Ausgabe 
(17.3.1937) Nr. 75
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parteiamtliche Tageszeitung

Nachrichtenblatt der Deutschen flrbeitsfront Lremen

flmtsblatt des Senats der Freien Hansestadt vremen

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Nr. 75 / 7. Jahrgang

Mittwoch, 17. Mär; 1SZ7

kinzelpreis 15 Npf.

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kin jahrelanger Iraum geht in krfüllung

Nokvatlamik-fluoboowerketzk verwirklicht

Flugstützpunkt sriesenland" getauft

Kiel, 16. März

Dienstag gegen Mittag wurde auf der Hoioaldt-Werft m Kiel der neue, für den Nord-

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gnser lagesspiegel

Sir Allsten Chamberlain ist gestern im Alter non 73 Jahren gestorben.

Deutsche Flugboote werden noch in diesem Sommer den regelmäßigen Verkehr über den Nordatlantik aufnehmen.

Bei der Erinnerungsfeier zum Tag der Ein­führung der allgemeinen Wehrpflicht sprach Generaloberst Eöring.

Als Ergebnis echt nationalsozialistischer Er­ziehungsarbeit haben bei der ersten Reife­prüfung in der NSD. Oberschule Feldasing sämtliche Prüflinge bestanden.

Der Rejchsinnenminister erließ nähere Einzel­bestimmungen zum Eintritt des Jahrgangs 1S17 in die Wehrmacht.

In der H. B. der Reichsbank erläuterte Dr. Schacht die Kreditpolitik der Reichsbank.

Die Deutsche Bank und Disconto-Eesellschaft ist wieder vollkommen reprivatisiert.

Die NSG.Kraft durch Freude« hat die Feierabendveranstaltung auf dem Land« über­nommen.

Im Lande Bremen haben die Kraftfahrzeuge gegen das Vorjahr eine Zunahme von rund 13 Prozent erfahren.

atlantik-Flugdienst der Deutschen Lufthansa er­baute schwimmende FlugstützpunktFriescnland" getauft. Aus dem mit Flaggen geschmückten Ge­lände hatte sich die gesamte Gefolgschaft der Howaldtwerke eingesunken. Gegen 12.36 Uhr erschienen die Ehrengäste, an ihrer Spitze der Reichspostminister Dr. Ohnesorge. In seiner Be­gleitung befanden sich außer Vertretern des Reichsluftfahrtministeriums Direktor Freiherr von Eablonz, der Delegierte des Vorstandes beim Aussichtsrat Wronsky, Direktor Luz, der Atlantik- Flugvetriebsleiter Freiherr von Vuddenbrock und führende Persönlichkeiten der Partei, der Luft­waffe, der Kriegsmarine und der Behörden.

Nach einer Ansprache des Direktors der Ho­waldtwerke, Urlaub nahm Reichspostminister Dr. Ohnesorge auf der festlich geschmückten Laufkamel das Wort. Er führte u. a. aus: Wir übergeben heute ein Schiff seiner Bestim­mung, das eine besondere Aufgabe im Weltver­kehr zu erfüllen hat. Es ist das vierte Schiff dieser Art, das unter deutscher Flagge in frem­den Erdteilen als schwimmender Flugplatz Ver­wendung finden wird und als solcher seiner Be­satzung für lange ?sit die deutsche Heimat er- 'etzen mutz.West.alen",Schwabenland" und

Ostmark" sind die Namen der ersten drei, und auf den NamenF r i e s e n l a n d" wird das vor uns liegende Schiff getauft werden.

Die Aufgabe derFriesenland« im Trans­ozeandienst wird aber eine besondere Note dadurch erhalten, datz, während mit Hilfe der älteren drei Schiffe nur die Siidatlantikroute beslogen wurde, mit Hilfe derFriesenland« nunmehr die regel- mähige Ueberquerung des Nordatlantiks durch­geführt werden soll. Bereits seit September vorigen Jahres sind die Versuchsflüge hierfür durchgeführt worden, wobei zu betonen ist, datz diese Flüge nach einem vorher festgelegten Plan und nicht etwa als Schönwetterflüge ausgeführt wurden.

