Ausgabe 
(30.8.1937) Nr. 237
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Nachrichtenblatt der Deutschen flrbeitssront Bremen

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Nr. 2)7 / 7. Jahrgang

Montag, )d. August 1S)7

«inzelpreis 15 Npf

Her führer IM im fluslandsdeutschtum gesiegt

kröffnung der fünften Nekchstagung in Stuttgart / kudolf ließ über die Bedeutung der fluslandsorganisation der NSVslp.

Jubel m der

Stadt der fluslandsdeutschen

Stuttgart, 30. August.

Die Fünfte Reichstagung der Ausländsdeut­schen in Stuttgart wurde am Sonntagvormittag in festlicher Weise eröffnet. Die Bedeutung der Fünften Reichstagung wurde besonders unter­strichen durch die Anwesenheit einer überaus gro­ßen Zahl von Ehrengästen, an ihrer Spitze der

Unser lagesspieget

Die Nachricht von dem Abschlug eines sowjet- russisch-chinefischen Nichtangriffspaktes wird bestätigt.

Die chinesische Stadt Kalgan wurde von den japanischen Truppen eingenommen.

Die 5. Reichstagung der Ausländsdeutschen in Stuttgart gestaltete sich zu einem macht­vollen Bekenntnis der Zusammengehörigkeit aller Deutschen dies- und jenseits der Reichs­grenzen.

Aus der Leipziger Herbstmesse finden die neuen Werk- und Rohstoffe stärkste Beachtung. Dampfer „Este" kollidierte am Sonntag früh mit der Südmole des Hafens II.

Deutscher Polizei-Fünfkampfmeister in der Klasse II wurde der Bremer Gröneveld. Deutschlands Fugball-Nationalelf schlug i» Königsberg Estland 4:1 (8:1).

Die 7. Akademischen Weltspiele sahen Deutsch­land an der Spitze aller teilnehmenden Na­tionen.

Vor 20 000 Zuschauern wurde das Zevener Erasbahnrennen ein glänzender Erfolg.

Ein großer Erfolg wurde das Reit- und Fahrturnier der Reiter-Standarte 82.

Einen 10:K-Sieg errang Deutschlands Boxer- Staffel in Trieft über Italien.

Stellvertreter des Führers Reichsminister Rudolf Heß, der, als er mit Reichsaußenminister Frei- herrn von Neurath, dem Leiter der Auslands­organisation, Gauleiter Bohle, und dem Gau­leiter Reichsstatthalter Murr die Stadthalle betrat, von den Masten durch minutenlange Heil­rufe begrüßt wurde. Unter den Ehrengästen sah man die Witwe des ermordeten Landesgruppen­leiters Schweiz Wilhelm Eustloff, Botschafter von Ribbentrop und den größten Teil der deutschen Botschafter und Gesandten, Staatssekre­tär von Mackensen, den Kommandeur des V. Armeekorps General der Infanterie Geyer, den stellvertretenden Gauleiter und Leiter des Hauptschulungsamtes der NSDAP. Schmidt, die Mitglieder der wiirttembergischen Staats­regierung, Vertreter der Partei und ihrer Glie­derungen, Oberbürgermeister S t r ö l i n - Stutt­gart sowie die Hoheitsträger und Amtsleiter der

Nach dem Fahneweinmarsch nahm

Bauleiter Neichsstattlialter Murr

das Wort. Er wies darauf hin, daß es das erste Mal sei, daß sich die Mitglieder der Auslands- organisation der NSDAP. in Stuttgart, der „Stadt der Ausländsdeutschen", versammelt hät­ten. Gauleiter Murr sprach den Wunsch aus. daß die arbeitsreichen und festlichen Tage unseren Brüdern und Schwestern aus aller Welt zum großen Erlebnis werden möchten, damit sie alle die Gewißheit mit nach Hauie nehmen könnten, daß die Kinder der Mutter Germania noch nie­mals mit größerem Stolz bekennen durften, Deutsche zu sein, als heute unter der Führung Adolf Hitlers. —

