Ausgabe 
(24.2.1938) Nr. 54
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Amtsblatt des Lenats der freien Hansestadt Vremen

Nr. 54 / S. Zalirgang

Das amtliche Verkündungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Bremen

Anzcigen-Grundpreise: Die L2-wm.Aeile Im Anzeigenteil 12 A/, die 70-mm-AeiIe im Textteil 78 Rps. Ermäßigte Grundpreise liür kleine Familien-Ä »zeigen u. a.> sowie sonstige Bedingungen Preis­liste 6 (Nachlaßstassel 6l. Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschluß 16 Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-18 Uhr: Schristleitung Dienstag und Freitag 12>/>I3>/, Uhr.

Vonnerstag, 24. sebruar 1S5S

klnzelprels 15 Npf.

die rote flrmee flrm der Komintern!

Aufschlußreiche Proklamation in Moskau

für gemeinsames Vorgehen;ur Verteidigung lliinas und Spaniens"! / Antreiber der Weltreoolution / fteraus- sorderndes Sabelrasseln des Kriegsministers Woroschiiow Sowjetrußiand bereitet stch aus den chemischen Krieg vor !

Moskau, 24. Februar

Unter den Glückwunschadressen zum 20. Jubiläum der roten Armee befindet sich auch eineProklamation" des Vollzugsausschusses der Moskauer Komintern, die um so bemerkenswerter ist, als darin einem gemeinsamen Vorgehen der Komintern und der roten Armee zurVerteidigung Chinas und Spaniens" das Wort geredet wird.

^ Wörtlich heißt es in dem die üblichen Ausdrücke enthaltenden Glückwunsch:Die Liebe und Unter­stützung" nicht nur seitens der bolschewistischen Partei der Sowjetunion, sondern auch seitens des internationalen Kommunismus bedeutet für die rote Armee eineunerschöpfliche Kraftquelle". Deshalb ist es um so notwendiger, die brüder­lichen Bande zwischen demProletariat der kapi­talistischen Länder" und der bolschewistischen Sowjetunion zu verstärken sowie möglichst rasch gemeinsame Maßnahmen der inter­nationalen revolutionären Bewegungen zurVer­teidigung Chinas und Spaniens" zu treffen. Der Internationalismus" der roten Armee ist das Unterpfand des Sieges" der revolutionären Be- wegungön im Auslande.

Das Jubiläum der Gründung der röten Armee selbst wurde Mittwoch mit geräuschvollen Demonstrationen der militärischen Macht der Sowjetunion begangen.

Im Beisein Stalins und der übrigen Sorvjet- gewaltigen, unter denen natürlich auch der Leiter der Komintern, Dimitroff, nicht fehlte, fand Dienstag eine Veranstaltung im Moskauer Opernhaus statt. Der Kriegskommissar Mo­ros ch i l o w ergriff dabei das Wort zu einer län­geren Rede, worin er wiederum das Thema der Errungenschaften" der roten Armee nicht ohne stellenweise laut mit dem Säbel zu rasseln in allen Variationen behandelte. Bezeichnenderweise stellte er, der neuesten Schwenkung der bolsche­wistischen Taktik sich anschließend, zwei hauptsäch­liche Merkmale des roten Heeres heraus: Die enge Verbindung zwischen roter Armee und bolschewisti­scher Partei einerseits, sowie dielebendige Nach­wirkung der Traditionen des Bürgerkrieges ' im Aufbau der roten Armee andererseits. Die Kriegs- räts, Militärkommissare und politischen Gremien bei den Heeresformationen bezeichnete Woroschr- low direkt alsOrgane der kommunrstl- sche n P a r t e i". Sie seiender wuitderbare Ze­ment, der den Bestand der roten Armee in ein einziges festgefügtes, der bolschewistischen Parier

grenzenlos ergebenes Kampfkollektiv zusammen­schweißt."

