Ausgabe 
(29.10.1939) Nr. 298
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parteiamrliche Tageszeitung

Das ftmtsbdM des NegierMden^ermersters der Lreiea tzaastzfta-r vremen

flmttiches verkünSungsbloN drs Veichsstatchatters in oidendurg und Vremen

Nr. 2SS / 9. Jahrgang

Sonntag, 29. Oktober 19Z9

Linzelpreis 1S

Msker 115 feindliche Schiffe versenkt

Handelskrieg für uns erfolgreich

Sie keindlichen Mächte verloren eine kalbe Millionen tonnen Schiffsraum

Sie 0elfter, die sie riefen

wirtschaftlicher und moralischer Versall in kngland Parlamentarismus wuchert

Berlin, 29. Oktober.

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Im Westen zwischen Mosel und Pfälzer Wald etwas leb­haftere Artillcrietätigkcit als an den Vortagen. Ein örtlicher Vorstoß schwächerer feindlicher Kräste im Grenzgebiet westlich des Warndt wurde abgewiesen.

Der Handelskrieg in Ost- und Nordsee sowie im Atlantik War weiterhin ersolgreich. In der Zeit vom 12. bis 25. Okto­ber 1939 wurden versenkt: Nach Meldungen, die durch eigene Ttreitkriiste bereits bestätigt sind: 22 Schisse mit 199 379VRT. Nach Meldungen der Auslandspreise weitere 3 schisse nftt 12 608 ART., insgesamt also 25 Schisse mit 121 976 VRT. Damit steigen die Gesamtverluste seit Kricgsbeginn aus ins­gesamt 118 Schisse mit 475 321 BRT. Da bei dieser Zusam­menstellung alle unbestätigten Meldungen nicht berücksichtigt find. mutz angenommen werden, datz dir tatsächlichen Ver- fenkungszissern noch wesentlich höher liegen. .. .

Trotz dieser Ersolge unserer Seestrr,«raste ,m Handelskrieg halten sich die eigenen Verluste in sehr geringen Grenzen. Es mutz bisher mit dem Verlust von drei U-Vooten aus Grund ihres langen Ausbleibens gerechnet werden."

In Italien stark beachtet

Rom, 29. Oktober.

Tee Bericht des Oberkommandos der deutschen Wehrmacht fiber die gewaltigen Verluste der englisch-sranzösischen Han­delsflotte in den ersten acht Kricgswochen findet m den römischen Blättern stark« Beachtung.Giornale d'Italm unterstreicht in grotzer Ueberschrist, patz sich die englisch- tzonzösischen Schisssverluste bisher aus eine halbe Milko« Tonnen belaufen.

Has Schreckgespenst der Vlvckads

Die Nöte der Neutralen / Aber auch schwere Rückschläge für das reiche England

e. Brüssel. 29. Oktober

In England dauert so etwas bekanntlich vier Woche» und länger!

Die Engländer haben sich erneut eine dreiste Belästigung des Schiffsverkehr im östlichen Mittelmeer geleistet. Sie haben Schiffe innergricchischer Linien auf der Fahrt von Mhtilene nach dem Pyrüus angehalten und durchsucht. Wegen dieser frechen Ncbergrisfe herrscht in Athen starke Empörung. Als Gegenschiag gegen die britische Blockadewillkür haben die Sowjetrussen, um das Gebiet des Schwarzemeerhasens Hebasto- pol drei Sperrzonen errichtet, zwischen denen lediglich eine Fahrtvinne für die Schisse freigehalten wurde.

Im Londoner Eigenbericht der Washingtoner Zeitung Eveningstar" spricht eindeutig von einerBelästigung des neutralen Landes durch die britische Blockade". Ständig wür­den 59 69» bis 299 999 Tonnen neutralen Schisfsraums in den britischen Kontrollhäsen zurückgehalten. Das völlig unnütze Verfahren der Durchsuchung erfordere mindestens 12 Tage. Im übrigen wird die Wirksamkeit der Blockade auch in der ameri­kanischen Ocssentlichkeit stark bezweifelt.

