Ausgabe 
(1.8.1938) Nr. 209
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Bremer Zeitung

Nr. 209 Jahrgang 1938

Montag, den 1. August 1938

eignet sie für die körperliche Ertüchtigung des deutschen Menschen ist. Nach Hunderttausenden zählende Zuschauermassen sahen die Kämpfe und waren begeistert von dem Gebotenen. Der größte Jubel aber herrschte am gestrigen Sonntag, als der Führer durch seine Anwesenheit in Breslau seine Anteilnahme ausdrückte an diesem bisher größten Gemeinschaftsfest aller Deutschen. Ge­radezu unbeschreiblich war die Begeisterung der Massen deutscher Menschen bei dem großen Vor­beimarsch, der noch einmal zum Abschluß des gro­ßen Festes alle Teilnehmer in einer gewaltigen Kundgebung vereinte. Diese überwältigende Schluhkundgebuna dem Führer gegenüber, dem Manne, der erst die Grundlagen schuf für die Wie- dererstarkung des deutschen Volkes und des Zu­rückfindens zu der Erkenntnis des wahren Deutsch­tums, waren der beste Beweis für die Dankbar­keit der in Breslau versammelten deutschen Men­schen. Und das ist das Schönsie dieses großen Festes: kein Gedanke richtete sich gegen ein ande­res Volk man denke beispielsweise an gewisse Sokolseste, sondern hier in Breslau wurde ein Fest der Freude über die gemeinsamen Gedan­kengänge aller Deutschen gefeiert, das keinen tren­nenden Gedanken ausweist, vielmehr lediglich ver­bindend wirkt und das so als schönstes und rein­stes Friedensfest anzusprechen ist.

seiger Überfall

betrunkener tschechischer Soldateska

Prag, 1. August.

In der Nacht zum Sonntag kam es in Trautenau zu einem wüsten Ueberfall betrunkener Tschechen auf einen Sudetendeutschen. Ungefähr um 1.15 Uhr wurde die Polizeiwache darauf aufmerksam gemacht, daß auf der Staatsstraße in Trautenau ein unbekannter Mann liege. Die Wache brachte den Unbekannten auf dieWacht- stube, wo der Polizeiarzt feststellte, daß der Eingelie­ferte durch zwei Stichwunden in den Rücken schwer ver­letzt sei. Der Polizeiarzt ordnete die lleberführung des Schwerverletzten in Krankenhaus an. Im Krankenhaus konnte der Unbekannte bksher noch nicht vernommen werden.

Später wurde festgestellt, daß der Uebersallene Adolf Mathes heißt und ein sudetendeutscher Malermeister ist. Die polizeilichen Erhebungen ergaben, daß Mathes, der weiße Strümpfe trug, durch die Staatsstraße ging, wo er ohne jede Ursache von Bohuslav Hladik, einem Fleischergehilfen aus Trautenau, an die Schulter ge­stoßen wurde, worauf sich zwei Soldaten auf Mathes stürzten, die vorher mit Hladik in einem nahen Gasthaus gezecht hatten. Der Soldat Sadlo versetzte Mathes im Verlaufe des lleberfalles zwei Messerstiche in den Rücken.

Der zweite Soldat konnte bisher nicht gestellt werben, weil ihn seine Kumpanen angeblich nicht kannten. Der Soldat Sadlo wurde verhaftet und gestand die Tat im Earnisonskommando ein. Das blutig« Messer, mit dem er Mathes gestochen hatte, wurde bei ihm gefunden. Sadlo wurde in Haft genommen und es wurden gegen ihn Strafanträge erstattet. Auch Hladik wurde in Poli­zeihaft behalten: auch gegen ihn wurde ein Strafver­fahren eingeleitet. Wie weiter festgestellt wurde, hatten sich Hladik und die beiden Soldaten bereits beim Ver­lassen des Gasthauses mit einem unbekannten Zivilisten gerauft. Die Genannten haben den ruchlosen Ueberfall in Trunkenheit begangen.

Der Zustand des überfallenen Sudetendeutschen ist sehr bedenklich. Im Krankenhaus wurden Lungen- Llutungen festgestellt.

Unglück in einem Kalibergwerk

Gerstungen (Thüringen), 1. August.

