Ausgabe 
(20.11.1939) Nr. 320
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parteiamtliche Tageszeitung

Das Amtsblatt des Negierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen

der Nationalsozialisten Vremens

flmkNHes Veckiindungsblatt des Beichsstattlialters in Oldenburg und Bremen

Nr. Z2l! / 9. satzrgang

Montag. 20. November 19Z9

Linzelpreis 1S Npf.

. Leu:flrbelt gegen 6eldsack!

Sis;ur en

fln die Schaffenden Sroßdeutschiands - kin stufrus des Leiters der deutschen flrbeitsfront

Berlin, 2ll. November

Dr. Robert Ley erlieg an die Schassenden Grog­deutschlands sa genden Aufrus:

Arbeiter und Arbeiterinnen! Betriebssichrer und Ge­folgschaft! Schassende in Stadt und Land!

Der uns von England ausgezwungene Krieg dauert nun 10 Wochen. Es ist also möglich, eine vorläufige Zwischenbilanz über den Erfolg und über die weiteren Aussichten zu machen. Unser unverrückbares Ziel ist: Sieg, Sieg und nochmals Sieg und damit die endgültige Niederwerfung Englands und der Herrschaft seines Geld­sackes über die übrigen Völker des Erdballes. Sozialis­mus gegen Kapitalismus! Das ist unser Schlachtruf.

Ziehen wir als klar denkende Menschen die Zwischen­bilanz der ersten 10 Wochen.

1. In einem beispiellosen Blitzkrieg war die polnische Armee von der das belgische Militärblatt noch am 3. September 1939 schrieb, daß sie eine der stärksten Armeen der Welt und der deutschen Armee bei weitem überlegen sei völlig vernichtet.

England ist keine Insel mehr!" Die Erfolge un­serer Flotte, in Sonderheit der U-Boote, und die Siege unserer Luftwaffe reihen sich würdig an die einmaligen Erfolge im Osten. Und der Westwall? Nun, es hat sich gelohnt, daß ihr Westwallarbeiter seit Jahren Opfer und Entbehrungen, Dienstverpflichtung und Mehr­leistung auf euch genommen habt!

2. Die englische Einkreisung ist gebrochen. Armes Eng­land! Wie schön war es doch im Jahre 1914, wo man mit 15 Bundesgenossen eine frischfröhliche Treibjagd auf das edle deutsche Wild abhalten konnte. Vorbei, vor­bei .. .

3. Die innere Front! Der Weltkrieg hat uns gelehrt, daß es nicht genügt, tapfere Soldaten zu haben und gut« Waffen zu besitzen, sondern daß ein moderner Krieg ein totaler Krieg ist, daß alle daran teilnehmen und daß deshalb das gesamte Volk in der besten see­lischen und körperlichen Verfassung zu sein hat und darin erhalten werden muß.

Jeder Krieg bedeutet eine völlige Umstellung des Lebens. Alle Bedürfnisse und Wünsche der Menschen muffen vor dem einzigen Ziel: Stärkung der militäri­schen Kraft der Nation, zurückstehen. Aber ebenso müssen alle Quellen zur Erhaltung und Entfaltung der Eesamtkraft der Nation erschlossen werden. Das hat man 1914 nicht erkannt. Zum Beispiel: Welche Kraft liegt darin, in einer solchen schweren Zeit dem Volke den unerschöpflichen Born seiner herrlichen Kultur zu­gänglich zu machen. 1914 untersagte man jede Freude, heute öffnet man die Tempel der Kunst und man stellt fest, daß die Nation mit vollen Zügen aus dem Quell seiner Natur trinkt und in Anstand genießt.

Sie innere front stellt!

Jetzt muß die Partei Adolf Hitlers wieder mal ihr Daseinsrecht beweisen. Und sie beweist es!

Lebstastes Sewekrfeuer am oderrtzein

Berlin, 20. November. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: An der Oberrheinfront an einer Stelle beiderseits lebhaftes Maschinengewehr- und Gcwchrfeuer, an den übrigen Stellen der Frynt Ruhe; nur örtliche Artillerie- tätigkeit. Die Lustwaffe setzte ihre Aufklärungstätigkeit über Frankreich fort."