Oberbürgermeister Dr. Strölin, der Prä­sident des Deutschen Auslandsinstituts, begrüßte darauf die Ehrengäste und die zu der Tagung nach Stuttgart gekommenen Ausländsdeutschen

auf das herzlichste. Dadurch, daß ^ der Führer Stuttgart zur Stadt der Ausländsdeutschen be­stimmt habe, sei der Stadt eine Verpflichtung er­wachsen. deren Größe sie sich voll bewußt sei. Oberbürgermeister Strölin wandte sich dann mit herzlichen Grußworten an den Stellvertreter des Führers Rudolf Heß, den Reichsaußenminister Freiherr« von Neurath und Gauleiter Bohle und schloß mit dem Wunsche, daß Gastgeber und Gäste in diesen Tagen zu einer Einheitoölkischen Wollens verschmelzen mögen: Ein deutsches Bewußtsein, ein fester Wille, eine heiße Liebe für unseren Führer möge uns umschließen. Das R unser Wunsch für diese Tage, das ist mein Willkpmmgruß an die deutschen Volksgenossen aus aller Welt! — Hierauf betrat, stürmisch begrüßt,

Bauleiter Bolzte

das Rednerpult und führte, .immer wieder von lebhaftem Beifall unterbrochen, u. a. folgendes aus:

Einmal im Jahre ruft die Auslandsorganisa- tion der nationalsozialistischen Partei zur Reichs­tagung der Ausländsdeutschen auf. Einmal im Jahre will das ganze Auslandsdeutsch­tum und mit ihm die deutsche Seefahrt ein Bekenntnis zum Führer und seinem'Reich ablegen. Es ist für uns alle ein beglückendes und zugleich stärkendes Gefühl, zu sehen, daß wir heute mit unseren Sorgen, Nöten und Wünschen nicht mehr allein sind, sondern daß führende Männer aus Partei und Staat und aus der neuerstandenen Wehrmacht hier unter uns wei­len, um mit uns zusammen zu sein und uns so zu zeigen, daß wir zu der großen Einheit ge­hören.

An solchen Tagen müssen unsere Gedanken in die Vergangenheit zurückkehren. Weder vor dem Weltkrieg noch erst recht nicht danach gab es eine Einheit oder auch nur den Versuch einer ein­heitlichen Ausrichtung des Deutschtums draußen. Trotzdem wir vordemKriege ein starkes und mächtiges Reich hatten und der Name Deutschland Gewicht in der Welt besaß, waren die Ausländs­deutschen und die Seefahrer nicht nur nicht voll­berechtigt, sondern oft

Deutsche zweiter Klasse.

Das wußten nicht nur die Ausländsdeutschen selbst, sondern das empfanden vor allem die An­gehörigen fremer Staaten, in denen diese Aus­ländsdeutschen lebten. Noch viel trostloser war es um die Ausländsdeutschen bestellt, als der große Krieg sein Ende fand und im Reich das Chaos und der Verrat am Deutschtum regierten. Die moralisch, machtpolitisch und geistig zerrüttete Heimat war kein Begriff, an den sich die Deutschen im Auslande stolz klammern konn­ten. Es war deshalb nicht verwunderlich, daß un­endlich viele Deutsche sich vom alten Vaterland abwandten und in eins stumpfe Gleichgültigkeit verfielen. Unbefriedigend war auch der Zustand innerhalbdesÄuslandsdeutschtums selbst. Der Patriotismus vieler Auslandsdeut­scher war nicht nur oft gedankenlos, sondern krankte insbesondere daran, daß die Patrioten säuberlich nach Klassen oder Eeldsack getrennt unter sich blieben. Die Zahl der Deutschen, die durch Klassen- und Geldarroganz ihrer lieben Mit­bürger dem Reiche verlorengingen, ist ungeheuer groß. Es waren

die ersten Parteigenossen im flusland,

die im Jahre 1931 den Versuch unternahmen, in diese Zustände einzugreifen.

Ich glaube sagen zu können, daß die Auslands­organisation in den sechs Jahren, die seit dem Be­ginn unserer Tätigkeit im Auslande verflossen sind, auf allen Gebieten grundlegenden Wandel geschaffen hat, auch wenn, wie wir wissen, noch ,ehr viel Arbeit vor uns liegt. Unser ganzes Tun wurde erst möglich aus der Grundlage der Weltanschauung des Führers.

Ohne den Führer und seine alle Deutschen um­fassende und umspannende Idee wäre es sinnlos gewesen, an eine Einigung des Auslandsdeutsih- tums heranzugehen. Die von Adolf Hitler ge­predigte deutsche Volksgemeinschaft war die ein­

zige Basis, auf der eine Zusammenfassung des Auslandsdeutschtums überhaupt erfolgen konnte.

