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Monatsbezug JUl 2,30 einschl. Zustellgebühr: Postbezugspreis mvnatl. ' 2,30 JUt (einschl. 28,7 Jirf Post- zeitungsgebühr) zuzügl. 42 Bestellgeld. Bezugspreis ist im voraus zahlbar. Postscheck: Hamburg l 7272. Eine Behinderung der Lieferung rechtfertigt keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises. Verlag: NS.-Gauverlag Weser- Ems GmbH., Bremen, Geeren 6-8. Fernspr.: 5412l,Nachtr. u. Sonntg. 51115. Sprechz.: Verlag: werktl. 12—13 Uhr- Schriftleitunq: Dienstag und Freitag 12Va—13M> Uhr.
Bremer Mung
parteiamtliche Tageszeitung
vas Amtsblatt des Negierenden Bürgermeisters der Freien kjansestadr Bremen
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der Nationalsozialisten Bremens
Amtliches verkündungsblatt des Beichsstatchalters in oldenburg und Bremen
Nr. 139 / 10. Jahrgang
Bonnerstag, 23. Nlai 1940
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Panzerwagen verstecken sich stinter Sanitäisautos / Flüchtlinge in zurückstutende Kolonnen gezwungen
Nachruf
Bei den beiden Luftangriffen englischer Flieger auf Bremen in den Nächten vom 17. zum 18. und vom 18. zum 19. Mai 1940 sind folgende Volksgenossen und Volksgenossinnen getötet worden:
Hannine Bruns Heinrich Diers Bernhard Garrels Erna Glockemann Peter Hayduk Erich Hübner Hugo. Krämer Eva Kuhlmann Johann Mülschen Franz Olejniczak Adolf Quindel Anna Reue Bernhard de Wahl Anna Witte Friedrich Wohlers
Die Bevölkerung Bremens gedenkt in Trauer dieser Opfer, die im Kampf für Grotzdeutschlands Freiheit und Stärke gestorben find.
England wird die Vergeltung erhalten.
Bremen, den 22. Mai 1940.
Der Regierende Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen
SA.-Gruppenführer.
veelchte deutscher slieger
französische und englische Soldaten in Zioilkleidern getarnt
Berlin. 23. Mai.
Seit einigen Tagen mehren sich bei der deutsche» Luftivafsenführung die Meldungen über den Rückzug der Feinde im Weste». Gleichzeitig mit diesen Meldungen treffen aber auch Berichte über die von allen fliegenden Verbänden der deutschen Lustwaffe über dem Operationsraum gemachte Erfahrung ein, dag die zurückflutenden Feinde ihre Bewegungen durch einen schändlichen Mißbrauch der Zivilbevölkerung decken lassen.
Bertreter der in- und ausländischen Presse hatten am Mittwochabend Gelegenheit, sich dieses feige Verhalten aus dem Munde von Augenzeugen, die noch 24 Stunden vorher Feind- siüge unternoimnen haben, schildern zu lassen. ES handelt sich bei diesen Augenzeugen um Angehörige eine- einzigen deutschen Kampfgeschwader-, . und zwar Oberleutnant Rolf Schmidt, Sondersiihrer-Krieg-berichter Gerhard Linke, Feldwebel Max Friedrich, Feldwebel Günter Wegner und lluter- ossizier Helmut Nietschke. Sie schilderten und bestätigten, daß beispielsweise:, am -13. Mai ostwärts Philippeville in einer Waldschneise zahlreiche SanitüiSkruslwagen beobachtet wurden, bei denen, etwa 30 Meter, seitwärts, Panzerwagen standen, aus denen aus das deutsche Flugzeug geschossen wurde.
