Ausgabe 
(21.5.1937) Nr. 136
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parteiamtliche Tageszeitung

NachrichtenblaN der Deutschen flrbeitsfront Bremen

der Nationalsozialisten Vremens

flmtsblatt des Senats der Freien Hansestadt Bremen

Erscheint7malwöch°ntl. Monatsbezug: ^^i!2.30einschl.Zust«llgsb.:Plistbezugspr«is monatl.2.30^r ^ PostzettungIgsbühr) zuzügl. 42 Bestellgeld. Bezugspreis ist im voraus zahlbar. Hamburg 17272. Betriebsstörungen begründen keinenAnspruch ausErstattung oder Ersah. Ns.-Gauvcrlag Wcscr-Ems G. m. b. H., Bremen. Gceren 6-8 / Fernsprecher: 541 21 und 511 15.

Vas amtliche Verkimdungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Vremen

Nr. 156 / 7. Jahrgang

srettag, 21. Mai 1SZ7

Anzeigen-Grundpreise: Die 22-mm-Zeile im Anzeigenteil 12 eH/. die 70-ram-Aeile im Textteil 75 Ermäßigte Grundpreise Mir kleine Familien-Anzeigen u a., sowie sonstige Bedingungen Preis- liste k (Nachlaßstassel 0,. Für Anzeigen durch Fernsprecher kein-Gewahr. Annahmeschlutz 15 Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-13 Uhr; Tchristleitunq Dienstag und Freitag

kinzelpreis 15 Npf.

Nur noch eine Woche bis ;um eautag weser-kms

Vrei bedeutsame politische Tatsachen kennzeichnen die beoorstekenden Vldenburger sesttage

rs. und ro. m«i

Drei wichtige Merkmale sind es, die den Gau­tag Weser-Ems am 29. und 30. Mai in Olden­burg kennzeichnen und die ihn zu einem Gedenk­tag von umfassender Bedeutung machen:

Am 27. Mai 1234 wurden in der Schlacht von Altenesch die Stedinger Freibauernheere von den Kreuzfahrern geschlagen und aufgerieben.

...........

Unser logesspiegsl

Deutschland hat in Washington wegen der Hebelgriffe des Kardinalerzbischofs Munde­lein Einspruch erhoben.

Haarsträubende Zustände sittlicher Verkom­menheit wurden an Newyorker Schulen aufgedeckt.

Auch aus Oesterreich liegt ein Fall katholi­scher Priester-Entartung vor.

In Weimar wurde das 2. Reichsführerlager der HJ. eröffnet.

Ueber nationalsozialistische Gesundheitspoli­tik sprach Dr. Frick in Bad Wildbach. Hauptamtsleiter Hilgenseldt äußerte sich Pressevertretern gegenüber über die Zu­kunftsaufgaben der NSV. SA.-Eruppensührer Böhmcker erläßt einen Aufruf zurHitler-Freiplatz-Spende". Pfarrer Bauer erhielt 516 Jahre Zuchthaus. Das Erniihrungshilfswerk in Bremen macht erfreuliche Fortschritte.

Der erste Vriesbericht des geretteten Zepp- Fährgastes aus Bremen gelangte aus Rew- york hierher.

die, wie er schreibt, eine Kraftquelle sein wird, aus der sich deutsche Jugend Hoffnung und Zu­versicht und ein starkes Selbstvertrauen holt für den Kampf um die Ewigkeit der deutschen Nation. Schulleiter Pg. Hugo Stratmann schreibt über die Eauschulungsburg Pewsum als Er­ziehungsstätte des Führernachwuchses für den Gau Weser-Ems. Der Artikel ist, wie auch die anderen, reich bebildert und gibt so einen le­bendigen Einblick in das Wirken der Partei im Gau.Mein Heimatland" überschreibt Pg. Hein­rich K u n st - Adelheids seinen mit leidenschaft­lichem Herzen geschriebenen Artikel über das Ol- denburger Land und seine landschaftlichen Schön­heiten.