Wie sehr England selbst unter den Auswirkungen der Blockade leidet, geht u. a. aus dem Bericht des Frachtenmarkt- Sachverständigen einer großen Kopenhagener Zeitung hervor. Dieser Experte stellt fest, daß die englische Flotte mehr und mehr zu stark begrenzten Fahrten im Nord- und Südatlantik zusammengezogen würde und dadurch die britischen Trans­porte im Stillen Ozean wesentlich eingeschränkt würden.

Der dänische Beobachter saßt seine Meldung in die Formel zusammen:Die britische Tonnage aus dem Stillen Ozean abgeschnitten".

Berlin. 29. Oktober

Wir notieren nur, was andere sagen; wir sagen nur, was andere sehen. DerDaily Herald" weist der englischen Re­gierung immer neue Symptome derGefahr an der Heimat- sront" nach. Das Schlimmste, das Steigen der Lebensmittel­preise und die dadurch entstehende Gefahr einer Inflation, könne nicht dadurch gebessert werden, datzdie Regierung beides einfach unbeachtet lasse". Trotz dieser Vogelstrautz- politik sinke die Lebenshaltung namentlich -er Industrie- bevölkerung aus eine unerträgliche Weise. Die Frauen und Kinder der Soldaten würden so miserabel behandelt, datz dadurch dasGewissen eines jeden einzelnen Engländers in Ausruhr versetzt werden müßte".

Die Arbeiterpartei hat Forderungen auf Kontrolle der Lebenshaltungskosten gestellt; aberdie Regierung hat das bisher abgelehnt".

Als eine Einzelheit sei die Meldung hervorgehoben, daß nun auch die englische Presse von der Preissteigerung schwer getroffen wurde. Der Preis für Zeitnngspapier betrug bei Äusbruch des Krieges 11 Pfund 5 Schillinge; heute beträgt er 17 Pfund sür die Tonne. Innerhalb weniger Wochen eine Steigerung um fast 59 v. H.

Das verhängnisvolle gegenseitige Hochschrauben von Preisen und Löhnen hat eingeseift. In der Konfektionsindustrie haben 209 999 Arbeiter eine Lohnerhöhung um 15 v. H. gefordert, sich dann al-er zunächst mit 19 v. H. begnügt. In Yorkshire und Südwales fordern die Bergarbeitcrgewer'kschasten die Ablehnung der zu niedrigen, von den Unternehmern zu­gestandenen Lohnerhöhung. Eine bitterernste Sache. Keinem

, Zum wskle -er größten Völker kuropas"

freundschaftliche vesprechungen der deutsch-russischen Srenikommission in Warschau Praktische

Vermessung der Srenzlinie begonnen

Belgien hat unter den Folgen der Blockade so schwer zu erden, daß die wachsende Erbitterung in Brüstet nunmehr mch London bedenklich vorkommt. Die britische Botschaft m Srüssel hat ein Kommunique herausgegeben, in dem England ich zu verteidigen sucht und im übrigen selbst von einerve­rächtlichen Verstimmung in Belgien" redet. Dennoch können s die Briten nicht lassen, auch weiterhin einen schweren Druck ms Brüssel auszuüben. Wie man aber in der Bevölkerung Selqiens über die englische Heuchelei und ihre Kehrseite, dre Brutalität der Briten, denkt, geht aus der Brüsseler Zertung Hndependance Belge" hervor, die u. a. folgendes schreibt: Wir wissen heute alle aus persönlicher Erfahrung, datz Eng- and eine Blockade-Politik verfolgt, die den belgischen und hol- ändischen Interessen nicht im geringsten Rechnung tragt. Dre Zlockade ist gegen uns gerichtet, um uns in den Kreis der tricgsilhrendcn zu treiben." .