Auf dem Kaliwerk Kaiserroda in Merkers ereignete sich am Sonnabend am Schluß der Mittagsschicht auf der unteren Sole unerwartet ein Kohlensäureausbruch von ungewöhnlicher Stärke. Der schichtführende Stei­ger und zehn Bergleute, die sich bereits auf der oberen Sole auf dem Wege zur Ausfahrt befanden, wurden von den Gasen überrascht und verunglückten trotz sofort unternommener Rettungsmaßnahmen tödlich.

Reichsleiter Dr. Ley hat sofort nach Erhalt der Mel­dung über das Bergwerksunglück in Thüringen den zuständigen Eauobmann angewiesen, zunächst jeder Familie 1000 Mark zu überweisen.

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Ver sichrer gibt -em Schlußakt Sie weihe

(Fortsetzung von Seite 1)

Vor der großartigen Szenerie der Friesenwiese, jenes gewaltigen Aufmarschplatzes des Breslauer Sport­feldes. wickelte sich am Nachmittag,n Anwesenheit des Führers vor «ehr als 100 000 Zuschauern d,e Schluß­feier des großen Deutschen Turn- und Sportfestes ab, an der 80 000 Turner und Turnerinnen, Abordnungen !>er Nortel und der Wehrmacht betei-

Die Friesenwiese, ein Aufmarschfeld von mehr als 150 000 Quadratmeter, ist rings von festen ^ribunen- bauten eingefaßt. Beherrschender Blickpunkt.,,t der 36 Meter hohe massive Führerturm, dessen- Brüstung nach dem Felde zu ein Hoheitsadler schmückt. Das ganze Feld ist von einem Wald von Fahnen eingefaßt. Die gegenüberliegende Seite beherrschen zwei hohe Rich­tungsturme, deren einer die Freiheitsfahne der natio­nalsozialistischen Bewegung und der andere die Fahne des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen ziert.

flufmarsch See leilnehmor

Eine Viertelstunde vor Beginn ziehen gleichzeitig durch die sieben Tore der Nordtribllne 80 000 aktive Teilnehmer der Schlußfeier in das Innere der Friesen­wiese. Fast Stunden dauerte dieses unvergleichlich schöne Schauspiel, für das die Hunderttausende mit lau­tem Beifall danken ist doch auf, diesem Felde nicht nur die deutsche Turn- und Sportlerjugend, sondern das ganze deutsche Volk symbolisch angetreten. Vielfältig und fast plastisch wird das hohe Ziel, das dem Reichsbund für Leibesübungen vom Führer gesetzt wurde, hier offenbar. Der Einmarsch der braungebrann­ten und sportacstählten 30 000 Turner in weißer Bluse und weißem Hemd, der 4800 Tänzerinnen, der 15 000 Kculenschwingerinnen in leuchtenden blauen Turn- anzügen, der 3000 Hitler-Jungen in Sporthosen und bloßem Oberkörper sowie der 2000 VDM.-Mädel in Sportkleidung ist ein Schauspiel von außerordentlichem Reiz.

sreudenstürme um ftSolf Hitler

Um 16.30 Uhr erscheint, von brausenden Heilrufen begrüßt, Reichsminister Dr. Goebbels, wenig später fahren Reichsminister Dr. Frick und Konrad Henlein

vor dem Führerturm der Friesenwiese vor, um hier den Führer zu erwarten. Kurz nach ihnen erscheinen, ebenfalls herzlich begrüßt, die vier Bezwinger, der Eiger-Nordwand. Um 16.40 Uhr künden brausende und immer mehr anschwellende Heilrufe das Kommen des Führers an.

Aufrecht im Wagen stehend, wie immer, fährt der Führer in Begleitung des Gauleiters bis unmittelbar vor den Eingang. Während die hier harrende Menschen­menge immer wieder in erneute Heilrufe ausbricht, wird der Führer von dem Reichssportfiihrer sowie den Reichsministern und den übrigen ihn erwartenden hohen Persönlichkeiten des Staates, der Partei und der Wehrmacht begrüßt. Dann begibt sich der Führer in die Ehrentage.

