Ausgabe 
(3.11.1937) Nr. 302
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Jahrgang 1937

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parteiamtliche Lageszeitung

TlaHrichtenblatt der deutschen flrbeitsstont Vremen

der Nationalsozialisten Vremens

flmtsblan des Senats der 5reien kjansestadt vremen

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Nr. rar / ?. Jahrgang

Mittwoch, Z. November 1S5?

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VeuMche Sprache der römischen presse:Mit seinen törichten Worten stellt sich der englische Außenminister bewußt in die Neitie der gefölsrlichen europäischen Uneuliestifter!"

Versailler Kolonialraub am Pranger

Rom, 3. November

Die römische Presse beschäftigt sich eingehend mit der Rede des englischen Außenministers Eden im Unterhaus. Die Rede wird allgemein als unerhört

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Unser lagesspiiegel

Frankreich erstrebt in Brüssel Bermittlungs­möglichkeiten im japanisch-chinesischen Konflikt. Giornale d'Jtalia erteilt Herrn Eden eine geharnischte Belehrung.

In Berlin tagte die Arbeitsgemeinschaft für die deutsch-italienischen Rechtsbeziehungen. Rudolf Hetz weilte gestern in Sizilien.

Der Erste Offizier des Bremer Dampfers Oldenburg" erzählt unserem Mitarbeiter den Hergang der Rettung derMarie"- Besatzung.

Zahlreiche Tote »nd Schwerverletzte forderte eine Eisenbahntatastrophe bei Rio de Janeiro. Der Oberbetrüger Varmat wurde in Amster­dam verhaftet.

Staatssekretär Stuckardt sprach über den Ein- slutz des Programms der NSDAP. auf die Gesetzgebung.

Die Gauarbeitsgemeinschast für Beruss- erziehung im deutschen Gaststätten- und Be­herbergungsgewerbe führt in Bremen den ersten aaueigenen Lehrgang für Gastwirte- srauen durch.

Der Führer des Internationalen Leicht­athletik-Verbandes fordert erneut die Auf­hebung des USA.-Startverbots für Deutsch­land.

Eine 18jährige Jüdin übte an den Nürn­berger Gesetzen dreiste Sabotage.

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bezeichnet und entsprechend energisch zurückge­wiesen.

Giornale d'Jtalia" stellt fiius Punkte der Be­hauptungen Edens richtig:

1. Eden habe erklärt, daß er keiner Regierung, die nicht selbst zu gleichem bereit sei, das Recht zugestehen könne. England zu einem Beitrag auf­zufordern.Diese Phrasen, die einen Mangel an Gedächtnis beweisen und einem unverfrorenen Taschenspielerkunststück gleichkommen, hat man bereits in der offiziösen französischen Presse lesen können". Der Duce habe die Frage der deutschen Kolonien verfochten, weil ihre gerechte Lösung eines der Grundelemente des europäischen Friedens, darstellt. Er habe diese Frage mit um so größerem Recht ver­treten, als Italien saubere Hände habe. Das Londoner und Pariser Argument, daß Italien sich zuvor verpflichten sollte etwas von seinem Eigen­tum an Deutschland abzutreten, bevor es andere zu Abtretungen auffordere, sei nachgerade lächer­lich, denn Italien habe Deutschland nichts wegge­nommen. Italien habe von der in den Friedens­

verträgen verteilten Kolonialbeute nicht den geringsten Anteil gehabt. Ausschließlich Groß­britannien und Frankreich hätten sich damals mit neuen Ueberseegebieten übermäßig bereichert. Der Raub fast aller deutschen Kolonien habe aber diesen beiden Großmächten offenbar noch nicht genügt, denn sie hätten sich auch die Hälfte des asiatischen Besitzes der Türkei angeeignet. Groß­britannien habe Palästina, Trarissordanien und den Irak genommen, Frankreich habe sich in den Besitz von Syrien und des Libanon gesetzt.Wie wenig berechtigt die beiden Imperien waren, sich zum eigenen Vorteil so großer Gebietsteile der Türkei zu bemächtigen, ist durch die Niedermetze- lungen und die schweren Unterdrückungen der Ein­geborenen bewiesen, wie sie gerade in diesen Tagen wieder aus Palästina und Syrien gemeldet werden."

