Ausgabe 
(21.7.1937) Nr. 197
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Amtsblatt des Senats der Lreien Hansestadt vremen

parteiamtliche ^geszeitung

Ilachnchtenblatt der Deutschen Prbeitssront Dremen

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Das amtliche verkündungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Bremen

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Nr. 1S7 / ?. lalzrgang

Mittwoch, 21. Juli is;?

Einzelpreis 15 Npf.

Neue Kampfliandlungen m Nordchina

Krieg ohne Kriegserklärung / JapanischeStraserpedition" gegen die chinesische 2S. ftrmee

Verschärfung des Konflikts

(vralitböriabt anssrsr Bsrlinsr Labriktlsitang)

Berlin. 21. IM.

Innerhalb weniger Stunden hat der japanisch- chinesische Konflikt eine außerordentliche Verschär­fung erfahren. Fast zur gleichen Zeit, in der der japanische Geschäftsträger in Nanking dem dorti­gen chinesischen Außenminister eine neue Note überreichte, belegten die Artillerieabteilungen einer japanischen Brigade Truppenteile der 29. chi-

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Unser lagosspivgel

In Nordchina ist es zu offenen japanisch­chinesischen Kampfhandlungen gekommen.

In USA. hat sich wieder ein Fall von Lynch­justiz ereignet.

Daily Mail" setzt sich fürWiederherstellung der deutsch-englischen Herzlichkeit" ein.

Die Welthandelsflotte hat 1838/37 weiter er­heblich zugenommen.

MS.Schwanheim" der Unterweser-Reederei hat eine Rekordreise von Galveston nach Bremen gemacht.

Die Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk bemühen sich erfolgreich um das Auslandsgeschäft.

Die Bremer Mädel des Landjahrlagers Buch- holz erzählen derVZ." von ihren Erlebnissen. . Die bremische ZeitschriftDer Schlüssel" feiert ihr einjähriges Bestehen.

In einem katholischen Knabeninternat bei Lingen wurde eine unglaubliche Sittenoer- derbnis aufgedeckt.

Beim Vertzrner Reitturnier errangen die Bremer SA.-Reiter beachtliche Erfolge.

Den Davispokalkampf gegen Deutschland ge­wann USA. mit 3:2.

gente vorbereitet. Angeblich sollen in der Pro­vinz Hopei bereits 8V0V0 Mann stehen. Die Chinesen bauen ihrerseits fieberhaft die Verteidi­gungsstellungen aus und ziehen ununterbrochen Verstärkungen aus dem Süden heran. 2n der Umgebung Peipings sind kleinere Gefechte be­reits an der Tagesordnung. Hier wird also schon ohne Kriegserklärung Krieg geführt. Die Lage ist demnach sehr ernst. Sowohl in Tokio wie auch in Nanking scheint man die Hoffnung auf eine friedliche Beilegung aufgegeben zu haben, und so ist es immerhin sehr wahrschein­lich, daß der japanisch-chinesische Konflikt mit den Waffen ausgetragen wird. Eine Schlichtungs­möglichkeit, deren Erfolg jedoch noch nicht ab­zusehen ist, besteht allerdings darin, daß sich ausländische Mächte um eine Beilegung bemühen. Höchstbemerkenswert ist in diesem Zu­sammenhang die Erklärung des englischen Außen­ministers Eden vor dem Unterhaus, daß er so­wohl der chinesischen wie der japanischen Regie­rung eine friedliche Regelung angeraten und wegen der drohenden Gefahren im Fernen Osten bereits mit Washington und Paris einen Meinungsaustausch aufgenommen habe.

vemichungen ;ur veilegung

Gleichzeitige Verschärfung des Kampfes um Wanpinghsien

Peiping, 21. Juli.