Die Erwartung auf den Tribünen und auf dem Feld hat inzwischen ihren Höhepunkt erreicht. Da braust auch von draußen schon der Freudensturm herein der den Führer auf seinem Wege in die Sportstadt geleitet hat, und der hier, als die Führerstandarte emporsteigt, ein vieltauscndfaches Echo findet, das sich immer und immer wiederholt. Kommandos ertönen: das Ehren- bataillon präsentiert. Dann meldet der Reichssport­führer:

Mein Führer! Ich melde Ihnen 80 000 Turner und Sportler des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen, zu letzten Vorführungen vor Ihnen ange? treten." Der Führer tritt an den Rand des Balkons «nd grüßt die 80 000 mit einem weithin vernehmbaren Heil", das mit erneuten langandauernden Kund­gebungen beantwortet wird. Wieder ertönen Kom­mandos. Die Truppe präsentiert erneut, und nach altem Brauch gilt das erste Gedenken in dieser Stunde den Toten. Die Fahnen senken sich, gedämpft spielt die Musik unter dem Donner der Kanonen das Lieb vom guten Kameraden, während sich die Hunderttausende von ihren Plätzen erheben und in einer stillen Minute der für Großbeutschland Gefallenen lies' Krieges und der Bewegung gedenken. 2m Paradeschritt marschiert das- Ehrenbataillon an dem Obersten Befehlshaber vorbei, und auch die Kampfformationen und Gliede­rungen der Partei verlassen das Feld.

flnmut und Schönheit in Leibesübungen

Aufhebt unsere Fahnen", so klingt es aus den Laut­sprechern, die über das ganze Feld verteilt sind, und mit der gleichen Sekunde setzen sich, nachdem die Fahnen die Friesenwiese verlassen haben, die 4800 Kämpfer­innen, die bis dahin vor der Südtribüne ausgeharrt hatten, in ihren weißen, weiten, wallenden Gewändern mit bunten Schärpen in Bewegchng und bilden einen weiten Ring. Die innere und äußere Ringkette der Tänzerinnen trägt Fahnen, die mit ihrer bunten Far- benzusammenftellung ein außerordentlich wirkungsvolles Bild abgeben. Von der Grundform des Ringes aus bilden die Mädchen mit rhythmisch tänzerischen Schrit­ten einen Stern, dann laufen die äußeren Glieder des. Blocks gegeneinander zu, wo über das ganze weit«' Feld die Fahnenschwingerinnen verteilt sind, die nach dem Takt der Musik die flatternden Fahnen bewegen. Ein Bild, das in seiner leuchtenden, anmutigen Farben­pracht immer wieder Beifall auslöst. Unter dem Takt des Beifalls verlassen die 48 UTiinzerinnen das Feld.

Nun beherrscht der Spo'rt die Friesenwiese. In einem spannenden sportlichen Wettbewerb treten die 100-Meter-Staffeln der 17 Gaue des Reichsbundes auf den Plan. Die Läufer der einzelnen Gaue haben die 400 Meter breite Querleite der Friesenwiese zu durch­laufen, so daß zwei fliegende mch zwei Pendelwechfol notwendig sind. Sachsen hatt« zunächst vor Baden und Niederrhein die Führung. Aber schon nach 500 Meter übernahmen die Württemberger die Spitz«.

Noch während des Kampfes der Läufer besetzten 3000 Hitlerjungen imWagenrennen" die beiden äußeren Drittel des Feldes, während in das Mittelfeld 2000 An­gehörige des VDM. einliefen. Die Hitlerjungen zeigten' fröhliche Tummel- und Lagerspiele, die den Beifall der Zuschauer hervorriefen. Auch die rhythmisch-gymnastischen Uebungen, die die 2000 Mädchen in vier großen Feldern zeigten, bewiesen, daß unsere Staatsjugend eine gründ­liche und zweckmäßige körperliche Ausbildung in ihren Formationen erhält. Zugleich aber konnte man auch feststellen, wie vorzüglich ihnen der achttägige Aufenthalt in dem großen Zeltlager hekommen war. Alle waren sie frisch, braungebrannt und kerngesund.

