Ausgabe 
(2.2.1938) Nr. 32
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parteiamtliche LagesIeitung

Nachrichtenblatt der Deutschen flrbeitsstont Bremen

der DatiomchsZiaüsten Bremens

Amtsblatt des Senats der Zreien Hansestadt Bremen

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Nr. rr / S. Iatirgang

Mittwoch, 2 . sebruar 1 SZS

kinzelpreis 15 Npf.

Sie 6PU. narrt die pariser Polizei

Neuer Skandal in der Hauptstadt Frankreichs:

Sowjetbotschaft oerhilst Mörderin zur flucht

VON I^Suroillil Jakrs alK

Ser schnellere Kraftwagen der bolschewistischen kandelsdelegation / Selzeim- nisse der Nue de Srenelle / Wie der sowsetrusftsche „Diplomat" Stalins bluttriefende Agenten schützt / kntrüstungssturm in der französischen presse

Paris, 2. Februar.

Die Moskauer Verbrecherorganisation GPU. scheint sich Frankreich zum Tummelplatz ihrer gefährlichen Umtriebe auserwählt zu haben. Nach­dem erst vor wenigen Monaten das Verschwinden des Generals SkobliN und das Verbrechen an General Miller ungeheures Aufsehen erregt haben, hat jetzt ein neuer Fall in ganz Frankreich Empörung ausgelöst. Es handelt sich um die Entführung der an einem politischen Mord beteiligten Frau Lydia Grosowski durch die GPU. mit Unterstützung der Pariser Sowjetbotschaft.

Dem Fall sind die folgenden Ereignisse voraus­gegangen: 2n der Nacht zum 6. September 1337 wurde in der Nähe von Lausanne die Leiche eines Mannes gefunden, den die Schweizer Polizei in Zusammenarbeit mit der französischen Geheim­polizei als den ehemaligen KPU.-Chef und un­garischen Kommunisten Armin Seiden, auch 2g- eih genannt, identifizierte. Reih war unter

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Beta Khun stellvertretender Befehlshaber der Roten Armee in Ungarn. Nach dem Sturz der Räteregierung flüchtete er nach Lausanne, von wo aus er'seit 1926 die Tätigkeit der GPU. in West- europa leitete. Durch den Sinowjew-Prozeh der die Moskauer Vluturteile -einleitete, geriet Reih in Gegensatz zu den Stalin-Anhängern. 2hm von

Moskau aus verliehene Orden schickte er zurück und wurde von diesem Tage an als Gegner des Sowjetsystems von der GPU. verfolgt, deren Be­auftragte ihn in der Nacht zum 6. September 1837 ermordeten. Unter den Mördern befand sich ein gewisser Grosowski, dessen Frau sich an dem Ver­brechen dadurch beteiligte, dah sie,Reih in eine Falle Ivckte. Als die Schweizer Geheimpolizei die Mörder aufspürte, gelang es Grosowski, mit sei­nen beiden Komplicen nach Sowjetrußland zu fliehen,, Frau Grosowski aber wurde in Paris verhaftet..

Der Pariser Untersuchungsrichter lieh sie jedoch merkwürdigerweise gegen eine Kaution von 5V 666

Franc frei, allerdings wurde sie unter Polizei­aufsicht gestellt. Die mit der Aufsicht beauftragten Beamten der französischen Geheimpolizei hatten, wie berichtet wird, ein kleines Auto zur Versii- gung, während Frau Grosowski einen stärkeren, der Pariser Handelsdelegation der Sowjets ge­hörenden Wagen benutzen konnte.

Am 23. 2anuar begab sich Frau Grosowski in die Pariser Sowjetbotschaft in der Rue de Gre- nelle: seitdem ist sie spurlos verschwunden. Die französische Polizei ist von der GPU., die — wie die bisherigen Anhaltspunkte zeigen — der Mör­derin zur Flucht nach Sowjetruhland. verhelfen hat, regelrecht an der Nase herumgeführt worden. Der Fall ist von einem Teil der' Pariser Presse aufgegriffen worden, um gegen die fortgesetzte Einmischung der GPU. und der Sowjetbotschaft in französisch« Angelegenheiten Sturm zu laufen und die „Aushebung" des mit vielen Geheimnissen umgebenen Schlupfwinkels in der Rue de Ere- nelle zu fordern, erinnert man sich doch. dah die Sowjetbotschaft auch im Falle Miller-Skoblin eine dunkle Rolle gespielt hat. Die „Action Francaise" fragt: „Hat etwa der sowjetrussrsche Botschafter persönlich bei der Flucht seiner Agentin mit­gewirkt?"

wieder ein britischer llampfer versenkt

Veamler des Mchtemmischungsausschusses unter den Zodesopfern

(Orsbtdsricbt unseres lloncionsr Vertreters)

London, 2. Februar

Wie die britische Admiralität mitteilt, ist der britische 866-Tonnen-Dampser „Endqmion" 18 Seemeilen südlich von Gap Tinoso von einem Unterseeboot, vermutlich sowjetspanischer Zuge­hörigkeit, torpediert worden. 11 Mitglieder der Besatzung sind ums Leben gekommen. Unter den Todesopfern befand sich auch ein schwedischer Kontrollbeamter des Nichteinmischnngsausschusses.

