parteiamtliche Tageszeitung
Nachnchlendlatt der Deutschen flrdeitsstont Vremen
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der National
Amtsblatt des Senats der Zreien kjansestadt Bremen
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Das amtliche verkündungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Bremen
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Nr. 28?Jahrgang
Menstag, 1S.. Oktober 1SZ?
kinzelpreis >S Npf.
henlein mahnt den tschechischen Präsidenten
Unser lagTSSpivgel
Die Londoner Nichteinmischungsverhandlung steht unter dem Borzeichen Moskauer Sabotage.
Die Kampfentschlossenheit der-Araber hat die Lage in Palästina weiter verschärft.
Konrad Henlein hat nach den Vorgängen in Teplitz-Schönan einen ossenen Bries an Staatspräsident Venesch gerichtet.
Chautemps setzt sich in der HJ.-Zeitschrist „Wille und Macht" für Zusammenarbeit der Jugend Deutschlands und Frankreichs ein.
Die Einzelhandelsumsätze im August waren um 8 Prozent höher als im Vorjahre.
Das Flugzeug „Nordwind" legte die 3880 Kilometer lange Strecke Horta (Azoren) — Newyork in 15 Stunden 50 Min. zurück. Oberst Lindbergh und Hanna Reitsch weilten in Bremen.
Die erste Reichsstragensammlung in Bremen erbrachte als Endergebnis 32 000 RM.
Der Antikomintern-Zug wurde in Bremen von 50 000 Volksgenossen besucht.
Die „Unitas"-Fangboote liefen aus dem Bremer Freihafen aus.
Der Marinesturm 2/8S D. „Bremen" wurde in Vremerhaven vereidigt.
Der Bremer Schützenverein von 1813 ermittelt seinen neuen König.
Netze - natürlich anonym
Englischer Berkehtsfachmann straft den Brunnenvergifter Lügen
London, 18. Oktober.
Mr. R. Crasham Cooke, der Sekretar der englischen Delegation, die kürzlich die' deutschen Reichsautobckhnen besichtigte, sprach am Montag in Oxford. Er benutzte diese Gelegenheit, um irreführende und gehässige Darstellungen eines Teilnehmers an dieser Reise richtigzustellen, der behauptet hatte, daß, die Leute in Berlin einen „gehetzten und furchtsamen Blick" hätten und die neuen Straßen auf dem Wege der Zwangsarbeit gebaut worden wären.
Crasham Cooke betonte mit Nachdruck, daß diese Ansichten sich keineswegs mit denen der übrigen Delegationsmitglieder deckten. Er ersuchte diesen anonymen Brunnenvergifter, seinen Namen zu nennen, wenn er wünsche, daß man seinen Erklärungen Beachtung schenke. Crasham Cooke erklärte weiter, er sei der Meinung, daß Deutschland den Weg gezeigt habe, wie man in der heutigen Zeit sich mit dem Motorverkehr auseinanderzusetzen habe. Im Anschluß daran betonte er, daß die großen Straßen Englands auf den Stand des deutschen Straßenbauwesens gebracht werden müßten.
«
Wir würden es begrüßen, wenn die Anonymität jenes erbärmlichen „Herren",, der die deutsche Gastfreundschaft mit einem schamlosen Lügengespinnst quittiert, gelüstet werden könnte. Er ist sicherlich in den Kreisen zu suchen, die immer und stets nur das eine Interesse haben, das nationalsozialistische Deutschland und seine am Ausbau arbeitende Führerschaft zu verleumden. Um so erfreulicher, daß Mr. Crasham Cooke die Gelegenheit benutzt hat, auf Grund der eigenen Beobachtungen vor aller Oeffentlichkeit die Wahrheit zu erklären.
über österreich nicht gesprochen
^ Berlin, 19. Oktober.