Während Großbritannien durch die Friedens­diktate seinen Kolonialbesitz um insgesamt 2 829 688 Quadratkilometer mit 9 335 886 Einwoh­nern vermehrt und Frankreich den seinen um 922 688 Quadratkilometer mit 4 325 688 Einwohnern be­reichert habe, habe Italien von England durch eine Erenzregulicrung an der Somalilüste 98 868 Quadratkilometer mit 188 688 Einwohnern erhal­ten, die niemals in deutschem Besitz waren, während Frankreich 1938 einige unbewohnte Sanddünen an Italien abtrat. Italien, so betont dann der Direktor desGiornale d'Jtalia", unterstützt das deutsche Recht gemäß seinen Verpflichtungen gegen­über Europa. Italien könne nicht zu Abtretungen ausgefordert werden, weil es auch nicht den kleinsten Teil des Deutschland entrissenen Ge­bietes besitze. Diese eindeutige Tatsache könne, durch das leichtfertige Argument Edens und der offiziösen französischen Presse gegenüber der ge­schichtlichen und geographischen Wahrheit nicht umgedeutet werden.

2. Eden sei das Eingestänönis entschlüpft, daß die Valencia-Bolschewisten aus der englisch-fran­zösischen Seepatrouille den größten Nutzen ge­zogen haben. Sein Geständnis sei aber unvoll­ständig, denn er habe die großen Lieferungen über die Pyrenäengrenze vergessen. Aber auch so beweise Edens Geständnis aller Welt die offene Verletzung der Nichteinmischungspolitik durch den von Sowjetrußland offiziell organisierten Kom­munismus, Diese Verletzung lasse nunmehr die zur Verteidigung der europäischen Kultur den na­tionalspanischen Streitkräftsn als Ausgleich ge­währte Hilfe als rechtmäßig erscheinen.

3. Eden habe behauptet, daßFranco die aus­ländische Hilfe teuer bezahlt habe," Wenn man Eden glauben wolle, so habe die Anwesenheit ausländischer Freiwilliger in den nationalspani­schen Reihen die Zuerkennung der Rechte Krieg­führender an Franco verzögert. Demgegenüber müsse man feststellen, daß Franco die Hilfe seiner Freunde nicht teuer bezahlt habe; denn Italien habeim Gegensatz zu dem, was die demokra­tischen Imperien tun, die sich anschicken, ihre ver­späteten Zugeständnisse zu verschachern" nichts verlangt und werde nichts verlangen, noch habe es die Absicht, in den Besitz von spanischen Gut oder Gebiet zu gelangen. Edens Aeußerungen über die den Bolschewisten zuteilgewordene Hilfe stehe auch im Gegensatz zu den Erklärungen von Lord Plymouth und habe nur den Zweck, ein billiges Alibi für die britische Regierung zu liefern, die,

während sie ihre Nichteinmischung und Gleich­gültigkeit gegenüber dem sich verblutenden Spa­nien beteuert, andererseits die Absicht verrät, eine schwache Regierung in einem schwach»» Spanien zu begünstigen, in dem der Sterling und auslän­discher Einfluß leichteres Spiel hätten,"

4. Unter dem Beifall der Linken habe Eden dreist erklärt, daßEngland sich nie einem anti- kommunistischen oder faschistischen Block anschlie­ßen werde". Allerdings habe er nicht gesagt, daß England nicht eine kommunistenfreundliche und deshalb antifaschistische Haltung einnehmen werde: er habe das auch nicht sagen können, da Englands Politik eine deutliche Sprache rede,

5, Man müsse sich fragen, welcher demagogischen und rednerischen Wirkungen zuliebe Eden im Hinblick auf die italienischen Truppentransporte nach Libyen behauptet habe, daß ihmnichts über eine Aenderung der internationalen Lage be­kannt sei, die die Entsendung so großer Verstär­kungen nach Lybien rechtfertige". Er müsse doch eigentlich über die Sachlage informiert sein, nach­dem die italienische Regierung aus Höflichkeit die englische Regierung über die Beschlüsse des Ministerrats vom 18. April in Kenntnis gesetzt hatte.

