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1938
Sonnabend, den 19. November I9N
Bremer Zeitung
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heißblütig beweglichem Gebaren. Auf märkischen Sand eine asiatische Horde. Die gezwungene Heiterkeit dieser Menschen verrät nicht, wieviel alter, ungesättigter Haß auf ihren Schultern lastet. Sie ahnen nicht, daß nur ein Zeitalter, das alle natürlichen Gewalten gefesselt hält, sie vor dem zu beschützen vermag, was ihre Väter erlitten haben. In engem Zusammenhang unter sich, in strenger Abgeschlossenheit nach außen: so leben sie in einem halb freiwilligen, unsichtbaren Getto, kein lobendes Glied des Volkes, sondern ein fremder Organismus in seinem Leibe. Es frommt nicht, zu forschen, wie das geschah, und auf welcher Seite die Schuld liegt. Das Leben fragt nach dem, was ist; und die Geschichte gibt dem Unterliegenden unrecht.
Es besteht die unbestreitbare Wahrheit, daß die besten Deutschen einen tiefen 'Widerwillen gegen jüdisches Wesen und Treiben hegen, die am meisten, die nicht viel Worte davon machen und etliche Ausnahmen — gleichsam als seltsame Naturspiele — zu geben. Und wenn die Juden über Breite und Tiefe der Strömung sich zu täuschen trachten — ein beklommenes Gefühl der Einengung und Verlassenheit werden sie nicht los. Der alte Herrlichkeitsgedanke ist verrauscht, und sehnsüchtiger, als sie es gestehen, blicken sie aus nach Versöhnung. Aber das Meer der Abgeschlossenheit will sich vor keinem Zauberspruch zerteilen."
Wichtig an diesen Ausführungen Rathenaus ist erstens seine Feststellung, daß die Juden „ein abgesondert fremdartiger Menschensbamm" auf märkischem Sande sind, zweitens die Erklärung, daß die eigentliche Judenfrage keine wirtschaftliche, sondern eine gesellschaftliche und kulturelle ist, und drittens die düstere Vorahnung von einer kommenden Katastrophe.
Rathenau hält dann weiter seinen Rassegenossen mit rücksichtsloser Offenheit den Spiegel vor. Er redet sie unmittelbar an mit den Worten: „Seht Euch im
Spiegel! Das ist der erste Schritt zur Selbstkritik!" Er spricht davon, daß sie „ein Volk von Krämern und Maklern geworden sind, an dem der Herr des Zornes und des Sieges keinen Gefallen haben könne, denn diesen habe er nur an einem Volke von Kriegern gehabt." Mit schneidender Ironie fährt er dann fort: „Ihr sprächet, Ihr Schlauen und Weltgewandten: „Wer den Reichtum besitzt, der hat die Macht." Nun habt Ihr den Reichtum — und Eure Reichen sind weniger geachtet als Eure Armen. Eure Redekunst war eitel und Eure Agitation umsonst. Verein« habt Ihr gegründet — zur Abwehr, anstatt zur Einkehr. Den Besten unter Euch habt Ihr das Leben zuwider gemacht, so daß sie Euch den Rücken kehrten, und als sie abtrünnig wurden, habt Ihr nichts vermocht, als sie zu verwünschen; daher kommt es, daß es ihnen gut geht."
Er bestreiket ihnen infolgedessen das Recht, nach Staat und Regierung zu schreiey. 'Er hält ihnen vor: „Der Staat hat Euch zu Bürgern gemacht, um Euch zu Deutschen zu erziehen. Ihr seid Fremde geblieben und verlangt, er solle nun die volle Gleichberechtigung aussprechen? Ihr redet von erfüllten Pflichten: Kriegsdienst und Steuern Aber hier war mehr zu erfüllen als Pflichten: nämlich Vertrauen."
Als praktischen Ausweg vertritt er dies: „Ein Ereignis ohne geschichtlichen Vorgang: die bewußte Selbst- erziehung einer Rasse zur Anpassung an fremde Anforderungen. Anpassung nicht im Sinne der „Mimikry" Darwins, welche die Kunst einiger Insekten bedeutet, sich die Farbe ihrer Umgebung anzugewöhnen, sondern eine Anartung in dem Sinne, daß Stammeseigenschaften, gleichviel, ob gute oder schlechte, von denen es erwiesen ist, daß sie den Landesgenossen verhaßt sind, abgelegt und durch geeignetere ersetzt werden."
