Ausgabe 
(27.7.1937) Nr. 203
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pardeiamllüche Drgeszeilung

Nachrichtenblott der Deutschen flrdeitsstont Bremen

der IlationcchsZmlisten Vremens

flmtsblatt des Senats der Freien Hansestadt Bremen

Das amtliche verkundungsblatt des Neichsstatchatters in Oldenburg und Vremen

Anzeigen-Grundpreise: Die 22-mm-Zeile im Anzeigenteil 12 Ltzsr, die 7l>-mm-Zeile im Textteil 75 Ermäßigte Grundpreise lii-r kleine Familien-Anzeigen u. a.) sowie sonstige Bedingungen Preis­liste 6 (Nachlaßstasiel 0,. Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahmeschluß 18 Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich l2.13 Uhr; Schristleitung Dienstag und Freitag - 1SH Uhr.

Nr. 20 Z / 7 . Jahrgang

Menslag, 27 . Juli 1 SZ 7

kmzelpreis 15 Npf.

Peiping von japanischer ffrtiilerie beschaffen

Unser lagesspisgel

Bor Peiping sind neue schwere Kämpfe Mi­schen inpanischen und chinesischen Truppe« i« Gange.

In Sowjetrußland läßt Stalin nun auch die Komintern „säubern".

Im Londoner Spanien-Ausschutz widersetzte sich der Sowjet-Vertreter dem wichtigsten Vorschlag des englischen Planes.

Ueber die Ermordung des österreichischen Konsuls in Bilbao werden grauenvolle Ein­zelheiten bekannt.

Das neue italienische Schlachtschiff wurde von einer Arbeiterfrau auf den Namen „Bittorio Beneto" getauft.

Der Reichskriegsminister ist in Vremerhaven eingetroffen.

Mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft der Hansestädte weilte der Regierende Bürger­meister, SA.-Eruppenführer Böhmcker, in Versailles.

Die in Bremen weilenden NSV.-Fbrienkinder statteten Worpswede einen Besuch ab.

Das Bremer Schauspielhaus erhält innen und autzen ein neues Gewand.

Beim Internationalen Flugmeeting in Zürich gab es mehrere deutsche Siege durch Seide­mann, Milch und Francke-Bremen.

In Trier weihte Korpsführer Hühnlei» das NSKK.-Stadion.

Der deutsche Rennfahrer von Delius erlag seinen beim Nürburgring-Rennen erlittenen Verletzungen.

Sie Plakette des Neichspartettagss

Versinnbildlichung von Kampf und Erfolg

(Lrssss-Üokkmauv) München, 27. Juli

Die diesjährige von Pros. Richard Klein geschaffene Reichsparteitagsplakette, die bereits in zahlreichen Gauen zum Verkauf gelangt, zeigt drei nationalsozialistische, das Reich tragende Männcrfiguren. Die drei Männer, die das Ho­heitsabzeichen der Bewegung tragen, versinn­bildlichen jene Kämpfer der Partei, die einst den Kampf um den Aufbau des Dritten Reiches aus sich nahmen. Sie wachsen aus dem Nichts, wie auch die Bewegung damals aus dem Nichts geschaffen wurde. Daß nun nach vier Jahren der kämpferische Einsatz seine reichen Früchte zum Wähle der Nation gebracht hat, wird dargestellt durch die Aehre und durch die Weintraube. So symbolisiert die künstlerisch ausdrucksvolle Pla­kette des Reichsparteitages 1937, datz nur durch ständigen Einsatz und durch nimmermüde Arbeit und Bereitschaft etwas G'fchaffenes erhalten und gefördert werden kann

Ver NeichsKr ägsminister in vremerkaoen

Bremerhaven, 27. 2uli.

Montagabend traf, von Cuxhaven kommend, Reichskriegsminister Eeneralfeldmarschall von Blomberg in Bremerhaven ein, wo er im Hotel Ekelsior Wohnung nahm. Kurze Zeit vorher war gleichfalls im Hotel Exelsior der Kommandie­rende Admiral der Marinestation der Nordfte, Admiral Schultze, eingetroffen. Später folgte Ge­neraladmiral Dr. h. c. Raeder. ,

Die Gäste begaben sich gegen 20 Uhr m die Industrie- und Handelskammer, wo ein Ehen stattfand, an dem auch führende Männer der Wirtschaft teilnahmen. Um 22 Uhr wurde vor der girlandengeschmückten Handelskammer der «rotze Zapfenstreich in Gegenwart des Reichs- kriegsministers abgeschlagen. — Heute morgen roird auf Einladung der Industrie- und Handels­kammer der Wesermünder Fischereihafen besich­tigt. Anschließend wird der Reichskriegsminister Garnison einen Besuch abstatten. Eine große Truppenparade schließt den Besuch.