Die Wiener „Reichspost" veröffentlicht ein Gespräch ihres Londoner Mitarbeiters mit dem Labour-Abgeordneten George Lansbury. indem angebliche Aeußerungen bzw. Versicherungen des Führers über den Vorschlag einer Beseitigung der Zollschranken zwischen Oesterreich, Ungarn und der Tschecholowakei wiedergegeben werden. Wie das Deutsche Nachrichtenbüro hierzu von zuständiger Stelle erfährt, ist in der Unterhaltung, des Führers mit dem Abgeordneten Lansbury über Oesterreich kein Wort gesprochen worden.
er sichrer dankt der Neichspost
Berlin, 18. Oktober.
ährend seines Aufenthaltes in Deutschland n der italienische Regierungschef und seine Leitung mehrfach mit Worten grogter An- munq festgestellt, daß die für seinen Besuch eschenen Maßnahmen der Deutschen Reichs- und ihr gesamter mit dem Besuch im Zu- nenhanq stehender Nachrichtendienst hervor- nd gearbeitet haben. Der ^ührer uno hskanzler hat durch den Relchsminister des wärtigen allen beteiligten seme.An-
anung für die umfangreichen Vorbereitungen die gute Durchführung der Anordnungen zum druck bringen lassen mit dem besonderen nsch, daß allen in Betracht kommenden An- irigen der Deutschen Reichspost hiervon ntnis gegeben wird.
ötaatssekrelLr Milch bei König 0eorg
London, 19. Oktober.
König Georg VI. empfing am Montagnachmit- tag General der Flieger, Staatssekretär Milch, Generalleutnant Stumpfs und Eeneralmaior Udet. Die deutschen Flieger wurden dem Konig durch den deutschen Geschäftsträger, Gesandten Dr. Woermann, vorgestellt
llas SudetenSeutschlum kein lstügelobM!
kin offener vrief
Prag, 19. Oktober
Der Vorsitzende der Sudetendeutschen Partei, Konrad Henlein, hat auf Grund der Vorfälle in Teplitz-Schönau am Sonntag an Präsident Dr, Eduard Benesch folgenden offenen Brief gerichtet:
„Herr Präsident! Vor kurzer Zeit hatte ich Gelegenheit, dem Herrn Ministerpräsident Mitteilung zu machen über die Auswirkung gewisser Gesetze und das Verhalten der Staatsorgane in sudetendeutschen Gebieten, wodurch in diesen Gebieten und damit im Staate eine unerträglich Lage geschaffen wurde. Der Herr Ministerpräsident versprach Abhilfe. In der vergangenen Woche konnte ich in London über unsere Frage sprechen. Ich habe für meine Darlegungen größtes Verständnis gefunden. Am 17. Oktober hatte ich die Absicht, aus Anlaß des Kreistages der Sudetendeutschen Partei in Teplitz in einer öffentlichen Kundgebung zu sprechen. Diese Kundgebung wurde verboten. In vollster Disziplin hat die Anhängerschaft meiner Partei die Verfügung befolgt.
2n einer Amtswaltertagung am 17. Oktober wurde ich vom Regierungsvertreter zweimal verwarnt, weil ich die Tatsache feststellte, daß unser Staat ein Nationalitätenstaat ist. Nach störungslosem Verlauf dieser Tagung ging ich mit meinen Mitarbeitern in die Privatwohnung des Abgeordneten Dr. Zippelius. Als ich mich dann am frühen Nachmittag zu meinem vor dem Haus« parkenden Wagen begab, wurde ich von einigen Passanten erkannt und mit Heilrusen begrüßt.
In mir unverständlicher Weise griff die Polizei ein. Es gelang mir nur mit Mühe, meine Frau in
den Wagen zu reißen. Ich mußte sehen, wie der ebenfalls zu meinem Wagen eilende Abgeordnete Karl Hermann Frank von Polizisten mit dem Gummiknüppel daran gehindert wurde. Obwohl sich Abgeordneter Karl Hermann Frank sofort legitimierte, wurde er von Polizisten geschlagen. Ich sah, wie man ihn ergriss und abführte. Ich sah ferner, wie daraufhin ohne jeden Grund Abgeordneter Karl Hermann Frank von rückwärts von einem Polizisten mit dem Gummiknüppel geschlagen wurde und der Vorsitzende des parlamentarischen Klubs der Sudetendeutschen Partei, Abgeordneter Kundt, von Polizisten brutal zurückgestoßen wurde. Nur der Besonnenheit aller anwesenden Abgeordneten der Sudetendeutschen Partei ist es zu danken, daß es nicht zu blutigen Zusammenstößen kam.