Und in der weiteren Aufführung des praktischen Weges predigt er seinen Rassegenossen vor allem Bescheidenheit und Verständnis für die Seele der Landesgenossen. Was er in diesem Abschnitt sagt, ist eine so treffende Eharakteristik des modernen Erotzstadtjuden- tums, daß es hier im vollen Wortlaut wiedergegeben zu werden verdient:
„Freilich steht Euch keine Bahn offen, auf der Euer unbändiger Ehrgeiz sich ausgaloppieren kann. Als Rechtsanwalt, Kaufmann und Arzt besteigt man den kurulischen Stuhl nicht. Das ehrliche Bewußtsein eines ehrlichen Wertes ist heute das einzig Erstrebenswerte, das ein Jude erreichen kann. Aber das muß Euch genügen. Darum drängt Euch nicht nach kargen Auszeichnungen, selbst wenn Ihr glaubt, ein Anrecht darauf zu haben. Ein reicher jüdischer Bankier zu sein, ist an sich keine Schande; aber der Elefantenorden von Honolulu oder das Konsulat von Kamtschatka kann daran nichts bessern. Haltet Euch in bürgerlichen Schranken und Ihr werdet Euch nicht über zunehmende Kurzsichtigkeit Eurer Freunde zu wundern haben, wenn sie, die gestern Lei Euch zu Tisch waren. Euch heute auf der Straße nicht wiedererkennen.
Ihr beklagt Luch, daß man an Eurer Unterhaltung kein Gefallen findet? Eure Konversation ist ein Krampf. Den Partner zu „unterhalten", durch Mitteilen und Teilnehmen zu erfreuen ist nicht die Absicht; man sucht durch Superlative, durch grauenhafte Uebertreibungen und durch stimmliche Kraftentfaltung zu wiegen. Würde aus den Rekord der Redensarten: „Ich für meine Person" und „meiner Ansicht nach" ein Preis gesetzt, so wäret Ihr die ersten am Ziel. Es verlangt ja niemand von Euch so etwas wie Genie Was dem ähnlich war, habt ihr mit manchem anderen Gut in den Gettos gelassen. Eure Väter waren in ihrer Frömmigkeit gemütvoll: Ihr seid aufgeklärt und witzig. Aber Ihr sollt die Seele und das Gemüt Eurer Landesgenossen begreifen und ehren, anstatt sie durch vorlautes Urteil und frivole Ironie zu verletzen. Worte sind die Waffen der Schwachen; wehe dem, der mit vergifteten Pfeilen kämpft.
Man wird Euch den Vorwurf nrachen, international zu sein. so lange Ihr mit allen ausländischen Lohns und Levys versippt und verschwägert seid. Laßt die exotischen Vettern und Basen, die trotz ihrem Leugnen in Paris, Newyork oder Budapest vielleicht mißliebiger sind als Ihr hier im Lande. Renommiert nicht mit ihren Ansichten und Manieren und schämt Euch nicht, wenn Eure Kinder früher deutsch als französisch sprechen lernen Wer sein Vaterland liebt, der darf und soll ein wenig Chauvinist sein."
Man kann dieser Darlegungen von Walter Rathenau als den Kassandra-Brief eines um das Schicksal seiner Rasse bitter besorgten Juden bezeichnen. Trotzdem sind seine Warnungen wirkungslos verhallt. Das hat hauptsächlich an der Masse der damals gemeinten Juden selbst gelegen, denn eine solche Kapuzinerpredigt war ihnen unangenehm, störte ihnen nur den Frohsinn, und das Glück des ständigen Fortschritts Zum Teil mag es auch an Walter Rathenau gelegen haben, der gern ein wenig mit seinen Erkenntnissen kokettierte und lieber zu neuen Betrachtungen fortschritt als diese undankbare Rolledes warnenden Mahners weiter durchzuführen. Aber im Inhalt selbst ist seine Schilderung das treffendste Zeitporträt des deutschen Judentums der Vorkriegszeit, gerade weil es aus der Feder des prominentesten Rassegenossen stammt. Als Schlußton bleibt ei.r schriller und düsterer Klang im Ohr.
