Ausgabe 
(9.6.1938) Nr. 156
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vreimMmo

parteiamtliche Tageszeitung

Vas Amtsblatt des Negierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt vremen

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der Nationalsozialisten Vremens

sinnliches Verkündungsblatt des Neichsstatchaiters in Oldenburg und Vremen

Nr. 156/8. Zrchrgang

Donnerstag, 9. Zum 19Z6

Linzelpreis 15 Npf.

stM auf oawtiene

VreWbcige Militärdienstzeit

wer tragt die außerordentlich tzotzen kostend / Statt Ver­ständigungswille Vedroßung des inneren und äußeren sriedens / fadenscheinige Vegründungsversuche / was . geschieht im „krnstfall"?

Prag, 9. Juni.

Nach einer Meldung sämtlicher der Präger Regierung nahestehender Blätter wurde die Militärdienstzeit in der Tschechoslowakei von zwei aus drei Jahrs verlängert.

Die dreijährige Dienstzeit wird auch schon aus den Jahrgang ausgedehnt, der im September dieses Jahres abrüsten sollte. Lediglich sllr die Absolventen der Mit­telschule und Schulen im Mittelschulrang (höhere Schulen) wird nach den vorläufigen Dispositionen die bisherige Dienstzeit von zwei Jahren aufrechterhalten bleiben. Um aber schon jetzt den Heeresstand gemäß der dreijährigen Dienstzeit zu erreichen, werden jene Reser­visten, die am 19. Mai d. I. unter die Waffen gerufen worden sind, bis zum 30. Juni im Militärdienst bleiben. Am 1. Juli wird der erste Jahrgang der Reserve, der voriges Jahr entlassen wurde, einberufen, der dann bis zum 30. September dienen soll, d. h. bis er von den zum aktiven Dienst einrückenden Rekruten abgelöst wird.

Von tschechischer Seite wird die Einführung der drei­jährigen Dienstzeit als „vorübergehende Maßnahme" hingestellt, die durch „die internationale Spannung" hervorgerufen sei. Die Tschechoslowakei fei zu dieser Vor­kehrung gezwungen, um sich eine genügende Zahl von wasfengeübten Soldaten zu sichern.

Diese ungewöhnlichen militärischen Maßnahmen drin­gen selbstverständlich eine ungewöhnliche Belastung des Staatshaushalts, und jedermann fragt sich, wie diese weitere Erhöhung der an sich schon riesigen Summe für Heereszwecke aufgebracht werden soll. Von tschechischer Seite wird dazu erklärt, die höhen Kosten dieser mili­tärischen Vorkehrungen würden teils durch Ersparnisse in anderen Ressorts, teils durch Kreditmaßnahmen ge­deckt werden, zu denen der Finanzminister ermächtigt wetde..

Präger Blätter melden darüber hinaus, daß zur Deckung dieser Kosten eine „Sammlung veranstaltet werden wird, d. h. also, daß der gesamten Bevölkerung auch auf diesem unmittelbaren Wege ungeheure finan­zielle Lasten aufgebürdet werden sollen". Der Veran­stalter dieser „Sammlung" werde' ein Komitee sein, das vom Gouverneur der tschechoslowakischen Nationalbank geleitet werde. Das Komitee werde sich wahrscheinlich schon am Sonntag mit einem Ausruf an die Oeffent- lichkeit wenden.

Die tschechische Regierung hat also die Rufe der -deutschen, slowakischen, ungarischen und polnischen Volksgruppen nach nationaler Selbstverwaltung mit der Einführung der dreijährigen Dienstzeit, der Verlängerung der bisherigen Heeresdienst- dauer um ein ganzes Jahr, beantwortet. Der von Paris und London so gepriesene „Verständigungs­wille" der Tschechen hat sich wieder einmal in sei­ner wahren Gestalt offenbart. Nachdem Prag durch die überflüssige Teilmobilisierung und durch die unerhörten Hebelgriffe seiner Militär- und Polizeiorgane bereits allzu deutlich erkennen ließ, wie es um seinen angeblichen Verständigungs­willen bestellt ist, behebt die Verkündung der drei­jährigen Dienstpflicht nunmehr den letzten Zweifel über das Ziel der tschechischen Politik, die gewillt

ist,- noch stärker als bisher sich aus die Bajonette zu stützen. -

Prag, das den Millionen Angehörigen von vier Nationen bisher lediglich die Pflichten, nicht aber die Rechte eines Staatsbürgers zuerkannt hat, geht nicht den Weg der Verständigung, sondern den Weg des Terrors. Millionen junger Deutscher, Slowaken, Ungarn und Polen werden gezwun­gen, drei Jahre lang in der Armee eines Staates zu dienen, der ihnen für diesen dreijährigen Ein­satz ihrer Jugend nicht einmal einen Ausgleich durch Gewährung der vollen staatsbürgerlichen Rechte gibt und der sie trotz dieser langjährigen Dienstzeit von staatlichen und halbstaatlichen Aem­tern ausschließt.