Die Partei hat durch ihre Auslandsorganisa­tion vermocht, unzählige deutsche Menschen im Auslande an die Heimat heranzubringen und diesen Menschen zu zeigen, daß sie zu-dieser Hei­mat gehören, ihr verbunden und ihr verpflichtet sind. Wenn heute Festtage der Nation im Reiche begangen werden, so wissen wir, daß die Deut­schen im Auslande im gleichen Geist diese Tage begehen, und daß alle Deutschen hieran teil­nehmen. Das Winterhilfswerk des deut­schen Volkes ist gerade im Auslandsdeutschtum von einem vorbildlichen Erfolg gekrönt worden. Kraft durch Freude ist ebenfalls im Aus­landsdeutschtum heute ein nicht mehr fortzuden- kender Begriff, sei es unter den Ausländsdeut­schen selbst oder in Verbindung mit unseren deutschen Seeleuten, denen im fremden Ha­fen in kameradschaftlicher Weise dazu verholfen wird, die Stunden der Arbeitsruhe in gemein­samer Freude mit ihren Landsleuten zu verleben.

Heute braucht kein Deutscher im Auslande das Gefühl zu haben, daß er verlassen ist. Bei Aus­bruch der Wirren in Spanien hat die Auslands­organisation sofort einen

kilfsauoschuß für die Spanienfliichilinge

ins Leben gerufen und in Zusammenarbeit mit den amtlichen Stellen die gesamte Betreuung bis aus den heutigen Tag durchgeführt. In neuester Zeit hat der Chef der Auslaudsorganisation im Auswärtigen Amt, gestützt auf die AO. der NSDAP. und ihrer Gruppen draußen, alle Maß­nahmen getroffen, um den Chinadeutschen zu hel­fen, die oft unter Zurücklassung von Hab und Gut abtransportiert werden müssen.

Der Geist der Kameradschaft bei unseren Aus­ländsdeutschen ersetzt die Machtmittel, die an­deren Nationen draußen zur Verfügung stehen, und ihr Geist ist der sprechendste Zeuge für die neue Haltung des Auslandsdeutschtums, auf die wir so stolz >ind.

Unter dieser Voraussetzung bilden unsers Ver­eine im Auslande, die zum Teil jahrzehntelang bestehen und, wie nicht verkannt werden darf, in vielen Fällen hervorragende Deutschtumsarbeit geleistet haben, eine überaus wertvolle Unter­stützung der Eesamtarbeit im Auslandsdeutsch­tum.

Ich habe deshalb Wert daraus gelegt, festzu­stellen, daß wir nicht Gegner der Vereine sind, sondern nur unerbittliche Gegner aller Bestre­bungen, die Ausländsdeutschen in Klassen oder Berufe aufzuteilen.

Wenn in Südamerika oder in Afrika Deutsche stundenlange und oft Tagesreisen unternehmen, um einen Film aus Deutschland zu sehen oder einer Zusammenkunft beizuwohnen, dann wird man die Tatsache anerkennen müssen, daß Adolf Hitler jetzt auch im Auslandsdeutschtum gesiegt hat.

Der Führer hat durch seinen Erlaß am vierten Jahrestage der Machtergreifung, mit dem er einen Chef der Auslandsorganisation im Aus­wärtigen Amt einsetzte, dem ganzen Auslands­deutschtum gezeigt, wie groß und umfassend sein Verständnis für ihre Belange und ihre Sorgen ist. Dieser Erlaß bedeutet aber auch eine Aner­kennung für die Arbeit, die unsere Parteigenossen im und am Auslandsdentschtum in den letzten Jahren geleistet haben.

Ich bin mir darüber klar, daß die Anslands- organisation noch sehr große Aufgaben vor sich hat, und daß es geraume Zeit dauern wird, bis unsere Reichsbürger im Auslande so national­sozialistisch ausgerichtet sind, wie wir es wün­schen und wie es sein muß. Wer als deutscher Wirtschaftler oder als Kaufherr im Auslande lebt, arbeitet nicht nur für sich selbst und seine Familie, sondern nach der Auffassung des neuen Deutschlands

in erster Linie für sein Volk.

Wenn wir von unseren Ausländsdeutschen, d. h. von unseren Reichsdeutschen im Auslande

sprechen, so verstehen wir darunter ausschließlich die Nationalsozialisten im Auslande,

Unter den Nationalsozialisten im Auslande verstehen wir aber keineswegs nur die Partei­genossen, sondern alle Deutschen, die dem Reiche treu sind. Es wäre auch nicht möglich, einen Unterschied zwischen Deutschen im Auslande u»d Nationalsozialisten zu machen, weil beide heute einen Begriff darstellen.