Auch die Holländer haben übergenug von der britischen Zlockade-Willkür. Die ungeheuerliche massenweise Derschlep- .una niederländischer Frachtdampfer in die britischen Kon- rollhäfen wird von den Holländern als eine Handlungsweise mpsunden,wie man sie von England nicht anders hat er­warten können". Mit der gleichen Schärfe wendet man sich egen die englischen Versuche, durch Drohung und Repres,allen iollcmd zum Einschwenken in die antideutsche Front zu be­wegen Als unmittelbare Folge der britischen Zwangsmaß- ,ohmen muß Holland eine starke Teuerung in den Kauf neh­men. die 19.bis 89 Prozent ausmacht. . ^ ^

Wie gegenüber Brüssel und Amsterdam hat das englische Zlockadeministermm auch Kopenhagen gegenüber bestrrt- en daß es einen Druck auf den Außenhandel der neutralen -tauten ausübe. Die Kopenhagener Preste ,st ,etzt inder sage, Originaldokumente zu veröffentlichen die dieses englische dementi einwandfrei widerlegen. Die Engländer haben nam- ich ausdrücklich aus Ladescheinen eine Klausel eingefügt, m >er sich der neutrale Geschäftspartner verpflichten soll, die be- reffenden Waren nicht an Deutschland (!) wefterzullefern. Sänemarks innerpolitische Lage hat sich bedenklich zugespitzt, oeil die englische Blockade starke soziale und finanzielle Span- lunqen ausgelöst hat. Außerdem werden die Verluste aus dem und stürz für die dänische Landwirtschaft auf 49 Millionen krönen im lausenden Jahr berechnet. . . . ^ ^

Eine bemerkenswerte Meldung aus Neval besagt, daß der nit einer Holzladung nach Amsterdam unterwegs befindliche jtnische DampferRomeo" den Kieler Hafen ungehindert mrchfahren konnte. Die Kontrolle der Schifsspapiere habe eicht länger gedauert als die gewöhnliche Zollabfertigung.

Warschau. 29. Oktober.

Am 26. ds. Mt. tras aus Moskau auf Einladung der Rrichsregierung die gemischte Zentralkommission des Deut­schen Reiches und der Sowjetunion in Warschau ein. Die Zentralkommission hatte hier Besprechungen mit den deut­schen und russischen Delegationsleitern der gemischten Unter­kommissionen abgehalten.

Dre somjetrussisäx Delegation der Zentralkoui-inftfion wird vom Direktor der zentrateuropäischen Abteilung im Volks­kommissariat für Auswärtige Angelegenheiten, Alexandrow, die deutsche Delegation vom Vortragenden Legationsvat Hencke geleitet. Aus Anlaß der Anwesenheit der gemischten deutsch- sowjetrusfischen Zenkoalkommisslon veranstaltete der neu- crnannte General gouverneur für die besetzten Gebiete in Polen, Reichsmii/ster Dr. Frank, am 27. Oktober ein Früh­stück für die Teilnehmer der Konferenz. Am Vorabend hatte der Warschauer Stadtkommandant, General von Neumann- Neuröde, die Delegationen zmn Esten geladen. Ihren Ab­schluß fand die Tagung durch ein Abendessen, das im Auf­trage des Reichsministers des Auswärtigen von Ribbentrop von dem Leiter der deutschen Delegation, Vortragenden Lega­tionsrat Hencke, im Diplomatensonderzug gegeben wurde, in dem die Zentralgrenzkommission während ihres Warschauer Aufenthaltes wohnte.

Die gemischten Nnterkommissionen haben am 28. Oktober mft ihrer Arbeit für die praktische Vermessung der Grenzlinie be­gonnen. Wie man aus unterrichteten Kreisen erfährt, nahmen die Besprechungen einen in jeder Hinsicht befriedigenden Verlaus.