Eine weitere Steigerung waren die abschließenden Massenvorführungen der 15 000 Turnerinnen in ihren leuchtend blauen Kitteln und der 30 000 Turner in Weiß. Mit leichten, federnden Tritten liefen die Frauen in langen Reihen in das Feld. Jede Uebungsgruppe löste tosende und verdiente Beifallsstürme aus, denn es ist un­

schwer vorstellbar, welche Kleinarbeit geleistet werden mußte, um Massenvorführungen in solcher Exaktheit und Eleganz zustande zu bringen. Der Abmarsch dpr Turne­rinnen und der Anmarsch der Turner-erfolgte im Eegen- zug. Die 30 000 Männer zeigten eine Körperschule, die in betontem Gegenlatz zu den Vorführungen der Frauen standen. Führten hier Anmut, Grazie und rhythmischeBeschwingtheitdie Regie, so atme­ten die Uebungen der Männer, die zum Teil außer­ordentlich schwer und dem praktischen Uebungsbetriebe entnommen waren, Gewandtheit, Ausdauer und Kraft. Dabei bot das riesige Feld gleichmäßig übender gut durchgebildeter Körper außerordentlich schöne Bilder. Eine besonders farbige Note bringen die geschlossenen Blocks der 17 aus je 100 Teilnehmern be­stehenden Eaustaffeln in ihrem farbenfrohen Leichtath­letikdreß in das Aufmarschfeld.

Die Uebungen der Frauen und die Körperschule der Männer waren in der Tat ein überzeugendes Bekennt­nis des Einheitswillens nach Einheitsleistung. Es war symbolischer und zugleich ein ergreifender Moment, als die 50 000 am Schluß ihrer Vorführungen das Lied Heiliges Deutschland, Land unserer Bäter" sangen.

Dann marschierten in die Reihen der Männer die Sieger und Siegerinnen des eisten Turn- und Sport­festes Eroßdeutschlands und blumengeschmückte Mädchen zur Siegerehrung ein. Der Deutsche Meister im Zwölf­kampf, Hans Friedrich aus München, als Ver­treter aller Sieger, und die Doppelsiegerin der deutschen Leichtathletikmeisterschaften, Gisela Mauer- meyer, als Vertreterin der Siegerinnen, begaben sich auf die Führertribüne.

Nun ist der Augenblick gekommen, den die 50 000, die in acht sonnendurchsluteten Tagen mit allem Einsatz ihrer Kräfte um den schlichten Eichenkranz gekämpst haben, mit heißem Dank herbeisehnten. Adolf Hitler selbst ehrt die Sieger, indem er den beiden prächtigen Kameraden, die als die Vertreter der Tausende im Eichenkranz vor ihm stehen, Dank und Anerkennung ausspricht. Das Lächeln des Glückes liegt auf den brau­nen Gesichtern der strahlenden Sieger und all der deut­schen Bruder und Schwestern von nah und fern, die zu Zeugen dieser unvergeßlichen Stunde geworden sind. Diesem Dank leiht der Gauleiter und Oberpräsident Joses Wagner Wort« für das Deutschtum der Erde.

Er führte u. a. aus:

Mein Führer! Der Jnbelschrei der Zcchntausende, der Ihnen bei Ihrer Ankunft in Breslau, der Gauhaupt­

stadt Schlesiens,- «ttgegeniLrauste, hat m den donnern­den Heilrufen der hier versammelten Hunderttausende seine gewaltigste Steigerung erfahren. Dem urwüchsi­gen Ausbruch der Freude, und hier jubelt mrt Bres­lau ganz Schlesien, spricht mit den Hunderttausenden -das Eesamtdeutschtnm der Welt werde ich als Gau- letter und Oberpräsident dieses stolzen Grenzgaues ge­recht, indem ich als der Mund der vielen Ihnen zu- 'rufe:Mein Führer, seien Sie uns herz­lich w i l l k ömm en !"

Wenn unser junges Deutschland in den letzten Jahre» in steigendem Maß auf sportlerischem und turnerischem Gebiet Erfolge an seine Fahnen heften konnte, dann entscheidend aus Grund des gewaltigen Wandels, der durch den Machtantritt des Nationalsozialismus im Reich herbeigeführt wurde.