Bei den nun Mitte dieses Jahres beginnenden Flügen über den Nordatlantik zwischen Europa und den Vereinigten Staaten soll dieFriesen­land" zusammen mit derSchwabenland" für den Schleuderflug und Flugsicherungs­dienst eingesetzt werden. Es wird dieSchwa­benland" vor Newyork und dieFriesenland" bei Horta auf der Azoreninsel Fayal stationiert werden. Die zwischen diesen beiden Schiffen liegende Ozeanstrecke von ca. 1666 Kilo- meter mutz durch die Flugboote ohne Zwischen­landung zurückgelegt werden.

Ein jahrelanger Traum, die Ueberquerung des Nordatlantiks mittels Flugbootes, wird zur Wirklichkeit. Und es gibt wohl kaum eine bessere Widerlegung des Vorwurfs, das neue Deutsch­land wolle sich von den übrigen Staaten in der Welt isolieren als die nun einmal unangreifbare Tatsache, daß diese allein der Verbindung und der Verständigung der Völker dienende Einrichtung der Atlantik-Postflüge vom deutschen Volke unter Einsatz seiner besten Söhne zuerst in Angriff genommen worden ist.

Es ist sicher kein Zufall, datz die Höhepunkte in der Entwicklung des Atlantikfluges in die Zeit nach 1983 fallen. Und auch dieses vor uns lie­gende Schiff wäre wohl sobald nicht gebaut wor­den, wenn nicht 1933 ein großer Führer die Ge­schicke des deutschen Volkes in seine Hand ge­nommen hätte. Nach ihm, der kühn dem Kreis der deutschen Helden voranschritt, richtet sich auch allein Heldentum und Bereitschaft unserer deut­schen Piloten und Flugzcugbesatzungen. Lassen Sie uns, meine Volksgenossen, unsere ganze Dankbarkeit, Verehrung und Liebe für unseren Führer zusammenfassen in dem Ruf: Unserem

geliebten Führer Adolf Hitler ein dreifaches Sieg-Heil!"

(Fortsetzung auf Seite Lf

Mr wollen einen King um unser Volk Wehen

Seneraloberst eöring bei der krinnerungsfeier;um rag der kinfichrung der allgemeinen Wehrpflicht

Berlin, 16. März.

AIs am 18. März 1638 der Führer und Reichs­kanzler den Entschluß der Reichsregierung, die allgemeine Wehrpflicht einzuführen, bekannt gab, horchte die Welt auf. Deutschland hatte sich seine Wehrfrciheit wiedergenommen. Die zweite Wie­derkehr dieses Tages wurde von der neuen deut­schen Wehrmacht an allen Standorten würdig be­gangen. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stand eine Erinnerungsfeier fm Ehrenhof des Reichsluftsahrtministermms mit einer Rede des Generalobersten Eöring.

Schon lange vor Beginn der Feier säumten Tausende von Berlinern die Wilhelmstratze und grüßten begeistert die mit klingendem Spiel an­rückende Fahnenkompanie der Wachtruppe der Luftwaffe. Im Ehrenhof des RLM. nahmen mit dem. Oberbefehlshaber der Luftwaffe General­oberst Eöring an der Feier teil die Amtschefs im Reichsluftfah'rtministerium, der Befehlshaber im Luftkreis II mit dem Chef des Stabes, der höhere Fliegerkommandeur im Luftkreis II und der hö­here Kommandeure der Flakartillerie im Luftkreis II, die Kommandeure der Luft- kriegsakademie, der Lufttechnischen Akademie, der Luftkreisschule II sowie der Luftkriegsschulen. Außerdem waren angetreten sämtliche Inspekteure und Abteilungsleiter im RLM., alle Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, Abordnungen von Beamten, Angehörige des Jngenieurkorps und die Angestellten und Arbeiter des Mini­steriums.