Die tschechische Regierung treibt ein wahrhaft gefährliches Spiel mit dem Feuer. Die Einführung der dreijährigen Dienstzeit bringt einen neuen starken Druck auf die Volksgruppen. Nachdem die letzte Mobilisierung gezeigt hat, daß die Präger Regierung die Armee als Besatzungs­truppen in den nichttschechischen Grenzgebieten einzusetzen pflegt, Soldaten der Tschechoslowakei also nicht nur zur Verteidigung des Landes nach außen verwandt werden, sondern vielleicht noch viel mehr eine Besatzungsarmee für die sremdvölkischen Gebiete darstellen, be­deutet -die Einführung der dreijährigen Dienstzeit (Fortsetzung aus Seite 2)

SudetendeuMer Schritt in Prag

Verhandlungen nur auf klarer Basis

Prag, 9. Juni.

Das Presseamt der Sudetendeutschen Partei teilt mit: „Abgeordneter Kundt übermittelte dem Ministerpräsi­denten Dr. Hodza ein Memorandum, das die Zusam­menfassung der sudetendeutschen Forderungen aus Grund­lage der acht Karlsbader Punkte Konrad Henleins ent­hält. In einem Begleitschreiben macht der Abgeordnete Kundt neuerlich darauf aufmerksam, daß gewisse offi­zielle Informationen und Interviews den falschen Ein­druck erwecken, als ob Gegenstand der Gespräche Las Nationalitätenprinzip der Regierung wäre. DieSudeten- deutsche Partei müsse nun endlich vor Beginn grundsätz­licher Verhandlungen Klarheit darüber verladen, ob wie bisher die Grundsätze und Vorschläge der Sudeten- deutsche» Partei die Gesprächsgrundlage bilden sollen, oder ob von der Regierung das sogenannte Nationali- tätenstatut als Verhandlungsgrundlage gedacht ist. Für den letzten Fall behalte sich die Sudetendeutsche Partei ihre Stellungnahme vor, da ihr der Inhalt des Statuts nicht bekannt sei."

Londoner Versuchsballon geplatzt

preffekombinationen über diplomatische flktionspliine tbamberlains „Waffenstillstand in Spanien" - ein öluff

(vraktbsriekt unseres Iwnckonsr Vertreters)

London, 9. Juni.

Dieser Tage hat die englische Presse einschließlich der „Times" und des „Daily Telegraph" übereinstimmend und ausführlich die politischen Pläne der britischen Regierung sür die nächste Zeit dargelegt. Danach soll in Spanien ein Waffenstillstand geplant sein und nach dem Zustandekommen der Einigung zwischen Prag und den Sudetendeutschen sofort die Verhandlungen zwischen England und Deutschland über ein allgemeines europäisches Abkommen aufgenommen werden.

Dieser diplomatische Aktionsplan Chamberlains hat großes Aufsehen erregt, weil er übereinstimmend in allen englischen Zeitungen erschienen ist, was den Schluß nahelegt, daß er lanciert worden ist. Die weitere Ent­wicklung hat aber gezeigt, daß es sich dabei von vorn­herein um einen regelrechten Versuchsballon gehandelt hat, der die Reaktion auf diese Pläne Chamberlains auskundschaften sollte. Nachdem diese Reaktion, wie erwartet, ziemlich negativ ausgefallen ist — vor allem hat Italien auf den tendenziösen Waffenstillstandsplan in Spanien ablehnend reagiert — soll es sich plötzlich um eine m i ß o e r ständ l i ch e Nachricht der englischen Presse gehandelt haben. Man erklärt heute in Kreisen,

die der englischen Regierung nahestehen, daß sich Chamberlain lediglich in der Wandelhalle des Unter­hauses unverbindlich zu englischen Journalisten über seine künftige außenpolitische Linie ausgesprochen haben soll und daß diese die in weiter Ferne liegenden Perspektiven bereits als ein reales Sofortprogramm aufgefaßt haben.

Was auch hinter der ganzen etwas geheimnisvollen Sache stecken mag, sicher ist, daß die Stimmen aus Spanien und Italien in London auch den größten Illusionisten geheilt haben. Man hat es deutlich ver­nommen, daß General Franco sich den Sieg nicht im letzten Augenblick wird aus der Hand nehmen lassen, und die Nachrichten über angebliche stillschweigende Zustimmung Mussolinis zu dieser- Wafsenstillstands- plänen haben sich als Bluff entpuppt. Die englische Opposition behauptet nunmehr, daß dieser Versuch Chamberlains, das englisch-italienische Abkommen durch eine neuartige „Lösung" der spanischen Frage zu ver­tiefen. völlig mißlungen sei. Jedenfalls hat der französische Botschafter in London, Corbin, als er im Foreign Office sich nach diesen Plänen erkundigt hat, die Auskunft erhalten, daß die britische Regierung nichts davon wisse.