Mein Führer! Dieser Eefamtwandel ist und bleibt für alle Zeiten Ihr Werk! Ent­scheidender ist jedoch die Tatsache, daß unser ganzes Volk im großen deutschen Vaterland und darüber hin­aus alles' Deutschtum der Welt Ihnen in grenzenloser Liebe anhängt und in der nationalsozialistischen Idee die ideelle Kraft gefunden hat, das Ringen um die Be­hauptung des deutschen Volkstums erfolgreich zu gestal­ten. Hand in Hand mit der Partei, ihren Gliederun­gen und Formationen geht die Arbeit des Reichs­bundes für Leibesübungen, in der sich jene große deutsche Sportgemeinde repräsentiert, die berufen ist, eine körperliche Schulungs- und Bildungsaufgabe von völkisch höchstem Wert zu leisten. Der Reichsöund für Leibesübungen ist unsagbar stolz auf diese Stunde, da Sie, des Volkes Führer, durch Ihre Anwesenheit das Fest krönen und dieser Stolz wandelt sich bei den Hun­derttausenden zugleich in den Willen um, fiirderhin noch mehr zu leisten, weil eine Anerkennung der ge­leisteten Arbeit an diesem Tag weiterhin sichtbar geworden ist.

Mein Führer! Vor Jahresfrist weilten Sie in den Mauern dieser Stadt aus Anlaß des Deutschen Sänger­festes. Wir waren Zeugen jenes unerhörten Bekennt­nisses völkischer Zusammengehörigkeit, das nicht be­sohlen ist, sondern aus dem Volk und den Herzen der Menschen hervorbricht. Die Gemeinschaft allen Deutsch­tums dieser Erde ist nicht eine Sache des Wortes oder der Theorie, sie ist Ausdruck eines unverfälschGn Ge­fühls und Erkennens und der daraus resultierenden unermüdlichen Kraft, die alle Deutschen der Welt in die Lage versetzt, jede Gefahr zu überdauern.

Es ist schwer zu sagen, ob die Stunden von heute und die Tage dieser Woche jene. Tage und Stunden zu überbieten vermögen, die sich vor Jahresfrist in Breslau abspielten. Eines kann aber mtt Recht gesagt werden:

Die leidenschaftliche Liebe aller Deutschen zum ange­stammten Volk und zu dem Mann, der die Verkörperung des jungen deutschen Volkes ist, ist heute genau so ge­waltig wie damals und spricht heute wie in Zukunft die gleiche Sprache, die der Ausdruck unwandelbarer Treue und zugleich höchster Entschlossenheit ist. Das Deutschtum der Erde hat sich gesunden und präsentiert sich im Fest der Deutschen zum zweiten Male vor Ihnen.

(Fortsetzung auf nebenstehender Seite)

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(15. Fortsetzung)

10 .

Es dämmerte bereits, als Stolpinger noch einmal im' Keller erschien, angeblich, um ein neues Faß Bier anzu­stecken.

Er zeigte sich wieder von seiner liebenswürdigsten Seite, aber während er einige belanglose Worte sprach, schielte er aus den Augenwinkeln lauernd zu Becker hinüber, der seine ungeheure Erregung nur schlecht zu verbergen wußte.

Stolpinger hielt sich nicht lange auf. Er erklärte, daß er viel Arbeit habe; sonnabends sei immer ziem­licher Betrieb, weil im Saal getanzt würde . . .

Becker konnte denBetrieb'^ bald hören. Das Stim­mengewirr im Schankraum nahm allmählich an Laut­stärke zu; in das Eläserklappern mischten sich lautes Gelächter und fröhlich-streitende Stimmen, und kurze Zeit später begann eine Tanzkapelle einen flotten Marsch zu spielen.

Alle diese Umstände, die Becker nur zum Teil voraus­gesehen hatte, kamen ihm wie gerufen. Sie konnten das Gelingen seines Planes nur begünstigen. Dennoch ziigelter er seine brennende Ungeduld und er wartete länger als eine Stunde, ehe er sich ans Werk machte.

Er vergewisserte sich noch einmal, daß er die Streich­hölzer und den Kerzenstummel in der Tasche hatte; dann öffnete er mit einem seiner Dietriche die Keller­tür, was sich ohne Schwierigkeiten bewerkstelligen ließ.

Während er langsam die Kellertreppe Hinaufschlich, tastete er nach dem Revolver, den er Eberhard Stieffen abgenommen hatte. Die Waffe war zwar nicht geladen, aber Becker wußt« aus Erfahrung, daß im äußersten Notfall auch «in ungeladener Revolver als Einschüch­terungsmittel seine Dienste tut. wenn man zu bluffen versteht. . .