öesundungswerk wird fortgesetzt!
Ualadier rechnet mit den Kritikastern und Vesserwissern ab
Paris, 19. November.
Auf einer Veranstaltung des Nationalverbandes der französischen Zeitungen hielten Finanzminister Paul Reynaud, Ministerpräsident Daladier und Staatspräsident Lebrun Ansprachen.
Ministerpräsident Daladier sprach, wie er sich selbst ausdrückte, mit schonungsloser Offenheit. Als die Regierung sich daranmachte, das Gesundungswerk vorzubereiten, habe man ihm, Daladier, und der Regierung versichert, daß kein Franzose es ablehnen werde, seinen Beitrag zur Wiedergesundung zu liefern. Am 15. November seien dann die von seiner Regierung beschlossenen Maßnahmen veröffentlicht worden. Was sei inzwischen nun geschehen? Die Ratschläge hätten sich jetzt in Kritiken verwandelt. Sein Plan sei vor allem wegen seiner steuerpolitischcn Maßnahmen kritisiert worden. Es gebe aber keinen Gesundungsplan ohne derartige Maßnahmen. Der Plan bezwecke die Rückkehr des Kapitals aus dem Auslqnde. Bereits eine Milliarde Frank sei in die Bank von Frankreich zurückgeflossen. Die Heftigkeit des gegen die Regierung entfesselten Feldzuges zeige ihm, erklärte Daladier, daß seine Regierung den richtigen Weg gewählt habe. Denn wenn man der Ansicht sei, daß die Regierung sich festgefahren hätte, so würde man ironisch auf ihr Scheitern warten. „Ich pfeife auf die Jntrigen!" so rief Daladier aus. „Ich werde vor keinem Manöver zurückweichen. Ich verachte die Drohungen: sie werden mich nicht aufhalten. Ich werde das Gesundungswerk fortsetzen! Ich werde nicht der Mann des Zusammen- bruches sein, ebensowenig wie ich der Mann des Krieges war. Es geht um das Wohl der Republik, der Freiheit und Frankreich."
Der Ministerpräsident richtete dann einen Appell an die Franzosen, sich nicht durch Polemiken beeinflußen
zu lassen. „Glauben Sie," so rief Daladier aus, „daß die Unordnung und die Unstetigkeit in Frankreich nicht von denen ausgenutzt würden, die davon träumen, ihre Herrschaft über die Welt aufzurichten?"
Daladier wandte sich üb weiteren Verlauf seiner Rede gegen Vorwürfe von gewisser Seite, sein Finanzplan werde zur Diktatur führen und stellte dann fest,
. die Freundschaft zu England und die Sympathie der Vereinigten Staaten könne durch Einigkeit und Disziplin nur gestärkt, durch Uneinigkeit aber gefährdet werden. Daladier erklärte schließlich, er habe Vertrauen in das Gelingen des finanziellen Gesundungswerkes, weil er Vertrauen habe irr sein Vaterland. Er habe kein Wunder versprochen. Das Werk, das er unternommen habe, werde er fortsetzen. Die Regierung werde sich durch die Kritik nicht aufhalten lassen und werde his zum Ende gehen. Was auch geschehen möge, nichts und niemand werde sie aufhalten.
Staatspräsident Lebrun beschränkte sich in seiner Ansprache darauf, seinen Vorredner zu unterstützen. Er erklärte ausdrücklich, daß die von dem Ministerrat beschlossenen Maßnahmen seine volle persönliche Unterstützung hätten. Er sprach die Hoffnung aus, daß das Volk dem Plan seine Unterstützung geben würde und forderte die französische Presse zur Mitarbeit auf. Lebrun warnte sie dabsi vor tendenziösen und falschen Nachrichten.
kin „lag des Protestes"
Der CGT.-Eewerkschaftsverband hat nach seiner Kampfansage gegen die Notverordnungen der Regierung Daladier für den 26. November einen „Tag des Protestes" beschlossen, der in ganz Frankreich mit entsprechenden Kundgebungen begangen werden soll.
