Nachrichtenblatt Ver Deutschen flrbeitsftont Bremen
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Nr. 124 /-.Zadrgang
Sonnabend, S. Mai 1SZ?
kinzelpreis 1Z Nps.
Nas LustWff abgebrannt
Ursache der Katastrophe rätselhaft
ks wird weitergeflogen
(Orablbsriobk nnssrss nuek Krisdricösliuksii sntsunätsn Zonäsrbsrioiiisrstuttsrs)
O. Friedrichshafen, 7. Mai. I« der Zeppelinstadt Friedrichshafen am Bodensee wehen die Fahnen aus halbmast. Mit der Gewalt einer unvorstellbaren Naturkatastrophe
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Unser ^agssspiegsi
Die Katastrophe von Lakehurst kann das Vorwärtsstreben der deutschen Lustfahrt nicht aushalten.
Der Führer hat 38 888 RM. für die betroffenen Familien der „Hindenburg"- Besatzung zur Verfügung gestellt.
Wie die „VZ." erfährt, ist das Luftschiff „Hindenburg" nicht explodiert, sondern abgebrannt.
Eine deutsche llntersuchungskommission befindet sich auf dem Wege nach USA. Telegramme bestätigten auch die glückliche Rettung von zwei Bremern, die sich an Bord des „Hindenburg" befanden.
, Der Reichsminister der Luftfahrt hat Bestimmungen zur Durchführung des Luftschutzgesetzes erlassen.
In Katalonien haben die Anarchisten ein Ultimatum an ihre feindlichen „Genossen" gestellt.
Staatsminister a. D. Esser und Senator Bernhard sprachen auf der 1. Tagung des Landesfremdenverkehrsverbandes Unterweser- Jade e. V.
Stavssührer Lauterbacher sprach vor den Führern der Nordsee-HJ. im „Totengrund". Im Davispokal-Kampf gegen Oesterreich führt Deutschland nach dem ersten Tag 2:8.
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hat die llnglücksbotschaft hier auf Menschen und Gemüter eingewirkt. Die Erschütterung war im ganzen Bodenseegebiet deshalb so groß, weil ein solches Unglück nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte hier als unmöglich galt. Die Vernichtung des Luftschiffes, die allen Deutschen ein nationales Unglück bedeutet, ist für die Mehrzahl der 23 888 Einwohner Friedrichshafens darüber hinaus auch noch ein persönliches Unglück. Viele Friedrichshafener Familien stehen in engen verwandtschaftlichen Beziehungen zu Vesatzungsange- hörigen des Luftschiffes. Daß die Zahl der Geretteten größer ist, als nach den ersten Unglücks- meldungen angenommen werden konnte, mag dem Ereignis nur in den Augen des einzelnen unmittelbar Betroffenen etwas von der Unversöhnlichkeit nehmen, die das ganze Gemeinwesen diesem Schicksalsschlag gegenüber empfindet.
Die Frage nach den Ursachen wird hier in Friedrichshafen überall in der Stadt, aus der Werft, auf den Straßen, in den Häusern gestellt. Sie mutz zunächst unbeantwortet bleiben. Der Luftschiffbau Zeppelin hat uns erklärt, es sei gegenwärtig völlig unmöglich, eine Vermutung über die Ursache auszusprechen. Niemand kennt die Ursache. Man steht vor einem Rätsel, das auch den Fachleuten unergründlich ist. Nach den Berichten, die der Luftschiffbau von seiner amerikanischen Vertretung erhalten hat, steht folgendes fest: Die Katastrophe hat sich nicht in Form einer Explosion, sondern in einem Abbrennen des 248 Meter langen Luftschiffes ereignete Damit fügt sich wohl auch die Tatsache der Rettung so zahlreicher Gefährdeter eher in das Gesamtbild des Unglücks ein. 2n diesem Zusammenhang gewinnt die Mitteilung des amerikanischen Vertreters der Friedrichshafener Gesellschaft an Bedeutung, wonach der Absturz aus 15 Meter Höhe über dem Erdboden geschah. Der Leiter des Luftfahrtkonzerns, Dr. Hugo Ecken er, der zur Zeit des Unglücks in Wien weilte, hat sich im Flugzeug nach Berlin begeben
und nimmt selbst an den in Amerika zu führenden Untersuchungen teil.
