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parteiamtliche Tageszeitung
vas Amtsblatt des Negierenden Vürgermeisters der §re!en Hansestadt Nremen
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der Nationalsozialisten Vremens
flmtiiches verkündungsbiatt des Neichsstattdalters in Vldenburg und Meinen
Nr. 85/10. Zastrgang
Donnerstag, 28. März 1940
Linzelpreis 15 Npf.
Schwarze loge für Sie feindliche Schiffahrt
WL'"' ,
Versenkt, explodiert, ausgebrannt, überfällig, „zusammengestoßen"...
st"
Mttere Pillen für thurchill
H Erneut schwere Schiffsverluste Englands
4°,, Amsterdam, 28. März.
M Reuter sieht sich genötigt, den Verlust des britischen Damp- k sers „Castlemore^ (6574 BRT.) zuzugeben. Das Schiff ist so lange überfällig, datz es als verloren gelten mutz. Die Mannschaft bestand aus 62 Mann. '
Wie Reuter weiter zugeben muh, ist der britische Oeltanker „Daghestan" (5742 BRT.) in der Nordsee versenkt worden. 16 Bcsatzungsmitglieder landeten am Dienstagabend : an der Nordostküste von Schottland.
Wie außerdem bekannt wird, ist der 5566 BRT. große britische Dampfer „Barrhill", der nach einem Luftangriff aus Strand gesetzt werden mutzte und in Brand ge- ! raten war, auseinandergebrochen, während die Feuerwehr noch tätig war.
Aus dem englischen Tankschiff „Jronquois", das vor einiger Zeit durch Minenexplosion stark beschädigt wurde und gegenwärtig im Dock liegt, ereignete sich in Glasgow während der Reparaturarbeiten eine Explosion, durch die zwei Arbeiter verletzt wurden. Der Feuerwehr gelang es, das Schiss zu retten.
Per SüMsfriedtiol in der Nordsee
- Oslo, 28. März.
A Nach einem Bericht des Londoner Korrespondenten von 8 „Astenposten" ist das norwegische Schiss „Comet a" (3794 ^ BRT.), gebaut 1921, der Bergener Dampsschissahrtsgesellichast , in der Nordsee aus noch nicht bekannter Ursache unter-
s. gegangen. Die Besatzung nebst einigen Passagieren, ins-
d gesamt 37 Personen, seien gerettet.
Das holländische Küstenmotorschiff „S a b a" (397 BRT.) ist : feit einer Woche überfällig. Man befürchtet, datz das Schiff
l gesunken ist.
Der italienische Dampfer „Jtalo Balbo" (5114 BRT.) ist Mittwoch früh vor der Südostküste Englands mit einem Jordanischen Dampfer zusammengestoßen. Der italienische Dampfer wurde hierbei schwer beschädigt.
ficht USfl.-Schiffe nach kngland verkauft
Washington, 28.' März.
Nach einer Meldung der „Associated Preß" hat die Bundss- Ichlsfahrtsbehörde den Verkauf von acht amerikanischen Fracht- vampsern an englische Reedereien gutgeheißen. Es handelt s. sich um Schiffs von 5000 bis 6000 BRT.
^ „filtmark" in einem deutschen Hafen
' . Das bekannte .Regierungsschiss „Ndtmark", das am 17. Fe- s' bruar der versuchten Kapcrung im Jössing-Fjord durch bri- - tische Seestrcitkriiste entging, ist am Mittwochnachmittag
wohlbehalten in einen deutschen Hasen eingclaujcn.
erfolgreiches SwßrrupprmrerneSimeir
Feindliche Flugzeuge abgeschossen
Verlin, 27. März.
TaS Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
„Im Westen gelang es bei einem Stoßlruppnnternehmen im Grenzgebiet südlich Pirmascns mehrere Gcsangcne zu machen.-Der Feind erlitt außerdem Verluste an Toten und Verwundeten. Nördlich Weißenburg wurde ein feindlicher Stoßtrupp unter Verlusten abgewiesen.