Sieg ltzamberlains im Unterhaus
Munitionsmimsterium mit Z26 gegen 1Z0 Stimmen abgelehnt
London, 19. November.
Im englischen Unterhaus wurde der Antrag der Liberalen auf Errichtung eines Munitionsministeriums mit 32K gegen 13k Stimme» abgelehnt. Ferner wurde die Debatte über die Thronrede abgeschlossen und der Adresse zugestimmt.
Im Verlaufe der Aussprache vor dieser Abstimmung üb.er das Munitionsministerium erschien auch der frühere Erste Lord der Admiralität, der berüchtigte Duff Eooper auf der Bildfläche, wobei er in der ihm eigenen demagogischen Art wieder von gewissen Gefahren sprach, von denen angeblich England bedroht sei, und die ihn veranlaßten, sich lebhaft für die Errichtung eines Munitionsministeriums einzusetzen.
Ministerpräsident Chamberlain schloß die Debatte namens der Regierung. Er gab zu, daß die Frage eines Munitionsministeriums die Parteien in sich spalte. Seiner Meinung nach sei aber kein sehr überzeuge ndes Material für die Schaffung eines Munitionsmini st eriums in der Debatte vorgebracht worden. Daß die Regierung mit der Ausrüstung ernst mache, könne nicht in Frage gestellt werden.
Chamberlain ging dann im einzelnen auf die Gründe ein, die nach Anficht der Regierung gegen eine Schaffung eines Munitionsministeriums sprechen. Er sagte, daß es bisher keine Knappheit in den Lieferungen gebe. Die Frage, welche Waffengattung den Vorzug zu erhalten habe, werde übrigens im Empire-Verteidiguugs- ausschuß geregelt. Ein Munitionsministerium könne nicht dazu beitragen, dpn Prozeß der Aufrüstung zu beschleunigen. Er, Chamberlain, sehe keine Notwendigkeit, gegenwärtig Vollmachten zu fordern. Und wenn das nicht notwendig sei, dann wäre es ein ^Schaden, wollte man versuchen, sie sich anzueignen. Man wolle auch nicht der Profitmacherei Einlaß verschaffen. Die Regierung habe übrigen Pläne für die Einsetzung eines Münitionsministeriums für den Kriegsfall fertig daliegen. Chamberlain kündigte schließlich an, daß er, um der Öffentlichkeit volles Vertrauen zu den gegenwärtigen Vorkehrungen zu geben, einen Beratungsaus
schuß ernennen werde. Diesem Ausschuß sollen unabhängige Geschäftsleute angehören. Firmen könnten bei diesem Ausschuß etwaige Klagen vorbringen.
... und eine Niederlage lsturchills
Die Abstimmung im Unterhaus über den liberalen Antrag auf Einsetzung eines Munitionsministeriums gestaltete sich zu einer großen Niederlage für Churchill. Der parlamentarische Korrespondent der „Times" verweist darauf, daß Churchills Appell an 59 Konservative, gegen die Regierung zu stimmen, nur ein äußerst schwaches Echo gefunden und daß außer Churchill nur noch zwei konservative Abgeordnete ihre Stimme gegen die Regierung abgegeben hätten. Eden und Cranborne hätten für die Regierung gestimmt.
König tarol aus tonöon abgereist
London, 19. November.
König Carol und Kronprinz Michael von Rumänien haben die englische Hauptstadt am Freitagoormittag wieder verlassen. König Georg VI. sowie Außenminister Lord Halifax verabschiedeten die rumänischen Gäste am Victoria-Bahnhof.
„Nicht überschätzen!"
Auch Sir John Simon befaßte sich mit der Lage der Juden in Deutschland
London, 19. November.
In einer Rede vor Regierungsanhängern in Rhyl (Nord-Wales) glaubte auch Schatzkanzler Sir John Simon zur Lage der Juden in Deutschland Stellung nehmen zu müssen. Er teilte Mit. daß die Regierung sich mit einer Reihe von Kolonien in Verbindung gesetzt habe, um festzustellen, ob es möglich sei, dort Emigranten aus Deutschland anzusiedeln. Die Regierung sehe die Frage dieser Emigranten als äußerst dringend an und wolle den denkbar größten Beitrag zu ihrer Ansiedlung außerhalb Deutschlands erbringen. Gleichzeitig betonte der Minister jedoch, daß man „die Unterbringungsmöglichkeit von Flüchtlingen in den Kolonien nicht unterschätzen dürfe".
kine energische arabische krklärung
Wieder schwere Kämpfe in Palästina
London, 19. November.