Der zweite Teil der Broschüre, in deren Mitte sich das Programm für den Eautag befindet, wird eröffnet mit einem Artikel des Stellvertretenden Gauleiters Pg. EeorgJoel : Der Kampf um die Macht in Oldenburg". In wenigen markanten Sätzen steht hier vor dem Leser wieder die ganze Schwere und Bedeutung der Kampfzeit auf und der Eingeweihte liest Mischenden Zeilen all die großen Erlebnisse jener'

Tage, und noch einmal fühlt er jenen Jubel, der die Parteigenossenschaft des Gaues erfüllte, als nach den zahllosen Wahlreden des Führers der 29. Mai 1932 den endgültigen Sieg der National­sozialisten in Oldenburg brachte. Die folgenden Blätter der Broschüre legen Zeugnis ab für den Willen der Nationalsozialisten, praktische Aufbau­arbeit im deutschen Volk für das Volk zu leisten. Aus den nüchternen Tatberichten eines kleinen Gebietsteiles des großen Vaterlandes ist die Lei­stung des ganzen Reiches unter Führung Adolf Hitlers klar zu erkennen, Ministerialrat Rotz- Oldenburg schreibt über die Durchführung der oldenburgischen Verwaltungsreform, die, schon früh begonnen, für das Reich vorbildlich war und dem Lande Oldenburg einen guten Namen einge­tragen hat. Die Ordnung der Energiewirtschaft im Gau Weser-Ems erklärt Amt'shauptmann a. D. Brand. Ministerialrat W. Ostendorf gibt einen Einblick in den Straßenbau und die Wasserwirtschaft, während Ministerialrat Tant- zen die Landwirtschaft und die Neubildung deutschen Bauerntums beleuchtet. Ueber die Schul­politik der nationalsozialistischen Regierung in

Oldenburg schreibt Minsterialrat Hearing. Der gleiche Verfasser gibt weiter einen Ueberblick über die staatliche Pflege von Kunst und Wissen­schaft, während Ministerialrat Ruhstrat ab­schließend den oldenburgischen Staatsfinanzen seit 1932 einen aufschlußreichen Artikel widmet.

So ist diese Broschüre ein Dokument der Lei­stungen im nationalsozialistisch regierten Olden­burg. Sie wird jedem Teilnehmer am Eautag in gedrängter Form eine Uebersicht über die Ar­beitsleistung im Raum Weser-Ems seit 1932 ver­mitteln und wird ihn gleichzeitig unterrichten über die Einzelheiten des Programms für den Eautag, verbunden mit der Einweihung der neu­erbauten Niederdeutschen Gedenkstätte Stedings- chre auf dem Bookholzberg und der Erstauffüh­rungDe Stedinge" in der Spielzeit 1837. Dieses Programmheft kostet 50 Pfennig, ist bei der Kreis­leitung der NSDAP. zu haben und berechtigt zur Teilnähme an allen Veranstaltungen während des Gautages, mit Ausnahme der Sondertagungen und der Aufführung aus dem Bookholzberg, Jeder Teilnehmer am Eautag wird sich daher dies« Bro­schüre kaufen. Lost,

xier Äö/uncHec rarAttkec-IceipLrtL-Lpeittie"

DieHitler-sreiplatz-Spende" dient der krlzolung des schaffenden deutschen Volkes. Vle Männer der Sllederungen sowie erkolungsbedürstige Volksgenossen sollen ihren Urlaub in Hilfsbereiten famllien verbringen, um neue Kräftigung siir den tageskamps zu finden.

Selbst Frauen und Kinder fielen dem furcht­baren Massenmorden zum Opfer.

