mittelmserischen Gd .inmcl herauszukommen, den, selbst in g.,«ch^chen Ge
stalt, doch nur ein kleiner Kreis von Gebildeten mit Inhalt zu erfüllen vermag — von.Gefühlen lder Schönheit und der Begeisterung, die wir doch auch mit den Namen verbinden möchten, ganz zu schweigen.
Wieviel verständlicher und nicht nur darum auch wertvoller sind dem Mann aus dem Volke dagegen die Namen, die eine zweite Bremer Reederei die wie die „Neptun" vor allem in der europäischen Fahrt beschäftigte „Argolinie" ihren Schissen gibt. Da heißt es „Adler" und „Falke, Albatros", „Möve", „Schwalbe", „Schwan", aber auch „Butt", „Forelle" und. „Hecht". Also Namen von Vögeln und Fischen kehren hier wieder, und damit übt die „Argolinie" eine Weise der Namengebung, wie sie ganz ähnlich Lei einer ihr befreundeten englischen Reederei auftritt, der schon mehr als hundertjährigen Llonoral Ltsam dlavigation (tnnpanx in London.
Sehr schöne Namen hat die drittgrößte deutsche Reederei, die Dampfschifsahrtsgesellschast „H an s a" in Bremen, ihren meist nach Indien fahrenden Schissen gegeben. Der Rhein mit seinen Burgen taucht vor unserem geistigen Auge auf, wenn wir „Drachenfels" und „Ehrenfels", „Lahneck", „Rolandseck", „Stahleck", „Rheinfels", „Stolzeusels" und ähnliche Namen hören. Aber auch das übrige Deutschland ist mit seinen Burgen und Burgorten in ihnen vertreten; ' Namen wie „Brwunfels", „Bärensels", „Qichtenfels", „Lindenfels" und manche andere künden auf dem Weltmeere von romantischer Schönheilt deutscher Gebirgslandschaft.
Oft wurden indessen, besonders an der Elbe, die Namen der Länder, auf die sich der Hauptverkehr der Reederei richtet, in die Gesellschwftsbezeichnung der Reederei hineingenommem. So entstanden Namen wie Hamburg-Amerika-Linie (eigentlich Hamburg-Amerikanische Paketsatz rt-AMen-Gefellschaft), Haniburg-Südamerikanische Dampfschifsahrts-Ge- sellschaft, Deutsche Australlini«. Deutsche Ostafrikalinie, Hamburg-Bremer AfrikMnie, Oldenburg- Portugiefische Dampfschiffsreederei; auch die verschiedenen „Levantelinien" müssen hierher gerechnet werden. Meist handelt es sich bei diesen Namen also um Wortungetüme, die geradezu zur Abkürzungssprache reizen. So wurde denn auch die Bezeichnung „Hapag" als eine der ersten auf diesem Gebiete gebildet, und sicher gehört sie zu denen, die am meisten gebraucht werden. Entsprechend hat mgn „Hamburg-Bremer Afvikaliwie" zn „Habal" zusammengezogen. Es suchte sich die abkürzende Sprache aber auch einen anderen Weg, indem sie die Gattu-ngsbezeichnung einfach wegließ; dann heißt es kurz: die „Hamburg-Süd", die
„Oldenburg-Portugiesische" oder ähnlich.