Was bedeutet es schon, wenn eine Organisation in einer normalen Zeit ihre Aufgaben löst. Gar nichts! Jedoch jetzt mit weit verringertem Apparat die weitaus grö­ßeren und schwierigeren Ausgaben zu meistern, das be­deutet etwas.

Ich greife aus der unendlichen Fülle nur einige we­nige Beispiele heraus:

Sie krnästrung unseres Volkes

Wir wissen, daß die Ernährung unseres Volkes einen Engpaß in der inneren Front bedeutet, besonders dann, wenn uns England durch seine teuflische und hundsge­meine Hungerblockade die Gurgel abdrehen will. Des­halb war die erste Kriegsmaßnahme die Einführung der Bezugscheine und Lebensmittelkarten. Um ja dem Volke keinerlei falsche Hoffnungen vorzutäuschen, legte man die engsten Stellen des Engpasses, d. h. die klein­sten Portionen von Fleisch, Fett und Brot usw. an den Beginn des Krieges. Heute nach 10 Wochen Krieg stellen wir alle mit Genugtuung und auch mit Stolz fest, daß sich die Portionen erhöht haben, daß alle satt werden und daß Lang- und Nacht-, Schwer- und Schwerstarbeiter besonders gut und unbedingt reichlich beliefert worden. 1914 bis 1918 war es leider umge­kehrt; erst aßen und lebten wir aus dem Vollen, dann wurde rationiert, die Portionen verkleinerten sich mit

jedem neuen Kriegsmonat und schließlich mußten wir aus Hunger und aus Mangel an Voraussicht kapitu­lieren. England, wir Deutschen haben gelernt, deine Blockade schreckt uns nicht mehr.

produklions-, MrtsHasts- unS Sozialpolitik

Die Umstellung der normalen. Wirtschaft und Pro­duktion aus die Kriegswirtschaft, d. h. die Vermin­derung der Produktion lebensunwichtiger Güter, und dafür die Erhöhung der Produktion lebenswichtiger Güter und besonders die Erhöhung der Rüstung und der Munition, ist sehr schwierig. Im Weltkriege dauerte diese Umstellung über ein Jahr, ja, sie ist nie ganz ge­lungen. Millionen Menschen waren arbeitslos, die Lei­stungen sanken auf 30 und auf 20 Prozent, die Ver­sorgung der Truppe geriet in Gefahr. Man erinnere sich der Aufstellung jenes damaligen Programms, das in der letzten Stünde der Not über die Schwierigkeiten nur mangelhaft hinweghalf. Heute säuft die Wirtschaft wieder normal, die Leistung ist nirgends gesunken, da­gegen wurde sie in einer Anzahl von Betrieben gewaltig erhöht, und zwar nicht infolge Vergrößerung des Be­triebes, sondern errechnet auf die einzelne Arbeitskraft. Die Arbeitslosen, die hier und da infolge Umstellung der Betriebe auftraten, sind verschwunden. Die Stim­mung der Arbeiter und Arbeiterinnen ist eine ausge­zeichnete, und sie verbessert sich von Woche zu Woche.

(Fortsetzung auf Seite 2)

kin neues Opfer der englischen Minen

Hollänvischer PassagierSampfer mit S ZVS SNr gesunken / SV Schwerverletzte, 200 Personen vermißt

Amsterdam, 20. November.

Wie das Niederländische Telegrasenbüro mitteilt, ist ein Bericht des holländischen Gesandten aus London eingetrossen, wonach der niederländische Dampfer Simon Bolivar" der Koninklije Neederlandsche Strom- bot Mij. in der Nähe der englischen Küste auf eine Mine gelaufen ist. DieSimon Bolivar" ist ein Passagierdampser von 8309 VRT.

Wie zu dem Untergang desSimon Bolivar" er­gänzend berichtet wird, befanden sich rund 400 Per­sonen an Bord, unter ihnen 230 Fahrgäste. Bisher wurden 208 Personen in Harwich an Land gebracht, darunter SO Schwer- und SO Leichtverletzte. DieSimon Bolivar" hatte Amsterdam am Freitag verlassen und befand sich aus dem Wege nach Westindien. Das Schiff hatte sich der englischen Küste genähert, weil es einen britischen Kohlenhafen anlaufen wollte.