Von besonderem Interesse find die Ausführun­gen Woroschilows über dieSäuberung" in der roten Armee. Der hysterische Ton, mit dem Wo-

roschilow von den erschossenen Generalen als von Banditen, Spionen, feigen Hochverrätern" usw.

sprach, sowie die Drohungen, die er an alle die­jenigen Heeresangehörigen richtete,deren laster­hafte Seelen zum Landesverrat fähig sein könn­ten", lassen gewiß den Rückschluß zu, daß jene furchtbaren Wunden innerhalb der roten Armee noch'langenicht vernarbt sind. Unter den Spionen: und Landesverrätern, die alle mit der Vertilgung vom Erdboden" bestraft worden seien, erwähnte Woroschiiow außer Tuchatschewski auch noch Gamarnik, Eidemann und andere, erst­mals auch frühere Chefs der gesamten roten See- stroitkräfte und Großadmiral Orlow, sowie dessen Stellvertreter, Vizeadmiral Ludri, und den'friihe-

ren Chef der roten Ostseeflotte, Vizeadmiral Stw- kow. Während bisher lediglich dasVerschwin­den" dieser Persönlichkeiten festgestellt werden konnte, ist also nunmehr aus dem Munde Woro- schilows die Bestätigung dafür erfolgt, daß auch die ehemaligen Leiter der sowjetischen Kriegs­marine dasselbe blutige Ende gefunden haben wie Tuchatschewski .und die übrigen erschossenen Ge­nerale.

Der Schluß der Rede enthielt die üblichen ge­räuschvollen Erklärungen, daß die rote Armee

jedem Feinde gewachsen sei. Die Sowjet- regierung und die bolschewistische Partei täten alles, um ihre Streitkräftezu den mächtigsten, motorisiertesten" zu machen.

Als besonders ausfallend ist zu vermerken, daß der Sowjetmarschall und bisherige erste Stellver­treter Woroschilows, Jegerow, an der Veranstal­tung in der Moskauer Oper nicht teilgenommen hat. Auch in den Blättern wird sein Name nicht erwähnt, während die Marschälle Blücher und Vudjony sogar mehrfach abgebildet sind. Wenn es vielleicht auch verfrüht wäre, dasVerschwinden" Jegerows als sicher anzunehmen, so muß immer­hin seine völlige llebergehung bei diesem Jubi­läum der Armee als sehr bedeutsames Symptom betrachtet werden.

Uober den chemischen Krieg führte Woroschiiow aus: Die Sowjetunion habe wohl im Jähre 1928 das Genfer Protokoll unterschrieben, das die An­wendung der chemischen und bakteriologischen Waffen im Kriegsfalle verbiete. Die Sowjet­union werde diese Verpflichtung von sich aus auch einhalten, jedoch hätten leider andere Staa­ten darübergefährliche Ansichten".

Deshalb sei in der roten Armee das Pro­gramm der Ausbildung der chemischen Truppen­teile in dem Sinne erweitert worden, daß diese nicht allein in der Abwehr eines chemischen An­griffes geschult würden.Wir haben", so sagte Woroschiiow wörtlich,das Programm der Aus­bildung der chemischen Truppenteile durch Sek­toren ergänzt, die über den Rahmen der Abwehr­ausbildung gegen einen chemischen Angriss hin­ausgehen. Wenn ein aggressiver Feind die Sow- jettruppon mit chemischen Mitteln angreifen wird, so werden als Antwort daraus dieselben fürchter­lichen chemischen Kampfmittel den Gegner treffen."

*

Die MMonenzahl der vom Bolschewis­mus vernichteten Menschenleben kann heute nur noch annähernd geschätzt werden, da die Statistik diese Orgien des Massenmordens einfach nicht mehr zu fassen vermag. Da­gegen ist es einigermaßen möglich, das Schicksal der amtlichen Auslandsvertreter der Sowjetdiplomatie, die den Henkern der GPU. zum Opfer fielen, festzustellen. Wir haben kürzlich eine Liste des bisherigen Per­sonals der Pariser Sowjetvertretung ver­öffentlicht, aus der hervorgeht, daß von den einstmals in Frankreich tätigen Sowjetdiplo­maten 35 beseitigt worden sind.

