Ausgabe 
(25.7.1937) Nr. 201
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parteiamtliche ^Tageszeitung

Nachrichtenblatt der Deutschen flrbeitsfront Diemen

der Nationalsozialisten Vremens

flmtsblatt des Senats der jreien Hansestadt vremen

R-.-tIauvcrlag

Nr. 2 lN / 7 . Jahrgang

Das amtliche Verkündungsblatt des Neichsstatthallers in lIldenburg und Vremen

Anzeigen-Grundpreise: Tie 22-MM-Zeil- im Anzeigenteil 12 L?/, die 70-mm-Zeile im Textteil 75 Ermäßigte Grundpreis« <sür kleine Familien-Anzeigen u. a.) sowie sonstige Bedingungen Preis­liste 6 (Nachlatzstassel 0). Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschluß 16 Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-16 Uhr; Schristleitung Dienstag und Freitag 12)1 -I3H Uhr.

Sonntag, 25 . Juli 1 S 57

kinzelpreis 15 Npf.

Sowjet-„Spürliunde" werden umgelegt

Unser lagvsspivgel

England wird in den nächsten Tagen dem Nichteinmischungsausschuh eine Denkschrift vorlegen.

Die Massenverhaftungen in Sowjetruhland nehmen ihren Fortgang.

Der König der Belgier regt die Einsetzung einer zwischenstaatlichen wirtschaftlichen Stu- dicnorganisation an.

Der türkische Arveitsminister ist in Berlin eingetroffen.

Ltavschef Lutze iiuherte sich über die Erzie- hungsausgaben der SA.

Die 750 Brook-Fahrer der HJ. kehrten ge­sund und munter zurück.

Die Bedeutung der bremischen Häfen für die Rohstoff-Versorgung der deutschen Wirtschaft hat weiter zugenommen.

Bor den Toren Bremens errichtet unsere hei­mische Automobil-Industrie neue riesige Favrikations-Hallen.

Sei den deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Berlin verteidigte die Bremerin Dora Ratjen erfolgreich ihren Titel.

Der Davis-Pokalkamps England gegen USA. steht nach dem ersten Tag 1:1.

Neichshauptstellenleiter Seidel f

'(Oiabtibsiivstt vvsersr Lsrlivsr LobrMöituvx)

rä. Berlin, 25. Juli.

Bei einem Wochenenbaufenthalt in Warne- münde ertrank in den Wellen der Ostsee Reichs- hiuptstellenleiter Karlheinz Seidel. Der kaum Dreißigjährige war seit 1930 Mitglied der NS- DAP. und hat dort von der Pike auf als SA.- Mann und Mitarbeiter in verschiedenen Gliede­rungen dem Führer treue Dienste geleistet. Im Jahrs 1932 war er Adjutant des Reichsführers der HJ. und später Referent in der Wirtschaftspoliti- schen Abteilung der Reichsleitung. Am 1. Mai ML wurde er mit der Errichtung und Leitung der Abteilung für Zwischenstaatliche Wirtschafts­beziehungen der Wirtschaftspolitischen Abteilung beauftragt. Nach der Machtergreifung war er an maßgebender Stelle im Hauptamt für Handwerk und Handel tätig. Später wurde Pg. Seidel mit der Eeschäftsführung des von Reichsminister Rüst geschaffenen Instituts für angewandte Wirtschafts­wissenschaften beauftragt. Mit ihm ist ein be­währter Kämpfer für die Idee vorzeitig dahin­gegangen.

Neittisautobalin Hamburg-Kassel

Berlin, 25. Juli.

Anfang ds. Mts. ist in der Frage der Linien­führung der Reichsautobahn Hamburg—Kassel die Entscheidung durch den Eeneralinspektor für das deutsche Stratzenwesen getroffen worden. Zur Aus­führung kommen zwei Linien, deren westliche etwa über S o l t a u —Hannover—Gandersheim nach Northeim führt; die andere verläuft östlich etwa über llelzen—Braunschweig—Seesen, um sich bei Eandersheim mit der westlichen Linie zu ver­einigen. Von der westlichen Linie zweigt in der llmgebung von Walsrode die Verbindung nach Bremen ab; an der östlichen Linie ist eine Abzweigung in Richtung Wittenberge—Meck­lenburg geplant.

Vor weg zweier Landesverräter

Berlin, 25. Juli.

