Ausgabe 
(1.7.1937) Nr. 177
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

parteiamtliche Tageszeitung

TiachrichtenblaN der Deutschen flrbeitsstont Bremen

der National

flmtsblatt des Senats der Freien kjansestadt Bremen

Erscheint7malwöchentl. Monatsbezug: 32^12,30 einschl.Zustellgeb.'.Postbezugspreis monatl. 2.3802^: (einfchl. 48.86 3?/ Postzeitungsgebühri zuzügl. 42 Bestellgeld. Bezugspreis ist im voraus zahlbar.

Postscheck: Hamburg 17272. Betriebsstörungen begründen keincnAnspruch ausErstattung vderErsatz. NS.-Gauverlag Wcser-Ems G. m. b. H., Bremen, Geeren 8-8 / Fernsprecher: S4l 21 und 81115.

Das amtliche verkündungsblatt des Deichsstaichalters in Oldenburg und Dremen

Anzeigen-Grundprcise: Die 22-mm-Zeils im Anzeigenteil 12 die-mm-geile im Textteil 78

Ermäßigte Grundpreise <!ür kleine Jamilien-Anzeigen u. a.) sowie sonstige Bedingungen Preis­liste 6 (Nachlaßstnssel v». Für Anzeigen durch Fernsprecher kein-Gewähr. Annahmeschluß 18 Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-13 Uhr: Schristleitung Dienstag und Freitag 12>j - 13)4 Uhr.

Nr. 17? / 7. Jahrgang

Vonnerstag, 1. Juli 1957

kinzelpreis 15 Npf.

kroße konfliktgefahr im fernen listen

Sowjetkanonenboot im Sesecht versenkt

Japans Seduld am knde

Tokio, 1. Juli.

Nach einem Bericht der japanischen Kwantung- armee ist es in der Nähe der von Sowjcttruppen widerrechtlich besetzten Amurinseln Sennufa und Volshoi zu einem schweren Gefecht zwischen drei sowjctrussischen Kanonenbooten und einer man­dschurisch-japanischen Grenzwache gekommen. Bei dem Kampfe wurde ein Sowjetkanonenboot ver- fenkt und ein anderes schwer beschädigt.

Die drei sowjetrussischen Kanonenboote waren entgegen den zwischen dem japanischen Botschaf-

......»»»>»»...

Unssr lagesspisgel

An der mandschurisch-sowjetrussischen Grenze kam es zu einem schweren Gefecht.

Zonnets Vollmachten wurden von der fran- ösischen Kammer und vom Senat bewilligt. Der Reichskirchenminister hat zwei wichtige Verordnungen erlassen.

Der Führer hat das Ehrenbürgerrecht von Wilhelmshaven angenommen. Hauptamtsleiter Pg. Hilgenfeldt weilte gestern in Bremen.

Bor der Führerschaft der NSDÄP. des Krei­ses Bremen sprach Obergebietssiihrer Lühr Hogrese über den 2. Gebietsausmarsch der Nordsee-HJ. in Bremen.

Vom 4. bis 8. Juli findet in Bremen die Reichstagung der Zoologischen Gesellschaft statt.

Der Norddeutsche Lloyd verzeichnet im lau­lausenden Geschäftsjahr bessere Betriebs­ergebnisse.

Die Focke-Wulf Flugzeugbau A-E. wurde in eine E. m. b. H. umgewandelt.

Der Aufsichtsrat der Unterweser Reederei wurde durch Neuwahlen ergänzt.

Für die Ostasienfahrt ist eine Passagekonse- renz zustande gekommen.

Unsere 8kirrc reizt «las nianrlsednriseü- sovjetrussiselie Kreurzebiet am Lnnir.

ter Shigemitsu und der Sowjetregierung getrof­fenen Vereinbarungen erneut in mandschu­risches Hoheitsgebiet eingedrun­gen und hatten die mandschurisch- rapanischen Erenztruppen be­schossen (!).

Die japanische Regierung hat gegen diese neuen sowjetrussischen Hebelgriffe nochmals schärf­sten Protest eingelegt und strengste Ge­gen m a tz na h me n a nge d r o h t, falls die Zusicherungen Litwinow-Finkelsteins in Zukunft nicht eingehalten würden. Die Geduld Japans gegenüber den ständigen sowjetrussischen Provo­kationen sei am Ende.