Die Versenkung der „Endymion" wird, wie Reuter behauptet, von der englischen Regierung als äuherst schwerwiegender Zwi- schenfall betrachtet. Marineminister Dusf Eooper kündigte im Unterhaus an, dah eine so­fortige Verstärkung der Flottenpa- trouille im Mittelmeer die Folge sein werde. Vier britische Zerstörer nahmen sofort die Suche nach dem U-Boot auf, allerdings bisher er­folglos. Die englische Presse, die diesen Vorfall in ziemlicher Aufregung erörtert, stützt sich in ihren Erklärungen zum Teil kritiklos auf die aus

rotspanischen Blättern stammenden Behauptun­gen. Ohne auch nur den geringsten Beweis er­bringen zu können, werden dabei sogar Beschul­digungen gegen die nationalspanische Regierung, teilweise auch gegen 2talien erhoben.

die neue spanische Neuerung

Folgerungen aus der ständigen Besserung der Lage der Nationalisten

(Oraiitdsriclit unseres Lsrlinsr Zckriktleitnng) rö. Berlin, 2. Februar.

Durch die Berufung einer regulären Regierung in Burgos an Stelle des „Technischen Staats- ausschusses" hat General Franco, wie die „Bre­mer Zeitung schon gestern meldete, einen neuen Abschnitt seiner Politik des Aufbaues eingeleitet. Während an den Fronten die Kanonen donnern, zieht Franco die Folgerungen aus der stän­digen Besserung seiner Lage. Er bereitet den Aufbau des neuen Spanien durch die Organisa­tion einer alle Aufgaben erfüllenden Verwaltung vor. Es ist zwar noch ein Kriegskabinstt, das er leitet, mit Ressorts, die ein im Frieden lebendes Volk nicht braucht; seine Grundlage aber

Von der Orea-Iandkaiirt äos Staatlieben SedausMldauses. vis blitglisäsr des gtsatlicchsn 8ebau spiollmiisss xsstisrtsv, reis dsriobtst, in Lsntken und llsttovit?, vo sie mit der tlukkübrung von b,c.-Nngs „Vmilia/Oslotti" slnsn grollen Lrkolg erhielten. Im Rskmsn eines üsstadsnds ru biliren dsr deutschen Lünstlsr überreichte der Oberbürgermeister von Ssntbsn den Scbau Spielern — liier, Ltsatsrat Ortindgsus und selber. brau blarisnns 8opp« --- Lrinnsrnngsgobsv aus odorsoklssisobsy Ltsinlcostts. Mesgsg-BoSmann)

ist die spanische Volksgemeinschaft, die in diesen Zeiten der Not alle Gegensätze zurückstellen muh. Ein Ministerium der öffentlichen Ordnung saht alle Aufgaben zusammen, die die Sicherheit des Landes erfordern, während es dem 2nnenministerium vorbehalten ist, die zerstörten Gebiete wiederaufzubauen. Die wichtige soziale Bodenreform soll oom Landwirt­schaftsministerium in Angriff genommen werden.

So entsteht hinter der Front schon heute der Staat, der künftig die Existenz des ganzen spa­nischen Volkes sichern wird. Die Arbeit der Re­gierung Franco ist auch getragen vom wachsen­den Vertrauen des Auslandes. 11 Re­gierungen haben die nationale Regierung bisher ds iurs anerkannt: Deutschland, 2talien, Guate­mala, Sän Salvador, Nicaragua, Albanien, der Vatikan, 2apan, Mandschukuo, Oesterreich und Ungarn; zu ihnen tritt eine Anerkennung ds kacto durch Portugal. Neun Regierungen unter­halten ohne ausgesprochene Anerkennung Be­ziehungen zu Franco: Großbritannien, Polen,

die Schweiz, Holland, 2ugoslawien, Uruguay, Finnland, Griechenland und Rumänien, und zwar m der Regel durch Handelsagenten. Es bedarf keiner Frage, daß sich diese Reihe noch in diesem 2ahr erweitern wird.

Keine getarnten Juvenfirmen

svrsbtbsricbt unseres Lukarsstsr Vertreters) Bukarest, 2. Februar.

Das rumänische Arbeitsministerium hat ver­fügt, dah innerhalb eines Monats sämtliche Han­delsunternehmungen die Namen ihres Besitzers bekanntzugeben Haben. Auf diese Weife soll mit den getarnten Iudenfirmen aufgeräumt werden. Die rumänischen Krankenkassen haben alle jüdi­schen Aerzte, Zahnärzte und Apotheker entlassen. Die Generalversammlung der rumänischen Archi­tekten beschloß die Suspendierung sämt­licher jüdischer Mitglieder. Allein in Bukarest wurden 1140 jüdische Rechtsawwälte von der Anwaltsliste gestrichen. Die Regierung hat ihrerseits energische Maßnahmen unternommen, um den wilden Devisenhandel auf der Vukarester Börse zu unterbinden. Dadurch wird den jüdischen Volutenschiebern weitgehend das Handwerk gelegt.