Es gibt immer noch einige wenige Deutsche kni Auslande, die keine Nationalsozialisten sein wollen und sich irrtümlich immer noch als „Deutsche" bezeichnen. Diese sogenannten Deut­schen äußern sich sogar in ' deutschgeschriebenen Zeitungen und in Zeitschriften in einer Weise gegen das Dritte Reich, die an die übelsten Blü­ten der Emigrantenliteratur erinnert.

Wir haben für diese Worte von sogenannten Deutschen, die nicht müde werden, ihr nationales deutsches Herz zu bekunden und trotzdem bewußt den Gegner des Reiches spielen, nur den Ausdruck „Landesverräter".

Wir auslandsdeutschen Nationalsozialisten lehnen den Begriff des universalen Teutschen ab, dessen vornehmstes Bestreben es ist, sich überall anzupassen, weil dieser universale Deutsche sich nicht nur damit bei den Ausländern lächerlich macht, sondern bewußt oder unbewußt mit dieser Selbstaufgabe sein Deutschtum verleugnet. Wir kennen nur den Begriff des totalen Deutschen, der als Bürger seines Reiches immer und überall

deutsch und nichts als deutsch

ist, UIÜ> damit Nationalsozialist.

Man kann geradezu eine gewisse Besessenheit in einigen Redaktionen feststellen, ihren Lesern glaubhaft zu machen, daß alle Nationalsozialisten im Ausland Spitzel seien. Diese unsinnigen Be­hauptungen brauchte man überhaupt nicht ernst zu nehmen, wenn sie nicht dazu beitrügen, die internationale Atmosphäre zu vergiften und die Beziehungen zwischen Deutschland und fremden Ländern zu trüben. Die Welt weiß heute nach

Nanking paktiert mit Moskau

Nichtangriffspakt tkina-Sowjetrußland bekanntgegeben - öefötirliche . Rückendeckung"

Londons Note an Japan

Nanking, 30. August.

Die Nankingregierung gibt jetzt bekannt, daß sie am 21. August mit Sowjetrußland einen Nicht­angriffspakt abgeschlossen hat. Das Abkommen enthält die Ablehnung des Krieges als Mittel zur Lösung internationaler Streitigkeiten. Der Krieg sei kein Instrument der gegenseitigen natio­nalen Politik, und es dürfe keinen gegenseitigen Angriff geben. Beide Partner sagen sich zu, einen angreifenden Dritten weder zu unterstützen noch Verträge mit einem Dritten einzugehen oder sich aus Handlungen einzulassen, die zum Nachteil eines Bertagspartncrs seien.

Die Rechte und Verpflichtungen aus früheren Verträgen, an denen beide Partner beteiligt sind, bleiben davon unberührt. Es ist eine Vertrags­dauer von fünf Jahren vorgesehen, fortlaufend um je zwei Jahre, falls keine fechsmonatige Kün­digung erfolgt.

Zu diesem Abkommen erklären zuständige Kreise in Nanking, die Nachricht des Abschlusses bedeute für niemanden eins Ileber- raschung. Man habe bereits seit einem Jahr auf chinesische Initiative über diesen Pakt ver­handelt, und China habe sich durch die gegen­wärtigen Ereignisse veranlaßt gesehen, die Ver­handlungen zu Ende zu führen. Der Sinn der Ab­machungen sei, so behauptet man hier, eine Rückendeckung Chinas gegenüber Sowjetrußland. China könne es sich nicht leisten, während des Konfliktes mit Japan einen Nachbarn zu haben, dessen Haltung nie sicher sei. Der Pakt bedeute nicht ein Bündnis Chinas mit Sowjetrußland. China sei sich bewußt, daß es nur aus eigener Kraft gegen Japan kämpfen könne. Es wolle, er-

kröffnung der Leipziger herdstmeffe

Schlagartiger kinsatz 0er Nachfrage — Nie neuen Werk- und Noffstoffe

(Illgsvsr Org.btberiobt <isr „Bremer Leitung") Leipzig, 30. August.