Die Justizpressestelle beim Berliner Volksge­richtshof teilt mit: Die vom Volksgerichtshof am 17. Februar ds. Js. wegen Landesverrats zum Tode und zu dauerndem Ehrverlust verurteilten 2°sef Michnia, 28 Jahre alt, und Paul Matischek, 27 Jahre alt, sind Sonnabend morgen hingerichtet worden. Michnia und Mati- Ichek, die Grenzbewohner waren, wurden eines Tages von einem ausländischen Erenz- beamten angesprochen und durch Geldzuwendun- gm für den fremden Nachrichtendienst angewor­ben, dessen Ausspähungsanfträge sie mit größter Bereitwilligkeit ausführten. Neunmal innerhalb eines Vierteljahres trafen sich beide mit ihren ausländischen Auftraggebern, um ihre Beobach­tungen preiszugeben und neue Aufträge entgegenzunehmen. Ihre Handlungsweise war umso niederträchtiger und staatsge- liihrlich er, als sie durch ihren Verrat der geplanten und vorbereiteten Truppenstandorte und der Verteidigungsmagnahmen im Grenz­gebiet das Fortschreiten und die Wirksamkeit des u-m deutschen Volk stürmisch begrüßten Wieder- aufbaues Ä-er deutschen Wehrmacht gefährdeten.

Vor Vesuch in Sämig

Danzig, 25. Juli.

Am zweiten Tag des Besuches der deutschen Minensuchboote in Danzig begab sich der Flot- «llenchef, Korvettenkapitän Hagen, mit einer Abordnung der Besatzung in Begleitung des Ge­neralkonsuls von Luckwald und des Vize­präsidenten des Danziger Senats, Huth, zum suarnisonfriedhof, wo er am Denkmal der Gefal­lenen des Kreuzers „Magdeburg" einen Kranz ^überlegte. Abordnungen des NS.-Marmebundes

rregie. Avoronungen oes -

Danzig hatten am Denkmal Aufstellung ge­nommen. Eine weitere Kranzniederlegung er- Kriegerdenkmal am Elisabeth-Wall.

i°lgte am hier

waren Abordnungen aller Gliederungen der Bewegung, der Schutzpolizei, des Soldatenbundes und des Kysshäuserbundes aufmarschiert.

wieder INossenoeriiastungen sm Mebund

Kampf aller gegen alle

Moskau, 25. Juli.

Die täglichen Meldungen der Sowjetpresse über immer neue Verhaftungen und Hinrichtungen führender Personen des öffentlichen Lebens charakterisieren den Kampf aller gegen alle in der Sowjetunion. Ehedem mit den höchsten Orden ausgezeichnete Spürhunde und Werkzeuge des Bolschewismus werden mit Hilfe neuer Funktio­näre, die dafür ihrerseits noch die höchsten Aus­zeichnungen erhalten, „liquidiert", bis auch diese Verfolger das Schicksal trifft.

Jetzt bringen die Moskauer Blätter in einem kleinen Bericht über die Ausfchußversammlnng der Moskauer Jungkommunisten nebenher die sensationelle Mitteilung, daß die „Staatsfeinde" auch in den oberen Organen des Komsomols „aus­gemerzt" worden seien. Die Mitglieder des Se­kretariats und des Politbüros des Zentral­komitees des Komsomols, Lukjanow und Feinberg, welche bisher neben dem Chef des

Komsomols, K-ossarew, als eigentliche Gründer des gesamten Komsomols galten, werden genannt; ferner die Mitglieder des Politbüros des Kom­somols, Bubekin. Jljinski, Andrejew und Saltanow, 'welche gleichfalls den alten Funktionären des Komsomols gehörten. „Weitere Staatsfeinde" wurden, der „Jswestija" zufolge, im Volkskommissariat für Außenhandel verhaftet. „Das System des Außenhandels", so bemerkt das Blatt vielsagend, „erwies sich als verschmutzt mit Feinden, Trotzkisten, Bncharinisten, Spionen usw."

Weiter berichten die Blätter von der „Ent­larvung" vier weiterer Redakteure der Kiewer Zeitung „Proletarskaja Prawda" der ukrainischen Wirtschaft nnd Verwaltung. Zugleich wird eine neue Liste von 81 GPU.-Funktionären bekannt­gegeben. welche für „vorbildliche und seibstver- leugnende Erfüllung wichtigster Regierungs­aufträge" mit dem höchsten Sowjetorden ausge­zeichnet wurden.

„ernstlich bedrohte Pläne"

Moskau, 25. Juli.