Wie die Agentur Domei meldet/ ist die aus zehn Kanonenbooten bestehende fowjetrussische Amur-Flotte in unmittelbarer Nachbarschaft der Inseln Sennufa und Bolshoi, dem Schauplatz des schweren Gefechtes, zusammengezogen worden.

Die politischen Kreise Japans beobachten die weitere Entwicklung mit steigender Besorgnis, besonders nachdem man auf Grund der Unter­redung des japanischen Botschafters Shigemitsu mit Litwinow-Finkelstein allgemein mit einer Beruhigung gerechnt hatte.

Der japanische Botschafter in Moskau Shige­mitsu ist am Mittwochabend telegraphisch beauf­

tragt worden, wegen der durch die Sowjets ver­ursachten neuen ernsten Zwischenfällc bei der Sowjetregierung schärfsten Protest einzulegen.

Wegen des Zwischenfalles auf dem Amur hat das japanische Auswärtige Amt folgende Er­klärung abgegeben: Die Lage auf dem Amur an der mandschurisch-sowjetrussischen Grenze war schon lange deswegen sehr gespannt, weil die sowjetrussischen Truppen die beiden Inseln Kauch atzn und Chinamuho besetzten, um den Wasserweg zu schließen. Aber da der sowjet- russtsche Außenkommissar Litwinow-Finkelstein auf den schärfsten Protest der japanischen Regie­rung hin dem japanischen Botschafter Shigemitsu gegenüber die Zurückziehung der Streitkräfte ver­sprach, schien die Lage einstweilen beruhigt wor­den zu sein.

Dieses Versprechen ist leider von der sowjet­russischen Seite nicht eingehalten worden. Die sowjetrussischen Truppen, die die Inseln besetzten, zogen sich nämlich nicht zurück, sie nahmen sogar eine provozierende Haltung ein. Angesichts die­ser Sachlage waren die mandschurisch-japanischen Erenzschutztruppen dazu gezwungen, ihrerseits auch Selbstverteidigungsmatznahmen zu treffen, was schließlich zu diesem bedauerlichen Zwischen- fall führte. Die japanische Regierung bedauert sehr diese unehrliche Haltung der Sowjetregie- rung und sie hofft, datz die Sowjets sobald wie möglich ihre Streitkräfte zurückziehen, um den Zustand nicht weiter zu verschlechtern.

Note vlutgerichte in Sibirien

Warschau, 1. Juli.

Wie die PAT. aus Moskau meldet, find von dem Obersten Kriegsgericht der Sowjetunion in Chabarowsk 37 Angestellte der fernöstlichen Eisen­bahn wegenTrotzkismus, Spionage zugunsten Japans und Sabotage", zum Tode durch Erschießen verurteilt worden. Das Urteil wurde unverzüglich vollstreckt. Die PAT. weist darauf hin, daß im Verlaufe des letzten Monats im Fernen Osten unter gleichen Bezichtigungen 131 Personen erschossen worden sind. Die offizielle Sowjetagentur hat bisher über derartige Prozesse im Fernen Osten keinerlei Berichte veröffentlicht.

W ! W !>! M !> » > i >! »WW > WW ! WWW ! W^

Kammer und Senat bewilligten Vollmachten

, .

Abwertung des franken - ins Uferlose! / Sroße Aufregung im Lande

klauptamtsleitcr l'z. Hilzvnkelät trat gestern zogen 1t» llkr unk ävm Bremer Vluzbnken ein, wo er von Kanamtsleitor ?z. Denker und Lnrzornisistor Uz. IVvstpIial-Vvzosaek einpkanzvn wurde. Uz. Ililzvnkelüt setzte von Bremen uns seine Valirt nach 8ebloäeliauson bei Osnabrück kort, wo er im Babmen einer Oroüknnäzebunz W.-8eIiwestern vereidigte. Unser Lilä reizt Bauptamtsleiter Uilzonkvlät und Oauamtsleiter Denker. Kuknabms: Bors.

Dee Aleg Lttm Dritten Aeick

ösroclts öuclo6slpt mir visr Safirs 2sit"

(bnzsnsr Orabtbsriobt derBremer Zeitung")

w. Paris, 1. Juli.