Der Präsident der arabischen Verteidigungspartei von Palästina, Ragheb Bey Nashashibi, stritt gestern in einem Telegramm an den Vorsitzenden des interparlamentarischen Kongresses mit allem Nachdruck ab. daß unter den Arabern, wie das in der englischen Öffentlichkeit kürzlich behauptet worden war. irgendwelche Meinungsverschiedenheiten, bestünden.
Es gebe keinen Araber in Palästina, so heißt es in dem Telegramm, der nicht bis zum Tode sich dem Mandat und der Valsour-Erlliirung widersetzen würde. Unter den arabischen Parteien Palästinas gebe es keinerlei Meinungsverschiedenheiten.
In Palästina selbst ist es im Laufe des gestrigen Tages wieder zu Gefechten zwischen dem Militär und Arabern gekommen. In der Nähe von Bcitjallah nördlich von Hebron kam es zu einem heftigen Gefecht zwischen Engländern und Arabern. Dabei verloren die
Engländer einen Mann, während fünf verletzt wurden. Das englische Militär, das rücksichtslos eingesetzt wurde, soll einer Reuter-Meldung zufolge den Arabern schwere Verluste beigebracht haben. Aus 40 Meter Entfernung brachte das englische Militgr mit Maschinengewehrfeuer den Araberangriff zum Stehen. Unterstützt von Panzerwagen und weiteren Verstärkungen, konnte das englische Militär dann die auf der Straße errichteten Barrikaden beseitigen.
Auch die „Durchsuchungen" durch englisches Militär halten weiter an. Dabei wurden in den Dörfern Saffuriya und Ainel Kastei (Bezirk Ealiläa) wieder zwei Araber, die die englische Postenkette zu durchbrechen versuchten, beschossen und verwundet.
In Tulkarem ereignete sich in einem Haus eine Vombenexplosion. Zwei Araber fanden dabei den Tod. Das Haus wurde beschädigt.
Entgegen Meldungen, die' von einem Abflauen des Generalverkehrsstreiks der Araber wissen wollen, ist festzustellen, daß dieser Streik im gesamten Lande unvermindert anhält.
Vier Personen niedergeschossen
keftiges seuergefettzt mit einer Sfl.-Streife / verbrechen jugendlicher flutobanditen
o Eraz, 18. November.
Freitag vormittag hielten zwei junge Burschen bei Huettenberg in Kärnten durch eine Autofalle ein Auto an. Als der Lenker des Wagens ausstieg, um das Hindernis zu beseitigen, erschossen ihn die zwei Wegelagerer und suhren mit dem Wagen davon, den sie später aus bisher noch unbekannter Ursache im Lavant- tale stehen ließen.
Dort begaben sie sich zu Fuß um den Zirbitzkogel in die Steiermark in die Gegend von Perchau. Durch einen über die Straße geworfenen, frisch geschlagenen Baumstamm stellten sie wieder eine Autofalle her und lauerten am Wegrande auf ein neues Opfer. ,
Gegen 19.15 Uhr nahte ein Auto des Arbeitsamtes Judenburg. Die drei Insassen des Wagens, zwei Ingenieure des Judenburger Arbeitsamtes und der Lenker des Autos namens Reinhard Zoehrer stiegen aus, um das Hindernis zu beseitigen. Dabei wurden sie von den zwei Mordbuben überfallen. Der eine von ihnen feuerte auf Zoehrer und tötete ihn durch einen Brustschuß. Der eine Ingenieur konnte flüchten und die Ecn- damerie von Neumarkt alarmieren, die die ganze Umgebung unter Einsatz von SA. abstreifte. Den anderen Ingenieur nahmen die Jugendlichen als Geisel mit. Sie fuhren in der Richtung nach Ünzmark davon.
