Ausgabe 
(17.11.1939) Nr. 317
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parteiamtliche Tageszeitung

vas Amtsblatt des Negierenden Vürgermeisters der Freien kjansestadt Vremen

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der Nationalsozialisten Bremens

sinnliches verkündungsblatt des Michsstatchalters in Oldenburg und vremen

Nr. Z17 / 9. Jahrgang

Freitag, 17. November 1SZ9

Einzelpreis 15 Nps.

vlockade-pläne Londons schon im fiugust

bedeutsamer Vokumenlenfund m Warschau

Ein aufschlußreicher vericht des ehemaligen polnischen oesandten in Mo de Janeiro

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Berlin, 17. November.

Amtlich wird verlautbart: Trotz der systematischen Altenvernichtung, die das polnische Autzenministerium vor der Einnahme Warschaus vorgenommen hatte, um alle wichtigen diplomatischen Akten beiseite zu schassen, ist eine Reihe interessanter Dokumente in die Hand der deutschen Behörden gefallen, die im Augenblick einer gründlichen Durchsicht unterzogen werden. Eines der ersten Dokumente, das uns in die Hände siel, ist der nachstehend in seinen wichtigsten Teilen abgedruckte Ve­richt des ehemaligen polnischen Gesandten in Rio de Janeiro vom 19. August 1939. Es heißt hier wörtlich: Gesandtschaft der Republik Rio de Janeiro, Polen in Rio de Janeiro. den 19. August 1939, 111/88/24 Rua Cosme Velho, 95

Betrifft die eventuelle Abschneidung OriginalMit

Deutschlands von der siidainerikani- Kurier Kopie scheu Rohstofszusuhr im Kriegsfalle. mit Luftpost. 8I1/3s. Geheim.

An den Herrn Außenminister in Warschau In dem Hafen von Rio de Janeiro lies in diesen Tagen der englische KreuzerAjax" ein, der nach In­formationen der Gesandtschaft der Republik Polen sich im hiesigen Hasen ungefähr 14 Tage aushalten wird. Bezeichnend ist, daß die Besatzung des KreuzersAjax" sich so verhält, als befände sie sich im Zustand äußerster Bereitschaft, wobei die Verproviantierung des Schisses täglich erneuert wird. Nach in Rio umlaufenden Ge­rächten soll im Falle des Kriegsausbruches der Kreuzer Ajax" neben anderen britischen Flotteneinheiten den Patröuillendienst längs der brasilianischen Küste über­nehmen, um somit die Zufuhr von Rohstoffen und Le­bensmitteln nach Deutschland und Italien zu unter­binden.

Eine eventuelle Blockade der Küste Brasiliens würde sich sehr negativ aus die Versorgung der Achsenmächte mit Rohstoffen auswirken. Wie nämlich die Gesandt­schaft schon mitteilt, wird ein Drittel des deutschen Bedarfes an Baumwolle und Kaffee durch Brasilien gedeckt. Das gleiche gilt jedoch in geringerem Maße für solche Artikel wie Früchte, Oelsamen, Fette, Wolle. Reis, GefrierfleUch, Eisen- und Manganerze, de­ren Ankäufe durch Deutschland in Brasilien während der letzten Monate sehr gestiegen sind.

Im Zusammenhang hiermit kann man neuerdings Bemühungen maßgebender brasilianischer Kreise dahin­gehend feststellen, nähere Handelsverbindungen mit den Vereinigten Staaten aufzunehmen, um dort einen Er­satzmarkt zu erwerben I so,z'. B. für die Ausfuhr bra­silianischer Rohstoffe wie für die Einfuhr von indu­striellen Artikeln, die Brasilien wegen seiner schwach entwickelten inländischen Industrie nicht produziert.

Der Gesandte der Republik Polen Dr. Tadeuß Skowronski".

Abdrucke:

U. 8. 2. v. v. 8.

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8 . 8 .

Sztab Etowny

Soweit der über die Absichten des englischen Kriegs­schiffes außerordentlich gut informierte polnische Ge­sandte.

Was ergibt sich hieraus?

