Ausgabe 
(22.5.1938) Nr. 139
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parteiamtliche Tageszeitung

vas flmtsblatt des Negierenden Vürgermeisters der Freien Hansestadt vremen

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der Nationalsozialisten vremens

flmiliches verkündungsblatt des Neichsstatchaiters in Oldenburg und vremen

Nr. 1ZS / 8. Zastrgang

Sonntag. 22. INai 19Z8

kinzelpreis 15 Vpf.

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Neuerdings brutale Ausschreitungen

liberbaftete militärische Maßnahmen

tschechisches Militär schoß zwei Sudetendeutsche nieder Veulsche öeschiiste wurden gestürmt / Nationale Sarde bewaffnet / Schützengräben und Barrikaden / Eine Neitze weiterer Sewalttaten / Ungetzeuere Erregung

(vradtbericlit unseres krager Vertreters)

Prag, 22. Mai

Die letzten Vorfalle in der Tschechoslowakei haben eine fieberhafte Nervosität auf das ganze Land gelegt, die sich einmal in verkrampften Angstzuständen, auf der anderen Seite in immer neuen Gewaltakten des tschechischen Mobs widerspiegelt. In Prag durchzieht marxistischer Pöbel die Straßen und stößt Verwünschungen gegen Sudetendeutsche aus. Militärkraftwagen, die in außergewöhnlich großer Anzahl in den Straßen zu sehen sind. werden von dem tschechischen Publikum mit Beifall begrüßt. An amtlicher Stelle hüllt man sich zu allem noch in Schweigen. Die Polizei hat offenbar noch immer die Anweisung. Gewehr bei Fuß zu stehen. Diese Tatsache ist nicht unbedenklich, da sie schon mit ein Grund dafür war. daß es am Freitag zu unerhörten Ausschreitungen kommen konnte, da der tschechische Mob in dem Verhalten der Sicherheitsbehörden offenbar eine Ermunterung, wenn nicht sogar eine Aufforderung zu Gewalttätigkeiten erblickte. Eine außerordentlich ernste Lage ist nach den vorliegenden Berichten im Egerland entstanden.

Im Egerland wurden gestern morgen zwei Deutsche vom tschechischen Militär erschossen. Dem Vorfall liegt folgende Begebenheit zugrunde: Um 3.30 Uhr früh fuhren auf einem Motorrad die beiden Landwirte und zwar der 25jährige Niklas Böhm aus Oberlohma und Georg Hofmann aus Fonsau von EAer heimkehrend ' nach Franzensbad. In der Nähe der Grenzjägerkaserne in Eger, wo schon seit längerer Zeit mit Gewehren be­waffnete Staatspolizei postiert war, fiel plötzlich ein Schutz, und die beiden Landwirte stürzten vom Rade. Hofmänn war sogleich tot, Böhm wurde in den Bauch getroffen und schwer verletzt mehrere Meter über den Erdboden in die Kaserne geschleift. Auf seine Hilfe­rufe eilten die Bewohner der benachbarten Häuser auf ' die Straße und wollten ihm zu Hilfe kommen. Sie wurden aber zurückgetrieben und ihnen bedeutet, daß sie die Häuser nicht zu verlassen hätten. Erst nach zwei Stunden wurde Böhm in das Krankenhaus von Eger geschafft, wo er aber trotz sofort vorgenommener Operation in den frühen Morgenstunden verstarb. Vor seinem Tode konnte er noch über oen Hergang des Bor- falles berichten, aus dem hervorgeht, dah beide voll­kommen ahnungslos niedergeschossen worden sind. Um 5.30 Uhr früh erschien der Abgeordnete der Sudeten- deutschen Partei Dr. Köllner am Tatort, der mit Hilfe von Augenzeugen den genauen Sachverhalt feststellte und gleichfalls konstatierte, daß der Schießerei keinerlei Wortwechsel oder besonderer Anlaß vorangegangen sei.

