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Nr. 544 / 6. ladrgang
Freitag, N. Vez mber W5S
kinzelpreis lS Nps.
Mankung König kdilard V!II. von kngland
kkn kntschluh von weltpolitischer sragrveite / Nachfolger: der herzog von tlork als fllbert I.
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Unterltaus-krklörung I
London. 10. Dezember. Ministerpräsident Baldivin gab am Donnerstag um 10.40 Uhr MEZ. im englischen Unterhaus bekannt, daß König Eduard VIH. abgedankt hat. und daß sein Bruder, der Herzog von York, sein Nachfolger wird.
Ministerpräsident Baldwin betrat kurz nach 18.39 Uhr MEZ., gefolgt von seinen Sekretären, das Unterhaus. Der Sprecher erteilt« ihm das
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Unssr lagesspiegsl
König Eduard VIII. hat zugunsten seines nachältesten Bruders, des Herzogs von York, jetzt Albert I. abgedankt.
Der Mord prozeß David Frankfurter erreichte mit der Vernehmung Frau Eustlofss seinen Höhepunkt.
Der ungarische Innenminister von Kozma ist in Berlin eingetroffen.
Im Rahmen des Ernährungshilfswerkes werden in Bremen durch planmäßiges Einsammeln von Küchenabfällen vorerst 390 Schwein« fett gemacht.
In Wesermünde soll die Rickmers-Werft wieder in Betrieb gesetzt werden.
Die Bremen-Begesacker Fischerei-Gesellschaft legt eine» besriedigenden Abschluß vor.
Wort. Baldwin erhob stch hierauf und erklärte, er habe eine Mitteilung des Königs, die dieser persönlich unterzeichnet habe. Er begab sich hieraus zum Sprecher und überreicht« diesem die Botschaft des Königs. Der Sprecher verlas hieraus um 18.43 Uhr die Botschaft» in der König Eduard VIH. aus seinen Thron verzichtet. Der Herzog von York wird Nachfolger König Eduards VIII.
Die Proklamation König Eduards VIII., die im Unterhaus vom Sprecher verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:
votschaft -es Königs an das Unterhaus
Nach langer «nd sorgfältiger Erwägung habe ich mich entschlossen, auf den Thron zu verzichten, den ich nach dem Tode meines Vaters bestiegen hab«, und ich teil« nunmehr diesen meinen endgültigen «nd unwiderruflichen Entschluß mit.
In der Erkenntnis der Schwere dieses Schrittes kann ich nur hoffen, daß mich meine Völker bei der Entscheidung verstehen werden, die ich gefaßt habe und die Gründe, die mich veranlaßt haben, sie zu fassen. Ich will mich nicht über meine privaten Gefühle äußern, aber ich bitte, daß man sich daran erinnern möge, daß die Last, die ständig auf den Schultern eines Souveräns lastet, so schwer ist, daß sie nur getragen werden kann unter Umständen, die verschieden sind von denen, in denen ich mich jetzt befinde. Ich glaube, daß ich nicht die Pflicht übersehe, die auf mir lastet, der ich im Vordergrund des öffentlichen Lebens stehe, wenn ich erkläre, daß ich mir dessen bewußt bin. daß ich diese schwere Aufgabe nicht länger mehr wirksam und zu meiner Zufriedenheit erfüllen kann. Ich habe daher heute morgen einen Abdankungsakt unterzeichnet, der folgenden Wortlaut hat:
Ich» Eduard VIII., König von Großbritannien, Irland und den britischen Dominien über See, Kaiser von Indien, erkläre hiermit meinen unwiderruflichen Beschluß, für mich und meine Nachkommen aus den Thron zu verzichten, und meinen Wunsch, daß dieser Akt der Abdankung sofort in Kraft trete. Zu urkund dessen habe ich eigenhändig an diesem 1ü. Dezember 1936 in Gegenwart der Zeugen, deren Unterschriften folgen, unterzeichnet.
lgez.) Eduard VIII.
Die Unterzeichnung dieses Staatsaktes durch mich wird von meinen drei Brudern bezeugt. Ihren Königlichen Hoheiten dem Herzog von Park, dem Herzog von Eloucester und dem Herzog von Kent.
