Ausgabe 
(24.5.1937) Nr. 139
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parteiamtliche Lageszeitung

Ilachrichtendlatt der Deutschen Arbeitsfront Dremen

der ilationa

Amtsblatt des Senats der Zreien kjansestadt Bremen

M.1ZS / 7. Jahrgang

Das amtliche Verkündungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Vremen

Montag, 24. Mai 1SZ?

Anzeigen-Erundpreise: Die 22-mm-steile im Anzeigenteil 12 die 70-wm-Zeils !m Textteil 75 eH/. Ermähigte Grundpreise liür kleine Familien-Anzeigen u. ->.) sowie sonstige Bedingungen Preis­liste 6 (Nachloszstnssel 0,. Für Anzeigen durch Fernsprecher kein? Gewähr. Annahmeschlust tk Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich 12- IZ Uhr; Schriktleitiinq Dienstag und Freitag 12)4 - l3>4 Uhr.

kinzelpreis lS Npf.

6n Zeugnis des teistungsgeistes der SS.

öldnzend verlaufene führertagung des SS.-flbschnittes XIV in Vremen / Sportliche wettkampfe als Sölzepunkt

gdergruppenführer heißmeger I sprach

St. Bremen, 23. Mai.

Die Führertagung des SS.-Abschnitts XIV fand am Sonntagvormittag ihre Fortsetzung mit einer Arbeitstagung im kleinen Saal der Cen- tralhallen, auf der u. a. auch der Chef des SS.- Hauptamtes, SS.-Lbergruppensührer Heißmeyer das Wort ergriff. Nachdem dann das Führerkorps

Unser logesspisgvl

Aus Spanien werden neue Grausamkeiten der Volschewisten gemeldet.

Der amerikanische Petroleumkönig John Rockefeller ist gestorben.

Auf der Reichsführertagung der HJ. in Wei- , mar sprach Reichsorganisatwnsleiter Dr. Ley. Reichsminister Rüst kündigte in Vraunschweig eine dreijährige Vorbereitungszeit sür Jung­lehrer an.

Die Führertagung der SS. in Vremen war ein Zeugnis des Leistungswillens unserer Schutzstaffeln.

Die ehemaligen Kriegsgefangenen Nord­westdeutschlands vereinte ein Gautreffen tn Vremen.

In der nächsten Spielzeit wird vom Bremer Staatstheater eineJugend-und-Pimpfen- Bühne" eingerichtet.

Im Mittelpunkt des 85. Niedersiichsischen Eenossenschaststages in Vremen standen be­merkenswerte Referate.

Einen herrlichen 15:K-Sieg errang Deutsch­lands Handball-Nationalmannschaft in Wien über Oesterreich.

Grütze deutsche Erfolge gab es bei dem Soli- tude-Rennen.

Ei» achtunggebietendes Unentschieden er­rang der Niedersachsenmeister Werder vor weit über 36 969 Zuschauern in Bremen über Schalke 04.

Den in Bremen durchgeführten Weser-Staf­fellaus 1937 gewann der Club 98 Vremen.

des SS.-ALschnitts XIV dem Obergruppenführer vorgestellt worden war, fand ein gemeinschaftliches Mittagessen statt.

Vom herrlichsten Sommerwetter begünstigt, fanden nachmittags auf dem Friedrich-Ludwig- Jahn-Platz die Sportwettkämpfe statt, nachdem bereits in den frühen Nachmittagsstunden der Start der Mannschaften für den Gepäck­marsch über 25 Kilometer erfolgt war. Die große Tribüne vermochte die Erschienenen kaum zu fassen, so daß sich viele mit einem Steh­platz begnügen mußten. Außer den höheren Ss.- Führern, die an der Führertagung teilnahmen, waren als Vertreter der Partei Eauinspekteur Pg. Thiele und Kreisleiter Blanke erschie­nen, während für den Staat der Regierende Bür­germeister SA.-Eruppenführer Böhmcker an­wesend war. Die enge Verbundenheit der For­mationen der Bewegung mit der Wehrmacht und der Polizei kam durch die Anwesenheit zahlreicher Führer und Offiziere zum Ausdruck. Pünktlich um 14.30 Uhr erfolgte

