parteiamtliche Tageszeitung
BackrichtenblaN der Beulschen flrbeitsfront Bremen
der Naliona!
flmtsblatt des Senats der Zielen kjansestadt Bremen
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NS.-Gauvcrlag Wescr-Ems G. m. b. H.. Bremen. Geeren 6/8 / Fernsprecher: 841 21 und SI115.
Nr. 545 / 6. Jahrgang
Vas amtliche verkündungsblatt des lieichsstatttjalter s in Oldenburg un d Vremen
Nonnerstag, 10. Vezembee 1S5ö
Anzeigen-Grundpreise: Die 22-mm-Zeile im Anzeigenteil ISPs., die 70-mm-Zeileim Textteil 75 M. Ermäßigte Grundpreise (sür kleine Familien-Anzeigen u. a.f soime sonstige Bedingungen Preis' liste 6 (Nachlahstaffel Ls. Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahmeschluß 16 Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-13 Uhr: Schristleitung Dienstag und Freitag 1M-IM Uhr.
kinzelprels 15 Npf.
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flppell unseres oaulelters zum vlerjaliresplan
Umfassende Vorhaben für den Sau weser-kms / klnrlchtung eines Büros für die Burchsülirung des vierjakres- planes bei der Sauleitung / eindrucksvolle Vertrauenskundgebung für den bewükrten Mitkümpser des fükrers
Schließt die Neiden!
S. 8. Bremen, 9. Dezember. Unser Gauleiter Carl Rover, der vom Ministerpräsidenten und Generaloberst Eöring mit der Durchführung des Bierjahresplanes im Gau Weser-Ems betraut worden ist, sprach in Bremen vor den verantwortlichen Männern
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Unser lagesspisgel
Im Mordprozeß Frankfurter beantragte der Anklagevertreter 18 Jahre Zuchthaus.
Der Reichssportführer wurde mit der Leibeserziehung der deutsche» Jugend beauftragt. Der ungarische Innenminister trifft heute in Berlin ein.
Im Rahmen eines eindrucksvollen Appells teilte unser Gauleiter die Einrichtung eines Büros für die Durchführung des Vierjahresplanes mit.
Auf der Uebertragungsfeier der HJ. in Bremen sprachen Eebietssührer Lühr Hogrefe und Oberbannführer Finkentey.
Senator Bernhard sprach über den Einsatz der bremischen Wirtschaft für den Bierjahresplan.
Einen umfassenden Ueberblick über Bremens Finanzen in den Jahre» 1924 bis 19SK gibt Dr. Salander in einer soeben erschienenen Schrift.
Zwei neue Erzverladebrücken aus der Röch- lrng-Kaje wurden der Auftragsfirma übergeben.
Ungarns Fußball-Nationalelf schlug Holland in Rotterdam 1:9.
aus Partei, Staat und Wehrmacht, der Industrie und Schiffahrt, des Handels und Handwerks, über seine Absichten hinsichtlich der Verwirklichung des Vierjahresplanes.
Die tiefe Unruhe, die ganze Völker, ja Erdteile erfaßt hat, beruht in ihrem Kern nicht auf wirtschaftlichen Gründen oder innerpolitischen Meinungsverschiedenheiten. Sie ist vielmehr ein ernstes Zeichen für das unsicher gewordene Fundament des Glaubens an das Ewige. In Deutschland hat der Nationalsozialismus in seinem doppelten Auftrag grundlegenden Wandel geschaffen:
als Bewegung hat er durch einen revolutionären Akt von unerhörter Tragweite die Sinnesänderung im Innern des Einzelnen durchgesetzt, seiner Weltanschauung zum Durchbruch verholzen und so die festen Grundlagen dafür geschaffen, auf dem ein geeintes deutsches Volk sein Haus errichten kann. Als Partei sieht die NSTAP. ihr politisches Ziel vornehmlich darin, daß wir als Angehörige eines fleißigen, arbeitsamen, begabten und strebsamen Volkes unsere schwer errungene Freiheit nach innen und außen immer wieder von neuem erwerben müssen, um nicht jenem auf die Katastrophe lauernden jüdischen Bolschewismus anheimzufallen, dessen Ziel die Zerstörung alles Gewordenen und organisch Gewachsenen ist.