Streikunruhen in Cleveland. 2n der nord- ämerikanischen Industriestadt Cleveland rm Staate Ohio kam es vor den Toren des Republic- Siahlrverks wieder zu schweren Unruhen und Auseinandersetzungen zwischen Streikposten der «wis-Eewerkschaft und Arbeitswilligen.

wieder schwere KSmpse In Nordchina

folgenschwerer Zwischenfall

Tokio, 27. Juli.

Das Nachrichtenbüro Domei meldet den Aus­bruch neuer Kämpfe in Nordchrna. Die Zunahme der Spannung zwischen den Truppen der chine­sischen 29. Armee ud der verstärkten Nordchina- Garnison Japans hat in der Nacht zum Montag zu ernste» Zusammenstößen bei Langfang an der Eisenbahnlinie Tientsin—Peiping, am Standort des 228. Regiments der 38. Division geführt. Ja­panische Verstärkung ist von Tientsin her unter­wegs, da nur eine kleine japanische Einheit einem weit überlegenen Gegner bei Langsang gegenüber­steht. Militärische Kreise sehen den Ausbruch neuer Kämpfe »ach erfolgter lokaler Einigung mit Sungtscheyuan sehr ernst an, da die Aussich­ten zur friedlichen Lösung des Nordchina-Konflik- tes so lange, als die 29. Armee und besonders die 38. Division aus nordchinesischem Boden stationiert sei, stark verringert wäre.

Das Hauptquartier der japanischen Nordchina- Truppen teilt mit, datz sich die 38. Division der chinesischen Truppen weigere, Peiping vollständig zu räumen. Auch westlich Peipiwgs hätten nur kleine Teile der 38. Division den Rückzug auf das Westufer des Pungting-Flusses angetreten; andere Teile dieser Truppen wären beim Aus­heben neuer Stellungen unweit Pei- Pings.

Peiping, 27. Juli.

Ueber die Vorgeschichte des neuen Zwischenfalls ist in Peiping folgendes bekannt geworden: Die

mehrfache Unterbrechung japanischer Militär- Fernsprechleitungen in der Nähe von Langfang führte vor einigen Tagen zur Entsendung einer Abteilung der japamschen Nachrichtentruppen, die nach der Wiederherstellung der Leitungen in Langfang zu bleiben beabsichtigte. Auf die Vor­stellungen des Kommandos der 113. Brigade der 38. chinesischen Division, deren Stab in Langfang liegt, zog die japanische Nachrichtenabteilung zu­nächst wieder ab. Am Sonntagmorgen kehrten die Japaner in Begleitung von 100 Mann japanischer Infanterie zurück und verlangten die Benutzung der chinesischen Militär-Fernsprechleitungen. Dies wurde von chinesischer Seite unter der Bedingung gestattet, datz die japanischen Truppen vor Be-

Vomben auf tongfang

Die Bahnstation von japanischen Truppen besetzt Peiping, 27. Juli.

Die Bahnstation von Langfang an der Strecke Tientsin—Peiping sowie die in der Nähe liegen­den chinesischen Militärbaracken wurden am Mon­tagmorgen von S Uhr an durch sieben japanische Flugzeuge mit Bomben belegt. Anschließend be­setzten japanische Truppen den Bahnhof. Gegen 11 Uhr war in Peiping wieder Kanonendonnner zu hören.

Hunderte von opfern

Peiping. 27. Juli.

Der Bombenangriff der japanischen Flieger auf Langfang forderte nach chinesischen Meldungen in

treten der chinesischen Fernsprechanlagen ihre Waffen ablegten. Hierauf entstanden im Laufe des Tages Streitigkeiten und schließlich Schießereien.