Unter den Klängen des Präsentiermarsches Aritt der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generaloberst Eöring, in Begleitung des Gene­ralleutnants Kesselring und des Generalmajors Stumpf die Front der Kompanie ab. Im Ehren- raum des RLM. sprach dann der Oberbefehls­haber der Luftwaffe zu den angetretenen Offizie­ren, Mannschaften und Beamten, sowie den Mr gleichen Stunde in allen Standorten versammelten Angehörigen der Luftwaffe.

Generaloberst Eöring führte u. a. aus:Meine Kameraden! Von all den ereignisreichen Tagen, ^lt der Führer in Deutschland mit kraftvoller Hand das Steuer ergriffen hat, ist der heutige Tag vielleicht der gewaltigste, denn heute vor Hwei Jahren verkündete der Führer der Welt, datz Deutschland wieder eine neue Wehrmacht besitzt. Kein Volk kann in Frieden leben, das nicht seine Grenzen, seinen eigenen Herd gegenüber dem "find zu verteidigen vermag. Wenn ein großes >olk wie das deutsche, das mit seinen offenen Grenzen im Herzen Europas liegt, wehrlos ist, so bedeutet dies geradezu einen Anreiz dazu, datz mh andere Völker in das Schicksal des Deutschen Neiches einmischen. Dadurch wird die größte Kriegsgefahr gegeben.

^Wenn deshalb heute die Völker so oft vom dneden sprechen und wenn in Parlamenten von Aeg'erungen verkündet wird, datz bei Deutschland sie Gefahr liegt, dann können wir ihnen nur er­widern: Deutschland hat sein gerüttelt Matz ge- »evcn zum Frieden der Welt! Seine starke Wehr- macht, aus dem Volke kommend, gewillt, dem ootke zu dienen, schützt den Frieden Deutschlands. ?/vser kühne Schritt des Führers war möglich, eu die neugeschaffene deutsche Luftwaffe in

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jedem Falle wieder ein großes Risiko für den An­greifer bedeutete. Unter dem Schutz dieser neuen Luftwaffe konnte der gewaltige Schritt getan werden: Die Verkündung der deutschen Wehr­freiheit. Kein Gesetz der nationalsozialistischen Regierung wird von solch entschiedener Bedeutung sein wie jenes kurze Gesetz, das der Welt ver­kündete, datz Deutschland' mit der Schaffung seiner neuen Wehrmacht die deutsche Ohnmacht endgültig beseitigt hatte und datz Deutschland nun wieder ein gleichberech­tigtes Glied in der Familie der Völker dar­stellte und jene Erotzmachtstellung erringen würde, die ihm kraft seiner Tüchtigkeit, kraft seiner Vergangenheit und vor allen Dingen wegen seiner Zukunft nun einmal zukommt.

Heute darf der Deutsche das Haupt stolz er­heben, darf sich freudig zu seinem Deutschtum be­kennen und stolz daraus sein. Deutscher zu sein. Das aber verpflichtet uns, verpflichtet das ganze Volk, in erster Linie uns Soldaten. Denn nur wir können vielleicht als letzte erfassen, was der Führer getan hat, als er uns die Wehrfreiheit zurückgab, als er den deutschen Soldaten wieder frei machte, herausnahm aus Seelennot und Ee-

Veränöerungen in der Wehrmacht

Berlin, 16. März.

