eintreffen. Der Volkskommissar wird am Bahnhof von dem Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop empfangen werden.

Am Montagabend traf Autzenkommissar Molotow mit den Herren seiner Begleitung und dem deutschen Bot­schafter in Moskau, Graf von der Schulenburg, aus deut­schem Gebiet in Malkinia ein. Dort wurde er von dem deutschen Ehrendienst, dem Chef des Protokolls, Ge­sandten von Doernberg, dem Stabsleiter des Berbin­dungsstabes des Stellvertreters des Führers, ^-Ober­führer Stenger, und Kapitän zur See Stoephasius be­grüßt.

*

Molotow, seit 1930 Präsident des Rates der Volkskommissare und seit der Entlassung Litwinows auch Leiter des Volks­kommissariats sür auswärtige Angelegenheiten, gehört schon von jeher zu den engsten Mitarbeitern Stalins, dessen Ver­trauen ihn auf die maßgebendsten Posten des sowjetrussischen Regimes berief. Wjatscheslaw Michailowitsch Skrjabin — den Namen Molotow (Molot — Hammer) nahm er erst 1919 an — wurde am 9. März 1890 als Sohn eines kaufmännischen An­gestellten im Gouvernement Wjatka geboren. Als I6jähriger Schüler des Realgymnasiums ick Kasan trat er schon in die bolschewistische Partei ein, in der er einer der aktivsten

Vorkämpfer der Revolution wurde. Aus diesem Grunde mehrfach verhaftet und verbannt, gelang es ihm aber doch immer wieder, den Häschern zu entrinnen und illegal weiter- zuwirken. Während seines Studiums an der polytechnischen Hochschule in Petersburg lernte er Lenin kennen, der ihn zur Mitarbeit an der 1912 zum ersten Male als sozialdemo- kratischeS Organ legal erschienenen „Prawda" heranzog, an der auch Stalin tätig war. Seit dieser Zeit datieren die engen Beziehungen Molotows zu dem Mann, der das Erbe Lenins antreten sollte. Nach dem Umsturz arbeitete Molotow zunächst in der Provinz, wurde jedoch 1921 als Sekretär des Zentralkomitees der kommunistischen Partei nach Moskau be­rufen. Drei Jahre später wurde er Mitglied des politischen Büros -und gelangte damit in den Kreis der ausschlaggeben­den sowjetischen Führer. 1928 zum Sekretär des Moskauer Parteikvmitees ernannt, war er infolge seiner Erfahrung aus innenpolitischem und wirtschastlickzem Gebiet nach dem Ab­gang Rykvws im Jahre 1930 der gegebene Mann für das Amt eines Präsidenten des Rates der Volkskommissare, in dem ihn Stalin wiederholt bestätigte. Im Mai 1939 über­nahm Molotow gleichzeitig das Außenkommissariat. als dessen Chef er die Neiiausrichtung der russischen Außenpolitik ver­wirklichte. Sein jetziger Staatsbesuch in Berlin ist die erste Auslandsreise Molotows überhaupt.

«kmpreß of lapan" bombardiert

Newyork, 11. November Nach in Newyork eingetroffenen Meldungen ist der kanadische Truppentransporter „Empreß of Japan" (26 032 BRT.) im Nordatlantik bombardiert und schwer beschädigt worden. Das Schiff war vor Kriegsausbruch einer der besten Dampfer auf der Route Vancouver— Ferner Osten. Er kann als Truppentransporter rund 7000 Mann unterbringen.

Mißglückte englische tufllorpedoongriffe

Berlin, 11. November.

Am 10. November 1940 nachmittags wurde ein deutscher Sperrbrecher in der westlichen Nordsee von zwei englischen Flugzeugen mit Lufttorpedos angegriffen. Das gutliegende Flakseuer des deutschen Kriegssahrzeuges hinderte die bri­tischen Flugzeuge am treffsicheren Zielen. Der deutsche Sperr- brccher konnte durch geschicktes Manövrieren den abge­schossenen Torpedos ausweichen und kehrte wohlbehalten in seinen Stützpunkt zurück.

Versorgung Londons wachsend schwieriger

Bomben zwischen dinierenden Lords — „tarllon-tlribtzmis" in Krümmern — Nordleil des Lowers vernichtet

lnv. Stockholm, 11. November.

Die deutschen Luftangriffe auf London und andere Teile Englands waren den am Montag vorliegenden Berichten aus englischer Quelle zufolge, besonders schwer im ersten Teil der Nacht zum Montag. Es werden Bombenexplosionen aus vielen Bezirken gemeldet. Wildes Sperr­feuer zeugte davon, daß sich die Verteidigung der Hauptstadt alle Mühe gab, den Angreifern den Weg zu verlegen. Aber dennoch brachen die deutschen Verbände durch, und stundenlang wieder war London in den Lärm und Flammenschein nicdcrsausender Bomben gehüllt.