der kmmarsch der Wettkämpfer,

die der Sportreferent des SS.-Abschnitts XIV, Untersturmführer Reutermann mit. 281 Mann und 23 Führern Obergruppenführer Feig- rneyer meldete. Anschließend begannen auf den verschiedenen Plätzen die sportlichen Wettkampfe. Im Handballspiel trat die Sportgemein­schaft SS. gegen den Polizeisportverein an und laugte sich mrt 11:5 (8:3) geschlagen bekennen. Aus dem Fünfkampf ging die sportgemem- ßhaft SS. Bremen mit 381 Punkten als 1- Sie­ger hervor während der Sturmbann III/88 Zeven mit 356 Punkten den zweiten Platz belegen konnte. Bester Fünfkämpfer war Staffel-Anwarter Günter Bock (8/24). der allein 89 Punkte er-

as Fußballspiel des 3. Sturms der iotorstandarte gegen den SD.-Unterabschnitt rr-Ems endete'mit 1:1 unentschieden, wäh- aus der 4X100-M e t e r D i e n st g r ad st a f- der Sturmbann III/24 Aurich mit einer Zelt 48 6 Sekunden als Sieger und der mba'nn 11/24 Wilhelmshaven mit einer von 49,9 Sekunden als zweiter hervor- . 2n der 4X409-Meter-Staffel konnte Sturmbann 11/88 Breme n die Sieges­ie erringen mit einer Zeit von 3,o1 Minuten rend den zweiten Platz der Sturmbann III/88 !.8 Minuten) belegte. ,

ührend des Fußballspiels trafen die ersten Gepäckmarsches auf dem Platz ein und mar- rten unter dem Jubel der Zuschauer in straf- galtunq an der Tribüne vorbei. In 2.52 Stun- hatten SS.-Unterscharfllhrer V enlng a und -Bewerber Elis, beide der Sportgemeinschaft angehörend, die 25 Kilometer lange Strecke Aqelegtz eine Leistung, die im Hinblick auf heiße' ÄZetter als besonders beachtlich ansu­chen ist und der auch SS.-Lbergruppenfuhrer zweyer seine besondere Anerkennung zollte, dritter erreichte Staffel-Anwarter Koster ortgemeinschaft SS.)-mit einer Zeit von 2,oo nden das Ziel. Es folgten SS.-Sturmmann

88.-Oberxrnppvnkübrer ÜoiLmez-sv svlirvitvt cliv Vroitt ab. In seiner Begleitung (von links nael, revlits) ävr Vülirvi- äes SS.-Xdsolinit- tes XIV., Stanäartenläbror Svberner, Kruppe nkiibrer I> r!i t r: in a n n unä äsr Vübrer <ler 88. 88.-8tanckarts, Obersturmbannkübrer kovoke. (Vksitsrs Biläsr im 8porttsil.) ^.ukn.: Sebmiät

Heinemann (1/Res./88) mit 2,58 Stunden und SS.-Vewerber Lünz (6/55) mit 2,58 Stunden.

Besonderen Beifall fand auch die Reiter- Quadrille, die vom 4. Sturm der 9. SS.- Slandarte in Gemeinschaft mit der Polizei schnei­dig geritten wurde. Die Gymnastik mit Me­dizinbällen. sowie das Bodenturnen, beides vorgeführt vom II. Sturmbann 88. SS.- Standarte, fügten sich ebenfalls dem Rahmen auf das beste ein.

Nach Beendigung dieser sportlichen Wettkämpfe fand ein Appell des Standortes Bre­men vor Obergruppenführer Heißmeyer statt, bei dem der Standortfllhrer. Obersturmbannführer Eoecke. 618 Mann und 32 Führer angetreten

meldete. Im Anschluß an den Appell hielt Ober­gruppenführer Heißmeyer eine kurze Ansprache an die Männer der Schutzstaffel, in der er u. a. ausführte:

Ihr seid heute angetreten, um Zeuge eines Wettkampfes zu sein. Wir befinden uns seit Ostern in unseren eigenen Ausscheidungskämpfen, um am Parteitag in Nürnberg gegen die anderen Gliederungen der Bewegung zu sportlichen Kämp­fen antreten zu können. Man kämpft nicht allein mit dem Verstand und mit dem Körper, sondern auch mit dem Herzen! Ich erwarte von euch, datz ihr tüchtige Männer werdet, die ihrem Körper in Zucht zu halten wissen, und datz ihr euer Herz

ganz in die Wettkämpfe hineinlegt. Der Erfolg wird nicht ausbleiben. Wenn uns andere Mann­schaften im Kampfe übertreffen, so mutz das An­sporn zu weiteren Leistungen sein. Wir freuen uns über jeden, der uns übertrifft weil er uns zeigt, datz wir besser werden müssen."