Die Leipziger Herbstmesse, die am Sonntag er­öffnet wurde und bis zum 2. September dauert, weist zwei charakteristische Merkmale auf. Soweit der Inlandsbedarf in Frage kommt, ist das die erste Messe, die vollständig auf die durch die Preisstopverordnung geregelte Preisbasis abge­stellt ist. Weit bedeutsamer ist das neue Gesicht der Leipziger Messe, das sie durch die deutschen Werk- und Rohstoffe bekommen hat. Sämtliche Fabrikationszweige haben sich dieser Erundmate- rialien weitestgehend bedient, und auch der Ver­arbeitungsindustrie ist es gelungen, sie für ihre Erzeugung zn übernehmen. Der Begriff der „Neu­heiten", der, soweit er Form und Tönung betraf und für frühere Messen immer ausschlaggebend war, tritt auf der diesjährigen Leipziger Messe in den Hintergrund. Denn wichtiger ist die Tat­sache der Materialbeschaffenheit und der Qualität. Beides wird in Verbindung mit den deutschen

, Werkstoffen auf der Messe sehr gut unter Beweis gestellt.

Der Messesonntag wies sowohl in den Straßen der Innenstadt als auch in den Messepalästen ein sehr lebhaftes Bild auf, wenn auch die Zahl der Sehleute diesmal weit geringer war als an den Eröffnungstagen früherer Messen, denn der von den Messebehörden verfügte Wegfall der verbil­ligten Tageskarten hat das Schaupublikum wirk­sam ferngehalten. Diese Entlastung verhalf der Ausstellerschaft vielfach schon am ersten Tage zu recht ansehnlichen Verkaufserfol­gen. Auch von den Cinkäufern ist die auf diese Weise erreichte Möglichkeit einer rascheren Orien­tierung stark begrüßt worden, weil ihnen infolge der von einigen Branchen geforderten langen Lie­ferfristen viel daran liegt, die Aufträge möglichst bald und reibungslos unter Dach und Fach zu bringen. Das Angebot ist entgegen manchen Er­wartungen durchweg außerordentlich reichhaltig. Man kann geradezu von einer Messe der Neu- stoffe und Neuschöpfungen sprechen.

Auch auf der Baumesse ging es sehr leb­haft zu. An ihren Ständen wurden am Sonntag vor allem in großer Zahl Engländer, Franzosen, Italiener und auch Südafrikaner beobachtet. Daß das Interesse für die Vaumesse infolge der durch den Vierjahresplan bedingten Wirtschaftslage außerordentlich groß ist, ergibt schon die Tat­sache, daß die beiden großen Baumessehallen auf dem Gelände der großen technischen Messe von den ausstellenden Firmen bereits seit Monaten bis auf den letzten Platz belegt sind. Als Ergän- ' zung des umfangreichen Marktes von Baustoffen, Bauteilen, Konstruktions-, Jnstallations- und Bauausstattungsgegenständen sowie Zubehör aller Art wird in einem auf dem Freigelände errichteten „Haus aus deutschen Werkstoffen", einem Einfamilienhaus für den normalen Wohn- bedarf, die Verwendung der neuen deutschen Werkstoffe praktisch dargetan. Nach dem Verlauf des Messesonntags läßt sich bereits eine äußerst günstige Prognose für die nächsten Tage stellen.

klärt man weiter auch nicht mit dem Bolschewis­mus paktieren, aber es sei daran interessiert, daß der Bolschewismus in China nicht dazu übergehe, auch noch die Regierung zu bekämpfen. Nachrich­ten über Freilassung von Kommuni­st enfiihrern in China seien ein Eingeständnis an die Opposition, deren weitergehende Anträge jedoch nach wie vor von der Regierung abgelehnt würden.

Wie der Sprecher des Außenamts in Nanking erklärte, sei China bereit, ein ähnliches Abkom­men mit Japan zwecks Erhaltung des Friedens im Fernen Osten abzuschließen. Von diesem Ge­sichtspunkt aus verspreche sich Nanking, daß das Abkommen der Sowjetunion einen „Wendepunkt Mecks allgemeiner Verbesserung der Lage im Fernen Osten" bedeute.