Mit seinen törichten Worten stellt sich Eden bewutzt in die Reihe der gefährlichen europäischen Unruhestifter. Seine verhäng­nisvolle Gegnerschaft gegen Italien, seine fortgesetzten Manöver gegen den einstigen Verbündeten gesellen sich zu der Hysterie jener englischen Agitatoren, die im Septem­ber Schauermärchen über diese durchaus nor­male Handlung Italiens ausgestreut haben."

AuchTevere" erklärt, daß die lächerlichen Erenzkorrekturen zu Gunsten Italiens in Afrika nicht im geringsten mit denreichen und modern ausgestatteten Kolonien verglichen werden könn­ten, die die Engländer und Franzosen Deutsch­land weggenommen haben." Weder Deutschland noch Italien noch Japan und die Vereinigten Staaten würden die Grundsätze des Völkerbun­des heute noch anerkennen, in dessen Namen den Völkern ein verkehrter Friede aufgezwungen wurde. Die Rechtsmäßigkeit des Besitzes jener Kolonialgsbiete sei bereits durch den Verfall die­ser Grundsätze von innen heraus angefault. Die Vorwürfe Edens müßten daher gegenüber dem Pölkerbund und den Friedensverträgen erhoben werden, die mit dem Völkerbundspakt aufs engste verbunden sind.

Der Außcnpolitiker derTribuna" erklärt, der britische Außenminister habe offenbar ver­gessen oder vergessen wollen, daß die deutschen Kolonien Mandatsgebiete sind, d. h. daß ste nicht ein Teil der eigenen Besitzungen Englands und Frankreichs sind, sondern Gebiete, die ihrer end­gültigen Zuteilung harren und nur im Auftrag des Völkerbundes zeitweilig unter englischer bzw. französischer Verwaltung stehen.Dritte Mächte haben also das Recht, die ehemaligen deutschen Kolonien als Gebiete anzusehen, die nicht Groß­britannien und Frankreich gehören und sich sür ihre Bestimmung zu interessieren." Eden ahne nicht einmal, daß der Mythos der Allmacht Eng­lands wohl noch jenseits des Kanals lebendig, jedoch in der ganzen übrigen Welt im Sinken sei.

Vertagung der vrüsseler Neunmachtekonferemr

Neue Einladung

(lligener Orsktbsrickt cksrLrswer Leitung") Brüssel, 3. November

Wie verlautet, wird der^ frühere belgische Außenminister Spaak den Vorsitz der Neunmächte- konserenz sühren. Eden wird wahrscheinlich zum zweiten Vorsitzenden gewählt werden. Unmittel­bar nach Eröffnung der Konferenz soll die Frage der Uebermittlung einer neuen Einladung an Japan, die diesmal von der Konferenz ausgehen würde, besprochen werden. Sollte dieser Bor- schlag Annahme finden, so würden die Be­sprechungen unverzüglich bis zum Eintreffen der Antwort der japanischen Regierung vertagt wer­den. In gut informierten Kreisen besteht die Auffassung, daß die allgemeinen Verhandlungen insolge der mangelhaften Vorbereitungen kaum ein Resultat zeigen werden.

Ueber die Grundlagen der Konferenz haben sich in den Vorbesprechungen, wie man hört, erheb­liche Meinungsverschiedenheiten ergeben. Einige 'Mächte halten zum Beispiel daran fest, daß es sich um eine völlig selbständige Beratung auf Grund des Neunmachtepaktes handele, mährend andere das Mandat der Konferenz von der Ent­schließung der Völkerbundsversammlung vom 12. Oktober 1937 herleiten wollen.

