-f .7 V^ ' ' >' i' V'. '
'77"' 7''
7-?!- -^-"5^1 :"
-7'». -^->7»-?"?'^ SM27- ^WM,
Erscheint 7mal wöchentlich
MonakSbezug Et 2,30 einschl. Zustellgebühr; Postbezuqspreis monatl 2,30 M (einschl. 28,7 Post- zeilungsgebühr) zuzügl. 42 ^ Bestellgeld. Bezugspreis ist im voraus, ahlbar. Postscheck: Hamburg 17272 Eine Behinderung der Lieferung rechtfertigt keinen Anspruch aus Rückzahlung des Bezugspreises. Verlag: NS.-Gauverlag Weser- Eins GmbH., Bremen, Geeren 6-8. Fernspr.: 54121, Nachtr. u. SonNtg.
5 1113. Sprech z.: Verlag: werktl. 12—13 Uhr? Schriftleltung Dienstag und Freitag 12'/-—13'/r Uhr.
vklMI UllW
parteiamtliche Tageszeitung
Das Amtsblatt des legierenden Vürgermeisters der Zreien Hansestadt Vremen
Anzeigen - Grundpreise:
Die 1 rnw hohe und 22 mw breite Zeile im Anzeigenteil 13 Die 78 mm breite und 1 mw hohe Zeile im Tertteil 75 -M. Ermäßigte Grundpreise (für Klein- u. Familien- anzeiyen u. a.) sowie sonstige Bedingungen Preisliste 9 Nachlaß- stasfel O. Für Anzeigen durch den Fernspr. keine Gewähr. Annahmeschluß 16 Uhr? sonnabends 14 Uhr. Geschäftsstellen: Bremen: Geeren Nr. 6/8, Fernspr. 5 41 21. Nachtruf und sonntags: Fernsprecher 51115? Obernstraße 86, Fernspr. '> 41 21. On Shke, Mühlendamm Nr. 2.
der Nationalsozialisten Vrernens
flmtliches verkündungsblatt des Neichsstatttzalters in Oldenburg und Vremen
Nr. Z06 / 10. Jahrgang
Mittwoch, 6. November 1840
binzelpreis 15 Nps.
IS66 bomben auf tonbon in einer Nacht
M/r Stunden -Norm / Starke krploflonen und vriinde in der britischen Hauptstadt
wachsende krnichrungsschwierigkeiten
Sie deutsche viockade im Weltkriege niemals so wirksam wie ketite
liw. Stockholm» 5. November.
Das stärkere Wiederaufflammen der Nachtangriffe gegen England, allein in der Nacht zum Dienstag wurden laut OKW.-Vericht in 111-6 Stunden 1566 Bomben aller Kaliber allein auf London abgeworfen, ist eine böse lleberraschung für die Engländer, die darauf am Dienstag recht getreten reagierten. Die Heftigkeit der deutschen Aktionen in der Dienstagnacht mag ihnen gezeigt haben, daß auch die Spekulationen auf Witterungsschwierigkeiten der deutschen Luftwaffe eben nur eine Illusion sind.
/ ? In der Nacht zum Dienstag waren die Wetterbedingungcn zwar nicht viel besser als Sonntag. Schon am Abend telefonierte der Bertreter der „Stockholm Tidningen" seinem Blatt, das sich London aus die 57. Angrisfsnacht einrichte: „Das nur allzu bekannte Warngehcul der Sirenen ist soeben verklungen und die Londoner bereiten sich aus eine neue Bombennacht vor. Das Leben ist wieder normal, sagen sie . . Der Vertreter des „Stockholms Nyheter" schreibt, er habe in der englischen Hauptstadt seit Beginn des September , bis zur Nacht aus Montag noch nie Gelegenheit gehabt, einmal einen ganzen Abend am eigenen Herd zu verbringen oder eine ganze Nacht im eigenen Bett zu schlafen. Die erste Abendwarnung komme mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerkes sofort bei Beginn der Dunkelheit. In einem anderen schwedischen Bericht aus London wird daraus hingewiesen,, daß sich nach den bisherigen Erfahrungen die schlechte Widerstandsfähigkeit des Londoner Durchschnittshauses im Luftkrieg herausgestellt habe. Die kleinen schlechten Londoner Häuser brechen bei Treffern zusammen wie ein Kartenhaus.