Wuchtig erschallte das dreifache Sieg-Heil auf den Führer über den weiten Platz, begeistert klan­gen die Lieder der Nation auf. Mit der Sieger­ehrung durch Eruppenfllhrung Prützrnann, Schmitt. der den Siegern eine Anzahl wert­voller Preise überreichte, fand die. Sportveran­staltung. die in allen Teilen glänzend verlief, ihr Ende. Abends fand als Aüsklang ein Ka­meradschaftsabend im Parkhaus statt.

Keim kdf.-falstten ohne die deutsche lugend

NeichsorgaMalionslettee Vr. teg vor dem sülirerkorps der KI. in Weimar

Weimar. 23. Mai.

Sonntag sprach zunächst Stabsleiter Lauter- bacher zu den 1399 in Weimar versammelten Bann- und Jungbannführern der HJ. über die weitere Auswirkung des Gesetzes vom 1. Dezem­ber vorigen Jahres. Er betonte dabei, datz die HJ nach dem Gesetz Gliederung der N2DAP. sei und bleibe. Der Erfolg ihrer Arbeit werde auch in Zukunft gesichert sein, da die Partei mit dem Staat und der Staat mit der Partei arbeite. Der Stabsleiter äußerte sich weiter über Fragen der Eingliederung der gesamten deutschen Jugend, über das Landjahr und über staatliche Jugend­pflege.

Die Reichsreferentin des BDM., Trude Bürk- ner-Mohr, sprach über grundsätzliche Er­ziehungsfragen im BDM. Aus der Kameradschaft der Führerschichten der HJ. und des BDM. wachse zwangsläufig die saubere, klare Haltung der Ge­schlechter zueinander. Der Reichsjugendsührer be­grüßte darauf den Reichsorgänilationsleiter Dr. Ley, dem er für die Zusammenarbeit zwischen den schaffenden deutschen Menschen und der schaf­fenden deutschen Jugend herzlich dankte.

Dr. Ley hielt einen eingehenden Vortrug über die Kunst der Menschenführung und den schöpferischen künstlerischen Geist, der sich in der Organisationsarbeit der Partei offenbart. Er erinnerte an das Wort des Führers:Man soll nur das organisieren, was man muß, nicht was man kann!" Es gibt. erklärte Dr. Ley, keinen größeren Gegner des wilden Organisierens als den Führer. Organisieren muß man. um einer Idee für Jahrtausende zum Siege zu verhelfen. Organisieren hat bei uns einen tiefen weltanschaulichen Grund. Wir wollen für Tausend von Jahren den Weg vor- zeichnen, den der Nationalsozialismus gehen muß. Die gebundene Ordnung, die der Nationalsozialis- -mus'gebracht hat. ist die größte Freiheit. Die Or­ganisation der Partei muß mit ihren Verbänden in der Lage sein, jeden deutschen Menschen zur Stellungnahme zu unseren Ideen zu zwingen. Die

früher in Deutschland regierenden Parteien mach­ten aus der Volksführung ein Geschäft und die Folge war. daß das Volk ihnen nicht mehr glaubte. Menschenführung und Sachwaltuna müßten streng voneinander getrennt werden. Wis­senschaft ohne Tharakter und ohne Führereigen­schaft ist schädlich. Eine. Sache ordnet sich selbst, wenn die Menschen richtig erzogen sind und rich­tig behandelt werden. Die Erziehung in zwei­jähriger Dienstzeit genügte vor dem Kriege, um unser Volk zu einem gewaltigen Erfolg zu füh­ren. Was muß das deutsche Volk erst in Zukunft leisten können, wenn mit der Gemeinschafts­erziehung schon beim 16jährigen Pimp­fen begonnen wird!

Wir ehren und achten jede Sachkenntnis. Die Menschen sollen sich möglichst viel Wissen an­eignen. Aber die Sachwaltung mutz sich auf ihr Gebiet beschränken. Die Führung der Menschen gehört der Partei und die Führung der deut­schen Jugend der HJ.

Weiter äußerte sich Reichsorganisationsleiter Dr. Ley über die Aufgab enteilung zwi-

vertrauensoerizältnis zwischen Partei unö Presse

Bayreuth, 23. Mai.