Paris, 3. November.

Nach der Meinung der dem Quai d'Orsay nahe­stehenden Kreise plant man, in Brüssel eine Ver­mittlungsaktion im Fernen Osten in Szene zu setzen. Ein« Befassung des Völkerbundes mit dem

an Japan stellt ;ur stebatte / Velbos s

japanisch-chinesischen Konflikt sowie eine Anwen­dung des Sanktionsartikels des Völkerbunds­paktes und dergleichen wird zum Teil alsun­zweckmäßig" abgelehnt. Es verlautet, daß der französische Außenminister Delbos bereits am Dienstag in den ersten Verhandlungen mit Eden und Norman Davis angeregt hat, einen gemein­samen Schritt als Beauftragte der Neunmächte- konferenz in Tokio und Nanking zu unternehmen und eine Vermittlung anzubahnen.

Im übrigen wird behauptet, daß Delbos mit Eden und Davis nicht nur Fragen des Fernen Ostens, sondern auch Spanienfragen und das Kolonialproblem besprechen werde, um

Neugründung von Parteien in Van;ig verboten

Danzig, 3. November.

Der Danziger Gauleiter Albert Förster sprach in mehreren überfüllten Versammlungen über dir politische Lage. Er teilte mit, daß in den nächsten Wochen in Danzig eine Perordnung erlagen werde, derzufolge jede Neugründung von Par­teien !m Danziger Freistaat verboten werde. Wenn Wahlen in Danzig kommen würden, dann würde es im Danziger Polkstag nur Braunhem­den geben, und als einzige Zivilisten würden nur die Polen vertreten sein. Nach der im vorigen

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die günstige Gelegenheit eines persönlichen Mei­nungsaustausches wahrzunehmen. Die Erklärun­gen Edens vor dem Unterhaus haben, soweit sie Italien betreffen, vollen Beifalls!) gefunden; dagegen ist man offenkundig darüber verärgert, daß der englische Außenminister zum ersten Male in derartig deutlicher Form die sowjetruisische Einmischung in Spanien bestätigte. Verstärkt wird diese Verstimmung noch durch die Nachricht, daß die britische Admiralität einige an der Nord- küste Spaniens frei gewordene Kriegsschiffe zu­rückzog, während sich andererseits die verantwort­lichen Stellen Englands bereits auf einen Sieg Francos einrichten und Fäden mit Salamanca anzuknüpfen versuchen.

Monat erfolgten Auflösung des Zentrums wollten die Nationalsozialisten in Danzig einen dicken Strich unter alles machen, was gewesen ist.

Es werde daher in der nächsten Woche im Danziger Volkstag ein Amnestiegesetz verabschie­det. Ferner kündigte Gauleiter Förster ein Staatsjugendgesetz an sowie Gesetze, die eine wei­tere innere Ungleichung Danzigs an die im Reich bestehenden Gesetze bringen würden. Es werde bald eine Zeit kommen, dann werde die Flagge des Dritten Reiches auch die Staatssahnc der Freien Stadt Danzig sein.

In Lvrlin tuii3 gestern 3ie erste KitsunK «les keielisnussvkiusses kür <IvnLeruks^vsttkunipk aller sekakkenclen vsntseken 1938" statt. I)r. null Lalänr von Sclnracli setirviten äio thront 3er IVerlisetiai'iiiiiiiiivr ab. (Lsrivbt siebe im Innern ckss LIattes.) (Lrssss-Lokkmairn)