Der Untergang des Schiffes hat in Holland gewalti­ges Aufsehen erregt und auch insofern große Unruhe erweckt, weil längere Zeit nach dem ersten Bekannt­werden des Unterganges keinerlei nähere Einzelheiten aus England zu erhalten waren. Die Blätter veröffent­lichen lange Augenzeugenberichte, aus denen u. a. her­vorgeht, daß die Explosion am Sonnabend um 11.30 Uhr erfolgt sein muß, worauf das Schiff zu sin­ken be'gann. Viele Fahrgäste eilten zu den Rettungs­booten, andere sprangen mit Schwimmwesten sofort über Bord. Wenig später ereignete sich eine zweite Explosion, worauf das Schiff sehr bald kenterte, um dann endgültig unterzugehen.

Wie das Niederländische Telegrasenbüro erfahren haben will, sollen an derselben Stelle, an der dieSi-

unter der Handelsflagge

Kriegsschiffe -

Line neue Liste der gegen das Völkerrecht bewaffneten englisch-sranzößschen satzrgastschiffe

Bewaffnete französische Fahrgastschiffe

..Avelona Star", Blue Star Line, 13 3,6 BRL.. 1.?;' fteenui- len.Barvda", Arit.-Jndia Strom Nav. Co. Ld., 3-0o 12 Tee,netten.Brie-bane Star", Bluc Star Line, 11 0,6 BR2.., 12 Sremcilcn. ..Ealrdoina", Anchor Line Ld., 17 046 BR^.,

Berlin, 20. November.

Nachdem wir bereits am 15. November eine Liste be­waffneter englischer und sranzösischer Fahrgastschiffe be­kanntgaben, folgt heute die zweite Liste solcher Schiffe, die von England und Frankreich bcwassnet worden tind, um gegen jedes Völkerrecht gegen Deutschlands U-Boote eingesetzt zn werden. Wir setzen die Liste dieser bewaff­neten englischen und französischen Fahrgastschiffe lausend fort:

Bewaffnete britische Fahrgastschiffe

Asturins". Rvyal Mail Lines 22 »48 BRT.. 18 ^eenneilen. ..Avelona Star", Blue Star Line, 13 376 BR^.., 17,5 --reimn len. i2

>2 Seemeilen.Galedoinn", Anchor - -

>6.6 Seemeilen.Ccltic Stau', Blue Star Line, oo,»

15 Seemeilen.Kitt, os Eape Town", Ellcrman Line-, 8V46

BRT.. 15.5 Seemeilen.Taymouth", (noch nicht in Ltoyd-- -triu-nner.'. Seemeilen.Tenbiflihiri? , Men

Line 16 Seemeilen.Duches of Bcdfvrd", Canad.

Pacific TteamWp 6".. 2» 123 BRT.. 48 Seemeilen.Tnnedin Star" Blue Star Line, 11 168 BRT.. 16 --ecmeilcii. ..Hlgh- land Patriot", Rohöl Mail Lines 14172 BRT. 16 Sccmei- len. ..Highland Princeß , Rvyal Mail -Uiic-.- 1413- VRa.

16 Lecmcilcn.Karamea", Thaw ^avvill L ,llbivn Lo. 84^ BRT.. 15 Seemeilen. ..Lasset, Lamport L Sott Line ,41. BRT.. 10.75 Seemeile,,. ..Malancha'. Thos. L Jn° Bckle° banl Ld. 4121 BRT-, 14,5 Seemeilen.Mclroic Avbey , Mel­lon Avbey Thippina Co. Ld.. 2473 BRa.., 1V,o Leciiicileii. ..Paciiic President". Furncß. Whithn LZ!v. ^d . , 143 --RT., >2.5 Seemeile». ..Resast". Reimt «. h°.. »12» BRa... N Seemeile». ..Reliant". Engt. Admiralität .928

14 Seemeilen. ..--amaria". Gunard sehnte BRT, 17 Seemeilen. ..Silvcrah". Tüver Line Ld 4o3o >RT, 12 Seemeilen.Zilverpalm", -Uvcr Line Ld. 63.3 BRT.. 14 Seemeilen.Talthybius". A. Holt L ^o lt, >,4 BAT.. >3 Seemeilen.TransNlvanra , Anchor Lrm Ld.. >81'?. BR- Ist-, "Meilen. ..Ilmtata". Natal Qne ot -Bikina Star . Blue

St-

Flandre", (sie Generale Transatlantique, 8571 BRT., Seemeilen,Koutoubia", Cio. de Nav. Paquet, 879» BRT., 17 Seemeilen.Massilia", Cie. de Nav. Sud-Atläntique, 15 363 BRT., 2» Seemeilen.