Die Erregung in der deutschen Bevölkerung über den bestialischen Mord ist ungeheuer. Von tschechischer Seite ist auch nach dem unglaublichen Vorfall, bei dem nicht das geringste Verschulden auf sudetendeutscher Seite liegen kann, nichts getan worden, um leine Gewähr für Ruhe und Ordnung und eine ausreichende Sicherheit gegen neue Gewaltakte des tschechischen Militärs zu schaffen. Wie aus Eger eingetroffene Meldungen besagen, ist man im Gegenteil dazu übergegangen, die Erregung und die Nervosität dadurch noch mehr zu steigern, daß man zu den unmöglichsten und unvorstell­barsten Maßnahmen griff. So wurden die Landstraßen in der Umgebung von Eger verbarrikadiert. In Richtung der Reichsgrenze von Eger aus wurden nach authen­tischen Berichten sogar Schützengräben ausgehoben und Drahtverhaue errichtet. Die Alleebäume in den Chausseen wurden umgelegt, wobei man sich nicht scheute, die Bevölkerung zu diesem Vernichtungswerk, das auf einen verkrampften Angstzustand auf tschechischer Seite schließen lassen dürfte, zwangsweise heranzuziehen. Zu welchen unsinnigen Auswüchsen diese tschechischen Angstkomplexe führen, zeigen u. a. auch die Maßnahmen, die beispielsweise derKommandant der Wache der Staatsverteidigung", Generalleutnant Pergler, in Graslitz bei Karlsbad Freitag nacht verfügt hat: Die Bevölkerung mutzte sämtliche Schußwaffen abliefern; jede Annäherung an die reichsdeutsche Grenze wurde untersagt.

Der Bevölkerung wurde verboten, nachts ihre Häuser zu verlassen. Licht durft? nach Anbruch der Dunkelheit in den Häusern nicht gemacht werben, so daß der ganze Ort während der Nacht im Dunkel lag. An der Grenz- . straße wurden Barrieren aus zusammengeschobenen Wagen gebildet. Dieses Bild des allgemeinen Durcheinanders, der Angst und Nervosität steht nicht vereinzelt da. In . Vrüx wurde die sogenannteNationalgarde" bewaffnet. Auch an die tschechische Zivilbevölkerung würben Waffen verteilt. In Vrllnn kam es in der Nacht zum Sonnabend ebenfalls zu schweren Ausschreitungen, ohne daß die tschechischen Sicherheitsbehörden durchgriffen. In mehreren Fällen wurden deutsche Geschäfte gestürmt. Die Polizei verzichtete darauf, der Ranbalierlust des

tschechischen Pöbels energischen Widerstand entgegen­zusetzen. ^

Alle diese Vorkommnisse zeigen, daß man auf der Präger Burg Entscheidungen in Kürze zu treffen hat, wenn nicht vollends der Eindruck entstehen soll, daß die tschechische Regierung nicht einmal mehr Herr der tschechischen Volksgruppe ist. Sollten die Gewalttätig­keiten gegen das Sudetendeutschtum fortdauern, so dürfte in Kürze ein Zustand geschaffen sein, der jede Verständi­gung überhaupt ausschließen muß. Die nächsten Tage werden zeigen, ob Prag auch diese Verantwortung noch zu übernehmen gedenkt.

Ein Jahrgang einberufen

Seltsame Begründung'dieser Maßnahme

> - Karlsbad, 22. Mai.

Die deutschen Zeitungen iit der Tschechoslowakei wiesen gestern noch größere Zeusurlückcn als sonst auf, ein Zei­chen, daß die Pressezensur ihnen gegenüber erneut ver­schärft worden ist. Ueber die Zwischenfälle dürfen sie größtenteils nur Meldungen amtlicher tschechischer Stellen bringen, die den Tatsachen in keiner Weise gerecht wer­den. Zeitungen, die. andere als amtliche Berichte über die Vorgänge brachten, wurden beschlagnahmt.

Die Erregung im gesamten sudetendeutsche« Gebiet ist bis zum Siedepunkt gestiegen, da überall Truppenbe­wegungen zu bemerken sind, Garnisonen verstärkt wur­den und auch kleine Orte, die bisher keine Garnisonen hatten, plötzlich Militär erhielten. Zahlreiche Reservisten haben den Gestellungsbefehl erhalte». Nach Mitteilung und Bestätigung von amtlicher Präger Seite handelt es sich um die Einberufung eines Jahrgangeswegen der innenpolitischen Lage".

Prag, 22. Mai.