So weiß sich die Sprache zu helfen; daß die Ergebnisse aber schön wären, wird niemand behaupten wollen. Ohne Zweifel sind ihnen die alten Reedernamen vorzuziehen, wie sie sich bei manchen Gesellschaften und selbstverständlich b ei den Unternehmungen erhalten haben, die mehr oder weniger Einzel- oder auch Familienbesitz geblieben sind. Ge-
F lach land
Eigentlich ist es ja merkwürdig genug, daß eine Dampsschiffahrtsgesellschast mit dem Namen „Hansa" gerade diesen Brauch pflegt. Es hätt« nähe gelegen, daß sie für ihre Schiffe Namen aus dem Bereich der alten Hanse gewählt hätt«, nach Hansestädten oder hansischen Kontoren und Niederlassungen. Aber es geht ihr hier wie einer anderen bremischen Schiffahrtsgesellschaft, der „Unter- weser-Reodere i". Diese ist aus einer Schleppschisfahrtsgesellschaft herausgewachsen; aber nur ihre Bergungs- und Schleppdampfer benennt sie nöch nach Orten an der Niederweser, während ihre großen Seedampfer sämtlich' nach Frankfurter Stadtteilen oder Orten der Frankfurter Gegend benannt sind: „Bockenheim", „Eschersheim",
„Fechenheim", „Gonzenheim", „Eriesheim", „Hat- tenheim", „Kelkheim", „Schwanheim". Zwei inzwischen verkaufte Schiffe führen auch) beim neuen Besitzer noch die alten Namen. Verbindungen mit dem chemischen Großgewerbe von Frankfurt und Höchst scheinen sich in ihnen, auszudrücken. Die Namen der Niederweserorte sind inzwischen von einer neugegründeten Bremer Gesellschaft, der in der Frachtfahrt nach Wcstindten und dem mittleren Amerika beschäftigten ,.U n i o n" Handels- und Schiffahrtsgesellschaft m. b. H., aufgegriffen worden; ihre Schiffe heißen „Brake", „Bremerhaven", „Norhenham", „Vegesack", „Wesermünde".
Hier ist vielleicht der Ort, auch über die Namen der Reedereien ein Wort zu sagen. Man sollte auch hier nach deutschen Bezeichnungen streben, wenigstens für alle Gesellschaften, die, wie die eben genannte „Union", erst jetzt entstehen. Alte, eingebürgerte Bezeichnungen werden sich kaum verdrängen lassen, besonders dann nicht, wenn ein« rühm- und ehrenvolle Geschichte mit ihnen verknüpft ist. So wird niemand von uns auf den Namen des „Norddeutschen Lloyd" verzichten wollen, obwohl Lloyd wallifischen, also keltischen Ursprungs ist. In die Schiffahrt«- und Handelswelt ist die Bezeichnung von einem Londoner Kaffeehausbesitzer dieses Namens hergekommen. bei dem sich Reeder und Kaufleute zum Austausch von Handelsnachrichten trafen. Die „Neptun", die Argo-, die Kosmos-, auch die Atlaslinie sind zu einex Zeit entstanden, als der Kampf gegen das Fremde in der Sprache und somit nicht zuletzt auch in den Namen noch gar nicht aufgenommen war oder noch in den Anfängen steckte. Man machte sich 1881, in dem Jahre, da die Bremer Hansalinie gegründet wurde, auch noch keine Gedanken darüber, daß die Form „Hansa" eigentlich nicht die für den hansischen Bereich passende niederdeutsche Prägung ist; andernfalls hätte man die neue Gesellschaft vielleicht „Hanfe" genannt. Alle Welt gebrauchte damals auch die Form „lln- terwefer", während sich heute, besonders nach Died- rich Steilens schönem Buch über Land und Leute an diesem Teil des Weserstroms, „Nieder- weser" durchzusetzen scheint.
Reedereinamen in der deutschen Form sind indes Ausnahmen. Man muß sich wundern, wie selten deutsche Bezeichnungen dieser Art als Eigennamen größerer Gesellschaften auftauchen An der Weser gab es außer den «b.en genannten nur zwei von einiger Bedeutung: die,ig26 in den Norddeutschen Lloyd aufgegangene^.^olandlinte" und die „Midgard" in Nordenham,-Sie- heute aber keine Grotzreedsrei mehr betreibt, selbst ein nach der Weser benanntes Unternehmen mußte „Msur-" gis" heißen.
Lin welkes Leget Zieltet
öder Als grüne Wiese iier,
als ob ein Rlssenvogei
aas Ivlärcüenlano Zekoiriinen wär'.
leb sebe nickt Lebitt' nocb Lebitter, seb' Wasser nickt aock Rieft; nnr ein Segel, Aas seine leise gskeiinnisvoiis liesse Aber Ais Wisse Liebt.
Das ist Aes kanftss eigne ^.rr,
Ais lernt inan nacb nnft naeb verstelln: Oak in Äsn tlacben Weiten, verborgen in Äsn Breiten,
Ais tistsn, stillen Ltröine gsb'n.