L, F

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Ois 73-.7aIn>I?oiei' lies ilentseliviillriscken Turnvereins in MIiriseli-Kelwnbvrx. Der ckentscllvölkiscks Turn­verein Nükrisek-8eIivnbsrA beginZ s-Is „Tag clss Osutscksn Turnens" ssiizs 75-7aI>r-I?Lier, von cksr ckisser Knsseknitt berücktet. Oben: I?ankarsiMiissr Asr llungtnrnsrsekakt am NarlrtpIatL. Unten: llubslnck

rvirck äsr Testrwg äsr äsutseksn Turner von äsn Volksgenossen bsZrüüt. (Trssss-Üokknrann)

Me neue Lebensauffassung

Kameradschaft und Gemeinschaft als Richtpunkt unseres Volkes

Es ist eine geschichtliche Tatsache, daß umwäl­zende geistige Entwicklungen nicht urplötzlich ent­stehen und sich nicht durch einen starken Bruch von den Gepflogenheiten und der Haltung vorhergegan­gener Zeiten unterscheiden, sondern daß sie lang­sam von innen heraus ihrer Zeit ein neues Gesicht geben und den Menschen zu neuem Denken und Handeln erziehen. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn neben den neuen Lebensformen auch alte, einmal als wertvoll erkannte, inzwischen aber wertlos gewordene Erscheinungen weiterbestehen.

Die nationalsozialistische Bewegung setzt auch nicht voraus, daß urplötzlich jeder Deutsche sich durch ein umfassendes nationalsozialistisches Be­kenntnis auszeichnet, sondern sie sieht gerade, wie Reichsleiter Alfred Rosenberg immer wieder her­vorgehoben hat, in der allmählichen charakterlichen Neugestaltung der geistigen Grundlagen unseres völkischen Lebens einen erfolgversprechenden Um­wandlungsprozeß, der schließlich den endgültigen weltanschaulichen Sieg des Nationalsozialismus erreichen wird. Jedes Zeitalter erhebt Anspruch auf eine bestimmte Gesittung und Lebensführung. Diese Lebensführung drückt sich in dem Umgang der Menschen miteinander, in der Auffassung über Moral, Recht und Religion, in dem Unterschei­dungsvermögen zwischen Gut und Böse aus. Maß. geblich ist der Inhalt der Weltanschauung, unter deren Einfluß das geistige, politische und wirt­schaftliche Leben steht.

Auch aus dem nunmehr Geschichte gewordenen Zeitalter des Bürgertums haben sich Auffassungen erhalten, mit denen wir uns heute innerlich nicht mehr auseinanderzusetzen brauchen, da sie aus dem Erlebnis unserer Tage heraus unwahr sind. Wir müssen sie nur ab und zu wieder einmal be­trachten, um unseren eigenen Standpunkt von heute gegenüber der Meinung von gestern abzu­grenzen. Jenes bürgerliche Zeitalter prägte den

Begriff der Gesellschaft als Einrichtung des menschlichen Lebens, mit einer bestimmten Aus- sasftlng.von Bildung und Besitz, die allein zu Ehre und Ansehen führten. Zum Wesen' dieser sogenann­ten Gesellschaft' gehörte „Niveau". Darunter ver­stand man einen innerlich unklaren Gesinnungs- nebtzl, dessen Ideale zwischen einem chauvinistischen Patriotismus und dem freimaurerischen Mensch­heitsstempel hin und her schwankten und schließ-

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Unser ^asesspiesel

Francos Truppen haben Adzaneta genommen.

Die Sudetendeutschen fordern in Prag Klarheit sür weitere Verhandlungen.

Die Tschechoslowakei hat die dreijährige Militär­dienstzeit eingeführt.

Die französischen Sozialdemokraten haben sich gespalten.

Hermann Göring weihte die Meisterschule für Malerei in Kronenburg.

Eine fieberhafte Suche findet in USA. nach dem von Kindesräubern entführten Lames Cash statt. 2m Vorverkauf für den Schmeling-Kampf sind bereits jetzt für 449 000 Dollar Karten umgesetzt. Gauleiter Carl Rover sprach auf der Abschlußkund­gebung des 3. Nordseeführerlagers der HJ. auf dem Vookholzberg.

An den Festtagen wiesen das Museumsdorf Clop- penburg und die Gedenkstätte „Stedinasehre" Massenbesuch auf.

Artillerieschulschiff „Brummer« wird Bremen für drei Tage' anlaufen.

Ueber' die Erkennungsmerkmale der spinalen Kinderlähmung schreibt das Gesundheitsamt.

Die Fertigwarenaussuhr über Bremen hat sich beträchtlich erhöht.

Für die Argo Reederei lies ein neuer Fahraast- dampfer vom Stapel.

MS „Tannenfels" der Hansa-Linie trat seine Probefahrt an.