Ausgabe 
(13.6.1940) Nr. 160
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Uns Amtsblatt des Negierenden vürgermeisters der Zreien lianftstadt vremen

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der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches verkündungsblatt des Neichsstattkalters in oidenburg und Vremen

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Nr. 160/10. Jahrgang

Donnerstag, 13. Juni 1940

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Schreckensszenen in der französischen Hauptstadt

deutsche Iruppen vor Paris

Kauen, tamplvgne und Neims ln deutscher lzand

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voller krfolg

0ie Seine unlerliald Paris überschritten — Marne erreicht — Luftwaffe versenkte 7 transporter

Führerhauptquartier, 12. Juni

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

„Die am 5. Juni zwischen dem Aermelkanal und südlich Laon begonnene neue Operation hat zu einem vollen Erfolg geführt. Nachdem die Weygand-Zone südlich der - Somme genommen war, wurde der zurückflutende Feind an mehreren Stellen durchbrochen und seine Reste unter schwer­sten Verlusten über die untere Seine zurück­geworfen. Rouen ist seit einigen Tagen in deutscher Hand, die Seine unterhalb Paris an mehreren Stellen von unseren Truppen schon überschritten.

Eine abgesprengte Kampfgruppe ist bei St. Valery an der Küste eingeschtossew Nordwestlich Paris stehen unsere Divisionen an der Oise zwanzig Kilo­meter vor Paris und vor der beiderseits Sen- lis verlaufenden Schutzstellnng von Paris. Com- pibgnc, der Schauplatz des schmachvollen Wassen­stillstandsdiktates des Jahres 1818, und V i l I e r s Cotterets, sind in unserer Hand. Ostwärts des Lurcq (die Ourcq mündet ostwärts Meaux in die Marne. Die Schriftleitung) ist die Marne auf breiter Front mit starken Kräften erreicht.

Auch unsere am 8 . Juni zwischen dem Oise-Aisne- Kanal und der Maas erneut zum Angrisf angetretenen Armeen haben in schweren Kämpfen den vor ihnen stehenden Feind geschlagen und ihn zum Rückzug ge­zwungen. Reims ist genommen, in der Champagne ist die Euippes überschritten.- Trotz zahlreicher, zum Teil von Panzern unterstützt^« Gegenangriffe in der Cham­pagne gelang es auch gestern den Franzosen nicht, unser Vorgehen zum Stehen zu bringen. .

3m Verlaus der neuen Operationen verlor der Fernd auster schwersten blutigen Verlusten eine hohe Zahl von Gefangenen, Waffen und Kriegsmaterial aller Art. Eine auch nur vorläufige Zählung war bisher nicht möglich.

Die Lustwaffe, welche durch fortgesetzten Einsatz wesentlich zu den grohen Erfolgen des Heeres seit dem b. Juni beigetragen hat, griff gestern neben der un­mittelbaren Unterstützung des Heeres wieder die Hafcn- anlagen von Le Havre und feindliche Transport­schiffe an der Westküste des Kanals mit Erfolg an. Hierbei wurden sieben Transportschiffe, davon ern öbüv-Tonner, versenkt, zehn weitere, davon drei zwischen 10= und 15 000, durch Bombentreffer beschädigt. Aus mehreren Schiffen brachen starke Brände aus.

Bei den in der Nacht zum 12. 2 uni vereinzelten Bom­benabwürfen feindlicher Flugzeuge in Westdeutschland wurden Brandbomben in das innere emer Stadt geworfen. .

Am 11. Juni versuchten einige britische Flugzeuge ohne Erfolg Drontheim und Bergen anzugrersen. Sre .erlitten hierbei empfindliche Verluste; von etwa 12 An­greifern wurden drei durch Jäger, einer durch uelak- artillcrie abgeschossen. „ , „ .„

Die feindlichen Flugzeugoerluste betrugen gestern ,ns-

gesamt 58 Flugzeuge, davon wurden 20 tm Suftfampj abgeschossen, 18 durch Flak vernichtet, der Rest am

Französisdi-englisdie Krätlegnippe bei St. Valeru hat kapituliert

Ein zweites Dünkirchen - Über 20000 Gefangene - Materialbeute unübersehbar

dnb. Führerhauptquartier, 12. Juni.

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Die bei St. Valery eingeschlossene französisch-englische Kräftegruppe hat nach dem Scheitern weiterer Versuche, auf dem Seewege die Truppen abzutransportieren, kapitu­liert. Ein französischer Korpsgeneral, ein englischer und vier französische . Divisionskommandeure haben sich ergeben. Die Zahl der Gefangenen über­steigt bereits 20 OOO. Das erbeutete Material an Geräten und Waffen ist un­übersehbar.

Boden zerstört. Außerdem wurden wiederum drei Sperrballons abgeschofsen. Drei eigene Flugzeuge wer­den vermißt."