Ein noch erheblich ernsterer Verstoß gegen alle Kriegs- regeln wurde am 19. Mai in der Nähe von ValencienneS sest- gestellt. Dort entdeckte ein deutsche- Flugzeug mehrere Sanitätskraftwagen. Obgleich da- deutsche Flugzeug sich selbstverständlich jeder Angrissshandlung enthielt, wurde es beschossen. Beobachtungen, die daraufhin angestellt wurden, ergaben einwandfrei, daß der Kühler eine- der Sanitätsauto-, das das international anerkannte rot-weiße Abzeichen trug, von einem feindlichen Soldaten zur Stütze seine- Mgschinengewehres benutzt wurde, aus dem er aus das daeutsche Flugzeug schoß,
Fliegerbeobachtungen der gegnerischen Rückzngsstraßen, die z. T. aus Baumhöhr gemacht wurden, ergaben einwandfrei und mit absoluter Uebereinstiinmung, daß die znrückweichen- den englischen, sranziisischen und belgischen Truppen sich zum Schutz vor deutschen Flugangrisse» hinter slichenden Zivilisten zu verstecken suchten. To ist beispielsweise am Ui. Mai bei Avesnes von einem deutschen Flugzeug eine Straße beobachtet worden, ans deren linker Seite sich französische Truppeneinheiten bewegten, während die rechte Straßenseite von langen Flüchtlingskolonncn eingenommen wurde. An anderen Stellen, wie z. B. am 2l. Mai aus einer nach Boulogne führenden Straße beobachtet wurde, wurde keinerlei Trennung zwischen militärischen und zivilen Fahrzeugen der sliich- tenden Bevölkerung wahrgenommcn. Zwischen diesen Fahrzeugen fuhren sogar Panzerwagen, die das Feuer aus das deutsche Flugzeug eräffneten, das feinen Angrisssaustrag nur an solchen Stellen durchführen konnte, wo sich Zusammenballungen militärischer Fahrzeuge fanden. In Gesprächen von Besatzungsmitgliedern der deutschen Panzerwagen mit belgischen Zivilisten ist bestätgt worden, daß die Bevölkerung verschiedentlich gegen ihren Willen von den ziirückwcichcnden feindlichen Truppe» zur Flucht gezwungen wurde, um durch
ihre Anwesenheit auf den Nückzugsstratzen deutsche Angriffe zu behindern.
An mehreren Stellen ist von verschiedenen Zeugen beobachtet worden, daß sogar au- den Flüchtling-Zügen heraus aus die niedrig sliegenden deutschen Flugzeuge, die sich selbstverständlich jeder Angrissshandlung enthielten, mit Gewehren und Revolvern geschossen wurde. Es bürste sich bei den Schützen um englisch« oder französische Soldaten handeln, die sich zur Tarnung ihrer Flucht mit Zivil- kleidern versehen haben. Derartige Fälle sind durch die Gesangenengussagen bestätigt worben. Verschiedentlich sind auch französische Soldaten anigesunden worden, die belgische Uuiiormstücke trugen.
Tie Tatsache, daß die Generalstäbe der feindlichen Armeen die Flüchtlingszüge nicht stoppe» oder wenigstens von ihren eigenen Truppenbewegungen trennen, läßt entweder aus Un- sähigkeit oder auf die klare Absicht schließen, sich aus Angst vor der deutschen Luftwaffe zu verstecken. Der Rückzug, vor deren Notwendigkeit sich die feindlichen Truppen gestellt sehen, bedingt die absolute Frcihaltung der Straßen von Zivilbevölkerung. Wenn die gegnerischen Befehlshaber nicht für diese leicht zu schassende Voraussetzung sorge», bezeugen sie den gleichen sinnlosen Vernichtungswillcn, der sich auch in Bombenabwürfen über unverteidigten Städten dokumentiert.
Köchste italienische 0 rdensauszoichnung für Söring
Berlin, 23. Mai
Der König von Italic» und Albanien und Kaiser von Aethyopicn hat Gcneralscldmarschall Gering aus Anlaß des Jahrestages der Unterzeichnung des deutsch-italienischen Freundschasts- und Vündnispaktes die höchste italienische Or- dcnsauszeichnung, die Große Ordenskette des Annunziaten- Ordens verliehen.
Der königlich-italienische Botschafter Dino Alfieri hat sich am Mittwoch, begleitet von dem Botschaftsrat Zamboni, dem Militärattache Generalmajor Marras, dem Lustfahrtattache Oberst Teueci, dem Marineattache Graf Pecori Giraldi und Gras Manzoni mit dem Flugzeug in das Hauptquartier des Generalfeldmarschalls an der Westfront begeben und dort Generalfeldmarschall Eöring die Insignien des Ordens in se.ier- licher Form überreicht. Eeneralfeldmarschall Eöring hat König Viktor Emanuel III. seinen Dank telegraphisch übermittelt.
deutscher Surchbruch zum Kanal erweitert
erfolgreiche LustangrW auf Kanalffiilen — Tcinöliriic ftusbruchoersuche gescheitert — Luftwaffe vernichtet einen Kreuzer unk» elf Iransporter — öebirgsjäger im weiteren Vormarsch von Vrontfteim nach Norden
Führerhauptquartier, 22.Mai.
Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
„Der Durchbruch der deutschen Truppen zur Kanalküste wurde gestern auch nach Nordwesten in Richtung auf St. Pol und Montreuil für Mer erweitert. Die Hafenanlage» von Ostende, Dünkirchen, Calais, Boulogne und Dieppe find von der deutschen Luftwaffe wiederum erfolgreich angegriffen worden. In Flandern leistet der Feind zur Deckung seines Rückzugs au der Schelde immer noch zähen Widerstand. Bei Vale n c i e n n e s ist der Angriff gegen die hier znsam- mengedrängtcn sranzösischen Kräfte unter hartnäckigen Kämpfen im Gange. Versuche des Gegners, in Artois über Arras und westlich nach Süden auszubrechen,^wurden abgewiefcn. Bei Arras trugen Lunkers-Stuka-Flug- zeuge zum Scheitern eines englischen Panzerangriffes wesentlich bei.
Bei den am 1». Mai in Z e e l a n d abgeschlossenen Kämpfen wnrden von weit unterlegenen deutschen Truppen 1866 Franzosen und 13 666 Holländer gesangengenommen.
Die neuzeitlich ausgebaute starke Werkgruppe Neuf- chatean der Festung Lüttich ist gefallen. 12 Offiziere nnd 566 Mann sielen in unsere Hand.
Am 21. Mai war die deutsche Luftwaffe mit großem Erfolg hauptsächlich zur Störung des feindlichen Rückzuges angesetzt. Mehrere stark belegte Flugplätze wurden außerdem mit Bomben angegriffen, Flugplatz anlagen und Flugzeuge am Boden zerstört. Die Bahnhöfe von Compiegne und Ereil brennen. In und vor den belgisch-französischen Häfen wurden ein Kreuzer und 11 Handels- und Transportschiffe vernichtet, mehrere weitere Schiffe befchädigt. Schnellboote der dentschen
Kriegsmarine versenkten bei einem Vorstoß gegen die französischen Kanalhäfen einen feindlichen Hilfskreuzer.
Die Verluste des Gegners betrugen gestern insgesamt 120 Flugzeuge, davon wurden 35 im Lustkampf, 14 durch Flak abgeschossen, der Rest am Boden zerstört. Zehn deutsche Flugzeuge werden vermißt.
Wie bereits durch Sondermeldung bekanntgegeben, griffen am 26. Mai Kampfverbände der Luftwaffe bei Narvik operierende Teile der britischen Flotte an. Ein Schlachtichiss und ein Schwerer Kreuzer erhielten schwere Bombentreffer, außerdem wurden zwei weitere Kriegsschiffe und drei Handelsschiffe durch Bombentreffer beschädigt. Bei erneutem Angriff am 21. Mai find ein Zerstörer und ein Transporter schwer getroffen worden.
(Fortsetzung aus Seite 2)
vas ist der Krieg, den ste wollten!
Unbeschreibliches sttichtlingselenS in Paris / Die Kriegshetzer tragen Sie Verantwortung
Genf, 23. Mai.
Die Berichte die von ausländischen und neutralen Reisenden aus Paris bei ihrer Ankunft in der Schweiz über die unbeschreibliche Panik in der sranzösischen vauptstadt gegeben wurden, werden nun auch von Pariser Korrefpon- denien der Schweizer Presse vollauf bestätigt. Ter Pariser Berichterstatter der „Suisse" gibt folgendes Stimmungsbild über die Scharen von Flüchtlingen, die aus Belgien und aus den »ordiranzösischen Provinzen in Paris, vor altem aus dem Nordbahnhoi. ciniressen.
„Es ist sehr heiß und drückend", so berichtet der Korrespondent, „und auf dem weiten Platz vor dem Nordbahnhos hat jedermann ein sorgenvolles Ansselten. Die Bewegung -der Dolksinaifen ist enorm, die Taxis können nur unter dauerndem Hupen vorantoinmen. Die Kaiieehansterrassen ^pnd überfüllt, aber die hellstrahlende Sonne wirft keinen qireu- denschein über diese geschäftige Menge. Es gibt viele arme Leute, die auf dem Bürgersteig schlafen znsammengesnnken aui ihrem gebündelten armseligen Besitz. Ans dem Nordbahnhoi tresjen unzählige lange Transporte von Evakuierten ein die aus Belgien und Nordsrankreich kommen, vereint mit ihrem Elend. Die große Halle des Bahnhofes ist sür daS Publikum geschlossen. Polizeibeamte bilden Sperrketten und verbieten den Zutritt. Die Massen der Neugierigen werden vor den Absperrgittern auseinandergetrieben.