Diese Vorkommnisse und die im weiteren Verlauf erfolgten Mißhandlungen mehrerer Abgeordneter der Sudetendeutschen Partei stehen zu den Gesetzen und der Verfassung des Staates in krassem Widerspruch ünd sind für ein tapferes und ehr- liebendes Volk unerträglich. Solche Vorkommnisse sind geeignet, den Frieden im Staate und die Entwicklung Europas zu gefährden. Diese Vorfälle haben mir vollends die Erkenntnis gebracht, daß unser guter Wille und unsere Warnungen offensichtlich mißachtet werden und daß jede weitere dilatorische Behandlung der sudetendeutschen Forderungen katastrophale Auswirkungen bringen kann. Diese mögen zwar geeignet sein, zunächst uns in Unrecht zu setzen, müssen aber eine ruhige Entwicklung im Staate in Frage stellen. Die Ursache die ser Vorfälle sehe ich darin, daß die maßgebenden Regierungsstellen in Widerspruch zu ihren eindeutigen Zusicherungen und Erklärungen von untere geordneten Organen desavouiert werden, ohne
daß die vorgesetzten Stellen diese Faktoren zur Verantwortung ziehen. Die praktischen Forderungen, die ich als verantwortlicher und durch den Wahlausgang von 1935 legitimierter Sprecher des Sudetendeutschtums aus den gestrigen Vorkommnissen, die nur ein Glied in einer langen Kette darstellen, erhebe, lauten:
Unverzügliche Jnangrisfnahme der Verwirklichung der von mir und meiner Partei geforderten Autonomie.
Ich erinnere Sie, Herr Staatspräsident, daß Sie seinerzeit im Kamps um die Entwicklungs- sreiheit Ihres Volkes die Autonomie der Völker in den Ländern der böhmischen Krone als einzige Gewähr für die gedeihliche Zukunft der Böller erachtet haben. Nur rasche Verwirklichung der geforderten Autonomie mit dem praktischen Ziel der Selbstverwaltung der Volksintercssen und der Besorgung der staatlichen Agenda durch Deutsche im deutschen Gebiet vermag allein eine weitere Zuspitzung der innerpolitischen Verhältnisse in Bann zu halten. Der Versuch der macht- mäßigen Aufrechterhaltung eines einseitigen tschechischen Herrschastsoerhältnisses im Nationalitätenstaat macht jede gerechte, wirksame und konstruktive Lösung des Nationalitiitenproblems unmöglich.
Herr Präsident! Ich erhebe diese Forderungen im Bewußtsein meiner Verantwortung als Sprecher des Sudetendeutschtums. Damit zeige ich aber gleichzeitig jenes Maß von Perantwortung auf, das Ihnen, Herr Präsident, und Ihrer Regierung in erster Linie zukommt.
Lcitmeritz, am 18. Oktober 1937.
Konrad Henlein."
(Siehe auch Seite 2)
Moskau sabotiert weiter die Nichteinmischung
Srech tzußenmimsier kden ein! - Sonderbare winketzüge der englischen presse
(Dizsnsr vraktbsriokl äsr „Lrsmsr 2sitang") London, 19. Oktober
Mit großer Spannung sieht man in London der heutigen Sitzung des Nichteinmischungsausschufscs entgegen. Als Zeichen für deren bedeutsamen Charakter wird vor allem die Tatsache gewertet, daß Eden persönlich ihren Vorsitz führt. Man schließt daraus, daß die englische Regierung einerseits eine Lösung der zur Debatte stehenden Frügen beschleunigen und andererseits durch die Teilnahme des Außenministers an den Verhandlungen ein größeres Gewicht in die Waagschale werfen will, um die Aussprache in ihrem Sinne zu beeinflussen und vielleicht auch sowjetrussischen Querschössen besser begegnen zu können.