Trotz starker feindlicher Jagd- und Flakabwehr erzielten die zur Aufklärung über Frankreich eingesetzten deutschen Flugzeuge wichtige Erkundungsergebnisse. In der Nacht vom 25. aus 26. März flogen mehrere feindliche Flugzeuge in Nord- und Westdeutschland ein. Hierbei wurde erneut in mehreren Fällen dänisches, niederländisches, belgisches und luxemburgisches Hoheitsgebiet bei Ein- und Ausflügen verletzt. Im Lause des 26. März versuchten feindliche Flugzeuge mehrfach die deutsch- französische Grenze zu überfliegen. Teutsche' Jagdflugzeuge vertrieben den Gegner und schössen ohne eigene Berluste «in britisches Hurricane- und ein französisches Morane-Flug- zeug ab.
krsilröÄscller Zerstörer gesunken
Uaek iurcklbarer kxvlosion üusemLmiergvrLfisen
krsn2ö8i8ÄlS8 lorpeäobool auksslsuken
Rom, 28. März.
Agencia Stesani meldet aus Tanger: Man erfährt erst jetzt einen neuen schweren Verlust der französischen Kriegsmarine. ' Der Zerstörer „La Railleuse" ist, als er Sonnabend, 15,30 Uhr, auslaufen wollte, von einer furchtbaren Explosion zerrissen worden und sofort gesunken. Die Zahl der Toten, Verletzten und Vermißten belauft sich aus etwa ISO.
Die Behörden hatten versucht, das Ereignis zu verheimlichen, so daß die Blätter erst am Mittwoch die Explosion eines „Schleppers" erwähnen. Der Zerstörer „La Railleuse", der zwischen 1926/27 gebaut wurde, ist der erste einer Klasse, der weitere 13 Einheiten angehören. Wasserverdrängung: 1378 Tonnen. Geschwindigkeit: 34 Knoten. Bewaff
nung: vier 13-Zentimeter-Eeschütze, zwei 3,7 Flak und sechs 55-Zentimeter-Torpedorohre.
Brüssel. 28. März.
Wie der „Peuple" meldet, ist ein französisches Torpedoboot am Dienstag gegen 22.38 Uhr im Kanal von Zuydcote in unmittelbarer Nähe der belgischen Grenze aufgelaufen. Von Dünkirchen wurden Schlepper zur Hilfeleistung ausgesandt.
„eine lächerliche verrückchelt"
erstaunliche Londoner krklarung;um unentwegten ffilfeoersprechen an sinntand
Amsterdam, 28. März.
Bor kurzem besuchten einige französische Zeitungsleute anläßlich einer Informationsreise nach England den Ersten Lord der britischen Admiralität, Winston Churchill. Bei dem Empfang war auch der Erste Seelord, Admiral Dudleh-Pounb, anwesend, an den die bezeichnende Frage gerichtet wurde, „weshalb der Krieg gegen. Rußland nicht unter dem Borwand der Rettung Finnlands erössnet morden sei".
Admiral Dudleh-Pound erwiderte aus diese Frage folgendes: „Im arktischen Ozean ist vor dem späten Frühling nichts zu machen. Die kurzen Tage sind sowohl wegen der U-Boote als auch wegen der Schwierigkeiten, Minen zu räumen, ungünstig. Unter diesen Umständen im Winter etwas zu unternehme», noch dazu an einer so ausgedehnten und gleichzeitig so schlecht bekannten Küste mit ihrer dürftigen Sicherung durch weit auseinanderftehende Leuchtfeuer, — fast 2000 Kilo- meter vom nächsten Flottenstützpunkt entsxrnt —, wäre eine lächerliche Verrücktheit gewesen."
Die französischen Zeitungsleute wandten sich nach dieser erstaunliche» Erklärung, deren Ossenheit sie restlos verblüsste, an Winston Churchill. Tiefer aber erklärte: „Einer so gewichtigen Aussage hab« ich nichts hinzuzusügen."
Aus sranzösischer Seite erwiderte der Leiter der „Tep'ösche de Toulouse": „Ich begrcise nicht, warum man dann unentwegt Versicherungen an Finnland gegeben hat. ihm rasch zp Hilfe kommen zu wollen?" Daraufhin zuckte Ehurchill, wie in der „Tepeche/ berichtet wird, nur lächelnd, die Achseln.
