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Nc. rss / 7. Jahrgang
Menotag, 21. September 1SZ7
tinzetpreis 15 Npf.
vie NeichslisuptstM w elirte „flieg ercingriff" ab
Dramatischer veginn der tuftschutzwoche / Neibungslose Vurchsützrung der Sicherheitsmaßnahmen
höchster stlarm!
Berlin, 21. September.
Die mit großer Spannung erwartete Luftschutz- woche wurde in der Reichshauptstadt am Montag unerwartet bereits in der neunten Vormittagsstunde mit einem Fliegeralarm eingeleitet. Die Bevölkerung suchte sofort die gekennzerchneten
Unser lagesspiivgel
Die Völkerbundsversammlung hat die Wie- derwiihlbarkeit des bolschewistischen Valencia- Spaniens zum Völkerbundsrat abgelehnt.
Die japanische Luftwaffe hat für heute mittag ein neues Bombardement auf Nanking angekündigt.
In einem Zuchthaus in Kalifornien brach eine schwere Revolte aus.
In Warschau kam es zu jüdisch-marxistischen Ausschreitungen.
Große Ueberschwemmungen im Rhonegebiet richteten für 1V Millionen Franken Schaden an. Das Kuratorium der Hindenburgspende erlägt einen Ausruf.
Die Reichshauptstadt stand im Zeichen eines großen Fliegeralarms.
Der erste Tag der Verdunkelung des Gebietes von Bremen nahm eine« reibungslosen Verlaus.
In Bremen ereigneten sich zwei tödliche Ver- kehrsunsälle.
Der Bremer Motorgleiter „Temperolus" wurde im Flughafen getauft.
Im Doppelsitzer-Segelflugzeug wurde eine neue deutsche HLHenweltbestleistung aufgestellt.
Schutzräume aus, und innerhalb von wenigen Minuten waren die Straßen völlig menschenleer. Bei dem mit Sirenengeheul angekündigten Fliegerangriff gelang es einem „Gegner", bis zu zwei Stadtteilen, darunter einem wichtigen Berliner Jndustrieort, vorzustoßen, in denen jedoch Fliegerabwehr bereitstand. Für diese beiden Ttadtteile, die nach dem Alarm sofort abgeriegelt «rden, hielt der Alarmzustand längere Zeit an, nistend er für das übrige Stadtgebiet nach einer kippen Stunde wieder aufgehoben wurde.
Der mustergültige Einsatz des zivilen Luftschutzes, der Technischen Nothilse und des Roten Kreuzes, die zielbewußte Arbeit der Feuerwehr sowie der Polizei und ihrer vielen Hilfsorgane, aber auch die vorbildliche Haltung der Bevölkerung durch eine schnelle Räumung vom-Straßen, Verkehrsmitteln und Wohnungen — alles zusammen trug zum ausgezeichneten Gelingen der ersten Uebung der Luftschutzwoche bei. Im einzelnen liegen uns über den Fliegeralarm in der Vier- millionenstadt folgende packende Schilderungen vor;
Genau 8.20 Uhr verkündeten aufheulende Sirenen das Nahen der „feindlichen Flieger". Daß dieier Alarm, gleich in den ersten Stunden einsetzen würde, hatte keiner erwartet. Es war aber erstaunlich, wie schnell sich die Massen in die neue Situation hineinfanden.
Leere Straßen
,Chonnach einer einzigen Minute hatte sich das Ttraßenbild erheblich verändert: Die Bahn fährt keine zehn Meter weiter, der Autobus hält, und nom Schaffner geleitet streben die Fahrgäste in Echaren eilends dey Schutzrüumen zu. Mustergültig schnell haben sich such die Kraftfahrer rud Radfahrer den anderen angeschlossen; in tan- str Reihe stehen ihre Fahrzeuge an der Vord- iiiwelle oder an den Fronten der Häuser. Die sie Läden verlassenden Käufer und die Be- Ar der Stadt tun deckumgsuchend ein gleiches, "ie aus dem'Boden gestampft sind plötzlich Polizei und Hilfskräfte zur Stelle. Einige wenige Volksgenossen, die glaubten, sie könnten auf eigene baust weiter, landeten infolgedessen bald bei «llen anderen. Kein Rad rollt mehr, und keine Renichenseele ist weit und breit aus den Straßen zu sehen. Es ist unheimlich still wie in^ tiefer Kacht. Die Autos und Motorräder der Luftwaffe und der Polizei haben freie Bahn für ihre kniende Fahrt.