Auf dem Parteitag der Ehre in Nürnberg hat der Führer das gesamte deutsche Volk zur Inangriffnahme seines zweiten Vierjahresplanes aufgerufen, nachdem der erste, der die Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit zum Ziele hatte, durchgeführt worden ist. Die Erschließung unserer Bodenschätze und die wirtschaftlich geeignetste Verwertung der anfallenden Rohstoffe im Verein mit den letzten wissenschaftlichen Kenntnissen der Che
mie und der Technik sollen uns unabhängig machen von notwendigen Zufuhren aus dem uns oft nicht wohlwollenden Ausland und damit frei in unsern Entschließungen, die notwendig sind, um das Dritte Reich, dem wir mit Leib und Seele verhaftet sind, so fest und unerschütterlich zu machen, daß es auch den schwersten Stürmen in ernsten Zeiten zu trotzen vermag.
Jeder soll dabei mithelfen und anpacken ! Keiner soll sich ausschließen, beiseite- stehen oder warten, bis der andere etwas unternimmt. Jeder für alle und alle für einen, heißt jetzt die alleinige Losung! Bei einer solchen Gesinnung muß das große Werk gelingen, das Generaloberst Ministerpräsident Hermann Göring auf seinen Schultern genommen hat, und das die Gauleiter als politische Beauftragte der Partei durchzuführen beauftragt sind.
Unser Gau Weser-Ems wird bei der großzügigen Inangriffnahme des zweiten Bierjahresplanes mit in vorderster Front stehen. Beim Tag der nationalen Solidarität hat unser Gau jüngst wieder bewiesen, daß er den Ruf des Führers
versteht, Schranken fallenzulassen und einander näherzuriicken. Es kann daher nicht wundernehmen, wenn die Ausführungen unsers Gauleiters und Reichsstatthalters Carl Rover in Bremen über den zweiten Vierjahresplan, die er vor den Vertretern von Partei, Staat und Wehrmacht, Reichsnährstand. Handel, Handwerk und Industrie, Schiffahrt und Organisationen der gewerblichen Wirtschaft machte, oft von begeisterter Zustimmung und von brausendem Beisall unterbrochen wurden, ein Beweis dafür, daß der Gauleiter sich auf die Männer seines Vertrauens unbedingt verlassen kann.
Es ist nicht so, daß „nun doch die Wirtschaft das letzte Wort hat". Der Gauleiter wird nicht in den technischen Ablauf der Wirtschaft eingreifen; um so energischer aber als politischer Beauftragter den geraden Kurs des Führers im Gau Weser-Ems steuern; denn der Staat will und kann nicht selbst Wirtschaft treiben, sondern die Bahnen klar aufzeigen, auf dem die Wirtschaft disponieren, planen, Eigeninitiative entwickeln und sich selbständig entfalten kann.
Mit dem mutige« Ernst und dem entschlossenen Einsatz aller aufbauwilligen Kräfte soll der Vierjahresplan im Gau Weser-Ems eher reifen als sein zeitlich vorgesetztes Ziel.
Dazu gehört ein großer Ernst, aber auch ein noch größerer, unbändiger Wille, über Widerstände hinweg das unmöglich Scheinende in die Tat umzusetzen, damit unser Volk wirtschaftlich frei und unabhängig wird.
Ausgangspunkt allen Handelns soll und wird nach den Worten des Gauleiters in unserm Gau die innere Sauberkeit und Anständigkeit eines jeden einzelnen sein. Niemand soll sich ausschließen, und keiner soll Übergängen werden, der mithelfen will an der großen Aufgabe! Denn wir sitzen alle in dem gleichen Boot, und niemand kann sich lösen von der riesigen Gemeinschaftsaufgabe. Sie wird gemeistert, wenn sich der Arbeiter der Stirn und der Faust zusammenfindet in dem Glauben an ein ewiges Deutschland. Eine noch so sauber geführte Wirtschaft kann nicht die Grundlage bilden für das Leben eines Volkes. Dieses wird nur dadurch gesichert, wenn der Wille des Führers vom letzten Volksgenossen verstanden und begriffen wird. Dazu gehört in erster Linie eine gegenseitige Verständigung von unten nach oben und von oben nach unten.
Mit Verordnungen wird dem Vierjahrs^plan kein Leben eingehaucht. Dazu ist die Apparatur des Staates zu schwer beweglich; es kann jedoch nicht angehen, daß die Zielsetzung des Vierjahresplanes än etwa auftretenden bürokratischen Hemmungen zuschanden wird.
Der Gauleiter machte in diesem Zusammenhang davon Mitteilung, daß er bei der Gauleitung eine Abteilung „Gauleitung — Büro für die Durchführung des Bierjahresplans im Gau Weser-Ems" eingerichtet habe, dessen Aufgabe darin besteht, alle einschlägigen Fragen rasch und unverzüglich in die Tat umzusetzen. Diese allem sei von Wert. Für die Durchführung des Vierjahresplanes selbst hat der Gauleiter alle und jede Vollmachten erhalten; denn das Schlechte soll nach einem Wort des Führers zerstört und das Bessere dafür an seine Stelle gesetzt werden, damit es Luft und Raum habe, sich zu entwickeln und zu wachsen.