Vier Mann der Stammbesatzung des Luftschiffes konnten durch einen Zufall an der, letzten Fahrt des. Schiffes nicht teilnehmen; sie blieben so vielleicht vor einem schweren Schicksal bewahrt.
LZ. 130 aber, das im Bau befindliche neue Luftschiff, geht in einer der drei großen Friedrichshafener Luftschisshallen seiner Vollendung entgegen. Nur kurze Zeit hat Freitag, morgen als Zeichen der Trauer die Arbeit in der Halle geruht; sie ist längst wiederaufgenommen worden. Die deutsche Luftschiffahrt läßt sich auch durch solch einen Schicksalsschlag nicht entmutigen; es wird weitergeflogen!
Sabotage?
Rundsunkansprache Dr. Eckeners
Berlin, 7. Mai
Dr. Eckener sprach am Freitag über den Kurzwellensender nach Amerika und anschließend über sämtliche Sender des deutschen Rundfunks. Er führte u. a. aus: „In der Weltpresse sind die verschiedensten Nachrichten über den Unfall des. Luftschiffes „Hindenburg" in Lakehurst erschienen. Selbstverständlich wird auch die Frage einer etwaigen Sabotage, an die ich im ersten Augenblick, wie ich gestehe, selbst noch gedacht habe, ernstlich zu untersuchen sein. Auf Grund neu eingetroffener Meldungen aus Amerika und angesichts der ausgezeichneten organisatorischen Maßnahmen der amerikanischen Regierung liegt aber für Liese Anficht nur noch eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit vor. Näher liegt dagegen die Vermutung, daß elektrische Vorgänge, die vielleicht auf die Witterungslage zurückzuführen sind, eine Rolle bei diesem Unfall gespielt haben.. Aus einer Besprechung mit Generaloberst Eöring habe ich die felsenfeste Gewißheit mitgenommen, das Deutschland unerschütterlich an der Idee des Luftschiffbaues und des Luftschiffverkehrs festhält. Hierfür müssen wir Luftschiffe! Adolf Hitler aus tiefstem Herzen dankbar sein.
wie dar Unglück in eakeiinrft geschah
Lakehurst, 7. Mai
. Der am Schauplatz der Unglücksstätte in Lakehurst weilende Berichterstatter des Deutschen Nachrichtenbüros übermittelt folgenden Drahtbericht: Ich war selbst Augenzeuge der unfaßbaren Katastrophe des LZ. „Hindenburg". Ich war mit einigen deutschen und amerikanischen Freunden im Kraftwagen nach Lakehurst unterwegs, als wir gegen 18 Uhr Newyorker Zeit bei unfreundlichem und von wiederholtem Platzregen begleiteten Wetter den deutschen Luftriesen in gleicher Fahrtrichtung, wie wir sie einhielten, etwa in Höhe der atlantischen Küste fahren sahen LZ. „Hindenburg" entschwand dann unseren Blicken, um erst wieder am Horizont aufzutauchen, als unser Kraftwagen in Lakehurst eintraf. Nach etwa dreiviertelstllndigem strömenden Regen — es war dabei sehr schwül — erschien das Luftschiff aus südöstlicher Richtung kommend und traf gegen 19.15 Uhr Newyorker Zeit Anstalten zur Landung. Trotz immer noch schwer verhängten
Kapitän Lruü, der das Kommando des Knkt- sobikkes „Hindenburg" innebatte.
Kukn.: Weltbild
Himmels schien plötzlich Windstille eingetreten zu sein. Zweimal ließ LZ. „Hindenburg" Wasser- ballast ab, und dann fielen aus der Vorderspitze nacheinander zwei Landungstaue zur Erde.
Alles nahm einen ordnungsmäßigen Verlauf, und man hatte den Eindruck eines geradezu vorbildlich ausgeführten Landungsmanövers. Um 18.23 Uhr Newyorker Zeit schoß plötzlich aus vielleicht mittlerer Höhe des Hinterschiffes eine Stichflamme heraus. Dann folgte ein dumpfer Knall. In Bruchteilen einer Sekunde war das Hinterschiff in ei» einziges Flammenmeer verwandelt; die Feuergarben erfaßten sofort auch das ganze Schiff, das langsam zu Boden sank und ausbrannte.
flmtliche Meldung über die öereHeten
Berlin, 7. Mai.