1. Schon am 19. August rechnete England so be­stimmt mit dem Ausbruch eines Krieges mit Deutsch­land, daß es in das ferne Brasilien einen Kreuzer zur Abschneidung der deutschen Zufuhr aus diesem Lande volle 14 Tage vor Kriegsausbruch schickte. Daß dabei davon die Rede ist, daß der für solche Zwecke be­stimmte KreuzerAjax" sich ungefähr 14 Tage in Rio de Janeiro aufhalten würde, ist hierbei besonders in­teressant, da dies ei» schlagender Beweis sür den Willen Englands zum Kriegsbeginn Ansang Septem­ber 1939 ist.

2. England war schon im Frieden, unabhängig von irgendwelchen deutschen Prisen- und U-Boots-Mah- nahmen fest entschlossen, völkerrechtswidrig die Lebens­mittelzufuhr Deutschlands von Südamerika abzuschnei­den und einen erbarmungslosen Krieg gegen Frauen und Kinder Mitteleuropas zu führen. Englands Erklä­rungen, es handele sich bei seinem völkerrechtswidrigen Aushungerungsmaßnahmen um Repressalien, sind völlig

hinfällig. England hat den Aushungerungskrieg gegen Deutschland geplant, um ihn sofort mit Ausbruch des Krieges mit aller Schärfe einsetzen lassen zu können.

3. Es ist deutscher kaufmännischer und technischer Tüch­tigkeit und der Güte der deutschen Waren in den letzten Jahren in wachsendem Maße gelungen, einen wichtigen Platz im südamerikanischen Wirtschaftsleben einzu­nehmen. Der amerikanische Handel würde durch die deutsche Handelsausdehnung in Südamerika praktisch in keiner Weise getroffen, so sehr auch von interessierter englischer Seite das Gegenteil behauptet wurde, um Amerika gegen Deutschland aufzuhetzen. Aus dem vor­liegenden Dokument ergibt sich, daß der Krieg für Eng­land ein hochwillkommener Anlaß war, um in Süd- amerika den deutschen Handelseinsluh möglichst auszu­schalten und selbst an seine Stelle zu treten.

Wie eine Ironie wirkt allerdings der Schlußsatz des Berichtes, aus dem sich ergibt, daß die Brasilianer sich bemühten, sür den von England abgedrosselten deutschen Handel nicht England eintreten zu lassen, sondern dafür die Bereinigten Staaten von Nordamerika einzuschalten, so daß die englische Rechnung wiederum wie im Welt­krieg sich als eine völlige Fchlrechnung erweisen wird.

flusgezeichnete fiackfruchternle

kin neuer deutscher kefolg im fibwehrkampf gegen den britischen flusßungerungsplan

Berlin, 17. November.

Das Reichsministerium sür Ernährung und Land­wirtschaft teilt mit: In dem Abwehrkampf gegen den englischen Aushungerungsmillen ist ein neuer großer Erfolg errungen worden. Nach den Ermittlungen des Statistischen Reichsamtes hat die Hackfruchternte 1939 in Erohdentschland ein ausgezeichnetes Ergebnis.

Die gesamte Kartoffelernte 1939 wird nach den vorliegenden Schätzungen. 56,3 Millionen Tonnen be­tragen, d, h. ebensoviel wie die sehr gute Ernte 1938, obwohl die diesjährige Anbaufläche um 113 000 Hektar oder 3,5 v, H. kleiner war als im Jahre 1938. Bei den Zuckerrüben wird in diesem Jahre mit ins­gesamt 17,4 Millionen Tonnen ein Rekordertrag erwartet, obwohl auch hier die Anbaufläche aus Man­gel an Arbeitskräften etwas zurückging. Die Vorjahrs­ernte belief sich auf 17,2 Millionen Tonnen. Die Futterrübenernte 1939 ist ebenfalls gut aus­gefallen, erreicht allerdings mit 39,5 Millionen Tonnen nicht ganz die besonders gute Ernte 1938.