Der Führer und Reichskanzler hat mit Wirkung vom 1. April 1937 ernannt:

Beim Heer: den General der Artillerie von Brauchitsch, bisher Kommandierender Gene­ral des 1. Armeekorps und Befehlshaber im Wehrkreis I. zum Oberbefehlshaber des Eruppen- kommandos' IV; die Eeneralleutnante von Küchler, bisher Inspekteur der Kriegsschulen, zum Kommandierenden General des 1. Armee­korps und Befehlshaber im Wehrkreis I; von Niebelschütz, bisher Kommandeur der XI. Division zum Inspekteur der Kriegsschulen; die Generalmajore Volk, bisher Kommandeur der 1. Kavalleriebrigade, zum Kommandeur der Kavallerieschule;' Bader, bisher Artillerie­kommandeur II zum Kommandeur der II. Divi­sion; Strecker zum Kommandeur des In­fanterie-Regimentes IV; Bock zum Kommandeur der XI. Division; den Oberst von Mackensen. bisher Chef des Generalstabes des X. Armee­korps, zum Kommandeur der 1. Kavalleriebrigade;

Bei der Kriegsmarine: den Konteradmiral

Rother, bisher Kommandeur des Sperrver- suchskommandos, zum Inspekteur der Sperr- waffeninspektion.

Mit dem 1. April werden versetzt: der General­leutnant Freiherr vonDalwigkzuLichten- fels, bisher Kommandeur der Kavallerieschule, zu den Offizieren zur Verfügung des Oberbefehls­habers des Heeres in Berlin; der Generalmajor Bertram, bisher Kommandant von Stettin, zum Reichskriegsgericht.

Mit dem 31. März 1937 ist der Abschied aus

dem aktiven Wehrdienst bewilligt: dem General­leutnant Gerne, bisher II. Division.

Kommandeur der

Wissensangst zu einem starken Kämpfer für Volk und Nation! Heute steht nun die junge Wehrmacht wie ein Eutz vor uns: Drei Wehrmachtsteile, fest entschlossen, fest geeint in dem Willen, alles einzusetzen, noch fester geeint in dem Vertrauen zum Volk, am festesten' aber zusammengeschworen in Liebe und Treue zum Führer und unserem Obersten Befehlshaber.

Ein heißer Dank steigt heute aus »Hierein Her­zen zu ihm. dem Führer, einpor und voll D.inut danken wir dem Allmächtigen, Latz er diese Tat des Führers so gesegnet hat, und aus tiefem Her­zen übernehmen wir auch wieder am heutigen Gedenktage die Verpflichtung, alles einzusetzen. Diese Verpflichtung ist uns zur Selbstverständ­lichkeit geworden. So wollen wir denn an diesem heutigen Gedenktage uns innerlich sammeln, zu­rückblicken auf das Vergangene, dami! wir diese Verpflichtung um so klarer erkennen und festen Mutes und starken Herzens hineinblicken in die Zukunft Was immer auch geschehen mag. wir wissen, datz wir einen großen Deutschen als un­seren Führer und Obersten Befehlshaber haben. Wir wissen, was er in der kurzen Zeitspanne von vier Jahren uns und der Welt gegeben hat und wir ahnen voller Vertrauen, was er noch alles seinem Volke geben und schenken wird. Was er aber auch immer von uns verlangt, Kameraden,, wir werden bereit sein. bereit in allem.' Bereit in der Seele und im Geist, fest entschlossen, den Weg zu gehen, den der Führer uns weist. Wo immer er unsere Fahnen als geheiligte Feld­zeichen hinschicken wird, da werden wir stehen wie eine Mauer von Stahl und Eisen, werden wir unsere Pflicht tun bis zum äußersten.

Diese drei Tugenden der Soldaten: Kamerad­schaft, Pflichterfüllung und Opserbereitschaft, die möchte ich jedem jungen Kameraden hincinhren- nen in fein Herz. Denn sie machen ihn stark gegen alles, was da kommen mag.