Ein so großzügiges Werk wie das des Vierjahresplans wäre nicht möglich gewesen, wenn wir nicht lange Jahre falsch gewirtschaftet und auf die Weiterentwicklung des Welthandels vertraut hätten. Diese Illusion ist nun zerstört.
(Fortsetzung Seite 2)
Zielbewußte slnorvnung larl siöoers
Oldenburg. 9. Dezember.
Der Gauleiter und Reichsstatthalter Carl Rover erläßt folgende Anordnung betr. Durchführung des Vierjahrss- planes:
„Als Beauftragter des Generalobersten Ministerpräsident Göring für die Durchführung des Bierjahresplanes im Gau Weser-Ems ordne ich folgendes an:
1. Zwecks straffer Erfassung aller Kräfte und einheitlicher zielbewußter Arbeitsweise wird bei mir in der Gauleitung ein „Büro für die Durchführung des Bierjahresplanes im Gau Weser-Ems" errichtet. Durch das Büro laufen alle Ein- und Ausgänge, den Vierjahresplan betreffend.
s) Der ehrenamtliche Leiter des Büros ist der Chef meiner Kanzlei. Gauamtsleiter Pg. Walkenhorst.
b) Erster ehrenamtlicher Sachbearbeiter des Büros ist der Gauwirtschaftsberater Pg. Fromm. Das gesamte Büro des Gauwirtschaftsberaters wird unter der Leitung des Pg. Fromm in den Dienst des Bierjahresplans gestellt.
c) Weitere Sachbearbeiter werden nach Bedarf ernannt.
ä) Das Büro befindet sich in Oldenburg, Adolf-Hitler-Haus. Telefon 6171, Bankkonto 5082 (Bierjahresplan Weser- Ems) bei der Staatlichen Kreditanstalt Oldenburg.
2. Alle Behörden und Organisationen im Gau werden hiermit angewiesen, grundlegende Maßnahmen, den Vierjahresplan betreffend, nur im Einvernehmen mit meinem Büro durchzuführen, damit die einheitliche Marschrichtung und zielbewußte Durchführung aller Vorhaben gewährleistet ist.
3. Vorschläge, Anregungen aller Art betr. Vierjahresplan bitte ich dem Büro zuzuleiten."
Her Mörder lZustloffs vor den Mchtern
z 19 Jalire Zuchthaus 8 gegen frankfurter beantragt
l Loucksrbsriebt kür äis Larieiprssss
1 , .von
^ Helmut Lünckerwann
ü Chur 9. Dezember.
!! Unter ungeheurem Andrang begann Mitt- i! woch vormittag um 10 Uhr in Chur der Pro- !! Letz gegen den Mörder Wilhelm Gustloffs.
Mit einem frechen und zynischen Gesicht sitzt der Mörder David Frankfurter zwischen den beiden , Polizisten auf der Anklagebank. Er fühlt sich als ! der interessante Mittelpunkt des Ereignisses. N Seine herausfordernden Blicke wandern von der
1 , Galerie, auf der ein zahlreiches Publikum der
Verhandlung folgt, zu den Seitentüren. Dann senken sie sich wieder einmal theatralisch zu Boden. Die Beine übergeschlagen, die Arme auf die Bank gestützt — so hört er die Anklage des Anklägers, mit der der erste Berhandlungstag beginnt.
Bas Besicht des Mörders
Aus wenigen Meter Entfernung beobachten wir das Gesicht des Mörders. Während der Ankläger die Einzelheiten des Mordes aufzählt, gähnt Frankfurter. Als die Anklageschrift die Lage beschreibt, in der der tote Wilhelm Eustloff in seinem Blute liegend angetroffen wurde, wirft eine zynische Verzerrung des Gesichts ein Schlaglicht auf die ganze Verworfenheit dieses Verbrechers. Pathetisch nickt er mit dem Kopf, als seine Aussagen zitiert werden, nach denen er als Hasser des nationalsozialistischen Deutschlands gehandelt habe, und mit einem auffallend zufriedenen Lächeln quittiert er die Ausführungen des Anklägers, in denen davon die Rode ist, daß angeblich die Tat nicht auf ein Komplott zurückzuführen sei.