Die Tschechen begründen die Einberufung folgender­maßen:Der Minister für nationale Verteidigung hat gemäß den diesbezüglichen Bestimmungen des Wehr­gesetzes mit Zustimmung der Regierung einen Jahrgang der Reserve und Ersatzreserve^rgänzt durch Angehörige der Spezialwafsen, zu einer außerordentlichen Uebung einberufen. Den Grund zu dieser Maßnahme bildet die Notwendigkeit, die Reservisten in der Anwendung der neu eingeführten Waffen (ebenso wie dies in anderen Staaten geschieht) einzuüben. Gleichzeitig wurde auf das Bedürfnis Rücksicht genommen, die häufigen unzuläng­lichen Bestände zu erhöhen und in der heutigen beweg­ten Zeit die Ruhej Ordnung und Sicherheit des Staa­tes zu sichern, sowie alle weiteren Zwischenfälle zu ver­hindern, die sich in gewissen Orten der Republik er­eignet haben." Die Einberufenen wurden zum Teil ^direkt von ihren Arbeitsplätzen in die Kasernen berufen, so daß es ihnen nicht mehr möglich war, ihre Angehöri­gen zu verständigen und ihre Verhältnisse zu ordnen.

sttle walilkundsebungen verboten

Prag. 22. Mai.

Sämtliche tschechischen Blätter veröffentlichen heute einen Aufruf, in dem gesagt wird, es seien Vorkehrun­gen getroffen worden, um im ganzen Staat Ordnung und Ruhe aufrechtzuerhalten. Es sei notwendig, die Lage mit Ruhe zu beurteilen. Alles, was ^vorgeht, sei als eine Vorkehrung zu betrachten, die einen sicheren und ruhigen Verlauf der Wahlen am Sonntag zum Ziele habe.

Die Präger Regierung hat all Umzüge und Kund­gebungen, die für Sonnabend vorgesehen waren, ver­boten.

Eindeutige Feststellungen

Prag, 22. Mai.

Abgeordneter Dr. Köllner aus Eger stellte über die Erschießung der zwei Sndeiendeutschen in Eger folgen­den Bericht zur Verfügung:

Der schwerverletzte Niklas Böhm gab bei vollem Be­wußtsein nach seiner Einlieferung in das Eger Kran­kenhaus um 4.1S Uhr morgens solgendeir/Bericht:Hoss- mann und ich fuhren auf dem Motorrade Hofsmanns die Franzensbader Straße in Richtung auf den Gold- berg in einem heftigen Tempo. Wie wir zur Grenz­jägerkaserne kamen, fiel plötzlich ein Schuß und wir beide, stürzten vom Rade. Ich habe weder einen Po­lizeimann gesehen, noch irgendein Warnungssignal oder einen Ruf vernommen. Ich fühlte mich - verletzt, begann um Hilfe zu rufen und bat um Wasser."

Wie Abgeordneter Dr Köllner durch Umfrage bei den Einwohnern der umliegenden Häuser feststellen konnte, sind die Rufe Böhms gehört worden und man versuchte, dem Mann zu helfen. Die Polizisten trieben jedoch die Einwohner in die Häuser zurück und forderten sie aus, die Fenster zu schließen Der schwerverletzte Böhm und der auf der Stelle tote Hoffmann wurden in die Grenz­jägerkaserne gebracht. Soldaten reinigten die Straße vom Blut. Böhm wurde um 4.15 Uhr. also 45 Minuten nach dem Vorfall in das Eger Krankenhaus einge­liefert:

l>as neue 8eblnektsvbiKOvstssnau": Iw Uabmsn einer kurzen militärischen Derer vuräs. gestern in kiel äss neue Loklaohtsehikk äsr Kriegsmarine ävreü äsn Lowwanäantsn, Kapitän rur Lee Dürste, in Dienst gestellt. (Verlebt siebe Leite 3). ^utn.: Drbabus

wie lange noch l

Vulden kommt dem Handeln gleich!

j. 8.0. Bremen, 22. Mai

Zu den empörenden Ausschreitungen frmatisier- ter Tschechen gegen die um ihd Selbstbestimmungs­recht ringenden Sudentendeutschen ist nunmehr noch der feige Mord tschechischen Militärs an zwei friedlich, ihres Weges ziehenden deutschen Land­wirten gekommen. >

Die Bilanz der zum Himmel schreienden Ge- waltmahnahmen an den nun schon seit 19 Jahren brutal und barbarisch unterdrückten Millio­nen Deutschen in der Tschechoslowakei hat somit einen weiteren grauenhaften Zuwachs erhalten, nachdem bereits am 4. März 1919 bei einer fried­lichen Kundgebung der Sudetendeutfchen aus dem Pflaster von Prag 52 deutsche Menschen, von tschechischem Militär mitleidlos niedergemetzelt, ihr Leben für ihr Volkstum ausgehaucht haben.