lä Minuten nach Beginn des Alarms donnern schwere Maschinen über die Stadt. In das Brummen der Flugzeugmotoren mischt sich das Dröhnen Abwehrgeschütze, das Knattern der Maschinengewehre und' das Krachen von Detonationen.
an den Häusern versammeln die Luftschutz- deamten die ganze Hausgemeinschaft bis auf die Kranken und Gebrechlichen im tiefen Schutzraum und die von draußen Hereinströmenden finden in fkn Hausfluren Unterkunft. Man spricht von der Uebung und ist froh, daß eine starke Wehr das -and beschirmt.
^cherßeitgmoßnaßmen auf den Vatzntzöfen
Dr die Bahnhofsanlagen der Reichsbahn als Brennpunkte des Verkehrs im Ernstfälle beson- gefährdet sein würden, hatte man auf den Meren Bahnhöfen auch zahlreiche Kolonnen Männer und weibliche Hilfskräfte des Roten tteuzes zusammengezogen. 2m Hinblick darauf, .i auf den Bahnhöfen im allgemeinen Luft- Mvkauni« noch nicht vorhanden sind, waren die ^artesäle und sonstige geeignete Räumlichkeiten
Rl Hilfsluftschutzräumen erklärt worden. Der Potsdamer Bahnhof z. B. bot zwei Minuten nach dem Alarm ein völlig menschenleeres Bild; nur die Reisenden der Fe'rnzüge durften die Sperre passieren.
Verhältnismäßig einfach spielte sich der Fliegeralarm auf der Untergrundbahn ab. In den unterirdischen Anlagen waren genügend Luftschutzräume vorgesehen. Die auf offener Strecke befindlichen Züge strebten dem nächsten Bahnhof zu, um dort, soweit möglich, während der Dauer des Alarms zu halten. Den Fahr- gästen war es freigestellt, im Zuge zu bleiben oder den Bahnsteig aufzusuchen. Gegen die Außenwelt waren dig U-Bahnhöfe bei Veginn des Alarms durch Schließen der Gittertore sofort abgeriegelt worden.
„Bomben" auf ein großes Kaufhaus
Eine erstaunlich wirklichkeitsgetreue Luftschutzübung sah man auch in einem großen Kaufhaus der Innenstadt, wo angenommen wurde, daß Vrisanzbomben die Glasdächer von zwei großen Lichthöfen durchschlagen hatten und in den meysch engefüllten Verkaufsräumen krepiert waren. Der Einsatz des Luftschutz- und Sanitätsdienstes der Gefolgschaft, verstärkt durch das Rote Kreuz, erfolgte ebenso »schnell wie zweckentsprechend. Aerzte und Sanitätspersonal leisteten die erste Hilfe und sorgten für Abtransport in die nächstgelegenen Krankenhäuser. Die Verwundungen waren durch Farbe und Verbände ernstfallmätzig vorgetäuscht, so daß der uneingeweihte Beobachter tatsächlich eine Katastrophe hätte vermuten können. Auch Brandbomben sollten den ausgedehnten Eebäudekomplex getroffen haben. Die Hausfeuerwehr wurde sofort alarmiert und durch die Berufsfeuerwehr verstärkt. Während die Wehrmänner, die wegen der starken Verqualmung Mit Gasmasken vorgehen mußten, die Brandherde einkreisten und das
Feuer ablöschten, mußte das ganze Gebäude von der Gefolgschaft geräumt werden, die in den nahegelegenen Tiergarten geleitet wurde.