Gegenüber der Zeit vor der Erzeugungsschlacht, die in den Jahren 1928/35 im Altreich einen Durchschnitts­ertrag von 42,1 Millionen Tonnen auswies, bedeutet die diesjährige Kartoffelernte mit 51,5 Millionen Ton­nen (Altreich) eine Ertragssteigerung um 9,4 Millionen Tonnen. Die Zuckerrübenernte 1939 übertrifft im Alt­reich mit 15,6 Millionen Tonnen die Durchschnittsernten der Zeit vor der Erzeugungsschlacht (1928/35) von 10,2 Millionen Tonnen um 5,4 Millionen Tonnen. Die

fln der Sichre Michael Schmeidls

ergreifende lrauerfeier für das achte 0pser des ruchlosen flnschlages im vürgerbräuketter

MLnchen, 17. November.

Mit einer ergreifenden Traucrseier nahm gestern vor­mittag die in München anwesende Führerschast der Par­tei, nahmen die Alten Kämpfer und viele Hunderte von Volksgenossen, Männer und Frauen aus allen Schich­ten der Bevölkerung, Abschied von dem Blutordensträ­ger Standartenführer Michael Schmeidl, der als achtes Opscr des 8. November im Nordsriedhof an der Serie seiner bei dem feigen Anschlag im Vürgerbräukeller hin- gemordeten Kameraden feierlich zur letzten Ruhe bei­gesetzt wurde.

Auf dem Platz vor der Halle vereinen sich Lorbeer und Pylonen zu einem schlichten, erhabenen Brauer- schmuck. In dem weiten, osfenen Geviert sind die Ehren- abordnungen der Gliederungen der Partei angetreten. Vor dem' Katafalk haben die Angehörigen Platz ge­nommen. Punkt 11 Uhr trifft der Gauleiter des Tra­ditionsgaues, Staatsmlnister Adolf W agner, auf dmn Platz ein. Die umflorten Fahnen senken sich. Politische Leiter tragen ven Sarg, den das rotsamtene Hakenkreuz­tuch deckt. Marschierer vom 9. November 1923 begleiten ihn aus der Halle und heben ihn auf den Katafalk. Hinter dem Sarg trägt Obersturmbannführer Grim- minger die Vlutfahne, das geheiligte Zeichen, das dem jüngsten Blutopfer der nationalsozialistNchen Bewegung vor 16 Jahren auf dem Marsch zur Feld- herrnhalle voranleuchtete und ihm heute auf seinem letz­ten Gange das Geleit gibt. Wenige Schritte dahinter steht die StandarteGerhard Wagner", deren Ehren- führer Michael Schmeidl war. Zu Füßen des Sarges halten zwei alte Kampfgefährten Adolf Hitlers den Kranz des Führers, weiß« Thrysantemen auf grünem Lorbeer. . ^

Die Trauerfeier nimmt ihren Anfang.Ases Tod von Erieg. weihevoll gespielt vom Mupkzug des Reichs- arbcitsdienst, leitet sie ein Nun tritt Gauleiter Adolf Wagner neben den Sarg, barhäuptig und im schlichten Braunhemd, den Blutorden auf der rechten Seite, spricht er die Eedenkworte:Wir tragen heute unseren Alt- vortcigcnossen Michael Schmeidl zu Grabe. Und im Geiste ist bier bei uns die ganze deutsche Nation. Und im Geiste ist in dieser Stunde hier bei uns der Führer, der mich beauftragt-'bat, dies zu sagen und mitzuteilen.

Schmeidl hatte kurz vor seinem Tode einen erhabenen Trost, denn bei ihm war der Führer, und er konnte dem Führer sagen, wie glücklich er sei, daß das Attentat den Führer nicht getroffen habe. Er sagte ihm, daß sein Lei­den und selbst sein Sterben bedeutungslos sei, wenn der Führer lebe. Er sagte aber in jener Stunde weiter, daß ihn der Wunsch beseele, daß die verbrecherischen Täter gesunden werden uiid insbesondere, daß ihn nur ein Wunsch beseele, daß die Anstifter und die Urheber des Verbrechens, daß England getroffen und bestraft werden möge. Ich stand in dieser Minute neben dem Führer am Bett des Alten Parteigenossen. Es ist erschütternd, was aus ihm sprach, aus seinen Augen, die schon im Sterben waren, glänzte nicht nur die Freude über den Besuch des Führers, sprach nicht nur das Sehnen und Wünschen für Volk, Führer und Reich, sondern es sprach aus ihm der unbändige Einsatzwille eines echten Nationalsozia­listen, der bereit ist, bis zum letzten Atemzug Einsatz zu predigen und Einsatz zu fordern sür die deutsche Nation.

