Issue 
(28/07/1939) Nr. 205
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parteiamtliche Tageszeitung

Anzeigen - Grundpreise-

Die 1 MIN hohe und 22 mrn breite Zeile im Anzeigenteil 13 2^/. Die 78 mm breite und 1 iviv hohe Zeile

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der Nationalsozialisten Vremens

pmtliches verkündungsblatk des NeilffsstatNialkers in Oldenburg und vremen

Nr. 285 / g. Zadrgang

Lreitag, 28. Juli 1SZS

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USfl. kündigen standelsvertrag mit Japan

Sperre der Waffenauofustr nach Japan / fluch Holzstoffe sollen mit einbezogen werden

Washington, 28. Juli.

Autzenminister Hüll überreichte dem japanischen Botschafter Vorinouchi eine Note, worin die Regierung der USA. den amerikanisch-japanischen Handelsvertrag von 1911 kündigt. Die Kündigung tritt nach sechs Monaten, also am 26. Januar 194», in Kraft und össnet den Weg für eine Waffenausfuhrsperre Japan gegenüber. Da der Kongreß im Januar tagt, wird die Entscheidung über diese Ausfuhrsperre, die vielleicht auch auf Rohstoffe ausgedehnt werden soll, sofort nach Wiederzusammentritt aus die Tagesord­nung gesetzt werden.

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Die Vertragskündigung kam völlig überraschend. Hüll konferiert« am Mittwochmorgen mit Roosevelt. Asso­ciated Preß zufolge ist . es m-cht unmöglich, daß dieser dabei die Kündigung des Vertrages selbst anordnete. Die Note an Japan enthält keinerlei Anspielungen auf die gegenwärtige Fernostlage. Es wird jedoch einleitend ausgeführt, daß die USA.-Regierung im letzten Jahr ihre Handelsverträge sorgfältig überprüft habe, wobei sie zu dem Entschluß gekommen sei, daß der amerikanisch- japanische Handelsvertrag Bestimmungen enthalte, die revisionsbedürftig seien. Die Kündigung erfolge, damit eine derartige Revision vorbereitet werden könne,um die amerikanischen Interessen je nach den Erfordernissen einer neuen Entwicklung besser sicherzustellen und zu . fördern".

Die Vertragskündigung fand in den Kreisen der Re­gierung und des Kongresses allgemein« Billigung. Wie verlautet, halten zwar mehrere hohe Beamte des Staatsdepartements eine W.affenausfuhrsperre Japan gegenüber für verfehlt, weil sie befürchten, daß die Ja­paner sowohl in Japan als auch in China sofort Gegen­maßnahmen ergreifen werden.

fluch SrrafMe?

Washington, 28. Juli.

Um der Kündigung des japanischen Handelsvertrages Nachdruck" zu verleihen, trägt sich das Schatzamt, wie Finanzminister Morgenthau am Donnerstag mit­teilte, mit dem Gedanken, den Ankauf von japanischem Edelmetall möglicherweise noch vor Vertragsablauf ein­zustellen. In den beiden letzten Jahren verkaufte Japan an das amerikanische Schatzamt Gold im Gesamtwert von 415 Millionen Dollar und für vier Millionen Dollar Silber. Associated Preß zufolge erwägt das Schatzamt ferner die Verhängung vonStrafzöllen" aus aus Japan importierte Baumwollstoffe. Die Tatsache, daß Amerikas Handelsbilanz mit Japan im letzten Jahr mit über 80 Millionen Dollar aktiv und die amerika-

ffeute eröffnet flr. öoebbels die NunSsunkaussteliung

Berlin, 28. Juli.

Die 18. Große Deutsche Rundfunk- und Fernsehrund- snnk-Ausstellung Berlin 1939 wird heute vormittag, 11 Uhr, durch Reichsminister für Bolksausklärung und Propaganda Dr. Goebbels eröffnet werden. Die Rede des Rcichsministers wird aus alle deutschen Sender übertragen werden.