Diese Ausführungen in der Anklageschrift erregen um so mehr Erstaunen, als sie sich eigentlich nur auf die Aussagen des Täters selbst stützen. Gegen diese Hypothese der Anklage sprechen aber manche Tatsachen eine deutliche Sprache. - Wenn es auch für die Beurteilung der Mordschuld Frankfurters, die eindeutig feststeht und deren Üeber- legung auch mehrfach nachgewiesen ist, ohne Einfluß ist, ob er Mitwisser und unmittelbare Anstifter gehabt hat, so hat doch die Weltöffentlichkeit ein großes Interesse daran, daß auch die dunklen Beziehungen beleuchtet werden, die den sonst als träge geschilderten Mörder zur Tat angeregt haben. Vielleicht wird der Prozeß bei der Behandlung der mysteriösen Niederschrift, die Frankfurter vor der Tat auf einer Zigaretten- schachtel über die Einzelheiten der beabsichtigten Durchführung des Mordes gemacht hat, Hinweise geben, denn im allgemeinen pflegt man Vorhaben, die man sich völlig selbst ausgebucht hat, nicht vorher in Stichpunkten so genau niederzulegen, wie dies geschehen ist. Man tut das nur, um etwa Ratschläge, die einem von anderen gegeben werden, vor dem Vergessen zu bewahren. Es würde interessieren, wenn die Verhandlung vielleicht solche oder ähnliche Hinweise zu der Frage der Hintergründe prüfen würde, die in der Anklageschrift leider allzu eilig behandelt erscheinen, denn auch die Frage des Pistolenkaufes erscheint reichlich undurchsichtig. Frankfurter gab in der Vernehmung an, daß er seine Pistole für den Preis von 10 Franken (das sind etwa 6 RM.) gekauft habe. Dieser Preis erscheint für die moderne Waffe erheblich niedrig!
Slrafantrog am flnfang der Verhandlung
Der vom Ankläger aufgestellte Strafantrag wurde nach einem der Eraubündener Verfahrensordnung entsprechenden Brauch bereits an den Beginn der Verhandlung gesetzt, während er ja in Deutschland stets erst an den Abschluß der Verhandlung unmittelbar vor das Plaidoyer der Verteidiger gesetzt wird.
Die Vernehmung des Mörders durch den Gerichtspräsidenten, einen würdigen 70jährigen er
fahrenen Richter, erfolgt mit leiser aber eindringlicher Stimme. Der Mörder bemüht sich, einen ruhigen Eindruck zu machen. Peinliche Fragen beantwortet er oft mit Stillschweigen. Als die Rede auf sein Privatleben während seiner Studienzeit kommt, wird er reichlich nervös. Er dreht mit unruhigen Fingern an einem Knopf seines Anzuges, während teils zögernd, teils aalglatt fließend (wenn er sich auf die Fragen vorbereitet hatte) seine Antworten herauskommen.
srankfurler demenllerl Emil tudwig-tohn
Zwei ganz wesentliche Punkte sind noch in der Vormittagsverhandlung angeschnitten und geklärt worden: David Frankfurter widerlegte die Behauptungen seines Schutzengels Emil Ludwig- Lohn. indem er eindeutig erklärte, daß keiner seiner Angehörigen in Deutschland irgendwie belästigt wurde. Auch muß er zugeben, daß er selbst in Frankfurt in Wirklichkeit nicht belästigt wurde. Er prägte den Ausdruck, daß er „indirekt belästigt" worden sei, mußte aber zugeben, daß eine „direkte Belästigung" niemals vorgefallen ist.
Selbstmord-fiußerungen „nur lm Spaß"
Die zweite, nach unserer Auffassung recht wichtige Erklärung Frankfurters im ersten Teil seiner Vernehmung ist sein Eingeständnis, daß er bei dem Revolverkauf keinen festen Entschluß zum Selbstmord mehr gehabt habe. Er habe auch Selbstmordgedanken anderen gegenüber „höchstens im Spaß" geäußert. Dabei gibt er seine Schießübungen auf einer Schießstätte zu und behauptet dabei, daß er sie allein vorgenommen hätte.
Was sein Privatleben betrifft so weiß er nichts zu antworten, wenn die Fragen auf das Thema seiner Studien kommen. Er Hirt bekanntlich jahrelang seine Eltern belogen, indem er behauptete, Zaynmedizin nach dem Wunsche des Vaters zu studieren, in Wirklichkeit aber Medizin studierte, das heißt, was er unter „Studieren" verstand. Irgendwelche Gründe für diese Lüge vermag er ebensowenig anzugeben wie für die' falschen Vorspiegelungen, die er seinen Angehörigen über
^ seine Examina machte. Dabei muß er zugeben, daß er keinerlei Nachteile gehabt hätte, wenn er bei der Wahrheit geblieben wäre. Hier zeigte der Mörder, welcher Hang zur Falschheit und zur Lüge ihm offenbar im Blut liegt!