(Fortsetzung auf Seite 2 )

24. HeAttlac /92L)

Zur heutigen Feier des Gründungstages der NSDAP.

fluch Marschall legerow umgelegt

Me Liste der ermordeten Sowjet-strineelüstrer noch nicht abgeschlossen

Moskau, 24. Februar

Die auffallende Tatsache, daß der Sowjetmar­schall Jegerow, bisher erster Stellvertretzsr des roten Kriegskommissars, bei den Jubiläumsfeier­lichkeiten der roten Armee vermißt wurde, hat zu Rückschlüssen auf das Schicksal des Marschälls Anlaß gegeben. DiePrawda" bringt jetzt einen Artikel aus der Feder des bisherigen Ober­befehlshabers des Kiewer Militärbezirks, des Armeekommandanten Fedkos, wobei der Verfasser überraschenderweise als Stellvertreter des Kriegskommissars bezeichnet wird. Ueber me Ernennung Fedkos war bis jetzt keinerlei amt­liche Verlautbarung erfolgt. Es dürfte demzu­

folge keinem Zweifel mehr unterliegen, daß Marsch - - -- .... -

karschall Jegerowverschwunden" und Armee- kommandant Fedko als stellvertretender Kriegs­kommissar an dessen Stelle getreten ist.

Jegerow, der im alten russischen Heer bereits den Rang eines Obersten bekleidete, hatte sich seit 1918 den Bolschewisten zur Verfügung gestellt. Erst 1930 trat er auch in die bolsche­wistische Partei ein.

Zweifellos verbanden ihn persönliche Freund­schaft und gleichgerichtete militärische Ansichten mit dem erschossenen Tuchatschexiski. Uebri- gens unterschied sich Jegerow dadurch wesentlich von Tuchatschewski, daß 'er sich niemals um aktive Politik bekümmert hat. Sein Stürz erfolgte un­erwartet: vielleicht darf man die sehr aktiven Bestrebungen des neuernannten Ärmee-Ober- kommissars und stellvertretenden Kriegskommis­sars Mechlis, die auf die völlige Durchdringung der Armee mit bolschewistischem Parteigeist hin­auslaufen. als treibende Kraft vermuten.

Jegerow ist nunmehr der fünfte stellvertretende Kriegskommissar und der zweite Sowjetmarschall unter den im Laufe weniger Monate Hingerich­teten oder verschollenen Armeesührern. Die durch die jüngsten Erklärungen Woroschilows ergänzte Liste derliquidierten" Armeeführung sieht dem­nach folgendermaßen aus:

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Tuchatschewski (Marschall und erster Stellver­treter des Kriegskommissars) erschossen,

Gamarnik (Armeekommissar ersten Ranges und Chef der politischen Verwaltung der roten Armee) erschossen,

Orlow (dritter Stellvertreter des Kriegs- kommissars, Großadmiral und Chef der See- streitkriistej erschossen.

Alksnis (vierter Stellvertreter des Kriegs- kommissars, Armeekommandant ersten Ranges und Chef der Luftstreitkräfte) verschollen, Jegerow (nach Tuchatschewski erster Stellver­treter des Kriegskommissars und Chef des Landheeres) verschollen.

-Mine krieg"

Senator Borah zur Kolonialsrage

Newyork, 24. Februar

Senator Borah äußerte zur Rede des Führers, er glaube, daß Deutschland seine Kolonien ohne Krieg zurückerhalten werde, England habe kei­ne n r e ch t m ä ß i g e n Anspruch auf sie. Es habe sie lediglich durch Gewalt an sich ge­rissen. Bereits vor 18 Jahren habe. er, Borah, im Senat erklärt, und er glaube auch heute noch daran, daß England eines Tages Kolonien werde zurückgeben müssen.