Nachdem die französische Kammer und der Senat die von Chautemps und Bonnet geforder­ten Blankovollmachten nach schweren, teilweise handgreiflichen Kämpfen (es kam zu einer regel­rechten Schlägerei zwischen einem kommunistischen und einem rechtsgerichteten Abgeordneten) be­willigt hatten, trat das Kabinett noch Mittwoch abend zu einer Sitzung zusammen. In den zu­ständigen Kreisen hofft man, das Bollmachten- gesetz schon am heutigen Donnerstag Staatspräfi- oent Lebrun zur Unterschrift vorlegen und es sofort in Kraft setzen zu können.

Ueber die auf Grund dieses Gesetzes bevor­stehenden Maßnahmen liegt noch keine Gewißheit vor. Die Lage, vor der die Regierung steht, ist folgende: Der Eesamtfehlbetrag, der auf irgend­eine Weise beschafft werden muß, beläuft sich auf nahezu 40 Milliarden Franken. Er setzt sich zusammen aus: Fehlbetrag des ordentlichen Haushalts 6,7 bis 8 Milliarden, Fehlbetrag des außerordentlichen Haushalts 8,5 Milliarden, Vor­schüsse an Departements und Gemeinden 9 Milliarden, der Septemberfälligkeit der Anriol- Bonds 0,8 Milliarden, Oktoberfälliakeit der Eerinain-Martin-Vonds 5,4 Milliarden, Dezember­fälligkeit der englischen Anleihe 4,4 Milliarden.

Zunächst wird die Regierung wahrscheinlich von der Bank von Frankreich ihre IbMilliarderz, als Vorschuß aufnehmen. Die Erhöhung der indirekten Steuern, von der in er­ster Linie die Eebrauchsgllter des täglichen Le­bens betroffen werden, soll 8 bis 10 Milliarden erbringen: außerdem find beträchtliche Erhöhun­gen der Eisenbahntarife vorgesehen.

Wie verlautet, soll die Abwertung des ranken ohneFixierungeinesfe st en urses erfolgen. Als wahrscheinlichen Kurs­wert nimmt man ein Verhältnis von 125 bis 135 Franken zu 1 Pfund Sterling an. Schon am Mittwoch wurden, da diese Maßnahme eine Durchbrechung des Dreimächtewäh- rungsabkommens bedeutet, Verhandlungen mit England und den Vereinigten Staaten auf­genommen. Anscheinend gehen die Pläne Bonnets darauf hinaus, den Franken später unter Einsatz des Währungsausgleichsfonds zu stabilisieren. Dadurch hofft er mit einer gleichzeitigen Aus- balancierung des Haushaltes das Vertrauen zum französischen Wirtschafts- und Finanzsystem wie­derherzustellen. und damit die ins Ausland ge­züchteten Kapitalien, die auf 60 Milliar­den Franken geschätzt werden, wieder zurück­zuholen.

Diese drastischen Eingriffe, die den bisher von der Volksfront vertretenen Thesen diametral ent­gegengesetzt sind (!). haben die über dem Lande liegenden Spannungen «her noch gesteigert. Abgesehen von der allgemeinen Beunruhigung

und Sorge über die katastrophale Lage und die entsetzlichen Folgen, die das Experiment Blum gekostet hat, haben die scharfen Auseinander- >etzungen innerhalb des französischen Parlaments neue Konfliktgefahren heraufbeschwo­ren. lleherall legt man sich die Frage vor, womit sich Chautemps die Unterstützung der Kommunisten erkauft hat. Der Kampf zwi­schen den Sozialdemokraten und dem Senat hat ebenfalls zu einer Verschärfung der Krise beigetragen. In letzter Minute ist es Chautemps gelungen, noch einmal einen unheilvollen Bruch hinauszuschieben. Der Berichterstatter des Senats Abel Gardey hatte die Finanzpolitik Auriols in schärfsten Ausdrücken angegriffen und verur­teilt, wonach der Senat beschloß, diese Ausfüh­rungen plakatieren zu lassen.

Als sich Auriol beleidigt weigerte, den Senat wieder zu betreten, veranlaßte Gardey wahr­scheinlich auf Bitten Chautemps' den Senat, diesen Beschluß rückgängig zu machen. Darauf nahm auch Auriol, der bereits mit seinem Rück­tritt als Justizminister gedroht hatte, wieder an der Sitzung teil. Andererseits legte ein sozial­demokratischer Abgeordneter der Kammer einen Gesetzentwurf vor, in dem eine Herab­setzung der Mandatszeit der Sena­toren von 9 auf 6 Jahre und die Ein­führung des Verhältniswahlrechts für den Senat gefordert wird.