Anläßlich des Empfanges der Kommission in den Räumen des deutschen Stadtpräsidenten gab Reichsminister Dr. Frank in einer kurzen Ansprache seiner Freude über das Eintreffen der Kommission in Warschau Ausdruck und seiner Genugtuung darüber, datz eine seiner ersten Amtshandlungen im besetzten Gebiet ein Empfang einer sowjetrussisch-drutschen Kommission sei. Die Arbeit der Kommission, der festgesetzten Jnteressen- grenze der beiden Länder eine praktische Gestatt zu geben, ge­schehe im Verfolg des gemeinsamen Zieles, die Bewohner des polnischen Gebietes, die durch eine verblendete Regierung in unsägliches Elend gebracht worden seien, wieder friedlicher Arbeit zuzuführen. Der Generalgouvcrneur wünschte der Kommission bei ihrer Tätigkeit vollen Erfolg und betonte seine Bereitschaft, sie in jeder Weise dabei zu unterstützen.

Im Namen der sowjetrussischen Grenzkommission. der ein General und eine Anzahl Höherer sowjctrussischcr Offiziere an-

Sie starben für Veutschlanb

gehören, stellte Ministerialdirektor Alexandrow in seiner Er­widerung fest, daß die Grcnzverhandlungen eine weitere Ge­legenheit darstellten, die dcutsch-sowjetrussische Freundschaft zu beweisen und zu vertiefen. Der Geist, der die Verhand­lungen beherrsche, sei der der Zusammenarbeit zum Dohle der deutschen und sowjetrussischen Nation, der beiden größten Völker Europas.

In verlin eingetroffen

Die zweite Gruppe der sowjetrussischen. Handelsdelegation

Berlin, 29. Oktober.

Am Sonnabendabend traf mit dem fahrplanmäßigen Zuge von Königsberg kommend der zweite Teil der sowjetrussischen Handelsdelegation unter Leitung des stellvertretenden Volks­kommissars Koroboff aus dem Bahnhof Friedrichstratze in Ber­lin ein. Vom Auswärtigen Amt waren zur Begrüßung der stellvertretende Leiter der Wirtschastsabteilung, Gesandter Clo- dius, Generalkonsul von Luckwald und in Vertretung des Chefs des Protokolls Legationsrat Pcter-Pirkham erschienen. Weiterhin hatten sich namhafte Persönlichkeiten des deutschen Wirtschaftslebens zum Empfang eingesunden.

wieder Verhandlungen Nußlond-Iürkei!

Sosia, 29. Oktober.

Bulgarisch« Blätter bringen in grotzer Aufmachung Mel­dungen aus Belgrad, die von einer baldigen Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Rußland und der Türkei wissen wollen.

In diesem Zusammenhang sind die Eindrücke bulgarischer Reservisten, die von Uebungen längs der türkischen Grenze zurückgekehrt sind, sehr bemerkenswert. Sie erklären fast alle übereinstimmend, daß in der türkischen Armee eine Stim­mung gegen den Treierpakt von Ankara vorherrsche und daß die türkischen Soldaten keine Lust verspürten, Kanonenfutter sür die Engländer gegen Rußland abzugeben. Im allgemeinen scheinen die türkischen Soldaten schlecht gekleidet und ver­pflegt und mangelhaft ausgerüstet zu sein.

Naeder bei Ven Seefliegern auf Sglt

Anerkennung sür hervorragende Leistungen

Berlin, 29. Oktober.

Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Raeder, hat die Seesliegerverbände auf Shlt besichtigt und ihnen bei dieser Gelegenheit für ihre hervorragenden Lei­stungen und ihre ständige Einsatzbereitschaft seine Anerken­nung ausgesprochen.

feierliche Veiseffung der loten des Vorpostenbootes In Stege

Kopenhagen, 29. Oktober.

