Ausgabe 
(30.5.1940) Nr. 146
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parteiamMche Tageszeitung

vas flmlsblatt des Negierenden Nürgermeisters der Lreien fjansestadk Vremen

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der Nationalsozialisten Bremens

sinnliches NerkündungsdlaN des Neichsstatchalkers in Oldenburg und Vremen

Nr. 146 / 16. Jahrgang

Vonnerstag, Z0. INai 1940

Einzelpreis 1S Nps.

ksivkskrisgsiüoAgs ivskt über äsn» k^aknmal von Iian^omarok

Schicksal der Nordarmeen besiegelt

Stadt Lille, Brügge und gstende genommen? Mrmuiden erreicht

gpern und Kemmel gestürmt

Paris ohne Hoffnung

Vünkirchen unter dem seuer unserer schweren flrtillerie — vombentresser auf feindliche Kriegs- und transportschifse - öliinzende krsolge der deutschen slak

Frankreich hat die in Flandern eingekreisten flrmeen bereits ausgegeben London spricht wieder einmal von „kntlastungsoffensioen"

Führerhauptquartier, 28. Mai.

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

„Das Schicksal der französischen Armee» im Artois ist besiegelt. Ihr Widerstand im Raum südlich Lille ist zusammengebrochen. Die englische Armee, die im Raum Dixmuiden, Armentiers, Bailleul, Bergues, westlich Dünkirchen zusammengedrängt ist, geht durch unseren konzentrischen Angriff ebenfalls ihrer Vernichtung ent­gegen. Durch raschen Vorstoß in Nordflandern wurde Brügge durchschritten, Ostende genommen und ' Dix­muiden erreicht. An der Äser und dem Pser-Kanal, nördlich Sspern leistet der Feind noch verzweiselten Widerstand. Ueber dem Mahnmal der deutschen Jugend bei Langemarck, dem Schauplatz ihres heldenmütigen kämpfens 1914, weht die Reichskriegsflagge. Liste ist im Angriff von Osten und Westen erreicht, die Stadt genommen. Im Vorgehen von Westen her ist Armen­tiers besetzt. Bei Bailleul wird noch gekämpft. Ostwärts Cassel würde die befestigte französische Erenzstellung, die der Gegner mit verkehrter Front verteidigte, durch­brochen und die belgische Grenze erreicht. Bei Worm- houdt sind noch Kämpfe im Gange. Dünkirchen liegt unter dem Feuer unserer schweren Artillerie. Die deutsche Luftwaffe bekämpfte am 28. Mai zurückflutende Kolonnen aller Art, Truppenansammlungen und Panzerwagen.

Bei der bewaffneten Aufklärung vor der belgisch- französischen Küste und im Kanal wurden drei Zer­störer, zwei Transporter und zwei Frachtschiffe mit Bomben angegriffen und schwer beschädigt, in der mitt­leren Nordsee durch Bombentreffer ein feindliches U- Boot versenkt. Die Vernichtung eines weiteren U-Bootes ist wahrscheinlich. Deutschen Schnellbooten gelang es, trotz ungünstiger Wetterlage vor dem belgischen Kanal­hasen Nieuport wiederum einen nach England flüchten­den großen feindlichen Zerstörer durch Torpedoschutz zu versenken.

An der Südfront wurden einzelne Vorstöße feindlicher Infanterie mit Panzerwagen abgewiesen.

Die Verluste des Gegners in der Lust betrugen am 28. Mai insgesamt 24 Flugzeuge, davon wurden im Lustkampf 1k. durch Flak 8 abgeschossen. Drei dcut,che Flugzeuge werden vermißt. Hauptmann Mölders er­rang seinen 29. Luftsieg.

Die Abschüsse durch Flakartillerie haben sich nach ge­naueren Feststellungen in der Zeit vom 1K. bis 28. Mai von 109 bisher bekanntgegebenen auf 2K8 erhöht. Die Gesamtzahl der seit dem 19. Mai durch die Flakartille­rie erzielten Abschüsse beträgt damit 607. Außerdem vernichtete die Flakartillerie im gleichen Zeitraum 191 feindliche Panzerwagen.

In Norwegen ist der Feind gestern, von zahlreichen Kriegsschiffen unterstützt, an der Erzbahn gelandet und von Norden her in Naroik eingedrungen. Deutsche Kampfverbände griffen die dort liegenden feindlichen Seestrcitkräste an. Ein größeres Kriegsschiff erhielt

einen schweren Treffer mittschiffs und stellte unter star­ker Rauchentwicklung das Feuer ein. Drei Kreuzer und ein Zerstörer sowie ein Frachter erhielten schwere Bom­bentreffer. Truppenausladungen bei Ankenes wurden mit zahlreichen Bomben belegt."