Die vor dem Westtore Peipings eingesetzten Teile der japanischen Brigade Kawabe eröffneten Montag abend den Angriff. Feldgeschütze und Maschinengewehre begannen mit der Beschießung von Kuanganmen und dem gleichnamigen Tor aus der Westseite der Chinesenstadt. Aus der Ost­seite wurden 3008 Mann in Tungschou zusammen­gezogen, die die Osttore, besonders das Tor Tschihuamen, beobachten sollen.

die Hunderte gehende Verluste von chinesischen Soldaten und auch Zivilisten. Um die Mittags­stunde sah sich die chinesische Garnison gezwungen, Langsamg aufzugeben und sich auf Huangtschu«, das 18 Kilometer von Peiping entfernt ist, zurück­zuziehen.

Auf Grund dieser Zwischenfälle hat der Kom­mandeur der japanischen Garnison in Nordchina, Katsuki, an den Chef der 29. Armee Sungt- scheyuan ein Ultimatum gestellt. Darin for­dert er u. a. die Zurückziehung der in der Nähe von Lukoutschiau und Paposchan stationierten Truppen der 38. Division nach Tschanghsingtien auf das Westufer des Pungting-Flusses bis zum Mittag des 27. Juli. Für den Fall, datz die japa­nischen Forderungen nicht durchgeführt werden, schiebt das Ultimatum die Verantwortung für die Folgen auf die 29. Armee.

Sowjetruhianv torpediert britischen Plan

kine peinliche krklSrung im Nichleinmischungsunterausschuß - Nückfragen an die Negiernngen

London, 27. Juli.

Der Unterausschuß des Vorsitzenden des Nicht­einmischungsausschusses beschloß am Montag, datz die neun Punkte des britischen Planes den Re­gierungen zur Stellungnahme unterbreitet wer­den sollen mit dem Ersuchen, zu jedem einzelnen Punkt in klarer und kurzer Form bis Donners­tagmittag um 12 Uhr Stellung zu nehmen. Die nächste Sitzung des Ausschusses soll sodann am Freitag stattfinden.

Sowohl der Entwurf eines britischen Frage­bogens, der der Sitzung vorgelegt worden war, wie auch ein italienischer Gegenvorschlag zu dem britischen Fragebogen und einige deutsche Er- gänzungsvorschläge fanden nicht die Zustimmung des Ausschusses.

In der Sitzung erklärte der italienische Ver­treter Graf Grandi, datz der britische Plan in der Reihenfolge erörtert werden müge, in der er angenommen worden sei. Er müsse sich mit Schärfe gegen die französische Pressepolemik wegen seiner Stellungnahme in der letzten Sitzung des Aus- schusses wenden, was er um so erstaunlicher finde, als er lediglich den Vorschlag gemacht habe, sich an den britischen Plan zu halten. Grandi hob so­dann ausdrücklich hervor, datz die italienische Regie­rung nach wie vor bereit sei, die Frage der Zu­rückziehung der Freiwilligen, zu erörtern, und zwar sei sie ausdrücklich bereit, einem Beschluß zuzustimmen, der sich für die Zurückziehung der Freiwilligen ausspreche.

Botschafter von Ribbentrop begrüßte es hierauf, datz Großbritannien eine neue Initiative ergriffen habe und erklärte sich grundsätzlich bereit, die Idee der Stellung von Fragen anzu­nehmen. Er hob sodann hervor, datz nach seiner

Auffassung der britische Fragebogen lediglich eine Anregung der britischen Regierung darstelle und datz der Ausschutz den endgültigen Fragebogen selbständig aufstellen müsse. Die von dem britischen Vertreter ausgearbeiteten Fragen des Fragebogens erschienen nicht in vollem Umfange geeignet, den derzeitigen Erfordernissen Rech­nung zu tragen. Er schlage daher vor, datz an der Reihenfolge des britischen Planes festgehalten werde.

Der Botschafter wies sodann darauf hin, datz im britischen Fragebogen der gesamte Punkt v des britischen Planes, der bezwecke, die Kontrolle wirksam zu gestalten, nicht berücksichtigt sei. Der Punkt!) sehe ausdrücklich vor, datz die Gewährung der Kriegführenden-Rechte erfolgen solle, um die Kontrolle wirksam zu gestalten. Der Botschafter führte weiter aus, datz die Fragestellung des vierten Punktes des Fragebogens, nämlich wie die Durchführung des Planes erfolgen soll, zu Unklarheiten Anlaß geben könne. Seiner Auf­fassung nach müsse die Fragestellung heißen: Welches ist die Auffassung der Regierungen über die beste Art, den britischen Plan durchzuführen, um die Nichteinmischung baldigst wirksam zu gestalten. 2m übrigen wies der Botschafter darauf hin, datz Deutschland jederzeit bereit sei, die Frage der Zurückziehung der Freiwilligen zu behandeln, da dies ein ursprünglich deutscher Vorschlag sei, voraus­gesetzt, datz der Zeitpunkt der Gewährung der Kriegführenden-Rechte befriedigend geregelt würde und datz die spanischen Parteion zu­stimmend geantwortet hätten.