Der neuerliche verstärkte Umfang der deutschen Luftangriffe konnte natürlich nicht einmal vom Londoner Lügenmini- sterium vollkommen geleugnet werden. So begnügte man sich mit dem angesichts des deutschen Einsatzes geradezu lächerlich anmutenden ,Versuch, die Wirkung dieser rollenden Vergel- tungsangrifse nach Kräften zu verkleinern.
In dem von Reuter verbreiteten amtlichen Bericht des Lust- fahrtministerinms und des Ministeriums sür die innere Sicherheit von Dicnstagmorgen heißt es u. a., die Angriffe, die kurz nach Einbruch der Nacht wiederaufgenommen wurden, seien sehr ausgedehnt gewesen und seien in ziemlich großem Maßstab durchgeführt worden. An mehreren Orten in England und Schvttlqnd seien Bomben abgeworfen worden, aber „nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen" seien die Opfer an keiner Stelle zahlreich und die Schäden „verhältnismäßig leicht" gewesen. London war nach dem Bericht von neuem das Hauptziel, aber es fielen auch Bomben aus zwei Städte in den Midlands, am Merseh und auf eine gewisse Anzahl Ortschaften in Südostengland, den östlichen Grasschaf- ten und Schottland. Der Angrijf auf das Londoner Gebiet wurde während der ganzen Stunden der Dunkelheit fortgesetzt und an mehreren Stellen wurden Bomben abgeworfen. Obgleich „einige Schäden" angerichtet worden seien, zeigten die bisher vorliegenden Meldungen, daß die Zahl der Getöteten oder Verletzten klein ist. — Was wieder einmal eine unbeabsichtigte Bestätigung dafür ist, daß die Ziele der deutschen Bomben militärische Objekte sind.
Auch in einer anderen Meldung glaubt Reuter, der Lefftnt- lichkeit weismachen zu können, daß die Angreifer „vereinzelt" über London erschienen seien, was bei der riesigen 'Menge der abgeworfenen Bomben allerdings äußerst unwahrscheinlich klingt. Ebenso töricht ist vas Taschenspielerkunststück, gleichzeitig zu behaupten, daß die Angrifft, in der Provinz „sehr ausgedehnt" aber zumeist unwirksam gewesen seien.
Andererseits gibt der englische Nachrichtendienst zu, daß im Stadtgebiet Londons am Tienstagvormittag bereits wieder zweimal Luftalarm gegeben wurde. Das erstemal seien zahlreiche feindliche Maschinen in zwei Formationen über die Küste von Kent nach England eingeslogen. Sie seien sosort unter Flakseuer genommen und von Wägern in Gefechte verwickelt worden. Später am Vormittag habe eine zweite Welle von deutschen Flugzeugen die Küste von Kent erreicht. Einzelheiten über beide Luftangriffe und insbesondere die angerichteten Schäden lägen noch nicht vor.