Berlin, 39. Mai.

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Im fortschreitenden Angriff zur Vernichtung der englischen Armee stürmten unsere Truppen Ppern und Kemmel.

(Siehe auch unsere Karte auf Seite 2)

jb, Genf, 39, Mai.

Die französischen Lageberichte lassen jetzt durchblicken, daß man in Paris den Gedanken einer Rettung der Nordarmee fallengelassen hat. Die einzige Ausgabe, die diese Truppen noch erfüllen könnten, bestehe darin, sich siir das Baterland zu opfern, indem sie bor ihrer Vernichtung dem Feind noch Verluste beibrächten. Daneben wird vereinzelt die Hossnung ausgedrückt, die Nordarmee könnte ihren Verzweislungskamps gegen die deutsche Umklammerung solange durchhalten, bis die von London geforderte französische Entlastungsossensive Wchgands an der Somnie und an der Aisne in Gang ge­kommen sei. Hierzu wird jedoch in Paris festgestellt, daß die

Me Stunde der Abrechnung kommt!

Iroh wiederholter Warnungen weiter planlose britische Bombenangriffe aus friedliche deutsche Städte

Berlin, 39. Mai.

Das planlose Abwerfen von Bomben britischer Flugzeuge bei ihrem nächtlichen Einstiegen in deutsches Reichsgebiet nimmt trotz unserer wiederholten Warnungen seinen Fort­gang. Diese unerhörten, jeder völkerrechtlichen Bestimmung ins Gesicht schlagenden Bombardicrunsten nichtmilitärischer Ziele werden von den Engländern in ihren Berichten sogar noch als hervorragende Täten ihrer „glorreichen" illoyal Air Force gepriesen.

Um ihre klägliche Ohnmacht vor dem eigenen Volk und ihren Vasallen zu verschleiern, fälschten sie diese Piratenzügc in Siegesmeldungen um. Diese Schamlosigkeit wird nur von der Unfähigkeit der britischen Flieger übertrossen, die ihre Bomben wahllos auf friedliche Städte, Wohnviertel der Be-' völkerung. Schulen, Apotheken und Krankenhäuser sollen lassen. Selbst die früheren Freunds, Holland und Belgien,

offizielle ohrfeige Moskaus für England

Moskau, 39. Mai.

„Tatz" verbreitet folgende amtliche Verlautbarung: „In Anbetracht einer Reihe von unrichtigen und widersprechenden Mitteilungen, die in der englischen Presse über die Reise des Herrn Eripps nach Moskau verbreitet sind, ist die Taß bevollmächtigt worden, folgendes zu erklären: In Beant­wortung des Vorschlages der englischen Regierung, Herrn Cripps als speziellen und außerordentlichen Bevollmächtigten der englischen Regierung nach Moskau zu schicken, hat der Volkskommissar des Auswärtigen, Molotow, den Botschafter Maioky beauftragt, der englischen Regierung zur Kenntnis zu bringe», daß die Regierung der Sowjetunion weder Herrn Eripps als besonderen und außerordentlichen Bevollmächtig­ten cmpsaugcn kann, noch irgendeinen anderen.

Wenn die englische Regierung wirklich Haudelsbcsprcchungen sichren will und sich nicht einfach auf Besprechungen über einen nicht vorhandenen Umschwung in den Beziehungen zwi­schen England und der Sowjetunion beschränke» will, so könnte sie dies über ihren Botschafter in Moskau, Herrn Secds, tun bzw. über eine andere Persönlichkeit auf dem Posten des Botschafters in Moskau in dem Falle, daß Herr Secds durch eine andere Persönlichkeit ersetzt lvcrden soll."

werden von den edlen Briten hierbei nicht verschont. Daß dies die Stimmung bei diesen Völkern für ihre ehemaligen „Be­schützer" nicht gerade fördert, liegt aus der Hand. Ausländische Journalisten konnten bei ihren Reisen durch Holland und Belgien feststellen, daß die Bombcnangrisse auf unverteidigte Städte und Dörser Belgiens und der Niederlande die Ge­reiztheit wesentlich gesteigert hat.

Bei uns Deutschen werden über jeden Toten, über jeden Verletzten und über jeden Schaden dieser nächtlichen Bomben­würfe genaue Listen geführt. England möge sich hiitenl Das hochmütige Britannien soll wissen, daß wir nichts vergessen — wenn die Stunde der Abrechnung kommt, wird jede Bombe vielfach vergolten werden. Dann wird England merken, daß die deutschen Flieger Wohl in der Lage sind, das deutsche Blut zu rächen und die Ziele zu treffen, die ihnen zur Be­kämpfung zugewiesen werden.