Der Erste Seelord der britischen Flotte und der Erste Lord der Admiralität müssendes nun allerdings wirklich genau wissen, warum mgn den Finnen Hilfe versprach, obwohl England selbst jeden Hilscversuch als „eine lächerliche Verrücktheit" ansah! Ein Eingeständnis mehr der verlogenen englischen Politik! Ein Beweis mehr siir die Tatsache, daß es sich niemals um eine Hilfe für Finnland handelte, sondern
um nichts anderes als den Versuch, das finnische Bolk für die englischen Kricgsauswcitungaintcresscn zu opsern, wie man bedenkenlos ein halbes Jahr vorher Polen in den Krieg gehetzt hatte!
sinnlands Verluste
bev. Kopenhagen, 28. März
Die finnischen Verluste in dem von England über Finnland heraufbeschworenen Krieg werden von einem Sonderberichterstatter des „Daily Expreß", der erst jetzt aus Finnland zurückkehrte, aus 30 000 Tote und 50 000 bis 60 000 Verwundete beziffert, also nahezu das Doppelte dessen, was bisher von finnischer Seite zugegeben wurde. Nahezu ein Viertel der finnischen Armee sei vollständig außer Aktion gesetzt gewesen. Aber die englische Politik wünschte bekanntlich, daß Finnland trotzdem den Kamps fortsetzen sollte. Nach der im „Daily Expreß" eingestandenen englischen Taktik sollen die Finnen die Manncrheim-Linie aufgeben, run einen mehrjährigen Kleinkrieg zu führen. Das hätte zwar fürchterliche Verluste für Finnland bedeutet, aber England hasste, datz Finnland aus diese Weise „ein schrecklicher Dorn in Rußlands Seite" bleiben sollte. Eine Reihe von finnischen Generälen habe die Preisgabe der Msnnerheim-Linic befürwortet, darunter General Oestermann, aber Mannerheim hab« dagegen entschieden.
englischer Piratenüberfall aus russischen Vampfer
Amsterdam, 28. März.
Wie Reuter' meldet, wurde der sowjctrussische Dampfer „Wladimir Mayakowsky" von einem englischen Kriegsschiff angehalten und zwecks Durchsuchung von Bannware in den Hasen von Hongkong gezwungen. Der Dampfer, der nach Wladiwostok unterwegs ist, hatte in dem mexikanischen Hasen Manzanillo eine Ladung Kupfer an Bord genommen. Hierzu verlautet, die russische Regierung habe gegen diesen Piratenakt protestiert, die Freilassung des Schisses verlangt und sich das Recht vorbehalten, Schadenersatzansprüche zu stellen.
Handelsschiff prellte britische Seeräuber
veutscher stampser rettete sich durch ein seemännisches Meisterstück
änb.27. März. (I'K).