Auch der amtliche Bericht des britischen Lustfahrtministc- riums und deS Ministeriums für innere Sicherheit besagt lediglich, daß am Sonntag kurz vor Einbruch der Nacht feindliche Flugzeuge „einige Bomben" an verschiedenen Orten in der Nähe der Ostküste abgeworfen hätten, die keinen .ernst­haften Schaden" und keine Verluste veursacht hätten. In der Nacht zum Montag sei die feindliche Tätigkeit, obwohl sie im allgemeinen nicht besonders ernsthaft gewesen sei, doch ausgedehnter als in der vorhergehenden Nacht gewesen. Die Mehrzahl der Opfer sei verursacht worden als ein „Ge­bäude" am Süduser der Themse-Mündung demoliert wurde Außer diesen wenigen Zwischensätzen sei, so heißt es weiter, das Bombardement auf die Londoner Gegend konzentriert worden. Der Bericht gibt dann „einige Brände darunter einen größeren" und „gewisse Schäden" ' an Gebäuden und Handelsgrundstücken, sowie an unterirdischen Leitungen in verschiedenen Teilen der Hauptstadt zu, betont aber, das Ge­samtergebnis sei „nicht groß" gewesen

Die Wirklichkeit sieht natürlich wieder einmal ganz an­dersaus. Der Londoner Berichterstatter des Madrider „ABC" schreibt u. a., daß die Nacht zum Sonntag eine der schlimm­sten war, die in der englischen Hauptstadt ie erlebt wurde: die Gebäude seien in einzelnen Stadtteilen geradezu ab­rasiert worden. Wenn man dazuhalte, daß der Winter vor der Tür stehe, dann könne man die Beunruhigung der Lon­doner Bevölkerung Wohl verstehen. Der Berichterstatter er­wähnt zum Schluß, daß die alte Festung London, der Tower, alle ihre Nordbastioncn infolge der Bombardierung bereits verloren habe; das sei der Teil, in dem vor Kriegsausbruch die Kronjuwclen aufbewahrt wurden, die aber jetzt „wo­anders hingeschafft" worden feien.

Bei einem der Luftangriffe der letzten Tage sielen Bomben auch aus die Gebäude von einigen der bekanntesten und vor­nehmsten Londoner Klubs, darunter „Reform" und „Carlton". Nach einer Reutermeldung befanden sich in dem Augenblick des Einschlags an die 40 konservative Unterhausabgeordnete und Lords im „Carlton Club". Die Abgeordneten, so heißt

es, seien aber mit dem Schrecken davongekommen, während einige Bedienstete Verletzungen erlitten.

Nach schwedischen Meldungen ist man in London dort sehr stolze daraus, daß die deutschen Bomben das kürzlich ver­anstaltete Bankett für den neuen Oberbürgermeister nicht hin­dern konnten, das vorsichtshalber aus den Mittag verlegt, worden war. Bei seiner Amtseinführung mußte der neue Lordmahor freilich an vielen zerstörten Gebäuden vorbei, aud als er seinen Wagen verließ — auf die früher übliche prunkvolle Prozession hatte man vollkommen verzichtet — geschah das am Rande eines der großen Bombenkrater, die heute die City überall zieren. Die sonst am II. November üblichen Feiern und Umzüge unterblieben diesmal in Eng­land vollkommen. Der Sonntag wurde in vielen Teilen des Landes als Erinncrungstag än die Wcltkriegsgesallenen begangen. Aber alles, was aus den Wassenstillstandstag 1918 Bezug hatte, ist im Hinblick aus den Luftkrieg abgesagt worden.

Ueber die Luftoperationen von Sonntag besagen ergänzende englische Berichte, daß ein Tiefangriff auf die Seilst, Insel stattgefunden habe. Es werden im übrigen auch Angriffe auf Städte in Kent und Susser und Kämpie an der Dorset- küste gemeldet.

Die Lufttätigkeit über England war am Montag besonders lebhaft. Hierbei wird der Einsatz italienischer Flugzeuge erst­malig von den Engländern des näheren erwähnt, die bis dahin versucht haben, den italienischen Anteil an Lustope-

(Fortsetzung auf Seite 2)

ua. Berlin, 11. November

Die Weltpresse steht, wie es schon so oft gewesen ist, wenn die diplomatischen Methoden einer neuen Zeit über Nacht Tatsachen von unberechenbarer Auswirkung schufen, ganz im Zeichen eines Themas: Der Besuch des Vorsitzenden im Rat der Volkskommissare in der Reichs­hauptstadt. Dieses politische Ereignis fällt in eine Spanne des weltpolitischen Werdens, die so voll von der Aktivität und der Lebenskraft der sie gestaltenden Ge­danken ist, daß es dem Geist des GeMrn schwer fällt, ihren Sinn und ihr Wesen zu begreifen. Daraus erklärt sich die Reaktion der Öffentlichkeit und in den politisch maßgebenden Kreisen jener Welt, von der uns heute äußerlich der Kanal, gedanklich und geistig eine Welt trennt.