2m allgemeinen ist die englische Presse verhältnismäßig optimistischer Meinung über die weitere Entwicklung der Dinge. Dabei ist es jedoch bemerkenswert, mit welchen Winkelzügen von ihr versucht wird, unsachliche Bemerkungen in die Debatte zu werfen. Dies trifft besonders für die „Times" zu, die gegen die Forderung Deutschlands und Italiens auf Zurückziehung gleichstar
ker Kontingente von Freiwilligen auf beiden Seiten einwirft, daß die Freiwilligen auf feiten Francos zahlenmäßig viel stärker seien.
Großes Aufsehen hat in London die Erklärung der römischen „2nformazione Diplomatica" erregt, in der erklärt wird, daß sich nur 49 000 italienische Freiwillige im nationalspanischen Lager befinden. Erst gestern hatten rotspanische Agenten in London wieder die Lügenmeldung ausgestreut, daß weit über 100 000 Italiener auf feiten Francos kämpfen würden.
Das sich ständig gleichbleibende Störungsfeuer der Sowjets gegen positive Entwicklungen in der Spanienfrage zeigt sich erneut aus der Behandlung der Sitzung des Londoner Nichteinmischungs-- ausschusses durch die Sowjetpresse. Die französisch-englischen Vorschläge mißfallen in erster Linie deshalb, weil sie — wenn auch unter gewissen Bedingungen — die Anerkennung Francos als kriegführende Macht vorsehen, ein Schritt, dem sich Moskau, wie betont wird, niemals anschließen werde. Obwohl man dort geflissentlich vorgibt, im „Prinzip" die Zurückziehung der Freiwilligen zu billigen, wird jedoch in den Pressekommentaren ausschließlich die Forderung erhoben, lediglich die auf feiten Francos kämpfen-
den Freiwilligen aus Spanien abzuberufen. Nirgends findet sich auch nur eine Andeutung auf die. internationalen Brigaden der Valencia- Machthaber.
Erneut erheben die offiziösen Blätter „Prawda" und „Jswestija" schwere Vorwürfe gegen die Regierungen von London und Paris, die der systematischen Nachgiebigkeit gegen die „Aggressoren" beschuldigt werden. Die Haltung der Sowjetunion in der Spanienfrage bleibe, so wird allseitig hervorgehoben, „unverändert".
Wieder werden also die Moskauer Bolsche- wisten in London der Welt den Nachweis erbringen, daß es ihnen nicht auf die Beilegung, sondern die Schürung des Konfliktes in Spanien ankommt. Werden London und Paris auf die offenen Angriffe der „Prawda" und „Jswestija" wiederum mit Unentschiedenheit statt mit scharfer Zurechtweisung des europäischen Brandstifters antworten?
firaberiumkamps aufteben unvlov entschlossen
Line Unterredung mit dem öroßmusti — Schicksalsfragen an kngland
Paris, 19. Oktober.
„Paris Soir" bringt eine Unterredung, die der Eroßmufti von 2erusalem in der Hauptstadt Palästinas vor seiner Abreise nach Damaskus einem Sonderberichterstatter gewährt hat. Die Unterredung habe in einem Empfangszimmer der Omar-Moschee stattgefunden. Der Mufti Hadj ol Husseini erklärte dem Blatt zufolge, das arabische Volk werde niemals die von England geplante Aufteilung Palästinas zulassen, die den Verlust der reichsten Landstriche Arabiens bedeuten würde. Die Araber seien seit 1300 2ahren die einzigen Herren Palästinas und wollten es auch bleiben; keine Vergleichs- lösung werde sie zufriedenstellen. Nur die völlige Unabhängigkeit komme in Frage, die es den Arabern ermöglichen werde, dem Eindringen der Zionisten ein Ende zu bereiten.