" Otto r^ntkes
rade bet Wortprägungen dieser Art schimmert immer noch viel von persönlichem Wagemut und Fa- milienüberlieferung durch. Ich denke an Namen wie „W o e r m a n n - L i n i e" oder „Rickmers- Lini e". Man pflegt auch einfach von einem Woermann-, einem Slomann-, einem Schnchmann- Dampfer zu reden.
Die Reederei W. Schuchmann in Bremerhaven dürfte im Vinnenldnde wenig bekannt sein; sie verdient in diesem Zusammenhang aber eine lobende Erwähnung wegen der schönen Auswahl von Namen, die sie für ihre Dampfer getroffen hat. Es spiegelt sich darin die See in ihrer verschiedenen Gestalt und in Wirkung und Bedeutung für die Schiffahrt, als „Glatte See", als „Sturmsee", als „Kurze See", als „Brechsee" und als „Sturzsee", als „Bordsee", „Dwarssee", „Lee- see" und „Luvsee" — darüber hinaus das unendliche Meer in seinen Teilen als „Ostsee", als „Westsee", als „Südsee". Unsere großen Reedereien sind, trotz der oben .erwähnten Ilusnahmen, im ganzen gesehen, nicht so glücklich bei der Wahl gewesen. Verhältnismäßig gut steht es noch beim Norddeutschen Lloyd. Er hat von jeher die Namen von deutschen Städten. Landschaften, Flüssen oder auch von großen deutschen Männern bevorzugt; nur selten verirrte sich ein Fremdname in seine Schiffsliste. - Einigen Umfang nahmen diese nur im Verkehr mit der spanisch-portugiesischen Welt an; erinnert fei an die Frachtdampfer „Orotawa" und „Arucas" oder an die Südamerikadampfer der „Sierra"-Klasse, von denen einer inzwischen aber. als „Der Deutsch e", durch seine „Kraft-durch-Freude"-Fahrten weithin bekannt, den besten Namen erhalten hat, der einem deutschen Schiff überhaupt gegeben werben konnte.
Gerade im Verkehr nach Süd- und Mittel- amerika wie auch nach dem Mittelmeer, im geringeren Umfange auch in dem nach Afrika, bedient man sich gern fremder Orts- und Personenbezeich- nungen für unsere Schiffe. So findet man sie besonders zahlreich auf'den Schiffen der Hamburg- Südamerikanischen Dampfschiffahvts - Gesellschaft, der Oldönbnrg-Portngtesischen Dampfschiffsreederei, der verschiedenen Levantelinien, auch bei den ins
Mittelmeer fahrenden Slomann-Dampfern und bei manchen Schiffen der Afrikaltnisn, Man wind es verstehen können, daß die Gesellschaften ihren Schiffen gern die Nainpn von Ländern, Hafeir- plätzen und Städten geben, in denen sie verkehrem Es scheint mir indes, daß man in bliesen Dingen auch zu viel tun kann und daß auch- geschäftliche Rücksichten kein zureichender Grund für den weiten Umfang und die Uebertreibung dieser Art Namengebung' sind. Schließlich soll das Geschäft doch nicht ausschließlich mit Lateinamerikanern und Angehörigen der Mittelmeervölker gemacht werden; sondern sein« andere Hälfte stellen doch Deutsche' dar: als Fahrgäste, Ablader, Verfrachter oder Empfänger. Ihnen, den Landsleuten, mutet man ohne weiteres zu, daß sie an den ihnen ungeläu- sigen Schiffsnamen keinen Anstoß nehmen, von ihrem Anspruch auf ihnen zusagende Gemütswerte gar nicht zu reden. Was kann ihnen, auch dem deutschen Seemann, ein Name wie „Antonio Del- fino" oder „General Osorio" viel sagen? Was schließlich auch „Gran Canaria", wie die Oldenburg-Portugiesische Dampfschiffsreederei ihr neuestes Schiff benannt hat? Die Hamburg-Südameri- kanische Dampfschiffahrts-Gefellschaft hat vor einigen Jahren bei der Aufteilung des Amerikaverkehrs eine Reihe von Lloyddampsern zugeschrieben erhalten. Bisher fuhren sie unter ihrem alten Namen; jetzt aber hat die neue Besitzerin die große Mehrzahl von ihnen „umgetauft". Dampfer „Holstein" wurde zu „Eurityba", Dampfer „Münster" zu „Corrisntos". Schiffe, die die schönen deutschen Mannesnamen „Berengar", „Alarich", „Witram" führten, wurden zu „Petropolis", „Sao Paulo", „Rosario". Man muß hier wirklich fragen, ob das nötig war.