Nach den bei der Deutschen Zeppelinreederei vorliegenden Meldungen sind folgende Passagiere unverletzt gerettet worden: Leonhard Adelt, Gertrud Adelt, Karl Otto Clemens, Mathilde Doehner, Walter Doehner, Werner Doehner, Rolf von Heidenstan, Klaus Hinkelbein, George Hirschfeld aus Bremen, W. E. Leuchtenberg, Philip Mangone, Marguerit Mather, Nelson Morris, Emil Stöckle.
Folgende Passagiere konnten verletzt geborgen werden: Doehner, Irene; Erant,
George; Kleemann, Frau Maria; Knöcher, Erich; O'Laughlin, Herbert James; Späh, Josef; Witt, Hans Hugo.
Folgende Passagiere gelten als vermißt: Anders, Rudolf; Velin, Peter; Vrinck, Birger; Doehner, Hermann; Dolan, Vurtis; Douglas, Edward; Ernst, Otto; Ernst, Eise; Feibusch, Moritz; Osbun, Elifford; Pannes, Jones; Pannes, Emma; Reichold, Otto; Vinholt, Hans.
Für Fritz Erd mann liegt die Todesbestätigung vor.
Von der Besatzung blieben unverletzt: Fischer, Mater (Taver), Klein, Nunnen- macher, Lau, Kollmer, Wittemann, Bauer (Heinrich), Zabel, Ziegler, Bauer (Kurt), Schweig- hardt, Kubis, Niesten, Beutele, Sauter, Scheubele, Zettel, Dörflein, Steeb, Deeg, Voetius, Stöffler, Franz, Valla, Henneberg.
Verletzungen trugen davon: Lehmann, Sammt, Speck. Dome, Schönhcrr, Lenz, Leibrecht, Deutschte, Herzog, Dr. Rüdiger aus Bremen, Ritter, Freund, Schadle, Bernhard, Erötzinger, Felder, Bahnholzer, Pruß.
Als Vermißte haben zu gelten: Knorr, Eichelmann Huchel, Spehl, Müller (Richard),
Kapitän lstedwann, der sieb nur LsiatnnA des 8el>ikks!rommandos an Lord des Iniktsebikkes „HindendniA" bskand. /Inka.: Weltbild
Flachus, Schultze (Max), Fmhoff (Emilie), Dim- ler, Schrittmüller; Biallas, Stöckle (Alfred), Scheef, Mooser, Beisacher, Helgening, Schlapp.
Es besteht die Hoffnung, daß einige der als vermißt gemeldeten Passagiere und Vesatzungs- mitglieder noch als in Krankenhäusern befindlich festgestellt, werden können.
Das Veilew des süDrers
3K RM. für die Familien der Besatzungsmitglieder
Berlin, 7. Mai.
Der Führer und Reichskanzler hat an die Deutsche Zcppelinreederei folgendes Beileidstelegramm gerichtet: „An dem schweren Schicksalsschlag, der Sie durch den Verlust des Luftschiffes „Hindenburg" und durch den Tod zahlreicher Mitglieder der Besatzung und Passagiere betroffen hat, nehme ich herzlichsten Anteil.'Ich bitte Sie, den Familien der verunglückten Fahrgäste sowie den Hinterbliebenen der in treuer Pflichterfüllung ums Leben gekommenen Angehörigen Ihrer Reederei mein tiefempfundenes Beileid, den Verletzten meine Wünsche für baldige Wiederherstellung auszusprechen. Als erste Hilfe für die Familien der Vesatzungsmitglieder stelle ich Ihnen den Betrag von 38 888 Mark zur Verfügung. (gez.) Adolf Hitler."
(Siehe wich Seite 2)
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* Bremen, 8. Mai.
Noch niemals hat Schicksalstücke ein starkes Volk in seinen Zielen zu beirren vermocht. Größer als das Schicksal ist noch immer gewesen, wer ihm unerschüttert zu begegnen vermochte.