Den festlichen musikalischen Rahmen bilden das Vor­spiel zum dritten Akt der OperLohengrin" und die Leonoren-Ouvertllre Nr. 3". gespielt vom Großen Or­chester des Deutschlan-dsenders unter Leitung von Gene­ralmusikdirektor Josef Keilberth. Nach einer Begrü­ßungsansprache des Oberbürgermeisters und Stadtpräsi­denten Dr. Lippert wird Reichsminister Dr Goebbels in grundsätzlichen Ausführungen über die aktuellen Auf­gaben des nationalsozialistischen Rundfunks sprechen.

Nische Wirtschaft der Hauptleidtragende ist, falls die angedrohten Embargomaßnahmen verwirklicht werden, stört das Schatzamt keineswegs. .

kine politische Maßnahme

Newyork, 28. Juli.

Zu einem offensichtlich von höherer Stelle inspirierten Artikel, der in Newyork der Presse bereits zuging, be­vor noch vom Staatsdepartement die Kündigung des amerikanisch-japanischen Handelsvertrages offiziell den Washingtoner Korrespondenten bekanntgegeben war, schreibtNewyork Times", die Kündigung sei eine aus­gesprochen politische Maßnahme. Der politische Charakter werde besonders durch die Tatsache erhellt, daß die USA.-Regierung den ganzen Vertrag kündigte und nicht nur die Mcistbegünstigungsklausel, was vollkommen genügt hätte, um den Weg für eine Ausfuhrsperre zu ebnen. Man müsse schon auf die französische Revolution und auf französische Ueberfällc auf amerikanische Kauf­fahrteischiffe zurückgehen, so' heißt es dann weiter, um eine Parallele zu einer derartigen Vergeltungsmaß­nahme zu finden. Während England kürzlich bei den Tokioter Besprechungen Japan gegenüber zurückgewichen sei, bekundeten die Vereinigten Staaten mit der Kün­digung des Vertrages, daß sie nicht gewillt seien, eben­

falls diesen Kurs einzuschlagen. Nach dem peinlichen Eindruck, den die Verhandlungen in Tokio für England hinterlassen hätten, müsse jetzt ein Gegengewicht gegen Japan geschaffen werden.

lokia:Unfreundlicher flkt"

Tokio, 28. Juli.

Der amerikanische Geschäftsträger unterrichtete im Namen seiner Regierung das japanische Außenamt, daß Washington den Handeis- und Schiffährtsvertrag von 1911 auswirtschaftlichen Gründen" gekündigt habe. Die amerikanische Regierung sei zu dieser Maßnahme, die den Wünschen der amerikanischen Nation entspreche, gezwungen worden, um die immer mehr steigende Ein­fuhr von japanischen Textilien in die Vereinigten Staaten einzudämmen.

Der Vertreter des Außenamtes erklärte dem Geschäfts­träger, daß Japan den angeführten Gründen nicht zu­stimmen könne. Japan betrachte vielmehr die Maß­nahme Washingtons als einewirtschaftliche Heraus­forderung". Die Verhandlungen zum Abschluß eines neuen Vertrages könnten erst dann erfolgreich durch­geführt werden, wenn Amerika seine unfreundliche Hal­tung gegenüber Japan geändert habe.

Die ersten Kommentare der japanischen Presse be­zeichnen allgemein die Kündigung des japanisch-ameri­kanischen Handelsvertrages als einenunfreundlichen und verständnislosen Akt der amerikanischen Regie­rung". Der eigentliche Zweck der Kündigung sei die Absicht Amerikas, nunmehr freie Hand gegen Japans Ehina-Politik zu bekommen. Japanische Wirtschafts­kreise betrachten die Kündigung als eine wirtschaftliche Herausforderung, die zweifellos im engliich-amerikani- ichen Einverständnis geschehen sei. um einen Druck auf die gegenwärtigen englisch-japanischen Besprechungen auszuüben. (Fortsetzung auf Seite 2)

2. und 2?. flug. welirmachlsfeierlage

vejefli des Iichrers anläßlich des 25. Jahrestages des weltkriegsbeginns und der Schlacht bei lannenberg

BerIin. 28. Juli.

Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat besohlen, daß aus Anlaß der 25. Wiederkehr des Weltkriegsbeginnes und der Schlacht bei Tannenberg der 2. August und 27. August 1939 bei der Wehrmacht als Feiertage gelten.