Ich schaue mich weiter in der Schiffsliste dieser Gesellschaft um und finde dort den Namen „Pata- gonia". Die Deutsche Levantelinie besitzt «ine „Maeedonia", die Hamburg-Amerika-Linie eins .Jonia", eine „Jberia", eine „Eavibia", eine „Cor- dillera". Wir erlauben uns die höfliche Anfrage, ob die Namen nicht auch mit den uns gebräuchlichen" Endungen verwandt werden können.
. Gerade die Hamburg-Amerika-Linie hat seit langem Schiffsnamen dieser Art gebraucht. Um die Jahrhundertwende gab es eine,',Pennsylvania", eine „Columbia", eine „Normannia". Es ist dies eine in England geübte und dort auch bodenständige Weise — wie überhaupt Einflüsse von England her in der Schiffsbenennung eine Rolle gespielt haben. Ich möchte vermuten, daß auch die schönen Namen der -,,Hansa"-Dampser ein englisches Vorbild haben, nämlich bei den Schiffen der nach Afrika fahrenden llviov Oa.st.Is I-ivs, die sämtlich englische Bwrgennamen tragen.
Einerlei nun, ob hier englisches Vorbild vorliegt oder nicht, in diesem einen Falle hätte es sich zum Guten ausgewirkt. Man ist indes versucht, geradezu von einem Elücksfall zu reden. Denn um so weniger entspricht die Namengebung bei manchen anderen Reedereien unseren, Empfinden. Wo ist in aller Welt ein Volk, das sein« Schiffe so sehr nach fremden Ländern, Städten, Völkern nennt, wie es das deutsche tut? Gewiß gibt es auch englisch« Schiffe, die den Namen einer fremden Stadt oder eines fremden Landes tragen. Dann wird er aber meist in englischer oder dem Englische^ angeglichener Form geboten. Die Südamerikadampfer der Blas 8tar Bios nennen sich „Knclalusia Star", „Ktmscka Star", „Kvila Star". In .England oder Amerika heißt ein Schiff auch nicht „Bremen" oder „Hamburg", sondern „Oit^ ok Bremsn" und „Oitzr ok llamburg". Wir aber gebrauchen in den Namen unserer Schiffe nicht nur englische Formen, sondern geben ihnen auch englische Bezeichnungen, die gar nicht einmal Eigennamen für Länder oder Städte sind. Das beste Beispiel sind die „Bsliaiws" und die „Resolute" der Hamburg-Amerika-Linie. Wäre der entsprechende deutsche Ausdruck wohl als englischer Schlsfsname möglich? Geben wir unseren Schiffen nicht auch Namen fremder Form, wo wir es nickst nötig hätten? Warum — wiederum bei der Hamburg-Amerika-Linie — eine „Palatin"? Gerade diese selbe Gesellschaft weiß doch auch sehr schöne Namen für Schiffe zu finden: „Saarland", „Äurgenland", „Wasgenwalb" u. ä. Warum dann aber eine „Patricia" und neuerdings für die sogenannte Westküstenfahrt eine „Patria"? Das Schiff wird das größte und schönste sein, das an der Westküste Amerikas verkehrt. Warum denn nicht „Vaterland" in Wiederaufnahme des Namens für, das einstige große und stolze Schiff, das sein Dasein jetzt als „Bsvtatban" auf einer englischen Abwrackwerft beschließt?
Ich glaub«, wir haben auf diesem Gebiete noch mancherlei zu lernen. Pros. Streicher hat darauf hingewiesen, daß schon Gorch Fock vor dem Kriege deutsche Schiffsnamen gefordert habe. Machen wir uns diese Mahnung zu eigen! Es geht hier oftmals um eine Frage des guten Geschmacks; darüber hinaus ist es aber auch eine Frage guter deutscher Gesinnung. Der Schiffseigner, der seinem Schiff einen deutschen Namen gibt, dient deutscher Sprache und deutschem Votkstum.