Wie aus Kreisen der japanischen Kwantung- armee verlautet, trafen Dienstag nachmittag, zur gleichen Zeit, als General Kawabe das Bom­bardement von Wanpinghsien anordnete, im Hause dos Vorsitzenden des Hopei-Tschachar-Rates, Ver­treter der Kwantung-Armee mit diesem zusam­men. Von , japanischer Seite nahmen Oberst Matsui von der Kwantungarmee und der Peipinger Militärattache Major Jmai an der Unterredung teil/ Nach mehr als emstündiger Konferenz kam man zu folgendem Ergebnis:

. Der Vorsitzende des Hopei-Tschachar-Rates sagte den Verzicht auf Militärmatz nahmen zu, um die Situation nicht weiter zu er­schweren. Er verbürge, sich für die Sicher­heit der Japaner in Peiping und ver­sprach die Aufhebung des Belagerungszu­stands für Mittwoch. Währenddessen solle die 37. Division ihre bisherigen Garnisonen aufgeben und den Abmarsch nach Paotingfu durchführen. Danach würde man die Bedingungen des zukünf­tigen Friedens für das Konfliktgebiet festlegen.

Dieselbe japanische Seite versichert ihr Zu­trauen zu dem ehrlichen Wunsch und der Fähig­keit des Vorsitzenden des Hopei-Tschachar-Rates, seine Autorität für die Durchführung der über­nommenen Verpflichtungen einzusetzen. Wohl sei mit dem Widerstand einzelner chinesischer Unter­führer zu rechnen, doch könne dieser ohne größere Schwierigkeiten gebrochen werden. Zurzeit die­ser Verhandlungen konnte, wie hierzu zu bemer­ken ist, die chinesische Seite über die Tatsache und den Umfang der von der Brigade Kawabe einge­leiteten Aktion gegen Wanpinghsien noch gar nicht unterrichtet sein.

Die Kampfhandlungen haben sich bis auf eine von Papaoschan bis in die Nähe Schangsintiens reichende Front ausgedehnt. Nach dem zwischen 3 und 1 Uhr und wieder um 7 Uhr abends in Pei­ping hörbaren Kanonendonner zu schließen, haben die Kämpfe große Intensität angenommen. Bis jetzt haben sie nach chinesischen Meldungen zu er­heblichen Sachschäden innerhalb Wan- pinghsiens und zu einer ernsten Beschädigung der historischen Marco-Polo-Brücke geführt.

Nchiangkaischek in Nanking

Nanking, 21. Juli.

. Marschall Tschiangkaischek traf Dienstag nach, mittag von seinem Sommeraufenthalt Kuling in Nanking ein. Sofort nach seiner Ankunft emp­fing der , Marschall den chinesischen Außenminister, den Kriegsminister, den

Verkehrsminister, Eisenbahnminister, den Kul­tusminister sowie höhere Offiziere zum Vortrag über die Lage in Nordchina und über die letzten Entwicklungen im chinesisch-japanischen Konflikt. Tschiangkaischek ließ die Öffentlichkeit wissen, daß er angesichts der politischen Lage seine Anwesenheit'für notwendig halte.

Der japanische Geschäftsträger in Nanking, Hidaka, hatte Dienstag vormittag eine weitere Unterredung mit dem chinesischen Außenminister Wangtschunghue.inder er erneut die japanischen Einwendungen gegen die Entsendung chinesischer Regierungstruppen nach der Provinz Hopei und gegen das Verlangen der Nanking- Regierung nach Einschaltung in die örtlichen Abmachungen vorbrachte. Der chinesische Außen­minister antwortete, daß die gegenwärtigen Zeit- umstände es als zwecklos erscheinen ließen, sich auf gegenseitige Anschuldigungen einzulassen. Viel besser sei es, sich öder sofortige Maßnahmen zur Abwendung des bewaffneten Konflikts zu einigen.

fluanakmezustand für Japaner in Schangkai

Schanghai, 21. Juli.