Ich würdige auf das tiefste die Gesinnung, aus der an mich appelliert worden ist, eine andere Entscheidung zu fällen. Ich habe, bevor ich meinen endgültigen Entschluß gefaßt habe, ihn auf das gründlichste erwogen. Aber ich habe meinen Entschluß gefaßt. Darüber hinaus muß jede weitere Verzögerung höchst schädlich für die Völker sein. denen ich versucht habe als Prince of Wales und als König zu dienen, und deren Glück und Wohl der ständige Wunsch meines Herzens ist. Ich nehme Abschied in der zuversichtlichen Hoffnung, daß der Kurs, den zu befolgen ich für richtig halte, derjenige ist. der der beste für die Stabilität des Thrones, das Reich und für das Glück meiner Völker ist. Ich empfinde auf das tiefste die Achtung, die sie mir stets entgegengebracht habcp, sowohl vor wie nach meiner Thronbesteigung, und von der ich weiß, daß sie in vollem Umfange auf meinen Nachfolger übertragen werden wird. Ich wünsche dringend, daß
bei der Inkraftsetzung des von mir unterzeichneten Staatsaktes keine Verzögerung eintritt und daß alle notwendigen Schritte sofort getan werden, damit mein rechtmäßiger Nachfolger, mein Bruder, Seine Königliche Hoheit der Herzog von Pork, den Thron besteigen kann.
Die englische Öffentlichkeit beschäftigt sich bereits feit einer Reihe von Tagen in umfang-
London, 10. Dezember.
Nach der Verlesung der Abdankungsbotschaft des Königs stellte Premierminister Baldwin im Unterhaus den Antrag, die Botschaft des Königs zu beraten und gab anschließend eine längere Erklärung ab. in der er eine Darstellung seiner Verhandlungen mit dem König gab. Nach Schluß dieser Rede stellte er den Antrag, das Haus zu vertagen, damit noch heute die erforderliche Gesetzgebung über den Thronwechsel eingebracht werden könne. Baldwin kündigte ferner an, es sei notwendig, daß das Unterhaus die gesamte Gesetzgebung über den Thronwechsel 'im Laufe des Freitags verabschiedet. Da der Führer der Opposition keinerlei Einspruch erhob, vertagte sich das Haus zunächst bis 6 Uhr.
In seiner Rede führte der Premierminister etwa folgendes aus: Niemals habe das Parlament eine schwerwiegendere Botschaft erhalten, und niemals sei einem Premierminister eine schwierigere und peinlichere Aufgabe zugefallen. Er werde das, was er zu sagen habe, wayrheits- gemäß, aufrichtig, einfach und geradezu sagen, ohne einen Versuch zu färben oder auszuschmücken. Er werde keinerlei Kommentare geben, kritisieren, loben oder tadeln. Das Beste, was er tun könne, sei, dem Hause zu sagen, was sich zwischen ihm und dem König abgespielt habe und was zu der gegenwärtigen Lage geführt habe. Er wolle dabei feststellen, daß der König, als er noch Prince of Wales gewesen sei, ihn^ viele Jahre hindurch mit einer tiefen Freundschaft erfreut habe, die er hochschätze. Er wolle dem Hause mitteilen, daß bei dem Abschied im Fort Belvedere Dienstag nacht sowohl der König als er selbst gewußt und gefühlt hätten, daß ihre Freundschaft durch die Besprechungen in den letzten Wochen keinen Schaden genommen habe, sondern im Gegenteil enger geworden sei und das ganze Loben Hin-
reichem Maße mit einem Verfassungskonflikt, der aus dem Wunsche Eduards VIII. entstanden ist, Frau Erneste Simpson zu heiraten.