Am 2. August 1939 sind bei sämtlichen Stäben und Truppenteilen Appelle abzuhalten, bei denen der Be­deutung des Tages gedacht wird, an dem das deutsche Volk vor 25 Jahren den Verteidigungskampf um seinen Bestand gegen die feindliche Uebermacht aufnahm Sämt­liche Wehrmachtsgebäude legen für den 2. August Flag- genichmuck an. Am Abend findet in allen Wehrmachts­standorten Zapfenstreich statt.

Der 27. August der Tag der Schlacht von Tannenberg, wird mit einem Staatsakt am Weltkriegs-Ehrenmai be­gangen. der mit einer Ehrung verdienter Kriegsteil­nehmer von 1914/18 verbunden wird.

Italienreise des Seneralstabskhefs ffalder

Berlin, 28. Juli.

Auf Einladung des Oberbefehlshabers und General- stabschefs des italienischen Heeres, General Pariani, wird sich der Chef des Ecncralstabcs des Heeres, Ge­neral der Artillerie Halder, mit Begleitung nach Ita­lien begeben, um in der Zeit vom 1. bis 9. August

an den großen italienischen Manövern in der Po- Ebene teilzunehmen.

Die italienische Presse beschäftigt sich in Vorberich- ten mit den großen italienischen Heeresmanövern, bei denen zum ersten Male die Po-Armee, die in ihrer Zusammensetzung und Ausrüstung das schlagkräftigste Instrument des italienischen Heeres ist, eine große Rolle spielen wird. 'Popolo d'Jtalia" berichtet im einzelnen über die Zusammensetzung: Die Po-Armee setzt sich aus einem Panzer-Armeekorps, einem schnellen Armeekorps und einem motorisierten Armeekorps 'zu­sammen. Das Panzer-Armeekorps besteht aus den drei PanzerdivisionenLittorio",Artete" undLentaurio". Das motorisierte Armeekorps besteht aus den zwei Di­visionenTrentü" undTriefte". Das schnelle Armee­korps wird aus den Bersaglieri, der Kavallerie, den Zweimann-Tanks gebildet, mit den DivisionenEma- nuele Philiberto",Eugenio di Savoya" undDuce di Aosta". Sämtliche Divisionen sind zweigleisig, d. h.: jede Division besteht aus zwei Regimentern. Wie be­reits erwähnt, wurde die PanzerdivisionLittorio". die, wie der Duce sagte, im spanischen Krieg derAlp­druck" der Demokraten war. noch weiter durch moto­risierte Einheiten verstärkt. . Kommandeur der Po- Armee ist General Ettore Bastico. der sich in vier Kriegen auszeichnete und zuletzt im spanischen Kriege als Konimandeur desKorps der Freiwilligcntruppen" deren Organisator war.

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Katzenjammer über die flnleitzepleite

Verlchleierungsversuche und Vertröstungen der polnischen Presse

W a r s ch a u . 28. Juli.

Ueber die Ergebnisse der Anleiheverhandlungen in London veröffentlicht die polnische Presse die ersten eigenen Meldungen. Dabei wird festgestellt, daß Oberst Koc am Mittwoch nach Warschau zurückgereist sei. Die übrigen Mitglieder der polnischen Delegation seien in London geblieben, um die Einzelheiten des Polen zu­erkannten Kredites in Höhe von 8 Millionen Pfund Sterling zu besprechen. Diese Meldung der polnischen Telegrafenagentur scheut sich also noch, der polnischen Ocsscntlichkeit mitzuteilen, daß es sich um einen Waren- krcdit handelt.

Kurjer Warszawski" stellt resigniert fest, daß Oberst Koc sechs Wochen lang in London geweilt habe, um diese Anleihe nach Haufe zu bringen. Aber die Frage des Barkredits sei noch nicht abgeschlossen, sondern nur verschoben. Man könne jedenfalls mit Befriedigung fest­stellen. so tröstet das Blatt seine Leser, daß die jetzt für einige Zeit unterbrochenen Verhandlungen den besten Willen sowohl von polnischer wie von englischer Seitc gezeigt und den Beweis erbracht hätten, daß London wirkliches Verständnis (?) für die Bedürfnisse Polens habe. Die Verhandlungen hätten die Realitäi der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwi­schen England und Polen bestätigt.