Die genannten englischen und französischen Fahrgast­schiffe, die zum Teil mit schwersten Schiffsgeschützen be­waffnet sind, darüber hinaus durch Schutzanstrich ver­schiedener Schiffsteile und Ueb'ermalen ihres Namens und Heimathafens getarnt wurden, sind nach unser und der Ansicht aller objektiven Völkerrechtler klar als Hilfskreuzer gekennzeichnet. Die englischerseits wieder­holt vertretene Ansicht, daß die Bewaffnung lediglich aus defensiven Gründen erfolgte, wird klar und ein­deutig durch amtliche Aussagen im britischen Unter­haus widerlegt, aus denen hervorging, daß man in der englischen Öffentlichkeit Angriffe dieser bewaffne­ten Fahrgastschiffe auf deutsche U-Boote sogar noch als Ruhmestaten feiert. Zweck und Ziel der bewaffneten Handelsdampser das haben die bisherigen Beispiele klar erwiesen ist nur -gewesen, das U-Boot heran­zulocken, um es dann, wenn es aufgetaucht ist, mit dem Hagel schwerer Schiffsgeschütze zu überschütten, eine Maßnahme, die bei der leichten Verletzlichkeit des U- Bootes über Wasser, die schwersten Folgen für das Kriegsschiff und seine Besatzung hat. Wir können es unseren blauen Jungens nicht zumuten, ein Opfer dieser U-Bootfallen zu werden.

Wenn der Gegner durch die starke Bestückung seiner Frachtdampfcr die völkerrechtlich erlaubte Anwendung des Ausbringens und des Prisenrechtes verhindern will, so sind wir der Ansicht, daß alle bewaffneten Fahr­gastschiffe, wenn sie die Handelsflagge führen, diese widerrechtlich tragen und als Hilfskreuzer anzusehen sind und als solche wie alle Kriegsschiffe behandelt

."Iilssl'll.

mon Bolivar" unterging, bereits früher zwei Schiffe auf Minen gelaufen sein. Laut hier vorliegenden Mel­dungen ist der Kapitän des Schiffes bei der Explosion ums Leben gekommen.

Die holländischen Zeitungen veröffentlichen eine Er­klärung der britischen Admiralität, in der behauptet wird, dieSimon Bolivar" sei durch eine Mine,über deren Vorhandensein die britischen Behörden keine Mit­teilung gehabt" hätten, gesunken.

Von deutscher Seite muß zu diesem neuen Opfer der britischen Seeräuber, die ohne jede Rücksicht auf die Schiffahrt der Neutralen die Nordsee mit ihren Treib­minen verseuchen, vermerkt werden, daß es uns keine Ueberraschung bereitet, wtnn die englische Admiralität natürlich wieder einmal über das Vorhandensein dieser ihrer Minen an den eigenen Küsten nicht unterrichtet ist. Andere Ausreden kennt man in London bereits seit langem nicht mehr. Man schließt die Augen Und schweigt,' während die neutrale Schiffahrt immer schwerere Schäden erleidet eine Tatsache, die London völlig kalt läßt; denn die Neutralen sind ja den eng­lischen Piraten ohne Schutz preisgegeben. Hoffentlich werden diese angesichts ihres eigenen Schadens endlich erkennen, mit welcher Rücksichtslosigkeit England ihre Interessen mit Füßen tritt und als der vermeintliche Herr der Meere wie ein Tyrann mit ihrem Gut schaltet und waltet. my.

fluch ein lilauischer Vampfer ...

Kowno, 20. Novemüer.

