Ausgabe 
(21.10.1937) Nr. 289
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parteiamtliche "tageszeitung

NachrichtenblaN der Deutschen flrdeitsfront Dremen

der National

flmtsblaN des Senats der Lreien Hansestadt vremen

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Das amtliche verkündungsblatt des Neichsstatchalters m Oldenburg und Vremen

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Nr. 2SS / ?. Jahrgang

Vonnerstag, 21. Sktober IM

kmzelprels 15 Npf.

Prag holt sicii in verlin eine verdiente flbfulir

Unser lagvsspisgel

Freiherr von Neurath hat in der Angelegen­heit des Teplitzer Skandals einen unverschäm­ten tschechischen Protestschritt zurückgewiesen.

2m Londoner Nichteinmischungsausschug wurde eine grundsätzliche Einigung erzielt.

Die bolschewistischen Horden haben Gijon ge- brandschatzt.

Reichsleiter Rosenberg sprach aus dem Deut­schen Beamtentag.

Der Absatz des Jnlandtabaks 1937 ist neu geregelt worden.

In Kürze wird die Werra-Kanalisierung in Angriff genommen.

In Vegesack wird am 3l>. Oktober eine NSB.- Schau eröfsnet.

2500 Madeirafahrer kehrten gestern zurück.

Der Gegner Max Schmelings in der Hanse­atenhalle wird am 3l>. Januar 1338 Ben Foord.

Um 4 Meistertitel der Berufsboxer ging ein Erogkampsrag in der Deutschlandhalle.

Im Schachweltmeisterschastskamps gewann Dr. Aljechin auch die 7. Partie.

Italien begrüßt NuSolf lieh

(Uigsner violltdsiiekt ckerLrsiusr Leitung")

- - Rom, 21. Oktober.

Die Nachricht, daß der Stellvertreter des Füh­rers, Reichsminister Rudolf Hetz, als Vertreter der NSDÄP- am höchsten Festtage des Faschis­mus, dem 15. Jahrestag des Marsches auf Rom, teilnehmen wird, hat in der italienischen Öffent­lichkeit tiefe Freude ausgelöst.Wir sind uns mit Stolz und Freude dessen bewußt, beim Eintritt in das Jahr XVI des Faschismus den Gleich­schritt der befreundeten deutschen Nation zu er­leben". schreibtPopolo d'Jtalia". Auch in an­deren Blättern wird hervorgehoben, datz der Be­such Rudolf Hetz' eine deutliche Manifestation der inneren Verbundenheit der beiden Nationen und der deutsch-italienischen Freundschaft dar­stelle.

Himmler aus Nom abgereist

Rom, 21. Oktober.

ReiHführer und Dhef der deutschen Polizei, Himmler, hat gestern vormittag zusammen mit dem Lhef des Hauptamtes Sicherheitspolizei, ss-Gruppenführer Hehdrich, die italienische Haupt­stadt wieder verlassen, während sich der Dhef des Hauptamtes Ovdnungspülizei, ss-Obergruppen­führer General Daluege, und der Dhef des per­sönlichen Stabes des Reichsführers ss, ss-Grup­penführer Wolfs, zusammen mit den übrigen Herren der Begleitung noch mach Littoria, Sa- baudia sowie nach Neapel und Sorrent begeben.

Julius Streicher IS Jahre KSmpfer der NSVflp.

Nürnberg, 21. Oktober.

ieFränkische Tageszeitung" erinnert in m ausführlichen Artikel daran, datz am gestri- Mittwoch 15 Jahre vergangen sind, seit us Streicher die erste Ortsgruppe der Be- ung in Nürnberg gründete. Der 05 ?. er hatte bekanntlich unmittelbar nach Kriegs- - seinen politischen Kampf eröffnet und mte zuerst in der deullchsozialrsii schon Parier, r in der deutschen Werkgememschast. Ihr ann er mehr als 3000 eingeschriebene Mil­ler: ferner gründete er zwei Zeitungen, die rpfblätterDeutscher Sozialist" undDeut- : Volkswille", die mehr als 10 008 Leser en. Im Herbst des folgenden Jahres unter- ie er sich mit seiner Bewegung , und ,ferner ung Adolf Hitler. Am 20. Oktober gründete im Ludwigstor-Zwinger zu Nürnberg Die r Ortsgruppe der NSDAP- Durch diese Tat ate Julius Streicher der Bewegung den Weg > dem Norden. Durch seinen Kampf gegen die ölenden und zugrunderrchtenden Kräfte entums entstand im Herzen der Nürnberger älkerung wieder der alte Reichsgedanke. Dr :e damit den Boden geschaffen, auf welchem llf Hitler Nürnberg zur Stadt der Rerchs- teitage erheben konnte.

kolonialkonferen; gefordert

London, 21. Oktober.