Die Versprechen, die England den Juden gemacht habe, gingen die Araber nichts an. England habe den Juden nicht etwas versprechen können, was ihm gar nicht gehöre, nämlich das arabische Palästina. Mögen sich die Engländer vorsehen! Ihre Politik in Palästina sei im Begriff, ihnen die Sympathien nicht nur der Araber Palästinas, sondern aller Länder arabischer Rasse und der gesamten muselmanischen Welt zu entfremden. Aus der vor kurzem abgehaltenen Konferenz von Bludon seien alle arabischen Länder, Aegypten, Irak, Syrien und Arabien vertreten gewesen und hätten ihren völligen Zusammenhalt mit der Sache der Araber in Palästina betont und ihnen Unterstützung versprochen.
Der Berichterstatter führt dann noch an, der Mufti habe die Frage aufgeworfen: Werde England es wirklich wagen, sich wegen der Ziosiften
Der (Irnginnkti von .loini^ali-i», Oor lcürxlicli uu-< cksr Owar-Aoscbss Zoüoksn ist unä sieb gsgsn- växtiZ iu Damaskus aukkält. fDrssss-Lollmaun
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mit der arabischen Welt und mit dem ganzen Islam auf den Tod ssu verfeinden?
Rom, 19. Oktober.
Die Häupter der äthiopischen Mohammedaner haben, nach Zeitungsmeldungen aus Addis Abeba, an den Bölkerbund, den englischen Premierminister und den Eroßmufti von Jerusalem Protestschreiben gerichtet. Sie mißbilligen auf das schärfste die von der englischen Regierung in Palästina verfolgte Politik und verwahren sich gegen jeden Plan einer Lostrennung Palästinas von der übrigen arabischen Welt.
Neue küulersprengungen bei Lgddo
Jerusalem, 19. Oktober.
Die gespannte Lage in Palästina hält nach den letzten Berichten weiter an und scheint sich in einigen Landesteilen — wie neue Zwischenfälle beweisen — zu verschärfen. So griffen in einem Dorf bei Hebron in Süd-Palästina Araber eine dortige Polizeistation an und zogen sich erst nach einem heftigen Kugelwechsel zurück. In zwei Dörfern bei Lydda wurden von englischen Truppen fünf Häuser, deren Besitzer beschuldigt werden, an dem Attentat auf den Eisenbahnzug bei Raselain beteiligt gewesen zu sein, durch Dynamit in die Luft gesprengt.
Bei einem Feuerüberfall auf arabische Straßen- arbeiter in Jerusalem wurde ein Araber verwundet An einer anderen Stelle Jerusalems wurde ein Armenier durch einen S-buß schwer verletzt. Die Täter sind in beiden Fällen unerkannt entkommen. Die Zahl der in ganz Palästina während der letzten beiden Tage verhafteten Araber dürfte sich bereits auf ISO belaufen.
vos ist Ihre „oemokralle"!
Die skandalösen Vorgänge in Teplitz-Schönau
Die Herren in Prag haben in den letzten Tagen ihren demokratischen Gefühlen wieder einmal Luft verschafft. Vor einigen Tagen konnte es sich ereignen, daß ein amtierender tschechischer Minister eine Kunstausstellung mit einem pathetischen Appell an das sogenannte „höhere Kunstgefühl" eröffnete, auf der in Wirklichkeit die. skandalösesten Tendenz-Machwerke gezeigt wurden. Man schreckte in Prag nicht davor zurück, zwei Tage lang Bilder in dieser sogenannten „Kunstausstellung" hängen zu lassen, die eine einzige Beleidigung und Herausforderung der deutschen sowie der italienischen Nation darstellten. Uebelste Sudeleien wurden nicht nur geduldet, sondern erfreuten sich so, bis der einhellige Protest der deutschen Oeffentlichkeit seine Wirkung erzielte, wohlwollender Förderung an höchsten amtlichen Stellen! Diesem ersten Skandal ist inzwischen der zweite auf dem Fuße gefolgt.