Am27. Mai1934, genau 700 Jahre später, gedachten die Stedinger in Altenesch des harten Kampfes ihrer Vorfahren, die als freie Bauern lieber ihr Leben ließen, als daß sie und ihre Nachkommen in Fron und Knechtschaft gerieten. Eine ereignisreiche Geschichte war in den Jahr- Hunderten über Deutschland dahingebraust. Seit etwas mehr als einem Jahr war nun das deutsche Volk in seinen Stämmen und Ständen unter der Fahne der nationalsozialistischen Bewegung ge­eint. Die Begriffe der Ehre, Freiheit und Treue, die schon für die alten Stedinger Bauern der Inbegriff ihres Lebens waren, halten im Dritten Reich neue Geltung erhalten So fanden die erschütternden Ereignisse des Kampfes vor 700 Jahren tiefsten Ausdruck in den Reden des Reichsleiters Alfred Rosenberg und des Reichsbauernführers DarrS und sie feierten schließlich ihre lebendige Auferstehung im Volks­schauspiel von August Hinrichs .,,D e St e- dinae". Aufgeführt auf der Niederdeutschen Gedenkstätte Stedingsehre auf dem Bookholzberg, zu der Alfred Rosenberg den Grundstein legte, hackte das Schauspiel seitdem Tausende und aber Tausende von Zuschauern und vermittelte ihnen immer wieder einen gewaltigen Eindruck vorn Freiheitskampf unserer Vorfahren rm Steomger-

°D^e r^2 g^M^a E,9 3 2 war ein Tag größter politischer Bedeutung sür das Land ^d°nbsttP' den Gau Weser-Ems der NSDAP. und darüber

hinaus auch für Deutschland, ^brachte der

Partei die- Mehrheit der Sitze rm oldenburgischen Landtag, Von 48, zur V-rsugung stehenden Man-

->ie sie die Geschichte der old°nburgi,chen Land- agswahlen bisher nicht zu verzeichnen hatte, seit- >em aber begann im nationalsozialistisch regierten

Oldenburg eine Ausbauarbeit, wie sie gar nuht

lesser kennzeichnend sein kann für die Starke d idee und die Größe der Bewegung.

Diese drei Merkmale al,o sind es, die über den politisch gewaltigen Rahmen h'naus dem Eautag Weser-Ems seine besondere geschichtliche Bedeutung geben. Auch der Eautag «»d an jenen Maitagen durchgeführt, rn denen die Schicksalsstunden unseres Heimatgaues liegen. Eine lanae Kette von Sonde r z u gen bringt am Sonnabend, dem 29. und sonntag, dem Z0. Mai. Taufende nach Oldenburg Schon letzt liegt eine 72 Seiten starke Broschüre vor, die

>ie Gauorganisationsleitung herausgab Sie ent­hält neben dem ausführlichen Programm des

Tautages eine Reihe von wertvollen Namens- artikeln und Bilder führender Persönlichkeiten aus Reich und Gau. Ein Wort Adolf Hitlers und ein Geleitwort des Gauleiters sind ihm vorangestellt. Im Anschluß an die Bilder des Führers, des Stellvertreters des Führers und des Gauleiters Carl Rover locht ein Artikel von Eauorganisationsleiter Pg. W alle nh or stubr den Gau Weser-Ems. Der Verfasser schildert zu­nächst die Lage, die Grenzen und die Aufteilung des Gaues Weser-Ems und gibt zum Schluß einen Ueberblick über die.Gliederung der Partei in Eauämter, Kreise, Ortsgruppen, Stutzpunkte, Zellen und Blocks. Einen sehr Wendigen,Aufsatz schrieb Eauschulungsleiter Pg. ..^inrich Busch er über das Eaukameradschaftshaus Ahl- hqrn, seing Entstehung und seine Bedeutung für die Führerschaft. Delmenhorsts Kreisleiter, Pg. Sturm, berichtet über das Stedinger Land und die Niederdeutsche GedenkstätteStsKlNgsehre,

Unter zum teil vorübergetzendem Verzicht auk Bequemlichkeit Koben zolzlreiche volkogenoffen in den vorjalzeen sreiplätze zur Verfügung gestellt und damit ilzre Vpferbereitschast bewiesen, wieder ruft die nationalsozialistische Bewegung zur>.kitler-sreiplah-Spende"auf und niemand wird sich diesem ftusruf versagen. 0er Kampf des Nationalsozialismus um dos soziale vlück der Deutschen ist nur aus der Srundlage selbstlosen Vpserns aller möglich.

Sie soziale Haltung des deutschen Volkes wird auch in diesem lalzr wieder eine großzügige Vurchsülzrung der sreiplatz-Spende gewälzrleisten!

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Sfl.-eruppenlütirer

die größte flottenparade der Welt

SlSn;enVer Verlauf der kr«

(LiZsusr Orgbtboriodt <lsrBremer Leitung") . London, 20. Mai.