Lieder erscheinen in derTimes" Zuschriften Kolonialfrage. Der englische^ Publizist.und nkareisende Sir John Hurris, der bereits ein ch über die deutschen Kolonien geschrieben Hat, atzt sich u. a. insbesondere mit der Frage; ?a8 Verhandlungen über die Kolonien die Ein- boren en befragt werden mugtell, die heute eits genau ihr Recht kennen. Deutschland sie man erklären, datz die Sprecher der Ein- wrenen bereits geäußert hatten, sie waren t den Mandaten nicht zufrieden. Als Lo,ung

l°St der Schreiber , die Einberufung der K o-

aialkonferenz vor, die im Artikel 1o der mvention von St. Germain vorge^Len sei.

Her Nelchsaußenminisier fum leplitzer Skandal

kin seltsamer Protest

und eine deutliche flntwort

Berlin, 21. Oktober.

Der tschechoslowakische Gesandte Maftny suchte gestern den deutschen Reichsminister des Aus­wärtigen auf, um gegen den Ton der deutschen Presse bei der Erörterung der Teplitzer Vorfälle Verwahrung einzulegen. Der Reichsminister des Auswärtigen hat in seiner Erwiderung daraus hingewiesen, datz ein solcher Protest angesichts des Charakters der polizeilichen Uebergrisfe fehl am Platze sei, da die Erregung der deutschen Öffent­lichkeit eine natürliche und selbstverständliche Folge der schweren Ausschreitungen staatlicher Organe gegenüber dem Sudetendeutschtum sei. Wenn man eine solche Reaktion der deutschen Presse wie die der letzten Tage vermeiden wolle, dann müsse man in erster Linie tschecho- slowakischerseits dafür Sorge tragen, datz kein Anlatz zu solchen Aeußerungen gegeben würde.

Sonderbar, höchst sonderbar: in einem Nachbarstaat des Reiches werden deutsche Staatsbürger von Polizisten jenes Landes

ohne jeden triftigen Grund, nur weil sie Deutsche sind, auf viehische Weise öffentlich mißhandelt, die Presse des Reiches drückt ihre Empörung über den skandalösen Vorfall aus und die Regierung des unmöglichen Landes zieht die Schuldigen innerhalb ihrer staatlichen Organe nicht nur nicht zur Verantwortung, sondern erkühnt sich sogar, einendiplomatischen Schritt" gegen die Verbreitung der Wahrheit und gegen das natürliche Echo der unerhörten körperlichen und seelischen Mißhandlungen zu unternehmen. Wir geben zu: die Regie­rung der Tschechoslowakei kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die poli­tische Heuchelei auf ihren Gip­felpunkt getriebenzu haben. Doch ' der Präger Angriff erwies sich als eine Fehl­spekulation ersten Ranges. Der beauftragte Gesandte holte sich an der zuständigen Stelle des Reiches eine Abfuhr, um die ihn nie­mand beneiden dürfte. Es wurde ihm amt­

lich bestätigt, daß in seinem Lande polizei­liche Uebergrisfe, ja Ausschreitungen staat­licher Organe erfolgten, es wurde ihm un­zweideutig zu verstehen gegeben, daß am allerwenigsten das nationalsozialistische Deutschland ein Gelände für freche diploma­tische Manöver bietet. Und was denTon der deutschen Presse" betrifft, so brauchen die Zeitungen im Deutschland Adolf Hitlers allerdings keine Zensur über sich ergehen zu lassen. Sie können im Gegensatz zu den ge? knebelten Blättern imdemokratischen" Lande derPressefreiheit" den ganzen Tat­bestand eines Kulturskandals an den Pran­ger stellen. Weiße, unbedruckte Flächen mit­ten im Zeitungstext kennt sie nicht. Vor allem aber steht fest: indemdiePrager Regierung Wahrheit und Offen­heit fürchtet, hat sie bereits das Urteil über sich selbst und über ihre verwerflichen Handlungen gesprochen..

OrunvsWiche kinlgung In London

Neue positive Vorschläge Veulschlands und Italiens im Mchteinmischungsausschuß

London, 21. Oktober.