In den letzten Tagen wurde mehrfach berichtet, daß deutsche Dampfer wieder in norwegischen Hvheitsgewässern von englischen Kriegsschissen, insbesondere von englischen Zerstörern, hart bedrängt und belästigt wurden und daß die Briten wiederholt versuchten, mitten in diesen neutralen Hohcns- gewässern die Dampfer auszubringen. Nur dem geschickten Manövrieren und der kaltblütigen Navigation der Tampser- kapitäne war es zu verdanken, daß diese allem Völkerrecht hohnsprechenden Ausbringungsvcrsuche der Engländer vereitelt werden konnten. In der Kajüte eines dieser Tampier, der soeben am Pier eines deutschen Hafens anlegte, sitzen wir dem baumlangen Kapitän und einem Teil seiner tapieren Besatzung gegenüber, und während draußen noch die wertvolle heimgebrachte Ladung gelöscht wird, geben sie uns einen sesselnden Bericht ihrer abenteuerlichen Fahrt:
„Wir iahren im Morgengrauen des 2l. März >9t0 mit voller Ladung stark südlichen Kurs heimwärts lind alten uns in Sichtweite der norwegischen Küste. Friedlich zieht unser Schiss seine Bahn. und wir wähnen unS mit verschiedenen neutralen Schiiidn. die uns begegnen, vollkommen ßche- weil wir doch im neutralen Hoheitsgewässer .jähren. Kaum
- aber ist es hell geworden, als aus der Brücke steuerboev voraus zwei Zerstörer gesichtet werden. Norwegisch« Kriegsschi 'e. ist Miscr Gedanke! Die Schisse sind nur eine gute Seemeile
- Von der Stenerbordscite entfernt, iahren also ehensalls im norwegischen Hoheitsgebiet. Plötzlich dreht aber einer der Ier- störer'hart bei und kommt in hoher Fahrt aus uns zu! Das
ä kann nur ein Tommy seinl Ein Irrtum ist ansgeschlotzcn. A „Verdammte Secräuberl" flucht der Kapitän aus der Brucke. S „Vor nichts haben diese Gesellen Respekt! Aber wartet nur k ihr habt euch verrechnet!" Mit kühnem Entschluß dreht auch ks er hart bei und steuert mit 90 Grad unmittelbar aus die U norwegische Küste zu. Immer mehr holt der Zerstörer unser U Schiff ein. Wir fahren bis 50 Meter an die steile, schrvsse M Küste heran. Ein Blick auf die Karte, ja, es mutz gehen! „De
Ladung kriggt se »ich, lewer schippert wi se na Petrus!", schwört der Erste Steuermann. Wieder wirb mit 90 Grad hart südlich beigedreht, und hinein geht es in die lchirsen und gefahrvollen Rocks.
Aus 150 Meter ist der Brite schon herangekommen. Es ist der englische Zerstörer „H 67". Die emsige Geschiistigkeit aus seinem Deck läßt keinen Zweifel über seine hinterhältigen Absichten. An Bord stehen schon seine Enterkommandos bereit. Die Leinen werden klar zum Längsseitsgehcn und zum Abschleppen gehalten, und andere warten, bis an die Zähne bewaffnet, darauf, aus unser Schiss überzuspringen.
So einfach ist es nun aber doch nicht! In langsamer Fahrt schlänget» wir uns durch die Rocks und Schären. Eiskalt läuft es uns bei dem Gedanken über den Rücken, daß die vielen scharfen lind spitzen Felsen jeden Augenblick unser schönes Schiss aufreißen können. Aber lieber diese Gefahr aus uns nehmen als dem Tommy in die Hände fallen! Steuerbord nnd backbord wird beständig, eifrig und genau gelotet. So hätte man unsere getreue Besatzung sehe» sollen! Keiner hat zu Beginn des Krieges abgemnstert. Jede Fahrt, auf die sie Hinausfahren, ist eine Fahrt ins Ungewisse.und birgt die drohende Möglichkeit englischer Jnterniernng oder Versenkung des Schisses in sich. Sie wissen aber, warum sie hinausfahren! Es ist für Deutschland und seine Wirtschaft und für die Stärkung der Front der Millionen Soldaten, die den Sieg durch die Waffen erringen werden. Und nun. wo ihr Schiff in höchster Gefahr ist nnd der Tommy seine Hand nach ihm ausstreckt, da geben sie alle ihr Letztes her. Nur klein ist die Besatzung. Aber groß ist die Leistung bis znm letzten Mann Im Kartenhaus wird aus der Karte genießen nnd gemessen. Die geringste: aber auch die allergeringste Kursabweichung kann dem Dampfer zum Verhängnis werden. Mit schneidender Stimme gibt der Kapitän seine entschcidungs- schworen Anweisungen an den Rudergänger. Ruhig und sicher iührt die Maschine seine Befehle aus. Im Vorschiff wird weiter gelotet. Oft rücken die heimtückischen Felsen an beiden Seiten so nah an das Schiff heran, datz es fast als eine
Unmöglichkeit erscheint, durchzukommen. Aber wir schassen es. Mit ausgeschwnngencn Rettungsbooten tasten wir uns buchstäblich durch die Rocks und Schären.