Während man sich an amtlicher englischer Stelle so immer noch krampfhaft — wenn auch vergeblich — bemüht, den durch die deutschen Luftangriffe angerichteten Schaden vor der Weltösftntlichkeit zu verschleiern, geht aus Tausenden von kleinen Anzeichen immer wieder hervor, wie verheerend die Wirkung der Angrifft ist. So muß die „Financial Times" zugeben, das; die Regierung eine Heranssetznng der Prämien für die' Versicherungen anordnen werde, durch die die englischen Geschäftsleute sich gegen die ständig zunehmenden Verluste sichern. Die 'Versicherungsprämien gegen die Beschädigungen von Warenlagern, Vorräten usw. werden voraussichtlich ab 2. Dezember herausgesetzt werden, „um die Versicherung solvent zu erhalten"
Auch der ungeheure Menschenbedarf für die Nufräumungs- arbeiten spricht in dieser Hinsicht Bände, „Daily Mail" erwähnt in einer kurzen Notiz, daß „während eines Wochenendes" nicht weniger als 3000 Zivilisten aus der Provinz nach London geschickt worden seien, die dort znr Verstärkung der ohnehin nach Tausenden zählenden AnfräumungstrnPPe zur Beseitigung der Lustkriegsschäden eingesetzt worden sind Eine weitere zunehmende Sorge der Londoner Kriegshetzer ist die Stimmung der von ihnen ins Elend gestürzten Bevölkerung. An versteckter Stelle berichtet der „Daily Sketch" in einer Notiz von wenigen Zeilen, daß ein 30jähriger Ernest James Coles wegen zweier Fälle von Sabotage, begangen auf
einem Flugplatz, vor einem Bristoler Gericht angeklagt worden ist. Durch diese Sabotage seien dem Lande Werte von rund 340 000 Mark verlorengegangen.
Die wahre Achilles-Ferse der englischen Kriegssührung scheint aber doch die Versorgungssrage zu sein. Die Madrider Zeitung „Alcazar" verweist in diesem Zusammenhang aus eine Verlautbarung der britischen Regierung, wonach die Versorgung der britischen Insel mit Lcbensmitteln und Rohstoffen nicht mehr sichergestellt werden könne. Das Blatt sieht darin ein erstes offizielles englisches Eingeständnis des Verlustes der Seeherrschast und stellt fest, daß während des ganzen Weltkrieges die deutsche Blockade gegen England niemals so machtvoll wirksam werden konnte wie jetzt.
Sogar der „Daily Herold" mutz zugeben, daß der große Einsatz von N-Booten England innerhalb von fünf Tagen in der am 21. Oktober endenden Woche mehr Verluste an Handelsschiffe beigebracht haben als je zuvor, mit Ausnahme von Dünkirchen!
Wie stark der Rohstoffmangel schon in England ist, geht deutlich auch aus einer Londoner Eigenmeldung von „Nya Dagligt Allehanda" hervor. Es heißt dort nämlich, es sei vor einigen Wochen angeregt worden, daß die Holzmengen, die man aus den zerstörten Häusern noch retten könne, in Schutzränmpritschen umgewandelt würden. Damals habe man diese Idee noch nicht verwirklicht, aber heute tue man das tatsächlich. Weiter wisse das schwedische Blatt zu berichten, daß Hunderte von Londoner». die aufs Land gezogen seien, jetzt in Wohnautos Hausen müßten weil sie auf Grund des großen Zustromes in die ländlichen Gebiete in der Umgebung Londons keinen freien Wohn räum finden können. Derartige Wohnautos könne "Man nicht mehr in dem Maßei wie die Nachfrage nach ihnen besteht, herstellen. So würden alte Autos jetzt schon mit 500 Pfund bezahlt, wenn sie auch neu nur 200 gekostet haben.
See Wekrmachtsbericht vom 5. November
Berlin, 5. November.
Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
„Trotz der auch weiterhin bejonders ungünstigen Wetterlage griff die Luftwaffe bei Tag und Nacht England. Schottland und als Hauptziel London an. An der Zeit von 19 bis 6.36 Uhr warfen Kampfflugzeuge im rollenden Angriff auf die britische Hauptstadt insgesamt über 1566 Bomben aller Kaliber.