In der gestrigen Sitzung des Nichteinmischnngs- ausschusfes wurde infolge des Entgegenkommens Italiens und Deutschlands auf Grund neuer, vom italienischen Botschafter Graf Grandi vorgebrach­ter Vorschläge, die vom deutschen Vertreter, dem Gesandten Dr. Woermann, unterstützt wurden, eine grundsätzliche Einigung erzielt. Die neuen Vorschläge müssen jedoch noch zu einer Entschlie­ßung zusammengefaßt und im einzelnen festgelegt werden. Infolgedessen ist eine weitere Sitzung des Nichteinmischungsausschusses erforderlich, die für Freitag nachmittag 3 Uhr angesetzt worden ist. In der Zwischenzeit werden die Vertreter des Hauptausschusses des Nichteinmischungsausschusses ihren Regierungen berichten, damit sie in den Stand gesetzt werden, die erzielte Einigung im einzelnen endgültig festzulegen.

Die Sitzung wurde durch eine Erklärung Graf Erandis eingeleitet, in der dieser sich bereit­erklärte, der Entsendung einer Kommission nach Spanien zuzustimmen, damit diese die Anzahl der in Spanien dienenden Ausländer feststellt, um darüber hinaus der symbolhaften Zurück­ziehung einer gleichen Anzahl von Freiwilligen auf beiden Seiten sofort zuzustimmen. Er gab weiterhin der Auffassung Ausdruck, datz auf Grund des Kommissionsöerichtes darüber ent­schieden werden solle, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Form den spanischen Parteien die Kriegführenden Rechte gewährt werden sollten. Ferner erklärte er noch einmal ausdrücklich die Annahme des britischen Planes.

Der deutsche Vertreter erklärte hierüber,, datz er die gleichen Weisungen wie der italienische Botschafter habe, und führte im einzelnen aus:

1. Deutschland nimmt die Anregung einer so­fortigen Zurückziehung einer gewissen Anzahl von Freiwilligen aus Spanien, die aus beiden Seiten gleich groß sein soll, an.

2. Deutschland hält es für erforderlich, eine schnelle Entscheidung über die Frage der Neu­tralität und die Gewährung Kriegsiihrender- Rechte herbeizuführen, macht aber die Gewährung Kriegführender-Rechte nicht zu einer Vorbedin­gung sür ein Herantreten an die spanischen Par­teien.

3. Die Wiederherstellung und Verstärkung der Kontrolle aus Grund des Planes van Dulm-Heln- mina ist ein entscheidender Punkt. Der hierfür bereits eingesetzte Ausschutz soll beauftragt werden, in kürzester Zeit hierüber zu einer Einigung zu gelangen.

4. Deutschland ist bereit, der sofortigen Ent­sendung eines Ausschusses nach Spanien zuzustim­men, der an Ort und Stelle die erforderlichen Vorarbeiten für eine weitere' Verfolgung der Freiwilligen-Frage treffen soll.

Dr. Woermann gab anschließend der Hoffnung Ausdruck, datz auch die beiden anderen Staaten ein gleiches Entgegenkommen zeigen würden.

Der englische Außenminister Eden stellte hier­aus fest, datz diese Erklärungen einen sehr großen Fortschritt bedeuten. Die gleichen Feststellungen gab der französische Botschafter Corbin, während der sowjetrussische Botschafter Maisky sich jeder Stellungnahme enthielt. .

Nachdem somit auf Grund der Erklärungen des deutschen und italienischen Vertreters eine grund­sätzliche Einigung erzielt war, bedurfte es jedoch noch einer längeren Beratung über die Frage, wie die Einigung im einzelnen festzulegen wäre. Die Beratung wurde mit dem oben erwähnten Beschluß auf Wiederzusammentritt am Freitag­nachmittag um 3 Uhr nach etwa vierstündiger Dauer abgebrochen. Der englische Außenminister

Eden brachte am Schluß der Sitzung des Haupt­unterausschusses nochmals einen stärken Optimis­mus zum Ausdruck.

Der Sowjetbotschafter Maisky, der sich. bei der eigentlichen Debatte außerordentlich zurückhaltend verhielt, ergriff zum Schluß doch die Gelegenheit, seinegrundsätzliche Meinung allen anderen Staaten gegenüber" zu äußern. Maisky erklärte, die Sowjetregicrung stimme keinesfalls mit dem britischen Plan Uberein. Er behielt sich vor, später noch Einwendungen zu formulieren.

VfsiMll aufgehoben

Kein Durchsuchungsrecht mehr in den spanischen Gewässern

London, 21. Oktober.