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Kummer 15
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Vremen, 9. Äprtl 1938
Johann jhinrich Fehrs, der Kiederdeutsche
tzu seinem hundertsten Geburtstag am 10. April / Von Jacob Vödewadt
Gedenktage deutscher Dichter sind nur zu oft Bußtage des deutschen Volkes, sollten es jedenfalls sein in reumütigem Bewußtsein, die nachträglich so laut Gefeierten lange Zeit, vielleicht ihr ganzes Leben hindurch verkannt oder doch vernachlässigt zu haben. Wenn Johann Hinrich Fehrs, dessen Werk und Wesen die niederdeutsche Welt sich bei der hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages neu vergegenwärtigt, sich noch selbst immer wachsender Verehrung und Liebe weit über seine, engere Heimat hinaus erfreuen durfte und ihm noch bei Lebzeiten der Rang eines niederdeutschen Klassikers zuerkannt wurde, so hat seine Mitwelt deshalb keinen Anlaß, sich ungewöhnlichen Scharfblicks für das Echte zu rühmen. Hätte nicht ein gütiges Geschick den reckenhaften Alten aus ' holsteinischem Banerngeschlecht seinem Volk« bis nahe aus achtzigste Lebensjahr in voller körperlicher und geistiger Frische erhalten, so wäre die lange Reihe zu spät gewürdigter großer deutscher Dichtung um «ine weitere Gestalt vermehrt worden. So nehmen wir es als doppeltes Geschenk, wie sich hier Leben, Schaffen und Wirken rundete: Langsam wie die
deutsche Eiche, die er so liebte, ist sein« Dichtung von der Lyrik und Kleinepik über die Erzählungen und Novellen bis znm krönenden Roman aus heimatlichem Volkstum und Vätererbe erwachsen, langsamer noch sein Dichterruhm aufgegangen; nun aber stehen beide auch so fest und ragend da wie ein Waldesrecke, der weit über das niedere Gestrüpp hinaussieht, das einst den flüchtigen Blick von ihm abzog, und beide werden in unverminderter Mächtigkeit noch zu späten Geschlechtern reden:
Wat in uns' Volk sik deep in Harten röögt, wat noch keen Woort sunn, allens, wat verborgen, wat uns den Moot stellt, wat den Nacken böögr, uns' Droom »n Leev un Glück, de bangen Sorgen, dat allens hest du luud un listn jungen . . .
So huldigte Johann Hinrich Fehrs einst dem Wie- deverwecker der niederdeutschen Stamnwsfpräche,
dem „Qnickborn"-Dichter Klaus Groth, dem er .selbst allmählich als ein zwar ganz anders gearteter, darum aber auch ganz selbständiger Großer der niederdeutschen Dichtung ebenbürtig an -die Seit« rückte; und umschrieb damit zugleich seines eigenen Lebeuswerkes Wesen nnd Wert.
Spät reifend wie die meisten Niederdeutschen, ist Johann Hinrich Fehrs erst im Mannesalter zur Dichtung gekommen. Mit hochdeutschen Versepen und hochdeutscher Lyrik begann er sein Inneres künstlerisch auszuformen; sauber und echt, doch bis auf wenige Ausnahmen ohne sonderliche Eigenart. Seine eigene Form fand er erst, als er für die Stoffe aus dem Lebenskreis seines Dolkstums auch die Stammessprache seiner Heimat als immer sicherer gemeistertes Ausdrucksmittel wählte. Der Zahl nach gering, dem künstlerischen' Gehalt nach aber znm köstlichsten Besitz deutscher Lyrik gehörig, gewannen seine plattdeutschen Gedichte ihm «ine selbständige Stellung neben dem Schöpfer des lyrischen Wunderwerks „Quickborn": Naturbilder wie „De Heiloh" und „Harvst" volksliedartige Liebes- lieder wie „Maigrön", „Longen" und vor allem „Vertaten", kernig« Sprüche der Lebensweisheit und «rmst-fsierliche Orgelklänge wie „Oktober", manches davon in der anschmiegsamen Vertonung durch seine Tochter Anna Elisabeth Fehrs seit langem lebendiges Liedergut des deutschen Nordens.