Am 4. November und in -er Nacht zum 5. November unternahmen Kampffliegerverbände außerdem zahlreiche Angriffe auf kriegswichtige Ziele, wie Flugplätze, Industrie- und Verkehrsanlagen sowie Munitions-
„Slätilerne deutsche slieger"
Im. Rom, 5. November
„Tue italienischen Flieger, die die Ehre haben, am Aermel- kanal an der Seite ihrer deutschen Kameraden zu kämpfen, besitzen heute eine Vorstellung von der Großartigkeit der deutschen Lustorganisation." Mit diesen Worten leitet der einzige italienische Journalist, der mit den Bombern des -italienischen Lustkorps gegen England fliegt, der aus dem Abessinienkrieg bekannte Lualdi, einen in mehreren italienischen Zeitungen veröffentlichten Bericht über die beispiellosen Leistungen der deutschen Flieger ein.
Nach einem Hinweis aus die verhängnisvollen Irrtümer, die die plutokratische Propaganda noch nach dem Pvlenseldzng mit ihren Lügen über die Qualität des Materials der deut-
anstalten und Barackenlager. Dabei wurden u. a. in Wattisham und Ford erneut Hallen getroffen und eine große Anzahl von Flugzeugen am Boden zerstört. Nach nächtlichen Angriffen auf Coventry und Liverpool konnten mehrere starke Explosionen und Brände beobachtet werden. In Hillington, Edinburgh-Leith und anderen Orten Schottlands erhielten Industrieanlagen schwere Treffer, die heftige Explosionen hervorriefen. Das Verminen britischer Häfen nahm seinen Fortgang. Der Gegner unternahm keinerlei Einflüge in das Reichsgebiet. Ein britisches Flugzeug, das sich der Kanalküste näherte, wurde abgeschossen, ein eigenes Flugzeug wird vermißt." <
scheu Lustwaffe beging, bezeugt Lualdi, daß es heute die RAF. ist, die unter Materialnot leidet. Er schließt wörtlich: „Die deutsche» Flieger haben mit ihrer Kühnheit und außerordentlichen Geschicklichkeit ungewöhnliche Hindernisse überwunden. Die Ueberraschnngen, die die Götter im Luftraum bereiten können, vermag auf dem Boden kein Stratege xauszusinnen. Die Schlacht beginnt für den Piloten sosort nach dem Abflug, eine Schlacht technischer Feinheiten, die verfeinerte Sinne und eine gewaltige Geistesgegenwart erfordert. Hart und schloer sind Kampfaufträge uni diese Jahreszeit im Norden. Die deutschen Flieger verdienen sür ihre stählerne Qualität die Bewunderung der ganzen Welt. Wir saschistische» Piloten können uns viele Erfahrungen zunutze machen, die unsere deutschen Kameraden gesammelt haben. An ihrer Seite werden wir den Sieg erkämpfen."
„falsche Informationen, schlechte NatschlSge"
0er klnfluß koker uSfl.-persönUtkkeilen veranlaßte Frankreich zum Kriegseintritt - Interview mir Votfchafter Oral Se vrinon
Paris, 5. November.
Der neuernannte französische Botschafter Exaf Ferdinand deBrinon äußerte sich in einem Interview Mit dem Pariser Vertreter der amerikanischen Nachrichtenagentur International News Service.
Zu den falschen^rnformatlonen und Ratschlägen, die vor allem von dem ehemaligen Botschafter C. Bullttt. den französischen Staatsmännern erteilt wurden, und die von entscheidendem Einfluß auf die Ereignisse waren, die zu der Kriegserklärung Frankreichs an Deutschland führten. -
' Gras 8e Brinon, dessen Aeußerungen die gestern gemeldeten Ausführungen Bonnets und das deutliche Echo der französischen Presse nachhaltig ergänzen, geht von der Feststellung Marschall Petaius aus, daß die Zusammenarbeit mit Deutschland bei der Errichtung einer neuen europäischen Ordnung das Ziel Der französischen Politik sei. Zusammenarbeit in diesem Sinne bedeute vor allem, die Situation ersaßt zu haben, aus der heraus unsinnigerweise ein Krieg erklärt und eine Niederlage erlitten würde. De Brinon sagte n. a.: Deutschland, das heute als Sieger dasteht, hat das Recht und alle Möglichkeiten, die Führerschaft in einem neuen Europa zu übernehmen. Wir haben allen Grund, anzunehmen, daß dies das aufrichtige Bestreben Hitlers ist, und daß es ihm gelingen wird, dieses große Werk durchzuführen.
