Ausgabe 
(25.3.1938) Nr. 83
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parteiamtliche Tageszeitung

TlachrichtenbiaN der Deutschen slrbeitssront Vremen

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Nr. 85 / 8. Jahrgang

sreitag, 25. Mär; IS58

kinzelpreis 15 Npf.

chamberlmn lehnt Garantie für Prag ab

Sie berechtigten wünsche der Veutschen in der

Tschechoslowakei müssen sorgfältig geprüft werden

Verständnisvolle Unterhauserklärung / tngland gegen automatische Ver­pflichtungen / Keine kinmischung in Spanien / Unmittelbare Verhandlungen

svrsbtberickt unseres l.onäoner Vertreters)

London, 25. März.

Der britische Ministerpräsident Chamber- lain verlas Donnerstag nachmittag vor dem dichtbesetzten Unterhaus seine mit Spannung erwartete Erklärung zur Lage. Der britische Ministerpräsident lehnte eine Garantie für die Tschechoslowakei ab. Er milderte aller­dings diese Ablehnung für die Opposition und für Frankreich durch einige allgemeine Feststellungen.

So erklärte , er beispielsweise, daß «in europä­ischer Krieg wahrscheinlich nicht aus die unmittel­bar daran Beteiligten beschränkt bleiben könne, zudem stehe England nach wie vor zu seinen Bündnissen mit Frankreich und Belgien. Diese in­direkten Verpflichtungen, die sich aus dem Genfer Pakt für England ergeben, müsse England jedoch von Fall zn Fall einer Prüfung unterwerfen. Es könne nämlich keinem Lande zugemutet, wer­den, sich automatisch in einen Krieg verwickeln zu lassen, Wer dessen Enistehungsgründe es unter Umständen keine Kontrolle gehabt habe.

Lange habe die Mehrheit des englischen Volkes geglaubt, in der Eenser Liga ein Instrument ge­sunden zu haben, das den Frieden erzwingen könne. Chamberlains ursprünglicher Glaube an Gens als ein wirksames Instrument für die Er­haltung des Friedens sei tief erschüttert.

Chamberlain führt? dann den konkreten Fall der Tschechoslowakei an und erklärte dazu, daß auch hier England sich nicht in eine automatische Bindung begeben werde. Die Zeit sei nunmehr gekommen, so betonte der Redner weiter, dah die berechtigten und vernünftigen Wünsche der Deut­schen in der Tschechoslowakei sorgsältig geprüft werden müssen. England werde auch in diesem Falle zu friedlichen Vermittlungsdiensten bereit sein.

Die Ereignisse in Oesterreich, so behauptete der Redner, hätten das internationale Vertrauen erschüttert und «ine völlig neu« Lag« geschaf­fen. England betrachte «s jetzt als die wichtigste Aufgabe, das Vertrauen wiederherzu­stellen und friedlicheoLösungen für alle Konflikt« zn finden.

Zu einer Moskauer Einladung zu einer Kon­ferenz der sogenanntenMchtwngreiferstaalen" bemerkte Chamberlain, die britische Regierung würde eine freimütige Aussprache aller euro­päischen Nationen sehr willkommen heiße». Unter den gegenwärtigen Umständen könn« aber eine solche Konferenz aller europäischen Staaten nicht zustande gebracht werden. Daher könne der Vorschlag Litwinows die Lage nur verschlim­mern und die Risse in Europa vertiefen, wes­halb er von der britischen Regierung n icht an­genommen werde. England werde auch wei­terhin an dem Grundsatz festhalten, datz erst alle anderen Mittel erschöpft werden müssen, und d,er Appell an die Gewalt nur als allerletzter Ausweg zu betrachten sei. Man müsse weiter daran denken, datz es in einem künftigen Krieg keine Gewinner geben könne, und datz alle,

einschließlich auch der nicht direkt Beteiligten, mehr oder weniger stark leiden müßten.

Wenn friedliche Verhandlungen durch die Gen­fer Liga auch im Augenblick nicht möglich seien, so bliebe immer noch der Weg direkter diploma­tischer Verhandlungen zwischen den Ländern offen.

Die Lag« in Spanien sei immer noch sehr unglücklich, jedoch halte die britische Regierung nach wie vor an der Nichteinmischung fest. Italien hab« seine Versprechungen, während der Verhandlungen in Rom keine neuen Verstärkungen nach Spanien zu schicken, voll erfüllt. Rom habe darüber hinaus zum Ausdruck gebracht, datz es den britischen Plan in Spanien loyal unterstütze und keinerlei gebietsmäßige, politische oder wirtschaft­liche Interessen im Spanien oder auf den Balearen verfolge. Die Verhandlungen in Rom hätten beträchtliche Fortschritte gemacht, die die Erwartungen auf ein Abkommen ermutigten.