Der litauische HandelsdampserKaunas" (1500 BRT.) ist nach einer Sonnabend abend eingegangenen und am Sonntag bestätigten telegraphischen Meldung bei Rot­terdam auf eine englische Mine gelausen und gesunken. Bon der 20köpfigen Besatzung ist ein Mann ums Leben gekommen und vier wurden verletzt. Der Dampser be­fand sich auf der Fahrt nach England, um dort Waren nach Litauen zu verladen.

Im Laufe von zehn Tagen ist dies der größte Schiffs- verlnst der litauischen Handelsflotte. Erst vor kurzem ist der 1600 BRT. große litauische Handelsdampser Panevezys" im finnischen Meerbusen mit einer Salz­ladung aus Leningrad kommend, gesunken und fast um die gleiche Zeit sank der 800 VRT. große litauische Han­delsdampferNida" bei Dänemark.

vrikische Lüge ;urückgewiesen

Brüssel, 20. November

Der belgische KongodampserAlex von Opstal", der bekanntlich in den ersten Wochen des Krieges auf eine englische Mine gelaufen und gesunken war, verdient insofern erwähnt zu werden, als der seeamtliche Unter­suchungsausschuß in seiner Zusammenkunft am Freitag in Antwerpen noch einmal kategorisch erklärt hat, daß das Schiff nach einwandfreien Feststellungen nicht torpe­diert worden, sondern auf eine Mine gelausen sei.

Durch diese amtliche belgische Feststellung wird nun­mehr eindeutig die Schuld Englands erwiesen, das wiederholt trotz aller neutralen Hinweise fälschlich be­tonte, daß dieAlex von Opstal" von einem deutschen U-Boot torpediert worden sei. Die ieeamtliche Unter­suchung legt dementsprechend nochmals klar, daß auch hier die englischen Treibminen, von gewissenlosen Pi­raten ausgelegt, dieses stolze belgische Schiff vernichteten.

(Siehe auch Seite 2)

Fliegeralarm in NordschdttlanS

London, 20. November

Im nordöstlichen Teil der schottischen Küste wurde am Sonntag Fliegeralarm gegeben. Die Flugzeug« wurden in ar^mr H-u- s-nkwchtet.

Da» «kässiseüe Des««

Frankreichs überstürzte und mißlungene Evakuierung.

Von V/ilüslw Unllsr, Lrnsssl

In einer Wochenschau, die vor kurzem in Brüssel gezeigt wurde, konnte man den französischen Staats­präsidenten Lebrun bei einer Besichtigung der geräum­ten Stadt Straßburg setzen^ Langsam fährt der Kraft- wagen durch die Straßen, die von einer entsetzlichen, fast grauenvoll anmutenden Leere sind. Nicht ein Lebewesen, nicht einmal ein Hund oder eine Katze, ist zu sehen. In den Schaufenstern aber liegen noch die Waren, fingerhoch mit Staub bedeckt und in vielen Häusern stehen auf den Tischen halbgeleerte Platten, Zeugen eines überstürzten Aufbruches. Die berühmte Kathedrale des Meisters Erwin ist ein steinerner Leichnam geworden. Man hat sie ihrer Altäre beraubt, ihrer Heiligenbilder und bunten Elasfenster und ihr Inneres mit Holzgerüsten und Sandsäcken in eine Art Bauplatz verwandelt.

Straßburg wurde vor Kriegsausbruch von vielen Franzosen öfters als diereichste Stadt Frankreichs" bezeichnet. Nicht etwa wegen seines materiellen Reich­tums, seiner modernen Sozial- und Hygiene-Einrich­tungen. die das Erstaunen jedes Franzosen hervor­riefen, der einen Vergleich mit Bordeaux, Lyon oder anderen Provinzstädten zog. Straßburg zählt rund 2S0 000 Einwohner, die restlos evakuiert worden sind. Insgesamt dürften aus den elsaß-lothringischen Depar­tements rund eine. Million Menschen abbefördert wor­den sein. Für ganz Frankreich wird die Zahl der Eva­kuierten auf 3j4 bis 4 Millionen Personen geschätzt, also rund ein Zehntel der französischen Bevölkerung. Paris hat einschließlich der Mobilisierten etwa 50 v. H. seiner Einwohnerschaft verloren, Lille ein rundes Drittel, Lyon, Reims und die übrigen größeren »st­und nordfranzösischen Städte desgleichen. Das Schick­sal aller dieser Großstädter steht jedoch in keinem Ver­gleich zu demjenigen der Straßburger und Elsässer. Die Räumung eines in unmittelbarer Nähe der Kriegs­zone gelegenen Gebietes gehört zwar zu den unerbitt­lichen Notwendigkeiten, die der moderne Krieg nicht nur dem einzelnen, sondern auch der Volksgesämtheit aufzwingt, sie wird immer hart, für die Betroffenen oft grausam sein, aber das Schicksal, das die Elsässer überfallen hat, ist entsetzlich.