Schwere vombe traf großes Kriegsschiff

Berlin, 12. Juni

In Ergänzung des heutige« OKW.-Berichtes wird mitgeteilt, daß bei dem gestrigen Angriff aus Le Havre außer den bereits gemeldeten großen Erfolgen gegen Schifssziele ein Schlachtschiff oder Schwerer Kreuzer von einer Bombe schweren Kalibers auf dem Borschifs getroffen und beschädigt worden ist.

Südlich Reims wurden vier Panzerwagen durch Bombentreffer, an anderen Stellen sieben Panzerwagen durch Flakartillerie zerstört. Damit erhöht sich das Gesamtergebnis an Panzerabschüffen allein durch Flak- cinheiten des Generalmajors Deßloch auf 288.

Italienische Somben auf Malta

Rom, 12. Juni

Der erste italienische Wehrmachtsbericht vom Mitt­woch, dem 12. Juni, hat folgenden Wortlaut:

Das Hauptquartier der Wehrmacht gibt bekannt: „Die vorgesehene Aufstellung der Land-, See- und Lust- streitkräste war am 18. Juni Mitternacht befehlsgemäß abgeschlossen. Bon Jagdstaffeln begleitete Bombenein- heiten der Luftwaffe haben gestern im frühen Morgen­grauen und bei Sonnenuntergang die militärischen Anlagen von Malta heftig und mit sichtlichem Erfolg mit Bomben belegt und sind sodann unversehrt zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt. Gleichzeitig stießen andere Einheiten zur Erkundung in das Gebiet und gegen die Häfen Nordafrikas vor. An der Grenze der Cyrenaika wurde ein Einflugversuch der englischen Luftwaffe ab­geschlagen. Zwei feindliche Flugzeuge wurden abge- schossen.

sruppenkransporkec floh noch flliconte

Madrid, 12. Juni.

Im Hafen von Alicante suchte der französische Truppen­transporter „General Lasarriere", der von einem italienischen U-Boot verfolgt wurde, Schutz. Der Transporter war mit 700 Sencgalnegern von Oran nach Marseille unterwegs. Schiss und Truppen wurden vorläufig interniert.

km Irrtum des USfl.-flußenamtes

Begegnung eines deutschen U-Bootes mit dem USA.-Tampser „Washington"

Berlin, 12. Juni.

Ein im Atlantik -operierendes deutsches U-Boot begegnete am 11. Juni im Morgengrauen einem mit nördlichen Kurs fahrenden Dampser. Der deutsche U-B°ot-Kommandant hielt den Dampfer für einen von ihm schon vorher nach den Re­geln des Prisenrcchts angehaltencn und mit Kursweyung versehenen griechischen Dampser, der dieser Weisung ossenbar nicht gefolgt war und zu entkommen suchte. Er forderte den Dampser aus, zu stoppen. Es fand dann ein Austausch von Blinksignalen statt, in dessen Verlaus der U-Boots-Komman- dant erfuhr, daß es sich nicht um den vermeintlichen griechi­

schen Dampser, sondern um den USA.-Dampfer „Washing­ton" handelte. Das U-Boot ließ daraushin nach dem üblichen Grutzaustausch den Dampfer frei passieren.

Hierzu wird vom amerikanischen Außenamt in Washington hikanntgegeben, daß der von dem amerikanischen Dampser zur Zeit der Begegnung mit dem U-Boot verfolgte Kurs nach Irland den Regierungen der kriegführenden, Länder vorher notifiziert worden sei. Das amerikanische Außenamt befindet sich, hierin, wäs Deutschland angeht, im Irrtum, Der deut­schen Regierung war von der amerikanischen Botschaft in Berlin nur die Fahrt des Dampfers nach Bordeaux, Lissabon und zurück notifiziert worden. Daß der Dampser nach Ir­land fahren würde, ist der deutschen Regierung erst am 11. Juni nachmittags,, also, nach der Begegnung, noti- siziert worden.

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OKW.-Bericht ermähnten Orte sind aui dieser Karte unterstrichen.

Von

Oberleutnant Stephan

Die deutschen Truppen stehen zwanzig Kilometer vor Paris. Eine Woche lang hat das Oberkommando der Wehrmacht nur über Kämpfe, Angriffe, Fortschritte be­richtet, ohne Orte, die von deutschen Truppen erreicht, Flüsse, die überschritten wurden, im einzelnen zu nennen. Es hat die Welt über die fortschreitende Zer- mürbung des Feindes, die erfolgte Umfassung erheb­licher Teile seiner Armeen und über das Nachlassen des sranzösischen Widerstandes unterrichtet. Aber noch wußte man nicht, wie sich diese Erscheinungen territorial aus­gewirkt hatten. Ueber die Operationen blieb — aus wichtigen und vom ganzen deutschen Volke richtig ver­standenen Gründen — ein Schleier gebreitet.