Ob wohl England die Stimme dieses durch sein Ber­brechen vernichteten Nationalsozialisten hört? Wir glau­ben es nicht, denn es hat bis jetzt noch nie jene Stim­men der Toten und Gemordeten gehört, die im Laufe der Geschichte von ihm vernichtet wurden. Wir deutschen aber hören die Stimme unseres Michael Schmeidl und wir werden sie nie vergehen, und mit uns Deutschen wird diese Stimme sicherlich gehört bei jenen Völkern dieser Erde, die genau so wie wir durch England leiden muß­ten und durch England leiden."

Während die Weise vom guten Kameraden erklingt und Ehrensalven krachen, legt der Gauleiter den Kranz des Führers an der Bahre nieder, widmet dem Toten eine Minute stillen Gedenkens, grüßt ihn dann zum letz­ten Male und drückt den Hinterbliebenen die Hand. Das Deutschland- und Horst-Wesscl-Lied beenden den feierlichen Traueralt.

Wieder ertönen Kommandorufe. Langsam und gemes- jenen Schrittes bewegt sich der lange Trauerzug zur Gruft. Unter den Klängen des LiedesHakenkreuz am Stahlhelm" wird der Sarg langsam ins Grab gesenkt. Hier ruht nun die sterbliche Hülle Michael Schmeidls inmitten seiner Kameraden, die mit ihm an jenem 8. No­vember jür Führer und Deutschland gefallen sind.

Futterrübenernte 1939 liegt im Altreich mit 36,5 Mil­lionen Tonnen über dem Durchschnitt (1928/35) der Ernten vor der Erzeugungsschlacht.

Die ausgezeichnete Hackfruchternte des Jahxes sichert demnach'nicht nur die Versorgung Deutschlands mit Eßkartosseln und Zucker, sondern schasst über die Siche­rung der Futterversorgung unserer Vieh- und vor allem Schweinebestünde auch die Voraussetzungen für eine befriedigende Versorgung mit Fleisch und Schweinefett im Winter 1946/41.

Allein der Kartoffelmehrertrag von 9,4 Millionen Tonnen im Jahre 1939 gegenüber der Zeit vor der Erzeugungsschlacht macht die Einfuhr von 2,37 Millio­nen Tonnen Futtergetreide entbehrlich. In dem gleichen Sinne stärkt auch neben der Sicherung unserer Zucker­versorgung die ausgezeichnete Zuckerrübenernte unsere Futterversorgung. Besonders zu würdigen ist die Tat­sache, daß die Kartoffelernte trotz ungünstigster Witte­rung im Oktober und trotz des Mangels an Arbeits­kräften und Gespannen jetzt praktisch, von kleinen Resten abgesehen, als beendet betrachtet werden kann. Diese außerordentliche Leistung ist neben den zahlreichen Hilfs­kräften vor allem dem unermüdlichen Einsatz unseres Landvolkes zu danken.

Vor wet,rmoäilsbericht

clnd. Berlin, 17. November

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Keine besondere Ereignisse am gestrigen Tage.

pariser Mütter vor dem Zusammenbrach

jl>. Gens, 17. November

Die Informationsabteilung der Finanzkommission der Pariser Kammer hat sich am Mittwoch sehr ausgiebig mit der Presse befaßt. Der Berichterstatter Archimbaud stellte fest, daß die Maßnahmen der Regierung vor und vor allem nach Kriegsausbruch geeignet seien, die Presse Frankreichs zu vernichten. Die finanzielle Lage der meisten Blätter sei derart katastrophal geworden, daß ihre Liquidation in Kürze unvermeidlich werde. Die Gründe seien die verhängnisvolle Tätigkeit der Zensur, die Erhöhung des Papierpreises und anderer Gestehungs­kosten und schließlich die Transportschwierigkeiten. Der Ausschuß stellte fest, daß keine Regierung, wie auch immer ihr Regime sei, das Recht habe, die Presse zu vernichten, selbst im Kriege nicht.

fluslebende Unruhen in waziristan

New Delhi, 17. November.