Wie ein dunkler Schatten flitzte er an der Tür vorbei, die zum Schankraum führt«, und eilig sprang er die Treppe hinauf.

Die Stufen knarrten ein wenig, aber Becker gab sich nicht einmal Mühe, das Geräusch seiner Schritte zu dämpfen, denn in dem allgemeinen Lärm, der im Hause herrschte, würde ihn kaum jemand hören.

Ungesehen gelangte er in das erste Stockwerk; von dort aus ging er leiser und vorsichtiger, weil er nicht wußte, ob sich hier oben jemand aushielt.

Als er die kurze schmale Treppe, die zum Bodenraum hinaufführte, emporgestiegen war, blieb er überrascht stehen, denn die Tür war nicht einmal verschlossen. Er öffnete sie einen schmalen Spalt und horchte mit ange­haltenem Atem in die Dunkelheit hinein., Aber nach einer Weile war er fest davon überzeugt, daß hier oben niemand weiter anwesend sein konnte.

Leise öffnete er die Tür vollends und mit langsam tastenden Schritten schob er sich in den Raum.

Wieder stand er eine Weile und horchte; und als alles ruhig blieb, nahm er ein Streichholz, zündete die Kerze an und sah sich schnell um.

Obwohl die kleine Flamme nur einen schwachen Licht­schein in den großen und unübersichtlichen Raum warf, erkannte Becker im Hintergrund sofort die aufgestapelten Kisten, die Erüneberg ihm als Wegweiser bezeichnet halle; und mit wildklopfendem Herzen schritt er darauf zu. /

Aber gleich darauf blieb er enttäuscht stehen. Irgendwo hatte Grüneberg hier die Aktentasche in die Sparren­verschalung gelegt, aber wo und an welcher Stelle? Links oder rechts? Oben oder unten?

Becker überlegte nicht lange. Er trat aufs Geratewohl an die schräge Dachwand heran, schob ein loses Brett beiseite und langte in die Oesfnung . . .'Nichts!

Er ging einige Schritte weiter und probierte sein Glück an einer anderen Stelle wiederum ohne Erfolg. Als er es zum drittenmal versuchte, stieß er mit dem Fuß versehentlich gegen eine Kiste; in oemselben Augen­blick sprang eine Ratte daraus hervor und huschte dicht an seinen Füßen vorbei in das schützende Dunkel.

Becker sprang erschreckt einen Schritt zurück, denn Im Grunde seines Herzens war er ein erbärmlicher Feig­ling, Zwar hätte er kaltblütig einen Menschen umge­bracht, aber der Anblick einer Ratte flößte iym solches Entsetzen ein, daß es ihm eiskalt den Rücken Hinabfuhr und seine Knie zu zittern begannen. ..

Eine Weile stand er unschlüssig. Aber seine skrupel- lose Geldgier, die allmählich alle anderen Gefühle ver­drängte, trieb ihn schließlich erneut zu schnellem Han­deln an.

Mit einem unterdrückten Fluch trat er an die Dach­wand, um seine Suche mit nervös zitternden Händen fortzusetzen.

Je mehr Zeit verging und je weniger Erfolg er hatte, desto nervöser wurde er. In seiner Gier, endlich an das Ziel seiner Wünsche zu kommen, brach er hier und dort einige Bretter los. und selbst das dadurch verur­sachte Geräusch schreckt« ihn nicht davon ab, sein Glück immer wieder zu versuchen.

Plötzlich hob er erschreckt den Kopf. Er glaubte ein Knarren der Treppenstufen gehört zu haben.

Eine Weile war alles still, nur vom Tanzsaal her drangen gedämpft die Klänge eines Walzers heraus; aber dann hörte er deutlich, daß jemand eilig die Bodentreppe herauskam.

Im Nu hatte Becker die Kerze ausgeblasen und sich hinter einem großen Schrank versteckt.

Wenige Sekunden später flammte das elektrische Licht auf. Becker schloß geblendet die Augen; aber er riß sie sofort wieder auf. und da sah er, daß Stolpinger es war.

Becker versuchte sich noch kleiner zu machen und duckte sich dicht hinter den Schrank; aber er trat dabei auf ein altes wurmstichiges Stückchen Holz, das unter seinem Fuß mit lautem Knacken zerbrach. In demselben Augen­blick hatte Stolpinger ihn auch entdeckt.