Warum? Weil die seit mehr als einem 'Jahr vM der französischen Presse in den höchsten Tönen gerühmte und angeblich bis in die letzten Details vorbereitete Evakn- iernngsorgamisation im entscheidenden Augenblick rest­los versagt hat. Wie das möglich war, ist kaum zu be­greifen, aber eine Tatsache, die den französischen Innen­minister Sarraut als das Schwerste betastet, denselben Sarrant, der schon zu Anfang des Jahres seine völlige Unfähigkeit bei der Unterbringung der rotspanischen Flüchtlinge bewies, die er in Konzentrationslager ein­sperrte, deren ganze Einrichtung i-n Sand und Stachel­draht bestand. Die Tausende von Spanier, die in dielen Lagern vor die Hunde gegangen sind oder für Lebzeiten einen Gesundheitsknacks davongetragen haben, hat Sar­raut ebenso au-f dem Gewissen wie jetzt die Elsässer, die sich in der Dordogne oder Bretagne in zugigen Scheunen auf auf fauligem Stroh die Schwindsucht geholt haben.

Die Franzosen rühmen sich oft ihrer Kunst des Im­provisieren?. Sie ist unzweifelhaft vorhanden, hat aber ebenso oft zu katastrophalen Mißerfolgen geführt. Nach dem Experiment, das man im Februar und März mit den Spaniern an der Pyrenäen-Grenze gemacht hatt«, wollte man so wurde daraufhin angekündigt nun­mehr alles sorgfältig vorbereiten für den Fall, daß es noch einmal zu solchen Ereignissen kommen sollte. Das Improvisieren, so lautet« einer der Hauptpunkte des Redressement-Programmes Daladiers, sollte aufgegeben und durch planvolles Organisieren ersetzt werden. Schon um Ostern 1939 wurden für alle französischen Großstädte wie auch für die Ost-Departements genaue Evaku- ierungspläne ausgearbeitet. - Für jeden Pariser Stadt­bezirk war z. B. ein ländliches Departement vorgesehen das im Kriegsfalle Frauen und Kinder aufnehmen ivllte. Als dann aber der Krieg ausbrach, vollzog sich der Abtransport nicht etwa plan- und regelmäßig,' son­dern in der Form einer wirren, fast ' panikartigen 6-lncht, zu-der übrigens der Verkehrsminister Moiizie

IIIMMIIMIIIIIMMIIIIIMIM,

Unser

(vio ksntiZs Lnsgabs nwtaüt ssolls Ssitsn)

Der Leiter der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley wen­det sich in einem Aufrus an alle Schassenden Eroß- deutschlands.

Von der Oberrhein-Front wird lebhaftes Gewehr- und Maschinengewehrfeuer gemeldet.

Die italienische Ptesse hebt die wachsende Beun­ruhigung Englands durch die deutschen Flugzeuge hervor.

In seiner Ansprache vor dem Obersten Autarkierat betonte Mussolini die Notwendigkeit der italieni­schen Wirtschaftsunabhängigkeit.

Ein holländischer Passagierdampfer mit 8309 VRT. lies auf eine englische Mine.

Eine neue Liste zählt die völkerrechtswidrig bewaff­neten englisch-französischen Fahrgastschiffe aus. Belgien hat wegen der wiederholten Ncutralitäts- verletznng energischen Protest in London eingelegt. Die Bukarester Fußvall-Städteelf besiegte Berlins Stadtmannschaft 1:0.

Einen stolzen Erfolg erzielte der Niedersächsen- mcister VfL. Osnabrück über den De»"-*--'"'er Schalke 04 mit 3:2. ' " " '