2n den S ch u l e n fiel der Unterricht aus. Die Lehrkräfte fanden sich jedoch wie an gewöhnlichen Tagen vollzählig ein, um während der Uebung Luftschutzbereitschaften zu bilden. Lehrer und Lehrerinnen waren in Brandschutz-, Feuer- und Sanitätswachen eingeteilt. .
Eine halbe Stunde lang war die Weltstadt äußerlich in einem Dornröschenschlaf versunken. Dann ertönte die Entwarnungssirene — verschiedentlich erfolgte die Entwarnung auch durch Radfahrer mit wehenden weiß-grünen Fahnen — und sofort waren die Straßen wieder vom regsten Leben durchpulst. Nur in den beiden Vollübungs- gebieten wurde der normale Zustand noch lange nicht wiederhergestellt.
stbwetzr zerschlug den flngriff
Harte Arbeit bedeutete die Lustschutzübung selbstverständlich für die Abwehrkräfte, die Hervorragendes leisteten und so tiefe Zufriedenheit Lei der Bevölkerung auslösten.
Im Fliegerhorst am Westrande der Reichshauptstadt ist höchste Alarmbereitschaft befohlen. Startbereit die Maschinen! Ein Nach- richtenzug verläßt den Horst, eine Staffel kommt vom Erkundungsflug, eine andere steigt auf. Die ersten Nachrichten des Flugmeldedienstes laufen ein; der Gegner plant in größeren Verbänden und aus verschiedenen Richtungen einen Angriff. Nun setzt die Gegenwehr ein, und Staffel auf Staffel zieht in sekundenschnellem Start dem Feind entgegen. Kaum ist die letzte aufgestiegen, hämmert auch schon eine der großen Flakbatterien in der Nähe los und im gleichen Augenblick schießen im Tiefangriff, nun deutlich erkennbar, gegnerische Jagdflieger herunter, von einem mörderischen Abwehrfeuer empfangen, das sie zwingt, sofort wieder in den Wolken Schutz zu suchen. Sekunden
später fegt eine Jagdstaffel zu ihrer Verfolgung hinterher. Immer stärker werden die Schläge der schweren Flakbatterien vernehmlich. Mit einem Male dröhnt das Bellen der leichten Abwehrwaffen von allen Seiten herüber. In großer Höhe wird zwischen den Wolkenfetzen ein gegnerisches Kampfflugzeug gesichtet. Ein Sanitätsflugzeug steigt auf. Die ganze Iagdgruppe ist eingesetzt. Nun treffen auch die ersten Meldungen über die Wirkung der konzentrierten Abwehr durch die Drachen- und Ballonsperre, die leichten und schweren Flakbatterien und den frühzeitigen Einsatz der schnellen Iagdeindecker ein.
Schon aus dem Anflug hat der Gegner empfindliche Verluste erlitten, und je mehr er sich seinem Angriffsziel näherte, um so stärker hat ihn die Abwehr dezimiert. Die tiefhängende Wolkendecke hat ihn beim Erreichen seiner Angriffsziele in das konzentrierte Feuer der leichten Flaks gebracht. 2n einem wundervollen Stnrz- kampsangrifs stoßen in der Ferne aus einer Wolkenschicht in langer Linie schwere „feindliche" Kampsmaschinen herunter, die sich durch die Sperren und das Abwehrfeuer gewunden und der Entdeckung durch die Jagdflieger entzogen haben. Ganz tief, fast über den Dächern eines Industrieviertels ziehen sie lange tiefblaue Rauchbahnen, die den Bombenabwurf markieren. Aber schon sind wie die Teufel Jagdeindecker hinter ihnen her, jagen ohrenbetäubend ihre Maschinen- gewehrgarben in den Feind, dem das überschnitten« Feuer der zahlreichen Abwehrbatterien das Entkommen unmöglich zu machen scheint. Vergeblich versuchen sie. Höhe zu gewinnen, die wendigen Jäger sind bei weitem iilmeller und drücken sie in das oerderbenspeiende Feuer der Flaks. Aus allen Richtungen und in allen Höhen versuchen die Angreifer näher zu kommen, aber es sind immer nur vereinzelte, die ihr Angriffsziel erreichen und noch weniger, die wieder in den rettenden Schutz der Wolken gelangen.