Aus Regierungskreisen verlautet, daß Chau­temps, um diese dauernden Beunruhigungen und

Berlin, 1. Juli.

Der Beauftragte für den Bierjahresplan, Mi­nisterpräsident Generaloberst Eöring, hat den Lei­ter der NS.-Volkswohlfahrt, Hauptamtsleiter Hilgenfeldt, zum Reichsbeaustragten für die Er­fassung und Verwertung der Küchen- und Nah- rungsmittelabsälle bestellt.

Die NS.-Volkswohlfahrt hat den Auftrag, die in den deutschen Haushaltungen, den gewerblichen und industriellen Betrieben bislang nicht verwer­teten Küchen- und Nahrungsmittelabfälle plan­mäßig zu erfassen, einzusammeln und zur Schweinemast zu verwerten. Die erforderlichen Maßnahmen werden nach den im Einvernehmen mit dem Leiter der Eeschäfts- gruppe Ernährung, Staatssekretär Backe von Hauptamtsleiter Hilgenfeldt aufgestellten Richt­linien in allen deutschen Gemeinden beschleunigt durchgeführt. Das zur Durchführung der Küchen- abfallerfassung und -Verwertung geschaffene Er­

Auseinandersetzungen zu unterbinden, das Par­lament noch in dieser Woche in die Ferien schicken wird. Ferner wird bekannt, daß die Börse am heutigen Donnerstag wieder geöffnet sein wird.

Nachkalllgirr Andruck in London

(Oigsusr vrabtbsriebt derBremer ZsitunZ")

London, 1. Juli.

Die in den französischen Parlamentsdebatten offenkundig gewordene katastrophale Lage des französischen Finanz- und Wirtschaftswesens hat in London einen außerordentlich nach­haltigen Eindruck gemacht. Das größte Interesse finden dabei die zur Rettung des Fran­ken bevorstehenden Maßnahmen, da diese auch für die englische Währungspolitik von großer Bedeutung sind. Während man in Regierungs­kreisen durch die Version, das Dreimächtewäh- rungsabkommen werde durch die Eingriffe Bon­nets nicht direkt in Mitleidenschaft gezogen, be­ruhigend zu wirken versucht, hält man in der Öffentlichkeit eine Revision dieses Abkom­mens für sehrwahrscheinlich.

Das Urteil der englischen Presse über die Bankrotterklärung des Volksfront-Experiments ist im allgemeinen wenig schmeichelhaft. Auf der anderen Seite wird überall die Hoff­nung ausgesprochen, daß es dem Kabinett Chau­temps gelingen möge, Frankreich in letzter Stunde vom Abgrund zurückzureißen.

nährungshilfswerk arbeitet bereits in mehr als der Hälfte aller größeren und mittleren Städte mit gutem Erfolg. Es hat sich gezeigt, daß die Abfuhr der Küchenabfälle und ihre Frischverfütte- rung zur Schweinemast ohne besondere Schwierigkeiten durchzuführen sind, wenn die organisatorischen und sonst notwendigen Vor­bereitungen mit der gebotenen Sorgsalt getroffen werden.

Nachdem nunmehr auch die Durchführung des Ernährungshilfswerkes auf Veranlagung des Mi­nisterpräsidenten Eöring in die Hand von Haupt­amtsleiter Hilgenfeldt gelegt ist und die inzwischen angestellten praktischen Versuche zu einem gewissen Abschluß gekommen sind, wird die allgemeine und restlose Erfassung der Küchen- und Nahrungs­mittelabfälle nicht mehr lange auf sich warten lassen und damit das Ziel der zusätzlichen Mast von einer Million Schweinen pro Jahr aus bisher nicht verwerteten Ab­fällen erreicht we/den.

Im Eher-Verlag erscheint jetzt das BuchGebt mir 4 Jahre Zeit", ein dokumentarisch belegter Rechen­schaftsbericht über den ersten Vierjahresplan des Führers von Alfred Jngcmar Bcrndt. Das hoch­interessante Werk bringt zum erstenmal einen um- sassenden Ucbcrblick über die ungeheure Neubau- und Aufbauarbeit des Dritten Reiches, der durch die Gegenüberstellung dessen, was war und was wurde, ganz besonders eindrucksvoll gestaltet worden ist. Wir entnehmen dem glänzend geschriebenen Werk mit Erlaubnis des Ehcr-Vcrlages den nachstehenden Abschnitt.