So wollen wir, Kameraden, um unseren Führer einen festen Ring schließen, durch den nichts hin­durchzudringen vermag. Wir wollen diesen Ring aber auch um unser Volk schließen, datz kein

Feind mehr wagt, seinen Futz auf geheiligte deutsche Erde zu setzen. Wir wollen den Führer in unserem Herzen tragen voll heißer Liebe und Dankbarkeit für all das, was er für jeden von uns getan hat. Insonderheit aber sllr uns

Soldaten, denen er wieder das Schwert zurück­gab, uns deutschen Männern wieder die erste

Pflicht, für das Volk eintreten zu dürfen. Und

nun fassen wir diese Verpflichtung, fassen wir die Liebe und das Vertrauen zu ihm zusammen in den Ruf: Unser Führer, des Deutschen Reiches Kanzler, der Oberste Befehlshaber der Wehr­macht Sieg-Heil. Sieg-Heil, Sieg-Heil!«

Nach der Ansprache wurden die Fahnen der 11 in und um Berlin in Garnison liegenden Ver­bände der Luftwaffe wieder in den Fahnenraum dem RLM. gebracht. Darauf nahm General­oberst Göring vor dem Ministerium den Vor­beimarsch der Ehrenkompanie der Luftwaffe ab, wobei Tausende von Ber­linern, die der Feier beigewohnt hatten, dem Schöpfer der deutschen Luftwaffe begeistert zu­jubelten.

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IMriinx kür den ITibror in bliinelion. Vom 1''rüt>zg.lir 1912 bis su ssinsm ülivtritt in das dsutscbs Hose als XrisZskroivillltzsi vobnto ^Idolk Hitler, damals noeb ein unbekannter, müdsam strebender Jünger äsr Luvst, in Nünobsn in dem Hause Loblsillbsimsr Ltraüs 34, nabs äsw Ltiglmaisrplats. In dieser 2sit ist ibm Uüncbsn sur svsitsn Heimat gsvordsn. 2ur bleibenden blrinnsrung bat nunmsbr die Hauptstadt der Lsvesgung an diesem Lause vis unser Bild ssigt eins dsdsnlrtaksl anbringen lassen, die. unter dem Lobsitsadlsr. eins, snt- sprseksnds Inscbrikt trügt. Die Nsdsnktaksl rvurds mit einem scblicbtso, rvürdigsir b'sisrakt, an dem die Formationen der Bsvsgung mit ikrsn Labnsn tsilnabmsn, vom Katsksrrn der 8tadt Uüncbsn, Reinhard, mit einer Osdsnkanspraebs sntbüllt. (V/eltbild.)

Ulu: Lt-tti ciie AsFsttiaAcaye

Von ksiclisstottffoltsr Lsrisrol kittsi- von kpp, l.sitsi' cfss Koloniolomtss clsr

Das deutsche Volk lebt auf einem im Verhält­nis zu seiner Bevölkerungszahl außerordentlich engen Gebiet, das zudem eine Reihe von lebens­wichtig gewordenen Rohstoffen nicht hervor­bringt. Der Versailler Vertrag nahm Deutschland seinen ganzen Kolonialbesitz und entzog ihm die Möglichkeit, mit eigener Währung die für seinen Pedarf unbedingt notwendigen Rohstoffe zu be­schaffen. Im Vergleich mit dem Kolonialbesitz anderer Länder befindet sich Deutschland heute in einer Lage, die man als zweitrangig be­trachten mutz. Schon im Jahre 1914 stand Deutsch­land mit einem Kolonialbesitz, der nur Sllmal so groß wie das Mutterland war, anderen weit kleineren Nationen gegenüber zurück. England besaß damals schon ein Weltreich, das 105mal so groß wie Großbritannien war. Belgiens Ko­lonialbesitz umfaßte den 86fachen, Hollands den 60fachen und Frankreichs den 22fachen Umfang des Mutterlandes.

Die Abschnürung Deutschlands von der Mög­lichkeit, lehenswichtige Rohstoffe aus eigenen Kolonien beziehen zu können, ist besonders des­halb so folgenschwer, weil die Dichte der Bevöl­kerung Deutschlands, das das volkreichste Land des Kontinents nach Rußland dar­stellt, zur industriellen Entwicklung zwang, um überhaupt seine Bevölkerung erhalten zu können. Die Erfüllung einer der wichtigsten Aufgaben einer verantwortungsbewußten Regierung, für Brot und Arbeit ihrer Untertanen zu sorgen, ist durch die in Versailles verfügte Zwangsverwal­tung des deutschen Kolonialbesitzes mehr erschwert als in anderen Ländern, die Kolonien ihr eigen nennen.