»« Stege fand am Freitagnachmittag die feierliche Beisetzung Toten des deutschen Vorpostenbootes statt, das kürzlich be der Insel Möen infolge eines Minentressers gesunken ist. s allen öffentlichen Gebäuden, wie auch vielen Pridahau- n war der Danebrog halbstock gesetzt. Die Anwohner der catzen durch die der Trauerzug zum Friedhos geleitet irde hatten diesen letzten Weg für die Toten mit Tannen- in 'Herbstlaub und Blumen dicht bestreut.

Ver Trauerseier an der Kirche, vor der eine Ehrenkompanie dänischen Marine unter dem Kommando von Kapitän- tnant Garde angetreten war, wohnten der deutsche Gesandte' Kopenhagen, Dr. von Renthe-Fank, mit seiner, Gattin, der roi'ne-Attachd Henning und weitere Mitglieder der Gesandt- ast sowie der Vorsitzende der deutschen Kolonie, Schäfer, an : Spitze einer großen Abordnung von Mitgliedern der deut­en Organisation in Dänemark sowie der deutschen Vokks- rppe in Nordschleswig bei. Als Vertreter des dänischen chrministeriums war Koin-mandeur-KaPitän PoutoPiddan chienertz die dänischen Zivilbehörden waren durch den zu- ndigen Anttinann und den Bürgermeister der Stadt Vei­ten.

pn der Trauergemeinde, die den großen, würdig geschmück- ^ Raum der Kirche bis aus den letzten Platz füllte, bemerkte m ferner auf den ersten, sonst den nächsten Angehörigen obehaltenen Bänken die beiden dänischen Marineflieger, die r Angehörige des deutschen, Bootes retteten,- Fliegerleut-- nt Helvard und Unteranartiermeister Teteoscn, die die >en vom dänischen König verliehene dänische Vevdjenft- daille trugen, ferner die Schiffer von Nyord. die on der ttung der deutschen Schiffbrüchigen in hervorragender Weise eitig't waren, und vier der geretteten deutschen Seeleute.

Anwesend waren ferner Abordnungen dänischer Marine- und Soldakenverein igungen und zahlreiche Einwohner der Stadt Stege.

Als letzten Gvuß an die Daten hatten Äorbeerkränge ge­schickt: der König und die Königin von Dänemark und das dänische Morineministerinm, der Obetzböfehlshader der deut­schen Kriegsmarine, Großadmiral Dr. h. c. Raeder und Gau­leiter Bohle. Bon deutscher und dänischer 'Seite waren weiter Hunderte und aber Hunderte von Mnmenspenden niedergelegt

worden. ' - . , , '

Nach dem Abschreiten der Ehrenkompanie, durch den Ge­sandten von Renthe-Fink und Kvmmandeurkapitän Ponto- plddan eröffnete Pastor Hansen-Stegc als Vertreter-der dä­nischen Gemeinde die würdige Feier. , Nach ihm sprach der Prediger der deutschen St. Petri-Kirche in Kopenhagen, Superintendent Görnant, der vor allem der tiefen Bewegung Ausdruck verlieh, die bei allen in Dänemark lebenden Deut­schen die Trauerbotschaft von dem Untergang des deutschen Schiffes zugleich mit den.Meldungen von der ausopsernden Kameradschaft dänischer Flieger und Schiffer und von der herzlichen Anteilnahme der dänischen Bevölkerung ausgelöst hat.

Von der Kirche begab sich unter dem Vorantritt der Ehrenkompanie der kilometerlange Trauerzug zum städtischen Friedhvs, wo die Toten in einem gemeinsamen Grabe unter Salutschüssen beigesetzt wurden. Ehe die Trauernden aus- einandergingen, nahm der deutsche Gesandte Gelegenheit, im Namen der Reichsregierung den dänischen Fliegern und Fischern sür ihren Einsatz bei der Rettung der Neberlebenden und der Bevölkerung von Steg^, darunter den Aerzten und Schwestern des Städtischen Krankenhause? für ihre Liebes­dienste an den toten und geretteten deutschen Seeleuten zu danken.

