Ausgabe 
(4.5.1939) Nr. 121
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vremerZeNng

parteiamtliche Tageszeitung

Bas Amtsblatt des Negierenden Bürgermeisters der Zreien iiansestadt Bremen

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Die 22-liim-Zeile !m Anzeigenteil 13 die 78-mw-ZeiIe im Tert- teil 75 Ermäßigte Grundpreise (für kleine, Familienanzeigen u. a.) sowie sonstige Bedingungen Preis­liste 7 (Nachlaßstaffel 0). Für An- zeigen durch den Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschluß 16 Uhr. Geschäftsstellen: In Bremen: Am Geeren 68, Fern­

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der Nationalsozialisten Vremens

sinnliches Berkünüungsblatt des Neichsstatchaiters in Oldenburg und Bremen

Nr. 121 / 9. Jahrgang

Bonnerstag, 4. Mai 19Z9

kinzelpreis 1S Npf.

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Am deutschen Tor zum Südoste», im schönen, zu neuer Wirtschastsblü-te erwachten Wien gewinne ich endlich Zeit. Rückschau aus die mehrwöchige Reise Belgrad- AthenSofiaBukarest zu halten Zeit und Ab­stand für eine politische Bilanz des Erlebens der Slld- ost-Realitätcn ist das eine so wichtig wie das andere. Denn. es kann sich nicht darum handeln, dem Leser die Einstellung der Bevölkerung jedes einzelnen Balkan- Staates zur Neuordnung in Mitteleuropa isoliert dar­zulegen, sondern worauf es zunächst ankommt, das ist die Herausstellung der bei aller (historisch und geopoli- tisch verständlichen) Verschiedenheit der staatlichen und wirtschaftlichen Interessen Jugoslawiens. Griechenlands, Bulgariens und Rumäniens hervortretenden Gleich­artigkeit in der Haltung der Balkanländer gegen­über den schwebenden europäischen und weltpolitischen Fragen.

Verlockte ^i-siriclsfIdsclrobtsi' Lrsrirsn"

Um sofort zum Kernpunkt vorzustoßen: In jedem der vier Länder habe ich auf Grund eingehender Unter­haltungen mit führenden Persönlichkeiten und mit dem einfachen Mann auf der Straße" feststellen können, daß dem erwachten Selbstbewußtsein der Völker des Süd- ostens ein starker Wille zu unbedingter staatlicher Selbständigkeit entspricht. Jeder Einsichtige auf dem Balkan hat aus der Borkriegs- gcschichte, dem Verlauf des Välkerringens und nicht zu­letzt aus dem Geschehen nach 1918 die Erkenntnis ge­wonnen, daß alle Länder des politischen" ..Wetterwinkels Europas" am besten fahren, wenn sie sich jeder Teil­nahme am Londoner und Pariser Einkreisungs-syst-cm fernhalten und ihre zwischenstaatlichen Angelegenheiten, soweit solche noch zu lösen sind, selbst regeln. Ja, der Balkan sieht heute ineh-r als je seine naturgegebene Mission darin. Brücke von Mitteleuropa zum nahen Orient zu sein, Kultur- und Wirtschafts­brücke; er wehrt sich energisch dagegen, weiterhin Aufmarschgebiet westlicher antideutscher Jntrigenpoli- tiker zu sein. Ohne den Kontakt mit dem übrigen Europa preiszugeben, will man nach all den Stürmen der Vergangenheit endlich den eigenen völkisch und staatlich gestellten Ausgaben leben. Was mir in Athen im Rahmen einer Unterhaltung mit griechischen Kauf­