Iiefenmigriff aus das keginungsviertei
Zahlreiche angenommene Schällen — Sicherheit- und Hilfsdienst greift erfolgreich ein
Ein besonders packendes Bild von dem Fliegerangriff auf die Reichshauptstadt erhielt mau im Regierungsviertel und in dem Vorort Siemensstadt, den zwei Stadtteilen, zu denen bei dem konzentrischen Angriff auf ganz Berlin der angenommene Gegner vorstoßen und eine große Anzahl Treffer landen konnte. Man hat absichtlich diese Vollschutzllbung in das Zentrum der Stadt gelegt, um auch hier einmal den zivilen Luftschutz zum Einsatz zu bringen und dabei Erfahrungen zu sammeln, besonders bei der Stillegung und Umleitung des Verkehrs.
stuf dem Wilhelmplay
Ruhig wie immer nimmt auf dem Wilhelmplatz das Leben zunächst seinen Gang. Nur bei besonderer Aufmerksamkeit stellt man kleine Aenderungen fest. Um 8 Uhr bemerkt man z. B. sämtliche Luftattaches der in Berlin akkreditierten Mächte, die sich vor dem „Kaiserhof" versammeln, um der Vollschutzllbung am Wilhelmsplatz beizuwohnen. Im Hotel „Kaiserhof" weist ein Schild den Weg zum Rettungsabfchnitt Mitte der Befehlsstelle des höheren Poltzeiführers Berlin. Eine Kurzwellenfenderanlage ragt am Dach hoch. Vor jedem Haus steht ein Schutzmann mit der Gasmaske am Gurt, den Stahlhelm als Kopfbedeckung. Die wichtigen Straßenkreuzungen sind ebenfalls von Polizei und SA.- oder NSKK.- Männern besetzt. Um 8.20 Uhr ertönt das erste Heulen der Sirenen, das in kurzen Abständen für mehrere Minuten sich immer wiederholt und zum Freimachen der Straßen mahnt. Die Tore zum U-Bahn-Lingang schließen sich. Die Straßen und der Platz sind nach knapp fünf Minuten frei. Nach weiteren zehn Minuten hört man Kommandos über den Platz schallen. Die Veobachtungsposten auf den Dächern haben mit ihren vorzüglichen Suchgeräten bereits den angenommenen Gegner erspäht, ehe er für die anderen hör- oder sichtbar geworden war. Plötzlich bellen die Flaks los, blitzen auf den Dächern die Mllndungsfeuer der Maschinengewehre auf, obwohl bisher nur das tiefe Gebrumm der Fliegermotoren zu hören, jedoch noch nicht zu sehen war.
In nächster Sekunde jedoch rast in ganz geringer Höhe die erste Flugzengstaffel über den Platz, empfangen von einem heftigen Abwehrfeuer, das dem Gegner von allen Seiten ent- gegenschlägt. Zu gleicher Zeit geht vom „Kaiser- Hof"-Hotel eine Rakete hoch, andere steigen in der Voßstraße. in der Wilhelmstraße und am Leipziger Platz zum Himmel. Sie sind das Zeichen für das Abbrennen der Feuerwerkskörper, die die Einschläge aus Straßen und Plätzen markieren sollen. Mit donncrartigem Getöse kracht inmitten des Wilhelmplatzes unmittelbar vor dem Propagandaministerium eine „Bombe" los, eine andere „zerstört" den südwestlichen Fluge! des Hotels „Kaiserhof". Eine dritte hat in das Berkehrsministerium an der Poststrage „ei»ge- schlagcn" und auch die zahlreichen kleinen Brandbomben, die im Zuge der Poststrage gelandet werden, verfehlen nicht ihr Ziel.