Chamberlain betonte dann die Notwendigkeit einer Verstärkung und Beschleunigung des briti­schen Aufrüstnngsprogramms. Er appellierte an das Parlament, einzusehen, dah die von ihm dar­gelegte Politik augenblicklich den besten Weg darstelle.

Die ruhige Rede Chamberlains machte auf das Haus sichtlichen Eindruck und fand bei der Mehrheit warmen Beifall. Anschließend nahm der Führet der Arbeiterpartei, Attlee, das Wort und begann, wie zu erwarten war, unter Zuhilfenahme feiner bekannten Phrasen in>schärf­ster Weise die Erklärungen Chamberlains zu zer­pflücken und abzulehnen.

sieule sprich» der sichrer in Königsberg

fldolk Hitler eröffnet den flbstimmungskampf in dstpreußen - kin kmp fang, wie ihn die 0rdensffadt noch nicht erlebte

Königsberg, 25. März.

Ein Sturm der Begeisterung ging durch Ost­preußen, als durch einen Ausruf des Gauleiters Koch bekannt wurde, datz der Führer am heutigen Freitag in der Hauptstadt der Nordostmark den Abstimmungskamp? eröffnen wird. In keinem deutschen Gau können die historischen Vorgänge in Deutschösterreich stärker mitempfunden werden als in Ostpreußen, das sich den Deutschen Oester­reichs durch die gemeinsame Ausgabe verbunden fühlt, Grenzmark des Deutschtums im Osten zu sein. ^ .

Am heutigen Freitag werden neben der ge­samten Bevölkerung Königsbergs Zehntausende aus ganz Ostpreußen den Führer begruben. 21 Sonderzüge aus allen Teilen der Pro­vinz werden nach Königsberg fahren. 2n ganz Ostpreußen wird die Rede des Führers im Se- meinschaftsempfang gehört werden.

Ostpreußens Gauleiter Koch hat den Empfin­dungen der gesamten ostpreutzischen Bevölkerung Ausdruck gegeben, indem er in seinem Aufrus

u. a. ausführt: Unser Gau ist stolz und glücklich darüber und wird Adolf Hitler einen Empfang bereiten, der den Feiern in Wien und Berlin in herzlicher Begeisterung nicht nach­stehen soll. Wir Ostpreußen haben mit beson­ders heißer Anteilnahme die nationalsozialistische Erhebung in Oesterreich und die befreiende Tat des Führers miterlebt. Wir empfinden es als ein bedeutsames und verpflichtendes Symbol, datz der Führer gerade bei uns seine Fahrt durch das größere Deutschland beginnt, so wie er einst am 4. März 1933 denTag der er­wachenden Nation", an dem dann das ganze Volk sich zur nationalsozialistischen Revolution be­kannte, in Königsberg den Wahlkampf abschloß.

Am Vorabend des Besuches des-Führers bietet Königsberg bereits ein festliches Bild. Freu­dige Erregung erfüllt die gesamte Bevölkerung. Tausende von fleißigen Händen sind seit Tagen am Werk gewesen, um d§m Führer des neuen großen Deutschen Reiches in diesen denkwürdigen Tagen einen Empfang zu bereiten, wie ihn die

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i.w.ik» Ueileiilikeie, kiir ö>» Xüncker ch-> ltritte» lieielies statt,

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Mauern der alten Ordensstadt noch nicht erlebten. Fahnenbänder und grüne Girlanden überspannen die mehrere Kilometer lange Straße, die der Führer bei seinem Einzug aus dem Wege zum Schloß und zur Schlageterhalle passieren wird. Ueber Nacht sind große Ehrentore erstanden, und bei Anbruch der Dunkelheit werden Leucht- ketten in festlichem Glanz erstrahlen.

Einen besonders feierlichen Anblick bietet de- mit leuchtenden Hoheitszeichen und Fahnen ge­schmückte Hos des altehrwürdigen Ordensschlosses, in dessen Thronsaal Gauleiter Erich Koch den Führer im Namen Ostpreußens begrüßen wird. Hier im Schloßhof wird zum ersten Male seit vielen Jahren und einmalig zu Ehren des Führers wieder die Schloßwache unter Gewehr treten, während acht Staffeln der Luftwaffe über der Stadt kreisen werden.

