Ausgabe 
(23.8.1939) Nr. 231
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vremer Zeilmg

parteiamtliche Tageszeitung

Das Amtsblatt des Negierenden Bürgermeisters der Freien fjansestadt Bremen

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der Nationalsozialisten Vremens

sinnliches verkündungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Bremen

Nr. 2Z1 / 9. Jahrgang

Mittwoch, 2Z. siugust 19Z9

Polen morden und rauben weiter!

Weitere Volksdeutsche brutal ermordet / das polnische Schuldkonto wächst ins Unermeßliche vestürzung und Todesangst der Deutschen

r. Gl e i w i tz, 23. August.

In Bielschowitz in Ostoberschlesien wurde der Volksdeutsche Heinrich Krasfzyk von Aufständischen aus bestialische Weise mißhandelt und schließlich ermordet. Den einzigen Anlaß für diese neue unmenschliche Bluttat bildete die Tatsache, das Krasfzyk Deut­scher war.

Die polnischen Behörden versuchen selbstverständlich auch diesen brutalen Mord an einem unschuldigen Opfer mit Lägen und Leugnen zu vertuschen. Den Gipfelpunkt des gemeinen Zynismus stellt es jedoch dar, daß die Polizei es wagte, in den Tageszeitungen ein Bild des Ermordeten, auf dem auch eine Einschutzwunde in der rechten Schläse zu sehen ist, mit der Ueberschrift zu »erösfentlichen: „Wer kennt den Toten?"

Der nach Deutlich land geflüchtete Vater des Ermor­deten, der sich gegenwärtig im Flüchtlingslager Ott- machau befindet, erfuhr durch Beamte von der Ver­öffentlichung und erkannte in dem Bild des Toten seinen Sohn. Die polnische Polizei hat die Unverschämt­heit, die «entsetzliche Bbuttat, die Aufständische in sinn­losem Hag an einem unschuldigen Volksdeutschen begingen, als „Selbstmord" hinzustellen. In der deutschen Bevölkerung herrscht verständlicherweise ein panikartiger Schrecken über diesen neuen blutigen Gewaltakt, mutz doch jeder befürchten, datz ihn m Kürze das gleiche entsetzliche Schicksal ereilt.

Nach der Ermordung des Volksdeutschen Kaletta aus Piekar, dessen fünf Monate altes Kind bekanntlich

ebensalls gequält und dann aus dem Fenster geworsen wurde, so datz es an den schweren Verletzungen starb, ist der ermordete Heinrich Krasfzyk das dritte Todes­opfer des ostoberschlesischen Deutschtums in kurzer Zeit.

7n der Zauchegrube erstickt!

Kattowitz, 23. August

Wie erst jetzt bekannt wird, hat sich am 18. August in Kattowitz eine entsetzliche Vluttat zugetragen, deren Opfer der Volksdeutsche Arbeiter Gustav Szipka wurde. Szipka, den die Pole,, bereits vor acht Monate,, brot­los machten, war infolge seines unerschrockenen Eintre­tens sür sein Volkstum, vor allem in den letzte,, Wochen unerträglichen Schikanen und ständigen Bedrohungen ausgesetzt gewesen. Szipka, der mit seinem gleich ihm unverheirateten Vruoer zusammenwohnte, wurde be­reits mehrmals von polnischen Aufständischen überfallen und roh mitzhandelt.

Eine Anzeige bei der Polizei vor etwa 14 Tagen hatte eine bezeichnende Antwort zur Folge: Man werde

ihn einlochen, wenn er nicht „Ruhe halten würde", wurde ihm von den Schergen Erazynskis erwidert.

In den späten Nachmittagsstunden des 19. August überfiel nun eine Horde von füns Aufständischen die Wohnung Szipkas, während sein Bruder gerade ab­wesend war. Mit Gummiknüppeln und Messern wurde der Volksdeutsche bearbeitet, bis er schwerverletzt zu­sammenbrach. Den Vewutztlosen warfen die Verbrecher in eine Jauchegrube im Hof, wo er erstickte. Erst eine Stunde später, nachdem die Mörder abgezogen waren, erschien ein Polizist aus dem Schauplatz der Untat. Die Behörden bemühten sich, den Mord zu vertuschen, was jedoch nur kurze Zeit gelang.