Der Vertreter Sowjetrutzlands rief hieraus starkes Aufsehen durch eine Erklärung hervor, in der er einen der wichtigsten Punkte des britischen

Planes als unannehmbar bezeichnete. Er erklärte im Namen seiner Regierung, datz diese nicht in der Lage sei, anzunehmen, datz das Recht einer kriegführenden Macht General Franco gegeben werde. Nach sowjetrussischer Austastung sei der Ausschutz für die Frage der Gewährung der Kriegführenden-Rechte überhaupt nicht zuständig.

Der' deutsche und der italienische Vertreter wiesen daraus hin, datz diese Erklärung des sowjet- russischen Vertreters geeignet sei, den britischen Plan völlig zu töten, während Lord Plymouth im Namen der englischen Regierung erklärte, daß dies eine außerordentlich peinliche Erklärung sei, die hossentlich nicht das letzte Wort der Sowjet­regierung sei.

öolschewist Negrin Srohl

Berlin, 26. Juli

Der spanisch-bolschewistische „Ministerpräsident" Negriiz sprach in einer öffentlichen Versammlung in Valencia erneut über den Vorschlag Edens und die Verhandlungen des Londoner Nichtein­mischungsausschusses. Er drückte — wie der Deutsche Telegraphendienst meldet — die Hoff­nung aus, datz das Kontrollsystem nicht mehr zur Anwendung gelangen möge. Der ganze Plan sei zu kompliziert, als datz er die einander wider­strebenden politischen Strömungen in Europa überbrücken könnte. Sollte General Franco, so meinte Negrin, weiter Widerstand leisten, so werde wohl „nichts anderes übrig bleiben, als den spanischen Konflikt in einen neuen euro­päischen Krieg umzuwandeln". (!) Den Schlüssel dazu halte Valencia in der Hand. Das sollten die europäischen Politiker bedenken, bevor sie sich entschließen, in London nochmals das Kontrollproblem zu erörtern.

wie Konsul wakonnig ermordet wurde

kin erschütternder pugenzeugenbericht über den Schreckensakt in vilbao

(blixsvsr vrabtbsriebt cksr „Srsmsr Leitung")

Vilbao, 27. Juli.

Der Mord an dem österreichischen Konsul in Bilbao Wakonnig, der vor einigen Wochen von einem „Bolksgericht" der Bolschewisten zum Tode durch Erschießen „verurteilt" wurde, hat in der Weltöffentlichkeit seinerzeit ein Gefühl tiefster Empörung ausgelöst. Ist die Erschießung eines fremden Diplomaten schon an sich eine äußerst ernstliche Tatsache, die die Verantwortlichen außer­halb des internationalen Rechtes stellt und ihnen die Anerkennung einer „Regierung" normaler­weise von allen Seiten (!) nehmen müßte, so run­det sich dieses grauenerregende und geradezu er­schütternde Bild noch mehr ab. wenn man jetzt die näheren Begleitumstände erfährt, unter denen Konsul Wakonnig den Tod land.

Die Aussagen nationaler Spanier, die gemein­sam mit Wakonnig in dem gleichen Gefängnis untergebracht waren und bei der Einnahme Bilbaos durch die Francotruppen befreit wurden, sowie die Vernehmung zweier soeben a i der Front von Santander gefangengenommener spanischer Kommunisten, die Zeuge und Mittäter der Erschießung Wakonnigs waren, gaben Bericht von dem heldenhaften Tod des österreichischen Konsuls. Wakonnig wurde von bolschewistischen

Milizen in dem Augenblick, als er sich nach Bayonne einschiffen wollte, überfallen und in ein Gefängnis eingeliefert, trotzdem er sich als öster­reichischer Diplomat auswies. Wakonnig, der 60 Jahre alt war, litt an einer schweren chroni­schen Krankheit. Der österreichische Diplomat wurde, da ihm die Krankheit nicht gestattete zu gehen, auf einer Tragbahre vor die bolsche­wistischen „Richter" gebracht, die nach einem kurzen „Gerichtsverfahren" über den konsularischen Vertreter einer fremden Macht den Todesspruch fällten.