Die japanische Konsularbehörden Schanghais ordneten an, daß für japanische Staatsangehörige der Ausnahmezustand bestehe. Sämtliche Japaner haben ab 19 Uhr zu Hause zu bleiben. Di« japanischen Kabaretts schlössen daher kurz nach Eintritt der Dunkelheit. Die Polizei der internationalen Niederlassung wurde von den Japanern aufgefordert, bei Durchführung des Ausnahmezustandes unterstützend mitzuwirken. Di« japanischen Maßnahmen gehen auf die Auf­regung zurück, die die Nachricht vom Bombarde­ment Wanptnghsiens ausgelöst hat. Sonderaus­gaben der Zeitungen würden reißend verkauft. Ueüerall bildeten sich Gruppen erregter Chinesen, di« an dem Anfang des Krieges mit Japan glauben. Von den Zeitungen wird einheitlich die Verantwortung den Japanern zugeschoben.

Slttemnderbnls In katholischer privatschule

Schamloses treiben im knabeninternat freren / Ein unmöglicher pövogoge / Sie flnstalt geschlossen

.........

»esischen Armee bei Fengtai mit mehr als 189 Granaten. Nach japanischen Erklärungen sollte es sich hierbei um den Beginn einer Strafexpedition handeln, da chinesische Truppen die japanischen Stellungen in der Nähe der Marco-Polo-Brücke angegriffen haben sollen.

Dienstag vormittag beschloß das japanische Ka­binett, diejenigen Maßnahmen zu ergreifen, die zur Durchführung der japanischen Politik in Nordchina notwendig sind. Die Aussichten einer friedlichen Veilegung des Konfliktes in Hopei sind damit äußerst gering geworden. Während Japan die Respektierung lokaler Abmachungen durch die Nanking-Regierung forderte, erklärte Tschiangkaischek, daß er eine Beeinträchtigung der Souveränität Nankings in ganz China nicht dulden könne, im übrigen jedoch bereit sei, auf diplomatischem Wege den Konflikt zu schlichten. Der japanische Geschäftsträger verlangte dem­gegenüber eine klare und endgültige Antwort zur Frage lokal erzielter Vereinbarungen, Zurück­ziehung der nach Norden marschierenden Truppen und eine erneute Ueberprüfung der chinesischen Haltung. Während also auf diplomatischem Ge­biet eine erneute Versteifung eingetreten ist, werden die kriegerischen Vorbereitungen auf bei­den Seiten in beschleunigtem Tempo fortgesetzt.

Die alte chinesische Kaiserstadt Peiping ist von den japanischen Truppen nahezu völlig einge­schlossen, es scheint, daß sich die Japaner auf einen Sturm auf die Stadt vorbereiten. In Tangfu, dem Hafen von Tientsien, wird die Landung weiterer japanischer Truppenkontin­

Osnabrück, 29. Juli.

Durch Verfügung des Regierungspräsidenten in Osnabrück wurde die katholische Privatmittel- schule in Freren, Kreis Lingen-Ems, geschlossen, weil die in dem angeschlossenen Knabeninternat untergebrachte Jugend in einem erheblichen Matze sittlich gefährdet war. Die neueintretenden Zög­linge wurden durch ihre Mitschüler innerhalb kurzer Zeit verführt.

Obwohl dem verantwortlichen Leiter, Kaplan Josef Lammers in Freren, dieses unsittliche Treiben bekannt war, hat er keine wirksamen Maßnahmen zur Unterbindung des Uebels er­griffen. Die sittlichen Verfehlungen der Schüler waren in erster Linie auf das Verhalten des aus Osnabrück stammenden Mittelschullehrers Christian Rispe, der seit etwa zwei Jahren Oberlehrer an der Privatmittelschule in Freren ist, zurückzuführen. So erblickte Rispe seine päd­agogische Aufgabe insbesondere darin, daß er I die Schüler in unsachgemäßer Weise aufklärte. I Sein schamloses Treiben ging sogar so weit.

daß er unzüchtige Handlungen an einem unmün­digen Schüler vornahm. Gegen Riepe ist Haft­befehl erlassen und ein Strafverfahren einge­leitet.

was der vischol von Main; nicht oerkindeete

Koblenz, 21. Juli.