Die Gaupresseamtsleiter der Partei aus dem ganzen Reich verbrachten den Sonnabend und Sonntag in Bayreuth. In den Räumen des Hau­ses für Deutsche Erziehung fand eine Arbeits­tagung statt, in der in mehrstündigen Referaten eine Reihe von wichtigen pressepolitischen Äui- gaben der Eaupresseamtsleiter behandelt wurden Es kam dabei zum Ausdruck, daß die Unterstützung der politischen Arbeit der deutschen Pry'ie durch die Pressedienststellen der Partei und ihre Ein­richtungen in erfreulichem Mäße ausgebaut und ein. besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Partei und Presse entwickelt werden konnte.

schen Partei und Staat. Der Staat darf nur etwas tun. wenn es sich als richtig bereits erwiesen hat, die Partei hingegen muß neue Probleme anpacken. Da 'der Kampf um die Macht beendet ist. ist unsere wichtigste Auf­gabe jetzt die Schulung und Auslese Minutenlange stürmische Zustimmung begleitete die Worte, die Dr. Ley über seine Zusammen­arbeit mitder Reichsjugendführung fand. Er erwähnte die beiden großen Werke, die bereits Zeugnis für diese Verbundenheit ab­geben. den Reich sberufswettkampf und die Adolf-Hitler-Schulen. Es werde alles darangesetzt, diese gemeinsame Arbeit wei­terzuführen. Auch beim größten Werk. dem der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude", stelle die deutsche Jugend den Stoßtrupp. Es sollten in Zukunft keine KdF. -Fahrten mehr ohne die deutsche Jugend durchgeführt werden. Mit erneutem begeisterten Beifall dankten die HJ.-^uhrer Dr. Ley, als er mit einem herzlichen Bekenntnis zur deutschen Jugend und zum ewi­gen Deutschland schloß.

Die Tagung wurde eingeleitet durch eine Be­grüßungsansprache des Gauleiters und Reichs­walters des NSLB., Pg. Wächtler, der den Pressemännern einen interessanten Ueberblick über die politischen Aufgaben gab. die im Gau Bayrische Ostmark von der Partei in Angriff ge­nommen worden sind, sowie über die Arbeit des NS.-Lehrerbundes. Im Mittelpunkt der Tagung standen Ausführungen des Stabsleiters. des Reichspressechefs und Leiters des pressepolitischen Amtes. Reichsamtsleiter Sündermann. sowie des Pg. Oberbannführers Fischer und Hauptstellen- leiter Dr. Freiherr du Prel von der Berliner Dienststelle des Reichspressechefs. Eine Besichti­gungsfahrt durch das Fichtelgebirge schloß die Tagung.

Neoille ltiamberlain

der Mann, der kngland regieren wird

Wahrscheinlich am 28. dieses Monats tritt der englische Ministerpräsident Baldwin von seinem Posten zurück. Es steht endgültig fest, datz der jetzige Tchatzkanzler, Reville Chamberlain, sein Nachfolger wird. Der nachstehende Artikel ver­mittelt ein Bild dieses britischen Staatsmannes.

Die Tribünen des engen, dunklen Saales, in dem alle Probleme des weltweiten britischen Im­periums entschieden werden, desHause of Com- mons", des Unterhauses, sind bis auf den letzten Platz gefüllt. Mit Unruhe und Spannung schauen die vollzählig versammelten Mitglieder auf die berühmte Bank, auf die Bank der Mi­nister, neugierig und gespannt recken die Damen auf den Tribünen ihre Köpfe nach dem Premier Baldwin, der den Saal betritt, und «in Raunen geht durch das Haus, als ein hoher, schmaler, grauhaariger, ein wenig altmodischer Herr sich zur Ministerbank begibt: Reville Cham- berlain, der Schatzkanzler Großbritanniens, der Kronprinz für den Premierposten, der Letzte einer großen Dynastie von Politikern, Träger eines Namens, der in England legendär gewor­den ist. Das Budget des britischen Imperiums trägt er in einem roten Koffer, und es ist in guten, sicheren, vorsichtigen Händen.