Das Anssehen der Flüchtlinge schildert der Berichterstatter in ergreiienden Worten. Die Frauen und Männer, die jungen Leute seien von Müdigkeit gebeugt, die Angen von Tchias- losigleit und Tränen gerötet „Sie trage» ihren ganzen Besitz in einem Taschentuch oder in alten Koisern in Iveißen Tüchern nnd haben ihre Gasmaske umgehängt. Andere haben ihr Fahrrad bei sich, das ebensalls mit Gepäck beladen ist."
Ein älterer Mann mit hartem Gesicht ruft angesichts dieses Elends ans:. .Ich kann das nicht mehr sehen!" und ging 'erschüttert sort. Er ist jedoch nicht mehr weit gekommen: denn plötzlich ertönte in diesem Tumult des Bahnhofes das häßliche Heulen der Alarmsirenen. Alles stürzt sich im Laufschritt aus dem Bahnhof und von dem Bahnhoss- vorplatz, die Casehansierrassen leeren sich, die Fensterläden der Wohnungen und die eisernen Rolläden der Geschäfte werden geschlossen. Wie soll man diese riesige Menschenmasse in Schutzkellern unterbringen? Die zahkreichen Polizeibeamten kanalisieren die Menge in die Untergrundbahn.
Bon draußen her ertönen dumpfe Erplosionen. „Bomben", sagen die einen: „Nein, Flak", antworten die anderen. Zn dem Untergrundbahnhos verbreiten sich plötzlich von Mund zu Mund die Nachrichten von dem Durchbruch der deutschen Truppen und der Einnahme von Arras und Amiens. „Wer hat da? gesagt?" lautet die Frage. „Der Ministerpräsident *m Senat", wurde geantwortet. Zum erste»
Mal seit dem 10. Mai blickten die Pariser düster und verwirrt drein."
Die Leiden, wie der Berichterstatter des Blattes sic hier schildert, sind nur ei» Schatten von dem Elend, das sich die Westmächtc in ihrem wüsten Kriegshetzen sür Deutschland ausgedacht hatten. Die sadistischen Acußcrungcn ihrer Staatsmänner und ihrer Zeitungen haben uns darüber belehrt. Mit skrupelloser Brutalität haben sic verkündet, ihr Kriegszicl sei es, daß die deutsche Bevölkerung unter sran- zösischen Bajonetten vor sranzösischen Feldküchen Schlange liehen müsse.
Frankreich und England wollten den Krieg. Sie wollten die Vernichtung Deutschlands. Wir danken es dem todesmutigen Einsatz unserer Soldaten und ihrer genialen Führung, daß cs anders gekommen ist.
Run müssen die Kriegstreiber und ihre hörigen Vasallen die Suppe selbst auslösicln, die sie sich eingcbrackt haben. Frankreich und England tragen die Schuld an dem Elend, das über ihre Länder und alle Staaten, die sich von der Plutotratenkaste in den Krieg treiben ließen, hercingebrochen ist. Die britischen Kämpfer sür „Kultur nnd Zivilisation" haben nichts getan, die Not zu mildern. Im Gegenteil, ihre Räubereien und Brand,'chatzungen in Belgien haben die Bevölkerung lies verbittert, England und Frankreich tragen die Berantworlung sür die Tränen, die heute fließen.
(Sieh« auch Serie 2)
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Der Krieg vor Englands Tür
rd. Berlin, 23. Mai.
Deutsche Divisionen haben den Kanal -erreicht. Die Hakenkreuzflagae weht noch südlich von Calais am Ufer der schmalen Meeressiraß«, die England jetzt noch von den deutschen Divisionen trennt. An der Mündung der Somme bei Abbeville. sind die deutschen Truppegr bis zum Kanal durchgestoßen und erweitern ihre Stellungen von Stunde zu Stunde. Der Wettlauf zum Meere, der 1914 und 1918 vergeblich für uns war, ist heule gelungen, wo sich der Angriffsschwung deutscher Soldaten mit der revolutionären Feldherrnkunst Adolf Hitlers vereinigt.