Bei den am Dienstag vor der Dritten Großen Strafkammer in Koblenz durchgeführten Ver­handlungen ergab sich klar die ungeheure Unter­lassungsschuld der kirchlichen Behörden gegenüber den ausschweifenden Klosterangehörigen, die an Sittlichkeitsverbrechen nicht gehindert wurden, obwohl bei dem Oberen, ja sogar beim Bischof Anzeige erstattet worden war.

Vor der Strafkammer standen drei Sittlich- keitsoerbrecher aus dem Kloster Waldbreitbach. Der Angeklagte Max Alwin Opitz, geboren 1994, wurde bereits in Bonn in dem Prozeß gegen die Alexianerbrüder.zu einem Jahr neun Monaten Zuchthaus verurteilt. Opitz war von Hause aus evangelisch, fühlte sich jedoch, wie er sagte, zum katholischen Klosterleben berufen. Mit 28 Jahren kam er nach Unterrichtung in der katholischen Lehre ins Kloster Waldbreitbach. Er war dann in der Niederlassung Waldniel tätig, wo er sich an ihm anvertrauten minderjährigen Zöglingen vergriff. Wegen zwei dieser Fälle, die nachgewiesen und eingestanden sind, stand er vor Gericht. Das ungeheuerliche Unheil und das Herzeleid, das diese Klosterbruder anrichteten, kam mit furchtbarer Deutlichkeit bei der Ver­nehmung der Zeugin Kr. aus Aachen zum Vor­schein. Unter Tränen spricht die mit dem be­drängten hilflosen Jungen erschienene Mutter von dem grenzenlosen Vertrauen, das sie als katholische Frau ins Kloster und die Brllder setzte und wie schmählich sie betrogen wurde. Opitz wurde, als sich seine Schandtaten nicht mehr ver­heimlichen ließen, nach einem balben Jahr aus dem Kloster weggeschickt, doch fand er kurz danach Aufnahme in der Genossenschaft der Alexianer (!).

Mit Recht bemerkte das Gericht, daß der An­geklagte die meisten Verbrechen im Alexianer- kloster gar nicht hätte begehen können, wenn der Vorsteher des Waldbreitbachcr Klosters sich zu wirksameren Maßnahmen hätte durchringen können. Das Urteil lautete aus zwei Jahre Zucht- ^ Haus und Ausschluß aus der deutschen Volksge- > mcinschaft auf drei Jahre.

Der zweite Angeklagte. Theodor S t o l l w e r k. früherer Franziskanerbruder Silvanus, geboren 1902. entpuppte sich als ein p'riüener Lügner Nachdem er vier Jahre lang in Walöbreitbach. Lugano (Schweiz) und Darmstod' als angestellter Krankenpfleger in dem dortigen Kloster tätig ge­wesen war, trat er als Mönch in das Mutter­haus Waldbreitbach ein Nach Ablegung der zeitlichen Gelübde kam er nach Linz. Die dort verübten Schandtaten des Bruders waren im Orden bekannt, er wurde zu den ewigen Gelüb­den nicht zugelassen. Daraufhin trat er aus dem

Orden aus und wurde später verhaftet. Während der Angeklagte in den ersten Vernehmungen schwere sittliche Ausschweifungen mit vier Zög­lingen zugegeben hat, leugnete er jetzt die schwe­ren Fälle. Er wird aber widerlegt durch die in der Verhandlung vernommenen glaubwürdigen Zeugen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen Verbrechens gegen Paragraph 174 Abs. 1 und 3 in Tateinheit mit Vergehen gegen Para­graph 175 StrEB. in zwei Fällen zu zwei Jahren Zuchthaus und der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf drei Jahre. In der Begründung wurde bemerkt, daß die Strafkammer nur die voll erwiesenen Fälle aburteilte.