Bewundernswürdig ist die Haltung des alten österreichischen Konsuls, der wie ein Soldat seinem Tod entgegensah. Trotzdem er körperlich äußerst schwach war, benutzte er die wenigen Stunden, die ihm noch bis zu seinem Tode blieben, damit, sich für den Augenblick seiner Erschießung im Auf­rechtstehen zu üben. Mit Entrüstung wies er alle Ansinnen ab, um Begnadigung nachzusuchen. Als man ihn zur Erschießung abholte, erhob sich der Konsul von seiner Bahre. Mit erhobenem Haupt und zusammengebissenen Lippen schritt er aus dem Gefängnis. Vor dem Verlassen des Gesängnis- tores, so berichtet ein Augenzeuge, rief er „Heil Spanien!" Dieser Ausruf wurde von zahlreichen hinter den Gittern dem Schauspiel zuschauenden

Gefangenen wiederholt. Die roten Milizen stellten dann den Konsul vor eine Friedhofs­mauer, die schon oft zu ähnlichen Zwecken benutzt worden war. Als man ihm die Augen verbinden wollte, lehnte er dies energisch ' ab mit den Worten: „Ich fürchte den Tod nicht, ich will ihn sehen!" Mit dem erneuten Ruf „Heil Spanien!" sah er der tödlichen Salve entgegen. Der Konsul war jedoch nach den ersten Schüssen nicht sofort tot, sondern nur schwer verletzt. Ein Roter trat daraufhin auf ihn zu, um ihm den „Gnadenschuß" zu geben. Da Wakonnig auch nach diesem Schutz noch Lebenszeichen von sich gab, wurde nochmals geichossen Nach dieser Mordtat ließen die Roten den zerfetzten Leichnam liegen, vor dem sie vorher noch einige Hochrufe auf die Sowjetunion ausge­bracht hatten.

-ü

Angesichts dieses Verbrechens, begangen an dem konsularischen Vertreter eines euro­päischen Staates, mutz man sich allen Ernstes fragen, wie es möglich ist, daß den für solche Schandtaten verantwortlichen Elementen immer noch von gewisser Seite Titel und Zuständigkeit einer „Regierung" zuersiannt wird.

Kuliuranleibe

Der Deutsche Coppernicus und ein merkwürdiger polnischer Anspruch

Im Rahmen der Ausstellung der Zeitz-Werke auf der Pariser Weltausstellung ist in einer klei­nen Nebenschau auch des berühmten deutschen Astronomen Nikolaus Coppernicus gedacht, dessen genialer Forschergeist der Menschheit zuerst die Erkenntnis unseres modernen Weltbildes vermit­telte und damit eine gewaltige Revolution der gesamten astronomischen und mathematischen Wissenschaften anbahnte. Diese kleine Schau, die neben seiner Würdigung seines wissenschaftlichen Werkes zugleich auch zahlreiches Material über die deutsche Abstammung des großen Astronomen enthält, ist dadurch in den Mittelpunkt des In­teresses gerückt worden, datz im polnischen Pavil­lon die Büste des Gelehrten plötzlich neben den „berühmten Persönlichkeiten der polnischen Ge­schichte" erschien. Auch die Pariser Presse hat sich des „Zwischenfalls" angenommen, und die leicht ironischen Kommentars zeigen, datz man hier den polnischen Versuch einer Kulturanleihe als wenig gelungen darstellt. Trotzdem scheint man in War­schau den Fall, wie die Haltung der Warschauer Presse beweist, zu einem Präzedenzfall gestalten zu wollen.

Die polnische Kulturpropaganda hat schon in früheren Fällen versucht, die Persönlichkeit des großen deutschen Gelehrten für sich in Anspruch zu nehmen. So wurde vor einiger Zeit in der Uni­versität Bologna eine von der polnischen Bot­schaft in Rom gestiftete Coppsrnicus-Vüste ent­hüllt, und in Schriften und Gegenschriften haben sich auch die polnischen Wissenschaftler seit länge­rer Zeit mit dem „Problem" der Abstammung des Coppernixus beschäftigt. Von deutscher Seite ist zu diesen eigenartigen Bemühungen bisher ge­schwiegen worden. Angesichts der Komödie der polnischen Kulturpropagandisten auf der Welt­ausstellung erscheint es jedoch notwendig, gewisse Dinge hier einmal klarzustellen.