leuten und Technikern auf meine Fragen zur Beur­teilung derGarantie"- Politik Englands geantwortet wurde, dürfte typisch sein auch für die Reaktion der anderen Balkan-Völker auf - Englands (und Frankreichs) seltsames Liebeswerben:Wir haben", so wurde mir versichert,nicht den geringsten Anlaß, uns von irgendeinem Land bedrohtzu füh­len. Sollte jemals ein An­griff. gleichgültig von welcher Seite aus, auf unsere staat­liche Unabhängigkeit und Sicherheit erfolgen, so würden wir Griechen unsere Grenzen selbstverständlich aus eige­ner Kraft bis zum letzten Atemzüge verteidigen. Jedes Anerbieten", das diese Tat­sache negiert, muß von uns als eine Beleidigung unseres Volkes ange­sehen werden." Gelegentlich konnte ich, was die Aktivität der Westmüchte auf dem Balkan betrifft, auch folgende Aeußerung hören: Jahrzehntelang hat man sich in London und Paris weder um unsere Sorgen gekümmert, noch die wirtschaftlichen Beziehungen zu uns auf beider­seitiger Jnteressenbasis ausgebaut; jetzt aber, da unserem Territorium wieder einmal die Rolle eines Operationsfeldes im strategischen Ränkespiel gegen Mitteleuropa zugedacht worden ist. werden uns plötzlich von der Seine und von der Themse aus mit verdächtiger Erle die schönsten Versprechungen der Welt gemacht. Wir werden uns hüten, zu glauben, daß man etwas anderes im Sinne hat. als uns für die Mitwirkung an der keineswegs den Interessen des Südostens dienenden Einkreisungsaktion zu ködern.

^nglcmcis ^i-sstigsvsrlost

Ein Thema für sich ist der Prestigeverlust, den England im Südosten durch sein Pak­tieren mit Moskau erlitten hat. Sowohl i-n Jugoslawien und Griechenland wie in Rumänien und Bulgarien ist den Kommunisten in Jahren schweren Ringens der volksbewußten Gruppen gegen den kultur- zersetzcndcn Bolschewismus der Boden für jede nennens­werte Wühlarbeit entzogen worden. Von allen verant­wortungsbewußten Stellen des Südostens ist die Komintern jedenfalls in voller Uebereinstimmung mit der Volksmeinung als der Lebcnsfcind jeder staatlichen Ordnung erkannt worden. Und nun hält es die Regierung des britischen Imperiums,

ltzamberimn flüchtet in Phrasen

Seutschlanö joll derflntiangriffsfront" beitreten Merkwürdige fluslegung öer Nooseveltbotschaft

(Drsbtbsricbt unseres lwnckoaier Vertreters)

k. d. London, 4. Mai.

Premierminister Chambcrlain wurde am Mittwoch­nachmittag im Parlament gefragt, ob er nicht irgend­eine Erklärung zur Ncichstagsredc des Führers abgeben könnte. Chambcrlain kam dieser Aufforderung nach, in­dem er sich zunächst gegen den Vorwurf der Einkreisungs­politikverteidigte" und dann die phantastisch anmutende Erklärung abgab, daß auch Deutschland der Antiangriffsfront" beitreten könne.

2n dem Versuch, die britische Einkreisungspolitik zu .rechtfertigen, befaßte sich der Premierminister zunächst mit der Roosevelt-..Botschaft". Seiner Ansicht nach habe

der amerikanische Präsident mit seiner Botschaft einen Austausch von Nichtangriffsversicherungen gemeint und dabei weniger eine Garantie auf gegenseitiger Basis im Auge gehabt, wie sie beispielsweise die britische Regierung gewählt habe.

Chambcrlain erklärte dann. seine Regierung werde sicherlich bereit sein, die Vorschlüge zu erwägen, die einen Austausch von gegenseitigen Zusicherungcn auch mit der deutschen Regierung zum Ziele hätten. Auf eine Zwischenfrage wiederholte Chamberlain dann die gewohnte Auslegung der neuen englischen Politik, daß sich die Garantien nur gegen einen'Angriff" richteten.