Ane Aeise cies VeesteAe-is

k^lit kuZoll unci clsr cist in Italien

Lorulorbsriebt von Helmut Lüncksrmann

Palermo, 2. November

Wieder schreiben wir Dienstag. Am vergange­nen Dienstag, abends, fuhren wir mit dem Stell­vertreter des Führers vom nächtlichen München der deutschen Grenze entgegen. Heute trafen wir im sommerlichen Sonnenschein Siziliens in Pa­lermo ein. Wir sind jetzt acht Tage unterwegs. Es sind acht Tage voll von Erlebnissen persön­licher und politischer Art. Die Herzlichkeit der Empfänge, die schon auf der Fahrt nach Rom be­gann, die persönliche hohe Auszeichnung des Stell­vertreters des Führers durch die Faschistische Partei, die große Rede Mussolinis, das alles sind Erinnerungen an politische Porgänge, die diese vergangenen Tage kennzeichnen. Doch bleibt noch manches zu berichten von den Stunden, die außer den Erlebnissen der großen Ereignisse den Teilnehmern dieser historischen Fahrt in der Er­innerung besonders haften bleiben werden.

Da denken wir beispielsweise an dieAnkunft in Rom. Wir waren durch ein Spalier italieni­scher Soldaten und eine tausendköpfige Menschen­menge zum Hotel gefahren. Der Generalsekretär der Faschistischen Partei, Starace, hatte Ru­dolf Hetz begleitet. Von draußen drangen die Rufe der Menschen in die ruhigen Zimmer. Starace zieht Heß ans Fenster, der nun Gegen­stand begeisterter Ovationen wird. Diese Ova­tionen erreichen ihren Höhepunkt, als Starace, nachdem er sich vom Stellvertreter des Führers verabschiedet hatte, unten auf der Straße erscheint, mitten in die Menge tritt und mit Rufen und Händeklatschen dem Stellvertreter des Führers noch einmal seine Grüße entbietet.

Eine Stunde, die uns allen besonders unver­geßlich bleibt, war der Marsch durch die Straßen Roms. Ein dichtes Menschenjpalier umsäumte die Straßen, als wir vom Palazzo Littorio, dem Sitz der Faschistischen Partei, zum Palazzo Venezia, dem Sitz des Duce, marschier­ten. Das Marschtempo der faschistischen Kapelle, die uns voramnarschierte, war zwar etwas unge­wohnt, das Erlebnis des Manches aber einzig­artig. Vor uns Heß und Starace, mit uns und zwischen uns die höchsten Führer der Faschistischen Part,ei und die Generale der Miliz. Heg, Lutze, Frank, Wagner, Terboven, Eörlitzer wie oft sind sie schon an der Spitze von Aufmärschen der Partei marschiert, wie oft aber auch die Faschi- stenfllhrer. Der Zug, der sich unter dem unauf­hörlichen Beifall der Menge durch die nächtlichen Straßen Roms bewegte, war ein Symbol der alle politische Gemeinsamkeit überragenden Ge­meinsamkeit der Tradition des Kampfes um das Volk und des Kampfes gegen den Marxis­mus,

Im Palazzo Venezia selbst empfing uns dann Munolini. Während Rudolf Heß zuerst allein beim Duce war, warteten wir in den Vorsälen, Einer davon ist der Saal, in dem der Große Fa­schistische Rat tagt. Hier wurde vor nunmehr ein­einhalb Jahren das faschistische Imperium proklamiert. Die Tür öffnet sich, der Duce und Rudolf Heß stehen in der Mitte des Saales der Stellvertreter des Führers stellt die Mitglieder der Delegation und ihre Begleiter vor. Draußen werden die Rufe immer lauter, Mussolini und Heß treten auf den Balkon. Wir sind tief beein­druckt von der marmornen Größe des berühmten Saales, in dem Mussolini arbeitet und in dem so manche für das italienische Volk geschichtliche Entscheidung gefallen ist. In dem großen Welt­atlas. der an der Seite des Saales auf einem Pult steht, ist das Blatt Spanien umge­schlagen: Ein Blatt, auf dem augenblicklich Ge- ichichte geschrieben wird, Geschichte des Volsche-, WISMUS ebenso wie Geschichte der nationalen

Freiheit, die hier im Kampf miteinander liegen. An diesem Kampf nimmt mit Mussolini ganz Italien stärksten Anteil. Während wir Hinunter­schauen auf den Platz, auf dem die Menschen­massen ihrem Duce und dem deutschen Gast zu­jubeln, fällt unser Blick auf große Inschriften, die mit Riesenlettern an der Front des gegen­überliegenden Pcklazzo angebracht sind und in denen des Einsatzes freiwilliger Faschisten in Spanien gedacht wird.