Es sind nicht wenige gewesen, die im November 1918 in all dem Taumel den inneren Halt ver­loren und aus dem nationalen Lager in das der Demokratie gingen, weil sie glaubten, daß nun wenn auch unter Schmerzen ein Reich geboren werden könne, das alle deutschen Stämme umfaßt, und so ihrem groß-deutschen Sehnen Er­füllung werden würde. Die Fürsten waren gefal­len. Was stand noch der Schaffung eines einheit­lichen, einigen Deutschen Reiches entgegen? Oesterreich verkündete seinen Willen zum An­schluß, und eine Bewegung ging durch alle deut­schen Volksteile Europas: Hin zum Reich!

Der günstige Augenblick fand nur kleine Gei­ster. DieKürsten gingendie Bonzen kamen. Die Zerrissenheit des Reiches blieb und wuchs in einem solchen Matze, daß es Augenblicke gab, in denen sie fast den Rahmen des Reiches sprengte. Reich gegen Länder und Län­der gegen Reich. Das ist immer wieder das innerpolrtische Thema in den 14 Jahren Wei­marer Republik gewesen. Es gab Reichsexeku­tionen gegen Länder, Länderdrohungen gegen das Reich. Regierungen wurden mit' militärischer Hilfe abgesetzt. Gemeinden sagten den Ländern den Gehorsam auf, Länder griffen in die ge­meindliche Selbstverwaltung ein. Ferner denn je erschien der Tag, an dem einmal die Erenzpfähle im Innern des Reiches fallen würden.

Der Drang zur Futterkrippe siegte über den Drang zum einigen Reich.Jeder ein­mal Minister" wurde die Parole, und die Viel­zahl der kleinen Landesregierungen, deren Ministerzahl oft im umgekehrten Verhältnis zur Größe des Landes anschwoll, bot genügend Mög­lichkeiten dafür. Regierungskrisen in Reich und

Ländern waren an der Tagesordnung. Womit sollte sich auch sonst die Vielzahl der Parlamente beschäftigen? Zur positiven Arbeit waren sie nicht fähig, so beschäftigten sie sich dann aus­schließlich mit reinen Machtkämpfen, mit Kämpfen um Formen und Posten. Nie jedoch waren die Folgen ihres Wirkens positive Maß» nahmen für das deutsche Volk.

Es ist eine Binsenweisheit, daß eine Regierung zur Erzielung großer Leistungen der Stetig­keit hedarf. Ein Parlament ist niemals zur Erzielung großer Leistungen fähig. Denn jeder geniale Plan, jede gute Idee wird im Parla­ment zunächst von den Vertretern der Parteien zerredet, von denen keine der anderen den Ruhm gönnt, Urheberin irgendeiner wirkungsvollen Aktion zu sein.

Die Tatsache, daß die Zeit von 1918 bis 1933 bar jeder größeren Leistung blieb, daß dort nichts geschah oder geschaffen wurde, was irgendwie über das Normalmaß hinausgeragt hätte, liegt nicht zuletzt im parlamen­tarischen System begründet. Wenn eine Regierung jeden Tag gewärtig sein muß, von einem Parlament davongejagt zu werden, woher soll sie dann die innere Ruhe und Sammlung nehmen, Pläne auf lange Sicht zu fassen und mit der Durchführung von Aufgaben zu beginnen, für die eine Reihe von Jahren benötigt wies?

24 Regierungen hat das deutsche Volk von 1918 bis 1933 über sich ergehen lassen müssen, von denen einige nur wenige Tage oder Wochen am Ruder waren. Der Rekord einer Regierungszeit betrug in diesen Jahren 21 Monate, steht aber vereinsamt auf seiner Höhe. Nur 5 von 24 Ka­binetten haben länger als ein Jahr regiert.

Deutschland hatte im Jahre durchschnitt­lich 2200 Parlamentarier zu ernähren, die sich auf den Reichstag und die einzelnen Landtage verteilten. Der Gesamtverbrauch an Parlamentariern in Reich und Ländern in der Zeit von 1918 bis zum 30. Januar 1933 betrug 10 683. Ueber zehntausend kleineKönige" haben also versucht, Deutschland zu regieren. '

Die Kosten für diese Parlamentarier betrugen von 1919 bis 30. Januar 1933 etwa 2 0 0 MiI -

Mttag für fjauptamtsleiter hilgenfeldt

vesckleunigte Vurckkükrung des krnökrungskttfswerkes