Ueberall steigt auf den Gebäuden dicker Qualm hoch, der den Wilhelmplatz und die anliegenden Straßenzüge vollkommen verdunkelt und die Sicht auf die nachfolgenden gegnerischen Flugzeuge,-die unablässig das Regierungsviertel angreifen, verhüllt. In das Bellen der Flaks mischen sich die Detonationen der gelandeten Bomben. Flammen züngeln auf den Dächern und an den Häuserfronten hoch und leuchten aus den dichten Rauchschwaden' hervor. Vom Dach des Hotels „Kaiserhof" werden nach dem Wilhelmplatz hin lange schwarze Bänder hinabgeworfen zum Zeichen, daß diese Hausfront getroffen worden ist und daß „Einsturz - gefahr" besteht. Aus den Fenstern der getroffenen Gebäude wehen plötzlich rote Fähnchen zum Zeichen von „Brandgefahr". Die Einschläge auf dem Platz und in den Straßen werden durch rote und blaue nachgebildete Fliegerbomben markiert, und wo ein Wasser oder Gasrohr getroffen worden ist, haben die ersten Luftschutztrupps ein großes W und E auf die Fahrbahn gemalt.
Eine halbe Stunde lang ist das 'Regierungsviertel erfüllt von dem Motorengeräusch der im-
Warschau, 21. September. Die im öffentlichen Leben Polens immer stärker in Erscheinung tretenden jüdischen Anmaßungen führten nun auch in Warschau zu einer Reihe von Zusammenstößen zwischen polnischen Nationalisten und Juden: In dem jüdischen Stadtviertel der polnischen Hauptstadt fielen Juden, die sich zahlenmäßig in starker Ucberlegenheit befanden, über mehrere Polen her und verletzten sie durch Messerstiche. In einem anderen Fall wurde ein Polizeibeamter von halbwüchsigen Juden verletzt. In einer Straße des jüdischen Viertels bewarfen Judenlümmels ein Auto mit Steinen. Durch die Steinwürfe trug eine Frau im Innern des Wagens erhebliche Verletzungen davon.
Aus der Tatsache, daß Mitglieder der polnischsozialdemokratischen Partei gleichzeitig einen Umzug durch die Straßen zum Schutze der Juden veranstalteten, darf gefolgert werden, daß es sich bei den Ausschreitungen um eine planmäßig vorbereitete Aktion von jüdisch-marxistischer Seite egen die sich in Polen verbreitende Abwehr- eioeguna gegen das Judentum handelt.
Die jüdischen Anmaßungen und Angriffe blieben nicht unbeantwortet. Bei den Zusammenstößen wurden mehrfach Fensterscheiben jüdischer Geschäfte und Läden zertrümmert und eine Reihe von Juden verprügelt. U. a. wurde der aus der Zeit der Sachsenkönige stammende Sächsische Garten, der die modernere Stadt von der jüdischen Altstadt trennt und heute vorzugsweise von Juden bevölkert wird, von einer Gruppe junger polnischer Nationalisten gesäubert. Ein Jude wurde dabei in den Parkteich geworfen. Der Polizei gelang es, die Ruhe und Ordnung wiederherzustellen.
mer wiederkehrenden gegnerischen Flugzeuge der ihnen nachjagenden wendigen Jagdflugzeuge,'dem Abwehrkamps und den Detonationen der „Bomben", bis endlich aus den anderen Stadtteilen, in denen keine Vollübung abgehalten wurde, das langanhaltende Sirenengeheul als Zeichen für die Beendigung der Luftschutzübung zu hören ist. Trotzdem wird das Regierungsviertel noch einmal zum Objekt eines Angriffs, ehe die „feindlichen" Flugzeuggeschwader endgültig verschwinden.
Schnelles klngreifen des Selbstschutzes
Sofort nach Landung der ersten „Bomben" war von den örtlichen Leitungsstäben der Alarm an die Polizeireviere weitergegeben worden mit genauer Angabe der bisher beobachteten Schäden und der Arbeit des Hausselbstschutzes, dem selbstverständlich die erste Hilfe und Schadensbeseitigung zufällt. Erst dann, wenn die angerichteten Schaden so schwer sind, daß sie vom Haus- selbstschutz nicht bewältigt werden können, greift der erweiterte Selbstschutz ein, der hauptsächlich in größeren Betrieben, Behvrdenhäusern und großen Bllrobetrieben bereitsteht.