Daher ist es wesentlich, daß unsere amerikanischen Freunde die augenblickliche Lage Frankreichs richtig verstehen, und wir bedauern es sehr, feststellen zu müssen, daß es sich keineswegs immer so verhält und daß man selbst in offiziellen Aeußerungen dazu neigt, die Lage so hinzustellen, als ob die Petain-Regierung nicht volle Freiheit besitze, ihre eigene Politik zu verfolgen. Diese falschen Informationen sind das Ergebnis einer Propaganda, deren Inspirationen bereits mehrmals die Vereinigten Staaten veranlaßt haben, Verpflichtungen zu übernehmen, die sich nachteilig aus die französischen Interessen und die guten Beziehungen auswirkten, die alle Franzosen zwischen Frankreich und dem großen Volke der Vereinigten Staaten zp erhalten wünschten.
^ Es ist tatsächlich nicht zu bestreiten, daß wir durch gewisse Einstüssc in den Krieg hineingezogen wurden, die nicht aus- schtietzlich französischen Ursprungs waren. Ich kenne Herrn ?P^dier sehr gut, und ich weiß, daß er persönlich keineswegs die Absicht hatte, die Politik fortzusetzen, zu der man ihn gewaltsam veranlaßte. Kurz nach dem Münchener Abkommen wurde er das Opfer eines mächtigen Einflusses, dem er sich nicht entziehen konnte. Frankreich wandte, veranlaßt durch niedrige Motive der Innenpolitik und einen Druck von außen, dein Münchener Abkommen den Rücken, und daraus ergab sich ganz folgerichtig, daß es in verhängnisvoller Weise in den Krieg hineingezogen wurde. Ich kann Ihnen Beweise dieses Druckes von außen geben, der selbst noch in diesem Augenblick ausgeübt wird . Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Zusammenkunft in meinem Hause zu Beginn des Frühjahrs 1030 zwischen Pierre Laval 'und dem polnischen Botschafter LukasicvicS. Herr Laval beschwor den polnischen Botschafter, seinen Einfluß dahin auszuüben, um seine Nc- gicrung zu der Fortführung einer klugen und vorsichtigen Politik zu veranlassen. Der polnische Botschafter erwiderte verächtlich: „Wir werden Sie zwingen, Krieg zu führen."
Man hat allen Grund zu fürchten, daß noch eine andere wichtige Persönlichkeit, die eigentlich neutral hätte bleiben sollen, ihren großen Einfluß in derselben Hinsicht geltend machte. In diesem Zusammenhang verwies Graf de Brinon darauf, daß Taladicr dem amerikanischen Botschafter Bullitt eine Erklärung abgab, derzufolge er niemals mit der Mög
lichkeit eines Kriegseintrittes der Vereinigten Staaten .rechnete.
Der Druck, so Juhr de Brinon fort, dem Herr Daladier unterlag, und der zweifellos einen großen Einfluß aus seine Entscheidungen ausübte, erfolgte in Form von Informationen und Ratschlägen. Aber diese Informationen waren falsch und diese Ratschläge schlecht.