Ueber den Verbleib des Bruders des ermordeten Szipka ist nichts bekannt. Es wird vermutet, datz er zur Vertuschung der Vluttat verschleppt wurde oder aus Furcht, das gleiche Schicksal zu »erleiden, geflohen ist und in den Wäldern umherirrt.

Das Deutschtum in Kattowitz ist durch diese neue Mordtat der polnischen Aufständischen in panik­artigen Schrecken versetzt worden. In zahlreichen Familien wagt man nachts aus Furcht vor Uebersällen kaum zu schlafen. Die unaufhörlichen Schikanen der Behörden und die Hetze des Pöbels tun das übrige, um die Lage der Volksdeutschen unsagbar elend und trostlos «zu gestalten. Der blutige Terror der Aufstän­dischen ist nicht weniger schrecklich erstanden als bei den blutigen Ereignissen des Jahres 1829.

(Siehe auch Seite 2)

Nach dem ersten Schrecken

Vas kcho der well auf den deurfch-sowjelruffistlien Nichtangriffspakt

r<i. Berlin, 23. August

Das lähmende Entsetzen, das der Nachricht von dem deutsch-russischen Vertrage in den Haupt­städten der Westmächte folgte, nachdem man sich davon überzeugt hatte, datz die unsägliche Bot­schaft nicht „die tollste Ente seit langem", sondern politische Realität war, hält noch an. Aus den ersten Stimmen wird erkennbar, datz man sich in der ganzen Welt bewußt geworden ist, das diese Wendung der Dinge eine ungeheure Bedeutung sür die Weltpolitik hat und datz die Lage sich von Grund auf verändert hat. Diese Erkenntnis ist allen Stimmen gemeinsam, während sich in den einzelnen Stellungnahmen die politische Einstellung der Völker sür oder gegen die Ein­kreisung abzeichnet.

Unsere'Vertreter in den europäischen Hauptstädten haben uns folgende Berichte über das Echo und die Stimmung in ihrem Gastlande übermittelt:

London völlig überrumpelt

Die deutsch-russischen Nichtangrissspaktverhandlungen lben in London verheerend gewirkt. Infolge völliger eberraschung und Ratlosigkeit ist jegliche Art von eaktion wahrnehmbar: von stummer Wut über Re- znation bis zu denen, die jetzt vollends nur eine Ab- ht kennen: Krieg, auch wenn sie dabei draufgehen llten. Die „neue Lage" wurde sofort aus die Tagcs- cdnung der Kabinettsbcratungen gesetzt, wobei be- uert wurde, datz schon vorher eine Vollsitzung geplant nvesen sei. Die neue Phase des „Nervenkrieges", den ngland schon gewonnen zu haben wähnte, hat London i eine vollkommen unerwartete Situation versetzt und lbst die englische Selbstbeherrschung nahezu über- rnnt.

Aus der Haltung der Dienstagpresse wird einiges on dem Echo der Aufnahme sichtbar. Die „-rimes >gt: „Wenn die Darstellung zutrifft, kann man dre bwjettaktik schon verstehen". Der Berliner Berrcht- cstatter sagt mit heimlichem Vorwurf: „Die Ilntet- andlungen sind in einer Weise geheimgehalten worden, ne sie nur in totalitären Staaten möglich sind Daily Expretz" überschreibt: „Sensationeller Mitter- achtsichachzug der Nazis" und „Einschlag für White- all". Das Blatt sagt bereits voraus, datz Rußland icht nur auf einen Angriff gegen Deutichland verzich- m. sondern auch Rohstoffe und andere Hilfe an krieg- thrende Mächte gegen Deutschland verweigern werde. )ie Hauptschuld an der neuen Wendung wird den

Von Mbbenlrop nach Moskau unterwegs

llligener verlebt cker „vremer Leitung'j

pox. Salzburg. 23. August.