Lettische flgenten auf„president Noofevelt"

Rcwhork, 39. Mai

Nachdem schon die Ncwyorker Montagsblätter in größter Aufmachung die deutsche Warnung vor einem Komplott der Wcstmächte gegen das NSA.-Schiss „President Roosevelt" be­richteten, wird nunmehr bekannt, daß eine weitere, hiervon unabhängige Warnung den zuständigen Behörden bereits in der vorigen Woche zuging. Diese Warnung ging dein Präsi­denten des Seemannsverbandes, Eurran, in zwei in dem Ncwhorker Vorort Flushing ausgegebenen Telegrammen zu, in denen es hieß, daß sich drei britische Agenten an Bord des „President Roosevelt" befänden und Planten, den Passa- gicrdampfcr auf hoher See in die Lust zu sprengen, nachdem er Irland mit amerikanischen Flüchtlingen an Bord wieder verlassen habe.

Wie die „Newyork Times" aus London meldet, ist die Tochter des Londoner USA.-Botschafters Kennedy nach Lissa­bon geflogen, um von dort mit einem Clipper-Flugzeug heimzukehren. Bis vor zwei Tagen hatte sie die Absicht, an Bord des USA.-Dampfers „President Roosevelt", der die USA.-Biirger aus England abholen soll, nach den Bereinig­ten Staaten zu fahren.

friedliche Zusammenarbeit mit Holland

Übergabe der militürifHen kokettsrechte und der vollziehenden Vefelzlsgewalt in den besetzten niederländischen erbieten

Amsterdam, 39. Mai

as holländische Rcgierungszentrum Den Haag stand am twoch im Zeichen der Ucbcrgabc der mftitariichen Hohcitv- tc an dci? General der Flieger Kiistianscn und der ziehenden Bcschlsgewalt an den durch den ,suhrcr crnann- Reichskommissar sür die besetzten niederlandifchen Gebiete, choministcr Sehß-Inquart. Die Ucbergabe er,olgte ch den Militiirbcschlshabcr der Niederlande und Belgiens, >eral der Jnsanterie von F a l k e n h a u se n. Die holla n- jc Bevölkerung zeigte reges Interesse an den Ereiginuen. der Feier nahmen zahlreiche Vertreter der deutlchen Wehr- ht, des Staates und der Partei teil, I-rner die Staats- ctärc der holländischen Ministerien und Vertreter des höl­lischen össenttichen Lebens. . . « .

Aus Beseht des Führers und Obersten Be,ehlshaber-- der kmnacht übergebe ich", so erklärte General von sen. „die militärischen Hoheitsrechte "" den General der :ger Kristiaufcu als deutschen Wehrmachtsbesehlshaber in Niederlanden idnd die vollziehende Gewalt im zivilen Be­ll an den Reich-minister Schß-Jnquart als Reichskvmmistar die besetzten niederländischen Gebiete. In dieier bei.eue­ren Feierstunde wollen wir derer gedenken, die aus beiden

reich sein zum Segen des deutschen und niederländischen

General der Flieger Kiistianscn erwiderte: „Im ,Z"öe der A-uordnung der Verhältnisse in Ihrem Befehlsbereich noer- nchme ich aus Beicht des Führers als Wehrmachtsb-l-hlshaber vst militärischen Hoheitsrechte in den Niederlanden. Ich bin hierbei beseelt von dem Wunsche. Ihre vorangegangene er- i^Preichc Arbeit in enger Zusammenarbeit mit dem Rerchs-

Tann nahm ^ieich-kommissar Seyß-Jnquart das Wort. Nach «nein Hinweis aus die Bedeutung der Stunde und die Er­

eignisse der letzten Wochen, in denen die deutsche Wehrmacht die Niederlande in ihren Schutz nehmen mußte, unterstrich der NcichSkvmmissar. daß heute schon die Großmut des Füh­rers und die Kraft der deutschen Wehrmacht es ermöglichen, jene Ordnung des öjscntlichcn Lelnuis wieder herzustellen, die in den gewohnten Gang nur insoweit eingreifen solle, als die besonders obwaltenden Verhältnisse dies erfordern.

Der Reichskommissar betonte dann, daß alle Wafseiicrfolge nichts an der Tatsache änderten, daß die Deutschen in dieses Land lieber mit zum Gruß erhobener ossenen Hand als mit den Massen in der Faust gekommen wären. Diese Tatsache iverde einmal vor dem Richterstuhl der Geschichte entscheidend die Verantwortung für alle? Unglück und alle Zerstörung aus die Schultern derer legen, die der Größe dieser Munde nicht gewachsen waren.