Englands größter Stolz ist seine Flotte, die den Ruhm des seebeherrschenden Albions schuf und ein Weltreich zusammenschmiedete, das vielleicht nie so eindrucksvoll in Erscheinung trat wie in diesen Tagen, in denen sich seine Vertreter zur Krönung Georgs VI. in London trafen. So ist es eine Selbstverständlichkeit, daß im Programm der wochenlangen Krönungsseiern die Flottenparade aus der Reede von Spithead eine hervorragende Stelle einnimmt.

Eine wahre Völkerwanderung überflutete daher die festlich geschmückten Straßen und Kais von Portsmouth, in denen die Nationalfarben fast aller großen Seemächte flatterten. Hunderte von Vergnügungsdampfern, Motor- und Ruder­booten sind auf der Meeresstraße zwischen Ports­mouth und der Insel Wight zusammengeströmt, denn noch hat man die Gelegenheit, die hier vor Anker liegende größte Armada der Ge­schichte bestaunen zu dürfen. In neun schnur­gerade ausgerichteten Linien, die bis zu 7V- Kilo- meter lang sind, warten nahezu 300 Schiffe, darunter 160 Kriegsschiffe, auf den Augenblick, wo König Georg VI. ihr Spalier durchführen wird. Alle Schiffsklassen sind hier versammelt, vom Schlachtschiff und Kreuzer bis zum U-Boot und Hilfsschiff. Ueberwältigend ist der Eindruck dieser stählernen Festungen.

Schon Donnerstag vormittag empfing Georg VI. auf der JachtVictoria and Albert" die Vertreter der ausländischen Staatsoberhäupter, unter ihnen Reichskriegsminister Generalfeldmar­schall von Blomberg, und die Admirale und Oberbefehlshaber der britischen Flotte. Um 13.20 Uhr verkündete ein Kanonenschuß den Privat- bootcn und Vergnügungsdampfern, daß sie sofort das Paradefeld zu verlassen haben.

Pünktlich um 15 Uhr lichtet das Führerschiff Patricia" die Anker. Hinter ihm folgt die könig­liche Jacht in Begleitung derEnchantreß". Auf 14 weiteren Begleitschiffen befinden sich 3000 vom König zur Teilnahme an dieser Revue einge­ladene Gäste. Ohrenbetäubender Don­ner rollt über die Reede von Spithead, denn die Batterien sämtlicher Kriegsschiffe entbieten mit 21 Schüssen dem König ihren Gruß. Vom Ufer antwortet unaufhörlicher Jubel der ungezählten Tausende, die von dort aus dem gewaltigen Schauspiel folgen.

ningsschau von Spithead -fldmiral

Langsam nähert sich die königliche Jacht, die übrigens Donnerstag ihre letzte Fahrt unter­nahm (das schon 38 Jahre alte Schiff wird außer Dienst gestellt und durch eine neue Jacht ersetzt), der Revuelinie.

Auf ihrer Kommandobrücke steht der König in Admiralsunisorm, umgeben von den Mitgliedern der königlichen Familie und den Admiralen. Die Musikkapellen der Kriegsschiffe intonieren die Königshymnc, die Ehrenwache präsentiert, und von Bord jedes einzelnen Schiffes schallt dem König ein dreifaches Hurra entgegen.

Am Ende der Paradelinie wendet die Flottille, um nun zwischen der sechsten und siebenten Reihe wieder zurückzukehren. Backbords liegen die Zer­störer der britischen Heimatflotte vor Anker, steuerbords befinden sich die Kriegsschiffe der aus­ländischen Staaten. Ihren Reigen eröffnel ein estländisches U-Boot, dann folgen ein polnischer, ein türkischer und ein rumänischer Zerstörer, eine portugiesische Schaluppe, ein finnisches, dänisches und schwedisches Wachtschiff, ein japanischer, niederländischer und griechischer Kreuzer.

slaggemwischenfall von pinkafeld erledigt

Wien, 20. Mai.