Italienischer Vampser gesunken

London, 2. Februar

Der schwere Südweststurm über England er reichte an den Küsten auch am Montagabend noch eine Stundengeschwindigksit von rund 166 Kilo- meter. Infolge der stürmischen See wurde in der St.-Jves-Bucht der italienische Dampfer „Alba" auf einen Felsen geworfen. Ein Rettungsboot aus St. Jves konnte 26 Mann der Besatzung des gestrandeten Dampfers aufnehmen, kenterte dann aber infolge des hohen Wellenganges. Dabei ertranken vier Mann. Die übrigen Insassen des Rettungsbootes konnten schwimmend das Ufer erreichen. Drei Mann der Besatzung des italieni­sche Dampfers: «erde» «och vermißt.

Berlin, 2. Februar.

Reichsminister des Auswärtigen Freiherr Konstantin v. Neurath feiert am heutigen Mittwoch seinen 65. Ge­burtstag. Er wurde in Klein­glatt b a ch (Württemberg) als Sohn des Oberst-Kammerherrn Konstantin von Neurath geboren. Nach Abschluß des rechtswissenschaftlichen Studiums in Tübingen und Berlin trat er als Assessor ins Auswärtige Amt ein. Von 1903 vis 1908 wirkte er als Vizekon- sul in London. Kurz vor dem Aus­bruch des Weltkrieges wurde Kon­stantin von Neurath als Botschaftsrat nach Konstantinopel versetzt, um bald daraus als Kompaniesührer ins Feld zu rücken. Auf Anforderung des Aus­wärtigen Amtes 1915 in die Heimat zurückgerufen, kehrte er nach kurzer Zeit wieder aus seinen Posten in Kon- stcmtinopel zurück. Zwei Jahre später berief der König von Württemberg den Freiherrn von Neurath zu seinem Kabinettschef, einen Posten, den er bis zum November 1918 innehatte. Als Nachfolger des Grafen Brock- dorff-Rantzau auf dem Kopenhagener Gesandtenposten kehrte Freiherr von Neurath 1919 wieder in den diploma­tischen Dienst zurück. Zwei Jahre später wurde er Botschafter des Deut­schen Reiches in Rom. Am 1. Oktober 1930 erfolgte die Berufung auf den Londoner Botschafterposten. AIs von Papen im Jahre 1932 die Regierung bildete, wurde der vielfach bewährte

(Vresss-Hoklmann - v. Oudsnbsrg)

und erfolgreiche Diplomat zum Reichs­minister des Auswärtigen ernannt.

Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 sein neues Kabinett bildete, da gehörte Freiherr von Neurath zu den­jenigen Männern^ die als besonders bewährte Persönlichkeiten und ihrer hohen fachlichen Eignung wegen aus dem alten Kabinett übernommen wur­den. Freiherr von Neurath gehört dem neuen Kabinett somit seit fünf Jahren an. Deutschland ist in dieser Zeit unter seinem Führer wieder eine starke und selbständige Großmacht geworden, die überall in der Welt Ansehen genießt. Wer sich dessen er­innert, daß Deutschland vor 1933 nicht einen > einzigen Freund in der Welt besaß, wird sich über die Bedeutung der vielen neu-geknüpften politischen Bande klar sein.

In dieser Zeit schärfsten außenpoli­tischen Ringens um Entscheidungen von weittragender Bedeutung hat Freiherr von Neurath das verant­wortungsvolle Amt eines deutschen Außenministers versehen. Klug ab­wägend im Denken und Handeln und rein in der Gesinnung, hat Freiherr von Neurath in seiner 40jährigen Dienstzeit seinem Vaterlande unschätz­bare Dienste geleistet. Der Führer und Reichskanzler hat seinen Außenmini­ster mehrfach besonders ausgezeichnet, so durch die Verleihung des Golde­nen Ehrenzeichens der NSDAP. und durch die Ernennung zum st-Gruppen­führer.

Unser lagssspisysl

Ein britischer Dampfer wurde bei Cap Ti­noso torpediert, vermutlich von einem roten Unterseeboot.

Die GPU. entzog eine bolschewistische Mord­agentin der Pariser Polizei.

Anläßlich des Jubiläums der faschistischen Miliz hielt Mussolini eine Ansprache.

Reichsautzenminister Freiherr von Neurath wird heute 8k Jahre alt.

Aus dem Waldsriedhof Berlin-Dahlem wurde Bernd Rosemeyer beigesetzt.

Der Umsturz eines Schwimmkrans im Ham­burger Hasen forderte zwei Todesopfer.

Der Weltschisfbau hat sich 1837 gegenüber 1935 verdoppelt.

Der Seeschiffsverkehr des Unterwesergebietes hat im Januar weiter zugenommen.

Die Bremer Firma Martin Vrinkmann hat sich eine auswärtige Zigarrenfabrik ange­gliedert.

Auch in Bremen werden in diesen Tagen die Pimpfe für die Adolf-Hitler-Schulcn aus­gemustert.

In Grambke wurde der Neubau eines Schalk- hauses gerichtet.