Bei heftigen Kämpfen mit Eingeborenen Razmaks wurden drei britische Soldaten getötet und zehn ver­wundet. Ferner wurde ein Eurkha-Offizier getötet und zwei Kurkhas verwundet. Die beteiligten Truppen hat­ten Dienst im Straßenschutz getan und befanden sich auf dem Rückwege nach ihren Standplätzen.

Mine zerriß lonkdampserWoodlown"

üvv. Kopenhagen, 17. November.

Der englische TankdampserWoodtown" ist nahe der Küste aus eine Mine gestoßen und gesunken. Neun Mann der 13köpfigen Besatzung des 896-Tonnen-Dampfcrs sind ertrunken.

In der Straße von Gibraltar stieß nachts ein Fisch­dampfer mit einem englischen Kriegsschiff, das mit aus­gelöschten Lichtern führ, zusammen. Der Fischdampfer laut sofort.

englische Häfen nicht mehr sicher genug!

Newqork, 17. November.

Daß die Engländer bereits ihre eigenen Häfen nicht mehr für sicher halten und sich nach Zufluchtsorten für ihre beschädigten. Kriegsschiffe umschauen, geht aus einer eigenen Meldung derNewyork Times" hervor. Danach seien die Engländer infolge der beharrlichen deutschen Luftangriffe auf britische Haien derart besorgt gewor­den, daß sie möglicherweise beschädigte Schisse zwecks ungestörter Reparatur nach den angriffssichercn Dock^ in Kanada senden würden.

Die ita Kai-mek W LektA-seLr...

Wenn Briten von Freiheit und Recht sprechen 8O. Berlin, 17. November.

Die Zahl der Reden britischer Politiker, die mittelbar oder unmittelbar mit dem von ihnen selbst angezettel­ten Kriege in Verbindung-stehen, wächst ins Angemes­sene, ohne daß dadurch die Diskussion über Englands Kriegsziele über die bekannten Phrasen hinaus zu faß­baren Programmpunkten durchgestoßen wäre. Diese Feststellung ist in der Welt fast unwidersprochen, und die Debatte mit den Vertretern Indiens hat diese Lücke in der Rüstung des Empires nur zu deutlich aufgezeigt. Die wahren Ziele Englands sind derart, daß sich die maßgebenden Politiker scheuen, sie öffentlich und feier­lich als Kriegsziele zu proklamieren, schon weil dann das Echo der Welt vernichtend für England sein würde. Wenn auch Englands wirkliche Ziele gelegentlich aus den Worten voreiliger Politiker oder vom Haß zur Un­vorsichtigkeit verleiteter Zeitungen sichtbar werden, so bewahrt doch das offizielle England in der gleichen Weise die Maske des uneigennützigen Verfechters aller der Ideale und Einrichtungen, aus deren Unterdrückung und Zerstörung die britische Macht entstanden ist und deren Mißachtung die Geschichte Englands ausmacht. Wie die Methoden politischen Handelns sich jenseits des Kanals seit 25 Jahren kaum nennenswert geändert haben, so ist es auch mit den Phrasen der Kriegstreiber, die das Bewußtsein der Schuld hinter der Maske des unverstandenen Weltbeglückers verbergen. Hören wir, was während des Weltkrieges von englischen Staats­männern als Kriegsgriinde und Kriegszicl verkündet wurde und die jetzigen Reden sind gerichtet:

Aehnlich wie Chamberlain den angeblichen Friedens­willen und die Unschuld seiner Regierung beteuerte, ob­wohl ihm Reichsaußemninister v. Ribüentrop Punkt sür Punkt die planmäßige Vorbereitung des Krieges nach­wies, gefiel sich sein Vorgänger 1914, der Premier­minister Asquitch, in der Rolle des enttäuschten Frie­densfreundes:Deutschland bildet so sagte er am 5. September 1914 die Quelle und den Ursprung die­ser weltumfassenden Katastrophe. Wir haben uns bis zum Ende bemüht, sie zu vermeiden (!)- Niemand, der nicht wie wir unmittelbar unter der Verantwortung der Entscheidung Wer Krieg und Frieden stand, kann ermessen, mit welcher Energie und Ausdauer wir für den Frieden gearbeitet haben. Wir haben das dauernd getan, und zwar mit jedem Mittel, das der Diplomatie zur Verfügung steht, indem wir bis zum Brechen unsere am meisten hochgehaltenen Freundschaften und Ver­pflichtungen in Anspruch nahmen und bis zum letzten Augenblick Anstrengung über Anstrengung machten und gegen unsere eigene Hoffnung hofften."

Auch das Moment, zwischen der bösen deutschen Füh­rung und dem lieben deutschen Volke zu unterscheiden, zieht sich neben der Kriegsschuldlllge wie ein roter Faden durch die Aeußerungen der britischen Kriegspoli­tiker. So sagte z. B. Lloyd George am 19. September 1914:Wir kämpfen nicht gegen das deutsche Volk. Das deutsche Volk wird ebenso yon der preußischen Militär­kaste mit Füßen getreten, ja, Gott sei Dank mehr als jede andere Nation in Europa. Es wird ein Tag der Freude für den deutschen Bauern, Handwerker und Han­delsmann sein, wenn die Militärkaste zerbrochen ist. Ihr kennt die Anmaßung des deutschen Offiziers." Und wei- ter:Der preußische Junker ist der Straßenränder Euro­pas. Kleine Nationen, die er auf dem Wege findet, wirst er verblutet und zerbrochen beiseite, Frauen und Kinder werden unter den Rädern seines grausamen Fahrzeuges zermalmt".

Dieses Moment des weltanschaulichen Krieges kehrt auch in Churchills Worten von damals wieder, die sich von seinen heutigen nur durch leichte Aenderungen un­terscheiden:Die britische Demokratie mit ihrer einge­schränkten Monarchie, ihrem alten Parlament, ihren begeisterten sozialen (!) und philantropischen (!) Träu-

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Unser ^sgessvieWe!

(vis IisntiZs rlusZabo umkaüt nebt 8oitsn)

Die britischen Hebelgriffe gegenüber der neutralen Schiffahrt nehmen ihren Fortgang.

In der Frage der Kriegssinanzierung ist es zu ern­sten Meinungsverschiedenheiten zwischen Frankreich und England gekommen.

Ein Dokumentenfund in Warschau enthüllt die Tat­sache, daß England schon im August die Hunger­blockade gegen Deutschland vorbereitete.

In England müssen bereits die Milchlühe aus Futtermangel abgeschlachtet werden.

Russische Truppen marschierten vereinbarungsgemäß in Litauen ein.

Die.russisch-japanische Verständigung wird auf wei­tester Basis vorbereitet.

In Jndisch-Waziristan leben erneut Unruhen auf. Ein USA.-Polizijt erschoß den jüdischen Ober­bürgermeister in Long-Beach.

Mit der Bergung unserer ausgezeichneten Hackfrucht­ernte konnte -in großer Erfolg im Abwehrkamps gegen den britischen Aushungerungsplan erzielt werden.

Das achte Opfer des ruchlosen Anschlages im Bür- gerbräuteller, Michael Schmeidl, wurde feierlich zu Grabe getragen.

Auch die bisher bczugscheinsrcien Spinnstosswarcn dürfen nur noch gegen Kleiderkarte verabsolqt werden.

Der Reichsarbeitsminister erließ eine Vcrwaltungs- verordnung, in der Anweisungen zu Fragen des Lohn-und Gehaltsstops, insbesondere auch zür Frage der Weihnachtsgratifikationen gegeben werden.

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