Die ganze Welt wisse heute, daß die Feinde des deutschen Volkes, und dies seien vor allem die Regierenden und politisch Verantwortlichen in den Feindstaaten, die Vernichtung des

sehen Volkes geplant und betriebe» haben.

Dir Deutsche stellen jedenfalls unter der Führung Adolf ers", so führte der Reichskommissar n. a. weiter aus, h in derselben Generation, die den ersten Kamps geführt unsere Lebensrechte, und zwar ein für allemal, außer nt indem wir sie unangreifbar machen. Getragen von wirklichen Kraft dieses höchsten Einsatzes für die eigene wn kamen wir auch in dieses Land. Und wenn auch die a Kämpscr unserer Wehrmacht in der niederländischen - liegen, so beherrscht unsere Herzen doch keine Feind­et Auch das niederländische Bolk hat aus einem ge­istlichen Irrtum heraus seinen Blutzoll gezahlt. Die erländischen Soldaten haben sich im Kamps gut geschlagen, Zivilbevölkerung hat sich den kämpsenden Truppen gegen- ^ ordentlich benommen. Es liegt nichts vor, was uns >ern könnte, einander mit Achtung zu begegnen.

„Wir Teutschen aber, die wir heute mit einem durch die Erkenntnis für die bluigebnndenen Werte eines Volkes ge­schulten Blick durch das Leben gehen, freuen uns über die niederländischen Menschen. Wir kommen nicht hierher, nm ein Bolkstnm zu bedrängen und zerstören und um einem Lande die Freiheit zu nehmen. Wir wissen um die wahren Freiheitskämpfer dieses Landes. Diesmal ist es aber darum gegangen, ob die Niederlande zur Plattform für einen An­griff gegen den Glauben, die Freiheit und das Leben der deutschen Nation mißbraucht werden sollten."

Der Reichskommissar ging dann näher auf seine Aufgaben ein. Es.Zei sein Wille, bei ihrer Erfüllung das bisher gelten­de niederländische Recht möglichst in Krast zu belassen, zur Ausübung der Verwaltung die niederländischen Behörden her­anzuziehen und die Unabhängigkeit der Rechtsprechung zu wahren. Voraussetzung dafür sei die verständnisvolle Hal­tung des niederländischen Volkes und der Behörden. Er werde darum besorgt sein. daß das niederländische Volk nicht in ungünstigere Lebcnsbedingnngen verfällt als die gegebene Schicksalsgcmeinschast und der Vernichtnngswille unserer feinde in dieser Zeit nötig machen. Die Niederlande hätten unter den Kampfhandlungen gelitten. Die dem niederlän­dischen Volk als Freunde - und Helfer anempfohlenen Eng­länder bemühten eäch auch heute noch, diese Schäden zu ver­größern Wir wollten auch jetzt schon dem niederländischen Bolk hellen, diese Schäden zu beseitigen. Deshalb ordne er als erste Handlung als Reichskommissar die Errichtung eines Ansbanfonds an.

Der Reich-kommissar schloß mit dem Hinweis daraus, daß es darum gehe, ein neues Europa zu bauen, dem als Leit­stern die Grundsätze vorangestellt sind: nationale Ehr- und gemeinsame Arbeit! — „Wir wissen, daß der letzte Sinn des Handelns unseres Führers dauernder Friede und sittliche Ordnung für alle ist, die guten Willens find."

Umgruppierung und Neuorganisierung der französischen Strettkräste wahrscheinlich eine allzu lange Zeit ersordcre.

In London beginnt man inzwischen sich an den Gedanken zu gewöhnen, daß mit Weygands Entlastungsosfensive nicht mehr rechtzeitig gerechnet werden kann, deshalb müsse — wie das auch Dnfs Cooper erklärt hat — schleunigst versucht wer­den. die britischen Regimenter noch zu retten. Die Möglich­keiten sür diese Flucht werden jedoch in London nur noch sehr gering eingeschätzt, nachdem die deutsche Luftwaffe den Kanal beherrscht. Die amtlichen Londoner Aeußerungen, die seit Mittwoch früh die Oeffentlichkeit auf den Verlust der Expeditionstrnppen in Belgien vorbereiten, trösten sich mit dem Gedanken, der englische Widerstand in Belgien habe Frankreich sozusagen gerettet, denn nur so sei es den Fran­zosen nach der Maaskataftrophe möglich gewesen, sich an der Somme—Aisne-Lime zu sammeln und festzusetzen.