Ein Leitartikel der „Prawda" beschäftigt sich mit der Rückständigkeit vieler sowjetrussi- scher Industriezweige, durch die die Erfüllung der Pläne für 1937 ernstlich bedroht werde. Die Kohlen-, Naphtha- und Holzindustrie sowie die chemische und alle Zweige der metallurgischen In­dustrie wiesen „schmachvolle" Rückstände ihrer Produktion auf. Dies gelte für die ganze Leichtindustrie, wo Mißwirtschaft und Zersetzung der staatlichen Disziplin an der Tagesordnung seien. Natürlich schiebt die „Prawda" alle die genannten Mißstände auf das Konto der „Volks­feinde" und „Spione". Es hätte sich z. B. auch ergeben, daß der bisherige Leiter der gesamten Kohlenindustrie des Donez-Beckens, Sar- kissow, der sogar Mitglied des Polit-Büros der bolschewistischen Partei der Ukraine war, als „abscheulicher Volksfeind und Spion" verhaftet worden sei.

venWrlst zur Nlchtelnmischungsstage

Me englische Negierung wird sie in den nächsten lagen dem Londoner stusschuß vorlegen

London, 25. Juli.

Wie von amtlicher englischer Seite mitgeteilt wird, bereitet die englische Regierung zurzeit eine Denkschrift vor, die durch den Vorsitzenden des Nichteinmischungsausschusses diesem unter­breitet werden soll. Das Dokument werde wäh­rend des Wochenendes fertiggestellt werden, um sodann entweder am Montag oder spätestens am Dienstag dem Nichteinmischnngsansschuß in einer zu diesem Zweck zusammenzurufenden Sitzung vorgelegt zu werden.

torbin berichtet Velbos

Paris, 25. Juli.

Der französische Außenminister Delbos hat Sonnabend mittag den französischen Botschafter in London, Corbin, empfangen. Die Besprechung bezog sich auf die Nichteinmischungsverhandlungen in London.

örunete eingenommen

Avila, 25. Juli.

Sonnabend morgen eröffneten 69 Bataillone der Nationalen nach dreitägiger Kampfpause einen zweiten Angriff auf die feindlichen Stellun­gen im Angriffsabschnitt von Vrunete, 20 bis 30 Kilometer westlich Madrids. Vor dem An­griff belegten etwa 10 nationale Flugzeuge die feindlichen Stellungen mit Bomben. Das Feuer von 20 Batterien begleitete den Vorstoß der In­fanterie, der um die Mittagszeit zur Umzinge­lung und Einnahme von Vrunete, dem süd­lichsten Brennpunkt des Angriffsabschnittes führte. Das Schwergewicht des Kampfes lag auf dem Straßenabschnitt Villaviciona—Brunete, wo zwei nationale Tankkompanien die Infanterie wirksam unterstützten. Den beiden im Kampf um Bilbao bewährten Freiwilligenbrigaden von Na-

varra gelang es, die am meisten gefährdete Stelle, der nationalen Front an der Ostküste des An­griffsabschnittes bei Villäfranca de Castillo um einen Kilometer zu erweitern. Oestlich Vrunetes betrug der Eeländegewinn bis zum Nachmittag zwei Kilometer Tiefe und drei Kilometer Breite. Die Infanterie konnte sich auch bis dicht an die Ortschaft Quijorna heran arbeiten. In Bru­nete fanden die einmarschierenden Soldaten zwei 17- bis 18jährige Rote-Kreuz-Schwestern der Fa- lange, die der Feind überrascht hatte, von den Kommunisten gekreuzigt vor.

Schwarzer vefestlsliaber gefallen

Newyork, 25. Juli.

Wie aus den in der Newyorker Presse in regel­mäßigen Abständen veröffentlichten Verlustlisten hervorgeht, setzt sich das amerikanische Freiwilli­genkontingent, das auf feiten der spanischen Kom­munisten an der Verteidigung Madrids mitwirkt, zum nicht geringen Teil aus Negern und — Ju­den zusammen. Soeben meldet die „New Bork Times" aus Madrid, daß u. a. der Negerbefehls­haber des „Abraham-Lincoln-Vataillons", Oliver Law, bei den jüngsten Kämpfen gefallen sei. Ein weiteres Todesopfer^ ist der Newyorker Rechtsanwalt Max Krautheim er.

Marxistische Mobilmachung sür Spanien

(BiZsver Orabtbsriebt äsr „Bremer Leitung")

Brüssel, 25. Juli.