Auch der dritte Angeklagte, der frühere Fran­ziskanerbruder Rupertus (Karl Lipp), ver­sucht seine Schandtaten zu beschönigen und abzu­schwächen, obwohl er im großen und ganzen ge­ständig ist. Er ist 1903 geboren. 1924 fand er den Weg nach Waldbreitbach zum Mutterhaus der Franziskanerbrüder. Hier fiel er 'zunächst dem Bruder Rufinus in die Finger, der heute nicht mehr aufzufinden ist. Bruder Emmeran, der bereits verurteilt ist, war der nächste Ver­sucher. Der nun verdorbene Bruder Rupertus verging sich in der Niederlassung Darmstadt mit Bruder Dagobert und später mit Bruder Matthias. In einem ersten klaren Augenblick schrieb er an das Mutterhaus, man möge ihn von Darmstadt wegnehmen, weilihm dort Ge­fahr drohe". Diese Ordensleitung hielt es je­doch nicht für nötig, auf einen solchen Brief hin einmal eine Untersuchung vorzunehmen.

Als Krankenbruder, der seine durch gut- Be­ziehungen zur Ordrns'eitvng lese',.igle Machtstel­lung ausnutzte, hat Bruder Rupertus in Darm­stadt und Bingen zwei vom Orden angestellten Krankenwärtern nachgestellt und sie zu den ge­meinsten Unzuchthandlungen genötigt. Wie die beiden Zeugen Schr. und B. aussagten, befürchte­ten sie, entlassen zu werden, wenn sie sich den Wünschen des Ordensbruders nicht fügten. Daß diese Menschen schuldlos waren, geht auch aus den sehr bemerkenswerten Aussagen des Paters Columban hervor, der bereits einmal in diesem Saal als aufrechter Mann von den skandalösen Zuständen in der Franziskanergenossenschaft Wald­breitbach Mitteilung gemacht hat. Ocster wer dieser Pater, dem die Zustände bekanntgeworden waren, beim Gcncralobcren Plazidus sowie bei der bischöflichen Behörde und beim Bischof vonMainz persönlich und hat genaucstcns Anzeige über die bei den gesamten Brudern herr­schende sittliche Verwilderung erstattet. Geschehen ist von diesen höchsten Stellen jedoch nichts, um das Uebel abzustellen. Statt den Schweinestall auszumisten, hat man sich gegen den Kapuziner- pater Columban gewandt! Tatsache ist das er­gibt sich in dem hier vorliegenden Fall daß Bruder Rupertus sich an die beiden Angestellten gar nicht mehr hätte heranmachen können, wenn man den Mitteilungen des Paters Columban Ge­hör geschenkt hätte!

Das Urteil erging hier wegen Vergehens gegen Paragraph 175 StrEB. in fünf Fällen aus zwei Jahre sechs^ Monate Gefängnis bei Anrechnung von einem Jahr sechs Monaten Untersuchungshast.

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klnlseltsfront In Südamerika

Segen den Kommunismus

Der argentinische Senator Sorondo hat in diesen Tagen dem Deutschen Reich einen längeren Besuch abgestattet und mit den führenden Per­sönlichkeiten der Partei und der Regierung Füh­lung genommen. Der Senator, der zu den leiten­den Persönlichkeiten in der großen Republik am La-Plata-Strom gehört, hat sich im besonderen durch die energische Bekämpfung der kommunisti­schen Strömungen in seinem engeren Heimat­lands und in ganz Südamerika hervorgetan.

Der Kommunismus in Südamerika und seine Bekämpfung haben ja eine umfangreiche, auch schon recht blutige Geschichte. Es bedurfte langer und böser Erfahrungen, um die Staaten Süd- amerikas davon zu überzeugen, daß der Bolsche­wismus sich innerhalb ihrer Grenzen einzunisten und die staatliche Ordnung zu zerstören drohte. Schon im Jahre 1932 beklagte sich der damalige Präsident von Paraguay, Dr. Euggiari, in einer Botschaft an den Kongreß, daß die bol­schewistischen Gedankengänge in Südamerika in die Bildungsstätten und politischen Organisatio­nen Eingang fänden, und daß überall Moskauer Agenten am Wecke seien, um einen roten Auf­stand zu entfachen. In Montevideo z. V. hatten sich die Bolschewiken unter dem Protektorat des Sowjetgesandten Minkin eine Art von Ge- neralguartier geschaffen, von dem aus Geld und Waffen über die benachbarten Staaten verteilt wurden.