Während der Fahrt bedrohten sie ihren Gefangenen mit vorgehaltener Pistole. Inzwischen waren Unzmark
und die Orte der Umgebung von dem Ueberfall bereits verständigt worden. Die Banditen rasten mit dem Wagen und ihrem Opfer durch Unzmark, stießen aber außerhalb des Ortes gegen den steinernen Pfeiler einer Brücke Der Magen stürzte in den Graben, überschlug sich und die drei Insassen wurden hinausgeschleudert. Dabei gelang es Ingenieur Perra ebenfalls zu entfliehen. Eine Zeitlang blieben die zwei Verbrecher spurlos verschwunden, dann wurden sie aber in der Gegend des Bahnhofes von Unzmark von einer SA.- Streife gestellt.
Es entspann sich sofort ein heftiger Feuerwechsel, in dessen Verlauf der SA.-Stnrmsiihrer Franz Hebenstreit und der SA.-Mann Fritz Zeiler getötet wurden. Der ältere Bruder des Mörderpaares erlitt ebenfalls Schußvcrlctzungen. Auch der jüngere wurde leicht verletzt.
Die zwei Mörder, einer von ihnen ist 13 Jahre, der andere 20 Jahre alt, wurden hierauf festgenommen und nach Judenburg gebracht. Zu ihren Taten hatten sie sich eines Trommelrevolvers und einer kleinkalibrigen Pistole bedient. Ihr Rucksack. den sie mit sich schleppten, war ganz mit Munition angefüllt. Ueber das Motiv zu den furchtbaren Verbrechen gaben die beiden vorläufig keinerlei Auskunft.
Nr. 319 Jahrgang Igzz
Vr. Soebbels eröffnet ludetendeutschen watzlkampf
Berlin, 19. November.
Reichsminister Dr. Goebbels begibt sich am heutige» Sonnabend nach Reichenberg, um dort zusammen mit Gauleiter Konrad Henlein in einer Massenkundgebung den Wahlkampf für die am 4. Dezember stattfindenden Ergänzungswahlen zum Deutschen Reichstag zu eröffnen. Die Kundgebung, die um 19.3« Uhr in den Reichenberger Messehallen beginnt, wird von den Reichssendern Vrcslau und Leipzrg übertragen.
Minister pirow bei ööring
Berlin, 19. November.
Ministerpräsident Generalfeldmarschall Göring gab Freitag zu Ehren des südafrikanischen Verteidigungsministers Pirow und. Frau Pirow ein Frühstück, an dem neben dem südafrikanischen Gesandten und seiner Gattin von deutscher Seite Generaloberst Milch, Staatssekretär Körner, General Stumpfs, General lldet und die Herren der näheren Umgebung des Feldmarschalls mit ihren Damen teilnahmen.
Am Nachmittag wurde Minister Pirow vom Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop in Anwesenheit des Berliner Gesandten der Union von Südafrika empfangen.
Einige Stunden vorher hatte sich Minister Pirow zum Ehrenmal Unter den Linden begeben, wo er zum ehrenden Gedenken der im Weltkrieg gefallenen deutschen Soldaten einen Kranz niederlegte. Nach dem feierlichen Akt der Kranzniederlegung schritt der südafrikanische Verteidigungsminister die Front der angetretenen Ehrenkompanie ab.
Me deutsche Abordnung
bei der Trauerfeier für Atatürk
Berlin, 19. November
Der Führer und Reichskanzler wird an den Trauer- feierlichkeiten für den verstorbenen Präsidenten der türkischen Republik, Kemal Atatürk, durch folgende Abordnung vertreten sein:
Freiherr von Neurath, General der Infanterie List, Admiral Carls und General der Flieger Felmy.
Die Delegation, die bereits abgereist ist, wird heute vormittag in Ankara eintreffen.
Die deutsche Abordnung wurde während eines kurzen Aufenthalts auf dem Sofioter Bahnhof von Legationsrat Stamenoff, als dem Vertreter des bulgarischen Königs, von Legationsrat Stantscheff und dem. Ee- 'sandten Mtonoff als den Vertretern der Regierung, vom stellvertretenden Generalstwbschef Hadschi Petkofj im Namen der bulgarischen Armee sowie vom türkischen Gesandten in Sofia begrüßt. Der deutsche Gesandte Rümelin war der Abordnung bereits bis zur Grenzstation Dragoman entgegengefahren.
toulondre nach Verlin abgereist
Paris, 19. November.