Man entsinnt sich jener Schrecksekunde, die in Paris und London damals im August 1939 die Reaktionsfähig­keit der politischen Organe hemmte, als die erste Reise des Reichsautzenministers von Ribbentrop nach Moskau gemeldet wurde. Obwohl schon damals mancher Erfolg jener blitzartigen diplomatischen Aktionen — deren poli­tischer Auftakt in einer Weise geheim zu bleiben pflegt, wie es das in der alten Diplomatie nicht gab und auch nicht für möglich gehalten wurde — die westlichen Staatsmänner überrascht hatte, glaubte man sich doch in diesem Falle zu einem ironischen ungläubigen Lächeln berechtigt, jenem Lächeln, das schon oft genug im Schreck der eintreffenden Bestätigung erstarrt war und dann mit allem Aufwand an Fassung in das so oft gehörte „Na, wenn schon . . verwandelt wurde, dem dann die Feststellung zu folgen pflegte, man habe alles voraus­gesehen, sei in keiner Weise überrascht und für jede Ent­wicklung gerüstet. Bis in dieses Stadium ist im gegen­wärtigen Fälle die britsche Presse noch nicht vorge­drungen.

Das Begreifen der deutsch-russischen Beziehungen hat in der jüngsten Vergangenheit die leitenden Gehirne der Londoner Politik vor besonders große Aufgaben ge­stellt. Immer wieder zeigten Reden und Gesten, Aeuße­rungen, Hoffnungen und Andeutungen in London, daß sich dieser Prozeß des Begreifens nicht bis zu einer Klarheit durchzuringen vermochte, die den Realitäten gerecht wurde. Man hat oft gesagt, London wolle das nicht begreifen, es ist wohl richtiger, von einem nicht — mehr — Können zu sprechen,, nachdem die wachsende Sterilität des politischen Gedankens in den Köpfen, die einst die Welt lenkten, von Ereignis zu Ereignis klarer geworden ist. Dies ist die eine Wurzel der Illusionen gewesen, unter deren Zeichen London in der letzten Zeit stand. Man glaubte wirklich nach an Silberstreifen — auch am östlichen Himmel. Ihre andere Wurzel zehrte von der britischen Zähigkeit, die die dämmernde Er­kenntnis immer wieder zudeckte und alles daran setzte, das Gesicht zu wahren und die Lage entgegen der er­kannten Isolierung rosig darzustellen, um mit dieser Be­urteilung Kraft und Vertrauen zu zeigen und es anders­wo für England zu aktivieren.

Aus welchen Wurzeln die Jllusionspolitk auch gespeist sein mochte, ihre außenpolitische Effektivität, die ja -e- wie das griechische Beispiel zeigt — vorhanden war, mußte immer in dem Augenblick eine Grenze finden, wo die Tatsachen überzeugender sprachen. Rußland spielte in den Londoner Andeutungen schon seit Kriegsausbruch eine besondere Rolle. Die Bemühungen des Botschafters Sir Stafford Cripps bezeugen das ebenso wie Englands Haltung in den hier und da auftauchenden Fragen der Tagespolitik und bei technischen» und wirtschaftlichen An­lässen. An dieser Grundlinie haben die aus der drin­genden Not an Schiffsraum resultierenden Beschlag- nahmungen baltislcher Schiffe nichts ändern können.

Immer wieder gab es in dem nachrichtenpolitischen Spiel der Kräfte zwei Erscheinungen, die sich abwechsel­ten. Die von London stammende, gerüchtweise lancierte Meldung von irgendwelchen Eintrübungen im deutsch- russischee Verhältnis und das kalte, kurze, lakonische De­menti der „Taß". Es schien, als hätte es jeweils die Londoner Windschutzscheiben klargewischt, aber es schien nur so .Schneller als es sonst geschiht, waren die Schei­ben wieder beschlagen. Man glaubte es einfach nicht. Es konnte doch nicht sein. Und es war doch so!

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Die deutsche Luftwaffe setzte auch in der Nacht zum Mon­tag wie am Montag ielbst ihre vernichtenden Angriffe gegen London fort.

Durch deutsche Stnkaverbändc wurden aus einem eng­lischen Gelcitzug fünf Handelsdampfcr vernichtet, drei Weitere schwer beschädigt.

Der russische Außenkommissar Molotow traf am Montag aus deutschem Gebiet ein.

Her Molotow-Besuch wird in der Weltpresse weiter stärk- stcns beachtet.

Die Ernährungsfrage Londons gestaltet sich von Tag zu Tag schwieriger.

Chamberlains Tod wurde in England 17 Stunden lang verschwiegen.

Die RAF. setzt Lügen in die Welt, den Bürgerbräukeller getroffen zu haben.

Gegen Lord Beaverbrook werden in einer englischen Zei­tung Klagen erhoben, nach denen der Lord über eigene U-Boote verfügt.

Auch am Montag wurde in Rumänien wieder ein Erd­stoß verspürt.

Der Rcichsjustizminister erließ neue Durchsührungsanwei- sungen für den Jugendarrest.