Etwas nüchterner siehtDziennik Narodowy" das Blatt der Rechtsopposition, die Verhältnisse. Es macht England zwischen den Zeilen Vorhaltungen. Technische Schwierigkeiten, wie sie von Sir John Simon zur Be­gründung des Anleiheergebniyes angeführt worden seien, sollten deren Ergebnis nicht in Frage stellen. Es handele sich schließlich nicht um eine gewöhnliche Kredit- operation für Polen, sondern um einen Akt von politischer Bedeutung, was beide Partner keinen Augenblick, vergessen sollten. Die Entwicklung der polnisch-englischen Beziehungen und die Haltung der englischen Regierung sprächen dafür, daß die Ver­sicherungen über eine vollkommene Bereitschaft der Westmächte zur Hilfeleistung für Polen nicht lediglich eine abgegriffene Höflichkeitsformel seien. Hinter ihnen verberge sich ein tieferer Inhalt, und deswegen müßten die beiden Delegationen alles tun. um voller Ver­ständnis für den beiderseitigen Standpunkt die techni­schen Schwierigkeiten zu überwinden.

Kein 0eld, aber dafür slottenbesuch 1

Der Londoner Daily Telegraph" macht jctzi nach dem Mißerfolg dcr Anlcihevcrhandlungen Propaganda für einen britischen Flottenbesuch in Gdingen. In einer Warschauer Meldung des Blattes heißt es u. a.. man sei in War-chau recht betrübt über das unbefriedigende

Ergebnis der Kreditverhandlungen mit England, und es bestehe daher Grund zu der Annahme, daß ein Be­such britischer Kriegsschiffe in Gdingen in den höchsten Kreisen Warschaus warm . begrüßt werden., .würde. Man glaube", daß ein derartiger Besuch die Deutschen noch mehr beeindrucken würde als der Besuch Jronsides in Warschau (!?).

Freundschaft nach dem beschaff!"

Rom, 28. Juli.

Zum Scheitern der englisch-polnischen Anleiheverhand- lungen erklärt die römische Presse unter Ueberschriften wieFreundschaft kommt nach dem Geschäft"Ernste Unstimmigkeiten zwischen England und Polen", daß man nun in Warschau erkennen könne, was die viel­gepriesene englische Garantie wert sei. In Italien, so schreibt die ..Tribuna". sei man über die brutale Ab­lehnung der polnischen Forderungen nicht weiter über­rascht, denn England -ehe im Einkreiiungsiystein nur das Mittel zu einer nicht nur politischen, sondern auch wirtschaftlichen Schwächung der Völker. Polen sei der erste Schutzbefohlene Großbritanniens, der am eigenen Leibe die bittere Erfahrung mache, wie sich der Krämer­und Wuchergeist Englands auswirke und was man von den demokratischen Träumereien einer Bolksvcrbrüde- -rung zu halten habe.

Die TUE«-

Berlin, 28. JuK.

Kaum ein anderes Geschehen der Weltgeschichte hcft ein« so ablehnende Beurteilung erfahren als die Tei­lung des polnischen Staates gegen Ende des 18. Jahr» Hunderts unter seine Nachbarn: Rußland, Oesterreich und Preußen. Der größte damalige europäische Staat (Rußland wurde der Kultur und dem Empfinden aller nach unbedingt zu Asien gerechnet) verschwand völlig von der politischen Landkarte. Die überwiegende Auf­fassung ging dahin, daß hier ein nackter, nie zu verzei­hender Raub vorgenommen wurde. Und doch diese Auffassung ist völlig falsch. Sie ist im günstigen Fall realpolitisch keineswegs stichhaltigen Sentiments ent­sprossen, im ungünstigen Fall aber ausschließlich aus dem Haß der Freimaurerei und des Weltjudentums gegen alle aufbauenden Kräfte und somit besonders gegen den aufbauenden Geist des Preußentums geboren und inspiriert.