(Fortsetzung auf Seite 2)
Kattowitz, 21. September.
Am Sonntag fand die Beisetzung des im Bielitz von einem Juden ermordeten Arbeiters statt, an der sich über 10 000 Menschen beteiligten. Als die Menge von der Trauerfeier zurückkehrte, wurde sie in Straßen, die vor allem von Juden bewohnt sind, in unerhörter Weise von den Juden mit Steinen beworfen und aus den Fenstern mit Wasser begossen. Diese frechen und herausfordernden Angriffe der Juden lösten bei der Menge flammende Empörung aus. Man stürmte die Häuser und schlug die Fensterscheiben ein. Besonders wurde die Synagoge in Mitleidenschaft gezogen. 'Erst in den Abendstunden konnte die Polizei die Ruhe wiederherstellen. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen.
Z0 Zubenkneipen geschlossen
(liliZsnsr vralitböriobt llsr „Lrsmsi 2situng") rg. Beuthen, 21. September.
Der Polizeipräsident des oberschlesischen ^ndustriereviers hat in seinem Bereich in den letzten Wochen nicht weniger als 30 jüdische Schankstätten schließen lassen. In diesen Tagen mußten erneut drei derartige Gasthäuser geschloffen werden, da festgestellt wurde, daß sie Sammel stellen staatsfeindlicher Elemente waren. Die Inhaber der Kneipen duldeten geheime kommunistische Zusammenkünfte und gewährten kommunistischen Funktionären, die wegen Hochverrats verurteilt waren, längere Zeit Unterkunft.
Menmob wütet in Warschau
Nedrinsch-marrWsche Messerstecher terrorisieren einen Stadtteil
Her friedliche Krieg
Zum Veginn der Kroßen wetzrmachtmanöoor
Von Ilauptmanll (P) von 2sslra
Anläßlich der soeben begonnenen großen WehrmachtsmanSver, die mit einer Lustschutzwoche verbunden sind, dürfte den nachstehenden Ausführungen ein erhöhtes Interesse zukommen:
Wenn der Herbstwind über das Land braust, wenn die Mehrzahl der Felder abgeerntet ist, dann ist für den Soldaten die letzte Stufe der Verbandsausbildung gekommen: das Manöver. Der Soldat von heute bedarf einer anderen Ausbildung als der Grenadier Friedrichs des Großen, lleberflüssige Aeutzerlichkeiten haben den sachlichen Notwendigkeiten des modernen Felddienstes weichen müssen. Der Krieg unseres Zeitalters erheischt keine Paradetruppen, sondern Feldsoldaten von höchster Entschlußkraft, praktischem Denken, körperlicher und geistiger Wendigkeit. Manöver im Frieden sind heute Uebungen für den Kriegsfall; Uebungen, die der Kriegswirklichkeit so nahekommen, wre es überhaupt im Frieden möglich ist. Sie bringen dem Soldaten daher auch große Anstrengungen und Entbehrungen. Aber dafür bringt der Soldat von heute eine gründliche Ausbildung und einen harten, durchtrainierten Körper mit. Er freut sich darauf, im friedlichen Krieg im Gelände zu zeigen, was er im Unterricht, auf dem Kasernenhof und Exerzierplatz gelernt hat. Und der höhere Führer freut sich darauf, im Manöver mit eigenen Augen zu sehen, wie seine in langen Arbeitsstunden entworfenen Ausbildungsrichtlinien in der Truppe praktische Gestalt gewonnen haben.