Amtlich wird mitgeteilt:Am 30. April fand in Pinkafeld, Vurgenland, ein militärischer Zap­fenstreich der Garnison zu Ehren des Vorabends des Staatsfeiertages statt. Der Ort hatte Flag- genschmuck angelegt. In dem Augenblick, da die Militärmusik mit ihrer Begleitmannschaft auf dem Platz Posto faßte, entrollte sich aus der Dach­luke eines Hauses eine Hakenkreuzflagge. Der die Truppen befehligende Offizier erteilte in der Meinung, es fände eine gegen seine Truppe ge­richtete Demonstration statt, den Befehl, die Flagge einzuziehen, was durch eine Patrouille von drei Mann durchgeführt wurde. Als sich herausstellte, daß die Flagge von dem im be­treffenden Hause wohnhaften Reichsdeut­schen Max Thiem erlaubterweise gehißt worden war und daß dieser der Vorschrift ent­sprechend auch die österreichische Flagge gesetzt hatte, wurde ihm die Flagge zurückgegeben und deren neuerliche Hissung am 1. Mai gestattet.

vrof Spee" viel bewundert

Ihnen schließt sich das deutsche Panzerschiff Admiral Graf Spee" an, das wie alle anderen über die Toppen geflaggt hat. Schon seit Tagen erregt dieses stolze Schiff die Bewunderung aller Besucher von Spithead, und auch bei der Königs­parade sind die Augen aller Gäste auf denAdmi­ral Gras Spee" gerichtet, an dessen Reling die gesamte Besatzung, einschließlich der Offiziere an­getreten ist.

Hinter dem deutschen Panzerschiff liegen das argentinische, das französische und das amerika­nische Schlachtschiff. Nach eineinhalb st ündi- ger Fahrt durch die Linien dieser größten Flottenschau aller Zeiten ankerte dieVictoria and Albert" kurz nach 17 Uhr an der Spitze des Revuefeldes, um die Parade der Marineluft st reitkräfte abzunehmen. Mit Vollgas jagen 150 Jagd-, Tor­pedo- und Aufklärungsflugzeuge über die Reede von Spithead. Während noch das Donnern der Motore am Horizont verebbt, steuert die Königs­jacht wieder dem Hafen von Portsmouth zu.

Wegen dieses Zwischenfalls hat die österreichische Bundesregierung der Deutschen Reichsregierung am 8. Mai dieses Jahres ihr lebhaftes Bedauern ausgesprochen und sofort alle erforderlichen Maß­nahmen getroffen, um einer Wiederholung solcher Vorkommnisse auch in Zukunft vorzubeugen. Bei diesem Anlaß wurde nachstehende grundsätzliche Feststellung zur Frage des Zeigen? fremder Flaggen gemacht:

1. Den in Oesterreich wohnhaften ausländischen Staatsangehörigen ist es gestattet, am Staats­feiertag ihres Heimatstaates, ferner an den Ta­gen, wo eine Beflaggung ihres Wohnortes an­geordnet oder ortsüblich ist, die Flaggen ihres Heimatstaates zu hissen mit der Maßgabe daß sie gleichzeitig die österreichische Flagge in ungefähr gleicher Größe und an ungefähr entsprechender Stelle hissen.

2. Die Feststellung, daß im gegebenen Fall das Zeigen einer fremden Flagge den bestehenden Bestimmungen entspricht oder nicht, ist aus­schließlich Sache der zuständigen Sicherheits­behörde."

Durch diese Erklärung hat der Flaggenzwischen- fall von Pinkafeld für die Reichsregierung seine Erledigung gefunden.

Mtterwlnkel waziristm

Es geht um Englands Prestige in Indien

London, 20. Mai. Im Shantal an der indischen Nordwcstgrcnze haben Anhänger des ausständischen Fakirs von Jpi wieder ein eng- lisches Lager überfallen. Sie wurden nach kurzem Kamps zurückgeschlagen. Drei britisch- indische Offiziere wurden getötet und 17 indische Soldaten verletzt. Die Zahl der verletzten Auf­ständischen ist unbekannt.

Zweifellos gehört Indien mit zu den emp­findlichsten Stellen des britischen Imperiums. Von jeher sind in diesem Gebiet den kolo­nialen Bestrebungen des Inselreiches mit die heftigsten Widerstände erwachsen. Indien ist für die englische Krone schon seit langem ein Sorgenkind; es wird es auch noch für längere Zeit bleiben.