In der türkischen ZeitungJkdam" schreibt Ebuzziha Betet unter der Ueberschrist:Unser Ziel ist, nicht Wege zu ver­sperren, sondern Wege zu eröffnen. Das Jnbelgcschrei der englischen, insbesondere der französischen Presse zu dem neuen Paktahschluß löse leichtes Befremden aus. Die daran ge­knüpften Schmeicheleien für die Türkei gefielen nicht. Das Ziel des türkischen Schrittes sei gewesen, dem Frieden zu dienen. Wenn also der englische Kriegsminister erkläre, der neue Pakt sperre endgültig den Weg BerlinBagdad, so sei er über die Bedeutung des Paktes völlig im Irrtum. Die türkischen. Wünsche lägen im Batkän und im östlichen Mittel- meer. Sie versperrten die Wege nur, wenn hier angegriffen werden sollte.

Daher sei viel erfreulicher die Nachricht über die bevor­stehende Wiederaufnahme des Luftverkehrs zwischen Berlin und Istanbul, die mctzr der lürkische,, Gedankenwelt ent­spräche als die erwähnte Wegsperrung. Die Freundschaft mit der einen Partei bedeute nicht die Feindschaft mit der anderen.

Verschärfte Spannung in Invien

dos- Amsterdam, 29. Oktober.

Die Unterhauserklärung Hoares über die englische Haltung zu den Forderungen der indischen Kongreßpartei hat die Spannung zwischen den indischen Parteisührern und White- hall außerordentlich verschärft. Man betrachte in Indien die durchsichtigen Erklärungen des Ministers, in denen er das geforderte Domininm-statut sür Indien sür eine weite Zu­kunft in Aussicht stellt und nur einen Beratungsansschnß der indischen Parteiführer vorschlug, als glatte Ablehnung des indischen Standpunktes Bezeichnend-ist, daß dieTimes" den Labourabgeordneten Benn angreift, der sich im Parlament für die indische Sache eingesetzt habe.

deutschen Arbeiter braucht man mehr zu sagen, daß aber auch höhere Lohnsteigerungen nur ein weiteres Steigen der Preise, aber nicht ein Stückchen Boot mehr bedeuten würde.

Das Gespenst der Inflation wirft seinen Schatten auch schon in den Ansängen eines Schuldnerstreiks voraus. Die Schuldner, so stellt die Presse fest, hatten es vielfach schon nicht mehr sür nötig, ihren Vevpfliästungen nachzukommen. Auch die -oteuerzahler werden lässig. Eine Amsterdamer Nach­richt, die wir um ihrer symptomatischen Bedeutung willen aufpicken wollen, besagt,der Magistrat von Eastham habe im Lause eines einzigen Tages 755 Vorladungen wegen Nicht­zahlung der Gemeindesteuern" vornehmen müssen.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Z. 8. 0. Bremen» 29. Oktober.