' 2n der heutigen Zeit reichen die üblichen Manöver der kleineren Einheiten im Regiments- und Divisionsverband aber nicht mehr aus, um die Schlagfertigkeit und Organisation der Truppe für den Ernstfall zu erproben. In verstärktem Maße sind in fast allen Heeren größere Truppenver- bände motorisiert und mechanisiert, neue Waffen eingeführt, Panzerverbände aufgestellt, Truppen- einherten einer Neuorganisation unterworfen sowie die Luftwaffe, Flakartillerie und Kriegsmarine modernisiert und stark ausgebaut worden. Diese Rüstungsbewegung hat ihren Ausdruck in einer besonderen Vertiefung der diesjährigen großen Manöver in allen Staaten gefunden. Zwei Dinge fielen dabei besonders auf: Der Umfang der Manöver und das Bestreben, die neuesten Waffen und Kampfgrundsätze für den Ernstfall zu erproben.
lung Rechnung tragen, wenn sie der Aufgabe gerecht werden will, die ihr vom Führer übertragen ist: über die Sicherheit von Volk und Staat zu wachen. Sie hat daher im vergangenen ^ahr erstmalig wieder nach mehr ' als zwanzig Jahren und nach Wiedergewinnung der Wehrfreiheit große Herbstmanöver durchgeführt der denen zwei Armeekorps, unterstützt von der Luftwaffe, gegeneinander auftraten' und bei denen erstmalig an Stelle der bis dahin auf Grund des Versailler Diktats üblichen Attrappen die neuzertlichen Waffen herangezogen werden konnten. In diesem Jahr aber führt die Wehr- macht, wie es auch in anderen Ländern geschehen ist erstmalig Wehrmachtsmanöver durch, an denen Nicht nur, wie im vergangenen Jahr, das Heer, und geringe Teile der Luftwaffe beteiligt sind sondern alle drei Wehrmachtsteile, Heer, Kriegs- marine und Luftwaffe in entsprechender Stärke. Diese Tatsache ist ein erfreulicher Beweis für die grogen Fortschritte des seit dem Vorjahr tatkräftig geforderten Ausbaus und der Schlag- fertigkeit unserer drei Wehrmachtsteile. Sie i'st ferner ein Beweis für die inzwischen erzielten Fortschritte in der Ungleichung unseres Rüstungsstandes an den der anderen Staaten.
, ersten deutschen Wehrmachtsmanöver unterscheiden sich in ihrer Anlage und Durchführung naturgemäß wesentlich von den vorjährigen großen Herbstmanövern. Durch die Teilnahme aller drei Wehrmachtsteile übertreffen sie die früheren Manöver sowohl nach der Zahl der teilnehmenden Truppen wie in der räumlichen Ausdehnung um ein vielfaches. Die Krieqslage sieht einen blauen und einen roten Staat vor deren gemeinsame Grenze in nordsüdlicher Richtung mitten durch Norddeutschland verläuft Aus dieser Lage der Manöver kann man — was nicht unerwähnt bleiben darf — ersehen, daß die Führung jegliche wehrpol i t i sche Tendenz gegenüber einem unserer Nachbarn vermieden hat mährend im Gegensatz hierzu die Manöveranlagen des Auslandes schon des öfteren Anlaß zu solchen Deutungen gegeben haben. Bei uns hat man sich grundsätzlich von einer derartigen Verwertung der Manöver ferngehalten Wir verbinden mit den diesjährigen Wehrmachtsmanövern weder polrtrsche Zwecke, noch eine Hauptprobe für strategische Plane des Ernstfalles. Die Wahl und die Ausdehnung des Uebungsraums der Manöver^ die sich in der Hauptsache in Mecklenburg und Pommern sowie — durch die Teilnahme der Kriegsmarine in der Ostsee abspielen, ergeben sich vielmehr aus folgenden Gründen:
bei der Durchführung der großen diesjährigen Manöver in den Ländern um Deutschland der Schwerpunkt auf das Zusammenwirken der verschiedenen Waffengattungen und Wehrmachtsteile, auf die Erprobung der ruuen Waffen und auf die neuen Grundsätze von Führung und Taktik gelegt worden ist. ist auch für uiyere Wehrmacht die Notwendigkeit gegeben, das operative Zusammenwirken von Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe in Fragen des Einsatzes und der Organisation für den' Ernstfall zu