K. K4U. Die NSDAP. und mit ihr die Nation blicken zurück auf das verratene und zerrissene Deutschland des Jahres 1920.

. . so gingen wir in die Versammlung am 24. Februar 1920 im Hofbräuhaus mit ner­vöser Erregung, zweifelnd die einen, hoffend die anderen, alle aber unsicher und ungewiß. Was uns am meisten drückte, war nicht der Gedanke über ihren Verlauf, denn da waren wir entschlossen, wenn notwendig, uns rück­sichtslos zu schlagen. Was uns quälte, war nur der eine Zweifel, ob die Massen, die wir riefen, auch wirklich kommen würden." Diese schicksalsschweren Worte schrieb der Führer vor 16 Jahren in einem Leitartikel desVB.", Rückschau haltend auf die am 24. Februar 1920 erfolgte wuchtige Ver- kündung des Programms der NSDAP. in der ersten Hofbräuhaus-Kund- gebung der Partei, der ersten großen Ver­sammlung der jungen Bewegung überhaupt. Jeder dieser historischen Sätze atmet den Geist des heroischen Entschlusses Adolf Hit­lers, dem das deutsche Volk heute den schwe­ren, steilen, aber doch so folgerichtigen Ausstieg aus demSumpf der Dummheit, Feigheit und des Verbrechens" zur Wiedergewin­nung seiner Ehre, zur Erkämpfung natio­naler Freiheit und zur Gestaltung aus sich selbst ruhender Macht verdankt.

Das zielsichere Hervortreten der national­sozialistischen Bewegung an das Licht der Öffentlichkeit, die erste Rede des Führers vor einem großen Zuhörerkreis, vor allem die Proklamation und Erläuterung der 25 Thesen durch Adolf Hitler sind eingegangen in die deutsche Geschichte als Akt der Grün­dung der NSDAP. Gerade dieser helle und klare Alärmruf zum Kampf um die Macht im Staate war bereits kennzeichnend für das großangelegte propa­gandistische Wollen der zunächst noch kleinen Gemeinschaft kühner Streiter für Führer und Volk. Wir wissen auf Grund wichtiger Dokumente und Aufzeichnungen beteiligter Persönlichkeiten, daß der ersten Münchener Versammlung eine außerordentlich intensive Werbung vorangegangen war, die wir heute um so nachdrücklicher würdigen müssen, weil sie von verhältnismäßig wenigen Män­nern bestritten werden mußte. Alle verfüg­baren Kräfte waren zum 24. Februar 1920 auf das große Ereignis, auf den für Be­wegung und Reich so bedeutsamen politi­schen Vorstoß im Hofbräuhaus ausgerichtet, und die Entscheidung, um die es ging, setzte mit unerbittlichem Ernst, sollte sie greifbare Wirklichkeit werden, den Zustrom der Massen zur Versammlung voraus da­her dienervöse Erregung" der treuen Ka­meraden des Führers.

Ob die Massen kamen? Nun, 2000 Men­schen füllten den Raum, als Adolf Hitler

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un,t lason. roebts:

Die Verbrüderung von roter Armee und Komintern wird in Moskau in zynischer Offenheit betont. ^

Woroschilow hielt anläßlich der Wiederkehr des Erundungstages der roten Armee eine kriegshetzerische Rede.

Der GPU. ist jetzt auch der Sowjetmarschall ^egerow zum Opfer gefallen.

Eeneralfeldmarschall Eöring ist in Warschau eingetroffen.

Anläßlich -des Todestages Horst Wessels wurde in Berlin eine Erinnerungstafel enthüllt.

Eine Verfügung v. Schirachs regelt die Aus­bildung des Führcrkorps der HJ.

Auf der Eifcnbahnstrecke Gern-Weimar wurde ein Raubmord an einem Zugführer verübt.

Die Polizeiskimeisterschafte» wurden am Obcrjoch durch General Daluege eröffnet.

Die Olympischen Winterspiele 194» werden voraussichtlich ausfallen.

Die Commerz- und Privatbank entfaltete 1937 eine stärkere Aktivität im Bankgeschäft. Ttaatsrat Eßberger trat für eine Förderung der Seeschissah-t durch die Verlader ein.

Im Hafen II ereignete sich ein tödlicher Unglücksfall.

Für die Durchführung der großen Volks­zählung am 17. Mai werde» auch in Bremen umfangreiche Vorbereitn«-.».« getroffen.