Nach Mitteilung derLondon Gazette" hat die britische Regierung die seinerzeit in Verbindung mit der internationalen Küstenkontrolle in den spanischen Gewässern erlassene Handelsschiffahrts- oerordnung aufgehoben. Durch diese Verordnung waren Marineoffiziere der an der Seekontrolle beteiligten vier Staaten ermächtigt worden, in den an Spanien angrenzenden Gewässern Han­delsschiffe auf Grund der Seekontrolle zu durch­suchen.

»oberster stittarkie-Nat" in Italien

Rom, 21. Oktober.

Mussolini hat auf der Schlußsitzung des italie­nischen Zentralausschusses der Korporationen, der sich eine Woche lang mit den Fragen der italie­nischen Autarkie besatzte, die Schaffung eines Obersten Autarkie-Rates verkündet. Der neu­geschaffene Rat wird mindestens zweimal jährlich zur Prüfung des jeweiligen Standes der Autar­kie zusammentreten und die geeigneten Maßnah­men zur Verwirklichung einer größtmöglichen wirtschaftlichen Unabhängigkeit beschließen.

Manungsamt in Japan

Tokio. 21. Oktober.

Der Vorschlag des japanischen Ministerpräsi­denten Fürst Konoe auf Bildung eines neuen Organs zur Unterstützung der Kabinettsarbeit wurde vom Staatsrat angenommen. Das neu- gebildete Organ wird Planungsamt genannt. Seine Aufgaben umfassen eine Mobilisierung der wirtschaftlichen Kräfte im Sinne der Wehrwirt­schaft.

Nooseoelt zur NeunmSchtekonserenr

Hydepark, 21. Oktober.

Zur Abfahrt des amerikanischen Botschafters Norman Davis nach Brüssel hat Präsident Roosevelt eine Erklärung abgegeben, in der er betont, Zweck der Konferenz sei, durch Verständi­gung eine Lösung der gegenwärtigen Lage in China zu suchen. In diesem Bestreben wollten die Vereinigten Staaten mit den andern Unter­zeichnern des Neunmächtevertrages einschließ­lich China und Japan zusammenarbeiten.

In einer über ganz Amerika verbreiteten Rundfunkrede griff Gouverneur Landon, der Gegner Roosevelts bei den letzten Präsident- schaftswahlen, Roosevelts Innen- und Außen­politik scharf an. Landon erklärte, Roosevelt habe den Grundsatz des Neutralitätsgesetzes umge- stotzen; der Kongreß müsse nun entscheiden, ob das, Volk der Vereinigten Staaten Roosevelts privater Politik folgen wolle oder der beim letz­est Kongreß festgelegten, Roosevelt rede von Frieden außerhalb der Landesgrenzen, habe aber Zwietracht zu Hause gesät.

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^ ä o I k - ll i t I e r-IV e i k s s t ii t to Lasonnlk. Oa-i ehemalige XriegüIaZarett in Laservalk (Lämmern), in äas äer Liihrer um 2l. Oktober 1918, äurcli eine OssveiAikinnK nabexn erblin- äst, einAvlivkert rvurüv, ist jetzt, wie beliebtet, in eine vlirälgo IVvibrstüttv äer imtiouul- sozialistlsebon LsrvvAUnK uiuAvrvanäslt rvoräen. Heute rvirä äio .IVvikestLtto kviorliek äer Ookksntllebkeit übergeben. ,( kps so s - L okkmann),

kine vauerntragödie

Volkotumskampk ln Nordschleswig

Innerhalb der großen Politik hat die Ausein­andersetzung um die Abtretung Nordschleswigs in den letzten Jahren nur einen sehr geringen Um­fang angenommen. Man hat im Reichs von dem harten Schicksalskampf, der feit nunmehr 17 Jah­ren an der nördlichen Grenze des Reiches durchgerungen wird, nur sehr wenig, wenn nicht gar überhaupt nichts gespürt. Erst mit dem Verbot der deutschgeschriebenen Ausgabe des dänischen MinderheitenblattesDer Schles- wiger" wurde auch außerhalb Schleswig-Holsteins an eine Frage gerührt, die für 48 030 Deutsche . im. abgetretenen Gebiet Nordschleswigs zu einer Lebensfrage geworden ist. Die besonderen Ver­hältnisse, die in dem Landstrich zwischen Eider und Königsau herrschen, haben es bewirkt, daß sich der Erenzkampf in Schleswig in anderen Formen abspielen mußte als an den anderen Grenzen. Er ist mehr eine Angelegenheit Schles­wig-Holsteins gewesen als eine Angelegenheit des Reiches. Aber seit einem Jahr haben sich die Dinge in Nordschleswig derart gestaltet, Laß sie über das örtliche Interesse hinausgehen und zu einer gesamtdeutschen Angelegenheit gewor­den sind.