Sie erinnerst sich zweifellos daran, daß einige Tage vor Ausbruch des iKrieges der englische Botschafter in Berlin eine Unterredung mit Hitler hatte, nach deren Beendigung eine Mitteilung von großer Bedeutung nach London gesandt wurde. Diese Mitteilung enthielt den Plan sür eine friedliche Beilegung aller englisch-deutschen Streitfragen. Das englische Kabinett beriet 48 Stunden lang über diese Vorschläge und schien geneigt, eine positive Antwort daraus zu erteilen. Aber in Polen erfolgte daraufhin sofort eine lebhafte Reaktion gegen ein sogenanntes „Imstichlassen"; ich glaube, daß die Möglichkeit besteht, in dieser Reaktion die Spur eines starken Einflusses zu entdecken, der von einer hohen amerikanischen Persönlichkeit ausgeübt wurde. Außerdem wurde dem Chef der französischen Regierung der noch immer zögerte, von denselben Kreisen aus täglich erzählt er riskiere nichts, wenn er sich in einen ^Krieg einlasse, da das nationalsozialistische Regime keinen wirklichen Widerstand leisten könne und der Sieg sicher sei.
Das ist es, was wir als falsche Informationen und schlechte Ratschläge bezeichnen. Wir wissen heute, wohin uns das geführt hat. Ein vollkommenes Mißverstehen der wirklichen Verhältnisse sollte nicht zu einer Verlängerung des Konfliktes und zu neuen Katastrophen führen. Aus diesem Grunde hoffen alle wahren Franzosen, die ihr Vaterland lieben und wirkliches Verständnis sür den Verlaus der Geschichte ausbringen, daß das amerikanische Volk gerecht die gegenwärtige Situation beurteilen und allen schlechten Ratschlägen und falschen Nachrichten mißtrauen wird, die in der Vergangenheit soviel Böses angerichtet haben.
„ltsMee 4g>ie 7-76"
Von unssrsm Berliner Vertreter
orc. Berlin, 5. November.
Nach den am Tag der Präsidentenwahl in USA. vorliegenden Stimmen aus Amerika ist das „Rennen" der beiden Kandidaten am Vorabend der Entscheidung als völlig offen angesehen worden. Man erinnert an die Wahl von 1916, bei der sich am Wahlabend der republikanische Kandidat Hughes sich mit der vermeintlichen Gewißheit zu Bett legte, gewählt zu sein und dann das Ergebnis schließlich doch zugunsten Wilsons lautete. Die für diese Wahl bezeichnende Institution „des Vereins der Demokraten für Willkie" hat eine Wahlprognose gestellt, daß die demokratischen Stimmen im Lande 21 bis 26 Prozent zurückgehen würden, mit Ausnahme der Siidstaaten, die für Roosevelt sicher seien, und daß das Rennen nur mit der Lupe zu entscheiden sei.
Diese Aeußerungen sind ebenso typisch sür die Beurteilung der Wahlaussichten wie die Ergebnisse der letzten telegraphischen Umfrage des Eallup-Jnstituts, das auf Grund seiner umfangreichen Erhebungen zu der. Auffassung kam, daß Roosevelt wohl 52 Prozent der Stimmen und Willkie 48 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen würde, daß aber bei einer so geringfügigen Differenz nach den Anzeichen der Wahlstimmungsbarometer keinerlei Voraussage gemacht werden könne, wieviel Wahlmänner tatsächlich der eine oder andere Kandidat erringen werde. Noch niemals sei eine Wahl in USA. so offen gewesen. Man führt dabei als möglicherweise ausschlaggebende Faktoren die Stimmungen und Stimmen der Frauen an, die danach stimmen würden^ ob sie in dem einen oder dem anderen Kandidaten die größere Gefahr sehen, daß er Amerika in den Krieg führen würde. Weiter die Frage der Stimmabgabe der. Zugewanderten aus Italien, Deutschland, Polen, Rußland, Irland, während man die großen sozialen Strömungen und Spannungen, die sich aus der Mil- lionenarbeitslosigkeit ergaben, weniger in die Wagschale wirft.