Dienstag um 1k Uhr startete der Reichsminister »es Auswärtigen, von Ribbentrop, und seine Be- lleitung im Condor-Flugzeug „Grenzmark" vorn Flughafen Ainringen bei Salzburg nach Berlin, wn' wo noch im Lause des Abends der Flug über Königsberg nach Moskau angetreten wurde. Zur Verabschiedung des Reichsaußenministers hatten ich Botschafter von Papen und Staatsminister lsilaise-Horstenau eingefunden.

Die „Grenzmark" ist bekanntlich die erste der beiden Kondor-Flugzeuge, die für den Führer wurden,

sie wurde erst vor kurzem in Dienst gestellt.

Polen beigemessen, die keine russischen Truppen auf ihrem Boden hätten haben wollen.

„Daily Mail" gesteht: „London überrumpelt", „Voll­ständige Ueberraschung für Whitchall". Auch hier wer­den die „guten Fortschritte" der Moskauer Gencral- stabsbesprechungen beweint. Die Kabinettsberatung habe durch die Berliner Ankündigung eine „ungeheure Bedeutung" erhalten.

„News Chronicle" schreibt, gut unterrichtete Kreise in London wüßten, datz die Russen enttäuscht gewesen seien

über den Verlauf der Militärbesprechungen. Der deutsch- russische Pakt sei ein „ernster Schlag für Polen in erster Linie, für Großbritannien und Frankreich in kaum ge­ringerem Grade". Dieses Blatt weist schon drohend auf die Schuldfrage hin, spricht von unnötigen Schwierigkei­ten, die einem englischen Abkommen mit Moskau berei­tet worden seien und von Verantwortung der britischen Regierung", die „die Sowjetanerbietungen zur Zusam­menarbeit im März und April ausgeschlossen und seither bei so vielen Gelegenheiten mehr Rücksicht auf Deutsch­lands als auf Rußlands Gefühle genommen habe." (?)

„Daily Herald" nennt das Ganze „kaum glaublich", mit indirekten Vorwürfen gegen das bisher verhätschelte Sowjetrugland. Solch ein Pakt könne im Augenblick nur eine direkte Ermunterung an Deutschland bedeuten, den Feldzug gegen Polen fortzusetzen, und „sei beinahe eine Einladung an Rußland, seinerseits jede beliebige Aktion dabei zu ergreifen".

„Moskau bestätigt es", so verkünden am Dienstag­abend die Londoner Zeitungsplakate die Hiobs-Vot- schaft, datz Somjetrutzlands Ausbruch aus der Einkrei­sungsfront tatsächlich nicht zu vermeiden sein werde. Vorher war die sensationelle Nachricht von vielen im­mer noch nicht recht geglaubt worden. Im Foreign Office wurde jeder Kommentar abgelehnt.

(Fortsetzung auf Seite 2:)

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In Sicliei-Iielt voi- ilom polniselie» Tei -INI-. Immc-r rvindk-r trskkvri unk <li-m varmigar dabist äsutsebs IRUcbt- Ungs aus Lolsn siv, die von cksn, poloiueliea Torrn- v.-rtri.-lmn wnrckon. l'nimr llild xaigt kTtlesitlin»« kurr vor der ^blaürt vseb rsicbsäsutsebsm dabist. (Lrssss-Üokkmann)

Da» H«m»se«e ktetz

^ln guisr Dienst sm Weltkriegen

I.L.V. Bremen. 23. August

Die Nachricht von dem Nichtangriffspakt zwi­schen Deutschland und Rußland hat bei der Ein- kreisersront wie ein Blitz aus heiterem Himmel eingeschlagen. Daß diese Nachricht von „unseren besten Freunden" in Paris und London zuerst gar nicht geglaubt werden wollte, beweist, wie sehr ihnen damit das Konzept verdorben ist. Stellten wir nach dem Abschluß des Viermächteabkommens in München fest, daß das Weltjudentum die größte Niederlage seiner Geschichte erlitten hatte, so können wir heute sagen, daß mit dem deutsch- sowjetrussischen Pakt die Weltfreimaurerei und das Weltjudentum inschönerGemeinschaft mit England einen nicht weniger schweren Schlag erhalten haben.