Die Not des deutschen Bauerntums in Nord- fchleswig ist gewiß nicht neueren Datums. Sie hat ihre Ursache in verschiedenen Folgeerscheinun­gen des Versailler Vertrages. Aber sie ist nie so deutlich sichtbar geworden wie heute. In Nord­schleswig wird jetzt eine Gerichtsverhandlung wie keine andere beweisen, in wie starkem Maße die Not der deutschen Bauern zn einer Tragödie geworden ist. Der äußere Anlaß dieses Pro­zesses ist die Stollig-Affärs. Es ist gut, sich noch einmal die Vorgänge ins Gedächtnis zurückzu­rufen, die sich seit Jahresfrist in Nordschleswig ereigneten. Nordschleswig ist das Land mit den , ältesten Erbhöfen. Es gibt dort Höfe, die nach- ' weisbar seit dem 14. Jahrhundert in der Hand i einer Familie sind. Durch die Bodenpolitik Dä­nemarks ünd durch die Usberfremdung deutschen Volksbodens, die gleich nach 1920 einsetzte, ist ein deutscher Hof nach dem anderen in dänische Hände übergegangen. Dänische Siedler sind nach x Nordschleswig gekommen und haben der Wirt- A schaftlichen Not auch noch die seelische hinzu­gefügt.

Das Beispiel der Stollig-Affäre kenn­zeichnet den harten Schicksalskampf, in dem sich das deutsche Bauerntum Nordschleswigs heute befindet. Der Hof, um den es sich hier handelt, war seit 1628 nachweislich im Besitze der Fa­milie Moos-Pörksen. Mitte vorigen Jahres sah sich der junge Thomas Pörksen, der den Besitz von seiner Großmutter übernommen hatte, nicht mehr in der Lage, zu den fälligen Terminen die Steuern und Zinsen aufzubringen, die die Be­lastung von 61000 Kronen erforderten. Bei die­ser Gelegenheit sei betont, daß Äer Erundbssitz- steuerwert des Hofes nur 51000 Kronen betrug.

Die Katastrophe, die nicht in der persönlichen Fähigkeit des Bauern, sondern vielmehr in der dänischen Kreditpolitik begründet ist, war unaus­bleiblich, und für den 23. September 1936 wurde der erste Zwangsversteigerungstermin anberaumt.

Es gelang jedoch, eine vorläufige Vertagung der Zwangsversteigerung herbeizuführen, und in der Zwischenzeit bemühte sich Thomas Pörksen auf das äußerste, doch noch Rat und Hilfe zu schaffen. Das deutsche Kreditinstitut Vogelfang stellte auch eine Summe von 20 000 Kronen als Sicherheit zur Verfügung. Trotzdem gelang es nicht, den Hof in deutschen Händen zu erhalten, denn in­zwischen hatte ein junger Däne, Jürgen War­nung, durch eine hinterhältige Manipulation nicht nur die dritte, sondern auch die fünfte sechste und siebente Hypothek an sich gebracht. Der Hof ging in dänische Hände über. Und damit war wiederum ein Stück alten deutschen Bodens dem deutschen Nordschleswigertum entrissen.

Die Art und Weise, wie dies geschah, löste na­turgemäß innerhalb des deutschen Bauerntums Nordschleswigs eine ungeheure Empörung aus, die sich in mehr oder weniger bedeutenden Vor­fällen Luft machte. So wurden auf dem Hofe, wo nunmehr der Däne Warnung die Wirtschaft betrieb, Fensterscheiben eingeschlagen und der­gleichen mehr. Ein Vorfall aber war es, der die dänische Polizei in ganz besondere Aufregung versetzte. Eines Nachts nämlich wurde der Brun­nen des Hofes mit Pferdedung und Petroleum verunreinigt. Innerhalb kurzer Zeit führte die dänische Polizei 80 Vernehmungen durch, die zur Verhaftung mehrerer deutscher Nordschleswi- ger führten. Die Methoden, mit denen man gegen diese deutschen Nordschleswiger vorging, zeigten, daß man es weniger darauf abgesehen hatte, die Anklagen durch eine einwandfreie Beweisfüh­rung zu untermauern, als vielmehr einen ent­scheidenden Vorstoß gegen das Deutsch­tum N o rd s ch l e s w i g s überhaupt zu machen. Denn die Beweise, die man gegen die Angeklag­ten ins Treffen führte, beruhten ausschließlich auf haltlosen Indizien, die so glaubte man in Nordschleswig niemals zu einer rechtskräftigen