Das Deutsche Nachrichtenbüro berichtet über den Prozeß im einzelnen:
Vor dem Staatsgebäude haben sich eine Stunde vor Beginn der Verhandlungen die ersten Neugierigen eingefunden. Stadtpolizei in langen dunklen Manteln hält die Zugänge frei. Vor der Tür des Eerichtsgöbäudes stehen Kino-Opera- teure und Photographen. Im Gerichtsgebäude von der Tür bis zum Saal des Großen Rates, der im ersten Stockwerk liegt, hat die Kantonspolizei die Kontrolle übernommen. Die Kontrollen sind sehr scharf, und es ist unmöglich, ohne Einlaßkarte in das Gebäude zu gelangen. Die Tribünen sind schon stark besetzt. Im Saale selbst erscheinen die ersten Pressevertreter, die deutschen geschlossen. Unter den nichtdeutschen sieht man auch mehrere Frauen. Unverkennbar ist die jüdische Presse mit starkem Aufgebot erschienen, darunter auch einige Emigranten, die sich in der maßlosen Hetze gegen Deutschland besonders hervorgetan haben. Kurz vor 10 Uhr trifft der deutsche Geschäftsträger in Bern, Freiherr von Bibra, ein. Dann erscheint der Amts- klager Dr. Brügger, der zur Linken der Anklagebank seinen Platz hat. Neben ihm sitzen auf der linken Seite die Prozeßvertreter -der als Pri- vatklägerin zugelassenen Frau Gustloff.
Vie Verhandlung beginnt
^ Punkt 10 Uhr erscheint das Gericht, an der Spitze der greise Kantongerichtspräsident Dr. Rudolf Anton Ganzoni aus Chur. Darauf betritt der 71jährige Verteidiger des Angeklagten Dr. Cürti den Saal. Die Spannung ist auf den Höhepunkt gestiegen. Nach wenigen Minuten bringen zwei Beamte der Kanto'npolizei den Angeklagten, der einen grauen Anzug tragt. Er wirft einen scheuen Blick in den Saal und nimmt auf der Anklagebank Platz. Frankfurter ist mittelgroß, macht einen etwas aufge
dunsenen Eindruck, sein Gesicht ist blaß die Augen rot umrändert. Während der Eröffnung und der Verlesung der Anklage sitzt er mit herabhängenden Mundwinkeln auf der Bank, sieht zu Boden, mustert das Gericht und die Tribüne.
Wenige Minuten nach 10 Uhr eröffnet der Präsident die Verhandlung durch die Mitteilung, daß das Verfahren durch das Kreisamt Davos angezeigt wurde. Er gibt den Prozeßgegenstand in wenigen Worten bekannt. Mit kaum vernehmbarer Stimme verliest er die Personalien des Angeklagten David Frankfurter, der, jugoslawischer Staatsangehöriger, am 9. Juli 1909 in Daruvar als Sohn des Moritz und der Rebekka Frankfurter geboren ist. Er ist Student der Medizin, ledig, nicht vorbestraft und wegen Mordes in Anklagezustand versetzt.
Vie Unkluge
Nach der Verlesung des Gerichtsbeschlusses gibt der Präsident dem Ankläger Dr. Friedrich Brugger aus Chur das Wort zur Anklage. Nach der Schilderung des Tatbestandes, wonach am 4. Februar 1936 kurz vor 20 Uhr der Landesgruppenleiter Schweiz der NCDAP.. Wilhelm Eustloff. in Davos in seiner Wohnung Parkhaus Nr 3 durch vier Schüsse aus einer automatischen Pistole getötet wurde, wobei der Tod infolge Schußverletzung der Halsschlagader und Blut- einbruchs in die Gehirnkammern eintrat, befaßt sich die Anklage zunächst mit den näheren Tat- umstanden, aus denen hervorgeht, daß Frankfurter am Abend des 4. Februar an der Wohnung Eust- loffs geläutet hat und von Frau Gustloff in das Arbeitszimmer geführt wurde, da Wilhelm Gustafs im Flur ein Telephongespräch führte. Nach Beendigung des Gespräches begab er sich in das Arbeitszimmer. Einen Augenblick darauf ertönten vier Schüsse. Als Frau Gustloff hinzueilte, ver- Ichwand Frankfurter mit der Waffe in der Hand durch ein anderes Zimmer aus der Wohnung. Gust off lag in seinem Blute am Boden. Frau Gustloff rief telephonisch den Arzt und die Polizei herbei. Die Schüsse —von Mitbewohnern des Hauses gehört worden, die hinzueiften und
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