Der Eeneralrat der Sozialistischen Partei Bel­giens hat die Beschlüsse der Zweiten Inter­nationale angenommen, nach denen die Regierun­gen ersucht werden sollen, einen Druck auf den Völkerbund auszuüben, um Waffen­lieferungen an Rotspanien zuzugestehen und eine Solidaritätsaktion zugunsten der Valencia-Macht-

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Haber einzuleiten. Der Eeneralrat ernannte eine Kommission, die die Forderungen der Soziali­stischen Partei der belgischen Regierung übermit­teln soll. Der sozialistische Senator Rolin er­klärte dazu, daß man Rotspanien „im Rahmen des Möglichen" unter allen Umständen zu Hilfe kommen müsse. Der sozialistische Außenminister Spaak wandte sich jedoch energisch gegen diese Beschlüsse und erklärte wörtlich: „Was sind Be­schlüsse des Völkerbundes wert ohne eineVer- ständigung mit Deutschland und Ita­lien, oder will man es auf «inen Krieg an­kommen lassen?" Der „Standard" verurteilt in scharfen Ausführungen den unverantwortlichen Beschluß der belgischen Marxisten, der Belgiens Neutralität in Frage stelle und große Gefah­ren zeitigen könne. Das Blatt stellt fest, daß die übergroße Mehrheit der belgischen Bevöl­kerung sich zur Nichteinmischungspolitik bekenne.

Sstne Unterbrechungen!

Paris, 25. Juli.

Die „Action Francaise" berichtet erneut über verschiedene Lieferungen von Flugzeugen, Kano­nen und Waffen und sogar von Freiwilligenüber­tritten an der Pyrenäengrenze nach Sowjet­spanien. Das Blatt schreibt u. a.: Ein zwei-

motoriges Flugzeug mit dem Zeichen „OOBBT", das von seinem Besitzer, einem gewissen Peter- manns, gesteuert worden sei, habe Brüssel ver­lassen und werde in Le Bourget oder Villa- coublay erwartet. Dieses Flugzeug sei von der Regierung von Valencia gekauft, aber noch nicht als Kriegsflugzeug ausgerüstet worden. Zu die­sem Zweck käme es nach Frankreich, um von hier entsprechend ausgerüstet »eine Reise nach Barce­lona fortzusetzen. Weiter weiß die „Action Fran­caise" zu berichten, daß die spanischen Bolsche- wisten seit der Aufhebung der bisher von Deutsch­land und Italien an ihren Küsten ausgeübten Schiffskontrolle riesige Erleichterungen für ihre Versorgung genössen.

kin Schritt srancois-poncets

Berlin, 25. Juli.

Der französische Botschafter in Paris, Francois- Poncet, hat sich Freitag abend in das Auswärtige Amt begeben und gegen die in der deutschen Presse veröffentlichte Nachricht Verwahrung eingelegt, wonach ein Kontingent Soldaten und Offiziere der französischen Fremdenlegion nach Spanien ge­schickt worden wäre. Er hat außerdem das De­menti wiederholt, das sofort in diesem Zusammen­hang von der französischen Regierung veröffent­licht worden war. Von deutscher Seite wurde hierbei dem französischen Botschafter u. a. vor Augen geführt, in welchem Umfange der iran- ,Mische Nachrichtendienst gerade in letzter Zeit immer wieder unrichtige, die deutsch-französischen Beziehungen vergiftende Meldmiaen über Deutschland verbreitet.

" rtzoovelung des Hestjiis

Paris, 25. Juli.

Einen neuen Beweis der Mißwirtschaft der Volksfront liefert die rechtsstehende „Epoque" am Sonnabend. Sie zeigt ihren Lesern eindeutig auf. wohin die Wirtschaftsexperimentc in der französischen Warcncinfuhr und -ausfuhr geführt haben, nämlich zu einem Defizit oo» 9217 Millionen Franken allein im ersten Halb­jahr 1937 gegenüber einem solchen van 1711 Mil­lionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das Blatt stützt sich dabei aus eine offizielle Mit­teilung d«s Finanzministeriums, wonach 29 282 Millionen Einfuhrwerten nur 11 035 Millionen Ausfuhrwerte gegenüberstehen. Man sehe also. so bemerkt das Blatt am Schluß, daß sich während eines einzigen Jahres das Defizit unter der Volksfront verdoppelt habe.