Die überragende Stellung, die Johann Hinrich Fehrs im niederdeutschen Schrifttum einnimmt, beruht aber doch auf seiner Prosa, die der Stammessprache des deutschen Nordens zarte und innig«, wuchtige und ergreifende Wirkungen abgewonnen hat wie niemand vor ihm und nach ihm. Kein Geringerer als Klaus Groth nannte ihn schon auf Grund feiner frühesten „Verteiln" als «inen „Meister der Kunst, das holsteinische Volk in seiner heimischen Sprache zu zeichnen, wie ihn die Heimat nicht zweimal auszuweisen hat", .und diese Kunst entwickelt« Fehrs zu immer vollerer Reife erfüllte sie mit immer tieferem menschlichem Gehalt. Dabei ist die Kunstform außerordentlich vielgestaltig: neben Idyllen wie „Niklas" und „Sünnwbend", Märchen und Fabeln wie „De Spinnfru" und „Kreisn" finden wir Erzählungen vom schlicht fortschreitendem Bericht wie „Asm hunnert Dal«r" bis zur mehrfach ineinander geschachtelten Rahmenerzählung „Vetter Krischan"; dramatischer Aufbau wie in „Dat Gewitter" wechselt mit dem Vortrag voll abgeklärter Lebewsveife wie in „Leben un Dood", strengste Knnstform der Novelle wie „Int Försterhuus" weitet sich in „Ehler Schoof" beinahe schon zum Roman. Bis dann der Siebzigjährige als Frucht zweier Jahrzehnte sich ni« genügender Arbeit den großen Roman „Maren" vorlegt und damit den Gipfel nicht nur seines eigenen Schaffens, sondern des deutschen Dorfromans überhaupt erreicht.
Wesentlicher aber noch als die künstlerische Reife all dieser Dichtungen ist ihr menschlicher Gehalt, der dank ihrer vollendeten Gestaltung mit so unmittelbarer Eindringlichkeit zu uns spricht. Bild um Bild, einen Ring um den anderen legend, entwickeln sie ein Gesamtbild der bäuerlichen Welt um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, des einzelnen Menschen und der Dorfgemeinschaft, wie es in solcher Treu«, Anschaulichkeit und Tiefe nicht seinesgleichen hat. Es ist der vom, letzten Abendsonnenlicht überflutete Ausgang einer jahrhundertealten, in sich geschlossenen Kultur, der in seiner Dichtung noch einmal wundersam aufleuchtet, geschaut und gestaltet von einem Künstler, der sÄbst die Stürme des Lebens überwunden und
Z> 8. Belirs Lukaabwei Böcke nackt
damit die inner« Ruhe zur ungetrübten Aufnahme dieser Bilder gewonnen hat, dessen Herz aber noch in leidenschaftlicher Anteilnahme am Schicksal seines Stammes glüht, so daß kein Schatten willenloser Beschaulichkeit und müden Verzichts auf sein Gemälde fällt. Aus sorgender und warnender, mahnender und hoffender Liebe zu seinem Volk entwuchs seine Dichtung; nicht als unterhaltendes Schaustück stellt er ihm eine versinkende Welt vor Augen, sondern unaufdringlich und dafür um so eindringlicher zeigt er ihre unersetzlichen Wert« auf, damit fein Volk aus ihnen so viel wie möglich herüberrette in die neue Zeit und ihre neuen Aufgaben, damit es aus dem Erbe der Vergangenheit die ewigen Werte deutschen Wesens erkenn« und bewahre, ohne die es kein« deutsche Zukunft gibt.
Weun in diesen Wochen ganz Niederdeutschland — und so demnächst auch Vremenin einer Feierstunde aller niederdeutschen Verbände — des hundertsten Geburtstages des holsteinischen Banern- sohnes gedenkt, der ein großer deutscher Dichter wurde, so ist das keine nur literarische Angelegenheit sondern ein Bekenntnis zu den Wurzeln unsers Wesens, ein Gelöbnis zur Treue gegenüber dem Erbe und Vermächtnis unsers Blutes. Denn Johann Hinrich Fehrs war mehr als ein unvergänglicher Dichter: er war im Leben und Schaffen und er bleibt uns Künstler und Gestalter, Verkörperung nnd Symbol des niederdeutschen, des nordischen Menschen unserer Heimat.
ckscob Böckvvackt.
5rölilichkeit ist nicht Surcht vor der Traurigkeit, sondern der Sieg über sie!
- Lorck