Ah, sieh da!" knurrte er böse, indem er langsam näherkam. 'Hab ich doch richtig geraten: weil ich'den Herrn Diogenes nicht in seiner Tonne traf, dachte ich mir, daß er dann wohl nur auf'm Boden sein könne! . . . Will sich vor der Abreise schnell noch 'n bißchen Reisegeld holen? . . . Also denn mal raus mit dem Mammon, mein Junge! Dreißigtausend möchte ich sehen, denn den Anteil für deinen Freund Grüneberg werde ich ebenfalls in Berwahrung nehmen da ist es sicherer als bei dir, du Schweinehund!"

Becker verfärbte sich; selbst seine Lippen erschienen völlig blutleer.

ich hab das <p°ld nicht!"

Red kein Blech. Becker! Mich kannst du nicht di machen! Ich weiß. daß du das Geld in der Tasche um auf und davon zu gehen! Ich geb dir den q

Rat, rück den Mammon freiwillig raus, sonst-

Er trat noch einen Schritt naher und starrte B mit blutunterlaufenen Lugen an. Sein Gesicht dunkelrot geworden und auf seiner Stirn trat Zornesader dick hervor. Er verbreitete einen inten! Alkoholgeruch, und Becker erinnerte sich plötzlich gewalttätig Stolpinger werden konnte, wenn'er et über den Durst getrunken hatte.

Stolpinger", sagte er heiser,du bist im Irr wenn du-" ^

Mt du jetzt das Geld freiwillig - oder nicht!" keuchte Stolpinger außer sich vor Wut

Niemals ist das Dasein ohne Kampf ein Zweck in sich, noch sind Mitleid oder Liebe um ihrer selbst willen da. Entfaltung ist das Leben, Wille aus der Tiefe zum Führer, der du selbst sein sollst oder der dein Urenkel wird. Und dieser Wille ist Auftrag zwischen Gott und Volk, Gott, von dem du sein Feuer empfingst, und Erde, deren Wesen du zum Fruchttragen - hast.

llaas kk-ioLricli Llunek.

packte Becker an der Brust und hob drohend die schwere Faust.Kriegen tu ich s ja Loch, du Hund!"

Mit einer äußersten Kraftanftrenaung riß Becker sich los. sprang einige Schritte zurück und zog seinen Revolver.

Stolpinger, wenn du noch einen Schritt vorwärts machst, schieß ich dich über'n Haufen!"

Stolpinger starrte ihn überrascht an. Dann ging er langsam rückwärts, um plötzlich mit einem jähen Satz hinter einem Schornstein zu verschwinden.

Haha!" lachte er grimmig.Also auf die Art woll'n wir die Sache abmachen ... Ist mir recht, denn 'n Schießeisen hab ich auch! Aber du ziehst den kürzeren verlaß dich drauf! Mir kann dabei nichts geschehen! Du hast dich ohne mein Wissen hier oben versteckt und mich mit der Masse bedroht! Wenn ich dich erledige und das werde ich tun ist's Notwehr hähii!"

Becker, der schnell in Deckung gegangen war, erkannte, daß er einen schweren Fehler gemacht hatte. Er durfte es nicht zum Acußcrstcn kommen lassen, weil er mit seiner ungeladenen Waffe völlig machtlos war; und Stolpinger war nicht der Mann. der leere Worte machte!

Becker, derartig in die Enge getrieben, wäblte das ttcinerc Uebel und beschloß, die Wahrheit zu bekennen. Gemeinsam mit Stolpinger mußte es ein leichtes sein, die Aktentasche zu finden.

Las Geld ist tatsächlich hier auf sein Voi>en! Aber wir wollen die Cache in Ruhe abmachen steck zuerst mal dein Schießeisen weg!"

Das könnte dir so passen, du Idiot! Dir trau ich nicht mehr über'n Weg! . . . Warum steckst du denn nicht dein Schießeisen weg?I"

Einen kurzen Augenblick überlegte Becker. Aber da ihick keine Wahl blieb, steckte er den Revolver in dir Tasche und kam mit erhobenen Händen aus seinem Versteck hervor. Mitten in dem hellerleuchteten Gang blieb er stehen.

(Fortsetzung folgt.)