Von innenpolitischen Argumenten, die zur Entzündung und Verschärfung des Wahlkampfes beitragen, hebt man im wesentlichen die Frage der Demokratie und die Vermeidung einer Parteidiktatur hervor. Im übrigen ist bekanntlich der Wahlkampf weitgehend mit außenpolitischen Argumenten geführt worden. Die Erbitterung im Wahlkampf ist bis zuletzt gestiegen, wofür auch die Meldungen der Schaffung eines umfangreichen Apparates der Parteien zur Ueberwachung der Wahl und Verhütung unlauterer Mittel sprechen. Nach 111 Wahlreden Willkies und fünf großen Reden Roosevelts ist nunmehr die Wahlmaschinerie und die Stimmen- zählung in Funktion angetreten. In Newyork hatte man 5025 elektrische Stimmaschinen aufgestellt, bei denen man durch Druck auf Knöpfe die Wahlmänner sur die Präsidentenwahl wie die Kandidaten für den Senat und die öffentlichen Aemter wählt.
Auch in anderen Staaten sollen ähnliche maschinelle Einrichtungen geschaffen worden sein, so daß man auf eine schnelle Feststellung des Ergebnisses rechnet, wenn nicht, was nach den Prognosen anzunehmen ist, das Ergebnis ganz knapp sein würde und es auf die letzten Stimmen in entfernten Bezirken einzelner Staaten ankäme. Dann würde die Entscheidung möglicherweise erst Donnerstag oder Freitag vorliegen. Man rechnet aber "SA. allgemein mit einem Vorliegen des Endergebnisses in den Stunden nach Mitternacht amerikanischer ^eit, also in den Vormittagsstunden mitteleuropäischer
-reundsttiafi Liechtenstein — Veutschtand
O- Zoll. Bern, 5. November.
Fürst Josef II. von Liechtenstein hielt vor dem liechtenstein- schen Landtag eine Thronrede, in der er erklärte. Liechtenstein wolle alles tun um die Verträge mit der Schweiz ge- treu. Zu erfüllen und mit dem Deutschen Reich freundnachbarliche Beziehungen zu Pflegen. „Wir Liechtensteiner als Menschen deutschen Schlages", so erklärte der liechtensteinsche ourst weiter, „nehmen wie bisher so auch jetzt innigen Anteil an der Zukunftsgestnltung des großen deutschen Volkes". Die Liechtensteiner schätzten die Freundschaft mit Deutschland, gleich wie sie auch ihre deutsche Sprache und Kultur hochhielten. Gern erinnere er sich, so erklärte Fürst Josef, noch an seine so freundliche Aufnahme i» Berlin im März 1030, bei der ihm der Führer Gelegenheit geboten habe. ihm selbst und seinen engsten Mitarbeitern das freundnachbarliche Verhältnis zu bestätigen. Der liechtensteinsche Regierungschef Dr. Soop gab für die Regierung die Erklärung 'ab, daß sie ihre ganze Arbeit und ihr ganzes Tun und Handeln nach den Leitsätzen der Thronrede richten werde.
IIIIMIIlI»IIIIIIIIIINIIIIIIIIIIIIIINIIINIIlINIIII»I»NIIIIIIIINIII»II»»II I»I»NII»I»II»
In einem 11'/-stündigcm Nachtbombardemcnt warfen deutsche Flieger 1500 Bomben aller Kaliber auf die britische Hauptstadt.
Nach englischer Feststellung zählt man in London Ibis jetzt 14 000 Tote und 200 000 Verletzte.
Churchill hielt im Unterhaus eine seiner bekannten illusib- nistischcn Reden.
Italienische Truppen brachen den Widerstand an der Epirussront; die Schlacht um Jannina ist im Gange. Der französische Botschafter Graf de Brinon prangert in einem Interview den unheilvollen Einslutz amerikanischer Persönlichkeiten aus die frühere französische Regierung an. Pandit Nehru wurde von den englischen Unterdrückern zu vier Jahren schweren Kerkers verurteilt.
Reichsministcr Dr. Goebbels sprach in einer Großkundgebung in Prag.
Als allgemeiner Arbeitstag ist der 0. November in diesem Jahr nicht schulunterrichtsfrei.
(4