Bei seiner Ankunft in Königsberg wird der Führer von EhrenkompaniendesHeeres und der Luftwaffe mit sämtlichen Fahnen des Standortes Königsbergs empfangen werden. Auch an der Spalierbildung wird neben her it die Wehrmacht-beteiligt sein. Abends aber werden Scheinwerferbatterien der Flak über der Schla- geter-Halle, in der der Führer spricht, einen strahlenden Lichtdom errichten.

Litauische Negierung zurückgetreten

Kowno, 25. März.

Die litauische Regierung ist Donnerstag abend nach einer Sitzung beim Staatspräsidenten zurück­getreten. Mit der Bildung einer neuen nationa­len Regierung auf breiterer Basis ist der Oberste Armeegeistliche Pfarrer Mironas, der zum eng­sten Führerkreis des Tautininkai-Berbandes ge­hört, beauftragt worden. Man vermutet, daß zu der neuen Regierung auch Persönlichkeiten heran­gezogen werden, die nicht zu diesem Verbände ge­hören. Eine amtliche Mitteilung hierüber ist noch nicht veröffentlicht worden.

polnische Note an Paris

Warschau, 25. März.

Wie die polnische Telegrafenagentur meldet, hat der polnische Botschafter in Paris dem französi­schen Außenministerium eine Note überreicht, in der gegen die tendenziöse Stellungnahme einer er­heblichen Anzahl französischer Zeitungen während des polnisch-litauischen Konfliktes'Protest einge­legt wird.

Die Vüvnvr öribeiterAÜsto bosuvtiten 8vbloll 8nnssouei. (Lrssss-Hokkmonn.)

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Oesteeceiok AattLLsLsck

Hn Ikommslisusk iolsclisi' k^lslclungsn uncl k:nl5tsllungsn

(Von uvssrsw karissr Vertreter)

Paris, 25. März.

Wie hat Frankreich, das Nachbarland Deutsch­lands, auf die Entstehung des großdeutschen Reiches reagiert? Die Beantwortung dieser Frage ist nicht leicht. Auf den ersten Blick ein -wirres Durcheinander. Hetzpolemiken gröbsten Kalibers wechseln mit durchaus objektiven Dar­stellungen, die beweisen, daß die Berichterstatter sich bei aller Voreingenommenheit der Größe die­ser Tage und der.allgemeinen Welle der Begei­sterung, die über ganz Deutschland hinwegging, nicht entziehen konnten. Ereuelreportagen schlimmsten Stils stehen durchaus sachliche Schil­derungen des Ablaufs der Ereignisse gegenüber. Es muß aber leider festgestellt werden, daß die sachliche Beurteilung gegenüber der falschen bei weitem den Kürzeren gezogen hat. Die breite Masse des französischen Volkes das ist der > allgemeine Eindruck -hat den Anschluß Oester­reichs an Deutschland mit vorbildlicher Ruhe aufgenommen. Sie war überrascht gewiß aber 'sie hat°das Ereignis, von den Kreisen der äußersten Linken und denen der unbelehrbaren Chauvinisten abgesehen, als ein innerdeut­sches aufgefaßt.

Anders aber die Reaktion der Kreise, die die sogenannteöffentliche Meinung" machen: Presse, Politiker, Film usw. Man kann sich dem Ein­druck nicht entziehen, daß von dieser Seite aus systematisch^ daran gearbeitet wird, dem Volke ein neues, gänzlich entstelltes Bild der Sachlage zu geben, das die ursprüngliche, instink­tiv ruhige Auffassung wieder verwischen soll. Diese Elemente scheuen sich nicht, mit einer glat­ten Eeschichtsfälschung zu arbeiten, die Oesterreich sozusagen als eine völkische, kon­fessionelle und kulturelle Jrrodenta darstellt. Es wird von einerneuen Teilung Polens" ge­sprochen, von demEnde' einer Kultur", von der Zerstörung eines christlichen und katholischen, Bollwerks". Mit einem Worte: das Deutsch-* tum Oesterreichs wird Lest ritten.