Somit hat sich die gestern noch als vorerst „un­bestätigt" aus London gekommene Meldung vom Abschluß eines Nichteinmischungspaktes zwischen China und London bewahrheitet. China läßt sich von Moskau „beraten" und Moskau wird sein ganzes Bestreben darauf richten, China in bol­schewistisches Schlepptau zu nehmen. Selbst wenn die heute noch Chinas Geschicke bestimmende Re­gierung in Nanking nicht daran denken sollte, fortan die Tore des chinesischen Reiches dem Kom­munismus zu öffnen, wird dieser nichtsdestoweni­ger versuchen in die chinesische Armee wie in das chinesische Volk auf breiten Fronten einzudringen und Nanking, das sich. nun einmal mit Sowjetrußland verband, wird die Energie nicht aufbringen, dem neuen Freunde zu wehren. Der Bolschewismus ist nun einmal nicht von der Art der Mimosen, und Schüchternheit im Ausbreiten überall dort, wo ihm der Weg geebnet erscheint, ist nicht seine Sache. Besser als durch einen Pakt läßt sich Sowjetrußlands Absicht, dem Bolschewis­mus den Weg zu ebnen, gar nicht erreichen. Das beste Beispiel dafür ist die Tschechoslowakei. Der Nichtangriffspakt Chinas mit Sowjetrußland kann dem chinesischen Volke tewer zu stehen kommen.

«Sieg kommunistischer klemente in lffina"

Tokio, 30. August.

In Kreisen des Auswärtigen Amtes kennzeich­net man den Nichtangriffspakt zwischen Nanking und Moskau als einen seit dem chinesisch-japani­schen Zwischenfall immer deutlicher werdenden Sieg kommunistischer Elemente in der Nanking- regierung. Man lehnt hier schärfstcns die von Nanking gegebene Auslegung ab, wonach der Pakt das erste Nichtangrifssabkommen de: Pazi- sik-Staaten darstelle und darüber hinaus als Basis eines kollektiven Sicherheitssystems in Ost- asien gedacht sei.

London, 30. August.

Die englische Regierung hat am Sonntag im Zusammenhang mit der Verwundung des briti­schen Botschafters in China der japanischen Re­gierung eine Protestnote überreichen lassen. Zn der Note heißt es u. a.: Die englische Regierung hat die Nachrichten dieses bedauerlichen Ereig­nisses mit tiefem Schmerz und großer Anteil­nahme aufgenommen, und sie muß mit Rücksicht daraus nachdrücklichst Protest erheben und das vollste Maß von Entschädigung fordern.

Die englische Regierung muß daher eine for­melle Entschuldigung der japanischen Regierung bei der englischen Regierung, eine entsprechende Bestrafung derjenigen, die für den Angriff ver- antwortlich sind, eine Zusicherung der japanischen Behörden, daß die notwendigen Maßnahmen er­griffen werden, um die Wiederholung von Zwi- schenfällen eines solchen Charakters zu verhin­dern, fordern.

Sffeno kinmistkung Moskaus!

Aufsehenerregende Informationen des Pariser „Zour"

Paris, 30. August.

Zum Abschluß des Nichtangriffspaktes zwischen China und der Sowjetunion will die Pariser Zei­tung „Zour" berichten können, daß am ver­gangenen Mittwoch ein aus Moskau kommender Kurier den Behörden von Nanking die Abschrift eines weiteren von den Vertretern Chinas und der Sowjetunion unterzeichneten provisorischen Abkommens überbracht habe. das die Verstärkung der bereits begonnenen Waffenlieferungen vor­sehe. Weiter bestimme der Vertrag, daß, falls die europäischen Großmächte gegen die Politik der Nankingregierung Partei ergreifen sollten, eine Einmischung der Sowjetunion vorgesehen werden könne.

Wie der „Zour" weiter erfährt, soll der rote Marschall Blücher, der sich gegenwärtig in der Mongolei aufhalte, durch eine direkte Leitung mit Nanking verbunden sein.

Kalgan von den Japanern eingenommen

Peiping, 30. August.

Das Hauptquartier der Kwantung-Arinee be­stätigt jetzt die Einnahme Kalgans durch die ja­panischen Truppen. Zm Heeresbericht heißt es, daß die Japaner vor dem Einzug in Kalgan der dortigen chinesischen Garnison, die zur 20. Armee gehört, freien Abzug in nordöstlicher Richtung ge­währt hätten, um unnötige Straßenkiimpfe zu vermeiden. Das japanische Nordchina-Hauptquar- tier meldet ferner wichtige Erfolge der japani scheu Truppen im Kampfabschnitt westlich von der Eisenbahnlinie Peiping—Hankau. wo die Höhcnzüge nördlich von Fangschanhsien bereits in den Besitz der Japaner gefallen seien.