Es war ein guter Gedanke, uns einmal mit­tags hinauszufahren in die Umgebung Roms zu einem Frühstück in einem kleinen Restaurant mit prächtigem Blick auf die Säbiner Berge. Während man in München und Berlin schon fröstelnd den Wintermantel um die Ohren zieht, sitzen wir zusammen mit den uns begleitenden Offizieren. Ein besonderer Gast ist mitgekommen, ein faschistischer Offizier, der der Komponist der Giovinezza und fast aller faschistischer Kampflieder ist. Nach dem Essen setzt er sich an ein Klavier und beginnt, die Takte für einen Marsch in deutschem Tempo anzuschlagen (die italienischen Militärmärsche sind bekanntlich viel schneller als die unsrigen). Stabschef Lutze unter­stützt ihn, indem er dem Maestro die richtige Takt» jvlge angibt. Es soll dem Wunsche Mussolinis entsprechend ein neuer italienischer Marsch in deutschem Tempo komponiert werden. Vielleicht ist dieser Marsch in dieser Stunde geboren worden.

Mehrere Male nach der ersten Unterredung ist Rudolf Heß und die deutsche Abordnung mit Mussolini zusammen gewesen. Bei der großen Fünfzehnjahrfeier im Forum Mussolini haben wir die überaus lebendige Kraft seiner Rede er­lebt, am Nachmittag des gleichen Tages waren wir Zeuge der eindrucksvollen Stunde der Aus­zeichnung der besten und tapfersten Italiener im letzten Jahre im Palazzo 'Venezia, am Freitag früh hatte der Duce zur Teilnahme an der Pa­rade der Truppe eingeladen. Jedesmal bezeugte Mussolini der deutschen Abordnung seine beson­dere Freude über ihren Besuch, jedesmal machte er Rudolf Heß zum Gegenstand betonter Auszeichnung und damit zum Mittelpunkt minutenlanger Ovationen.

Aber neben diesen politischen Stunden haben wir auch eine heitere Stunde bei Mussolini er­lebt, die uns einen besonderen Blick auf seine Persönlichkeit eröffnete. Es war in Aprilia. Wir hatten der feierlichen Einweihung dieser neu gegründeten Stadt und der ersten fertiggestellten öffentlichen Gebäude beigewohnt. Die Feier war zu Ende, wir warteten auf unsere Wagen, als der Duce Rudolf Heß und die Delegation in ein Haus bitten ließ, in dem geschmückte junge Bauern­mädchen zur Begrüßung aufgestellt waren. Eine Kapelle spielte Märsche und Lieder. Da ein Blick und Befehl des Duce. Die Kapelle beginnt einen Walzer zu spielen, Mussolini bittet ein Mädchen zum Tanz und fordert uns auf, das gleiche zu tun. Dieser Aufforderung hätt» es kaum bedurft. Bald drehten wir alle in munterer Weise durch den Saal. Das Ereignis hatte sich schnell herumgesprochen. Immer mehr Menschen drängten sich vor dem Saal. Trotzdem bleibt Mussolini'un- ermudlich. Die weniger Prominenten haben es nicht leicht War »in Tanz zu Ende, so schoß die Tänzerin wie ein Pfeil davon, um Mussolini oder Rudolf Heß um den nächsten Tanz zu bitten. Es verging mehr als eine halbe Stunde, bis der Duce das Zeichen zum Umbruch gab und ein Erlebnis beendete, das die Verbundenheit zwischen Führung uny> Volk in Italien in recht fröhlicher Weise zum Ausdruck brachte.

Der Sinn der ganzen Fahrt aber erschöpft sich nicht an Erlebnissen schöner und eindrucksvoller Stunden, es ist keine Reise um des Vergnügens