Zu der Aufhebung des deutich-englischen Flotten- vertrages vertrat der Ministerpräsident den Stand­

punkt, daß die Garantie-Erklärung an Polen in keiner Weise mit dem Flottenabkommen unvereinbar sei. Er halte es nicht für notwendig, den britischen Botschafter in Berlin. Sir Ncvilc Hendcrson, zurückzurufen, um über diese Frage einen Bericht zu hören (!). Weiler teilte Chamberlain auf Anfrage mit, daß er nicht da­rüber unterrichtet sei, ob der Führer den Wunsch habe, über ein neues Abkommen zu verhandeln (!). Die Re­gierung prüfe gegenwärtig die Antwort, die auf hie Note der Reichsregierung gegeben werden soll.

London über die Sowjetvorschläge entsetzt

Das britische Kabinett befaßte sich in seiner gestrigen Sitzung mit dem Vorschlag der Sowjets für ein Drei- mächte-Bünönis. Offizielle Kreise hüllen sich über das Ergebnis der Sitzung in tiefes Schweigen. In gut unter­richteten Kreisen nimmt man an, daß das Kabinett den Vorschlag Moskaus, die Staaten zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer mit einer gemeinsamen Ga­rantieerklärung Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion zu beglücken, nicht angenommen habe. Englischerseits ziehe man nach wie vor ein Teilabkom­men, durch das Sowjetrußland der britischen und fran-' Mischen Garantie an Polen und Rumänien beitreten solle, den weitergehenden Sowjetvorschlägen vor. Der britische Gegenvorschlag wird in den nächsten Tagen durch den Botscbastcr in Moskau dem Kreml zugeleitet werden. (Siehe auch Seite 2)

ettwinow-^nkelstein abgesögr

Moskau. 4. Mai

Das Präsidium des Obersten Sowjetausschusses hat nach einer Meldung der amtlichen Agentur Taß den Ministerpräsidenten Molotow unter Belastung in i-ir-em bisherigen Amt zum Volkskommissar für Äuswurtige Angelegenheiten ernannt und Litwinow-Finkelstcinauf eigenen Wunsch" von seinen Amtsgeschästen als Außen- kommissar entbunden.

Der Rücktritt des nunmehr 63jährigen Außenkom- missars überrascht in Moskauer ausländischen Kreisen. Litwinow-Finkelstcin trat im Jahre 1898 der damaligen russischen sozialdemokratrschen Partei bei. Er betätigte sich als Revolutionär illegal in Rußland sowie als poli­tischer Emigrant im Ausland. Bereits im Jahre 1918, nach der bolschewistischen Revolution, übernahm er poli­tische Posten. Seit dem Jahre 1939 stand Litwinow-Fin- kelstein an der Spitze der sowjetrussischcn Außenpolitik.

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die sich fönst so gern als Schützer derkleinen Völker" aufspielt, für richtig, durch Annäherung an Moskau der bisher unterbundenen Agitation auf dem Balkan in­direkt durch Lieferung eines neuenArguments" (Sowjetrußland ist ja gar nicht so gefährlich . . ." !!?) einen bedenklichen Auftrieb zu verschaffen. Auf dem Balkan ist nach diesem Verrat Londons an der Lebensgemeinschaft'der europäischen Kulturvölker jeden­falls auch der einfache Bauer sehr schnell davon zu über­zeugen. wenn er es nicht schon von selbst erkannt- hat, daß sein Land von England nichts Gutes zu erwarten hat.