Am achten Tage der großen Schlacht um Frankreich wird dieser Schleier zerrissen, und plötzlich zeigt sich der große Sieg der deutschen Truppen jenseits von Somme und Aisne in überraschender Größe und Klar­heit. Er erstreckt sich über den ganzen Raum, in dem innerhalb der letzten Woche die deutschen Soldaten zum Großangriff angetreten waren. Bei der nach Südwesten gerichteten Stoßrichtung waren große Entfernungen zu überwinden, ehe von Amiens aus Rouen erreicht wer­den konnte. Der durchschrittene Raum war zudem aufs stärkste besetzt und wurde auf das hartnäckigste vertei­digt. Trotzdem war von den Truppen, die Herr Wey­gand hier zur Deckung der Meeresküste hatte aufmar­schieren lassen, nur eine abgesprengte Gruppe übrig­geblieben, die bei St. Valery bereits dasselbe Schicksal gefunden hat, wie es zu Beginn des Monats den bei Dunkirchen eingeschlossenen Feinden zuteil wurde.

Aber nicht einmal die Seine-Linie konnte von der französischen Verteidigung gehalten werden. Dieser gerade auf der Strecke zwischen Paris und der Mün­dung außerordentlich breite Strom ist an mehreren Stellen überschritten. Deutsche Soldaten stehen damit mitten in der Normandie und bedrohen von der Flanke her die Hauptstadt Paris, an deren Schutzstellung im Norden unsere Divisionen bereits angekommen sind. — 20 Kilometer vor Paris! Wenn man sich, klarmachen will, was das für eine Drei-Millionen-Stadt bedeutet, braucht man sich nur vorzustellen, daß Potsdam, 82 Kilo­meter von Berlin entfernt, geradezu innerhalb des Weichbildes der Reichshauptstadt liegt. Tatsächlich hat der deutsche Vormarsch den Waldgürtel im Norden, den die Ausflügler aus der französischen Metropole zu be­vorzugen pflegen, durchschritten. Compiegne ist in deut­scher Hand, ewig denkwürdig in der Weltgeschichte durch die schmachvollen Umstände, unter denen man dort am 11 . November 1918 den deutschen Unterhändlern den Waffenstillstandsvertrag präsentierte.

Einige 50 Kilometer südöstlich Compiegne wurde Villers-Cotterets genommen, das gleichfalls in der französischen Kriegsgeschichte einen besonderen Platz einmmmt. Hier vollzog sich am 18. Juli 1918 das „zweite Marnewunder", d. h. der Gegenstoß gegen die deutschen Offensivbewegungen, der mit großen Tank- vorstoßen aus den riesigen Wäldern vor Paris unter­nommen wurde. Die deutschen Heere waren auf diese Kampfführung damals weder technisch noch taktisch vor­bereitet. Trotzdem gelangten die Ententearmeen in vier Monaten, bis zu jenem Tag von Compiegne, kaum über den Raum hinaus, den die deutschen Truppen jetzt in umgekehrter Stoßrichtung in einer Woche durchschritten haben.

Nein, es gibt für Frankreich keine Hoffnung auf Wie­derholung der „Wunder", die im Weltkriege Rettung brachten Heute gibt es für die deutschen Truppen nicht, wie 1914, einen in der Luft hängenden rechten Flügel, sondern das Meer bildet eine gute solide Deckung der Operationen in der Flanke. Heute gibt es technische Überraschungen nur für das französische, nicht für das deutsche Heer, das in jahrelanger Arbeit sich alle moder­nen Errungenschaften zu eigen gemacht hat. Heute gibt es einen Zweifrontenkrieg nicht für Deutschland, son­dern für Frankreich, das seit gestern mit ängstlicher Spannung die Bewegungen des neuen italienischen Gegners erwartet. Schon meldet der Wehrmachtsbericht

Unser Tagesspiegel

Deutsche Truppen stehen 2» Kilometer vor Paris: Reims Eompiögne und Rouen wurden genommen.

Di- französisch-englische Krästcgruppe bei St. Valerv hat kapttulrert. v

Di° .Panikstimmung ist in ganz Frankreich im Wachsen begriffen; in Paris herrschen geradezu chaotische Zustände. Tie Italiener bombardierten Malta.

Ein Truppentransporter mit Senegalesen floh nach Alicante. ’

„Eiornale d'Jtalia" rechnet schars mit den britischen Imperialisten ab.

Englische Flieger bombardierten Genf.

Moskau steht völlig im Banne der Kriegsereigniffe.

Tie 3. Haussammlung sür das Kriegshilsswerk des Deut­schen Roten Kreuzes erbrachte im Reich das glänzende Ergebnis von 35 Millionen Mark.