Das deutsche Volk, das sich beim Anbruch des gestrigen Tages vor die zutiefst schmerzliche Tatsache gestellt sah, daß das große technische Wunderwerk, Luftschiff „Hindenburg", das herrlichste Verkehrsmittel, um das uns eine ganze Welt beneidete, durch ungeklärte Ursachen vernichtet wurde, ist weit davon entfernt, über seiner Trauer um die Opfer des Unglücks und über das Weh', das der schwere Schicksalsschlag in jedem deutschen Herzen auslöste, seine Zuversicht auf die Zukunft und unbedingte Zuverlässigkeit der wundervollen Zeppelin-Luftschiffe zu verlieren.
Was dem deutschen Volke und der Welt das Unglück von Lakehurst zeigt, ist nichts anderes, als daß eben sedes Menschenwerk, auch das beste und vollkommenste, zugrunde gehen kann; aber daß es nichtsdestoweniger schlecht um die Menschheit bestellt wäre, wenn aus solchem Anlaß die menschliche Schöpferkraft erlahmen, Tatkraft und Zuversicht ersticken würden. Schon einmal stand das deutsche Volk vor einem Trümmerhaufen, der aus einem stolzen Fahrzeug des unvergeßlichen alten Grafen Zeppelin geworden war. Aber stolzer und vollkommener als das vernichtete, erstanden danach andere Luftschiffe, nicht zuletzt dasjenige, das seit über acht Jahren mit fast minutiöser Sicherheit kursmäßig seine Fahrten über den Atlantischen Ozean, teils nach Nordamerika, teils nach dem amerikanischen Süden durchführt.
Wenn etwas für die selbstverständliche Sicherheit und Präzision der deutschen Luftschiffe spricht, so gerade das Luftschiff „Graf Zeppelin", das, obwohl längst nicht technisch so vollkommen wie das jetzt zugrunde gegangene, in ununterbrochener Iahresfolge alle Anforderungen, die an es gestellt wurden, mit wunderbarer Selbstverständlichkeit erfüllt. Es gibt kaum ein Verkehrsmittel — es
gibt überhaupt keines —, das nach Zurück- legung von Millionen von Kilometern so stark, so sicher und so schön seiner Wege zieht,'wie ein Zeppelin-Luftschiff. Längst hat deutsche Luftschifftechnik jederlei Explosionsmöglichkeit ausgeschaltet, und auch bei der Vernichtung des Luftschiffes „Hindenburg" war — entgegen anfänglicher Annahme — Explosion nicht Ursache des Unglücks.
Wenn dem Luftschiff „Hindenburg" das Schicksal der Vernichtung ward, so bestimmt nicht darum, weil ihm ein technischer Fehler anhaftete oder weil etwa bei der Handhabung seiner Führung etwa Fehlerhaftes unterlaufen wäre. Wie einen Menschen von ungefähr der Blitz treffen kann oder wie ihn sonst Schicksalsgewalten von ungefähr in das Nichts zu ziehen vermögen, so sehen wir auch in dem Schicksal des Luftschiffes „Hindenburg" eine unerforschliche, dunkle Schicksalsfügung, die nichts, aber auch gar nichts gegen die unbedingte Brauchbarkeit des Luftschiffes besagt.
Und darum ist auch das ganze deutsche Volk einig in dem Gedanken und in dem Willen, sich von diesem Unglück nicht beeinflussen zu lassen, sondern so bald als möglich — und es wird schon in den nächsten Monaten sein —, an die Stelle des vernichteten Luftschiffes ein anderes, ein neues, ein glück- hafteres zu setzen. Schon laufen von allen Seiten des Reiches Telegramme an den Führer und Spenden an die Werft in Friedrichshafen ein, als Willenskundgebungen dafür, daß das deutsche Volk über die Trümmer des vernichteten Luftschiffes hinweg, bereits im Geiste das neue stolze Gebilde eines anderen herrlichen Zeppelin-Luftschiffes aufsteigen sieht.
Zeppelin-Luftschiffe sind nicht mehr wegzudenken aus dem internationalen Weltverkehr. Sie sind unumgängliche Notwendigkeit bei der Lösung des Verkehrsproblems, zur raschen Ueberbrückung der Weltmeere, zur bequemen Zurücklegung großer Reisen und nicht zuletzt zur Knüpfung eines idealen Bandes zwischen den Völkern der Alten und der Neuen Welt geworden. Nicht nur das deutsche Volk — so glauben