Das Volkstum des großen Coppernicus ist,in der ganzen zurückliegenden Geschichte noch nie an­gezweifelt worden. Erst den Kulturpropagandisten des modernen Polen ist es vorbehalten gewesen, aus einer Angelegenheit ein Problem zu machen, die gar kein Problem ist. Von polnischer Seite wird der nationale Anspruch damit begründet, datz Coppernicus in dem damaligen polnischen Staatsgebiet gelebt und gewirkt habe, daß er ferner in einem persönlichen Gegensatz zum deut­schen Ritterorden gestanden und damit auch ideell sein« Zugehörigkeit zum Polentum bewiesen habe.

Beide Begründungen gehen von vollkommen falschen Voraussetzungen aus. Nikolaus Copper- nicüs wurde bekanntlich am 19. Februar 1173 in

Die SA. ist Träger wehrhaften Geistes durch das SA.-Sportabzeichen. Reichswettkämpfs der SA. Berlin. 13.-18. August 1937.

Thorn geboren. Die Stadt war zu dieser Zeit erst sieben Jahre in polnischen Händen. Der rein- deutsche Charakter der Stadt, die bis dahin aus­schließlich von einer deutschen Oberschicht verwal­tet wurde, konnte selbstverständlich in dieser kur­zen Zeit nicht verlorengehen. Der Vater von Nikolaus Coppernicus gehörte als Schöffe einer sozialen Schicht an, die unter den damaligen Ver­hältnissen nie einen Polen in ihren Reihen ge­duldet hätte. Er hatte die Tochter des angesehenen deutschen Patriziers aus dem Geschlecht der Watzenrode zur Frau. Sämtliche Verwandte des Gelehrten gehörten, wie sich heute noch einwand­frei feststellen läßt, der gleichen bürgerlichen Schicht an, die in der damaligen Zeit im um­strittenen Siedlungsraum zwischen Deutschtum und Polentum das deutsche Volkstum eindeutig vertrat.

Auch die weiter zurückliegende Sippengeschichte des Coppernicus bestätigt nur die gleiche Fest­stellung. Als ursprüngliche Heimat der Familie läßt sich das Dorf Köppernig bei Reiße in Schle­sien feststellen. Ueber den Namen des Ortes lie­gen verschiedene Deutungen vor. Der polnische Gelehrte Wasiutynski, der in seiner Darstellung der Abstammungsgeschichte des Coppernicus eine bemerkenswerte Objektivität an den Tag legt, will den Namen auf das niederdeutsche Wort Kopper Kupfer zurückführen. Tatsächlich befin­den sich in der Nähe des Dorfes Kupferberg­werke, was für die Richtigkeit der Annahme spricht. Nach einer anderen Deutung soll das Wort von dem polnischen Koprnik herstammen, das später von den eingewanderten deutschen Ve- wobncrn in Köppernig umgewandelt worden sei.

Wie dem auch sei, es steht die eine Tatsache fest, daß zur Zeit, als die Vorfahren des Lopper- nicus noch vor 1100 aus Köppernig nach Kra-kau auswanderten, der Ort eine rein deutsche Sied­lung darstellte. Nach der damaligen Sitte wurde dem Manne aus Köppernig einfach der Name seines Heimatdorfes gegeben. Dieses Köppernig hat erst Coppernicus selbst in das lateinische Cop­pernicus umgewandelt, Krakau gehörte übrigens damals noch zur Deutschen Hansa hatte eine deutsche Verfassung und ein deutsches Gericht.

So dürfte über die Abstammung des Cop­pernicus einigermaßen Klarheit bestehen. Aber auch der andere polnische Einwnrf, daß Eopper- nicus sich „i d e e l l" zum Polentum bekannt habe, ist vollkommen unhaltbar. Tatsächlich hat sich zwar Coppernicus zusammen mit seinem Oheim Watzenrode, dem Bischof von Ermland, eine Zeit­lang gegen den deutschen Ritterorden gestellt.