Die erste rettende Tat vollbrachte Präsident Terra von Uruguay. Er brach die diploma­tischen Beziehungen mit Moskau ab und wies den Gesandten aus dem Lande, ohne auf die Proteste Sowjetrußlands zu achten, das sich in Genf beim Völkerbunds gegen diesenBruch der Völkerrechtsgepflogenheiten" zu beschweren drohte. Die sogenannte Casa del Pueblo wurde auf Be­fehl des Obersten Richters, Dr. Eanzales Morigan, geschlossen, da sie als Zentrale der roten Inter­nationale gedient hatte, einige Rädelsführer wurden verhaftet. Dem Führer, Nepumuco Saraxia, gelang es allerdings, rechtzeitig über die Grenze, zu flüchten und dort weitere Ver­schwörungen anzuzetteln. Auch der Präsident von Argentinien, General Justo, richtete an den Kongreß eine Botschaft, in der er erklärte, daß der Kommunismus in Argentinien als gegen die Gesetze verstoßend zu betrachten und daß kommu­nistische Agitation mit schweren Strafen zu be­legen sei.

Den größten Erfolg hatte die kommunistische Agitation in Brasilien gehabt. Am 27. No­vember 1935 brach unter Führung von Pre­sto s, dem Bevollmächtigten der Komintern, ein offener kommunistischer Aufstand aus. dem sich auch einige militärische Formationen angeschlos­sen hatten. Nur dank dem Umstände, daß die Zentralregierung rechtzeitig von dem Komplott erfahren und blitzartig eingreifen konnte, konnten die Revolte unterdrückt und die meisten Rädels­führer, unter ihnen mehrere Sowjetrus- sen, verhaftet werden. Aus den beschlagnahmten Dokumenten ging hervor, daß ein vollständiger Plan zurMachtübernahme durch die Kommunisten ausgearbeitet worden war. In den Anweisungen an die Rädelsführer, unter denen neben Prestes der Beauftragte Moskaus. Harry Verger, der Italiener Rodolpho Eioldi und derdeutsche" Kommunist Ernst Ewest namentlich genannt werden, hieß es. der Vundespräsident Getulllo Vargas sei entweder gewaltsam zu entfernen oder zu ermorden, die nichtlommu.vistischen Offiziere, die sich widersetz­ten, seien zu erschießen, Post, Polizei und Radio- stationen seien zu besetzen und besondere Abtei­lungen auf Lastwagen, ausgerüstet mit Maschi­nengewehren hätten die Bevölkerung zu terro­risieren. Der Mißerfolg des Putsches war für Moskau ein schwerer Schlag, hat aber lei­der nicht genügt, um die kommunistische Propa­ganda in Südamerika endgültig zu unterdrücken.

Im Vorjahr auf dem letzten panamerikanischen Kongreß in Buenos Aires scheiterte der Plan einer gemeinsamen Frontbildung gegen Moskau am Widerstände Mexikos und zum Teil auch an den Vereinigten Staaten von Nord­amerika, die sich aus Gründen ihrer allgemeinen Rußland- und Japanpolitik abgeneigt zeigten, sich auf einer eindeutigen antikommunistischen Linie festzulegen. Das hielt aber die drei großen ABT-Staaten (Argentinien, Brasilien, Chile) und Uruguay nicht davon ab, sich durch eine gleichgerichtete Gesetzgebung sowohl gegen die kommunistische Propaganda, als auch gegen eine kommunistische oder anarchistische Ein­wanderung zu schützen. Auf die Initiative des Senators Sorondo, der jetzt zu Besuch im Reich weilt, hin, wurden der Kommunismus und die kommunistische V-tätigung alsaußerhalb der Gesims stehend" erklärt. Naturalisierten Argen­tiniern, die sich dieser Verbrechen schuldig machen, kann die Staatsbürgerschaft entzogen