Und der Tommy? Verblüfft hat er gestoppt, als wir in die Rocks einbogen, und nun begleitet er uns wieder in knapper Entfernung an der anderen Seite der Insel aus unserem ge- sahrenvollcn Weg durch das felsige Fahrwasser. Er selbst aber hat nicht den Mut, unserem Dampfer hierher zu folgen. Zweimal aber macht er noch einen Anlauf, uns einzuschüchtern und aufzubringen. Einmal beginnt er wild mit seinen Geschützen zu schwenken und droht offensichtlich aus uns zu schießen. Dadurch kann man uns nicht blussen. Unbeirrt fahren wir weiter und lassen uns durch diese Drohung nicht aus der Ruhe bringen.
Dann kehrt der Brite plötzlich mit großer Fahrt voraus! Will er abhauen? Am Ausgang des Fahrwassers an den Schären legt er sich aus die Lauer. Wohin ihm schon der andere gefolgt ist. Nun wollen sie zu zweien auf uns los? Hier müssen wir nach seiner Berechnung herauskommen, jawohl müßten! Aber wir tun ihm auch hier nicht den Gefallen. den üblichen Weg durch das Fahrwasser zu nehmen, sondern wir biegen erneut hart an der Küste in das gefährliche Rockwasser ein. Der Engländer gibt uns noch einige Stunden das Geleit, und dann gibt er es aus, und der geprellte Seeräuber zieht von bannen. Die Trauben waren ihm doch zu sanerl
Das sind Husarenstücke der Männer auf unseren Handels- dampsern! Die Ocfscntlichkeit crsährt im allgemeinen wenig von ihren gefahrvollen Fahrten und ihren Taten zur See. Aber nach unserem Sieg über die Unterdrücker der Menschheit wird man auch dieser tapferen Männer gedenken, die aus ihren kühnen Fahrten dem Wcltscind trotzten und durch ihre in Sicherheit gebrachten Ladungen das deutsche Volk nnd seine wirtschaftlichen Widerstandskräfte stärkten.
6ust»v Schütt
Von krilr Seiet snrskl
Die'Türkei hat die Loslösung der Landeswährung vom englischen Pfund vorgenommen. Die besonderen politischen Beziehungen Ankaras zu den Westmächten haben diesen Entschluß nicht aufhalten-können, nachdem das Pfund abermals im Kurse zurückging.
Seit dem Jahre 1031 hat das Pfund über 55 v. H. seines Goldwertes verloren. Der größte Sturz trat im Herbst 1931 ein, als London seine verfehlte Kapitalpolitik der ersten Nachkriegszeit liquidieren mußte. Die Londoner City hatte ihre finanzielle Kraft überschätzt,
— das erstemal seit einem Jahrhundert! Von 1933 bis 1938 hielt sich das Pfund ziemlich stabil, weil London jede größere Kapitalbeschäftigung im Ausland ver- mied. Als die englischen Kriegstreiber jedoch 1938 endgültig die Oberhand gewannen, ging es mit dem Pfund weiter abwärts, und seit Kriegsbeginn haben sich die Schwächeanfälle beschleunigt. In den letzten sieben Monaten verlor das Pfund ein Zehntel seines Wertes. Die „Nation Belge" bezeichnet deshalb das englische Pfund als „das erste Opfer der Ereignisse".
Der Wertschwund des Pfundes schreitet f o r t, obwohl London auf Grund der WährungsEntente mit Frankreich auch über die Pariser Goldreserven verfügen kann. Diese Währungs-Entente ist von dem jetzigen französischen Ministerpräsidenten während seiner Amtszeit als Finanzminister abgeschlossen worden. In seinem neuen Amt wird Reynaüd keinerlei Hemmungen verspüren, die finanziellen Mittel Frankreichs ganz in den Dienst der Londoner Eeldge- waltigen zu stellen. Es besagt genug, daß sich der Psund-Kurs nach der Ernennung Reynauds zum Ministerpräsidenten um einen Bruchteil seines Wertes zu erholen vermochte. Vielleicht haben auch Mandel-Roth- schildsche Familienbeziehungen etwas nachgeholfen, denn nicht umsonst hat sich Reynaud während der Zusammenstellung seines Kabinetts fast ausschließlich von dem französischen Kolonialminister Mandel beraten lassen.