Vorsichtig und behutsam ist auch seine Rede, mit Unruhe und Spannung vom ganzen englischen Volk erwartet, diese Rede über die englischen Rüstungsforderungen. Klar, einfach und ruhig legt der Schatzkanzler seine Gründe dar, vorsichtig und diskret, während er zerstreut seine Augen­gläser putzt, nennt, er dann die. Summe, die un­geheure Summe vyn 1506 Millionen Pfund. Auf­regung im Saal. Der Erste auf der Ministsrbank, der Premier Baldwin, legt gespannt und auf­merksam seine Hand ans Ohr, um besser die Be­gründung seines Erben hören zu können. Der Schatzkanzler achtet auf nichts. Aus seiner Tasche zieht er einen kleinen gedruckten Zettel,'ein ganz gewöhnliches Kalenderblatt, mit einem Zitat für den Tag. Am Morgen vor der großen Rede hat. er es gefunden, hat es in die Tasche gesteckt und an seine Gegner von der Opposition gedacht, denen er es zwischen zwei schmerzlichen, unangenehmen Zahlen zur Zerstreuung und Erheiterung vorlesen wird. Ein kleiner, alter Trick vieler englischer Parlamentarier. Für fünf Minuten hat der Schatz­kanzler die Lacher auf seiner Seite und gute Stim­mung für seine gefährlichen Ziffern.

Im allgemeinen sind die Tribünen nur wenig besucht, wenn Reville Chamberlain spricht. Es gibt keine Sensation, keine interessanten Rededuelle. Klar, genau, einfach und manchmal ein wenig humorvoll, setzt der Schahkanzler seine Pläne auseinander und verteidigt sie. Ganz und gar nicht der Sohn seines stürmischen, leiden­schaftlichen, rücksichtslosen Vaters, der England erschütterte jedes Mal, wenn er sprach, der ge­furchtste Gegner aller Routiniers, aller Konven­tionellen, Joe Chamberlain, der selfmademan aus Birmingham, Ahnherr der Dynastie. Wie eine Kanonenkugel ist er in die Erinnerung der eng­lischen Geschichte eingegangen, während viele Premiere nur noch in den Staatskalendern zu finden sind. Sein ganzes Leben war ein Kampf um denPremier". Der temperamentvolle, unruhige Joe konnte es niemals werden, sein letzter Sohn, zurückhaltender, vorsichtiger, konser­vativer, nüchterner, wird den Traum verwirk­lichen und die Dynastie Chamberlain zum Siege führen, nach einer zögernden, späten, aber dann um so glanzvolleren Karriere.

Der Letzte der Chamberläins war gar nicht für die Politik bestimmt. Wie viele Söhne großer englischer Väter erbte er zwar einen Unterhaus­sitz, aber 26 Jahre lang wußte niemand viel von dem Träger des großen Namens. Als sein Bru­der Austen mit Würde und Monokel als Schatz­kanzler in der Downing Street Nr. 11 einzog, als Sir Austen in Genf mit Eleganz und einer Orchidee im Knopfloch diplomatischen Schick demonstrierte, war Reville ein Engländer im Metallhandel; als sein Bruder seine Zeit zwischen Parlamentsreden und diplomatischen Frühstücken verbrachte, war Reville mit Bilanzen/ Statistiken Preisen, Kursen und Aktien beschäftigt. Bir­mingham, die Wiege für den Ruhm der Cham- berlains, in der Joe die ersten Stufen seiner turbulenten politischen Leiter heraufstieg, hob man Chamberlain in den Sattel der Vo.ttfft. uiird Magistratsrat. Bürgermeister der Millionenstadt, und Lloyd George beruft ihn an die Spitze des wichtigen National Service. Vier Jahre später ist er Eesundheitsminister. Sein Gastspiel als Schatzkanzler ist kurz. Aber die Konservativen rufen den umsichtigen, in Finanz­dingen erfahrenen und geschickten Chamherlain wieder auf diesen wichtigen Posten, dessen Ver­antwortung in den Zeiten schwerer Geldkrisen bewnders schwierig ist.

Wenn in den frühen Morgenstunden ein hoch­gewachsener. schlanker, einfacher, .etwas strenger ?.!^r has Haus in der Eaton Square ver­mut, wird jeder, der ihm begegnet, an einen gut- ßtuierten Engländer aus einer der großen Indu­striestädte in der Provinz denken. Reville Cham- berlain ist weder so faszinierend wie sein Vater noch so elegant und amüsant wie sein Bruder. Ein schlichter, offener, unermüdlicher Arbeiter, -sicher ein wenig altmodisch und phantasielos, aber gewissenhaft und pflichtbewußt.Ein guter Be- amter ohne Ersindungsgeist und Menschlichkeit, ohne Phantasie und Gewandtheit, aber kein selb-