Ministerpräsident Baldwin gab im englischen Unterhaus dazu am Montag eine Erklärung ab. Darin brachte er zum Ausdruck, daß der König die volle Möglichkeit habe, eine Entscheidung abzuwägen, die unmittelbar sein eigenes künftiges Glück und die Interessen aller seiner Untertanen
durch dauern werde. Baldwin ging dann zur Aufzählung der Tatsachen über. Er erinnerte das Haus daran, daß er im August und September habe Erholungsurlaub nehmen müssen, und fuhr dann wörtlich fort:
„Als ich zurückkam, beunruhigten mich zwei Dinge. In mein Amt strömten zahlreiche Briefe, vor allem von britischen Untertanen und amerikanischen Staatsbürgern britischer Herkunft und auch einige aus den Dominions, in denen Bestürzung und Besorgnis über die Veröffentlichungen der amerikanischen Presse zum Ausdruck kamen. Damals wurde mir klar, daß eine Scheidungsangelegenheit in Aussicht stand, und ich erkannte, daß daraus später eine schwierige Lage entstehen könnte. Ich war der Ansicht, daß jemand den König aufsuchen sollte, um ihn vor der schwierigen Lage zu warnen, die sich später ergeben könnte, wenn dieser Art von Geschwätz und Kritik Nahrung gegeben würde.
Unter den gegebenen Umständen konnte nur ein Mann diese Angelegenheit mit dem König besprechen, der Premierminister. Ich be^ riet mich mit keinem meiner Kollegen. Deshalb teilte ich dem König mit, daß ich ihn völlig privat im Schloß Belvedere zu sprechen wünsche. Wir trafen uns dort am Dienstag, dem 2V. Oktober. Der Berater der Krone ist für seinen Herrn ohne jeden Wert, wenn er er ihm nicht jederzeit die Wahrheit so sagt, wie er sie sieht, ob diese Wahrheit nun willkommen ist oder nicht.
berühre. Sobald der König zu einer Schlußfolgerung darüber gekommen sei, was er zu tun beabsichtige, werde er ohn« Zweifel an die Regierungen in England und in den Dominien eine entsprechende Mitteilung gelangen lassen. Es werde sodann Sache dieser Regierungen sein, zu entscheiden, was für einen Rat und ob sie überhaupt einen Rat ihm pflichtgemäß in dieser seiner Entscheidung zu geben haben.
Der König hat sich die ganze Zeit hindurch in keiner Weise durch irgend etwas, was ich ihm sagte, beleidigt oder verletzt gefühlt. All unsere Besprechungen sind so geführt worden, daß unsere gegenseitige Achtung zwischen uns ständig wuchs.
Ich sagte Seiner Majestät, daß ich in doppelter Richtung große Besorgnisse hege: 1. wegen der andauernden Kritik, die zurzeit in der amerikanischen Presse, in den Dominions und besonders in Kanada laut wurde und 2. u>ege» der Wirkung, die diese auf England selbst haben würde.
Weiter erinnerte ich ihn an das, was ich auch ihm und seinem Bruder in den vergangenen Jahren gesagt habe, nämlich daran, daß die
britische Monarchie eine einzigartige kinrichtung
ist. Der englischen Krone seien Jahrhunderte hindurch viele ihrer Vorrechte genommen worden. Aber heute stehe sie, obwohl das eben Gesagte immer noch gilt, viel höher da, als zu irgendeiner Zeit in der Geschichte unseres Landes. Es stehe außer Frage, daß es von wesentlicher Bedeutung sei, sie unversehrt zu erhalten. Denn sie sei nicht nur das letzte übriggebliebene Bindeglied innerhalb des Empire, sondern sie sei für England — solange sie besteht — auch die Ba- rantie dafür, daß das Land vor vielen Uebeln bewahrt bleibe, die viele andere Länder erfaßt und geschädigt haben Diese Ansicht würde allgemein geteilt; dabei hingen diese Ansichten sehr weitgehend an den, Respekt, der in den .etztcn drei Generationen der Monarchie entgegengebracht wurde. (Fortsetzung Seite 2)
Ver 10. Vereinbar
Zum Thronverzicht König Eduards k. Berlin. 10. Dezember.
Das englische Volk hat seit dem vergangenen Donnerstag Ereignisse über sich ergehen lassen, deren weltpolitische Tragweite unverkennbar ist. Es waren Tage und Stunden größter innerer Anspannung und tiefster Erschütterung des ganzen britischen Weltreiches, die bis in seine letzten Winkel reichten.