knglands katastropkale ftusftäiten

Einhunsertfünfzeihn feindliche Handelsschiffe mit rund einer halben Million Schiffsraum sind in den ersten acht Wochen des freolerisch durch England vom Zaune gekrochenen Krieges von deutschen Ü-Vooten versenkt worden. Es ist dieses Ergebnis der englischen Handels­blockade gegen Deutschland ein immerhin recht bemer­kenswertes, wenn man bedenkt, datz dasmeerbeherr- schende" England mit insgesamt siebzehn bis achtzehn Millionen Tonnen Schiffsraum somit bereits einen er­heblichen Prozentsatz seiner Handelstonnage verloren hat. Wenn dieser Schiffsraum erst einmal auf zwölf Millionen zusammengeschmolzen sein wird, wird er nicht mehr annähernd hinreichen, auch nur notdürftig die dem englischen Volke unentbehrliche Zufuhr an Gütern des dringlichsten Lebensbedarfes zu sichern. Da aber in zwei Monaten schon eine halbe Million Tonnen und das in einem noch nicht einmal allzu intensiv geführten Han­delskrieg durch deutsche ll-Boote versenkt worden sind, so kann man sich annähernd ausrechnen, wie wenige Monate nötig sind, um weitere fünf Millionen Tonnen von Englands Handelsflotte zu versenken und wieviel überhaupt noch von der englischen Handelsflotte übrig­bleibt, wenn die drei Jahre K r ieg,sd auer. die Herr Chamberlain der Welt so freigebig zudiktiert hat, abgelaufen sein werden. Wenn etwas heute gewiß ist, so ist es das, datz Englands Hungerblockade sich schon rein automatisch durch die deutschen U-Boote weit schwe­rer an England selbst, als an Deutschland auswirkt, wobei wir die moralische Einbuße Englands an Sympathien und erst recht die politische Einbuße, welche England mit seinem Handelskrieg, der es in schärfsten Gegensatz zti Sowjetrutzland gebracht hat. er­leidet, noch gar nicht einrechnen wollen. Da die englische Lebensmitteleinfuhr allein schon im Monat Septem­ber von 37,68 Millionen Pfund Sterling im Vorjahr aus 23,12 Millionen Pfund Sterling zurückgegangen ist, kann man ja ermessen, wie katastrophal sich im wei­teren Verlauf des Handelskrieges die Versorgungslage Englands nach mehreren Monaten darstellen'mutz und wie schwer, ohne daß man es in London zugeben möchte, die Sorgen des Handelskrieges auf dem Lande tasten, dessen Regierung Lei der Kriegserklärung glaubte, ohne besondere Opfer des englischen Volkes und ohne Gefähr­dung der nationalen Ernährungslage Englands, Deutsch­lands Frauen, Kinder und Greise dem Hungertods preis­geben zu können.

Aufgescheuchte Wespen

Es mutz die sowjetrussische Ablehnung der englischen Vanngutliste und die in der Note an England zutage getretene Uebereinstimmung der deutschen und sowjet- russischen Auffassung über die Verwerflichkeit des eng­lischen Hungerkrieges gegen Frauen und Kinder in Lon­don äußerst aufregend gewirkt haben. So wie iy. einem aufgescheuchten Wespenschwarm die gereizten und gleich­zeitig verän g st i g t e n Tierchen wirr ümeinander- summen und nach allem stechen, was sich ihrem Stachel darbietet, so summt es heute im englischen Blätterwald und so stechen die englischen Zeitungen um sich in heil­loser Angst vor Sowjetrutzland. alle Vorsicht vergessend, und lassen sich dabei, für England sehr schädliche, aber immerhin sehr aufschlußreiche Geständnisse entschlüpfen, die festzunageln wir nicht umhin können. Wenn wir in der englischen Presse lösen, daß im Oberhaus ein Mer Lord namens Listowel mit nicht zu überbietender Kaltschnäuzigkeit erklärte, es gäbe gar keinen Preis, den England im Augenblick zur Erreichung eines eng-

Unser ^sgessniegel

(Unsers bsntiZs gusgabs ninkallt 12 8sitsrH

Bisher konnten von unserer U-Boot-Waffe 118 Schisse mit insgesamt rund 509 999 Tonnen versenkt werden.

Die praktische Vermessung der deutsch-russischen Jnteressen- linie erfolgt nach Warschauer Vesprechungen in freund­schaftlichem Geist.

Litauische Truppen zogen in Wilna ein.

Auch Paris erhielt in der Banngutsrage die russische Protestnote.

Der Rückgang der britischen Ein- Und Aussuhr wirkt pch katastrophal aus.

Der Duee hielt am Jahrestag des Marsches auf Rom eine kurze Ansprache an die Faschisten.

Reichswirtschaftsminister Funk unterstrich die normale Finanz- und Kreditlagc des Reiches auch in der Kriegszeit. Bremer Firmen waren maßgeblich beteiligt am Bau des Deutschen Hauses auf dem Belgrader Messegelände.