In London mache man, so betonen die Beobachter, Frank­reich für die Katastrophe allein verantwortlich, zumal nach Gamclin auch Wchgand keine wirkungsvollen Operationen unternommen habe. Die Zurückziehung des englischen Ge­nerals Jronside vom Festland aus die Insel sei der erste Beleg einer militärischen Distanziern»«, mit deren Zunahme in nächster Zeit zu rechnen sei.

Die belgische Kapitulation hat sich in Paris geradezu als Nervcnkrise ausgewirkt. Die Blätter sind rasend und über­bieten sich immer noch in schamlosen Beleidigungen des bel­gischen Königs, den sie vor kurzem noch in den Himmel ge­hoben hatten.

Von Oberleutnant 8 tspban

Als vor nunmehr neun Tagen gemeldet wurde, daß die deutschen Armeen nach ihrem Durchstoß durch die Maginotlinie Front zum Meer genommen und bei Abbeville den Aermelkanal erreicht hätten, war das Ge­fühl ungläubigen Staunens bei Engländern und Fran­zosen zunächst ebenso verbreitet wie das der Bestürzung. Gewiß, die Deutschen hatten einen neuen Erfolg er­rungen. Sie hatten „in einem unbewachten Augenblick" das französische Heer in zwei Teile geteilt. Aber — soj argumentierten nicht nur die berufsmäßigen Optimisten und Beruhignngsapostel an Seine und Themse — das konnte doch nur vorübergehend sein. Nördlich der Somme standen Truppen von ganz gewaltiger Stärke: Teile von nicht weniger als drei französischen Armeen, fast das gesamte englische Expeditions­korps, dazu die ganze belgische Wehrmacht.

deutsche Soldaten konnten denn schon durch dre Lücke „hindnrchgeschlüpft" sein? Wenn Angriffe der französischen Divisionen aus dem Raum von Paris sich mit den Anstrengungen der Nordarmeen vereinigten, waren dann nicht die deutschen Truppenteile, die zwi­schen St. Qnentin und der Sommemündung standen, die Eingeschlossenen? And selbst wenn die Wiedervereini­gung von Aisnefront und Nordgruppe nicht gelang, hatten dann nicht die Ententenheere zwischen Somme und Scheide überreichlich Raum zu taktischer Entfaltung und Gelegenheit zu groß angelegten Durchbruchsver­suchen?

Ja, das von deutschen Truppen umfaßte Gebiet hatte rn der Tat eine Ausdehnung von ca. 30 000 Quadrat­kilometer, ein Raum, wesentlich größer als die gesamte Rheinprovsnz. Und der Keil, den die deutschen Truppen an der Somme entlang zum Meer hatten vortreiben können, war selbstverständlich am ersten Tage noch nicht von gewaltigen Massen beseht und gesichert. Wenn trotz­dem die Ententeheere täglich weiter auseinander ma­növriert wurden, wenn es ihnen niemals gelang, die Zange, die sich enger und enger zusammenpreßte^ auf- zuhalten oder gar zu zerbrechen, so kommt darin ihre erstaunlich militärische Unterlegenheit deutlich zum Ausdruck. Gewiß haben sie wieder und wieder starke Vorstöße, bei Arras, bei Cambrai, bei Valenciennes, unternommen, um sich nach Süden durch­zukämpfen. Aber niemals konnten sie, trotz ihrer ge­waltigen Zahl und ihrer modernen Ausrüstung, das Gesetz des Handelns an sich reißen. Stets schrieb ihnen das deutsche Oberkommando den Verlauf der Dinge vor.

Und jetzt, nach nicht einmal zehn Tagen, sind sie soweit: in Lille, das — weit ab von den Fronten —

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Brügge, Ostcnde und die Stadt Lille wurde von deutschen Truppen genommen; Dixmuiden erreicht; die Rcichs- kriegsftagge weht über dem Mahnmal von Langemarck. APern und Kemmel wurden gestürmt.

Wieder erledigten unsere Bomber eine Anzahl feindlicher Kriegs- und Transportschiffe.

Auf Beschluß Churchills soll die ThemscmünLuna mincn- verseucht werden.

An Bord des „President Nooscdclt" befinden sich bereits englische Agenten.

In den besetzten niederländischen Gebieten erfolgte die Ucbergabe der militärischen Hohcitsrechtc und der Be- schlsgcwalt.

Ein gefährlicher Gewohnheitsverbrecher wurde von dem Bremer Sondergericht zum Tode verurteilt.