Ist das sittlich»

Sne peinliche frage an den politischen Katholizismus

B. Aü. Die Vertreter des politischen Katho­lizismus sind wieder einmal entrüstet. Bis zur Fassungslosigkeit. Zunächst patzt es ihnen nicht, daß die Presse des Dritten Reiches die gerichtlich erwiesenen Sittlichkeitsverbrechen priesterlicher Würdenträger an den Pranger stellt, statt sie nach berühmtem System- Muster zu vertuschen. Sodann ist ihnen der sieghafte politische Totalitätswille der NS- DAP. ein schmerzender Dorn im Auge und drittens sind sie erbost über die schlagkräftige nationalsozialistische Abwehr der dreisten, den Staatssrieden bedrohenden Kanzelhetze entgleisender „Seelenhirten". Wohlgemerkt: Nicht über die schamlosen Vergehen der Klosterbrllder ist man ungehalten, sondern über die Verbreitung der Wahrheit hierüber; nicht über den Mißbrauch geistlicher Aemter für die Zwecke eines antideutschen Lügen- seldzuges gerät man in Zorn, sondern über die entschlossenen Selbstschutzmaß­nahmen des angegriffenen Staates. An sich unantastbare sittliche Grundsätze sind, wie man sieht, von gewisser politisch-katholischer Seite den „Erfordernissen der Taktik" unter­geordnet worden. Und zwar von denen, die sich bei jeder Gelegenheit so gern als Hüter der Sittlichkeit ausgeben!

Es sind durchaus keine bedeutungslosen Einzelfälle klerikaler Uebergriffe, die hier in Rede stehen. Uns wurde allein in den beiden letzten Tagen von einem Trier Pater berichtet, der bei der Er­öffnungsfeier einer Missionswoche SA.- Männer schwer beleidigte, von einem württembergischen Vikar, der in seinen Predigten Hoheitsträger der Partei ver­ächtlich zu machen versuchte, von undeutschen Zoppoter ZentrumsabgeoÄmeten, die in aller Oeffentlichkeit eine Führerehrung sabo­tierten, und von einem Münchener Pater, der sich während der Ausübung seines geist­lichen Berufes unverschämter Aeußerungen zur Abstimmung über' die Gemeinschafts­schule schuldig machte. Dieser Iesuitenpater besaß sogar die Stirn, mit Bezug aus das am 20. Juli 1933 zwischen dem Deutschen Reich und dem Vatikan abgeschlossene Konkordat von einem Staatsbetrug zu sprechen. Nun, wer das Konkordat gebrochen hat, unter­liegt keinem Zweifel, wenn der Inhalt des folgenden Artikels 16 des Konkordats mit den Worten und Handlungen gewisser „Kanzelpolitiker" verglichen wird:

„Bevor die Bischöfe von ihrer Diözese Be­sitz ergreifen, leisten sie in die Hand des Reichsstatthalters in dem zuständigen Lande bzw. des Reichspräsidenten einen Treueid nach folgender Formel: „Vor Gott und auf die heiligen Evangelien schwöre und ver­spreche ich, so wie es einem Bischof geziemt, dem Deutschen Reich und dem Lande . . . Treue. Ich schwöre und verspreche, die ver­fassungsmäßig gebildete Regierung zu achten und von meinem Klerus achten zu lassen. In der pflichtmäßigen Sorge um das Wohl und das Interesse des deutschen Staatswesens werde ich in Ausübung des mir übertragenen Amtes jeden Schaden zu verhüten trachten, der es bedrohen könnte."

Was in diesem Artikel von den Bischöfen gesagt ist, gilt sinngemäß auch für die übri­gen katholischen Geistlichen; vielen von ihnen ist die Beachtung derjenigen Konkor­datsbestimmungen, die von ihren Pflich­ten handeln, jedenfalls in ihrem eigenen Interesse sehr zu empfehlen.

Doch wir wollen nicht so naiv sein und etwa aus den Augen verlieren, daß der po­litische Katholizismus beim Konkordatsab­schluß einen außerhalb des rein kirch­lichen Vertragsgegenstandes liegenden Zweck verfolgte, nämlich dem „Anspruch der Hierarchie", wie es der dem Vatikan nahe­stehende Iesuitenpater de la Brisre unvor­sichtigerweise formulierte, „eine sichere Rechtsbasis" zu verschaffen. Daß diese Ab­sicht bald durchschaut wurde und die über­spitzte Rechtssophistik ihr Ziel verfehlte, zeigte sich bereits im Juni 1934, als der politische Katholizismus in der Frage der Umbildung der katholischen Berufs- und Standesorganisationen zu ausschließlich reli­giösen Verbänden die Maske voreilig fallen ließ. Damals versuchte der Vatikan, dem politischen Totalitätsanspruch der NSDAP. offen entgegenzutreten, indem er nach ge­meinsamen Verhandlungen zwischen der vom Episkopat beauftragten Bischofskommission einerseits sowie der Partei und dem Staat andererseits plötzlich erklärte, die vorläufi­gen Abmachungen seien hinfällig: der Papst habe einen Vertrag mit dem Reich, nicht aber mit der Partei abgeschlossen, und bei künf­tigen Verhandlungen seien Vertreter der