Der neue französische Botschafter in Berlin, Coulon- dre, hat am Freitagabend mit dem Nordexpreß die französische Hauptstadt verlassen. Der französische Diplomat wurde vor seiner Abfahrt auf dem Bahnhof vom deutschen Botschafter in Paris, Graf Welczeck, begrüßt.
Starke veachtung der Mbbentrop-Nede
London, 19. November
Ueber die Beisetzung des Opfers des jüdischen Mörders Grünspan berichten sämtliche Londoner Blätter in großer Aufmachung. Die Korrespondenten legen dabei den Hauptwert auf die Ansprache dxs Reichsaußenmini- sters von Ribbentrop, der, wie die („Times" meldet, erbitterte Worte gefunden habe. Düs Blatt unterstreicht Ribbentrops Adresse an eine „feindselige Welt" und den Satz, daß die alte Welt langsam, aber unvermeidlich dem Ende zugehe, und daß keine Agitation und kein Terror das deutsche Volk jemals wieder zu einem Vasallenvolk machen oder den Fortschritt Deutschlands aufhalten könne. Auch „Daily Telegraph" hebt hervor, daß Ribbentrop von einer feindlichen Welt gesprochen habe.
Sgnamiterplolion in einer Sgnagoge
Bukarest, 19. November.
In Reschitzaim im Vanat explodierte eine Ladung Dynamit in der Synagoge. Das Innere des Gebäudes wurde fast vollständig zerstört.
Der Fahrer und Reichskanzler hat dem Johann Erschlich in Heydcbreck (Obeoschl.s aus Anlaß der Vollendung seines lOÜ. Lebensjahres ein persönliches Glückwunschschreiben und eine Ehrengabe zugehen lassen
Im Präger Parlament wurde am Freitag ein Ermächtigungsgesetz vorgelegt, das sowohl dem Präsidenten der Republik als auch der Regierung weitgehende Vollmachten zur Neuordnung des staatlichen Lodens erteilt.
Lebruns. Besuch in London. Wie gestern offiziell bekanntgegeben wurde, wird der Staatsbesuch des französischen Prö- pdenten Lebrun in London vom 21. bis 24. März nächsten Jahws stattfinden. Die offizielle Ankündigung besagt, daß der Staatspräsident und Frau Lebrun die Einladung zu diesem Datum angenommen haben. '
Bolschewistenfrcuiid Ballett ins Unterhaus gewählt. Ter Autzenpolitikcr der liberalen „News Chronicle" Bcrnon Bar- rf der berüchtigte Bolfchewistensrcund und Gegner der Politik Lhambcrlains, ist bei einer Nachwahl im Wahlkreis Vridgewatcr (Somerset) mit großer Mehrheit ins Unterhaus gewählt worden
Dank an Franc». Unter dem Eindruck des großen Sieges an der Eorvfront sprach der Ministerrat dein Generalissimus jftanco den Dank der Nation aus. Zugleich beglückwünschte ber^Mimlterrat die Wehrmacht und ihre Führer zu dem
Warum werden die Juden gehaßt? Generalmajor Füller, ^ bekannte englische Politiker setzt sich im Novemberhcst der Monatsschrift „Der Weldkamps" mit der Juden fra ge in England und darüber hinaus in der ganzen Welt auseinander, or. » «tbl eine sehr klare und scharfe Antwort aus die Frage: „Warym werden die Juden gehaßt?" Die auch in England sich mehr und mehr durchsetzende Erkenntnis zeigt, ^°-?^?-^??lschlaiid handelte, als es die Juden aus Wirtschaft, Wißenzchaft und Kunst entfernte. Ferner behaudell der Franzose Element Serpeille dc Gobineau. ein Nachkomme des um die modernen rassenkundlichen Erkenntnisse verdienten Grafen Gobineau, im ,LLel«kamps" die Judcnfrage und ih» Auswirkungen in Frankreich. Auch dieser wichtige Beitrag ist für icden Deutschen sehr aufschlußreich.
Dr. Adolf Dresler berichtet über den neuen Stand der Judenzrage m Italien.
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