In allgemeiner Erinnerung wird noch die schwierige Lage sein, die Anfang April in Indien entstand, als das neue Verfassungs­werk in Tätigkeit trat, mit dem die Lon­doner Regierung Indien schrittweise in ein sich selbst verwaltendes Dominion verwan­deln will. Dieser Reform vorausgegangen waren die indischen Neuwahlen, bei denen die Kongretzpartei unter Führung Panöit Nehrus, dem Schwiegersöhne Mahatma Gandhis, in sechs von den elf Provinzen die absolute Mehrheit erringen konnte. Zur größten Ueberraschung.jedoch machte die Kongreßpartßi die Bildung von Provinz-Regierungen von den Zusicherungen der britischen Gouverneure abhängig, auf ihre Ausnahmebefugnisse sowohl, militä­rischer als auch polizeilicher und finanzieller Art zu verzichten; denn in diesem Veto-Recht der Gouverneure sah sie einen Beweis des Mißtrauens Englands gegenüber dem indischen Volk. Da sich weder in London, noch bei dem Kongreß ein Nachgeben be­merkbar machte, trat der Konflikt offen zutage. Während diejenigen Gebiete, in denen Pandit Nehru nicht über die absolute Mehrheit verfügte, bald parlamentarisch tragbare Koalitions-Regierungen bildeten, wurden in den sechs kritischen Provinzen Minderheitskabinette, gebildet, die jederzeit von der allmächtigen Kongreßpartei gestürzt werden können, sobald Pandit Nehru dazu das Signal gibt. Damit würde das ganze schwierige Verfassungswerk wieder zusam­menbrechen.

Diese durch die Verfassungsschwierigkeiten an sich schon recht gespannte Lage hat nun eine wesentliche Verschärfung erfahren: In Waziristan, jenem abgeschlossenen Stammesland im nordwestlichen Indien, aus dem schon so häufig Zusammenstöße gemel­det werden konnten, ist es wieder wie es yuch die an der Spitze dieses Artikels ste­hende Meldung besagt zu ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen den halbwil­den Einwohnern und den Engländern ge­kommen. In diesem Gebiet war die Herr­schaft. des Vizekönigs von Indien von jeher eine mehr oder weniger rein theoretische An­gelegenheit. Die mohammedanischen Wazi- ris weit entfernt von . jeglicher Zivili­sation sind mit zügellosen Manieren be­haftet. Sie sind ewig aufrührerisch, raub- lustig und mordgierig. Von dem Tag an, als die ersten Engländer in Indien erschie­nen, führen sie einen ewigen Kampf mit dem mächtigen Weltreich. Liebe zu ihrer zerklüfteten Heimat, Haß gegen alles, was nicht mohammedanisch ist, das sind die trei­benden Kräfte ihrer Tapferkeit, mit der sie die britischen Soldaten und Wafsen-Trans- porte absangen.

Die beschränkte Selbstverwaltung, die London den verschiedenen indischen Provin­zen im Rahmen des neuen Verfassungswer­kes geben will, findet keine Anwendung in den Grenzgebieten. Für diese wird vielmehr ausdrücklich bestimmt, daß sie der militäri­schen Verwaltung Englands unmittel­bar unter st eilt sind. Als aktiven Widerstand gegen diese Maßnahmen hat kürz­lich der sogenannteFakir von Jpi" zumHeiligen Krieg" gegen England auf­gerufen.

Wer ist derFakir von Jpi" ? Mit seinem richtigen Namen heißt erAliNaggar;er ist kein Fakir in dem bekannten Sinne; seine Heimat ist Peshawar, die bedeu­tende Handelsstadt des indischen Grenzge­bietes. Hier begann er als Kameltreiber und Lastträger. Da man ihm nachsagt, er sei der tapferste und stärkste Mann seiner Heimat, ist er für die halbwilden Berg- stämme an und für sich schon der geborene Führer. Hinter, seinen körperlichen Leistun­gen bleiben jedoch seine geistigen Fähigkei­ten in keiner Weise zurück. Und gerade des-