Hunderte von Sudetendeutfchen wurden bei jenen Kundgebungen in Prag noch dazu verletzt, ähnlich wie am vergangenen Freitag in Komotau in Nordwestböhmen, wo gleichfalls tschechisches Militär es heißt, es sei dienstfrei gewesen, und so muß man wohl von tschechischer Soldateska sprechen unvermutet mit Fäusten und Seiteit- gewehren auf die sich keines Ueberfalls versehen­den deutschen Bevölkerung einhieb und sie unter den Augen der tschechischen Staatspolizei schwer mißhandelte.

In der Tat, die Geduld der Sudetendeutfchen ist auf eine harte Probe gestellt, und auch wir Deut­schen im Reich, die uns das Schicksal unserer Brü- der jenseits der Grenze nicht gleichgültig läßt, fragen, wohin solche Entwicklung der Dinge in der Tschechoslowakei führen soll. Dulden kommt dem Handeln gleich, und es kann nicht geleugnet werden, daß so wie in Komotau beim Ueberfall desdienstfreien" Militärs auf die sudetendeutsche Bevölkerung die Staatspolizei auf dem Markt­platz dem Greuel ohne einzuschreiten Fusah, auch alle die Tage vorher die Präger Regierung dem Terror gegen die Sudetendeutfchen in Brünn, in Prag, in Chodau und andernorts ohne einzuschrei­ten nachsichtig zugesehen hat. Was sollen da schöne Wort? und Versprechungen von,-Präger Regie­rungsmännern, die mit beruhigenden Versicherun­gen bei den Unterdrückungen der Sudetendeut- schen der Welt gegenüber nie gegeizt haben, der­weil die Taten und die innere Haltung der Ver­antwortlichen. in. Prag sich so gänzlich von ihren Reden unterscheiden.

Mit klingenden Worten und pathetischen Ver­sicherungen konnte man bisher die Welt betören, soweit sie ohnehin sich gern zugunsten all dessen, was deutschem Volkstum abträglich ist, betören ließ. Heute aber. da die Augen aller verantwort­lichen Politiker in der Welt und aller redliche« Menschen scharf auf die Tschechoslowakei gerichtet sind, ist jeglicher noch so gerissen angelegter Täu­schungsversuch zum Scheitern verurteilt. Das ist vor allem zu sagen bei dem ebenso naiven wie hinterhältigen Unterfangen des Mitglieds des Präger Parlaments. Dr. Clementis. vor eng­lischen Pressevertretern, der das wahrhaft boch- politische europäische Problem der sudetendeutMen

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Unser VayesspLeysL

Die ungeheuerlichen Vorkommnisse in der Tschecho­slowakei erfuhren durch die Ermordung zweier Sudetendeutscher und anderer erregender Vorgang« ihre dramatische Fortsetzung.

In Wien wurden für die in den Juli-Tagen 1834 gefallenen Nationalsozialisten Ehrentafeln enthüllt. Das SchlachtschiffGneisen««" wurde gestern in Kiel in Dienst gestellt.

Zur Eröffnung des Deutschland-Fluges sprach Her­mann Göring als Schirmherr der deutschen Luft­fahrt über den Rundfunk.

SA.-Gruppenführer Vöhmcker erläßt einen Aufruf an die Männer der SA.-Gruppe Nordsee.

Am 1. Juni zieht als neue bremische Truppe die Abteilung 22 in unsere Stadt ein.

Das für die italienische Kolonialschan vorgesehene Material aus Tripolis und AetPopien ist einge­troffen.

Nach der Bevölkerungsstatistik des Statistischen Reichsamts steht das Land Oldenburg mit seinem Geburtenüberschuß im Jahre 1937 an erster Stelle. Die Staatliche Kreditanstalt Oldenburg-Bremen veröffentlicht ihre erste Bilanz vom 31. Dezember 1937 mit einem Gewinn von RM. 450 000..

Der Deschimag-Abschluß 1937 verzeichnet einen äußerst guten Beschäftigungsgrad.

Im Davispokalkampf führt Deutschland gegen Nor­wegen 3:0.

Der schweizerischen Fußballelf gelang ein sensatio­neller 2:1-Sieg über die hoch favorisierte englische Nationalelf.