Niemand weiß besser, als der Chef des plutokratisihen Kriegskabinetts von Großbritannien, was es heißt,' daß nun starke französische, englische und belgische Streitkräfte nördlich der Somme abgedrängt sind und vom stählernen Griff einer deutschen Zange erfaßt werden. Winston Churchill hatte schon 1914, als er zum erstenmal englischer Marineminister war, die brennende Furcht, daß die deutschen Truppen in Nordfrankreich das Meer erreichen könten. Deshalb fuhr Churchill im Oktober 1914 nach Antwerpen. Was ihn damals bewegte, hat der heutige englische Ministerpräsident in seinen Weltkriegserinnerungen mit folgenden Worten geschildert:
„Wo. erreichten die beiden ringenden Armeen von 1914 die blauen Wogen des Ozeans? Das war die Frage! An welcher Stelle der Küste? Wer umfaßte des anderen Flanke? Würde man nördlich oder südlich van Dünkirchen ans Meer kommen? oder bei Eravelines, bei Calais, bei Boulogne? Nein, vielleicht noch südlicher bei Abbeville? Alles hing von dem Ausgang der rastlos fortschreitenden Schlacht ab. Aber allen leuchtete ein hohes Ziel voran: Die einzige wohlgesicherte und uneinnehmbare Flankendeckung der Verbündeten, der einzige verwegen vorgeschobene Posten, ein köstlich Ent, das eines hohen Einsatzes Wert war und das alles andere überstrahlte — Antwerpen, wenn nur Antwerpen gehalten werden könnte.
Die Festung Antwerpen fiel 1914 trotz Churchills Marinebrigaden in deutsche Hand, aber erst nach mehr als zwei Kriegsmonaten am 9. Oktober. In zweiwöchiger glänzender Belagerung brachten die Heeresund Marinetruppen des Generals von Befeler die große Festung zur Uebergabe. Aber der deutsche Vorstoß erreichte dennoch nur in belgisch-Flandern bei Ostende die Küste. Von Antwerpen konnte die deutsche Führung nur wenig Gebrauch machen, denn zwischen Antwerpen und dem Meere lagen die neutralen Gewässer zwischen den holländischen Inseln in der Scheldemündung, Im dentschen Abwehrkampf von heute jedoch ist die Festung Antwerpen schon am 8. Tage der größten Offensive aller Zeiten gefallen, und diesmal gehört uns ebenso di« Scheldcmündung mit Vlissingen. Englands Versuche, diesmal auch Holland in den Kampf zu ziehen, haben sich also durch das abenteuerliche Tempo des deutschen Vormarsches in das Gegenteil der Londoner Wünsche verwandelt. An den Kanal aber sind die deutschen Truppen heute an den südlichsten jener Punkt« gelangt, die Churchill 1914 überhaupt in seine Berechnungen zog, bei Abbeville.
2m Raume westwärts Antwerpen bis nach Abbeville gehen die abgeschnürten feindlichen Armeen ihrer Vernichtung entgegen. Franzosen und Belgier kämpfen tapfer. Vergeblich versuchten sie zuerst bei Valenciennes und dann bei Arras den Ring zu. durchbrechen. Die deutschen Stukas haben auch hier wieder ihre Schuldigkeit getan. Zerschmettert liegen die englischen Panzerwagen, die die Flucht der Tommies, die nach dem Fall Antwerpens zum größten Teil in Eilmärschen zur Küste streben, decken sollten. Schon jetzt zeigt die offene Sorge Englands über die Folgen der deutschen Festsetzung an der Kanalküste, daß die Plutokraten in London zu begreifen beginnen, was darin liegt, nämlich der Zwang für England, sich selber zum Kampfe zu stellen.
Bisher war der Kanal für die englische Politik ein sicherer Faktor, den man ohne Bedenken in Englands Rechnung einfetzen konnte. Mit welcher Selbstverständlichkeit das geschah, davon zeugt eine währe Geschichte.
Unser Tagesspiegel
Die Erweiterung des deutschen Durchstoßcs zum Kanal schreitet fort. Mit starlen Aiisbruchsdersuchen wollen sich die cingeschlosicncn scindlichen Armeen Lust verschaffen.
In sechs Tagen wurden durch dcutschc Flak 342 feindliche Flugzeuge abgeschosscn.
Geschützdonner dringt bis England.
In schändlichster Weise mißbrauchen die Westmächtc beim tzlückzug ihrer Armeen die Zivilbevölkerung.
Paris erweckt de» Eindruck eines großen Flüchtlingslagers.
Das Jagdgeschwader Richthosen meldet seinen 100. Lustsieg.
Generatseldmarschall Söring erhielt die höchste italienische Ordcnsauszcichnung.
Sowjet-Rußland weist offiziell englische Einmischung in den dcutsch-rufsifchcn Handel zurück.
Sechs der fünszehn Todesopfer des ruchlosen Bomben- angrists aus Bremen wurden gestern zu Grabe getragen.
Die Studiendauer an technischen Fachschulen wurde wieder auf fünf Semester festgesetzt.
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