Es sei vorausgeschickt: Gerade der Nationalsozialis­mus steht unzweifelhaft auf dem Standpunkt, daß jedes Volk der Ende seine Daseinsberechtigung und somit sein Recht auf Bewahrung seines Volkstums hat. Der pol­nische Staat von 1772 war aber alles andere als eine erfreuliche Sache. 85 Prozent seines Territoriums war von nichtpolnischen Völkern besiedelt, die vollkommen rechtlos waren. Der polnische Bauer (weit über 90 v. H. der polnischen Bevölkerung) war leibeigen und in einem unvorstellbaren kulturellen Tiefstand. Einen polnische« Mittelstand gab es nicht. Alleinig herrschend im Staat war der polnische Groß- und Kleinadel, der sich in un­zähligen, ständig wechselnden, ständig sich gegenseitig aufs heftigste befehdenden Gruppen und Eriippchen (Konföderationen) zersplitterte. Um irgendeines geld­lichen oder sonstigen Vorteils willen scheuten sich diese Konföderationen nicht, mit Nachbarstaaten in Verbin­dung zu treten und schamlos offenen Landesverrat zu begehen. Das Wahlkönigtum war infolge seiner Ab­hängigkeit von diesen Gruppen nichts anderes als ein» Farce in Händen macht- und geldgieriger, skrupelloser Eroßmagnwten, den Führern dieser Konföderationen.

Ein solches chaotisches, anarchistisches Polen war natürlich außenpolitisch eine Null, ja eine Gefahr für die Nachbarstaaten und besonders für Preußen. Fast alle preußischen Provinzen hatten eine lange, unge­schützte Grenze mit Polen. Berlin, die Hauptstadt, lag nur 125 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Das im polnischen Besitz befindliche Pommerellen (West­preußen) trennte die Provinz Preußen (Ostpreußen) vom Hauptland. Ein polnisches Ermland zerriß zudem noch Ostpreußen in einen westlichen und östlichen Teil. 2m Siebenjährigen Krieg marschierten die russischen Heere ungehindert durch Polen. Es ist bekannt, wie gefährlich dieser Zustand für Friedrich den Großen wurde. Ein halbwegs geordnetes Polen hätte von vorn­herein diese Russeninvasionen unmöglich gemacht.

In der Zeit nach dem Siebenjährigen Krieg hatte aber Rußland weiter die Ohnmacht Polens genutzt. In Verbindung mit den mächtigsten, durch den rollenden Rubel bestochenen polnischen Konföderationen stand es kurz vor 1772 im Begriff, den ganzen polnischen Staat sich einzuverleiben. Wäre das geschehen, dann hätte Preußen (mit dem mächtigen Rußland als direkten Nachbarn und bei zcr-rissenen, ungeschützten Grenzen) seine Stellung als deutsche nordische Vormacht für immer verloren. Ein staatsmännisches Geschick sonder­gleichen war es also, daß Friedrich der Große in letzter Minute es fertigbrachte, durch den Petersburger Trak­tat vom 5. September 1772 Rußland in seiner An­nexionspolitik aufzuhalten und die Selbständigkeit des

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Unser Issessmesel

(vnssro IisuUZs LmsFsLs umkaLl. 12 8sit.sv)

USA. kündigen den Handelsvertrag mit Japan,

In Liverpool wurden wieder drei Bombenattcntate verübt.

Bon der ii-Tibet-Expedition liegen die neuesten Er­gebnisse vor.

Die holländische Regierung Colijn wurde gestürzt. Molotow empfing im Kreml erneut die englisch- sranzösischen Unterhändler.

Der antideutsche Terror in Polen nimmt immer schlimmere Formen an.

Der Führer erklärte den diesjährigen 2. und 27. August zu Wehrmachtssciertagen.

Eeneralstabschef Halder unternimmt eine Italien- reise.

Im Hafenverkehr Newyorks stand die deutsche Flagge 1938 an dritter Stelle.

Die Oel-Fabrik Eroß-Eerau, Bremen, hat ein Motorschiff angekauft.

Der Name Kassee-Hag erscheint jetzt auch in der Firmenbezeichnung.

Die ersten 48 Häuser der Bremer Secsahrersiedlung in Platjenwerbe werden heute gerichtet.

Die BZ. besuchte das Dötlingcn-Lagcr des Bremer Jungbanns.

Dr. Karl Ritter von Halt gab Deutschlands Pläne für die Winterolympiade 1949 bekannt.

Der seinerzeit zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilte Anton Lange wurde in Padcrborn vom Gericht frei­gesprochen.