Es wäre ebenso sinnlos wie nutzlos, sich mit der Greuelhetze der kommunistischen und marxi­stischen Presse zu befassen. Sie ist viel zu grob, als datz sie auf die große Masse des französischen Volkes von Wirkung sein,könnte. Viel gefähr­licher sind die Methoden, die mit sogenannten historischen Beweisen" arbeiten. Seit Tagen ver­öffentlichen fast sämtliche Pariser Blätter eine Karte Mitteleuropas, auf der die deutschen Sied­lungsgebiete entlang den Grenzen des Reiches eingezeichnet sind. Jedes Schulkind in Deutsch­land kennt diese Karte, die im Eeschichts- und Geographie-Unterricht die Verbreitung des deut­schen Bolkstums aufzeigen soll. Was machen aber die französischen Zeitungen daraus:Die Er­

oberungsziele der imperalistischen Politik Deutschlands" . .

Wir haben in den letzten Tagen-ein halbes Dutzend Lichtspieltheater aufgesucht, um zu sehen, wie in den französischen Wochenschauen der Anschluß Oesterreichs an das Reich behandelt wurde. Bevor der Einzug des Führers in Wien gezeigt wurde übrigens durchaus objektiv und seinen tiefen Eindruck auf das Publikum nicht verhehlend erschien auf der Leinwand die Karte Europas mit einer riesigen Ueberschrift: Die pa nger ma n ist i > che Ge sa h r!" Man wollte seinen'Ohren nicht, trauen, als -der Spre­cher dann erklärte, Deutschland fordere den An- > schlug der Schweif, Elsaß-Lothringens, der Nie­

derlande und Deutsch-Böhmens an das Reich. Regelmäßig ging nach dieser Erklärung eine Welle der Bewegung durch den Saal. Eine neue Aufschrift:Der pangermanistische Block: Deutsch­land, Oesterreich, Ungarn, Bulgarien,' Italien: 129 Millionen". Wieder unterdrückte Ausrufe des Schreckens unter den Zuschauern. Aber dann in riesigen Lettern:Der antigermamsche Block: Großbritannien, Frankreich, Belgien, die Nieder­lande, die Schweiz, die Tschechoslowakei, Polen, Sowjetrußland, Rumänien, Griechenland, die Türkei 385 Millionen!" Stürmisches, langan­haltendes Klatschen von feiten des Publikums.

Diese Methode ist trotz ihres Irrsinns. ebenso gefährlich wie systematisch, Sie kann auf die Dauer ihren Eindruck nicht verfehlen. Dem Volks wird das Gefühl aufgezwungen, daß Deutsch­land ganz Europa bedrohe, daß unter demdeutschen Stiefel" ein Stichwort, das sämtliche Blätter aufgegriffen haben die euro­päische Kultur zertrampelt werde. Was nutzen dagegen die wenigen vernünftigen Stim­men, die hier und da in der Presse zu Worte kommen. Sie müßen in dem Wust von Lügen, Entstellungen und Verleumdungen untergehen. Ein typisches Beispiel konnte man in einem kleinen Kino an einem der großen Boulevards erleben. Eine Straßenszene aus Wien wurde ge­zeigt: Polizeibeamte mit Stahlhelm und Kara­biner jagen demonstrierende Menschenmengen aus­einander. Vor einer Stunde hatten wir dieselbe Szene in einem anderen Lichtspieltheater gesehen Der Sprecher hatte erklärt, es handele sich um die nationalsozialistische Straßendemonstrationen

.

Unser lagesspiegel

Die nationalspanischen Truppen haben sieg­reich den Ebro überschritten.

Im Unterhaus lehnte Chamberlain eine Garantieerklärung für die Tschechoslowakei ab.

Heute abend spricht der Führer in Königs­berg.

Hermann Gering ist zu einem mehrtägigen Besuch nach Wien abgereist.

Nach einem*Vorbeimarsch an dem Führer hat die Wiener Infanterie Berlin wieder ver­lassen.

Mit 199» österreichischen Arbeitskameraden lref derWilhelm Eustloss" zur ersten Ur­lauberfahrt aus.

Der Reichssportführer hat für den 19. April Sportruhe angeordnet.

Der Reichsinnenminister genehmigte sür 1838 eine Reichssportlotterie.

Deutschlands Sport führt in Oesterreich eine große Werbeaktion durch.

Der Reichsarbeitsdienst Gau XVII setzt Findorfss Werk fort. ^

Als Eeburtskagsspendc für den Führer sendet Bremens NS.-Frauenschaft ihrem Patengau sach,en kistenweise SpendenNeues aus Altem".

Am Sonntag spricht Eaiischulungsleiter Pg. Buscher zu den Bremer Frauen.

Die Deschimag hat eine Unterstiitznngskasse gegründet.

89 Dollarmillionen erschwindelte in USA. eine jüdische Betriigerclique.