Das welthistorische Ereignis des heutigen Tages — das einen vorläufigen Abschluß dieser tiefgreifenden Krise brachte — ist der Thronverzicht Eduards VHI. Es ist ein Ereignis, das für den Eingeweihten nicht mehr ganz unerwartet kam und das seit der Bald- win-Erklärung vom vergangenen Montag so gut wie sicher feststand. Für den unsagbar harten Kampf, der um diesen letzten Entschluß geführt wurde, aber zeügt es gewiß, daß um die letzte Entscheidung nicht weniger als acht Tage gerungen wurde.
Acht volle Tage stand das englische Volk mitten in einem harten Kamps der Meinungen, der sein Innerstes aufwühlen mußte. Der» fassungsrechtliche, staatsrechtliche und politische Probleme von lebenswichtiger Bedeutung für das ganze Empire standen auf des Messers Schneide. Nicht zuletzt aber auch war es die reine Menschlichkeit des ganzen historischen Ereignisses, die eine Stellungnahme zu ihm nur noch unerhört komplizierter und schwieriger gestalten mußte.
Es muß hier ein Wort zu der Haltung der deutschen Presse während der ganzen zurückliegenden acht Tage gesagt werden. Immer wieder ist in der sogenannten großen Weltpresse die abgeleierte Behauptung wiedergekehrt, daß es in Deutschland so etwas wie eine Pressefreiheit nicht gebe. Diese „Pressefreiheit" bestand in den letzten acht Tagen darin, daß sich die Gazetten der „Weltpresse" darin gefielen, das harte und unsagbar schwere innere Ringen des englischen Volkes in delikate Sensationsgeschichten umzumünzen.
„Stories" im Stile der übelsten Sensati- ons-Reportagen machten die Runde um den Erdball, und von aller sogenannten geistigen Kultur und Fairneß blieb nichts anderes übrig als ein Herumwühlen in der privaten und rein menschlichen Atmosphäre eines Falles, dessen wirkliche Bedeutung und ungeheure Tragweite nur auf rein politischem Gebiet liegen konnte.
Es ist der deutschen Presse deshalb in der Tat nicht möglich gewesen, sich an diesem Wettrennen um den Pokal der Unanständigkeit und an dieser fieberhaften Jagd nach der besten und unfairsten Indiskretion zu beteiligen. Das englische Volk wird — daran zweifeln wir nicht — selbst in der Lage sein, sich in Zukunft ein Urteil darüber zu bilden, welcher Art von Pressefreiheit bei der Beurteilung der deutschen Presse der Vorzug gegeben werden muß. Dieses für die Heroen der liberalen Pressefreiheit bezeichnende Kapitel kann aber heute als abgeschlossen gelten.
Die heute vor dem englischen Unterhaus bekanntgegebene Entscheidung Eduards VDI. ist Weltgeschichte geworden. Sie ist ein Ereignis, das zurückblickend noch einmal die Person des dem Thron entsagenden Monarchen in den Vordergrund stellt und mit ihr noch einmal alle jene Hoffnungen in die Erinnerung zurückruft, die das englische Volk mit der Thronbesteigung Eduards VlH. verband.
Selten wohl, so darf heute gesagt werden, sind die Sympathien eines ganzen Volkes und darüber hinaus eines Weltreiches einem regierenden Monarchen so zugeflogen wie Eduard VIII., der sich als Prinz von Wales schon dieser gleich starken und ehrlichen Gefühle seines Volkes sicher sein durfte. Zwei hervorragende Eigenschaften Eduards VIII. waren es vor allem, die ihn auszeichneten und die ihn dem Verständnis und der Zuneigung seines Volkes näherbrachten: seine Aufgeschlossenheit für alle großen sozialen Probleme und Nöte der ganzen Welt, die er zuletzt noch durch seinen Besuch in den Notstandsgebieten von Südwales bewies. In ihr schien sich eine junge und unverbrauchte Tatkraft zu äußern, die eine starke persönliche Aktivität auch auf allen anderen Gebieten der britischen Staatspolitik vorausahnen ließ. Dann aber war es zweifellos der weitere Umstand, daß Eduard VIII. aus der jungen Frontkämpfergeneration des Weltkrieges hervorging und daß er als einer von denen, die den KriegauseigenerAnschau- ung kannten, am ehesten dazu berufen schien, den großen, ernsten Fragen der Welt-
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