Deutschland bedarf zur Wiederaufrichtung seiner Wirtschaft in erster Linie kolonialer Roh­stoffgebiete. die innerhalb des eigenen Währungsbereiches liegen. Wir wollen und können nicht schlechter gestellt sein als andere Länder. Der Vorschlag Sir Samuel Haares, eine Rohstoffkonferenz einzuberufen, kann nach seiner Verwirklichung für Deutschland bestenfalls zu­sätzliche Rohstofsgebiete sichern, jedoch trägt er den deutschen Erfordernissen bezüglich ,wäh- rungseigener Kolonialgebiete keine Rechnung. Der in vielfacher Hinsicht unter Schwierigkeiten leidenden deutschen Eelamtwp.ffchast ist mit der­artigen gutgemeinten Vorschlägen nicht gedient. Die in der Auslandspresse vielfach zutage getre­tenen Behauptungen über deutsche Ahsichten einer gewaltsamen Kolonialannexion" hatten auch das Interesse anderer Staaten, die sich bisher

gar nicht auf kolonialem Gebiet betätigt hatten, zur Folge.

Es kann nicht genug hervorgehoben werden, datz Deutschland sich niemals durch An­nexion fremder Gebiete vor der Welt ins Unrecht setzen würde. Deutschland denkt, wenn es Kolonialforderungen erwägt, lediglich an seine eigenen Kolonien, die durch das Versailler Diktat unter die Zwangsverwaltung des Völker­bundes gestellt wurden, der den jetzigen Man­datsinhabern den Verwaltungsauftrag gab. Die deutsche Kolonialbewegung wünscht lediglich die Aufhebung der ZwangsverwaItung und die Rückerstattung des freien Verfügungs­rechtes über sein eigenes Kolonialbesitztum. Durch den deutschen Rechtsanspruch wird also kein anderer Staat in seinem Besitzstand irgend­wie getroffen.

Folgende Rechtsmomente, die eindeutig den deutschen Anspruch auf Rückerstattung seines Ko­lonialbesitzes unterbauen, kamen bisher in der öffentlichen Debatte des Auslandes fält über­haupt nicht zur Sprache. Die Wegnahme der Ko­lonien war schon deshalb ein schweres Unrecht, weil sich in Artikel 11 der Kongo-Akte die ver­tragsschließenden Mächte feierlich verpflichtet hatten, einen europäischen Krieg nicht auf die zentralafrikanischen Kolonien zu übertragen. So konnte der deutsche Staatssekretär Dr. Solf im Vertrauen auf dieses Abkommen noch am 2. August 1914 nach Deutsch-Ostafrika telegraphie­ren, datz die Kolonien außer Kriegsgefahr seien und die Ansiedler beruhigt werden könnten. Es war nicht Deutschland, das die Bestimmungen des Artikels 11 der Kongo-Akte brach! Vielmehr war es ein englischer Kreuzer, der am 5. August >n Deutsch-Ostafrika die Feindseligkeiten eröff­nete. Durch diese Eröffnung der Feindseligkeiten wurde der klare Vertragswille der. europäischen Mächte durchbrochen, der den Kolonialbesitz auch im Kriegsfalle in keinerlei Auseinandersetzungen hineinziehen., vielmehr den Kolonialbesitzstand der europäischen Mächte gegenseitig für die Dauer gewährleisten sollte.

War schon aus diesen Gesichtspunkten heraus die Wegnahme der deutschen Kolonien ein schwe­res Unrecht, so kommt noch ein weiteres Un­recht hinzu. Deutschland hatte zu dem am 8. No­vember 1918 rechtsgültig geschlossenen Vorfrie- densvertrag lediglich im Vertrauen auf die Einhaltung der 14 Punkte Wilsons und auf die die Rechtsgrundlage für die Friedensverhand­lungen bildende Note des amerikanischen