Eine ernsthafte Stütze kann auch Reynaud dem Pfund nicht sein. Das Pfund hat seine Glanzzeit ü b erlebt. Der hohe Wert der englischen Währung hing von Voraussetzungen ab. die nicht mehr vorhanden sind. In London weiß man dies und schweigt. Geschwiegen hat die City auch, als neutrale Notenbankpräsidenten im Laufe der letzten Jahre wiederholt zur Stabilisierung des Pfundes aufforderten. Geschwiegen hat die Bank von England, als Washington zu einer aktiven Goldwährungspolitik drängte. Geschwiegen hat das Schatzamt, als die ausländischen Inhaber großer Londoner Depots Garantien für eine absolute Bewegungsfreiheit ihrer Pfund- und Eoldguthaben verlangten. Schweigsamkeit war die letzte, aber vregebliche Ausflucht.
Lange vor Ausbruch des Krieges begann das Ausland sein Kapital von London zurückzuziehen, und je kriegs- wütiger Chamberlain auftrat, desto häufiger entschlossen sich auch britische Plutokraten zur Kapitalflucht, wahrscheinlich nach dem stolzen Satz: „Kigbt c>ck vrong, mzc bsnlLinL sccount" (Recht oder Unrecht, mein Bankkonto).
Das Pfund Sterling besaß einmal eine Vorzugsstellung in der Welt. In allen Kontinenten wurde der englischen Währung blindes Vertrauen entgegengebracht,
— heute hat der Londoner Pfundkurs im Ausland keine Geltung mehr. Der gesamte Welthandel wurde in Pfunden gerechnet — nach Kriegsbeginn hat selbst die englische Regierung ihren Exporteuren geraten, die Ausfuhrgeschäfte in anderen Währungen abzuschließen. Gelegentliche englische Versuche, durch Stützungskäufe in Newyork den Rückgang des Pfundes aufzuhalten, sind nie mit dem Einsatz der großen Mittel vorgenommen worden, die bei dem Willen zum. Erfolg erforderlich gewesen wären.
Im Grunde genommen lebt aber eine Währung niemals von Stützungskäufen. Eine Weltwührung pluto- kratischen Stils ist stark aus sich selbst, aus der Fülle ihrer Goldreserven, aus dem Ruhm ihrer unerschütterlichen Stabilität, zuerst aber kraft ihrer liquiden Guthaben, greifbar in allen wichtigen Endplätzen. Wir wissen heute, daß eine Währung auch über andere, starke Kräfte verfügen kann, aber in jenem, von England entwickelten System internationaler Eeldherrschaft gilt nur das selbstverständliche, unproduktive Spiel der goldenen Kugeln. Dieses Spiel ist seit einigen Jahren für London aus. Denn England kann nicht mehr Kapitalüberschüsse in das Ausland abführen, kann nicht mehr den internationalen Geldmechanismus in Gang halten und muß stattdessen manche seiner finan-
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Unser I'ayossVieyel
Ein französischer Zerstörer wurde durch eine schwere Explosion vernichtet; ein französisches Torpedoboot lief aus.
Die englische Handelsflotte erlitt in der Nordsee wieder erhebliche Verluste.
Ein deutsches Handelsschiff prellte britische Seeräuber. Die „Altmark" ist in einen deutschen Hasen eingelaufen. Reynaud hielt eine kümmerliche Antritts-Rundsunkrede. Der Pariser Sowjetbotschastcr Suritz wurde abberufen.
Kalkutta war der Schauplatz eines neuen britischen Massenmordes.
In Brasilien wurde eine Verschwörung aufgedeckt.. Reichshanptamtsleiter Hilgcnseldt und Gauleiter Röver werden am 10. April in Bremen-Vcgesack sprechen. Kreisleiter Blanke rüst die Bremer Bevölkerung zur Beteiligung an der kommenden Schuhsammlung auf. Anträge aus die Zusahkleiderkarte für Jugendliche müssen bis zum 1. April eingereicht werden.