Die verstärkte englische und französische Agitation im Eindosten hat es mit Hilfe jüdischer Mittel­männer allerdings erreicht, daß die hier skizzierte Einsicht dem Druck einer künstlich erzeugten Gegen­strömung, in der mehr oder minder gewollt auch ein Teil der Balkan-Presse schwimmt, also einer aus­gesprochen deutschfeindlichen Hetzkampagne ausgesetzr ist. Wer in den Tagen vor der historischen Antwort des Führers an Roosevelt Gelegenheit hatte, in Rumänien Gerüchte überProtcktoratsabsichten Deutschlands auf dem Balkan" sozusagen von Mund zu Mund schwirren zu sehen, der hat den llebereiser der kriegsschürenden Lügenfabrikanten, durch planmäßige Erzeugung einer antideutschen und antiitalienischen nervösen Stimmung immer wieder den westlichen Einkrcisungspolitikern vor­zuarbeiten, in seiner unmittelbaren Auswir­kung beobachten können. Doch die Angstpsychose, die hier und da mit dem Märchen von derdeutschen Ge­fahr für die Unabhängigkeit der Balkanstaaten" erzeugt wurde, hatte von Anfang an nur einen'verschwindend geringen Teil der Bevölkerung erfassen können, da der gesunde politische Instinkt der Südostvölker die Ober­hand behielt.

^usgssclilosssnlisit gsgsnüksi- clsi- 6sut8c!is»i Kultur

An zwei Fronten kämpfen die Mächt« um ihren Einfluß auf dem Balkan, nämlich auf dem FelÄ kultu­reller und dem Boden wirtschaftlicher Arbeit. Es ist bekannt, daß Frankreich bereits in öer Vorkriegs­zeit in den Südost-Ländcrn eine außerordentlich starke kulturpolitische Aktivität entwickelt hat, während sich die entsprechende Position Deutschlands auf dem Balkan ohne eine besondere kunstvolle Propaganda-Organi­sation mehr aus den natürlichen historischen Verhältnissen heraus entwickelt hat. Als sicherer Gradmesser darf in aktueller Hinsicht das Ansteigen der Teilnchmerziff-ern deutscher Sprachkurse in den Haupt- und Provinzstädten der Balkanhalbinsel sowie das Wachsen des Schüler-kontingents gelten, das die nichtde-utsche Bevölkerung an den deutschen Schulen des Südostens stellt. Ohne die kulturellen Anstrengungen der Franzosen und Engländer unterschätzen zu wollen, ist doch die primäre Aufgeschlossenheit der Balkan Völker gegenüber der deutschen Kultur, Wissenschaft und Technik mit einbegriffen, unverkennbar. In diesem Zusammenhang ist zweifellos die Tatsache aufschlußreich, daß sich der aus dem Reich nach Belgrad, Bukarest, Sofia und Athen kommende Reisende nicht nur mit Politikern und Wissenschaftlern, sondern auch mit zahlreichen Männern aus dem Volk mühelos in deutscher Sprache unterhalten kann! Zwei Erzeugnisse mitteleuropäischer Herkunft gibt es", so sagte mir übrigens ein südslawischer Lehrer,die nie enttäuschen: das deutsche Buch und der deutsche Film!" Das sagt doch wohl genug!

Vst8cliulc!ung im Disn8t clsr V/sslmäclits ocisr l-sisiungssisigstung clui-cli Osukcklonci

Mehr noch als der deutsche K u l t ur-e inf-l utz i-n den SUdoftstaaten 'werden in Jugoslawien, Rumänien, Bulgarien und Griechenland zur Zeit Fragen des mate-

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Unser Dssesspisssi

(llvssrs bsutiZs. KuZZabs ruvkallt 1-3 Leiten)

Die polnische Presse setzt ihre unverschämten anti­deutschen Provokationen fort.

Sowjetrußlands Vundcsvorschläge werden in Lon­don mit gemischten Gefühlen ausgenommen.

Der sowjetrussische Außenkommissar Litwinow-Fin- kelstein ist zurückgetreten.

In Rom wurde eine deutsche Buchausstellung eröffnet.

Der Anteil der deutschen Handelsflotte an der Welt- handelsflotte hat sich 1938 weiter leicht erhöht.

Dr. Ley kommt am ü. Mai nach Bremen.

Die Schule an der Talstroße feiert ihr Slljähriges Bestehen.

Das SegelflugzeugRoland von Bremen" kann einen schönen Erfolg verzeichnen.

Das deutsche FlugzeugHans Loeb" landete aus seiner Ostasienfahrt auf Formasa.