Am vergangenen Sonntag hat in der demokratischsten aller Demokratien wieder einmal der Polizeiknüppel regiert. Opfer und Objekte waren diesmal die parlamentarischen Vertreter des Sudetendeutschtums, also Abgeordnete des Präger Parlaments, die alle Rechte einer sogenannten parlamentarischen „Demokratie" genießen, oder besser: nach den heiligen Buchstaben demokratischer Gesetze genießen sollten. Keinen Augenblick hat der tschechische Polizeiterror Veranlassung genommen, vor diesen parlamentarischen Rechten zurückzuweichen, im Gegenteil: der Polizeiknüppel hat erst recht regiert, und nicht nur parlamentarische Rechte, sondern primitivste Gesetze des menschlichen Anstandes, die im Leben jedes zivilisierten Staates unantastbar sein füllten, sind in der brutalsten Weise mit Füßen getreten worden!
Dieselbe Knüppelgarde hat sich ausgetobt, die sich vor einem halben Jahr an einem Reichsdeutschen versuchte und die damals schon das wahre Gesicht der tschechischen „Demokratie" in der radikalsten Form enthüllte. Der Fall Weigel ist damals auf Grund des schärfsten deutschen Einspruches gegen diese mittelalterlichen Polizeimethoden zu einer Affäre geworden, die der Präger Burg alles andere denn angenehm gewesen sein dürfte und die ihr vor allem alle Veranlassung gegeben haben muhte, auf ihre Polizeiorgane in erzieherischem Sinne einzuwirken. Kein einziger der damaligen^ deutschen Vorwürfe ist entkräftet worden. T
Der jetzige Vorfall in Teplitz-Schönau istA daher nur eine weitete Vervollständigung des Bildes der tschechischen Terrorwelle. Man komme nicht und sage, es handele sich „nur" um sudetendeutsche Abgeordnete, und diese Angelegenheit sei eine ausschließlich innerpolitische, die niemand anders etwas angehe. Auch dieses „Argument" zieht nicht, selbst wenn es aus höchstem, demokratischen Munde kommen sollte.
Das, was. sich in Teplitz-Schönau ereignet hat,. ist eine H erausforderung an Millionen Sudetendeutsche, die in einem Staate leben, in dem das sogenannte Staatsvolk selbst Minderheit ist. Die Vorgänge sind eine brutale und schamlose Verleugnung nicht nur der primitivsten Gesetze des menschliche» Anstandes und der aus demokratischem Munde so vielgepriesenen „Humamtüt", sondern vor allem ein Schlag ins Gesicht für alle internationalen Bestimmungen, die es über den verbrieften Schutz der Minderheiten gibt.
Die Millionen Sudetendeutsche sind ein zu gewichtiger Faktor, als daß sich dieses Problem mit Polizeigefängnissen oder brutalem Polizefterror lösen ließe. Man sollte sich in Prag rechtzeitig daran erinnern, daß mit Gewaltmethoden entscheidende Lebensfragen eines Staates nicht gelöst werden können. Und dann vor allem eines: man sollte inzwischen auch in Prag gemerkt haben, daß überall, wo Deutsche auf dieser Welt leben, das deutsche Volk in seiner Gesamtheit einen tiefen und absolut natürlichen Anteil am Schicksal seiner Brüder nimmt.
.Gewiß leben die Sudetendeutschen in einem Staatsverbande, der sie zu tschechoslowakischen Bürgern machte. Aus tschechischem Munde selbst ist aber immer wieder das Eingeständnis gekommen, daß aus den Sudetendeutschen damit keine Tschechen geworden sind und daß die Existenz des tschechoslowakischen Nationalitätemkaaie« letzten davon abhänge, inwieweit ec- ; ' die Nationalitätenfrag« befrieoigend zu lösen. Wie die Taten aussehen, beweisen die Vorgänge in Teplitz-Schönau. Wenn der Weg zur Lösung der wichtigsten Lebensfrage des