Ueber die Bedeutung des Abschlusses des Nicht­angriffspaktes zwischen Deutschland und Rußland zu sprechen, erübrigt sich insofern, als man nur aufmerksam das Echo der Weltpresse verfolgen muh, um zu erkennen, wie sehr selbst in den Augen der stärksten Befürworter der Einkreisungssront sich die Dinge geändert haben und wie ungeheuer­lich die Bestürzung ist, von der die Feinde Deutsch­lands betroffen sind.

Mit einem einzigen starken Ruck hat der genialste Staatsmann aller Zeiten das von den Einkreisern über Deutschlands Haupt geschwun­gene Netz des Verderbens zerrissen und die Welt vor die neue Tatsache gestellt, daß die geschichtliche Gemeinsamkeit der deutsch-russischen Politik, die, noch von Bismarck sorgfältig gepflegt, und durch die Stümperei seiner Nachfolger abgerissen war, einen neuen Ansatz zu einer gedeihlichen fort­laufenden Entwicklung gesunden hat.

Angefangen von den Tagen Friedrichs des Gro­ßen, wo allerdings nur kurz der Idealismus eines jungen begeisterungsfähigen Zaren die russische und preußisch^ Armee in eine gemeinsame Front geführt hat, bis über die Befreiungskriege hinweg zu den besten Zeiten des Zweiten Reiches haben russische und deutsche Interessen die beiden Völker aufeinander verwiesen. Kein anderer als der Führer selber hat die deutsche Vorkriegszeit- Politik, die Rußland in das deutsch-feindliche Lager abgleiten ließ, aufs härteste verurteilt. Heute wo die beiden Länder — wie der jüngste Abschluß des deutsch-sowjetrussischen Wirtschaftsabkommens jedem deutlich vor Augen führte, — geradezu zur gegenseitigen wirtschaftlichen Ergänzung geschaffen scheinen, mußte wie von selbst der Wunsch auf beiden Seiten lebendig werden, auch die Möglich­keiten für die Verbesserung der politischen Be­ziehungen zueinander zu erforschen und zu er­örtern.

Es haben diese Erörterungen der Möglichkeiten für die Verbesserung der politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Sowjetrußland um so rascher zu einem guten Ergebnis führen können, als man sowohl in Berlin als auch in Moskau es leicht genug hatte, die s e l b st sü ch ti g e und ge­wissenlose PolitlK der Einkreiser, die ein Land wie Sowjetrußland lediglich für britische Interessen in den Krieg gegen Deutschland hetzen wollten, zu durchschauen. Das Gedenken dieser gewissenlosen Einkreisungshetze, das Ge­denken der ruhmreichen Linien einer gemein­samen Vergangenheit und endlich die Tat­sache der naturgegebenen wirtschaftlichen Er- ganzungsmöglichkeiten eines hochindustrialisierten Landes, wie Deutschland und eines Agrar- und Rohstofflandes, wie Sowjetrußland, sind es denn

IllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIlNIIllllMIIIllllllllllllllMIIIMIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIlllllll

Unser lasessmessl

(dvssrs ksvligsv Kusgabs vwkaLt 14 8sitsn)

von Ribbentrop ist gestern abend zum Fluqe nach Moskau gestartet.

Der bevorstehende Abschluß des deutsch-russischen Nichtangriffspaktes hat bei den Demokratien un­geheure Bestürzung hervorgerufen.

Japan hat seine Truppen an der Grenze Honqkonqs verstärkt. „ ^ »

Mordtaten und Räubereien polnischer Banditen erregen auch heute wieder das Entsetzen der ge­litteten Menschheit.

Die Polen treffen längs der Grenze fieberhafte kriegerische Vorbereitungen.

Die Tagung der Rechtsmahrer in Danziq stand im Zeichen bedeutsamer Reden.

Mit 1766 Fahrgästen an Bord verließ D. „Bremen" vollbesetzt Bremerhaven zu seiner 187. Reise.

Das große Kinderfest des Mütterdienstes erlebte einen ungeahnten Massenzuspruch.

2n Bremen kam es zum 29. tödlichen Verkehrs­unfall dieses Jahres.